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Irak: 'Nehmt ihr doch unseren Platz ein!'

Geflohene Christen im Irak ringen um eine Zukunftsperspektive

 

(Open Doors) – "Wir hören viele Ausländer sagen: ‚Der Nahe Osten braucht Christen!‘ Sollen wir hier ausharren, bis der letzte christliche Blutstropfen vergossen ist?" Vater Douglas kümmert sich um viele hundert christliche Flüchtlingsfamilien in Erbil. Er sieht den Winter bedrohlich herannahen und besucht täglich die Zeltstädte und Notunterkünfte. Der Priester ist ein Mann klarer Worte. Eindrücke eines Besuches in der kurdischen Zufluchtsstadt.

 

"Gott möchte uns hier haben"

Im Zentrum von Erbil, nahe der historischen Zitadelle, steht der Rohbau eines Einkaufszentrums. Hier wohnen in den oberen Etagen 350 Familien von Binnenflüchtlingen. 80% von ihnen sind Christen. Rajih stellt sich als Leiter der Gruppe vor und schildert seine größte Hoffnung: "Es gibt nur eine einzige schnelle Lösung: Holt uns hier raus." Ähnlich sieht es Priester Douglas, der seine Emotionen nur mühsam unterdrücken kann: "Manche betrachten die Christen als Helden, die im Nahen Osten ausharren. Ich würde sagen, wenn es so wichtig ist, dass hier Christen wohnen: Dann kommt doch und nehmt ihr unseren Platz ein!"
Nasir, ein junger Familienvater, ist anderer Meinung: "Gott möchte uns hier haben, wir werden bleiben." Aber auch er kennt viele Familien, die für sich und ihre Kinder in ihrem Land keine Zukunft mehr sehen. Jala ist Anfang August aus der Stadt Karakosch geflohen. Die junge Christin beschreibt ihren Alltag: "Wir haben zuerst in Zelten gelebt, dann in einem Rohbau. Jetzt gäbe es eine Wohnung in einem Dorf nahe Erbil. Aber es ist zu teuer für uns, denn wir sind alle arbeitslos." Andere ergänzen: "Wir können nicht in den Kurdengebieten leben. Um hier zu arbeiten, müssten wir kurdisch sprechen, aber wir sprechen arabisch. Und die Mieten sind kaum zu bezahlen."

 

Rückkehr nach Hause kaum denkbar

Rajih denkt an sein "altes Leben" vor dem Krieg: "In Karakosch hatte ich ein sehr gutes Leben. Ich war reich, aber als wir fliehen musste, löste sich alles in Luft auf." Mit dem, was ihm geblieben ist, versucht er jetzt die Not der Flüchtlinge zu lindern. "Früher drehte sich mein ganzes Leben darum, Geld zu verdienen – von Gott war ich ziemlich weit weg. Jetzt verstehe ich, dass man den Glauben in die Tat umsetzen muss. Dieser Vers spornt mich an: 'Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben.'"
Und was ist mit einer Rückkehr nach Hause? Vater Douglas gibt einen düsteren Ausblick: "In den ersten Tagen und Wochen dachten die Menschen hier immer wieder zurück an ihr 'Zuhause'. Aber jetzt, nach drei Monaten, ist dieses Gefühl verschwunden. Sie wissen, dass ihre Häuser geplündert worden sind – und das nicht etwa durch den IS. Welcher Kämpfer schleppt einen Fernseher mit an die Front? Das haben die Menschen getan, mit denen sie früher zusammengelebt haben, ihre Nachbarn und andere Dorfbewohner. Alles Vertrauen ist dahin, die Gemeinschaften sind von innen her zerstört."

 

"St. Elias sucht den Superstar"

Umso mehr bemüht man sich zum Beispiel in der St. Elias Kirche um die Flüchtlingskinder. Ein Spielplatz mit Rutschen und Wippen ist entstanden, das Lachen der Kinder ist schon von weitem zu hören. Wie lange wird es das hier noch geben? Allen düsteren Gedanken zum Trotz, geben sich Vater Douglas und seine Mitarbeiter alle Mühe: "Kürzlich veranstalteten wir hier als Kinderprogramm ‚St. Elias sucht den Superstar‘, und vorher schon ‚The Voice of St. Elias‘", berichtet er mit einem Lächeln.

 

Bitte beten Sie für den Irak

 

  • Bitte beten Sie um Gottes Eingreifen, damit die Kämpfe aufhören und Frieden in den Irak einzieht
  • Beten Sie, dass Gott den Christen seine Perspektive für die Gemeinde Jesu im Irak offenbart
  • Beten Sie um genügend winterfeste Behausungen, Arbeitsstellen und Versorgung der vielen Notleidenden

 

 

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