Interview interview

Interview mit Pastor Adel aus Usbekistan

„Jedes Mal, wenn wir Verfolgung erleben, frage ich mich: Warum bin ich immer noch hier?“

Wenn du wüsstest, dass dein Glaube dich deine Familie kosten könnte, würdest du an ihm festhalten? Wenn die Polizei dein Zuhause durchsuchen würde, würdest du dort weiterhin illegale Gottesdienste durchführen? Wenn dein Land dich nicht wollte, würdest du bleiben, um Jesus zu dienen? Dies sind nur einige der Gedanken, mit denen sich Adel* aus Usbekistan jeden Tag beschäftigen muss. Er ist Pastor einer Untergrundgemeinde in Usbekistan. Uns hat er seine Geschichte erzählt.
 

Symbolbild
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Wir treffen Adel an einem öffentlichen Platz. Jedes Mal, wenn ein Passant an uns vorbeiläuft, unterbrechen wir unser Gespräch. So vorsichtig müssen Christen in Usbekistan arbeiten, einer früheren sowjetischen Republik. Das Land wird noch immer wie ein kommunistischer Staat regiert, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Muslime sind und der Islam eine große Rolle im alltäglichen Leben einnimmt. Die Verfolgung der Christen geht in Usbekistan sowohl von der Regierung und den Behörden aus, als auch von der muslimischen Gesellschaft – deswegen haben es insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund schwer.

Kannst du uns etwas von deinem derzeitigen Dienst erzählen?

Nach der Universität wurde ich Teil eines Dienstes, der auf Evangelisation spezialisiert war. Die Mitarbeiter hatten Gebetsgruppen in Städten und Dörfern gestartet. Manchmal luden wir auch Menschen zu den Treffen ein, die noch keine Christen waren. Aber vor kurzem haben wir unsere Vorgehensweise geändert. Wir beten nun einfach zusammen und bitten Gott um seine Führung. Er gibt uns die Möglichkeiten. Letztens waren meine Frau und ich im Supermarkt. Nach einer Weile sah ich sie nicht mehr. Sie hatte eine Frau getroffen, die ein Problem mit ihren Beinen hatte und war mit ihr nach draußen gegangen, um für sie zu beten. Die Frau wollte eigentlich kein Gebet: „Ich brauche eine Operation und kein Gebet“, sagte sie. „Bitte“, antwortete meine Frau. „Lassen Sie mich für Ihr Bein beten!“ Die Frau wurde geheilt. Es war wundervoll. So wirkt Gott und zieht Menschen zu sich.

Und du bist außerdem Pastor einer Untergrundkirche?

Genau. Meine Frau und ich fingen an, Treffen abzuhalten. Wir luden junge Menschen ein und erklärten ihnen das Evangelium. In zwei Jahren wuchs die Gruppe auf etwa 30 Leute an. Die meisten fanden jedoch nach und nach Arbeit in Russland oder anderen Teilen von Usbekistan und verließen uns. Es blieben nur noch etwa fünf Teilnehmer übrig. Also haben wir unsere Strategie geändert. Wir bitten unsere Mitglieder, das, was sie gelernt haben, mit jemandem zu teilen. So sind wir in diesem Jahr von fünf auf 70 Leute gewachsen. Es ist unmöglich, mit so vielen Menschen Treffen abzuhalten. Es ist illegal und zu gefährlich. Darum treffen wir uns nun in mehreren Gruppen.

Was ist mit der Polizei? Werdet ihr überwacht?

Wir werden sogar sehr genau überwacht. Die Polizei hat mein Zuhause schon mehrfach durchsucht. Deswegen mussten wir häufig umziehen. Wenn die Polizei kommt, ist sie sehr unhöflich und konfisziert Computer, DVDs, CDs und Bücher. Wir haben deswegen keine christliche Literatur zuhause, aber sie nehmen trotzdem viel von unseren Sachen mit. Vor ungefähr drei Jahren war ich nicht zuhause, als zwei Polizisten in Zivil zu unserem Haus gekommen sind. Meine Frau öffnete die Tür und konnte sofort sehen, dass einer der beiden betrunken war. Sie hatte große Angst. Zum Glück ist damals nichts passiert. Ich war aber sehr aufgebracht und ging am nächsten Tag zum Polizeirevier. Ich wollte wissen, warum die Männer bei uns gewesen waren. Ich wurde wie ein Krimineller behandelt und musste sogar meine Fingerabdrücke nehmen lassen. Nachdem ich nach Hause kam, kamen erneut Polizisten. Dieses Mal durchsuchten sie das Haus. Unser Baby schlief, aber sie stürzten einfach in das Schlafzimmer und machten einen großen Lärm, während sie unsere Schränke durchsuchten. Weil sie nichts finden konnten, gingen sie irgendwann wieder.

Das muss sehr anstrengend für euch gewesen sein.

Ja. Jedes Mal, wenn wir Verfolgung erleben, frage ich mich: Warum bin ich immer noch hier? Ich wollte mein Land schon so oft verlassen und mich verstecken. Aber dann erinnern meine Frau und ich uns daran, warum wir hier sind: um Jesus zu dienen. Jedes Mal, wenn die Polizei bei uns war, muss ich eine bewusste Entscheidung treffen, zu bleiben und Zeuge Jesu zu sein.

Gab es damals schon Widerstand in eurem Dorf, als du und deine Familie Christen geworden sind?

Es sprach sich schnell herum, dass wir Christen geworden waren. Der Mullah der Moschee war nicht froh darüber und verkündete öffentlich, dass es niemandem erlaubt war, mit uns Kontakt zu halten. Das war eines der schlimmsten Dinge für uns. Trotzdem entschlossen sich meine Eltern, in dem Dorf zu bleiben, damit die Menschen sehen konnten, wer Jesus ist. Ich zog schließlich wegen der Arbeit in eine andere Stadt. Aber meine Eltern leben noch bis heute in unserem Heimatdorf und sind Zeugen für Jesus.

Das muss sehr hart gewesen sein.

Ja. Es ist jetzt 17 Jahre her, dass meine ganze Familie zum Glauben an Jesus gekommen ist. Zehn dieser Jahre wurden wir von allen im Dorf ignoriert. Aber Gott gab uns einen besonderen Schutz. Man fand heraus, dass der Mullah, der uns beschuldigt hatte, Verräter zu sein, Ehebruch beging. Ein Sicherheitsbeamter, der uns damit gedroht hatte, uns ins Gefängnis zu bringen, wurde wegen Korruption selbst verhaftet. Die Menschen im Dorf verglichen unser Leben mit dem des Mullahs – und sie sahen den Unterschied. Wir sind eine aufrichtige und liebevolle Familie. Immer wenn ich in den Ort zurückgehe, will mich jeder als seinen Gast einladen. Ist das nicht unglaublich?

Bitte beten Sie für Adel und seine Arbeit in Usbekistan!

Beten Sie

  • für Kraft und Vertrauen auf Gott, insbesondere nach neuen Durchsuchungen durch die Polizei.
  • um Schutz für die Treffen der verschiedenen Gruppen.
  • für Adels Eltern, die noch immer in ihrem Heimatdorf leben.
  • dass die geheimen Hauskirchen im ganzen Land viele Menschen mit dem Evangelium erreichen.

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