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Weltverfolgungsindex 2015

Bahrain

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 54 Punkte / Platz 48
(Auf dem WVI 2015 war das Land nicht gelistet.)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen in Bahrain ist „Islamischer Extremismus“. Auch „Diktatorische Paranoia“ spielt eine Rolle (vermischt mit Islamischem Extremismus).

Aktuelle Einflüsse: Bahrain, ein Land, in dem Saudi-Arabien und der Iran ihre Macht durch einen politischen Stellvertreterkrieg führen, wird von einem autoritären Regime beherrscht. Das hauptsächlich schiitisch-islamische Land ist aufgrund seiner internationalen Position im Bankwesen und im Handel allgemein recht tolerant. Eine große Anzahl christlicher Gastarbeiter (hauptsächlich aus Südasien) arbeitet und lebt in Bahrain und ist relativ frei darin, ihren Glauben in privaten Gemeinderäumen zu leben; Muslimen von der christlichen Botschaft zu erzählen, ist jedoch verboten. Da die Zahl der Gemeinderäume begrenzt ist, müssen Dutzende von Gemeinden dasselbe Gebäude nutzen. Es ist ihnen nicht erlaubt, für ihre Angebote in arabischer Sprache zu werben, auf Englisch ist dies jedoch möglich. Die Verfassungsbestimmungen hinsichtlich Religionsfreiheit sind sehr widersprüchlich. Auf der einen Seite sieht die Verfassung Religionsfreiheit vor, auf der anderen Seite stellt sie eine sehr einschränkende Bedingung auf, indem die Religionsfreiheit nicht die bestehenden Bräuche, die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verletzen darf.

Betroffene Kategorien von Christen: Sowohl Gemeinden von ausländischen Christen als auch Christen muslimischen Hintergrunds leiden unter Verfolgung, die Konvertiten sind jedoch stärker betroffen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: In Bahrain erleben die Christen im Bereich Privatleben die stärkste Verfolgung. Christen muslimischen Hintergrunds werden am härtesten verfolgt, vor allem durch die Familie, kommunale Leiter und Regierungsbeamte. Die durchschnittliche Wertung für die fünf Lebensbereiche, in denen Christen unter Druck stehen, ist hoch. Dagegen gibt es keine berichtete Gewalt. Dies lässt vermuten, dass sich die Verfolgung schrittweise durch steigenden Druck aufbaut, ohne sich in offener Gewalt niederzuschlagen.

Ausblick: Das Gebiet ist in Aufruhr, und der „Islamische Staat“ (IS) treibt die ohnehin schon konservative Gesellschaft ins Extreme. Folglich wird der extremistische Islam im Land vermutlich weiter wachsen; das bedeutet auch, dass der Druck auf Christen bestehen bleiben wird.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 54 Punkten belegt Bahrain Platz 48 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Das entspricht einem Anstieg um fünf Punkte gegenüber der Wertung des Jahres 2015 (48), mit der das Land nicht auf dem WVI gelistet war. Der Grund dafür, warum es sich in diesem Jahr wieder unter den 50 Ländern mit der weltweit stärksten Christenverfolgung befindet, ist, dass sich durch den Einfluss des „Islamischen Staates“ (IS) in der Region der extremistische Islam auch in Bahrain verbreitet. Weiterhin ist es offensichtlich, dass die Regierung versucht, die durch die Unruhen in der Region erschütterte Bevölkerung durch einen zunehmend autoritären Regierungsstil unter Kontrolle zu halten.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft von Verfolgung in Bahrain ist „Islamischer Extremismus“. „Diktatorische Paranoia“ ist ebenfalls stark präsent (vermischt mit Islamischem Extremismus).

Islamischer Extremismus: Der Islamische Extremismus muss im Licht der Geschehnisse in der gesamten Region gesehen werden. Es herrscht Chaos und die Bevölkerung ist sehr konservativ geworden. Der Rechtsrahmen des Landes ist ebenfalls ein Ausdruck der extremistischen Sichtweise. Die bahrainische Verfassung enthält Elemente, die sich offensichtlich widersprechen. Sie erklärt den Islam zur Staatsreligion und die Scharia (das islamische Gesetz) zur Grundlage der Gesetzgebung. Gleichzeitig steht in der Verfassung, dass „der Staat die Unantastbarkeit von Gottesdiensten und die Freiheit, religiöse Riten durchzuführen und religiöse Paraden und Versammlungen in Übereinstimmung mit den landesüblichen Sitten abzuhalten, garantiert.“

Diktatorische Paranoia: Das Staatsoberhaupt ist bemüht, um jeden Preis an der Macht zu bleiben. Die sunnitische Königsfamilie regiert das Land, in welchem Sunniten eine Minderheit darstellen, mithilfe der Unterstützung Saudi-Arabiens und anderer Länder mit sunnitischer Mehrheit in der Region. Versammlungsfreiheit und Vereinigungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und andere grundlegende Rechte werden von der Regierung oft verletzt.

