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Indien-Überblick: Angriffe auf Christen

Kurzmeldungen aus mehreren Bundesstaaten

 

(Open Doors) – Die Verfolgung von Christen in Indien, besonders durch Nationalisten, hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. Wie die Evangelische Allianz Indien (EFI) berichtet, kam es seit 2001 pro Jahr zu 130 gewalttätigen Übergriffen gegen Christen. Allein im vergangenen Jahr wurden 149 Vorfälle verzeichnet. Obwohl die indische Verfassung das Recht zur freien Religionsausübung vorsieht, sind Christen seit Jahren Angriffen gewalttätiger Hindu-Extremisten ausgesetzt. Außerdem wird die Religionsfreiheit in einigen Bundesstaaten durch Antibekehrungsgesetze beschnitten. Auf dem Open Doors-Weltverfolgungsindex belegt Indien Platz 32 in der Liste der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Bundesstaat Andhra Pradesh (Ostindien): In Landeshauptstadt Hyderabad wurde am 20. Dezember ein Pastor von einer Gruppe von Hindu-Extremisten bedroht. Auslöser war eine Weihnachtsfeier tags zuvor, auf der ein Gastredner über seine Konversion vom Hinduismus zum christlichen Glauben gesprochen hatte. Nach Angaben des Gesamtindischen Christenrates (AICC) verwickelten vier anwesende Hindus daraufhin Pastor Raju in einen Streit und beschimpften ihn. Am folgenden Tag seien etwa 100 Männer zum Haus des Pastors gegangen und hätten ihn verprügelt. Mit Eintreffen der Polizei zerstreute sich die Gruppe. Einzelne Männer drohten jedoch dem Pastor Gewalt an, sollte er das Gebiet nicht verlassen. Sein Vermieter wurde unter Druck gesetzt, Raju binnen zehn Tagen zu kündigen.

Bundesstaat Karnataka (Südindien): Wegen des Vorwurfs der Zwangsbekehrung von Hindus wurde am 2. Dezember ein 26-jähriger Pastor in Mahadevapura verhaftet. Wie der Globale Rat indischer Christen (GCIC) berichtet, waren Pastor Johnson und ein leitendes Gemeindemitglied zu einem Gebetsdienst in das Haus eines Christen eingeladen worden. Johnson, der in Kerala lebt, wohnte zu dieser Zeit in der "vergreen School" von Udayanagar nahe Mahadevapura. Gegen elf Uhr vormittags stürmten etwa 25 Anhänger der nationalistischen Organisation "Bajrang Dal" in das Haus, zerrten Johnson auf die Straße und prügelten auf ihn ein. Die Männer bezichtigten ihn der Zwangsbekehrung. Dann brachten sie Pastor Johnson zur Polizeistation von Mahadevapura, wo die Beamten die Anzeige entgegennahmen. Bei Redaktionsschluss war der Pastor noch im Gefängnis.

Bundesstaat Karnataka (Südindien): Am 5. Dezember schloss die Polizei eine Hauskirche in Rippon Pete im Bezirk Shimoga. Pastor Sebastian Babu wurde während des Sonntagsgottesdienstes von mehreren Hindu-Extremisten der Zwangsbekehrung bezichtigt. Die Männer drohten ihm Gewalt an, sollte er weiterhin Gottesdienste abhalten. Die herbeigerufene Polizei warnte den Pastor vor der Durchführung weiterer Versammlungen in dem Haus und lud ihn für den nächsten Tag zusammen mit seinem Vermieter auf die Polizeiwache vor. Wie berichtet wurde, erklärte der Vermieter den Beamten, er habe keine Einwände gegen die Hauskirche in seinem Haus. Aus Sicherheitsgründen wurde ihm geraten, keine Gottesdienste mehr abzuhalten.

Bundesstaat Kerala (Südindien): Einem AICC*-Bericht zufolge griffen Hindu-Extremisten am 2. Dezember in einem Bahnhof von Ernakulam eine Nonne an, die an der Hochschule der Stadt studiert. Schwester Ann Matthew wurde dabei so stark verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden musste. Nach eigenen Angaben wurde sie angegriffen, weil sie Christin ist. Matthew erstattete bei der Polizei Anzeige; bislang wurde niemand festgenommen.

Bundesstaat Madhya Pradesh (Zentraindien): Aufgrund der in dem Bundesstaat geltenden "Anti-Bekehrungsgesetze" wurde am 9. Dezember in Satna ein Pastor verhaftet. Pastor V.A. Anthony hatte vor einiger Zeit einen Verstorbenen nach christlicher Tradition beerdigt. Die Eltern des Toten hatten ihn darum gebeten. Daraufhin zeigten ihn Anhänger der nationalistischen "Bharatiya Janata Party" an. Die Polizei konnte jedoch kein Fehlverhalten des Pastors feststellen. Anfang September zwangen Anhänger des "Sangh Parivar"* örtliche Zeitungen, tendenziöse Berichte über das Begräbnis zu veröffentlichen. Vor dem Generalinspektor der Polizei bezichtigten sie den Pastor, die Eltern des Verstorbenen zwangsbekehrt zu haben. Am 12. September 2010 bedrohten sie den Pastor.

