Spenden Sie jetzt 
 
Länderprofil China

China

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 57 Punkte / Platz 33
(WVI 2015: 57 Punkte / Platz 29)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in China ist „Kommunistische Unterdrückung“; in geringerem Ausmaß treten auch „Islamischer Extremismus“ und „Religiös motivierter Nationalismus“ in Erscheinung.

Aktuelle Einflüsse: China bleibt eines der kompliziertesten Länder auf dem Weltverfolgungsindex, da es so facettenreich und vielfältig ist. Während die kleinen Minderheiten von Konvertiten unter den Tibetern und den muslimischen Uiguren einen beträchtlichen Teil der Verfolgung erleiden, erfahren auch die Christen der Han-Mehrheit Restriktionen. Die Kampagne in der Provinz Zhejiang, in deren Verlauf viele Kreuze niedergerissen und zerstört wurden, scheint zwar weitgehend beendet. Gemeindeversammlungen werden jedoch weiterhin gestört oder sogar aufgelöst, wenn die Behörden dies aufgrund der Präsenz von Ausländern, Medienvertretern oder „zu vielen versammelten Menschen“ für nötig halten, wie beispielsweise in der Provinz Guangdong. Die Kampagne gegen sogenannte „böse Kulte“ hatte ebenfalls Auswirkungen auf die Kirche. Die Einschränkung der Berichterstattung nach den Explosionen in Tianjin im August 2015, welche auch eine Zensur der sozialen Medien beinhaltet, wird immer schwieriger und löst keine Probleme. In dieser Fülle an Herausforderungen versucht Chinas Führung alles ruhig zu halten. Um seine eigene Macht und die gesellschaftliche Harmonie zu sichern, kontrolliert das Regime alle Religionen, darunter auch die stark wachsende christliche Minderheit.

Betroffene Kategorien von Christen: Alle Kategorien von Christen leiden in China unter Verfolgung; die sehr kleinen Gruppen der christlichen Konvertiten muslimischer oder tibetischer Herkunft sind jedoch besonders betroffen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: In vielen Regionen wurden Gottesdienste behindert und Christen davon abgehalten, sich zu treffen, zum Beispiel in den Provinzen Guangdong und Yunnan. Manche Christen wurden bis zu 15 Tagen festgehalten. Christliche Anwälte wurden inhaftiert, weil sie die Kirchen in Zheijiang verteidigen wollten, die zur Entfernung der Kreuze auf ihren Gebäuden gezwungen worden waren. Circa 1.500 Kirchengebäude haben ihre Kreuze verloren oder wurden gänzlich zerstört. Manche Christen sitzen immer noch langjährige Haftstrafen in Gefängnissen ab, andere wurden im Berichtszeitraum verurteilt, wenn auch stets andere Begründungen als Glaubensfragen hierzu angegeben werden. Konvertiten mit muslimischem oder tibetischem Hintergrund erleben starken Druck vonseiten ihrer Familie und Nachbarn, ihrem Glauben abzuschwören.

Ausblick: Christen, vor allem Gemeindeleiter, werden auch künftig mit genauer Überwachung rechnen müssen, besonders wenn das zahlenmäßige Wachstum der christlichen Gemeinschaft weiterhin anhält. Konvertiten mit tibetischem oder muslimischem Hintergrund werden stärkerer Verfolgung ausgesetzt sein, da die Regierung ihre Maßnahmen zur Machterhaltung in den instabilen Minderheitsregionen ausweiten wird, während der Druck vonseiten der Familie, Freunden und Nachbarn anhalten wird.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 57 Punkten belegt China Platz 33 auf dem Weltverfolgungsindex 2016. Damit entspricht die Punktzahl der des Jahres 2015, als China auf Rang 29 eingestuft wurde. Die Wertung bleibt größtenteils unverändert und zeigt sowohl den andauernden Druck gegenüber Christen der chinesischen Han-Mehrheit wie auch die schwierige Situation der Konvertiten muslimischer und tibetischer Herkunft. Auch wenn sie im Vergleich zu der gesamten chinesischen Kirche nur einen kleinen Anteil darstellen, bleibt das Maß der Verfolgung ihnen gegenüber sehr hoch. Das Niveau der Gewalt hat sich kaum verändert.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in China ist „Kommunistische Unterdrückung“, in geringerem Ausmaß treten auch „Islamischer Extremismus“ und „Religiös motivierter Nationalismus“ in Erscheinung.

