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Länderprofil Malaysia

Malaysia

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 58 Punkte / Platz 30
(WVI 2015: 55 Punkte / Platz 37)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ und in geringerem Ausmaß „Diktatorische Paranoia“ (vermischt mit Islamischem Extremismus)

Aktuelle Einflüsse: Malaysia ist immer noch als das wahrscheinlich beste Vorbild für ein liberales und tolerantes islamisches Land bekannt. Dieser Ruf verblasst jedoch mehr und mehr und wurde auch im Berichtszeitraum weiter stark beschädigt. Ein Beispiel hierfür ist der Versuch, das islamische Strafgesetz (hudud) im Bundesstaat Kelantan einzuführen. Die Einführung dieses Gesetzes erfordert Abänderungen am Bundesgesetz, weswegen die Zustimmung dazu noch aussteht, jedoch zeigt sich darin eine klare Entwicklung hin zum konservativen Islam. Die Oppositionsparteien spalteten sich im Juni 2015 wegen eines Streits über diese Angelegenheit. Das könnte auf lange Sicht bedeuten, dass muslimische Parteien, die bisher gegeneinander standen, sich nun verbünden, falls sie den Islam in Gefahr sehen. Beobachter stufen die malaysische Gesellschaft zunehmend als rassistisch ein, denn die ethnische Mehrheit der Malaien wird klar bevorzugt, während Chinesen und Inder sowie die Stämme der Ureinwohner im Osten Malaysias diskriminiert werden.

Betroffene Kategorien von Christen: In Malaysia gibt es drei Kategorien von Christen, die alle von Verfolgung betroffen sind: Christen aus traditionellen Kirchen, Christen muslimischen Hintergrunds und Christen aus protestantischen Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien, Freunden und Nachbarn unter großen Druck gesetzt, dem christlichen Glauben abzuschwören. Sie werden nicht nur als Konvertiten angesehen, sondern als Verräter ihres Volkes und ihrer ethnischen Identität. Christen werden sowohl in ihrem Privatleben als auch in ihrem Berufsleben diskriminiert. Kinder christlicher Eltern werden ebenfalls diskriminiert und leiden unter Vorurteilen der Lehrer und Mitschüler. Die Verfolgung ist nicht besonders von Gewalt geprägt, jedoch gab es einen Vorfall am 19. April 2015, bei dem 50 Demonstranten gegen eine Kirche in Taman Medan demonstrierten und die Pastorin zwangen, das Kreuz von der Kirche zu entfernen. Der Großteil der Gesellschaft bedauerte diesen Vorfall jedoch im Nachhinein.

Ausblick: Die christliche Minderheit wird gefährdet bleiben, solange sich Politik und Gesellschaft auf ethnische Abgrenzungen konzentrieren. Die Regierung fühlt sich zunehmend in eine Ecke gedrängt, was als Gegenreaktion möglicherweise Angriffe auf religiöse Minderheiten (einschließlich Christen) hervorrufen könnte.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 58 Punkten belegt Malaysia Platz 30 auf dem Weltverfolgungsindex 2016. 2015 belegte das Land mit 55 Punkten Rang 37. Die Erhöhung der Punktzahl ist auf den verstärkten Druck in allen Lebensbereichen zurückzuführen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen in Malaysia ist „Islamischer Extremismus“ und weiter auch „Diktatorische Paranoia“ (vermischt mit Islamischem Extremismus).

