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Nigeria: 'Wir danken Gott jeden Tag, dass wir noch leben'

Interview mit einem nigerianischen Kirchenführer

(Open Doors) – Reverend Samuel Dali ist Präsident des "Bundes Nigerianischer Brüdergemeinden" (EYN). Die Mehrzahl der darin organisierten Gemeinden befinden sich im Nordosten des Landes, entsprechend stark leidet die Vereinigung unter den Angriffen von Boko Haram. Die meisten Familien der in Chibok entführten Mädchen gehören ihr an. Ilja Dadi vom christlichen Informationsdienst World Watch Monitor hat mit Rev. Dali gesprochen und ihn zur aktuellen Situation befragt.

ID: Wie würden Sie die aktuelle Lage vor Ort beschreiben?

SD: Viele Menschen in dem Gebiet leben nun als Flüchtlinge zusammen mit ihren Glaubensbrüdern an Orten, die ihnen vorher völlig unbekannt waren. Die Bevölkerung der Stadt Gwoza ist vollständig über die Grenze nach Kamerun oder in benachbarte Bundesstaaten geflohen. Die Menschen haben fast alles verloren. Die Regenzeit hat begonnen, aber niemand kann seine Felder bewirtschaften – man kann sich leicht vorstellen, wozu das führen wird. Selbst wenn Boko Haram die Angriffe einstellen sollte, gehen wir einer Katastrophe entgegen. […] Wenn kein Wunder geschieht, wird es definitiv zu einer Hungersnot kommen.

ID: Rechnen Sie mit einem solchen Wunder – und wenn ja, woher?

SD: Möglicherweise von einer mitfühlenden menschlichen Gemeinschaft, die von unsere Lage und unseren Hilferufen hört. Das Wichtigste ist, unserer Regierung dabei zu helfen, die Boko Haram zu stoppen. […] Natürlich benötigen wir auch Hilfsgüter wie Nahrungsmittel und Unterkünfte. Wir haben bereits ein Komitee beauftragt, die verfügbaren Materialien zu verteilen.

ID: Welche Auswirkungen hat die Krise auf das tägliche Leben?

SD: Die Krise hat uns völlig vereinnahmt, so dass wir aufgehört haben, irgendwelche Pläne für die Gemeindeentwicklung zu verfolgen. Wir beobachten, wie die Angriffe immer näher an uns heranrücken und wissen nicht, wann es uns treffen wird. Jeden Morgen danken wir Gott zuerst dafür, dass wir noch am Leben sind. Mehr als einmal hatte unser Komitee zur Verteilung der Hilfsgüter Einsätze zu den Notleidenden angesetzt; dann hörten sie plötzlich von Angriffen genau in der fraglichen Gegend und mussten die Aktion verschieben. Wir können einfach nicht mehr planen. Direkt vor unserer Zentrale kampieren Tausende von Flüchtlingen. Als ich zum ersten Mal hungrigen, bettelnden Kindern begegnet bin, hat mich das sehr erschüttert. Manche von ihnen waren nackt, ich habe sogar versucht ihnen auszuweichen. Als ich dann einige Familien kennenlernte und versuchte sie zu trösten, erfuhr ich, dass sich oftmals die Frauen alleine um die Kinder kümmern müssen. Ihre Männer sind verschwunden. Ich habe mich gefragt: ‚Wie lange können diese kleinen Kinder von einem Dorf zum nächsten laufen?‘

ID: Was erwarten Sie von der weltweiten christlichen Gemeinschaft?

SD: Wir wünschen uns, dass die weltweite Kirche erkennt, dass dies nicht allein unser Problem ist. Es betrifft den gesamten Leib Christi. In der Vergangenheit haben wir uns durch die Spenden unserer Mitglieder finanziert. Aber jetzt können wir keine Gottesdienste mehr halten und haben fast alles verloren, die ganze Kirche hat ihr Einkommen verloren. Wir fühlen uns sehr allein gelassen. Darum bringen wir unsere Lage vor Gott und sagen: ‚Hier sind wir, tu, was Dir gefällt und was in Deinen Augen richtig ist für Dein Volk.‘ Dutzende unserer Kirchen sind vollständig zerstört, viele Pastoren wurden umgebracht, andere sind auf der Flucht, zum Teil gemeinsam mit ihren Gemeinden. Wenn die Lage sich nicht verbessert, besteht die Gefahr, dass die Kirche im Nordosten Nigerias aufhört zu existieren.

Bitte beten Sie für die Christen in Nigeria
 

  • Beten Sie, dass Gott den vielfältigen Nöten seiner Gemeinde in Nigeria begegnet.
  • Beten Sie für die nigerianische Regierung und dass der Vormarsch von Boko Haram gestoppt wird.
  • Beten Sie für die Kämpfer der Boko Haram, dass Jesus sich ihnen offenbart und die Macht des Hasses zerbricht.

 

 

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