Bundesstaat Madhya Pradesh (Zentralindien): Am 26. Dezember verprügelten Anhänger der militanten Organisationen "Bajrang Dal" und "Dharam Sena" einen Christen. Wie berichtet wurde, hatte Devanand Dandale in Damoh Naka bei Jabalpur Schriften mit christlichem Inhalt verteilt. Dandale wurde fast zwei Stunden lang von den Angreifern verprügelt. Außerdem nahmen sie ihm sein Mobiltelefon und Geld weg. Dann brachten die Männer ihn zur Polizeistation von Kotwali. Medienvertretern gegenüber behaupteten sie, Dandale sei ein Konvertit, der andere zum Übertritt zum christlichen Glauben zwingen würde. Auf Anraten der Polizei hin erstattete Dandale Anzeige gegen fünf Männer. Er musste wegen seiner Verletzungen ärztlich behandelt werden.

Bundesstaat Maharashtra (Zentralindien): In Worli Koliwada/Mumbai wurden am Abend des 18. Dezember zwei Christen verprügelt. Wie die überregionale "Times of India" weiter berichtete, gehörten die Männer zu einer Gruppe von 25 Mitgliedern der Jugendgruppe der christlichen Gemeinde "New Life Church". Sie hatten Weihnachtslieder auf der Straße gesungen. Dhananjay Desai, einer der Angreifer und Anhänger der hindu-extremistischen Gruppe "Rashtra Sena" bezichtigte sie, für das Singen bezahlt worden zu sein. Dann rief er telefonisch weitere Männer herbei, mit denen er die Christen gewaltsam zur Polizei brachte. Joseph Dias vom "Catholic Secular Forum" sagte dem Informationsdienst "Compass Direct", dass die Polizei die Täter lediglich verwarnt habe.

Bundesstaat Uttarakhand (Nordindien): Wegen des Vorwurfs der Zwangsbekehrung von Hindus stürmten in dem nordindischen Bundesstaat Polizisten am 9. November das Gebetstreffen der "Indian Pentecostal Assemblies" in Ravli Mehdud/Haridwar. Pastor Manoj Kumar und zwei Gemeindemitglieder wurden verhaftet. Die Beamten beschimpften die Christen, äußerten sich abfällig über Jesus Christus sowie die christliche Gemeinde und drohten Pastor Kumar Gewalt an. Nach Intervention christlicher Leiter der Gegend wurden die Männer ohne Anklage freigelassen.

Westbengalen (Ostindien): Gewaltbereite Muslime haben in Natungram/Murshidabad einer vom Islam zum christlichen Glauben übergetretenen Frau verboten, mit ihrem Milchgeschäft weiter Handel zu betreiben. Zudem wurde ihr eine empfindliche Geldstrafe angedroht, wenn sie nicht wieder zum Islam zurückkehrt. Vor gut einem Jahr sind Chanda Babi und ihre Familie Christen geworden. In den folgenden Monaten sollen mehrere Muslime der Familie verboten haben, christliche Gottesdienste zu besuchen oder den Umgang mit ihren Nachbarn zu haben. Dorfbewohner wurden Ende November vorigen Jahres angewiesen, keine Milch mehr bei Chanda Babi zu kaufen. Ladenbesitzer wurden davor gewarnt, weiterhin Waren an die Christin zu verkaufen.

Quelle: Compass Direct

*Abkürzungen:
AICC: All-India Christian Council (Gesamtindischer Christenrat)
Bajrang Dal: militante Hinduorganisation und Jugendflügel der hindu-nationalistischen Organisation VHP (Vishwa Hindu Parishad)
BJP: Bharatiya Janata Party(rechtkonservative, hindu-nationalistische Partei)
EFI: Evangelical Fellowship of India (Evangelische Allianz Indien)
GCIC: Global Council of Indian Christians (Allgemeiner indischer Christenrat)
RSS: Rashtriya Swayamsevak Sangh (Nationale Freiwilligenorganisation, extremistische Hinduorganisation)
VHP: Vishwa Hindu Parishad (hindu-nationalistische Organisation)
Sangh Parivar (Familie): ein Verband von parlamentarischen und außerparlamentarischen Organisationen, weitestgehend der Hindutva-Ideologie verpflichtet, gilt als Trägergruppe der hindu-nationalistischen Bewegung

Bitte beten Sie für die christliche Minderheit in Indien, die fast täglich Diskrimierung und Verfolgung durch Extremisten ausgesetzt ist.

 

QuelleCompass Direct

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