Islamischer Extremismus: Malaysia ist immer noch als das wahrscheinlich beste Vorbild für ein liberales und tolerantes islamisches Land bekannt. Dieser Ruf verblasst jedoch mehr und mehr und wurde auch im Berichtszeitraum stark beschädigt. Ein Beispiel hierfür ist der Versuch, das islamische Strafgesetz (hudud) im Bundesstaat Kelantan einzuführen. Die Einführung dieses Gesetzes erfordert Abänderungen am Bundesgesetz, weswegen die Zustimmung dazu noch aussteht, jedoch zeigt sich darin eine klare Entwicklung hin zum konservativen Islam. Die Oppositionsparteien spalteten sich im Juni 2015 wegen eines Streits über diese Angelegenheit. Auf lange Sicht könnten sich deshalb muslimische Parteien nun verbünden, die bisher gegeneinander standen, falls sie den Islam gefährdet sehen. Laut Verfassung ist die Scharia dem bürgerlichen Recht nicht gleichgestellt, aber die Realität ist eine andere. Dies spiegelt sich vor allem in Sorgerechtsfällen wider, bei denen das Gericht oft zu Gunsten der Mutter entscheidet. Häufig konvertieren Väter zum Islam, um vor Scharia-Gerichtshöfen das Sorgerecht zu beantragen, welches ihnen dann auch erteilt wird. Die Polizei bevorzugt, der Entscheidung des Scharia-Gerichts zu folgen, da dies für sie weniger Schwierigkeiten bedeutet. Somit stellt sich die Frage, wie es um die Rechtsstaatlichkeit in Malaysia bestellt ist. Eine weitere relativ unbekannte Tatsache ist, dass in den meisten Bundestaaten von Malaysia islamische Umerziehungslager existieren. Hier können Muslime, die sich der umma (oder lediglich ihrer Familie und Gemeinschaft) nicht unterordnen wollen, bis zu 3 Jahren in Isolationshaft gehalten werden. Dies kann Muslime betreffen, die in den Augen ihrer Familie zu viel trinken oder rauchen, aber auch diejenigen, die sich dem christlichen Glauben zuwenden. Was in diesen Lagern geschieht, ist relativ unbekannt, doch lassen die wenigen Berichte vermuten, dass psychischer Missbrauch und bisweilen auch physische Gewalt an der Tagesordnung sind. Ein anderer Vorfall ereignete sich gleich zu Beginn des Berichtszeitraums, als der oberste Gerichtshof einer katholischen Zeitung verbot, das Wort „Allah“ für Gott zu benutzen. Am 8. Dezember 2014 gab die religiöse Obrigkeit des Bundesstaates Selangor 300 Bibeln wieder frei, die sie beschlagnahmt hatte, weil sie angeblich gegen das Gesetz verstießen (die Bahasa-Melayu-Bibeln verwenden das Wort „Allah“ für Gott). Jedoch war in alle Bibeln die Warnung gestempelt, dass sie „ausschließlich für den Gebrauch unter Nicht-Muslimen gedacht“ seien und „im Staat Selangor nicht veröffentlicht oder verwendet werden“ dürfen. Islamischer Extremismus und Konservatismus ist auf dem Vormarsch, was sich auch darin zeigt, dass mehr als 100 mutmaßliche Anhänger des „Islamischen Staates“ (IS) in Malaysia verhaftet wurden, während mehrere hundert weitere das Land schon verlassen haben, um im Irak und in Syrien zu kämpfen.

Diktatorische Paranoia: Während Diktatorische Paranoia genau genommen nicht als Triebkraft der Christenverfolgung in Malaysia angesehen werden kann, ist eine Berücksichtigung dennoch notwendig, um die Situation des Landes zu verstehen. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1957 ist die Regierungskoalition UMNO an der Macht. Sie besteht aus einer muslimischen Partei, einer kleineren chinesischen und einer indischen Partei, welche sich zusammen bislang keiner ernsthaften Opposition gegenübersahen. Die erdrutschartigen Wahlen 2008 und 2013 können also gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Zum ersten Mal trat eine ernstzunehmende Opposition auf und regiert nun sogar einige Bundesstaaten. Dies löste innerhalb der Regierung panische Reaktionen aus. Sie verstärkte ihre Politik der Bevorzugung gegenüber der malaiischen Bevölkerungsgruppe, anstatt einer Gleichstellungspolitik nachzugehen. Zur Paranoia trug auch bei, dass sich Premierminister Najib Razak von einem Korruptionsskandal zu erholen sucht, wie das Wall Street Journal 2015 berichtete. Laut diesem Bericht belegen Dokumente, dass 700 Mio. US-Dollar von einem Staatsfond auf das private Bankkonto des Premierministers überwiesen wurden. Vor diesem Hintergrund forderte Razak nur eine Woche später öffentlich dazu auf, den Koran zur Grundlage aller malaysischen Politik zu machen. Die UMNO instrumentalisiert zunehmend religiöse und ethnische Problemstellungen, um an der Macht zu bleiben – eine Strategie, die der Partei selbst schaden könnte. In jedem Fall ist die christliche Minderheit davon ernstlich betroffen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Beobachter stufen die malaysische Gesellschaft zunehmend als rassistisch ein, denn die ethnische Mehrheit der Malaien wird klar bevorzugt, während Chinesen und Inder sowie die Stämme der Ureinwohner im Osten Malaysias diskriminiert werden. Die ethnischen Minderheiten in Malaysia haben täglich mit Rassismus zu kämpfen. Im Oktober 2015 verlautbarte ein stellvertretender Minister öffentlich, dass er „einem Chinesen gerne einen Schlag versetzen würde“. Während dies in einigen Ländern Grund genug wäre, ihn zu einem Rücktritt zu drängen, geschah in diesem Fall nichts. Die rassistische Politik und der Hass – besonders gegen die chinesische Minderheit – verstärkten sich so sehr, dass sogar der chinesische Botschafter in Malaysia damit an die Öffentlichkeit ging und vor Rassismus warnte.

