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Länderprofil Algerien

Algerien

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 56 Punkte / Platz 37
(WVI 2015: 55 Punkte / Platz 34)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkräfte der Verfolgung in Algerien sind „Islamischer Extremismus“ und in geringerem Ausmaß „Diktatorische Paranoia“ (vermischt mit Islamischem Extremismus) sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse: Mit dem wachsenden Einfluss des Islamismus in der Region wurde Algerien zunehmend zum Schauplatz vermehrter Übergriffe durch islamistische Bewegungen, insbesondere durch „Al Kaida im islamischen Maghreb“ (AQIM). 2014 wurde der schwerkranke Präsident Abdelaziz Bouteflika mit einer für seine Verhältnisse schlechten Quote von 81 % für eine vierte Amtszeit wiedergewählt, in einem Land, dem gerechte und freie Wahlen unbekannt sind.

Betroffene Kategorien von Christen: Fast alle Christen in Algerien sind muslimischer Herkunft. Das Gesetz verbietet öffentliche Versammlungen außerhalb des islamischen Glaubens. In katholischen Kirchen, z. B. in einer Kathedrale in Algier (dem Sitz des Erzbischofs), werden jedoch Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt; ebenso auch in einer protestantischen Kirche.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung in Algerien geht vom „Islamischem Extremismus“ (in Verbindung mit „Diktatorischer Paranoia“) aus. Insgesamt hat sich der Druck im Vergleich zum Vorjahr erhöht, obwohl für das aktuelle Berichtsjahr weniger gewalttätige Übergriffe verzeichnet wurden. Den stärksten Druck erleben Christen in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“, gefolgt von „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Es ist zum Teil auf die besonders prekäre Situation von Christen muslimischer Herkunft und darauf, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird, zurückzuführen, dass die Wertungen im Privat- und Familienleben am höchsten sind.

Ausblick: Sollte Bouteflika im Amt sterben, ist es sehr wahrscheinlich, dass unter dem Druck einer jüngeren Generation, die sich verzweifelt nach Veränderungen sehnt, soziale Unruhen ausbrechen werden. Sollte es den Islamisten gelingen, aus der verbreiteten Unzufriedenheit in der Gesellschaft Kapital zu schlagen (wie in Tunesien und Ägypten geschehen), wird es der christlichen Kirche unter einer neuen politischen Konstellation möglicherweise noch schlechter ergehen. Der Islamismus wird mit Sicherheit an Einfluss in Nordafrika dazugewinnen – eine Problematik, die große Herausforderungen und Sorgen mit sich bringt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 56 Punkten belegt Algerien Platz 37 auf dem Weltverfolgungsindex 2016. Das entspricht einem Anstieg um einen Punkt gegenüber dem Jahr 2015 (55), führt jedoch nicht zu einem höheren Rang, da andere Länder einen stärkeren Anstieg zu verzeichnen hatten. Der Druck vonseiten der Regierung hat zwar etwas nachgelassen und die Situation der Christen sich somit leicht verbessert, doch durch den wachsenden Einfluss der islamistischen Fraktion auf lokale Machthaber und die nationale Regierung ist der bestehende Druck weiterhin hoch.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkräfte der Verfolgung in Algerien sind „Islamischer Extremismus“ und in geringerem Ausmaß „Diktatorische Paranoia“ (vermischt mit Islamischem Extremismus) sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Islamischer Extremismus: Die Regierung Algeriens verlässt sich immer mehr auf den Islam, während die Freiheiten der Christen gleichzeitig immer mehr eingeschränkt werden. Zunehmender Druck auf Regierung und Gesellschaft vonseiten islamistischer Bewegungen sowie der Druck von Familienmitgliedern auf Christen muslimischen Hintergrunds erklären die Position Algeriens auf dem Weltverfolgungsindex. Die negativen Entwicklungen überwiegen die wenigen positiven (wie die offizielle Anerkennung der Église Protestante d’Algérie nach 35-jährigen Bemühungen).

Vom „Arabischen Frühling“ in anderen nordafrikanischen Ländern ermutigt, haben islamistische Gruppen ihren Druck auf eine Regierung, die bereits mit islamischen Parteien zusammenarbeitet, weiter verstärkt. Trotz dieses Umstands bleibt die „Islamische Heilsfront“ (FIS) weiterhin verboten. Islamisten treten allerdings zunehmend in Erscheinung und beobachten die Aktivitäten der Christen sowie anderer nicht-muslimischer Minderheiten wie der kleinen Gemeinschaften der Juden und Bahai.

Diktatorische Paranoia: Der autokratische Regierungsstil von Präsident Bouteflika, der auch Einschränkungen für Christen zur Folge hat, macht auch die Nennung dieser Triebkraft notwendig.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Militante islamistische Gruppierungen agieren besonders im Süden Algeriens und finanzieren sich durch Beteiligung am organisierten Verbrechen. Dies schürt bei den Christen viele Ängste. Zu diesem Bereich wird es 2016 weitere Untersuchungen geben.

