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Vietnam Länderprofil

Vietnam

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 66 Punkte / Rang 20
(WVI 2015: 68 Punkte / Rang 16)

Triebkräfte von Verfolgung: „Kommunistische Unterdrückung“ und „Exklusives Stammesdenken“.

Aktuelle Einflüsse: Die sozialistische Republik Vietnam ist eines von fünf verbliebenen Ländern, das von einer kommunistischen Partei regiert wird. Die Frage, wie viel Kommunismus es in diesem Land noch gibt, kann man endlos diskutieren. Hier reicht die Feststellung, dass Verwaltung und Kontrolle nach wie vor hauptsächlich kommunistisch geprägt sind und man es daher nicht wirklich als demokratisch bezeichnen kann. Die Katholische Kirche ist in Vietnam die mit Abstand größte Gemeinschaft von Christen, doch steht ihre Beziehung zu den Behörden auf wackeligen Beinen. Da sie einer ausländischen Autorität folgt, wird sie oft als koloniales Erbe angesehen. Man hört besonders in ländlichen Gebieten noch Stereotype wie „Katholiken sind Franzosen und Protestanten sind Amerikaner“. Die Regierung kündigte für 2016 die Veröffentlichung einer überarbeiteten Ausgabe des berüchtigten „Dekret 92“ an und hat ausgewählte Christen eingeladen, um bei der Überarbeitung zu helfen. Das höchste Ziel der Regierung bleibt jedoch der Kontrollerhalt und so erwartet man keine tiefgreifenden Änderungen, zum Beispiel in Bezug auf die Registrierung oder den Bau kirchlicher Gebäude.

Betroffene Kategorien von Christen: Alle Kategorien von Christen sind von Verfolgung betroffen. Ehemalige Buddhisten und Mitglieder protestantischer Freikirchen, die unter ethnischen Minderheiten wie den „Montagnards“ weit verbreitet sind, sind der Verfolgung am stärksten ausgesetzt.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Menschen, die sich vom Buddhismus oder dem Ahnenkult zu Jesus Christus gewandt haben, werden am stärksten im Privatleben verfolgt. Das Leben im Staat und das kirchliche Leben werden allen Kategorien von Christen gleich schwer gemacht, was besonders in der Verpflichtung sichtbar wird, den Behörden ein Jahr im Voraus die Kirchenprogramme mitzuteilen. Die Registrierung von Kirchen bleibt schwierig. Die Verfolgung bleibt gewalttätig: Im November 2014 wurden in der Provinz Binh Dhuong eine Mennonitenkirche sowie etliche kleine Hauskirchen zerstört, in der Provinz Kon Tum betraf es die Wohnhäuser von Christen. Es gibt auch Meldungen von einigen Körperverletzungen.

Ausblick: Christen werden weiterhin als ausländische Spione gesehen und sie werden unter Diskriminierung und Unterdrückung leiden. Christliche ethnische Minderheiten wie die „Montagnards“ werden nach wie vor starker Verfolgung ausgesetzt sein.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 66 Punkten belegt Vietnam Platz 20 auf dem Weltverfolgungsindex(WVI) 2016. 2015 belegte Vietnam mit 68 Punkten Platz 16. Die geringere Wertung liegt jedoch nicht an einer verbesserten Verfolgungssituation, was auch durch eine höhere Wertung im Bereich Gewalt verdeutlicht wird.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Vietnam sind: „Kommunistische Unterdrückung“ und „Exklusives Stammesdenken“.

