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Länderprofil Bhutan

Bhutan

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 56 Punkte / Platz 38
(WVI 2015: 56 Punkte /Rang 31)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Bhutan ist „Religiös motivierter Nationalismus“, hinzu kommt in geringerem Maße „Exklusives Stammesdenken“ (vermischt mit Religiös motiviertem Nationalismus).

Aktuelle Einflüsse: Bhutan ist zwischen den zwei großen Nachbarn Indien (im Süden) und China (im Norden) eingezwängt. Das Land taucht nicht sehr oft in den internationalen Schlagzeilen auf, wurde jedoch berühmt für die Einführung des Bruttonationalglücks, das den Glücklichkeitsgrad aller Staatsbürger misst. In politischer Hinsicht geschieht in Bhutan nicht viel, es scheint, dass die Demokratie langsam festen Boden unter den Füßen bekommt, wenn dies auch in einem Umfeld geschieht, in dem alle Parteien darin übereinstimmen, dass der Buddhismus die Gesellschaft bestimmt und der König verehrt wird. Nach den Wahlen 2013 hat die Opposition reibungslos die Macht übernommen und versucht sich in der Bewältigung der normalen sozialen und ökonomischen Aufgaben einer Regierung. Die Situation der Christen, die unter den Bhutanern eine kleine Minderheit darstellen, ist relativ unverändert geblieben, was weiterhin bedeutet, dass sie immer noch keinen formalen Status und Anerkennung haben.

Betroffene Kategorien von Christen: Es gibt keine Mitglieder historischer Kirchen in Bhutan. Während ausländische Christen und christliche Gastarbeiter weitgehend unbehelligt bleiben, erleben Christen mit buddhistischem Hintergrund und protestantische Freikirchen stärkere Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Christliche Konvertiten mit buddhistischem oder Stammes-Hintergrund erleben starken Druck vonseiten ihrer Familie, Freunde und der Nachbarschaft, ihrem neu gewonnen Glauben abzuschwören und zu der traditionellen Religion Bhutans zurückzukehren. Christen werden sowohl in ihrem Privatleben als auch Geschäftsleben diskriminiert. Kindern begegnet in den Schulen Diskriminierung und Befangenheit vonseiten der Lehrer und Mitschüler, in einem Maße, dass ihnen manchmal gar der Zugang zur Schule verwehrt wird. Die Verfolgung in Bhutan ist in der Regel nicht gewalttätiger Natur. Im Januar 2015 wurde Pastor Tandin Wangyal aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er ein Bußgeld gezahlt hatte.

Ausblick: Solange Regierung und Gesellschaft dem Buddhismus in Bhutan eine prominente und vorherrschende Rolle zusprechen, und solange die christliche Minderheit nicht formal anerkannt wird, stehen Christen in der Gefahr, beschuldigt, angeklagt und wie Fremdkörper wahrgenommen zu werden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 56 Punkten belegt Bhutan Platz 38 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Damit entspricht die Punktzahl der des Jahres 2015, als Bhutan auf Rang 31 eingestuft wurde. Die Einstufung des Landes blieb relativ stabil, was auch in allen Lebensbereichen und dem Auftreten von Gewalt sichtbar wird.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Bhutan ist „Religiös motivierter Nationalismus“, hinzu kommt in geringerem Maße „Exklusives Stammesdenken“ (vermischt mit Religiös motiviertem Nationalismus).

