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Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten

Abgeordneter wegen Orissa-Massaker verurteilt

 

In Indien werden vehement Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt. Immer wieder muss das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors von Übergriffen, Misshandlungen oder sogar Ermordungen von Gläubigen berichten. Hindu-Extremisten verfolgen das Ziel, aus dem demokratischen Land einen Hindu-Staat zu machen. Die christliche Minderheit braucht dringend Gebet und Solidarität, appelliert Open Doors. In Folge eine Reihe von Meldungen aus Indien.

Neu Delhi: Politiker in Orissa-Prozess verurteilt

Wie der Nachrichtendienst Compass Direct meldet, wurde der für die Hindu-nationalistische "Bharatiya Janata Party" (BJP) im Parlament von Orissa sitzende Abgeordnete Manoj Pradhan im Fall Parikhita Nayak wegen "der Verursachung schweren Schmerzes und Aufruhrs" – nicht aber wegen Mordes – zu sieben Jahren Haft und einer kleinen Geldstrafe verurteilt. Er war in insgesamt 14 Punkten angeklagt, darunter sieben Morden, die sich während der Angriffe auf Christen im Bezirk Kandhamal/Orissa 2008 ereignet haben. Sieben Punkte, darunter drei Morde, müssen noch vor Gericht verhandelt werden, in den anderen wurde er freigesprochen. Dieses Urteil hinterließ bei der Witwe Kanaka Rekha Nayak gemischte Gefühle: "Ich bin froh, dass Pradhan endlich hinter Gittern ist", sie habe aber erwartet, "dass das Gericht für die grausame Tat, die beide Angeklagte ausgeführt haben, mindestens eine lebenslängliche Haftstrafe ausspricht."

Bisher waren die Prozesse zu den Ereignissen in Kandhamal für die Angeklagten immer straflos ausgegangen, da Zeugen durch Drohungen von Hindu-Extremisten abgehalten wurden, auszusagen. Im Fall Nayak hat aber die Aussage seiner sechsjährigen Tochter, Lipsa, dazu beigetragen, Pradhans Schuldspruch zu besiegeln. "Ich habe die höchste Achtung für das Justizwesen", sagte der Abgeordnete Pradhan dem Press Trust of India. "Wir werden gegen das Urteil Berufung einlegen."

Bundesstaat Andhra Pradesh – Am 24. Mai warfen Hindu-Extremisten in Narayanpet Pastor T. Paul Zwangsbekehrungen vor und verletzten ihn durch Schläge schwer. Wie der Gesamtindischer Christenrat (AICC*) berichtete, wurde Pastor Pauls Jeep angehalten, als er von einem Gottesdienst heimfuhr und er wurde herausgezerrt und verprügelt. Seine inneren Verletzungen wurden im Krankenhaus behandelt. Christliche Leiter forderten die Polizei auf, die Täter zu verhaften.

Bundesstaat Chhattisgarh – Während eines vom 20. bis 29. Mai durchgeführten christlichen Schulprogramms in Jagbalput überfielen am 27. Mai Hindu-Extremisten der Organisation Bajrang Dal die Schule. Pastor Rahul Pant und zwei Lehrer von Mission India wurden verprügelt. Die Extremisten beschuldigten die Christen, sie würden Zwangsbekehrungen vornehmen und ohne Erlaubnis eine staatliche Schule für die Veranstaltung unter dem Titel "Kinderentwicklungsprogramm" nutzen. Vorgeworfen wurde ihnen auch die Verteilung von Büchern mit biblischen Erzählungen. Die Christen hatten allerdings die Genehmigung des Ortsvorstehers erhalten. Auf der Polizeiwache verlangten die radikalen Hindus die Erlaubnis der Bezirksverwaltung. Daher einigte man sich auf einen Stopp des Programms bis zur Genehmigung durch die Bezirksbehörden. Die Christen wurden ohne Anklage freigelassen.

Bundesstaat Karnataka – In Mysore beschimpfte die Polizei am 26. Mai Pastor Shiva Kumar, weil er Gebetstreffen in seinem Haus abhielt und untersagte ihm die Durchführung weitere christliche Versammlungen. Der GCIC* berichtete, dass die Polizei den Pastor abends vorgeladen und bis 22:30 Uhr festgehalten hat. Sie zwang ihn zur Abgabe einer schriftlichen Aussage und fotografierte ihn.

