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Nigeria: Entführt, verheiratet und zur Konversion gezwungen

Christliche Mädchen im Norden des Landes finden bei Regierung und Behörden keinen Schutz

 

(Open Doors, Kelkheim) – Während in Deutschland aktuell über die Anerkennung von Kinderehen unter Flüchtlingen diskutiert wird, ist die Verheiratung Minderjähriger im Norden Nigerias schon seit längerer Zeit ein Thema von politischer Brisanz. Vertreter der Christian Association of Nigeria (der größten überkonfessionellen Vereinigung nigerianischer Christen im Norden des Landes; CAN) warnten den Präsidenten Buhari bei einem Besuch Anfang November davor, dass die gegenwärtige Entwicklung zu einer ernsthaften Krise führen könne, wenn nichts dagegen unternommen werde. Als Beispiel verwiesen sie auf die Entführung und Zwangsverheiratung eines christlichen Schulmädchens im Sommer dieses Jahres.

Die 14-jährige Habiba Isiyaku aus dem Dorf Wawar Kaza im muslimisch dominierten Bundesstaat Katsina war am 16. August entführt worden, als sie von der Schule nach Hause ging. Anschließend wurde sie mit einem ihrer Entführer, Jamilu Lawal, verheiratet. Lawal ist ein Mitarbeiter des Emirs von Katsina, Alhaji Abdulmumuni Usman, welcher die erzwungene Eheschließung unterstützt hat.

Keine Gerechtigkeit für christliche Familien

Habibas Vater, Isiyaku Tanko, sprach in einer Fernsehsendung über das Geschehene und rief die Behörden und alle ihm wohlgesinnten Nigerianer dazu auf, ihn dabei zu unterstützen, auf die Freilassung seiner Tochter hinzuwirken. Er erzählte, dass die örtliche Polizei ein Treffen mit den Entführern und Habiba organisiert hatte, in dem der Polizeikommissar zwar die Tat verurteilte, aber daraus keine Konsequenzen zog. Die Schuldigen wurden nicht verhaftet und Habiba wieder in den Palast des Emirs zurückgebracht. Als Tanko dort direkt vorsprach, wurde ihm gesagt, dass seine Tochter zum Islam konvertiert sei und somit nichts mehr mit ihm zu tun habe. Der Emir beschuldigte Tanko, ihn bei der Polizei verleumdet zu haben, und der Christ wurde gezwungen, eine vorverfasste Entschuldigungserklärung zu unterschreiben.

Der Polizeipräsident von Katsina bestätigte den Fall zwar, gab aber an, dass die Ermittlungen ergeben hätten, dass Jamilu Lawal sich keines Verbrechens schuldig gemacht habe. Er behauptete, Habiba sei nicht entführt worden, sondern habe ihr Elternhaus freiwillig verlassen und sei aus eigener Entscheidung Muslima geworden.

Der Sprecher der CAN in Katsina, Pastor Nelson Onyekachukwu, teilte World Watch Monitor mit, dass er bereits eine Abordnung offizieller Vertreter der CAN zum Palast des Emirs geschickt und alles versucht habe, um die Freilassung von Habiba Isiyaku zu erwirken. "Das Mädchen ist 14 Jahre alt. Sie sollte zur Schule gehen. Wir fordern Gerechtigkeit. Man kann kein Kind ohne die Zustimmung seiner Eltern verheiraten." Doch alle Bemühungen seien fruchtlos gewesen.

"Es ist eine beklagenswerte Situation, was hier im Norden geschieht"

Der Generalsekretär der CAN, Pastor Musa Asake, warf der Regierung und den Vollzugsbehörden vor, nicht genug für die Lösung des Problems zu tun. Er wies außerdem darauf hin, dass es sich bei der Geschichte von Habiba keineswegs um einen Einzelfall handele: "Es ist eine beklagenswerte Situation, was hier im Norden geschieht", sagte er. "Unsere christlichen Mädchen werden entführt, aber es wird nichts dagegen unternommen." Wenn Christen so etwas muslimischen Mädchen antäten, könnte das dazu führen, dass Menschen verbrannt würden, äußerte Asake zudem.

Nachdem um das Jahr 2000 in 12 nördlichen Bundesstaaten die Scharia eingeführt wurde, stehen die Christen dort noch stärker unter Druck. Durch eine Lücke in der Verfassung ist die Verheiratung Minderjähriger unter der Scharia möglich, auch wenn diese offiziell nur für Muslime gilt. Nigeria nimmt auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors aktuell Rang 12 unter den Ländern ein, in denen Christen weltweit am härtesten verfolgt werden.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

UPDATE ÄTHIOPIEN: Wie World Watch Monitor berichtete, wurden am 15. November vier junge Christinnen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die im September wegen der Weitergabe eines christlichen Buches verhaftet worden waren [Meldung vom 21.10.2016], erneut vor Gericht gestellt. Sie wurden angeklagt, zu religiöser Gewalt angestiftet zu haben. Nach einer kurzen Anhörung verurteilte sie der Richter zu jeweils einem Monat Gefängnishaft. Dafür sollen die Mädchen in ein größeres Gefängnis in der Stadt Gelemiso verlegt werden. Erst nach der Überführung können die Familien gegebenenfalls Berufung einlegen.

Bitte beten Sie für die Christen in Nigeria!

  • Beten Sie für Habiba, dass Jesus ihr beisteht und sie bald wieder zu ihrer Familie zurückkehren kann.
  • Bitten Sie Gott um Schutz für die christlichen Mädchen und um Weisheit für alle kirchlichen und politischen Verantwortungsträger, um Entführungen, Zwangsheirat und ‑islamisierung entgegenzuwirken.
  • Beten Sie für ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen im Norden des Landes.

 

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