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Iran: Erneut Verhaftungen von Christen

Christen muslimischer Herkunft im Visier des Regimes - Open Doors bittet um Gebet für Gefangene

 

(Open Doors) - In den jüngsten Festnahmen mehrerer Christen im südiranischen Shiraz Anfang Februar sieht das Hilfswerk Open Doors die erwartete Fortführung des harten Verfolgungskurses der Regierung gegen Christen muslimischer Herkunft. Die Sorge vor weiteren Repressalien gegen Hausgemeinden bleibt unvermindert groß. Wiederholt hatten die Staatsführung und hohe muslimische Geistliche öffentlich ein hartes Vorgehen gegen die Hausgemeindebewegung angekündigt. Ehemalige Muslime, die als "Feinde des Volkes und Werkzeuge westlicher Propaganda" gelten, sollen damit eingeschüchtert werden.

Das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors, das verfolgte Christen im Iran seit Jahren unterstützt, bittet um Gebet insbesondere für die Gefangenen. Wie in anderen islamisch geprägten Ländern gilt auch im Iran "Apostasie", also der Abfall vom Islam, als todeswürdiges Verbrechen und Verrat gegen die Gemeinschaft der Muslime. Der Iran rangiert auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors auf Platz 5. Mehr als drei Viertel der Christen im Land sind ehemalige Muslime. Ihnen gilt primär die Schärfe der Verfolgung. In den vergangenen Jahren kam es besonders um die Weihnachtszeit zu verstärkten Festnahmen. Doch scheint die Regierung nun - statt mit groß angelegten Verhaftungswellen - eher über einen längeren Zeitraum hinweg gegen kleinere Gruppen vorzugehen.

Gebetstreffen endet mit Festnahme

Christen muslimischer Herkunft werden bei Polizeiverhören unter Druck gesetzt, besonders die Leiter von Hausgemeinden zu verraten. Da der christliche Glaube als feindlicher Einfluss des Westens angesehen wird, gelten auch Konvertiten als "Elemente westlicher Propaganda gegen das iranische Regime". Da es Muslimen verboten ist, eine Kirche zu betreten, geschweige denn einen christlichen Gottesdienst zu besuchen, können Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben in der Regel nur in Hausgemeinden leben. Ihr Glaubenswechsel wird nicht anerkannt. Auch die am 8. Februar in Shiraz festgenommenen sechs bis zehn Christen hatten sich in einem Privathaus zum Gebet versammelt. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Unter ihnen ist auch Mojtaba Hosseini, der bereits im Jahr 2008 mit acht weiteren Konvertiten verhaftet worden war. "Offenbar wurde Hosseini seit damals beobachtet", so ein iranischer Christ, der anonym bleiben wollte, gegenüber dem Informationsdienst Compass Direct.

Druck nachgegeben

Armenische und assyrische Christen gehören zu den anerkannten religiösen Minderheiten im Iran. Dennoch berichten auch sie von Repressionen. In der Central Church von Teheran, der größten Gemeinde der Freikirche der "Assemblies of God" wurden Anbetungsmusik und das Verteilung von Bibeln behördlich verboten. Zudem durften nur geladene Gäste einen Weihnachtgottesdienst besuchen. Im Dezember 2009 gab die Gemeinde dem Druck nach und stellte ihre Freitagsgottesdienste ein. Diese waren besonders von Christen muslimischer Herkunft bevorzugt besucht worden.

Iran: Pastor Yousef Nadarkhani und seine Frau Fatemeh Pasandideh. Das Paar hat zwei Kinder Daniel (*2003) und Yoel (*2005). Quelle: IGFMStellen Sie sich bitte mit Ihrem Gebet an die Seite der Christen im Iran und insbesondere der Gefangenen. Haben Sie vielen Dank dafür!

  • Pastor Farhad Sabokrouh, Naser Zamen-Defzuli und Davoud Alijani:Am 23. Dezember 2011 lösten Sicherheitskräfte einen vorweihnachtlichen Gottesdienst in Ahwaz im Süden des Landes auf. Die drei Männer sind noch immer hinter Gittern. Vertraute des Pastors sorgen sich um dessen Gesundheitszustand. Vor seiner Festnahme war er am Auge operiert worden. Im Gefängnis habe er keinen Zugang zu Medikamenten, berichtete seine Frau nach einem Besuch Ende Januar. Auch sie wurde an Weihnachten festgenommen und kam erst am 1. Januar nach Hinterlegung der Besitzurkunde ihres Hauses auf Kaution frei.
  • Noorolla Qabitizade ist ebenfalls in Shiraz bereits seit dem 24. Dezember 2010 eingesperrt. Bei Verhören wurde der Konvertit unter Druck gesetzt, seinen christlichen Glauben zu widerrufen.
  • Farshid Fathi sitzt im berüchtigten Evin-Gefängnis in der Hauptstadt Teheran ebenfalls seit dem 24. Dezember 2010 ein. In diesem Monat soll es eine gerichtliche Anhörung geben.
  • Leila Mohammadi wurde zwar auf Kaution entlassen, steht aber weiter Beobachtung. Ende Januar berichtete der iranisch-christliche Nachrichtendienst "Mohabat News" von ihrer Verhaftung im Juli 2011. Die Frau saß im Teheraner Evin-Gefängnis 74 Tage in Einzelhaft. Am 18. Januar wurde sie zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr werden Kollaboration mit Gruppen, die mit dem Ausland in Kontakt stehen, islamfeindliche Propaganda, Betrug von Bürgern durch die Bildung von Hausgemeinden, Beleidigung von im Islam als heilig angesehenen Personen und Handlungen gegen die nationale Sicherheit zur Last gelegt. Am 28. Dezember 2011 kam sie auf Kaution frei. Ihr Anwalt legte ihren Fall dem Obersten Gerichtshof der Provinz Teheran vor.
  • Yousef Nadarkhani (Foto: IGFM) ist seit Oktober 2009 im Gefängnis. Der Pastor aus Rasht wurde im September 2010 wegen Apostasie zum Tode verurteilt.
  • Beham Irani, der wie Nadarkhani zur "Church of Iran" gehört, ist seit Mai 2011 in Karaj gefangen. Der bereits im April 2010 festgenommene und nach ein paar Monaten auf Kaution freigelassene Mann wurde im Januar 2011 wegen "Verbrechen gegen die nationale Sicherheit" zu einem Jahr Haft verurteilt. Zudem muss er eine fünfjährige Haftstrafe aus dem Jahr 2008 absitzen.

 

 

QuelleCompass Direct

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