Bundesstaat Karnataka – Nachdem extremistische Hindus von der Sri Ram Sena (Sri Ram-Armee) Pastor Vasanthe Kathedar von der "New India Church" am 26. Mai überfallen hatten, verprügelten sie ihn, weil er in Okkere, Belgaum, "kommunale Disharmonie herbeiführen und den Frieden stören würde". Dies geschehe, indem er seinen christlichen Glauben unter Hindus praktiziere. Nach einem Bericht des GCIC* fand der Vorfall im Haus eines Kirchenmitgliedes statt, in dem die Christen zusammenkamen. Die Tätlichkeiten gegen den Pastor dauerten eine Stunde und als die Polizei eintraf, verhaftete sie, wie schon häufig geschehen, das Opfer und klagte es an.

Bundesstaat Karnataka – Am 23. Juni schlugen Hindu-Extremisten in Chandapura, Anekal, die Pastoren Shidu Kurialose und Nithya Vachanam von der "Bethel Assembly of God Church" zusammen. Die EFI* berichtete, dass die Extremisten sie nach einem christlichen Haustreffen der Zwangbekehrung beschuldigten und mit Eisenstangen auf sie einschlugen. Beide Pastoren wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Anzeige wurde nicht erstattet.

Bundesstaat Karnataka – Aufgrund des Vorwurfs der Zwangsbekehrung wurde am 16. Juni in Karwar ein christliches Waisenhaus geschlossen. Einem Bericht der GCIC* zufolge besuchten staatliche Beamte eine Schule beim Waisenhaus und überbrachten dem seit vier Jahren bestehenden "Spring of Hope Orphanage and Vocational Arts Training Centre", das 61 Schüler vom Stamm der Siddi hat, einen Schließungsbefehl. Christliche Leiter haben Schritte zur Klärung des Konflikts eingeleitet.

Bundesstaat Karnataka – Am 7. Juni nahm die Polizei in Bovi Colony, Chickmagalur, zwei Christinnen fest. Nach Angaben von EFI* stürmten extremistische Hindus vom RSS* einen Gottesdienst und bezichtigten Kadaur Devaki sowie eine Pastorin, die nur als Lalathamma bekannt ist, "kommunale Disharmonie zu erzeugen und den Frieden zu stören". Dies ist ein beliebter Vorwurf gegen Christen. Bald trafen Polizisten ein und nahmen beide Frauen wegen "absichtlicher und böswilliger Handlung zur Erregung religiöser Gefühle" in Untersuchungshaft.

Neu-Delhi – Vermutlich islamische Extremisten haben am 14. Juni in Malviya Nagar einen afghanischen Christen zusammengeschlagen und schwer verletzt. Einem christlichen Informanten zufolge schlugen zwei Männer auf einem Motorrad Hamid Ullah bei seinem Heimweg auf den Kopf. Er fiel zu Boden, wo die Extremisten weiter auf ihn einschlugen, seinen Glauben verspotteten, ihn einen "Heiden" nannten und ihn warnten, er müsse zum Islam übertreten oder mit Schaden rechnen. Wie der Informant sagte, sind afghanische Christen in verschiedenen Gegenden Neu-Delhis auch gewarnt, bedroht und angegriffen worden. Die Rechtsberatung von EFI* hat Schritte unternommen, um ihnen zu helfen.

Bundesstaat Orissa – Bajrang-Dal-Extremisten haben am 9. Juni drei Christen in Deogarh, Sambalpur, der Zwangsbekehrung beschuldigt und sie angegriffen. Wie EFI* meldete, hatte der Hindu Biranchi Kistotta Pastor Lamuel Panaik, Pastor N. Philemon und Sudhir Kumar eingeladen, die Heilung seines Sohnes zu feiern, für den Pastor Panaik gebetet hatte. Menschen verschiedener Konfessionen waren anwesend, darunter Hindu-Mitglieder aus Kistottas Familie. Nach Mitternacht erschienen plötzlich sieben extremistische Hindus unter Begleitung der Medien vor Pastor Patnaiks Haus. Als dieser nicht herauskommen wollte, brachen sie ein und zogen die drei Christen mit Gewalt heraus. Die Extremisten bezichtigten sie der Zwangsbekehrung, verprügelten Sudhir Kumar und bedrohten die beiden Pastoren. Der eintreffenden Polizei gegenüber bestätigten mehrere Personen die Unschuld der Christen, die trotzdem als Sicherheitsmaßnahme zur Polizeiwache gebracht wurden. Später kehrten sie heim. Die Christen entschieden sich dafür, den Angreifern zu vergeben und keine Anzeige zu erstatten.

