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Vietnam: Leise Hoffnungszeichen trotz harter Verfolgung

40 Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges geht die Regierung verstärkt gegen Christen vor

(Open Doors, Kelkheim) – Während Vietnam mit öffentlichen Gedenkfeiern an das 40 Jahre zurückliegenden Ende des Vietnamkrieges erinnert, müssen die Christen im Land weiterhin auf echte Glaubensfreiheit warten. Ein vietnamesischer Christ drückt es so aus: "Unsere Regierung hat zwei Gesichter: das eine ist freundlich und offen, das andere ist das der Unterdrückung."

Einschüchterungen, Prügel und Haft für Christen

Im März 2015 wurden zwei Leiter einer Hauskirche in der nordöstlichen Provinz Yen Bai verhaftet. Ebenfalls im März brachen Polizeibeamte einen Gottesdienst mit 80 Teilnehmern ab und setzten den Hauseigentümer so unter Druck, dass er schriftlich zusagte, keine weiteren Gemeindeaktivitäten in seinem Haus zu dulden. In der Provinz Dien Bien wurden Christen bereits im Februar von Beamten brutal zusammengeschlagen und flohen daraufhin aus ihrem Dorf.

Der christliche Menschenrechtsanwalt Nguyen Van Dai musste zunächst eine vierjährige Haftstrafe wegen "staatsfeindlicher Propaganda" verbüßen und stand anschließend weitere vier Jahre unter Hausarrest. Selbst nach Ablauf dieser Zeit im März dieses Jahres wird er regelmäßig von Sicherheitsbeamten unter Druck gesetzt.

Offizielle Genehmigung nach 16 Jahren Überwachung

Open Doors Analyst Thomas Müller weist auf eine deutlich Zunahme der Übergriffe gegen Christen durch Behörden in den vergangenen Monaten hin. "Auch wenn bislang unklar ist, welche Gründe dahinter stecken: Christen aller Konfessionen bekommen die harte Hand der Regierung deutlich zu spüren." Dabei gibt es innerhalb des Landes große Unterschiede. Anh* ist Pastorenfrau aus Saigon und berichtet, dass sich die Gemeinde seit 1990 in ihrer Privatwohnung trifft. "Jede Woche kam Besuch von der Polizei. Oft mussten dann alle Gottesdienstbesucher mit aufs Polizeirevier. Aber im Jahr 2006 erteilte uns die Regierung plötzlich eine Genehmigung für unsere Versammlungen, und seitdem werden wir in Ruhe gelassen." Nach Anhs Beobachtung genießen Christen in größeren Städten oft deutlich mehr Freiheit als auf dem Land. Dort geht der Druck von den Behörden, aber auch von Familienangehörige und Nachbarn aus, die in der Regel im Animismus verhaftet sind und von allen Dorfbewohnern die Teilnahme an ihren Ritualen erwarten.

Regierung kündigt Kurswechsel an

Bei einem Treffen von Regierungsvertretern mit Repräsentanten verschiedener Religionen am 15. April stellte die Regierungsseite deutliche Veränderungen im Umgang mit religiösen Gruppierungen in Aussicht. Dazu gehören Gesetzesreformen und einige – wenn auch zunächst sehr vorsichtige – Lockerungen der gegenwärtigen Restriktionen. Beobachter wie der UN-Menschenrechtsbeauftragte Heiner Bielefeld bescheinigen der Regierung positive Ansätze, sind angesichts der bisherigen Fakten allerdings zurückhaltend.

Open Doors unterstützt die Christen in Vietnam durch Schulungen, Hilfe zur Selbsthilfe, Rechtsbeistand und Literaturprojekte. Auf dem Weltverfolgungsindex 2015 steht das Land an 16. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
*Name geändert

Bitte beten Sie für die Christen in Vietnam

  • Bitte beten Sie für die inhaftierten und bei Übergriffen verletzten Christen, dass sie Gottes Fürsorge erleben
  • Beten Sie, dass die bedrängten Christen und Gemeinden standhaft bleiben und im Glauben wachsen
  • Beten Sie für die Regierung, dass sie die ankündigte Öffnung hin zu mehr Religionsfreiheit in die Tat umsetzt und auch die lokalen Beamten ihr Verhalten anpassen.

QuelleOpen Doors, World Watch Monitor

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