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Neuer Weltverfolgungsindex erschienen

In diesen Ländern ist die Christenverfolgung am schlimmsten - Nordkorea verbleibt an der Spitze – Irak rückt drastisch nach vorn

(KELKHEIM, 05. Januar 2011, Open Doors) – Nordkorea hält einen traurigen Rekord: Zum neunten Mal in Folge führt das abgeschottete Land die Rangliste der Länder an, in denen Christen weltweit am stärksten verfolgt werden. Auch der Iran verbleibt auf Platz 2 des Weltverfolgungsindex 2011 (WVI), den das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors heute veröffentlichte.

Afghanistan hat Saudi-Arabien auf Platz 3 abgelöst. Nach einem Jahr der anhaltenden Gewaltakte gegen Christen mit vielen Todesopfern und Verletzten ist der Irak von Platz 17 auf Platz 8 vorgerückt. Das kriegsgebeutelte Land gehört nun zu den zehn für Christen gefährlichsten Staaten.

Der Islam ist in acht der ersten zehn Länder des WVI 2011 die Religion der Mehrheitsbevölkerung; in sieben davon hat sich die Lage für Christen verschlechtert. Rund 100 Millionen Menschen werden nach Einschätzungen des überkonfessionellen christlichen Hilfswerkes Open Doors weltweit aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt. Mit dem jährlich erscheinenden Weltverfolgungsindex beleuchtet das internationale Werk die Situation verfolgter Christen in 50 Ländern. Dazu führt es Befragungen vor Ort durch, wertet Berichte zu Übergriffen und Experteneinschätzungen aus. Der Index berücksichtigt die Situation zwischen 1. September 2009 und 31. Oktober 2010.

Christenverfolgung darf kein Randthema bleiben
"Gerade als Christen in der so genannten freien Welt haben wir eine besondere Verantwortung für unsere verfolgten Glaubensgeschwister", sagt Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland (Kelkheim bei Frankfurt am Main). Es sei nicht hinnehmbar, dass Christen aufgrund ihres Glaubens für 25 Jahre und länger in Todeszellen sitzen, in Arbeitslagern zu Tode gefoltert werden oder auf der Flucht sind, weil sie sich für den Glauben an Christus entschieden haben. "Es ist zutiefst schmerzlich, zu wissen, dass Christen brutal verprügelt, junge Christinnen versklavt und vergewaltigt, Pastoren ermordet und Kirchen abgebrannt werden", so Rode. Der erste Hilferuf verfolgter Christen mit der Bitte um Gebet gehe daher an die Christen und Kirchengemeinden in Freiheit. Das Leiden von 100 Millionen Christen weltweit darf nicht länger nur ein Randthema unserer Gesellschaft bleiben, appelliert Rode. Das Hilfswerk Open Doors ruft Christen, Politiker und die Öffentlichkeit in aller Welt auf, unterdrückten und verfolgten Christen eine Stimme zu geben und ihnen im Gebet sowie durch konkrete Unterstützung zur Seite zu stehen. "Wir möchten hierfür eine Brücke der Information, Hilfe und Ermutigung sein", sagt Rode weiter.

Hier werden Christen am stärksten verfolgt

Platz 1 Nordkorea
Platz 2 Iran
Platz 3 Afghanistan
Platz 4 Saudi-Arabien
Platz 5 Somalia
Platz 6 Malediven
Platz 7 Jemen
Platz 8 Irak
Platz 9 Usbekistan
Platz 10 Laos

Christenverfolgung in Nordkorea am schlimmsten
Die harsche Verfolgung der Christen in Nordkorea (Platz 1) hält an. Das abgeschottete Land ist tief geprägt von einem Personenkult, durch den der verstorbene Diktator Kim Il Sung quasi zu einem Gott erhoben wird. Jedwede andere religiöse Aktivität wird vom Regime als Angriff auf die sozialistischen Prinzipien Nordkoreas angesehen. Christen haben keinerlei Existenzberechtigung. Gläubige, die sich nur heimlich und zu wenigen im Untergrund versammeln können, stehen immer in der Gefahr, entdeckt zu werden. Ihnen droht Gefängnis, Arbeitslager oder die Hinrichtung. Im Berichtszeitraum wurden Hunderte von Christen aus verschiedenen Gründen verhaftet. Einige sind getötet, andere in politische Straflager deportiert worden. Derzeit sind nach Open Doors-Informationen rund 70.000 Christen in Straflagern in Nordkorea gefangen.