Religiös motivierter Nationalismus: Die zunehmend strikte Betonung des Buddhismus als geistliches Erbe des Landes macht es der christlichen Minderheit schwer, ihren Platz zu behaupten. Bhutan ist seit Jahrhunderten ein buddhistisches Königreich. Selbst nach der Bildung einer konstitutionellen Monarchie im Jahr 2001 und der Einführung demokratischer Wahlen im Zuge der neuen Verfassung im Jahr 2008 wird dem Buddhismus weiterhin eine dominierende Rolle im Land eingeräumt. Gemäß Artikel 3(1) der Verfassung ist der Buddhismus „das geistliche Erbe Bhutans", der unter anderem „die Grundsätze und Werte des Friedens, der Gewaltlosigkeit, des Mitgefühls und der Toleranz" fördert. Dementsprechend gilt der Buddhismus offiziell nicht ausdrücklich als Staatsreligion. Stattdessen definiert die Verfassung Bhutan als säkularen Staat und bejaht religiöse Toleranz. Obwohl dies mehr ist als ein bloßes Lippenbekenntnis, sieht die Realität oft anders aus. Besonders in entlegenen, ländlichen Gebieten betrachten buddhistische Mönche Christen mit Argwohn und bereiten ihnen große Schwierigkeiten, während die Behörden nichts unternehmen. Ganz im Gegenteil, sie schlagen sich eher auf die Seite der Mönche.

Exklusives Stammesdenken: Auch Schamanen des traditionellen animistischen Bön-Glaubens üben Druck auf die Christen aus. Obwohl die meisten Bürger nicht ausschließlich diesem Glauben anhängen, beachten sie besonders in ländlichen Gebieten seine Riten und Traditionen. Christliche Konvertiten, die sich an deren Teilnahme weigern, werden unter Druck gesetzt und ausgegrenzt.

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3. Aktuelle Einflüsse

Bhutan ist eingezwängt zwischen den zwei großen Nachbarn Indien (im Süden) und China (im Norden). Das Land taucht nicht sehr oft in den internationalen Schlagzeilen auf, ist jedoch berühmt wegen der Einführung des Bruttonationalglücks (BNG), das den Glücklichkeitsgrad aller Staatsbürger misst. Eine der wenigen Schlagzeilen aus Bhutan, die auch durch die internationale Presse ging, war, dass der neue BNG-Index eine Zunahme vermeldete, da Bhutaner heute mehr Schlaf bekommen als noch vor fünf Jahren. Mit anderen Worten, es geschieht nicht viel in Bhutan, es scheint, dass die Demokratie langsam festen Boden unter den Füßen bekommt, wenn dies auch in einem Umfeld geschieht, in dem alle Parteien darin übereinstimmen, dass der Buddhismus die Gesellschaft bestimmt und der König verehrt wird. Nach den Wahlen 2013 hat die Opposition reibungslos die Macht übernommen und versucht sich in der Bewältigung der normalen sozialen und ökonomischen Aufgaben einer Regierung. Die Situation der Christen, die unter den Bhutanern eine kleine Minderheit darstellen, ist relativ unverändert geblieben, was weiterhin bedeutet, dass sie immer noch keinen formalen Status und Anerkennung haben.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Bhutan gibt es drei Kategorien von Christen:

Ausländische Christen und Gastarbeiter erfahren Einschränkungen, sind aber weniger betroffen als die beiden anderen Kategorien.

Christen mit buddhistischem oder Stammes-Hintergrund erleben Verfolgung vonseiten ihrer Familie, Freunde und der Nachbarschaft.

Mitglieder protestantischer Freikirchen wie Evangelikale und Pfingstler sind nicht anerkannt und sind daher anfällig für Übergriffe und Druck.