Kommunistische Unterdrückung: Vietnam – oder offiziell: die „Sozialistische Republik Vietnam” – ist eines von fünf verbliebenen Ländern, das von einer kommunistischen Partei regiert wird. Die Frage, wie viel Kommunismus es in diesem Land noch gibt, kann man endlos diskutieren. Hier reicht die Feststellung, dass Verwaltung und Kontrolle nach wie vor hauptsächlich kommunistisch geprägt sind und man es daher nicht wirklich als demokratisch bezeichnen kann. Das Volk wählt zwar die Mitglieder der Nationalversammlung, die wahre Macht hat aber nach wie vor die Partei und ihr Zentralkomitee inne. Vietnam überwacht alle Christen und übt auf sie ein hohes Maß an Druck aus. Die Regierung nimmt sogar das Risiko internationaler Schelte in Kauf, wie zuletzt, als der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit zwar offiziell eingeladen, doch bei seinem Besuch im Juli 2014 daran gehindert wurde, alle erwünschten Regionen zu bereisen und sich mit Vertretern religiöser Minderheiten zu treffen. Die Katholische Kirche ist in Vietnam die mit Abstand größte Gemeinschaft von Christen, doch steht ihre Beziehung zu den Behörden auf wackeligen Beinen. Da sie einer ausländischen Autorität folgt, wird sie oft als koloniales Erbe angesehen. Man hört besonders in ländlichen Gebieten noch Stereotype wie „Katholiken sind Franzosen und Protestanten sind Amerikaner“. Besonders argwöhnisch geht die Regierung mit ethnischen Minderheiten, den „Montagnards“ um, die in der zentralen und nördlichen Bergregion angesiedelt sind. Viele von ihnen sind protestantische Christen und Berichten zufolge ist der Protestantismus im ersten Jahrzehnt des Jahrtausends um beachtliche 600 Prozent angestiegen. Daher ist es kein Wunder, dass die Behörden nervös geworden sind.

Exklusives Stammesdenken: Es gibt keine sicheren Zahlen, doch schätzungsweise zwei Drittel aller Christen, darunter 80 Prozent der Protestanten, haben einen Stammeshintergrund, viele von ihnen gehören dem Stamm der Hmong an. Der Druck, zu ihrem traditionellen Glauben zurückzukehren und an den Ritualen wie Tieropfern teilzunehmen, ist besonders in ländlichen Gebieten sehr groß.

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3. Aktuelle Einflüsse

Vietnam folgt weiterhin der „Doi Moi" Politik (wörtlich übersetzt: Renovierung), eingeführt im Jahr 1986. Sie soll den Wirtschaftssektor reformieren und verbessern. Dadurch wurden gute Ergebnisse erzielt, das Bruttoinlandsprodukt hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt, außerdem hat sich die Armut verringert und der Arbeitsmarkt verbessert. Jedoch kostet diese Politik einen Preis. Viele der kommunistischen Führer aus Politik und Militär erwarben dadurch großen Reichtum, was die Ideologie des Landes in eine Krise stürzte. Gerade in den Städten ist der Kommunismus im Vergleich zum realen Leben zu einer Phrase geworden und viele junge Leute beginnen vermehrt, Fragen zu stellen. Die Hauptstadt Hanoi und der gesamte nördliche Teil des Landes sehen sich einer wachsenden Drogenproblematik gegenüber, da Jugendliche vermehrt versuchen, ihre innere Leere zu füllen.

Zudem sind die wachsenden Spannungen mit Vietnams großem Nachbarn China ein weiteres Problem, das auch kommunistisch regiert wird. Die Mehrheit der Bevölkerung (Kinh) ist im Grunde chinesisch-stämmig (Viet Nam bedeutet wörtlich „Land im Süden“, von China aus gesehen), jedoch haben sich die Beziehungen in letzter Zeit verhärtet. Der Stein des Anstoßes ist Chinas Aktivität im südchinesischen Meer. China beansprucht das Gebiet für sich allein und ignoriert alle eventuellen Ansprüche anderer Staaten, obwohl manche von ihnen durch internationales Recht berechtigt sein könnten. So hat China nicht nur vietnamesische Schiffe in Seegebieten angegriffen, die es für sich beansprucht, sondern fing auch mit dem Bau von Konstruktionen auf Riffen und Felsen an, um diesen Anspruch zu unterstreichen. Dies führte zu gewaltsamen Angriffen auf chinesische Firmen in Vietnam. Berichten zufolge erwägt Vietnam sogar, es den Philippinen gleichzutun und den Konflikt vor internationale Tribunale zu bringen. Derzeit hat sich das Land jedoch dagegen entschieden und hofft auf Hilfe von den USA. Und so bewirkt der Konflikt mit China eine Annäherung zweier ehemaliger Erzfeinde.