Kommunistische Unterdrückung: Um das Ziel der kommunistischen Partei, den Machterhalt durch nationale Einheit und die Minimierung ausländischer Einflüsse, zu erreichen, tun die Regierenden alles, was sie für nötig halten. Im Berichtszeitraum berief sich China zunehmend auf seine ideologischen Wurzeln: Einerseits wurde hierbei der Konfuzianismus stark betont, andererseits wurde auch die kommunistische Ideologie immer wieder hervorgehoben und sogar betont, dass religiöser Glaube und Parteimitgliedschaft nicht vereinbar seien. Während dies an sich nichts Neues ist, gibt die wiederholte Betonung durch die Führung und die Parteiorgane wie der Zentralkommission zur Kontrolle der Disziplin zu denken. Von der allgemeinen Kampagne gegen sogenannte „böse Kulte“ waren auch Kirchen betroffen. Angesichts der Fülle an Veränderungen, die sich im Land vollziehen, versucht Chinas Führung, alles ruhig zu halten. Um die eigene Macht und die gesellschaftlichen Harmonie zu bewahren, kontrolliert sie alle Religionen, so auch die stark wachsende christliche Minderheit. Dies gilt vor allem für die unbeständigen Minderheitsregionen Tibet und das muslimische Xinjiang. Die Regierung hat die Kontrolle in diesen Gebieten verstärkt, was nicht nur ethnische Aufständische zu spüren bekommen, sondern auch einzelne Gruppen von Konvertiten zum christlichen Glauben. Während in den meisten Regionen Chinas christliche Aktivitäten eher beobachtet als kontrolliert wurden, waren einige nicht registrierte Hauskirchen von dem Programm zur Auslöschung sogenannter „böser Kulte“ betroffen, da manche dieser Kulte – verzerrte – christliche Wurzeln haben. In Bezug auf die meist von Han-Chinesen besuchten Kirchen sprechen Beobachter von drei Arten von Kirchen: den illegalen „schwarzen“ Kirchen (wie z. B. dem Vatikan gegenüber loyale Katholiken), welche vom Staat bekämpft werden, den staatlich anerkannten „roten“ Kirchen, die kontrolliert werden, und den „grauen“, die trotz fehlender Genehmigung toleriert werden und welcher die Mehrheit der Christen angehört.

Islamischer Extremismus: Die Situation im von der muslimischen Minderheit der Uiguren geprägten Xinjiang im Nordwesten Chinas ist stark angespannt und verschlechtert sich stetig. Die Lage der wenigen Christen muslimischer Herkunft – höchstwahrscheinlich ein paar Tausend – ist komplizierter und wurde noch stärker eingeschränkt als zuvor. Sie sehen sich einem erhöhten Druck vonseiten der Regierung ausgesetzt, wie oben beschrieben. Hinzu kommt, dass sie mit Verfolgung durch die eigene Familie, Nachbarn und Freunde rechnen müssen. Jedes Abweichen von der islamischen Glaubenstradition wird als Schande und sogar Hochverrat angesehen. Auch wenn es schwierig ist, Berichte über die Situation von Christen muslimischer Herkunft zu bekommen, so weisen doch alle erhaltenen Informationen auf eine Verschlechterung hin und manchmal sogar auf Gewalt durch Familienangehörige.

Religiös motivierter Nationalismus: Was über den Islamischen Extremismus zu sagen war, gilt auch für die noch kleinere Gruppe tibetischer Christen buddhistischer Herkunft in Westchina (Tibet). Druck und Gewalt nehmen zu und die Behörden tun alles in ihrer Macht Stehende, um die tibetischen Unabhängigkeitsbestrebungen zu unterbinden. Auch tibetische Christen stehen starkem Widerstand von ihrer Familie, Freunden und der Gesellschaft gegenüber. In dieser Region einen „abweichenden Glauben“ zu haben, kann einen hohen Preis kosten, da sich ein Konvertit automatisch von der Gemeinschaft ausschließt.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