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3. Aktuelle Einflüsse

Algerien hatte früher ein säkulares, sozialistisches Regierungssystem. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Einfluss des Islamismus in der Region wurde Algerien zunehmend zum Schauplatz vermehrter Übergriffe durch islamistische Bewegungen, insbesondere durch „Al Kaida im islamischen Maghreb“ (AQIM). Der Fall von Libyens Machthaber Gaddafi stärkte islamistische Gruppierungen, denn so kamen viele Waffen und erfahrene Kämpfer zu den algerischen Milizen, von denen sich die meisten ohne Vorbehalte zum „Islamischen Staat“ (IS) bekennen. Die algerische Regierung wird von Al Kaida bedrängt, die Umsetzung islamischer Gesetze voranzutreiben; das ist sehr nachteilig für die kleine christliche Minderheit im Land.

Große Proteste gegen das autoritäre Regime führten 2011 zur Aufhebung des 19 Jahre währenden Ausnahmezustandes. Die algerischen Behörden hatten ihn in den 1990er-Jahren mit dem Ziel verhängt, den beiderseits höchst gewalttätig geführten Kampf gegen islamistische Rebellen erfolgreich zu beenden. Die Proteste gegen das Regime, bei denen fünf Menschen getötet und über 800 verletzt worden waren, wurden infolge massiven Drucks durch die Polizei nach nur wenigen Monaten beendet. Anders als in Nachbarländern führten sie jedoch zu keinem Regimewechsel. Die Militärregierung unter Präsident Abdelaziz Bouteflika besteht nahezu unverändert weiter. Die Aufhebung des Ausnahmezustandes stellte für die Regierung keine Bedrohung dar, war jedoch als Symbol deshalb bedeutsam, weil der Machthaber damit seinen guten Willen zeigte.

Aus diesem Grund hatte die Welle der Revolutionen, die über Afrika und den Nahen Osten hinweg gerollt war – bekannt als der „Arabische Frühling“ –, auf Algerien keinen nennenswerten Einfluss. 2014 wurde der schwerkranke Abdelaziz Bouteflika mit der für seine Verhältnisse schlechten Quote von 81 % für eine vierte Amtszeit wiedergewählt, in einem Land, dem gerechte und freie Wahlen unbekannt sind. Das Magazin „World Politics Review“ warnte am 17. Februar 2015, dass Bouteflika aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands seine vierte Amtszeit vielleicht nicht zu Ende bringen könnte. Danach wäre eine Krise um die Amtsnachfolge zu erwarten, die durchaus zu einem Bürgerkrieg führen könnte, wenn man sich die politischen und sozio-ökonomischen Probleme des Landes vor Augen führt.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Algerien gibt es zwei Gruppen von Christen:

Christen historisch gewachsener Kirchen (z. B. Katholische und Evangelische Kirche): Diese Gemeinschaften dürfen zwar bestehen, außerhalb ihrer Versammlungsstätten werden ihnen jedoch Beschränkungen auferlegt. In katholischen Kirchen, z. B. in einer Kathedrale in Algier (dem Sitz des Erzbischofs), werden Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt; ebenso auch in einer protestantischen Kirche.

