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Pakistan: Rimsha Masih ist frei

Hilfswerk Open Doors startete Ermutigungsaktion für behindertes christliches Mädchen

(Update: 22. November) - Vielen Dank für Ihre Gebete und Ihre Fürsprache für Rimsha durch Briefe und Petitionen. Rimsha wurde freigesprochen. Der oberste Gerichtshof der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hat am vergangenen Dienstag die Blasphemie-Anklage gegen Rimsha Masih fallengelassen. Zum ersten Mal in der Geschichte Pakistans wurde damit ein Blasphemie-Verfahren eingestellt. Lesen Sie hier weiter...

(Update: 10. September) - Rimsha Masih ist auf Kaution entlassen worden. Doch nach Hause kann sie nicht wieder zurück. Die Gefahr von Selbstjustiz ist hoch. Nach fast drei Wochen Haft ist sie am Samstag, 8. September, vom Gefängnis in Islamabad an einen sicheren Ort gebracht worden.

(Update: 7. September) - Gerade haben wir erfahren, dass Rimsha Masih die Entlassung auf Kaution gewährt wurde. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Noch ist das Mädchen nicht freigelassen worden. Sobald wir neue Informationen erhalten, werden wir sie an dieser Stelle weitergeben.

(Update: 6. September) - Die Polizei hat einen Imam festgenommen. Er soll die angeblichen Beweise für die Koranschändung gefälscht haben.

Zur Verhaftung kam es am 1. September. Khalid Jadoon Chishti ist der Imam der Moschee in Rimshas Wohnviertel. Er unterstützte maßgeblich die Blasphemieanklage gegen das Mädchen. Seit 17. August ist Rimsha im Hochsicherheitsgefängnis in Islamabad inhaftiert. Dort sitzt nun auch der Geistliche bis 16. September in Untersuchungshaft. Erhärtet sich der Vorwurf, hätte sich der Imam selbst einer blasphemischen Handlung gegen den Islam schuldigt gemacht und könnte zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Wie die Polizei herausfand, handelt es sich bei den verbrannten Papieren um Seiten aus einem Kinderbuch, mit dem Kinder Arabisch lernen, bevor sie den Koran lesen lernen.

Mitarbeiter des Imams gaben an, dass Malik Ammad, der das Mädchen als erster der Blasphemie beschuldigte, mit einer Tüte verbrannter Buchseiten zum Imam Chishti gekommen sei. Der Imam habe dann selbst Koranseiten unter die Asche gemischt. Der stellvertretende Moscheeleiter Hafiz Zubair stellte ihn daraufhin zur Rede. Laut Zubair habe dieser geantwortet, dass er sicher gehen wolle, dass der Fall gegen das Mädchen ernst genommen werde und dadurch die Christen aus dem Viertel vertrieben würden. Eine Anhörung in dem Fall wurde auf den 7. September verschoben. (OD News)

(Update, 1. September) - Der Anwalt des Klägers, Rao Abdur Raheem, hat sich sehr deutlich zu Wort gemeldet und unverhohlene Drohungen ausgesprochen.

Er zweifelt unter anderem die Legitimität des ärztlichen Gutachtens an, das Rimsha‘s Alter auf 14 festlegt. Darüber hinaus wird er mit den Worten zitiert: "Das Mädchen ist schuldig. Falls die Regierung das Gericht zu ihren Gunsten überstimmt, wird Allah jemanden anders schicken, den Job zu erledigen." Raheem stellte die Autorität des Gutachtens mit der Begründung in Frage, es sei nicht durch das Gericht selbst, sondern durch einen untergeordneten Beamten angefordert worden. Er forderte das Gericht auf, das Gutachten für ungültig zu erklären. Der Regierung warf er in diesem Zusammenhang vor, das Mädchen zu unterstützen und dabei die Arbeit des Gerichtes zu behindern. Rao Abdur Raheem trat zuletzt als Verteidiger von Malik Mumtaz Qadri in Erscheinung, nachdem dieser den Gouverneur des Punjab, Salman Taseer, ermordet hatte.