3. Aktuelle Einflüsse

China bleibt eines der kompliziertesten Länder auf dem Weltverfolgungsindex, da es so facettenreich und vielfältig ist. Die Kampagne in der Provinz Zhejiang, in deren Verlauf viele Kreuze niedergerissen und zerstört wurden, scheint zwar weitgehend beendet. Gemeindeversammlungen werden jedoch weiterhin gestört oder sogar aufgelöst, wenn die Behörden dies aufgrund der Präsenz von Ausländern, Medienvertretern oder „zu vielen versammelten Menschen“ für nötig halten, wie beispielsweise in der Provinz Guangdong. Um das Ziel der kommunistischen Partei, den Machterhalt durch nationale Einheit und die Limitierung ausländischer Einflüsse zu erreichen, wird weiterhin energisch eine Kampagne gegen Korruption geführt, was mittlerweile sogar Auswirkungen auf das Militär hat. Doch es gibt viele weitere Herausforderungen für die Führung des Landes: Eine ist die Verlangsamung der Wirtschaft; ein weiterer Punkt betrifft die Fähigkeit der Behörden, die allgemeine Sicherheit zu garantieren, was vor allem nach den Explosionen in Tianjin im August 2015 deutlich wurde. Die bisherigen Antworten der Regierung waren von Vorsicht geprägt. Die Lockerung der Ein-Kind-Politik ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann diese Maßnahme einige soziale Probleme einer alternden Bevölkerung lösen helfen, andererseits setzt sie notwendigerweise ein weiteres Wirtschaftswachstum voraus. Die Einschränkung der Berichterstattung nach den Explosionen in Tianjin im August 2015, welche auch eine Zensur der Sozialen Medien beinhaltet, wird immer schwieriger und löst keine Probleme. In dieser Fülle an Veränderungen versucht Chinas Führung alles ruhig zu halten. Um seine eigene Macht und die gesellschaftliche Harmonie zu sichern, kontrolliert das Regime alle Religionen, darunter auch die stark wachsende christliche Minderheit.

Die Frage des kirchlichen Wachstums ist ein heiß diskutiertes Thema. Während offizielle Zahlen eine eher geringe Anzahl von Christen nennen, gehen andere Schätzungen davon aus, dass die Zahl der Christen – einschließlich der registrierten Drei-Selbst-Bewegung, des protestantischen Hauskirchennetzwerks, der katholisch-patriotischen Vereinigung und der dem Vatikan verbundenen römisch-katholischen Kirche – die Anzahl der Anhänger der kommunistischen Partei zahlenmäßig übertrifft. Diese beläuft sich auf rund 88 Millionen. Andere Schätzungen der Anzahl von Christen liegen bei 130 Millionen. In dem Buch „A star in the East: the rise of Christianity in China“, veröffentlicht im Mai 2015, berechnet der Autor Rodney Stark, dass sich die Zahl der Christen in China im Jahr 2030 auf 295 Millionen belaufen würde, wenn sich das Wachstum der letzten Jahrzehnte von schätzungsweise 8 % pro Jahr unvermindert fortsetzen würde. Somit würde China zur weltweit größten christlichen Nation werden. Auch wenn man Zweifel an diesen Vermutungen und Kalkulationen haben mag, so zeigt doch die Diskussion an sich und die große Spanne der angenommenen Anzahl von Christen, dass China nicht leicht zu verstehen ist, und dass sich Verfolgung und ein starkes Wachstum des christlichen Gemeinde nicht ausschließen. Auch eine andere Tatsache verdeutlicht dies. Im September 2015 versammelten sich mehr als 900 Hauskirchenpastoren in Hongkong zu der Konferenz „Mission China 2030“ und verpflichteten sich, bis 2030 20.000 Missionare von China auszusenden. Dies unterstreicht die bereits im Bericht des Vorjahres gemachte Aussage: „Alles, was man über die Kirche Chinas hört, trifft wahrscheinlich zu.“ Es gibt Verfolgung, auch unter der Han-Mehrheit, aber es herrscht immer noch mehr Freiheit als vor 30 Jahren.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

4. Betroffene Kategorien von Christen

In China gibt es alle Kategorien von Christen und sie alle erleben Verfolgung auf verschiedenen Ebenen:

Ausländische Christen: Sie werden im Wesentlichen überwacht und haben nur eingeschränkt Kontakt mit lokalen Kirchen.