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3. Aktuelle Einflüsse

Bahrain, ein Land, in dem Saudi-Arabien und der Iran ihre politische Macht zeigen, wird von einem autoritären Regime beherrscht. Während der Demonstrationen der schiitischen Mehrheit gegen die sunnitische Regierung wurde das Land zum Schauplatz der Machtkonkurrenz zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Saudi-Arabien sandte Truppen, um die Regierung Bahrains zu unterstützen und den Keim der Revolution des Arabischen Frühlings von 2011 zu ersticken, während sich der Iran lediglich auf verbale Drohungen beschränkte.

Das hauptsächlich schiitisch-islamische Land ist aufgrund seiner internationalen Position im Bankwesen und im Handel allgemein relativ tolerant. Eine große Anzahl von christlichen Gastarbeitern (hauptsächlich aus Südasien) arbeitet und lebt in Bahrain und ist relativ frei darin, ihren Glauben in privaten Gemeinderäumen zu leben; Muslimen vom christlichen Glauben zu erzählen ist jedoch verboten. Da die Zahl der Gemeinderäume begrenzt ist, müssen Dutzende von Gemeinden dasselbe Gebäude nutzen. Es ist ihnen nicht erlaubt, für ihre Angebote in arabischer Sprache zu werben, auf Englisch ist dies jedoch möglich.

Die Verfassungsbestimmungen hinsichtlich Religionsfreiheit sind sehr widersprüchlich. Des Weiteren werden im Land die Auswirkungen der Ideologie des IS sichtbar. Einige von Saudi-Arabien unterstützte sunnitische Wahhabiten sympathisieren offen mit der Idee eines Kalifats. Diese Einstellung wird außerdem durch die empfindliche Beziehung zwischen Sunniten und Schiiten im Land genährt.

Die Königsfamilie in Bahrain beherrscht das Land mit einer vollständig autoritären Haltung. Freedom House stuft das Land in seinem Bericht als „nicht frei“ ein. Auf der Rangliste für Pressefreiheit ist Bahrain auf Rang 163 von 180 Ländern eingestuft. Laut einem Bericht von Amnesty International „unterdrückt und bestraft das Land weiterhin abweichende Meinungen und schränkt die Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit ein.“ Das Leben der Christen muss im Licht dieser Umstände betrachtet werden.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Es gibt zwei Kategorien von Christen in Bahrain:

Ausländische Christen: Der Großteil dieser Christen sind Gastarbeiter. Sie sind entweder Hilfsarbeiter aus Südostasien (z. B. von den Philippinen) oder Fachkräfte aus westlichen Ländern, die im Finanzbereich oder in anderen Hightech-Unternehmen tätig sind. Ausländische Christen können relativ frei Gottesdienste feiern; jedoch bleibt ihnen oft verwehrt, zusätzlich staatlich anerkannte Einrichtungen zu haben. Die drei Haupt-Denominationen dieser Kategorie sind die Römisch-Katholische Kirche, Protestanten und die Syrisch-Orthodoxe Kirche.

Christen muslimischen Hintergrunds: In Bahrain stehen Christen muslimischen Hintergrunds unter erheblich stärkerem Druck als ausländische Christen. Die Gesellschaft ist schon von jeher nicht tolerant gegenüber Konvertiten, die vom Islam zu einer anderen Religion übertreten. Sie werden oft von der Familie und dem sozialen Umfeld verstoßen. Christen muslimischen Hintergrunds wagen es meist nicht, über ihre Bekehrung zu sprechen. Der Druck kommt hauptsächlich von Familie und Gesellschaft und in geringerem Ausmaß auch vom Staat.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Bahrain basiert auf der Summe der Wertungen für Islamischen Extremismus (in Verbindung mit Diktatorischer Paranoia). Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche, die den Druck auf Christen zeigt, ist hoch (10,820). Der Wert für den Bereich „Gewalt“ dagegen liegt bei null. Dies lässt vermuten, dass sich die Verfolgung schrittweise durch steigenden Druck aufbaut, ohne sich in offener Gewalt niederzuschlagen. Wie das unten stehende Verfolgungsmuster zeigt, manifestiert sich der vor allem durch Angst verursachte Druck auf Christen in den verschiedenen Lebensbereichen. Der Druck ist im Bereich „Privatleben“ am höchsten, besonders für Christen muslimischen Hintergrunds. Darauf folgen „Kirchliches Leben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“. Es ist nicht nur das Regime, sondern es sind auch gesellschaftliche Akteure, die den Verfolgungsdruck in Bahrain ausüben.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen, vor allem muslimischen Hintergrunds, sind in ihrem Privatleben starker Verfolgung ausgesetzt. Konversionen werden von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Wer des Glaubenswechsels verdächtigt wird, erlebt Diskriminierung. Diejenigen, die mit ihren Familien oder Eltern zusammenleben und christliches Material besitzen, Jesus anbeten und christliche Symbole wie Kreuze zeigen, können schwere Verfolgung erleben.