Auch wenn die ethnischen Konflikte zwischen den Kinh und der Minderheit der (überwiegend christlichen) „Montagnards“ in den vergangenen Jahren etwas abgeebbt sind, bleibt der Konflikt für das Land eine Herausforderung. Erst kürzlich rückte dieser Konflikt wieder in den internationalen Fokus, als Dutzende „Montagnards“ über die Grenze nach Kambodscha flohen. Sogar die UN schaltete sich ein. Kambodscha schickte die Menschen zurück und behauptete, es habe sich um Wirtschaftsflüchtlinge gehandelt, obwohl diese wie folgt zitiert wurden: „Es ist besser, im Dschungel von Kambodscha zu sterben, als in Vietnam unter Verfolgung zu leiden.“

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Vietnam sind alle Kategorien von Christen vertreten. Sie alle sind von Verfolgung betroffen:

Ausländische und zugewanderte Christen werden überwacht.

Christen aus traditionellen Kirchen, wie aus der Römisch-Katholischen Kirche sind Feindseligkeiten ausgesetzt und es gibt Bestrebungen, weitere Kirchengebäude, Schulen und Krankenhäuser zu enteignen. Katholische Aktivisten (z.B. Blogger) werden weiterhin festgenommen und bestraft. Andererseits gibt es vermehrt Meldungen von verbesserten Beziehungen zur Führung der Katholischen Kirche.

Konvertiten mit Wurzeln im Buddhismus oder anderen Stammesreligionen müssen weit mehr leiden.

Mitglieder von protestantischen Freikirchen wie evangelikale oder charismatische Gemeinschaften hält man für Spione des Westens.

Die christliche Minderheit wächst beständig und die Regierung versucht, mit der Überwachung der Kirchen und ihrer Versammlungen Schritt zu halten sowie deren wachsenden Einfluss zu drosseln. Trotzdem hat die Regierung einige sorgsam ausgewählte Religionsvertreter, darunter auch Christen, dazu eingeladen, am Entwurf eines neuen Religionsgesetzes mitzuarbeiten, das 2016 in Kraft treten soll. Trotz etlicher Beratungen kam es noch zu keiner Übereinkunft. Das derzeitige Religionsgesetz verpflichtet alle Kirchen und sonstige religiöse Vereinigungen, den Behörden ihre Kirchenprogramme des nächsten Jahres bis spätestens Oktober vorzulegen. Darin müssen nicht nur Termine verzeichnet sein, sondern auch Orte, Namen von Leitern und die erwartete Anzahl von Besuchern. Und so wird aus dem Gesetz ein Damoklesschwert, das über allen religiösen Gruppen schwebt. Noch ein Punkt ohne sichtbare Verbesserung ist die Frage der Registrierung von Kirchen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Vietnam basiert auf der Summe der Wertungen für Kommunistische Unterdrückung und Exklusives Stammesdenken. Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche liegt bei 11,440 Punkten und zeigt, dass der Druck auf Christen gegenüber dem Vorjahr abgenommen hat (11,954 Punkte). Die Wertung für „Gewalt“ ist mit 8,704 Punkten höher (7,963 Punkte im WVI 2015). Der scheinbar zurückgegangenen Verfolgung steht also eine Zunahme an Gewalt gegenüber, die den Druck wiederum erhöhen kann. Wie im Verfolgungsmuster zu sehen, ist die Verfolgung im „Leben im Staat“ und im „kirchlichen Leben“ am stärksten ausgeprägt. Diese Lebensbereiche sind in kommunistischen oder ehemals kommunistischen Ländern typischerweise am stärksten betroffen, was auf das Ausmaß von Kontrolle und Überwachung hinweist. Auch im „Privatleben“ schlägt sich das Ergebnis nieder und verdeutlicht die Effektivität in der Ausübung des behördlichen Drucks. Für Christen gehört die Diskriminierung am Arbeitsplatz, in Schulen und in der Nachbarschaft zum Alltag.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Wie bereits erwähnt sind zum christlichen Glauben Gekommene im Privatleben heftigem Druck ausgesetzt, vor allem durch Familie, Freunde und Nachbarn. Christen, die in stark kommunistischen Familien leben, müssen ebenfalls mit Einschränkungen im Privatleben rechnen. Etliche Berichte zeigen, dass dieser Druck sogar in Hausarrest ausarten kann, den die Familie oder manchmal auch örtliche Behörden auferlegen. Alle Christen sind sich vollkommen darüber im Klaren, dass sie immer und überall überwacht werden (das trifft besonders auf die Leiter zu) und sind deshalb entsprechend vorsichtig. Eigentlich ist es illegal, außerhalb der Kirchenmauern anderen von seinem Glauben zu erzählen, doch die Christen tun es trotzdem, wenn auch wohlüberlegt, mit wem sie auf welche Art und Weise das Gespräch suchen.