Mitglieder traditioneller Kirchen oder von der Regierung kontrollierter Kirchen: Diese Kategorie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Besonderheit der chinesischen Christenheit. Es gibt registrierte und von der Regierung anerkannte Kirchen – die protestantische Drei-Selbst-Bewegung und die Katholisch-Patriotische Vereinigung – und nicht registrierte, unabhängige Kirchen. Auf katholischer Seite sind dies die treuen Anhänger des Vatikans.

Christliche Konvertiten (mit einem muslimischen oder auch einem buddhistischen, tibetanischen Hintergrund): Während Christen in China im Vergleich zu früher grundsätzlich mehr Freiheiten haben, gilt dies nicht für die kleinen Gemeinschaften christlicher Konvertiten. Da sie in den sehr unbeständigen Regionen ethnischer Minderheiten leben, die nach Unabhängigkeit streben, erleben Konvertiten Druck von zwei Seiten: einerseits vonseiten der Regierung, die jegliche Treffen oder Aktionen unterbinden, die sie für politisch oder gefährlich halten; andererseits vonseiten der Familie, Freunden und Nachbarn, welche die Konvertiten dazu zwingen wollen, zu dem „wahren Glauben“ zurückzukehren. Für die ethnischen Gruppen stellt dieser einen einenden Faktor dar, für den „Unterdrücker“ einen abgrenzenden.

Christen aus protestantischen Freikirchen (z.B. Baptisten- oder Pfingstgemeinden): Auf der protestantischen Seite sind hier die sogenannten Hauskirchen gemeint, auch wenn dieser Begriff missverständlich ist, da einige dieser Gemeinden mehrere tausend Mitglieder haben und sich in Geschäftsgebäuden und nicht im Geheimen treffen. Wie bereits im Bereich der Triebkräfte der Verfolgung erwähnt, ist das Hauptziel der Regierung, die Kontrolle über die Gesellschaft zu behalten. Dieses Ziel betrifft in unterschiedlichem Maß alle Christen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für China basiert auf der Summe der Wertungen für „Kommunistische Unterdrückung“, „Islamischen Extremismus“ und „Religiös motivierten Nationalismus“ und deren Einfluss auf alle Lebensbereiche. Die durchschnittliche Wertung der fünf Bereiche liegt bei 9,823 und ist vergleichbar mit dem vom Vorjahr (9,863). Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ liegt die Punktzahl mit 8,333 höher als im Vorjahr (7,222). Dies lässt vermuten, dass die Verfolgungssituation in China unbeständig ist. Die Kombination der verschiedenen Triebkräfte von Verfolgung ergibt ein interessantes Bild, wie das unten stehende Diagramm veranschaulicht. Es ist das Ergebnis eines Zusammenspiels der beteiligten Triebkräfte, die sehr unterschiedlich in den einzelnen Lebensbereichen wie auch in einzelnen geographischen Gebieten Chinas zutage treten. So wirken sich Islamischer Extremismus und Religiös motivierter Nationalismus besonders auf die Bereiche „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ aus, was sich vor allem in der Verfolgung von Christen muslimischer oder tibetanischer Herkunft zeigt. Am stärksten ausgeprägt ist die Verfolgung jedoch im Bereich „Kirchliches Leben“, gefolgt von „Privatleben“ und „Leben im Staat“. Dies sind die Lebensbereiche, in denen Christen, die unter Kommunistischer Unterdrückung leiden, normalerweise die stärksten Probleme erleben. Der Staat stellt viele Regeln auf, dämmt Abweichungen ein, unterbindet und kontrolliert Versammlungen. Im Bereich „Privatleben“ trägt die prekäre Situation der Konvertiten zu der relativ hohen Wertung bei, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in einer Familie oder Gemeinschaft sind.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen aus einem uigurischen (muslimischen) oder tibetischen Hintergrund müssen stets sehr vorsichtig sein in der Art und Weise ihrer Anbetung, besonders wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Bibeln und andere christliche Literatur müssen sorgfältig versteckt und können nur mit erhöhter Vorsicht gelesen werden, da strenggläubige muslimische oder tibetisch-buddhistische Familien dies nicht akzeptieren werden. Sich mit anderen Christen zu treffen, stellt unter diesen Umständen eine besondere Herausforderung dar: Es ist einerseits für die Konvertiten selbst gefährlich, bringt aber gleichzeitig auch ganze christliche Versammlungen in Gefahr. Bekannte Konvertiten werden genauestens überwacht, bedroht und erleben in einigen Fällen auch physischen oder psychischen Missbrauch.