Familienleben: Christen sehen sich zum Beispiel in Fragen des Familienstandes Schwierigkeiten gegenüber. Eine religiös gemischte Ehe ist nur muslimischen Männern erlaubt. Muslimische Frauen dürfen keine nicht-muslimischen Männer heiraten; eine solche Ehe wird nicht anerkannt. Das gleiche gilt für Christen muslimischen Hintergrunds. Folglich werden solche Angelegenheiten, die das Sorgerecht für Kinder oder das Erbrecht betreffen, nicht einmal angehört; mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Betroffenen, vor allem für Frauen.

Gesellschaftliches Leben: Christen, vor allem Christen muslimischen Hintergrunds, sind von Beginn an vor viele Herausforderungen gestellt: von Spielplätzen in der Nachbarschaft bis zu den örtlichen Schulen. Ein Länderexperte erklärt: „Die Lehrpläne der öffentlichen Schulen beinhalten Islamunterricht. Muslimische Schüler müssen daran teilnehmen. Christen oder andere Nicht-Muslime sind nicht dazu verpflichtet; wer jedoch als Konvertit seinen neuen christlichen Glauben aus Sicherheitsgründen geheim halten will, sollte trotzdem teilnehmen. Hinzu kommt, dass für christliche Schüler kein adäquater christlicher Unterricht vorgesehen ist.“

Leben im Staat: Über 70 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Der Islam ist die Staatsreligion, die Scharia bildet dabei die Grundlage der Gesetzgebung. Christen stellen etwa neun Prozent der Bevölkerung. Diskriminierung aufgrund des Glaubens vonseiten der Familie und der Gesellschaft ist weit verbreitet. Demnach ist es beispielsweise sehr riskant, seinen christlichen Glauben in schriftlicher Form zu bekennen. Folglich ist das Leben eines Christen im staatlichen Bereich äußerst eingeschränkt.

Kirchliches Leben: Das kirchliche Leben in Bahrain ist nicht frei von Verfolgung. Auch wenn die Regierung manchmal Land für den Bau von Kirchen vergibt, ist es in den meisten Fällen sehr schwer für Gemeinden, eigene Räumlichkeiten für Gottesdienste zu bekommen. Die bereits bestehenden Räumlichkeiten reichen für die große Anzahl der ausländischen Bevölkerung nicht aus. Ein Beobachter erklärt: „Ein religiöses Treffen mit fünf oder mehr Leuten abzuhalten, ist ohne Genehmigung verboten. Die Errichtung einer Anbetungsstätte erfordert Genehmigungen einer ganzen Reihe von nationalen und kommunalen Instanzen. Außerdem ist das Genehmigungsverfahren sehr umständlich.“

Auftreten von Gewalt: Im Berichtszeitraum wurden keine gewalttätigen Vorfälle gemeldet.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Die Zukunft der Christen im Land wird voraussichtlich von zwei Faktoren beeinflusst werden: Von der neu aufkommenden, anti-christlichen Ausrichtung auf das Kalifat und von der aktuellen Situation im Allgemeinen. Um mit dem neuen gesellschaftlichen Trend zu beginnen: Das erneute Interesse an der Errichtung eines Kalifats hat in der Region generell zu Unruhen geführt. Dies stellt für die Sicherheit der Christen im Land eine Bedrohung dar. Das bereits bestehende System ist Christen ebenfalls nicht wohl gesinnt. Da die Verfassung den Islam zur Staatsreligion erklärt und das islamische Gesetz eine wichtige Grundlage der Gesetzgebung darstellt, werden Muslime bevorzugt und andere Glaubensrichtungen nicht angemessen geschützt oder auch nur anerkannt. Das bedeutet auch, dass es Muslimen verboten ist, ihren Glauben zu ändern. Christen muslimischen Hintergrunds werden vom Staat weiter als Muslime angesehen, eine Klage hiergegen ist nicht möglich, was starke Auswirkungen auf das Familienrecht hat. Allerdings bleibt Bahrain – bezogen auf die Religionsfreiheit von ausländischen Christen – relativ tolerant. Positiv zu bewerten ist, dass es einigen Christen trotz mancher Einschränkungen dennoch gelungen ist, einige sehr wichtige Stellungen im Land zu halten. Seit der Wiederherstellung der konstitutionellen Monarchie im Jahr 2002 sind Christen im Parlament vertreten. Alice Samaan, die derzeitige bahrainische Botschafterin in Großbritannien, war 2005 die erste Christin, die bei einer Parlamentssitzung in Bahrain den Vorsitz führte. 2014 vergab der König Land an die Katholische Kirche, um in Bahrain die erste katholische Kathedrale zu errichten. Nach aktueller Lage wird die Situation der Christen im Land im besten Falle gleich bleiben, angesichts des wachsenden Einflusses des IS in der Region kann sie sich jedoch auch verschlechtern.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bahrain:

  • dass Gott ein Ende der Korruption in allen Ebenen des Regierungsbeamtentums bewirkt

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