Familienleben: Sobald der christliche Glaube von Konvertiten bekannt geworden ist, besteht die Gefahr der Scheidung und des Verlusts des Sorgerechts für die Kinder. Die Durchführung einer Taufe oder Hochzeit kann schwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein. Kinder aus christlichen Familien (nicht nur von Konvertiten) müssen nicht-christliche Ideologien lernen und werden von anderen Kindern gehänselt. Konvertiten können von ihren Familien isoliert oder sogar verjagt werden.

Gesellschaftliches Leben: Konvertiten werden von Familie, Freunden und Nachbarn erheblich unter Druck gesetzt, ihrem christlichen Glauben zu entsagen. Die Überwachung durch die Behörden ist gründlich und die Sozialfürsorge wie z.B. Gesundheitsleistungen wird den Christen oft verwehrt, besonders in Dörfern. Christliche Kinder bekommen aufgrund ihres Glaubens schlechtere Noten, auch dann, wenn sie Klassenbeste sind. Stipendien, die der Staat ausgibt, um den Bildungsstand ethnischer Minderheiten zu verbessern, werden den Kindern aus christlichen Familien von den lokalen Behörden oft verwehrt. Christen werden sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben diskriminiert. Es gibt Berichte von Christen, denen man keine Bankkredite gewährt hat und es gab Fälle von christlichen Arbeitnehmern, die auf Druck der Behörden ihre Arbeitsstellen verloren haben.

Leben im Staat: Vietnam hält an seiner kommunistischen Ideologie fest und ehrt den Staatsgründer Ho Chi Minh, auch liebevoll „Onkel Ho” genannt. Das Dekret 92 beschränkt die Ausübung von Religion. Man erwartet keine Verbesserung durch das überarbeitete Gesetz, welches 2016 eingeführt werden soll. Die Personalausweise und auch die Familien-Stammbücher enthalten eine Sektion für Religionszugehörigkeit. Wer sich zum christlichen Glauben bekehrt, scheitert oft schon bei dem Versuch, diesen Status ändern zu lassen. Wer doch Gehör gefunden hat, endet regelmäßig mit dem Eintrag „ohne Religion“. Medienberichte über Christen sind voreingenommen und regelmäßig verunglimpfend. So werden Pastoren zum Beispiel dargestellt, als würden sie für Ausländer arbeiten, was angeblich erklärt, warum sie so komfortabel leben können. Angreifer auf Christen werden fast nie zur Rechenschaft gezogen und Christen können für den Fall einer Gerichtsverhandlung kein gerechtes Verfahren erwarten. Ein Beispiel ist die Vielzahl an katholischen Bloggern, die zu Haftstrafen verurteilt werden.