Familienleben: In Tibet und Xinjiang ist die Situation sehr angespannt und jeder Glaubenswechsel wird als Schande für die Familie und als Verrat an der Gesellschaft angesehen. Daher sind Konvertiten sehr darauf bedacht, ihren neu gewonnenen Glauben geheim zu halten. Wenn jemand als Christ entdeckt wird, drohen ihm die Scheidung und der Verlust von Erbrechten. Taufen, christliche Trauungen oder Beerdigungen zu organisieren erweist sich als äußerst schwierig. Kinder von Christen, nicht nur von Konvertiten, werden gezwungen, nicht-christliche Inhalte zu lernen. Konvertiten werden dazu von ihren Familien überredet, ihre Kinder traditionelle Werte und Religion zu lehren. Han-Christen in Tibet und Xinjiang erleben im Familienleben keine Verfolgung.

Gesellschaftliches Leben: Konvertiten erleben Druck vonseiten ihrer Familie, ihrer Freunde und Nachbarn, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, und ihre Kinder werden in der Schule diskriminiert und stehen Vorurteilen von muslimischen oder tibetanischen Lehrern und Mitschülern gegenüber.

Leben im Staat: China propagiert weiterhin die kommunistische und atheistische Ideologie, auch wenn letztere im Berichtszeitraum stark von der Betonung der konfuzianistischen Wurzeln des Landes beeinflusst war. Die Berichterstattung über Christen ist oftmals voreingenommen, wie sich beispielsweise zeigte, als weit über eintausend Kreuze in der Provinz Zhejiang niedergerissen wurden. Religiöse Symbole öffentlich zu zeigen war in den letzten Jahren in den meisten Regionen kein Problem. Aufgrund der Vorkommnisse in Zhejiang fragten sich Beobachter jedoch, ob die ganze Aktion vielleicht mit Rückendeckung aus Peking eingeleitet wurde, und wenn ja, aus welchen Gründen dies geschah und welche Konsequenzen dies haben könnte.

Kirchliches Leben: Die Regierung ist daran interessiert, eine „harmonische Gesellschaft“ aufrechtzuerhalten. In Bezug auf Religion bedeutet dies, Kirchen zu „verwalten“, ob sie nun registriert oder nicht registriert sind, ob sie „schwarz“, „rot“ oder „grau“ sind. Die nie veröffentlichten, doch nur allzu gut verstandenen Regeln, die jede christliche Kirche einhalten sollte, sind: 1. regelmäßige Berichte an die Behörden über jüngste Aktivitäten; 2. keine Mitwirkung oder Unterstützung durch ausländische Christen, auch nicht in Form von Geldmitteln; 3. keine öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten; 4. nur „reguläre“ christliche Aktivitäten während sensibler Phasen. Das Befolgen dieser Richtlinien könnte als eine Form der „formlosen Registrierung“ angesehen werden. Die Religionsbehörde (State Authority on Religious Affairs, SARA) ist für den allgemeinen Umgang mit Religionen zuständig und reagiert zuweilen sehr streng. Häufig jedoch hängt das Ausmaß der Reaktion sehr viel stärker von der jeweiligen örtlichen Behörde ab als von der Zentralverwaltung in Peking. Christen in China erleben heutzutage enorme Unterschiede in Bezug auf die Freiheiten, die sie haben. Obwohl es nicht stimmt, dass alle Christen in China Religionsfreiheit im Sinne des Wortes genießen, hat sich die allgemeine Situation für die meisten Christen gegenüber vorherigen Generationen verbessert. Insgesamt blieb das Maß der Verfolgung im aktuellen Berichtszeitraum allerdings nahezu unverändert. Die Kirchen werden überwacht, und auch wenn nur „öffentlich auffällige“ Kirchen geschlossen werden – die häufig als politisch aktiv wahrgenommen werden –, so schwebt doch ein Damoklesschwert über allen nicht-registrierten Kirchen Chinas. Wenn Peking es verlangt, werden die Behörden sie auffordern, sich unter dem Dach der Drei-Selbst-Bewegung registrieren zu lassen, entsprechend den oben genannten Richtlinien zu handeln, oder sie werden letztendlich geschlossen werden.

