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Vom schwierigen Leben der Christen in Afghanistan

Bericht: Christen muslimischer Herkunft zwischen Verfolgung und Bekennermut

(Open Doors) - In Afghanistan leben Christen muslimischer Herkunft gefährlich. Sie müssen ihren Glauben an Jesus verbergen. Denn wie ein Damoklesschwert schwebt über ihnen die ständige Gefahr, für ihren "Abfall vom Islam" (Apostasie) getötet zu werden. Vor allem die eigene Familie, Nachbarn und muslimische Geistliche gehen gegen die "Abtrünnigen" vor. Doch trotz äußerst schwieriger Umstände wächst die kleine Gemeinde Jesu in dem Land am Hindukusch. Das stellt die Christen vor neue Herausforderungen, für deren Bewältigung sie unseren Beistand brauchen.

Afghanistan: Blick über Kabul/Open DoorsIn Afghanistan, fast zwei Mal so groß wie Deutschland, leben mehr als 32 Millionen Einwohner. Die meisten sind Muslime. Das Leben ist geprägt von einer archaischen Stammeskultur, in die eine Demokratie nach westlichem Vorbild nicht passt. Die Familie hat einen hohen Stellenwert; man lebt eng zusammen. Freiraum für ein "privates" Leben ist nicht vorgesehen. Die Identität Afghanistans ist fest im Islam verwurzelt; er ist prägend im religiösen, sozialen wie auch politischen Alltag. Beleidigungen des Propheten Mohammed oder die Entweihung des Koran lösen häufig kollektiven Zorn aus, der sich in Protesten oder Gegenaktionen auf der Straße entlädt.

Christenverfolgung am Hindukusch

Afghanistan gehört zu den zehn Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors belegt das streng islamische Land Platz 2. Bereits unter der Herrschaft der Taliban (1996 bis 2001) galten Afghanen, die den Islam verlassen haben, als Verräter. Doch noch heute halten einheimische Christen ihren Glauben lieber geheim. Unter der Übergangsregierung des Paschtunen Hamid Karsai erlebt das Land seit Dezember 2001 zwar eine vorsichtige Öffnung - insbesondere in der Hauptstadt Kabul - doch die Sicherheitslage ist trotz des Einsatzes internationaler ISAF-Soldaten besorgniserregend. Anschläge, Entführungen und Anarchie gehören weiterhin zum Alltag. Hinzu kommt, dass die Taliban an Stärke gewinnen. Kämpfer schüchtern die Menschen besonders in ländlichen Gebieten durch "nächtliche Besuche" ein oder verüben Anschläge auf jeden, der nicht konform geht mit ihren Grundsätzen. Das gilt selbst für einheimische Polizisten, Beamte und Lehrer. Auf einer Internetseite haben die Taliban im Oktober 2011 allen Christen im Land den Vernichtungskampf angesagt. Insbesondere christliche Entwicklungshelfer sind im Visier von Aufständischen, da ihnen unterstellt wird, Muslime zum christlichen Glauben bekehren zu wollen. Die Taliban benannten in der Internetbotschaft rund 200 Organisationen. Im August 2011 wurden in der Provinz Parwan, nördlich von Kabul, zwei deutsche Entwicklungshelfer verschleppt und erschossen. Mit dem bevorstehenden Rückzug der Truppen aus dem Land befürchten viele Afghanen die endgültige Rückkehr der Extremisten, die jetzt schon in einigen Landesteilen die Oberhand haben. Besonders für religiöse Minderheiten sind das düstere Aussichten.