Christen muslimischer Herkunft: Fast alle Christen Algeriens sind muslimischer Herkunft; sie sind der Verfolgung am stärksten ausgesetzt. Das Gesetz verbietet alle öffentlichen Versammlungen, die dazu dienen, einen anderen Glauben als den Islam zu praktizieren. In der Berber-Region gibt es eine große Anzahl an Treffen inoffizieller Gruppen; Christen muslimischer Herkunft versammeln sich zum Gottesdienst meist in Privathäusern. Gemeindeleiter geben an, dass Christen konstant unter Druck gesetzt werden. Unabhängigen christlichen Gemeinden wird eine Registrierung häufig verwehrt. Die sehr junge algerische Kirche (sie besteht zumeist aus Christen der ersten Generation) ist in vielfältiger Form Diskriminierungen durch den Staat und Familienmitglieder ausgesetzt.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Algerien zeigt die Wertungen für Islamischen Extremismus (vermischt mit Diktatorischer Paranoia). Die durchschnittliche Punktzahl der ersten fünf Blöcke, die den Druck auf Christen in fünf Lebensbereichen darstellen, liegt bei 11,134 Punkten. Dieser Wert ist leicht höher als im letzten Jahr (10,801 Punkte). Die Gewaltrate hat sich im Vergleich zum letzten Jahr (1,482 Punkte) auf 0,370 Punkte verringert. Insgesamt hat sich der Druck im Vergleich zum Vorjahr erhöht, es gab jedoch seltener gewalttätige Übergriffe. Dies deutet darauf hin, dass sich die Verfolgungssituation auf einer leicht höheren Stufe als der vom letzten Jahr zu stabilisieren scheint. Wie das unten stehende Verfolgungsmuster zeigt, ist der Druck auf Christen in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ am höchsten; gefolgt von „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Es ist zum Teil auf die besonders prekäre Situation von Christen muslimischen Hintergrunds, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird, zurückzuführen, dass die Wertungen im Privat- und Familienleben am höchsten sind.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Es ist nicht verboten, zu einem anderen Glauben zu konvertieren, doch es ist nicht erlaubt, einen Muslim zu einem anderen Glauben zu bekehren. Das Hauptproblem bei einer Hinwendung zum christlichen Glauben ist die Verfolgung innerhalb der Familie, die gefährliche Ausmaße annehmen kann. Berichte von Kirchenleitern belegen, dass Christen muslimischer Herkunft (besonders Frauen) manchmal von ihren muslimischen Familien zu Hause eingesperrt werden. Sie dürfen keinerlei Kontakt zu anderen Christen haben, geschweige denn sich mit ihnen treffen. Ihnen werden Fernsehen und Radio verboten, da es christliche Sender gibt, die nach Algerien ausstrahlen. Im arabischen Teil des Landes ist die Verfolgung noch bedrohlicher und Christen muslimischen Hintergrunds laufen Gefahr, getötet zu werden. Vielen Gläubigen ist es nicht möglich, anderen Familienmitgliedern oder Gästen von ihrem Glauben zu berichten, oft sind sie häuslicher Gewalt schutzlos ausgesetzt.

Familienleben: Für die algerische Regierung ist jeder Bürger ein Muslim. Einige christliche Eltern haben jedoch berichtet, dass sich die Lage in der Kabylei-Region bessert. Dort besteht die Möglichkeit, neugeborene Kinder mit einem christlichen Namen registrieren zu lassen, wenn die Eltern ihre Taufurkunde vorweisen können. Es gibt Fälle, in denen die muslimischen Dorfbewohner den Christen verwehrt haben, ihre verstorbenen Angehörigen zu beerdigen. Christliche Eheschließungen sind nur innerhalb der Kirche gültig, die Behörden registrieren diese Ehen als muslimisch.

Gesellschaftliches Leben: Algerische Christen reden meist von „Dorfbewohnern, die nicht mit uns sprechen“, wohingegen christliche Menschenrechtsorganisationen von regelmäßigen verbalen und körperlichen Angriffen berichten. Innerhalb des Berichtszeitraums wurden jedoch keine Drohungen gemeldet. Laut dem „Internationalen Bericht zur Religionsfreiheit“ aus dem Jahr 2012 werden „Ausländer und Bürger, die eine andere Religion als den Islam praktizieren, im Allgemeinen toleriert. Einige Christen muslimischer Herkunft haben aus Sorge über ihre persönliche Sicherheit ihren Glauben jedoch verschwiegen.“ Die algerische Regierung ist besonders besorgt angesichts von Berichten über Proselytismus, vor allem in Gebieten mit mehr konservativen muslimischen Gemeinschaften, die als soziale Basis für extremistische islamische Gruppen dienen, die bereits einen Bürgerkrieg gegen die Regierung geführt haben. Christen, die dort leben, müssen ihren Glauben verbergen, weil sie sonst keinen Zutritt zur Universität erhalten und von Lehrern diskriminiert werden.

Leben im Staat: Die fortlaufende Umsetzung der strengen Verordnung 06-03 schränkt die Freiheit von Christen besonders ein. Das Gesetz, das den Gottesdienst nicht-muslimischer Religionen einschränkt, wurde im März 2006 verabschiedet und trat im darauffolgenden September in Kraft. Die Einführung dieses Anti-Konversions-Gesetzes im Jahr 2006 war für die christliche Kirche Algeriens ein Wendepunkt und markierte einen Rückschritt in der Religionsfreiheit. Die Verordnung 06-03 verbietet jede Handlung, welche „einen Muslim zum Übertritt zu einer anderen Religion auffordert, nötigt oder entsprechende Verführungsmethoden einsetzt oder hierfür Unterrichts-, Bildungs-, Gesundheits- oder Einrichtungen gesellschaftlicher oder kultureller Natur oder Schulungsinstitutionen oder irgendeine andere Einrichtung oder finanzielle Mittel nutzt.“ Die Zuwiderhandlung wird mit zwei bis fünf Jahren Gefängnis bestraft, sowie einer Geldstrafe. Das Gesetz verbietet auch alle christlichen Veranstaltungen außerhalb eines staatlich anerkannten Kirchengebäudes. Seit November 2007 haben sich Maßnahmen gegen Kirchengemeinden und der Druck auf Christen beachtlich gesteigert. Zwischen November 2007 und Mai 2008 hat die Regierung 26 Kirchengemeinden geschlossen. 16 gehörten zur EPA (Protestantische Kirche von Algerien), 10 waren unabhängige Gemeinden. Sie sind bis heute geschlossen. Seit Januar 2008 wurden etwas fünfzehn Christen verhaftet und angeklagt. Manche wurden zu Gefängnisstrafen und hohen Geldstrafen verurteilt. Ein besonders beunruhigender Aspekt der Verordnung 06-03 ist ihre vage Formulierung, die eine sehr willkürliche Auslegung und Anwendung ermöglicht.