Auftreten von Gewalt: Das Maß der Gewalt in China, wie im Verfolgungsdiagramm gezeigt, mag überraschen. Folgendes sollte hierbei jedoch bedacht werden: Auch wenn es regelmäßig Berichte von gewalttätigen Übergriffen im Berichtszeitraum gab, waren sie meist auf die südliche Provinz Zheijang beschränkt, auch bekannt als das „Jerusalem Chinas“. Hier führten lokale Behörden weiter eine Kampagne gegen religiöse Gebäude, besonders Kirchen. Einige von ihnen wurden vollständig zerstört und circa 1.500 Kreuze auf Kirchengebäuden oder Kirchengrundstücken zerstört. Im Zusammenhang damit wurden christliche Anwälte verhaftet und verurteilt.

Abseits dieses Brennpunkts sind Christen in China normalerweise nicht mit Gewalt aufgrund ihres Glaubens konfrontiert. Einige Christen sitzen immer noch lange Haftstrafen ab, einige wurden im Berichtszeitraum verurteilt, obwohl immer andere Gründe für eine Verurteilung angegeben wurden als ihre Religion. Allerdings passiert dies nicht sehr häufig. Behörden verhängen eher kurzfristige Haftstrafen, die Länge variiert zwischen einer Nacht bis zu 15 Tagen. Während Razzien werden hin und wieder Christen verletzt.

Christen muslimischer oder tibetischer Herkunft sind stärker Gewalt konfrontiert. Familie, Freunde und Nachbarn setzen sie nicht nur unter Druck, wieder zu ihrer ursprünglichen Religion zurückzukehren, sondern greifen dabei manchmal auch auf physische oder psychische Gewalt zurück. Das kann auch gewaltsame Entführungen beinhalten.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Christen werden auch künftig mit genauer Überwachung rechnen müssen, besonders wenn das zahlenmäßige Wachstum der christlichen Gemeinschaft weiterhin anhält. Konvertiten mit tibetischem oder muslimischem Hintergrund werden mehr Verfolgung ausgesetzt sein, da die Maßnahmen in den instabilen Minderheitsregionen aufgrund der Bemühungen der Regierung zur Machterhaltung zunehmen werden, wie auch der Druck vonseiten der Familie, Freunden und Nachbarn. In dieser Fülle an Herausforderungen versucht Chinas Führung, alles ruhig zu halten. Um die eigene Macht und die gesellschaftlichen Harmonie zu bewahren, kontrolliert sie alle Religionen, so auch die stark wachsende christliche Minderheit. Die Frage für die Zukunft wird sein, ob die Regierungsbehörden anfangen werden, die Christen als eine positive Kraft für die Gesellschaft wahrzunehmen. In diesem Fall könnten die Christen zu Partnern darin werden, die Gesellschaft zu verbessern und weiterzuentwickeln, und Mitwirkende in dem Aufbau einer „harmonischen Gesellschaft“ werden. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die lokalen Gemeinden als ein Gewinn wahrgenommen und geschätzt oder als Bedrohung abgelehnt werden. Es ist immer noch möglich, dass sich um des Machterhalts willens der Zugriff auf Kirchen enger wird und Christen mehr Druck erfahren werden. Der Berichtszeitraum deutet eher auf Letzteres hin, lässt aber Raum für eine Entwicklung in beide Richtungen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für China:

  • um Gottes Hilfe für die Christen muslimischer Herkunft, besonders im Autonomie-Gebiet Xinjiang im Nord-Westen, wo die Regierung sie oft als politische Bedrohung einstuft
  • um mehr reife Leiter für die kleinen Versammlungen der Christen tibetischen Hintergrunds, die aus politischen Gründen von der Regierung als gefährlich betrachtet werden
  • für die Jugend der Gemeinden der Han-Mehrheit, die – anders als ihre Eltern - mehr mit Materialismus und Konsum zu kämpfen haben, als mit Verfolgung

Zurück zum Inhaltsverzeichnis