Interview interview
Nordafrika

Interview: Seminare für Pastoren in Nordafrika

„Die Kirche kann nur wachsen, wenn sie bereit ist, zu leiden.“

Die Kirche in Nordafrika ist sehr jung. Zwar gab es an der Südküste des Mittelmeers in den ersten Jahrhunderten nach Christus Nachfolger Jesu, doch nach dem Aufstieg des Islam im siebten und achten Jahrhundert verschwand diese Kirche fast vollständig. Erst vor einigen Jahrzehnten begann sich in Ländern wie Algerien, Tunesien, Libyen und Marokko wieder eine einheimische Gemeinde zu formen. Was sind ihre Herausforderungen und wie unterstützt Open Doors die Christen in ihren Schwierigkeiten? Ein niederländischer Pastor hat im Auftrag von Open Doors mehrere Jahre nordafrikanische Pastoren betreut.
 

Interview Nordafrika
Bild: Seminar für Pastoren und Kirchenleiter

Vor welchen Herausforderungen steht die junge Kirche in Nordafrika?

Die größte Herausforderung ist die Ausbildung neuer Leiter. Fast alle Leiter der Kirchen haben selbst eine Gemeinde gegründet. Nun müssen andere darauf vorbereitet werden, die Aufgaben zu übernehmen.

Eine andere Herausforderung ist, dass die junge Kirche noch kein festes Fundament oder Traditionen hat. Menschen kommen in die Kirche, weil sie Jesus kennenlernen, aber auch die Gemeindemitglieder selbst sind meist noch recht neu im Glauben. Es ist eine große Herausforderung, in gewissen ethischen und praktischen Fragen zu entscheiden. Neue Gläubige bringen ihren ganz eigenen Hintergrund mit in die Gemeinde. Sie müssen im Glauben unterwiesen werden, aber auch die Kirche selbst muss noch viel lernen. Beispielsweise müssen Leiter entscheiden, wie sie mit Scheidungen umgehen.

Bitte erzähl uns von den Seminaren, die du geleitet hast.

Das Seminar basiert auf dem, was Jethro seinem Schwiegersohn Mose in der Bibel beigebracht hat: dass ein geistlicher Leiter jemand ist, der seine Leute vor Gott repräsentiert. Jethro sagt zu Mose, dass er zu den Menschen predigen soll, sie lehren soll, sie organisieren und ein Seelsorger für sie sein soll. Um diese fünf Themen geht es in dem Kurs. Ich rede mit ihnen über ihre Identität als Pastoren, wie sie eine Predigt vorbereiten und halten können, wie sie Menschen lehren und als Pastor durch Seelsorge für sie da sein können und wie eine neue Kirche organisiert werden kann.

Siehst du einen Unterschied zwischen Christen im Westen und in Nordafrika?

Ja, beispielsweise darin, wie sie mit der Bibel umgehen. Die Christen in Nordafrika sind alle ehemalige Muslime und für Muslime ist der Koran ein heiliges Buch, ein Buch ohne Fehler. Weil sie diesen Hintergrund haben, glauben sie, dass man den biblischen Text nicht diskutieren kann, dass man nicht sagen kann, dass ein Vers einem anderen Vers zu widersprechen scheint. Ich glaube auch, dass die Bibel Gottes Wort ist, ein heiliges Buch, aber wir glauben nicht an ein Buch – wir glauben an den Gott, der dieses Buch erschaffen hat. Die Christen hier sagen aber: „Wenn unsere muslimischen Nachbarn hören, dass wir es wagen, Fragen über die Texte der Bibel zu stellen, verlieren sie jeden Respekt vor ihr.“

Im Westen finden wir es normal, Dinge zu hinterfragen. Wir stellen sogar kritische Fragen über unseren eigenen Glauben. In Nordafrika kritisierst du nicht das, an das du glaubst. Niemals. Ich versuche nicht, den Glauben der Christen hier zu ändern, vielleicht nur ihre Einstellung. Ich respektiere diese junge Kirche sehr, denn ich sehe den Preis, den sie zahlen, und das Leid, das sie erleben. Ich lehre sie nur, Jesus in ihrem alltäglichen Leben als Pastoren zu folgen.

Welches Leid erleben sie?

Es gibt vielleicht offiziell Religionsfreiheit, aber die Regierung macht es Christen dennoch schwer. Beispielsweise, indem sie ihnen nicht erlaubt, ein Kirchengebäude zu haben. Auch in der Gesellschaft müssen sie Leid ertragen. Ein Pastor, der in der Wüste lebt, erzählte mir, dass seine Fenster beinahe jede Woche eingeschlagen werden, weil er Christ ist.

Eines der Dinge, die ich an dieser jungen Kirche bewundere, ist ihr Verlangen, zu wachsen. Einer der Pastoren, die ich ausbilde, tauft hunderte Menschen jedes Jahr. Unglaublich. Die Kirche kann nur wachsen, wenn sie bereit ist, zu leiden. Einer der Teilnehmer im Seminar verglich es mit den Schmerzen, die eine Frau bei der Geburt hat: „Eine Kirche, die nicht leidet, wird kein neues Leben sehen.“

Was hast du daraus für dich lernen können?

Ich habe von ihrem Eifer und von ihrem Verlangen nach dem Reich Gottes gelernt. Sie wollen mehr Menschen für Jesus Christus erreichen. Ich sehe selten einen solchen Eifer in den Kirchen im Westen.

Die Christen hier lieben außerdem ihr Land. Oft ist es sehr schwer, in diesem Land zu leben, aber dennoch sind sie so stolz darauf, ein Bürger ihres Heimatlandes zu sein. Als ich nach Hause kam, fing ich an, für mein Land zu beten – etwas, das ich zuvor nie getan hatte. Sie beten in einer Gesellschaft mit Millionen Muslimen um sie voller Leidenschaft für ihr Land und dass Gott viele Menschen retten wird. Es gibt ein Gefühl der Dringlichkeit. Ich fühle mich, als hätte ich dieses Gefühl verloren, und als hätten viele Kirchen im Westen es ebenfalls verloren.

Welche Rückmeldungen bekommst du?

Die Pastoren sind begeistert, weil das Training sowohl biblisch als auch praktisch ist. Sie sagen, dass sie es wirklich anwenden können. Ein Pastor sagte mir: „Wenn wir von dem Kurs nach Hause kommen, gehen wir in unseren Kirchen und wenden das an, was du uns gelehrt hast.“

Was können wir in den nächsten Jahren für die Kirche in Nordafrika tun?

Es ist eine große Falle für die jungen Kirchen, wenn sie abhängig von der Hilfe von außen werden. Wir müssen sie darin ausbilden, auf ihren eigenen Füßen fest auf biblischem Fundament zu stehen. Wir brauchen einander. Es muss eine Wechselwirkung geben: Sie denken, dass sie uns brauchen, aber oft realisieren sie nicht, dass wir sie ebenfalls brauchen.

Bitte beten Sie für die Christen in Nordafrika!

Beten Sie …

  • für die Pastoren der jungen Kirche. Bitten Sie Gott, ihnen Weisheit und einen starken Glauben zu geben, den sie an ihre Gemeinden weitergeben können.
  • für weitere Leiter, die die wachsende Kirche dringend braucht.
  • dass Jesus den Pastoren Zeiten der Ruhe und der Gemeinschaft mit ihm schenkt, in der sie sich erholen und geistlich wachsen können.

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