Da die christliche Minderheit immer weiter wächst, wird nun auch die Regierung immer aufmerksamer. Bis jetzt scheint sich die Regierung jedoch noch nicht entschieden zu haben, wie sie mit ihnen umgehen will, wenn auch die Verhaftung und Verurteilung zweier Pastoren im März 2014 aufgrund des „Abhaltens eines religiösen Treffens ohne Erlaubnis“ einen verschärften Umgang vermuten lässt. Ihre überraschende Freilassung im September 2014 und Januar 2015 deuteten dagegen auf ein milderes Vorgehen, ungeachtet dessen, dass beide deftige Bußgelder zahlen mussten.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung des Verfolgungsmusters: Das Verfolgungsmuster für Bhutan basiert auf der Summe der Wertungen für Religiös motivierten Nationalismus und Exklusives Stammesdenken. Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche liegt bei 11.008 Punkten und ist vergleichbar mit dem Vorjahreswert (11.050). Die Wertung im Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist mit derzeit 0.926 rückläufig (2015: 1.111). Der hohe Druck auf Christen äußert sich nicht in offener Gewalt. Dies legt nahe, dass sich die Verfolgungssituation stabilisiert hat. Wie das untenstehende Verfolgungsmuster zeigt, ist Verfolgung in allen Lebensbereichen ungefähr gleich präsent. Dieser Druck wird vor allem dadurch erzeugt, dass Bhutan versucht, den Buddhismus als nationales Erbe zu bewahren.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Konvertiten müssen sehr bedacht sein, wie sie ihren Glauben ausleben, vor allem, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Bereits das Tragen christlicher Symbole kann besonders in der Familie sehr gefährlich sein. Da die Treffen der Christen meistens in Mietshäusern stattfinden, kann es zu Problemen kommen, wenn der Hausbesitzer Buddhist ist. In ländlichen Gebieten werden bekannte Konvertiten oft genauestens beobachtet.

Familienleben: Besonders Christen mit Stammes-Hintergrund drohen im Falle der Entdeckung ihres neuen Glaubens die Scheidung und der Verlust von Erbschaftsrechten. Eine Taufe oder christliche Beerdigung zu organisieren, ist oftmals sehr schwierig oder gar unmöglich. Christliche Kinder müssen in der Schule den Buddhismus lernen und praktizieren und erleben Druck vonseiten der Lehrer und Mitschüler. Konvertiten können von ihren Familien isoliert und daran gehindert werden, andere Gläubige zu treffen.

Gesellschaftliches Leben: Konvertiten erfahren starken Druck seitens ihrer Familie, Freunde und Nachbarn, ihren Glauben aufzugeben. Es gab beispielsweise einen Fall, dass einer Christin wegen ihres Glaubens an Jesus Christus das Wasser abgedreht wurde. Dorfbewohner machen den Christen das Leben oftmals sehr schwer. Wenn Christen religiöse Feste nicht besuchen, löst dies zusätzliche Drangsalierung durch die Dorfgemeinde aus. Kinder benötigen ein Empfehlungsschreiben des Dorfvorsitzenden oder der Behörden, um zur Schule zugelassen zu werden; christliche Kinder haben es besonders schwer, solche Schreiben zu bekommen. Und wenn es ihnen gelingt, erfahren sie Diskriminierung in der Schule, bis dahin, dass sie schlichtweg schlechte Noten bekommen, mit denen ihnen der Zugang zu höherer, beispielsweise universitärer Bildung verwehrt bleibt. Christen, die ein Geschäft eröffnen wollen, sind oft von staatlichen Subventionen ausgeschlossen.

Leben im Staat: Die Verfassung schützt den Mahayana-Buddhismus als nationales geistliches Erbe, was ihn faktisch zur Staatsreligion macht. Dies wird in der folgenden Vorschrift deutlich: „Jede religiöse Institution hat die gesetzmäßige Pflicht, das geistliche Erbe Bhutans zu fördern.“ Am 24. Mai 2011 verordnete die Regierung einen Zusatz zu diesem Gesetz, der eine Anti-Konversions-Klausel beinhaltet. Dies wurde ebenfalls ins Strafgesetzbuch mit aufgenommen, um Artikel 7(4) der Konstitution des Königreichs Bhutan zu erfüllen, der besagt, dass „ein bhutanischer Staatsbürger das Recht auf Freiheit der Gedanken, des Gewissens und der Religion“ haben soll. „Keine Person soll durch Nötigung oder Beeinflussung dazu gezwungen sein, einem anderen Glauben anzugehören.“ Abschnitt 463 (A) des Strafgesetzbuches (Zusatz) von Bhutan 2011 sagt aus: „Ein Angeklagter ist schuldig der Anklage, andere zu einem anderen Glauben bewegt zu haben, wenn er sich dabei der Nötigung oder einer Art der Beeinflussung bedient hat, um die Bekehrung zu einem anderen Glauben zu erreichen.“ Abschnitt 463 (B) fügt hinzu: „Die Straftat, andere zu einem anderen Glauben genötigt zu haben, ist eine Ordnungswidrigkeit“, was in Bhutan mit ein bis drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Aufgrund dieses Gesetzes wurden zwei Pastoren 2014 verurteilt. Christen ist es nicht erlaubt, öffentlich Zeichen ihres Glaubens zu tragen und es existieren keine christlichen Zivilgesellschaftsorganisationen in Bhutan.