Irak: Systematische Vertreibung
Der Irak (8) gehört zu den Ländern mit der bemerkenswertesten Veränderung im WVI 2011 von Open Doors. Er ist von Position 17 auf Platz 8 vorgerückt. Im Mai starben bei einem Bombenanschlag auf christliche Studenten drei Menschen, 180 wurden verletzt. Ein Geiseldrama Ende Oktober 2010 in einer Bagdader Kirche endete für 58 Menschen tödlich. Die Tat gilt als der bislang schlimmste Anschlag auf einheimische Christen. Bei weiteren Anschlägen im Berichtszeitraum starben mindestens 90 Gläubige, u. a. in Mossul, Bagdad und Kirkuk. Nur schätzungsweise 334.000 Christen leben noch im Irak, weniger als halb so viele wie im Jahr 1991. Bereits vor 2.000 Jahren gab es in der Region erste Gemeinden – lange vor der Entstehung des Islam. Heute sind irakische Christen der Verfolgung durch kriminelle Banden und Islamisten ausgesetzt, die sie als Verbündete des Westens ansehen. Extremisten wollen offenbar das Land von Christen "säubern" und sie durch Gewaltakte und Einschüchterungen zum Verlassen ihrer Heimat zwingen.

Todesstrafe bei Konversion
Im Iran (2) kam es im Berichtszeitraum zu weiteren Verhaftungswellen von Christen. Viele Gottesdienste werden von der Geheimpolizei überwacht. Christen muslimischer Herkunft, die sich in Hausgemeinden engagieren, werden vernommen, verhaftet, misshandelt und ins Gefängnis gesteckt. In Afghanistan (3) kann die christliche Minderheit ihre Glauben nur im Untergrund leben. Im wahhabitischen Königreich Saudi-Arabien (4), in dem eine strenge Form des Islam gilt, ist es Bürgern verboten, zu einer anderen Religion als dem Islam zu konvertieren. Auf Konversion steht laut Scharia auch in Somalia (5) die Todesstrafe. Mindestens acht Christen sind in dem ostafrikanischen Land aufgrund ihres Glaubens von radikalen Islamisten ermordet worden. Rund ein Viertel der einheimischen Gläubigen, die sich ohnehin nur im Untergrund versammelt haben, ist aus dem Land geflohen. Aus dem Jemen (7) sollen nahezu alle ausländischen Christen, von denen viele als Entwicklungshelfer im Land arbeiten, vertrieben werden.

Willkür und Benachteiligung
Ähnlich wie im Irak schützt auch die pakistanische Regierung die christliche Minderheit nicht ausreichend vor Angriffen und Diskrimierung. Pakistan rückte von Platz 14 auf 11 vor. Die Rechte und gesellschaftliche Stellung religiöser Minderheiten werden durch die Verfassung und das Justizwesen nicht ausreichend geschützt. Mindestens 29 Christen wurden im Berichtszeitraum aufgrund ihres Glaubens ermordet. Verurteilt zu langjährigen Gefängnisstrafen wegen angeblicher Beleidigung des Islam (Blasphemie) wurden vier Christen. 58 Entführungsfälle wurden Open Doors berichtet, über 100 Christen wurden bei Gewaltakten verletzt. Bei der verheerenden Flutkatastrophe im Jahr 2010 wurden Christen in entlegenen Gebieten bei der Verteilung von Hilfsgütern durch lokale Behörden und Muslime benachteiligt. Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützte Open Doors betroffene Christen und setzt diese Arbeit auch 2011 fort.

Ausweisungen und Massaker
Auch in Marokko (31) verschlechterte sich die Lage. Die Christen gegenüber bislang relativ tolerante Regierung hat im Berichtzeitraum mindestens 150 ausländische Christen des Landes verwiesen. Im Norden Nigerias (23) ist die Lage für Christen weiterhin angespannt. Ethnisch-religiös motivierte Unruhen im Bundesstaat Plateau forderten bei mehreren Zwischenfällen das Leben von schätzungsweise 2.000 Christen. Dabei wurden 2.000 Häuser und Geschäfte von Christen zerstört; rund 4.000 Christen flohen aus ihren Heimatorten.

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