Christen sind von diesen Spannungen in besonderer Weise betroffen, denn die meisten Christen gehören entweder den Stämmen der Ureinwohner, der chinesischen oder der indischen Bevölkerung an.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Malaysia gibt es drei Kategorien von Christen, die alle von Verfolgung betroffen sind:

Historisch gewachsene Kirchen: dazu gehören die Römisch-Katholische, Anglikanische und Evangelisch-Lutherische Kirche, welche weniger von Verfolgung betroffen sind als protestantische Freikirchen und die Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft, aber sie leiden auch unter Diskriminierung.

Christen muslimischer Herkunft: sie leiden am stärksten unter Verfolgung

Protestantische Freikirchen: Evangelikale und Pfingstgemeinden

Für die Christen in Malaysia ist eine genauere Beschreibung als nur die Einordnung in die drei oben stehenden Kategorien erforderlich. Es ist hilfreich, Unterscheidungen anhand der geographischen Verteilung und der Herkunft vorzunehmen. Die Mehrheit der Christen stammt aus einem Bumiputra-Hintergrund. Die wörtliche Übersetzung dafür lautet „Söhne der Erde“, womit die Zugehörigkeit zum Land und zum Stamm der Ureinwohner gemeint ist. Aus Sicht der Regierung haben die Bumiputra einen Anspruch auf Fördermaßnahmen, die aber faktisch nur Nicht-Christen zugutekommen. Werden Bumiputra Christen, werden ihre Rechte schnell eingeschränkt. Die Christen, die keine Bumiputra sind, gehören hauptsächlich zur chinesischen oder indischen Minderheit. Sie sind in verschiedenen Denominationen zuhause und ihre Gemeinden variieren in Größenordnungen von Hausgemeinde bis „Megachurch“.

Auch die geografische Verteilung der Christen ist relevant. Die meisten Bumiputra leben in den Bundesstaaten Sabah und Sarawak; in letzterem bilden die Christen eine relative Mehrheit. Diese Staaten befinden sich in Ostmalaysia, auf der Insel Borneo (welche mit Brunei und Indonesien geteilt wird). Die Situation wird dadurch verkompliziert, dass viele Bumiputra zu Bildungszwecken oder aus wirtschaftlichen Gründen in den Westen Malaysias umsiedeln. Die malaiischen Christen muslimischer Herkunft vervollständigen das Bild der Christenheit in Malaysia. Sie sind starker Verfolgung ausgesetzt, da sie nicht nur ihren früheren Glauben verlassen, sondern auch als Verräter ihres Volkes und ihrer ethnischen Identität angesehen werden.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Malaysia zeigt die Wertungen für Islamistischen Extremismus (vermischt mit Diktatorischer Paranoia). Der Durchschnittswert der ersten fünf Blöcke (11,125), welche den Druck auf Christen in den fünf Lebensbereichen darstellen, ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen (10,345). Die Wertung für die Kategorie Gewalt ist leicht gesunken – von 2,963 (WVI 2015) auf 2,037. Dies lässt darauf schließen, dass der fortwährende Druck auf die Christen zwar weiter zunimmt, sich aber nicht in offener Gewalt ausdrückt. Wie das Diagramm unten zeigt, ist die Verfolgung in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ am stärksten, gefolgt von „Kirchlichem Leben“ und „Leben im Staat“. Vor allem auf Christen muslimischen Hintergrunds ist der Druck im Privat- und Familienleben sehr stark, der durch ihr soziales Umfeld und durch ihre Familie ausgeübt wird. Der Druck auf Christen in den verschiedenen Lebensbereichen wird durch die malaiisch-muslimische Vormachtstellung in Politik und Gesellschaft angefacht.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Laut Gesetz dürfen malaiische Muslime in allen Bundesstaaten außer in Sarawak den Islam nicht verlassen. Malaiischen Konvertiten ist es untersagt, an öffentlichen Kirchenveranstaltungen teilzunehmen. Wenn sie es trotzdem tun, riskieren sie, von den Behörden gefasst zu werden, und der jeweiligen Kirche drohen in diesem Fall ernsthafte Konsequenzen, weil sie Konvertiten aufgenommen hat. Aus diesem Grund treffen sich Christen muslimischer Herkunft in Privathäusern, um gemeinsam ihren Glauben zu leben, fernab von den wachsamen Augen der Regierung, der Gesellschaft und der registrierten Kirchen. Sie müssen sehr vorsichtig sein, wenn es um die Ausübung ihres Glaubens geht, besonders wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Bibeln und andere christliche Literatur müssen gut versteckt werden und können nur mit äußerster Vorsicht gelesen werden, da konservative muslimische Familien dies nicht akzeptieren würden. Wird ihr neuer Glaube bekannt, werden sie genauestens überwacht, können unter Hausarrest gestellt werden und erleiden in manchen Fällen auch physischen oder psychischen Missbrauch.