Auch dieser Fall war eng mit dem Blasphemiegesetz verknüpft: Taseer hatte das Gesetz in Frage gestellt und sich für die inhaftierte Asia Bibi eingesetzt. Daraufhin hatte der Leibwächter Mumtaz seinen eigenen Chef getötet. Für viele Pakistanis gilt er seitdem als Held. Vor diesem Hintergrund dürfte eine weitere Aussage des Anwaltes Raheem für weitere Beunruhigung unter der christlichen Minderheit Pakistans sorgen: "Jede Person, die sich jetzt für die Freilassung von Rimsha Masih einsetzt, sollte bedenken: Es gibt viele Mumtaz Qadris in diesem Land." Gegenüber Reportern fuhr er fort: "Falls das Gericht an seiner Arbeit gehindert wird, weil der Staat sich auf die Seite der Angeklagten stellt, hat das Volk keine andere Wahl als das Recht in die eigenen Hände zu nehmen." Nicht nur die Christen stehen angesichts solcher Aussagen unter großem Druck. Nach Aussagen eines Beobachters ist es in den vergangenen Jahren in vergleichbaren Fällen äußerst selten zu einem Freispruch gekommen, da religiöse Fanatiker sich regelmäßig vor den Gerichtsgebäuden versammeln. Rimsha’s Anwalt Naveed resümiert: "Wer kann schon für unsere Sicherheit garantieren, wenn nicht Gott selbst? Raheems Worte beunruhigen mich sehr, aber ich vertraue darauf, dass Gott uns schützen wird." (OD News)

 

Harte Strafen für Gotteslästerung

Sollte es zu einer Verurteilung von Rimsha Masih wegen Gotteslästerung (Blasphemie) kommen, würde ihr eine harte Strafe drohen. Ihr Fall lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf die umstrittenen Blasphemiegesetze in Pakistan, die häufig willkürlich gegen Christen eingesetzt werden. Demnach wird die Lästerung des Islam und die Verunglimpfung des Propheten Mohammed oder des Koran mit dem Tod oder lebenlanger Haft bestraft. Zuletzt wurde Asia Noreen (bekannt als Asia Bibi) im November 2010 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Sie beteuert ihre Unschuld. Das Urteil wurde noch nicht vollstreckt; Bibi sitzt weiter im Gefängnis.

Jetzt Verbundenheit zeigen!"

Christen weltweit sind äußerst besorgt nicht nur um die Sicherheit von Rimsha Masih und ihrer Familie. Sie, aber auch Asia Bibi und alle anderen Christen im Land brauchen jetzt Fürsprecher in der pakistanischen Regierung", sagte Markus Rode, Leiter des deutschen Büros von Open Doors in Kelkheim. "Wir müssen Politiker in Pakistan ermutigen, solchen ungerechtfertigten Anschuldigungen gegen die christliche Minderheit entgegenzutreten." Dazu brauche es Mut. Zwei Politiker wurden Anfang 2011 bereits ermordet, weil sie die Blasphemiegesetze kritisiert hatten. Rode bittet Unterstützer, einen Brief an die pakistanische Botschaft zu schicken, um damit Verbundenheit mit Rimsha und den Christen im Land zu zeigen und die pakistanische Regierung zu ermutigen, willkürlichen Blasphemieanschuldigungen zukünftig keinen Raum mehr zu geben.

Angst vor Vergeltung

Zur Klärung der Hintergründe im Fall Rimsha Masih hat die Regierung eine Untersuchung angeordnet. Ihr Anwalt hat einen Kautionsantrag gestellt und ist zuversichtlich, in den nächsten Tagen ihre Freilassung zu erreichen. Doch könnte das Mädchen zum eigenen Schutz auch weiter in Schutzhaft verbleiben. Nach Ansicht ihres Anwaltes wird sie nicht wieder nach Hause zurückkehren können. Aus Angst vor Vergeltungsschlägen aufgebrachter Muslime sind bereits viele christliche Nachbarn in entfernte Stadtteile von Islamabad geflohen. Die Gefahr von Selbstjustiz ist hoch. In der Vergangenheit sind mehrfach wegen Blasphemie angeklagte Menschen von Extremisten ermordet worden.

Seit vielen Jahren setzt sich Open Doors für die bedrohte und verfolgte christliche Minderheit in Pakistan u.a. mit Gebetsaufrufen ein.

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