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Indien: Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten

 

(Open Doors) – Auch im vergangenen Monat kam es wieder zu Angriffen auf Christen in mehreren indischen Bundesstaaten. Nachfolgend einige Kurzmeldungen aus Indien

Bundesstaat Andhra Pradesh: In Kurnool im südostindischen Bundesstaat Andhra Pradesh verhaftete die Polizei am 17. September einen Christen muslimischer Herkunft. Extremistische Muslime hatten Sheik Maqbool wegen Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed angezeigt. Zudem erhielt Maqbool Morddrohungen. Wie der Informationsdienst Compass Direct berichtet, hatte Maqbool ein dreitägiges christliches Treffen unter freiem Himmel organisiert und dazu christliche Handzettel verteilt. Die Kläger behaupten, die Schriften würden die Lehren Jesu Christi mit denen Mohammeds vergleichen und damit den Islam beleidigen. Christliche Leiter der Gegend widersprachen der Darstellung. Vielmehr hätten Muslime die Zettel nachgedruckt und mit blasphemischen Bemerkungen versehen. Sheik Maqbool wurde ohne Möglichkeit einer Kautionszahlung ins Gefängnis eingeliefert.

Bundesstaat Chhattisgarh: Als Journalisten getarnte Hindu-Extremisten drangen am 15. September in Raipur im ostindischen Bundesstaat Chhattisgarh in eine Gebetsstunde von Christen ein. Sie beschuldigten die Anwesenden der Zwangsbekehrung von Hindus und bezichtigten den Pastor, Hindu-Gottheiten zu entehren. Die Angreifer warnten ihn davor, weiterhin Christen in ihren Häusern zu besuchen. Die Polizei lehnte es ab, die Anzeige der Christen aufzunehmen.

Bundesstaat Chhattisgarh: In Raigarh im ostindischen Bundesstaat Chhattisgarh stürmten am 12. September rund 25 Hindu-Extremisten in das Haus des Evangelisten Robinson Roat. Die Männer schlugen auf den wehrlosen Mann ein und verlangten von ihm die Einstellung seiner gemeindlichen Aktivitäten.

Bundesstaat Karnataka: Anhänger der hindu-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei* und der Bajrang Dal* griffen am 26. September während eines Gottesdienstes die Gnanodya-Gemeinde von Yellapura im südindischen Bundesstaat Karnataka an. Einem AICC*-Bericht zufolge hatten die Angreifer zuvor Pastor Shiva Ram der Zwangsbekehrung von Hindus beschuldigt und angezeigt. In Anwesenheit von Polizisten begannen sie, die Kirche zu verwüsten. Wie Gemeindemitglieder berichteten, sei Ram aufgrund seiner Sozialarbeit ins Visier der Extremisten geraten. Die Polizei verhaftete den Pastor.

Bundesstaat Karnataka: In Mundgo im südindischen Bundesstaat Karnataka ist am 26. September ein Pastor verhaftet worden. Nationalistische Hindus beschuldigen Shivanda Siddi der Zwangsbekehrung von Hindus. Wie der GCIC* weiter berichtete, stürmten fünf Anhänger der Bajrang Dal* in die Kirche und verprügelten den Christen. Danach riefen die Angreifer die Polizei, die den Pastor gemeinsam mit sieben Frauen und zwei kleinen Kindern abführte. Auf der Polizeiwache beschimpften die Hindus die Christen, ohne dass die Polizei eingriff. Erst nach Intervention des GCIC kamen die Frauen und Kinder wieder frei. Pastor Siddi wurde zur Last gelegt, einen für Hindus heiligen Ort der Anbetung entweiht zu haben. Er wurde ins Sirsi-Gefängis von Uttar Kananda gebracht.

Bundesstaat Rajasthan: Hindu-Extremisten griffen am 26. August in Udaipur im nordwestindischen Bundesstaat Rajasthan zwei Evangelisten an. Charlie John und V.M. George verteilten gerade auf der Straße christliche Schriften an Passanten, als eine Gruppe von Hindus auftauchte. Wie der AICC* berichtet, nahmen die Männer den Christen die Schriften weg und beschädigten deren Fahrzeug. Zuletzt prügelten sie auf die beiden ein. Die eintreffende Polizei rettete die inzwischen Schwerverletzten und empfahl ihnen, Anzeige zu erstatten. Doch die Christen sagten der Polizei, sie hätten sich entschlossen, ihren Angreifern zu vergeben.

Bundesstaat Tamil Nadu: Am 29. September unterbrachen radikale Hindus in Theni im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu ein Treffen von Christen und drängten die Polizei zur Festnahme des Evangelisten V.K. Williams und weiterer sieben Christen. Die Festgenommenen befinden sich derzeit noch im Gefängnis.

Bundesstaat Uttar Pradesh: Drei Anhänger der hindu-nationalistischen Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) haben in Babina/Bezirk Jhansi im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh einen Pastor beschimpft und verprügelt. Die mit Holzstöcken bewaffneten Angreifer hatten dem Pastor am 5. September nach dem Gottesdienst aufgelauert. Laut Angaben des GCIC* musste das Opfer wegen eines Beinbruches im Krankenhaus behandelt werden. Nach seiner Entlassung erstattete der Pastor Anzeige. Bislang sei es zu keiner Festnahme gekommen, so der GCIC.

Bundesstaat West Bengal: In Purulia im ostindischen Bundesstaat West Bengal haben Hindu-Extremisten am 26. September einen Gottesdienst unterbrochen und die anwesenden Gemeindemitglieder gewaltsam aus der Kirche gezerrt. Nach eigenen Angaben wollten sie damit die nicht-hinduistische Gebetsversammlung stoppen. Einem Informanten aus Kolkata zufolge drohten die Angreifer damit, die Christen zu töten, falls diese sich weigern, zum Hinduismus überzutreten. Im Zuge der Ermittlungen lud die Polizei beiden Parteien vor. Doch radikale Hindus schüchterten die Christen mit Morddrohungen ein, um sie von einer Aussage abzuhalten.

Quelle: Compass Direct

* Abkürzungen:
AICC: All-India Christian Council (Gesamtindischer Christenrat)
EFI: Evangelical Fellowship of India (Evangelische Allianz Indiens)
GCIC: Global Council of Indian Christians (Allgemeiner indischer Christenrat)
RSS: Rashtriya Swayamsevak Sangh (Nationale Freiwilligenorganisation,
extremistische Hinduorganisation)
Bajrang Dal: militante Hinduorganisation und Jugendflügel der hindu-
nationalistischen Organisation VHP, Vishwa Hindu Parishad
VHP - Vishwa Hindu Parishad: hindu-nationalistischen Organisation
BJP - Bharatiya Janata Party: rechtkonservative, hindu-nationalistische Partei

 

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