Kirchliches Leben: Gemeinden werden stark überwacht und Versammlungen von Zeit zu Zeit gestört oder aufgelöst. Die Publikation und Verteilung christlicher Materialien ist schwierig und stark begrenzt. So wurden im Berichtszeitraum sogar staatlich genehmigte Schriften aus dem Verkehr gezogen. Besonders die Katholische Kirche hat Schwierigkeiten mit geplanten Enteignungen ihres Besitzes. So gehört ihr besonders in großen Städten eine Anzahl an Immobilien, wie Kirchen, Krankenhäuer und Schulen. Es hat mehr als einen Kampf zwischen Behörden und der Kirche gegeben, die bestrebt waren, den Besitz unter dem Vorwand der Stadtentwicklung zu enteignen. Die Genehmigung für christliche Schulungen ist nur sehr schwer zu bekommen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist nicht offiziell verboten, jedoch werden Freizeiten und Schulungen für Jugendliche genauestens überwacht und mitunter von der Polizei gestört. Außerdem muss im Oktober jedes Jahres eine Liste aller Predigten für das folgende Jahr vorgelegt werden. Die Regierung hat zwar angekündigt, das berüchtigte Religionsgesetz „Dekret 92“ zu überarbeiten und 2016 neu zu veröffentlichen und für die Überarbeitung sogar ausgewählte Christen eingeladen, doch da das höchste Ziel der Regierung nach wie vor die Kontrolle ist, ist zu erwarten, dass mit der Neuerung keine Erleichterung z.B. für die Registrierung oder den Bau von Kirchengebäuden kommen wird.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung bleibt gewalttätig: Im November 2014 wurde in der Provinz Binh Dhuong eine Mennonitenkirche sowie etliche kleine Hauskirchen zerstört, in der Provinz Kon Tum betraf es die Wohnhäuser von Christen. Es gibt auch Meldungen von einigen Körperverletzungen. So wurden im Juni 2015 z.B. in Nordvietnam christliche Arbeiter auf dem Nachhauseweg von einer Beerdigung von Maskierten zusammengeschlagen, die aller Wahrscheinlichkeit nach von den örtlichen Behörden angeheuert wurden. Mindestens 200 Montagnard-Christen sind aus ihren Häusern in Zentralvietnam über die Grenze nach Kambodscha geflohen, weil sie von den Behörden sehr stark unter Druck gesetzt wurden.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Bislang hat die Doi Moi Politik noch keine Auswirkungen auf das gesellschaftliche und politische Leben gehabt und dies ist auch nicht zu erwarten. Trotz allem haben sich die Lebensbedingungen beachtlich verbessert, besonders in ländlichen Gebieten. Eine offene politische Gesellschaft, in der politische, wirtschaftliche, soziale und religiöse Themen diskutiert werden können (so wie in einer demokratischen Gesellschaft üblich), bleibt jedoch ein Wunschtraum. Und doch bleibt bis auf weiteres offen, wie sich die Signale der Freundschaft, die Vietnam seinem früheren Erzfeind USA sendet, und die größer werdende Kluft zum Nachbar China sich auf das Land und die Christen auswirken werden. Vielleicht führt dies zu einer wachsenden Offenheit, aber genauso gut kann es zu einer defensiven Abkapselung Vietnams führen. 2016 kann es einen deutlicheren Hinweis darauf geben, in welche Richtung das Land unterwegs ist. Ministerpräsident Dung, der eine öffentliche Rücktrittsforderung durch die Nationalversammlung überstanden hat, könnte der nächste Generalsekretär der Kommunistischen Partei werden und hätte somit die mächtigste Stellung im Land. Das wird sich im Jahr 2016 entscheiden, wenn die Kommunistische Partei ihren 12. Nationalkongress abhalten wird. Ob er die immer größer werdende Kluft zwischen Ideologie und der ernüchternden Realität wird überbrücken können, bleibt abzuwarten.

Zudem bleibt auch abzuwarten, wie das neue Religionsgesetz, welches zur Zeit dieser Veröffentlichung entworfen wird, aussieht und wie genau es umgesetzt wird. Wenn man die Phase des Entwurfs und frühere Gesetzgebungen betrachtet, können christliche und andere Religionen keine Erleichterungen von dieser Seite erwarten. Die Organisation und Registrierung von christlichen Kirchen wird weiterhin schwierig bleiben. Anderen von seinem Glauben weiterzuerzählen wird auch in Zukunft gefährlich sein.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Vietnam:

  • für die vielen Christen unter den ethnischen Minderheiten im Hochland, die oft Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind
  • für die Übersetzung der gesamten Bibel in die Sprachen der einzelnen Stämme
  • für die Teilnehmer biblischer Schulungen, dass sie weiterhin als Katalysatoren für die Ausbreitung des Evangeliums wirken

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