Kirchliches Leben: Das Thema Registrierung bleibt für die Christen in Bhutan das größte Problem. Da christliche Gemeinden nicht registriert sind, sind sie faktisch illegal. Die Regierung beschränkt die Treffen weiterhin auf Privathaushalte, um das Wachstum des christlichen Glaubens zu limitieren. Manchen Christen ist es gelungen, einen größeren Versammlungsort zu erwerben, aber alle laufen Gefahr, entdeckt zu werden. Es gab Vorfälle, bei denen Christen mit ernsthaften Konsequenzen gedroht wurde, wenn sie sich weiterhin träfen. Dementsprechend treffen sich viele Christen entweder sehr früh am Morgen oder sehr spät abends und lassen dabei die Lichter im Haus aus, um nicht den Verdacht der Behörden auf sich zu lenken. In Bhutan können keine Bibeln oder anderes christliches Material produziert werden, und auch dessen Import ist nicht erlaubt, wenn auch immer wieder Material in kleinen Mengen einzig für den privaten Gebrauch ins Land gebracht wird.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung in Bhutan ist eigentlich nicht sehr gewaltbehaftet. Wie schon erwähnt, wurde Pastor Tandin Wangyal beispielsweise im April 2014 inhaftiert und im Januar 2015 freigelassen, nachdem er ein hohes Bußgeld gezahlt hatte.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Bhutan liegt nicht nur zwischen zwei Giganten, es hat außerdem mit ökonomischen Herausforderungen zu kämpfen und der Frage, wie man der jungen Generation eine Perspektive bieten kann. Im Berichtszeitraum kamen vor allem zwei Fragen auf. Da das Land stark vom Tourismus und der Erwirtschaftung ausländischer Devisen abhängig ist, war die Nachricht im September 2015, dass der Tourismus um circa 15 Prozent zurückgegangen ist, ein deutliches Warnsignal. Nun wird die Hoffnung auf die zweite Einkommensquelle Bhutans gesetzt, das enorme Potenzial für Wasserkraft. Der Nachteil hiervon ist jedoch, dass hier teure Investitionen nötig sind, die zudem die Natur beschädigen könnten. Da manche Beobachter das Potenzial Bhutans auf diesem Gebiet ähnlich wie das von Norwegen einstufen, sahen die ersten ambitionierten Pläne bis 2020 vor, eine Kapazität von 10.000 Megawatt aufzubauen. Der zeitliche Rahmen kann jedoch aufgrund der hohen Investitionskosten nicht eingehalten werden. Je nachdem wie erfolgreich diese wirtschaftlichen Entwicklungen sein werden, wird dies ebenfalls Auswirkungen auf die christliche Minderheit haben. Wenn das Land in ernsthafte ökonomische Schwierigkeiten kommt, wird die Regierung das buddhistische kulturelle Erbe weit mehr betonen und die Anerkennung der wachsenden christlichen Minderheit in weite Ferne rücken. Wenn sich die ökonomische Situation des Landes positiv entwickelt, könnte dies die Betonung des buddhistischen Erbes Bhutans sehr entspannen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bhutan:

  • um Standhaftigkeit für die Gläubigen
  • um ihre offizielle Anerkennung als religiöse Minderheit
  • um Gelegenheiten, ein Zeugnis für Jesus zu sein
  • um bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Gemeindeleiter

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