Familienleben: Laut Gesetz werden Kinder, die einen muslimischen Elternteil haben, automatisch als Muslime registriert. Jeder Malaysier besitzt einen Identitätsausweis, auf dem auch die Religionszugehörigkeit von der Bundesverwaltung für Registrierung verzeichnet ist. Ist ein Bürger einmal als Muslim registriert, kann dies nicht mehr geändert werden. Dieselbe Behörde ist auch für die Sterbeurkunden zuständig. Bevor eine Sterbeurkunde ausgestellt wird, prüft die Verwaltung, ob ein Glaubenswechsel stattgefunden hat; ist dies der Fall, informiert sie die islamische Religionsbehörde. Wurde die Beerdigung nicht nach muslimischer Tradition begangen, hat die Behörde das Recht, der nicht-muslimischen Familie den Leichnam wegzunehmen, damit die muslimischen Riten an der verstorbenen Person vollzogen werden können. Wenn Christen muslimischen Hintergrunds entdeckt werden, drohen ihnen die Scheidung und der Verlust des Erbrechts. Auch eine christliche Taufe, Hochzeit oder Beerdigung durchzuführen kann sehr schwer oder sogar unmöglich werden. Konvertiten können von ihren Familien isoliert, verstoßen oder in islamische Umerziehungslager gebracht werden. Einige arme Christen aus den Stämmen der Ureinwohner, vor allem in Sabah, wurden auf betrügerische Weise zu nominellen Muslimen gemacht. Sie unterzeichneten ein Dokument, das ihnen angeblich finanzielle Unterstützung von der Regierung versprach, in Wirklichkeit aber eine Erklärung war, zum Islam überzutreten. Nach der Unterschrift mussten sie den Beamten ihren Identitätsausweis übergeben. Als sie ihren Ausweis zurückerhielten, stellten sie fest, dass ihre Religionszugehörigkeit in Islam geändert wurde. Als die Christen versuchten, diese Änderung wieder rückgängig machen zu lassen, wurde ihnen von der Behörde für Registrierung gesagt, dass dies nur das Scharia-Gericht genehmigen könne, was faktisch unmöglich ist.

Gesellschaftliches Leben: Die Überwachung und Kontrolle von Christen wird sowohl von den Staatsbehörden, von malaiisch-nationalistischen Gruppen (z.B. Perkasa, ISMA) als auch von lokalen muslimischen Gemeinschaften ausgeführt. Die Regierung verweigert Nicht-Muslimen Grundrechte wie Schulbildung nicht, jedoch müssen Christen viel größere Hürden als Muslime nehmen, um eine höhere Schulbildung erhalten zu können. Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien, Freunden und Nachbarn stark unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Christen werden auch im Berufsleben diskriminiert und können im Öffentlichen Dienst keine höheren Positionen einnehmen.

Leben im Staat: Die Verfassung definiert ethnische Malaien als Muslime. Das ist auch der Grund, warum sie nicht die Religionsfreiheit haben, vom Islam zu anderen Religionen überzutreten. Gleichzeitig verbietet die Verfassung Anhängern anderer Religionen, ihre Religion unter malaiischen Muslimen zu verbreiten. Jedoch erlaubt sie Muslimen, im ganzen Land den Islam zu propagieren. Auf den Webseiten malaiisch-nationalistischer Gruppen und in den von der Regierung gesteuerten Medien werden Christen regelmäßig verleumdet, z. B. durch die Verbreitung des Gerüchts, Christen und Juden wollten Malaysia erobern, oder andere absurde Behauptungen. Die kürzlich verabschiedeten strengen Gesetze gegen Volksverhetzung wurden von internationalen Beobachtern stark verurteilt. Interessanterweise werden diejenigen, die Hass sowie rassistische und religiöse Gefühle gegen Christen schüren, dafür nie zur Rechenschaft gezogen. Auf der anderen Seite werden gegen diejenigen, die sich gegen die Regierung äußern, Anklagen erhoben. Die Bumiputra haben mit gezielten, aggressiven Versuchen, sie zum Islam zu bekehren, zu kämpfen. Besonders diejenigen, die in den Westen übersiedeln, sind davon betroffen, da sie in ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage entwurzelt und deshalb gefährdet sind. Auf lange Sicht könnte die christliche Bevölkerung deshalb schrumpfen, vor allem in Ostmalaysia.