Kirchliches Leben: Im kirchlichen Bereich ist die Freude über die Registrierung der EPA (Protestantische Kirche Algeriens) im Jahr 2011 nach vielen Jahren vergeblichen Wartens mittlerweile in Enttäuschung umgeschlagen. Die Entscheidung hat nicht zu der erhofften größeren Freiheit für die örtlichen Gemeinden geführt; jede muss sich weiterhin einzeln registrieren lassen. Keine der zur EPA gehörenden Ortsgemeinden wurden bislang registriert, auf lokaler Ebene hat sich die Unterdrückung sogar noch verstärkt. Seit Inkrafttreten der Verordnung 06-03 im September 2006 wurde in Algerien keine neue Gemeinde registriert. Die Christen treffen sich daher weiterhin in inoffiziellen „Hauskirchen“, bei denen es sich meist um Privatwohnungen, manchmal auch um Büroräume von Gemeindemitgliedern handelt. Rechtlich gesehen legt die Verordnung 06-03 fest, wie ein Kirchengebäude auszusehen hat, deshalb ist die Versammlung in einem privaten Haus verboten. Bestraft werden kann ein Zuwiderhandeln mit bis zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 300.000 DA (entspricht 3.000 Euro). Momentan ist allerdings kein Christ aus diesem Grund im Gefängnis und die Christen treffen sich nach wie vor in ihren Häusern. Doch dieses Gesetz schwebt wie ein Damoklesschwert über den Christen.

Auftreten von Gewalt: Trotz mancher positiver Entwicklungen sind die allgemeinen Trends hinsichtlich der Religionsfreiheit negativ. Zwar wurden im Berichtszeittraum keine Christen getötet oder inhaftiert, doch vereinzelt wurden christliche Gemeinden und Medien bedroht; Zeitungen berichteten negativ über Christen. Die gemeldeten gewaltsamen Übergriffe haben im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen. Neben zahlreichen Vorfällen von körperlicher und psychischer Gewalt in Familien wurden zwei Christen im Frühjahr 2015 im arabischen Teil des Landes verhaftet und auf der örtlichen Polizeiwache verhört. Polizeibeamte in Zivil wohnen den Gottesdiensten bei und wenn dort Gäste aus dem Ausland angetroffen werden, werden die Pastoren dazu befragt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

  1. Die hohe Anzahl der Menschen, die 2014 die Präsidentschaftswahlen boykottiert haben, ist ein stummer Ausdruck der Unzufriedenheit in der Bevölkerung angesichts der Arbeitslosigkeit, der Wohnungsnot und dem politischem Stillstand. Sollte Präsident Bouteflika im Amt sterben, ist es sehr wahrscheinlich, dass unter dem Druck einer jüngeren Generation (70% der Bevölkerung sind jünger als 30), die sich nach Veränderungen sehnt, soziale Unruhen ausbrechen werden. Die Frage bleibt, ob die Situation der Christen unter den Nachfolgern des Regimes Bouteflika wirklich besser sein wird. In der gegenwärtigen Situation stehen die Christen zwar unter Druck, doch haben sie Wege gefunden, zu überleben und sogar zu wachsen. Sollte es den Islamisten gelingen, ähnlich wie in Tunesien und Ägypten aus der gesellschaftlichen Unzufriedenheit Vorteil zu schlagen, könnte es der christlichen Kirche weitaus schlechter gehen.
  2. Die Zukunft des Landes wird auch von Entwicklungen der Nachbarländer abhängen. Der Islamismus wird mit Sicherheit an Einfluss in Nordafrika zulegen, was große Herausforderungen und Sorgen mit sich bringen wird. Dazu zählen die unaufhörlichen Anläufe der extremistischen Muslime, den Mord an Sicherheitskräften, Zivilisten und Christen mit ihrer Auslegung des Islam zu rechtfertigen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Algerien:

  • um Versorgung der neuen Christen mit Bibeln und Gemeinschaft
  • um geistliche Stärkung der inhaftierten Christen
  • um Gottes Schutz vor einem wachsenden Einfluss der Islamisten auf die Regierung
  • Dank für die lebendigen und wachsenden Gemeinden der ehemaligen Muslime

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