Bundesstaat Orissa – Nach einem Bericht von GCIC* brachen sechs mit Dolchen und Stöcken bewaffnete Hindu-Extremisten am 8. Juni in Nuapada in das Haus von Bhakta Bivar (19) ein, während seine Eltern bei einem Gebetstreffen waren. Die Extremisten beschimpften ihn wegen seines Glaubens und fingen an, ihn zu schlagen. Sie schleppten ihn zu einem Hindu-Tempel, wo sie ihn weiter schlugen und von ihm verlangten, Jesus zu verleugnen. Sie zwangen ihn, Götzen geopfertes Essen zu sich zu nehmen und drohten, ihn und seine Eltern umzubringen, falls sie sich nicht zum Hinduismus bekehren würden. Sie verbrannten vier aus seiner Wohnung gestohlene Bibeln und zwangen ihn, ein safranfarbenes Gewand zu tragen, ein Symbol für den Hinduismus. Damit zerrten sie ihn auf die Straße und behaupteten fälschlicherweise, er sei zum Hinduismus zurückgekehrt. Sie bedrohten Bhakta Bivar, da sie die Existenz des Christentums in dieser Gegend verboten hätten. Dann ließen sie ihn gehen. Aufgrund einer Anzeige hat die Polizei am nächsten Tag fünf Hindu-Extremisten festgenommen.

Bundesstaat Tamil Nadu – Angehörige der extremistischen Hindu-Organisation Bajrang-Dal hatten sich gegen eine christliche Veranstaltung vom 17.-20. Juni eingesetzt. Am 22. Juni äscherten sie mindestens sieben Fahrzeuge der "Jesus-mit-uns"-Pfingstgemeinde in Mathikere, Hosur, ein. GCIC* berichtete, dass die Extremisten bereits am 18. Juni von den Behörden forderten, die Veranstaltungsgenehmigung zurückzuziehen und hinduistische Ladenbesitzer ihre Läden schließen ließen. Fünf radikale Hindus wurden wegen gewalttätigen Handlungen gegenüber Christen verhaftet. Aufgrund dieser Ereignisse verlegten die Christen ihre Tagung unter Polizeischutz in eine 8 Kilometer vom ursprünglichen Ort entfernte Gegend.

Bundesstaat Tamil Nadu – Anhänger der zur Verteidigung der Hindu-Religion gegründeten religiösen und kulturellen extremistischen Organisation "Hindu Munnani" haben am 28. Mai in der Nähe von Rameshwaram eine im Bau befindliche Kirche zerstört. Katholischen Quellen zufolge hatte der örtliche Leiter der Organisation, nur als "Ramamurthy" bekannt, gegen das Bauvorhaben Klage erhoben. Regierungsbeamte ergriffen Partei für die Hindu-Extremisten und behaupteten, es existiere ja bereits die St.-Antonius-Kirche und eine neue Kirche führe nur zu Spannungen. Der Abriss des Baus erzeugte bei den Christen ein Gefühl von Schock und Ohnmacht.

Bundesstaat Uttar Pradesh – Radikale Hindus vom RSS* unterbrachen am 21. Juni in Firozabad das Gebetstreffen der Jesus-Kirche (Isha Garh) und bezichtigten Pastor Breymond Shastri der Zwangsbekehrung. Einem Informanten zufolge waren sie gewaltsam in die Kirche eingedrungen und misshandelten den Pastor. Tags darauf veröffentlichte die Tageszeitung Amar Ujala diese falschen Anschuldigungen. Die Extremisten warnten den Pastor davor, weitere Gottesdienste durchzuführen, sonst könne ihm etwas zustoßen.

Bundesstaat Uttar Pradesh – In Gorakpur unterbrachen ungefähr acht Hindu-Extremisten am 20. Juni den Sonntagsgottesdienst der "Apostolic Christian Assembly Church", indem sie ihn stürmten, nachdem sie vor der Kirche christenfeindliche Parolen gerufen hatten. Sie bezichtigten den Pastor der Zwangsbekehrung. Die Polizei verjagte die Extremisten. Bei Redaktionsschluss stießen diese immer noch Drohungen gegen den Pastor aus, der – wie EFI* berichtete – unter Polizeischutz steht.

Quelle: Compass Direct

* AICC: All-Indian Christian Council (Gesamtindischer Christenrat)

EFI: Evangelical Fellowship of India (Evangelische Allianz Indiens)

GCIC: Global Council of Indian Christians (Allgemeiner indischer Christenrat)

RSS: Rashtriya Swayamsevak Sangh (Nationale Freiwilligenorganisation,
extremistische Hinduorganisation)

Open Doors bittet, anhaltend für die Christen in Indien in Fürbitte einzustehen. Die ständig neuen Meldungen zeigen, dass sie unter einem großen Druck stehen.

 

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