Nachrichten Nachrichten

IS kontrolliert Karakosch – weitere Christen auf der Flucht

Situation der Christen verschlechtert sich dramatisch

(Open Doors) - Bewaffnete Islamisten der Gruppe IS (vormals ISIS) übernahmen am Donnerstag die größte christliche Stadt des Irak, Karakosch, was tausende von Christen zwang in von Kurden kontrollierten Gebiete zu fliehen. Bereits ein Viertel der noch im Irak verbliebenen Christen befindet sich auf der Flucht. Die vorrückenden militanten Sunniten haben Kirchen besetzt, Kreuze heruntergerissen und Bibeln zerstört. Der Islamische Staat, der sich früher "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (IS bzw. ISIS) nannte, hat auch den Mossul-Staudamm besetzt, den größten des Irak. Karakosch, eine Stadt von ca. 50 000 Bewohnern in der Ninive-Provinz, liegt zwischen Mossul, der zweitgrößten Stadt des Irak, und Erbil, der Hauptstadt der autonomen nordirakischen Kurdenregion (Kurdistan) im Osten. Der Islamische Staat hat Mossul im Juli eingenommen und viele der noch in der Stadt verbliebenen Christen flohen ostwärts nach Karakosch, das zuweilen als christliche Hauptstadt des Irak bezeichnet wird. Nach der Einnahme von Sinjar und Zumar flüchteten zehntausende Einwohner in die Berge zwischen den beiden Großstädten, wo sie ohne Nahrung und Wasser festsitzen. Viele Vertriebene benötigen unverzüglich lebensnotwendige humanitäre Dinge einschließlich Wasser, Nahrung, Obdach und Medikamente.

Der chaldäische Patriarch Louis Sako sagte: "Es gibt 100 000 vertriebene Christen, die mit nichts als ihren Kleidern, manche zu Fuß, geflohen sind, um die Region Kurdistan zu erreichen. Das ist eine humanitäre Katastrophe. Die Kirchen sind besetzt, ihre Kreuze hat man abgenommen." Sako weiter: "Heute appellieren wir unter viel Schmerz und Trauer an alle Menschen guten Willens, den UN-Sicherheitsrat, die Europäische Union sowie Hilfsorganisationen, diesen Menschen zu helfen, die sich einer tödlichen Gefahr gegenübersehen. Ich hoffe, es ist nicht zu spät, einen Genozid zu vermeiden."

Christen werden misshandelt und eingeschüchtert

Der schnelle Fall von Karakosch ist der jüngste in einer Reihe dschihadistischer Schläge gegen die Christen des Irak. Seit ihre Offensive im Juni begann, haben IS-Kämpfer Christen in eroberten Städten befohlen, sich zum Islam zu bekehren oder eine Steuer zu bezahlen, um Christen zu bleiben, oder aber zu sterben. Eine Frau erzählte, dass ihrem 80-jährigen Ehemann, der IS-Angehörigen entgegengetreten war, Hände und Füße abgeschlagen wurden. "Sieh mal, du wurdest wütend und hast dem IS auch Fragen gestellt, aber du hast überlebt. Danke Gott", sagten sie. Kontaktleute berichten zudem über verstärktes Drohverhalten, das Christen Furcht einjagt und ein Gefühl der Instabilität schafft. Das Kloster St. Michael, ein Gebäude aus dem 4. Jh. in Tigris-Nähe hat der IS in einen Stall umgewandelt.
Eine junge fünfköpfige Familie wurde beim Versuch, aus Mossul zu fliehen, fast völlig ausgeplündert. "Sie stahlen unser Auto mit allem, was ich für meine Kinder mitgenommen hatte – ihre Kleidung, eine Waschmaschine, Lebensmittel, Schmuck für die Mädchen. Meinen Ehering versteckte ich in der Windel meines 10 Monate alten Babys, aber mein neues Telefon haben sie mir abgenommen", erzählte die Mutter.

Unsicherheit bleibt

"Mein 80-jähriger Schwiegervater wurde zornig und verlangte, sie sollten uns unsere Sachen zurückgeben, aber sie sagten zu ihm: 'Rede nicht, oder wir tun dir weh'. - "Als sie unser Auto wegnahmen, gelang es mir, schnell zwei Taschen mit der Kleidung der Mädchen zu ergreifen, und dann rannten wir davon." Die Familie wohnt jetzt in Erbil, und die Mutter, eine studierte Apothekerin, will versuchen, Arbeit zu finden. Sie wollen versuchen ein Haus zu mieten und die Kinder zur Schule zu schicken, aber die Mutter fragt, ob Erbil überhaupt sicher ist. "Meinst du, dass der IS in Erbil einmarschieren wird? Ist es hier sicher? Denn Leute aus Mossul haben immer noch Angst." Außer Wertsachen hat der IS Christen, die Mossul verließen, Ausweise, Heiratsurkunden und Grundbuchauszüge abgenommen und zerrissen. Der IS soll bereits mitgeteilt haben, dass jeder zurückgelassene Grundbesitz Eigentum der bewaffneten Gruppe IS werde.

Inflation steigt

Preiserhöhungen lassen in Mossul einen Zusammenbruch der Wirtschaft erahnen. Im Juli kosteten Eisblöcke 10 000 irakische Dinar (ca. 6,30 Euro), ein Liter Benzin/Diesel 2 500 ID. Befürchtet wird, dass es mit Warenlieferungen noch schlechter wird, wenn die Routen durch Kurdistan abgeschnitten werden. Auch andere Dienste sind in Mitleidenschaft gezogen: Strom gibt es pro Tag nur zwei Stunden lang, Wasser ist in der ganzen Stadt nicht mehr zu bekommen und Medikamente werden knapp.

Die Situation für die Christen verschlechtert sich dramatisch

"Ich habe mir nicht vorgestellt, dass ich eines Tages so leben würde – ohne Menschenrechte, salziges Wasser aus Brunnen trinken [würde], ohne Strom und ein Haus, in dieser Hitze", sagte uns eine Frau auf der Flucht. Auf dem aktuellen Open Doors Weltverfolgungsindex, einer jährlichen Rangliste der Länder, in denen Christen weltweit am stärksten verfolgt werden, belegt der Irak aktuell Rang 4. Open Doors startete aufgrund der prekären Lage im Irak ein Nothilfeprojekt für 3.000 christliche Flüchtlingsfamilien. Aktuelle Informationen und Unterstützungsmöglichkeit unter www.opendoors.de/irak.

Bitte beten Sie:

 

  • Um Gottes Schutz für die christlichen Familien, die auf der Flucht sind
  • Um ein Ende der Gewalt und ein Ende der Ausbreitung der IS
  • Um besonnenes aber gezieltes Eingreifen der internationalen Gemeinschaft

 

 

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.

Drucken Herunterladen