Kirchliches Leben: Die meisten nicht-traditionellen christlichen Gemeinden sind nicht als Kirche registriert, sondern arbeiten als Organisationen oder Begegnungsstätten, wofür sie Ladenräume oder Fabrikgelände erwerben. Während die meisten Kirchen überwacht werden, erleben sie bei ihren Treffen keine Einschränkungen. Der einzige Vorfall, der im Berichtszeitraum gemeldet wurde, ereignete sich am 19. April 2015. Dabei versammelten sich etwa 50 Demonstranten, die gegen eine Kirche in Taman Medan protestierten und die Pastorin dazu zwangen, das Kreuz von der Kirche zu entfernen. Ein Großteil der Gesellschaft bedauerte diesen Vorfall allerdings im Nachhinein. Christliche Schriften können nur mit Genehmigung der Regierung gedruckt werden. Gegen das in der Landessprache Bahasa Malaysia gedruckte Material wurden restriktive Maßnahmen durchgesetzt und der Gebrauch des Wortes „Allah“ für die Bezeichnung von Gott ist faktisch allen Christen untersagt.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung von Christen in Malaysia ist nicht besonders von Gewalt geprägt und zur Situation der Christen, die am meisten davon betroffen sind – das sind Christen muslimischer Herkunft – ist es schwierig, Daten und Fakten zu bekommen. Einige von ihnen wurden in Umerziehungslagern festgehalten und einige wurden sogar entführt und in Isolationshaft gehalten. Manchmal verlassen Christen auch ihren Heimatort und verstecken sich irgendwo im Land oder im Ausland, um der Verfolgung zu entfliehen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Christen:

Die politische Entwicklung zeigt, dass die UMNO bei der Bevölkerung weiterhin an Einfluss verliert, während die Opposition an Boden gewinnt. Um ihren Einfluss zurückzugewinnen, wird die Regierung eventuell darauf zurückkommen, gegen die chinesische Bevölkerung zu hetzen (vor allem, weil ein bedeutender Teil von ihnen Christen und Mitglieder der Oppositionspartei sind) und ihr vorwerfen, eine Gefahr für den Islam und die malaiischen Rechte zu sein. Die Spaltung der Opposition über die Einführung der hudud, worauf bereits verwiesen wurde, stellt eine weitere politische Gefahr dar. Wenn sich die Situation in diese Richtung weiterentwickelt, könnte die machthabende UMNO als letzten Ausweg eventuell eine Koalition mit der konservativ-islamischen Partei PAS in Betracht ziehen, was für die Christen eine schlechte Nachricht wäre.

Je nachdem, wie sich die Situation des Korruptionsskandals entwickelt, laufen die ethnischen und religiösen Minderheiten Gefahr, zum Sündenbock gemacht zu werden. Premierminister Razak bleibt uneinsichtig, was kein gutes Zeichen ist. Er entließ den stellvertretenden Premierminister, weil dieser ihn in Frage stellte, setzte den Generalstaatsanwalt ab und übertrug zwei Leitern der MACC (Malaysian Anti-Corruption Commission) ein neues Aufgabengebiet, da sie wegen der Korruptionsbeschuldigung gegen ihn ermittelten. Weiterhin ernannte er den Innenminister zu seinem Stellvertreter – einen Mann, der dafür bekannt ist, Drohungen und Gewalt gegen seine Gegner einzusetzen. Die Tatsache, dass er den Verlauf des Prozesses nicht mehr kontrollieren kann, weil die internationalen Behörden aus der Schweiz nun diesen Fall untersuchen, wird die Situation nur verschärfen. Die Lage in Malaysia wird unberechenbar und für die christliche Minderheit herausfordernd bleiben.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Malaysia:

  • Um Gottes Hilfe für suchende Malaien, dass sie trotz aller Islamisierung der Gesellschaft Jesus Christus als Retter annehmen
  • Um Hilfe für die neuen Christen muslimischer Herkunft, wo sie mit Umerziehungsmaßnahmen bedroht werden
  • Dank für die Freiheiten, die die Kirchen der Christen mit nicht-malaiischem Hintergrund noch haben

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