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Die in der Verfassung vorgesehene Religionsfreiheit existiert nur auf dem Papier. Denn Christen muslimischer Herkunft werden weder anerkannt noch geschützt. Sie müssen ihren Glauben im Verborgenen leben und eröffnen nur vertrauenswürdigen Menschen gegenüber, dass sie Jesus Christus nachfolgen. Weshalb es auch nur Schätzungen über ihre Anzahl gibt. Diese reichen von 2.000 bis zu 3.000 Christen. Würde ihr Glaubenswechsel in falsche Ohren geraten, hätte das schlimme Folgen: Arbeitsplatzverlust, Ausschluss aus der Familie und der Dorfgemeinschaft, Gefängnis und im schlimmsten Fall - so fordern es Extremisten wie die Taliban - ihre Hinrichtung. Obwohl die afghanische Regierung alle internationalen Abkommen zum Schutz der Religionsfreiheit unterzeichnet hat, ist sie derzeit nicht in der Lage, die grundlegenden Aspekte für Glaubensfreiheit zu garantieren. Denn die Verfassung legt auch fest, dass alles verboten ist, was "im Widerspruch zu den Überzeugungen und Vorschriften der heiligen Religion des Islam steht". Die Abkehr vom Islam kommt damit einem schweren Verbrechen gleich. Daher wagen es Konvertiten in der Regel auch nicht, ihren Glaubenswechsel öffentlich zu machen.

Afghanistan: ein Haus auf dem Land mit Satellitenschüssel/Open DoorsPositive Entwicklungen

Doch die Gemeinde Jesu ist in Afghanistan in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich, wenn auch langsam gewachsen. Durch Vernetzungen kleiner regionaler Hausgruppen haben sich immer häufiger Christen muslimischer Herkunft aus ihrer Isolation gewagt. Sie leben - wenngleich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen - nun in Gemeinschaft mit anderen ihren Glauben. Doch es mangelt an ausgebildeten Leitern, um die Hausgemeinden anzuleiten. Eine Bibel zu besitzen ist zu gefährlich, und nicht selten können die Christen sie auch lesen. Annähernd 90 Prozent der Frauen in Afghanistan sind Analphabeten, bei den Männern ist es jeder zweite (57 Prozent). Ein Weg, diesem Missstand zu begegnen, sind Radio- und Fernsehprogramme, die sich Christen via Satellit ins Wohnzimmer holen. Übrigens sind unter den regelmäßigen Zuschauern dieser Sendungen nicht wenige Muslime. Medien sind häufig der erste Weg, auf dem Afghanen mit dem Evangelium in Berührung kommen.

Mit ihrer Bekehrung zum christlichen Glauben geht für sie auch ein tiefgreifender Paradigmenwechsel einher. Das Leben in einem islamischen Sippenkollektiv hat ihre Lernkultur geprägt. Sie sind gewohnt, Koransuren lediglich auswendig zu lernen - zumeist in Gruppen. Was der Imam in der Moschee predigte, war Gesetz. Hinterfragen von Ansichten konnte leicht als Rebellion oder im schlimmsten Fall als Anzweifeln der Autorität Mohammeds gelten. Das aber wäre Blasphemie. Nun müssen sie lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden oder Entscheidungen zu treffen.

Gesetz der Sippe

In weiten Teilen Afghanistans prägt und regelt die Stammeskultur das soziale Leben. Wer sich für ein Leben mit Jesus entscheidet, riskiert viel. Ein "Abfall vom Islam" ist für die Familie eines Konvertiten die Verletzung der Familienehre. Neben Verwandten, Nachbarn oder Stammesangehörigen stellen auch örtliche Behörden und muslimische Geistliche den "Abtrünnigen" nach. Öffentliche Treffpunkte von afghanischen Christen oder gar Kirchen, selbst für ausländische Christen, sucht man im Land vergeblich. Die afghanische Gemeinde Jesu hat einen großen Bedarf an Lehre. Manche sind seit etlichen Jahren Christ, kennen aber nicht den Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament.

Zeuge Jesu sein

Afghanistan: Szene Basar/Open DoorsDoch für Gottes Wort gibt es keine verschlossenen Türen. Große Evangelisationsveranstaltungen wie hierzulande, öffentliche Gottesdienste oder Einladungen zu Bibeltreffen mag es in Afghanistan nicht geben: Doch wollen einige einheimische Gläubige durch ihren positiven moralischen Lebenswandel ein Zeugnis für Jesus sein und ihre Landsleute ins Nachdenken bringen. Für die Weiterentwicklung und für eine fundierte Glaubensbasis in Hausgemeinden braucht die Gemeinde Jesu in Afghanistan dringend die Unterstützung von Christen in aller Welt - insbesondere im Gebet.

Bitte ermutigen und stärken Sie die Christen in Afghanistan mit Ihrem Gebet.

QuelleFotos: Open Doors

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