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Eritrea Länderprofil

Eritrea

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen


Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

82 Punkte / Platz 10 (WVI 2016: 89 Punkte / Platz 3)

Triebkräfte der Verfolgung

Drei Triebkräfte der Verfolgung sind in Eritrea entscheidend: „Diktatorische Paranoia“ (Haupttriebkraft), „Islamische Unterdrückung“ und „Konfessioneller Protektionismus“.

Aktuelle Einflüsse

Obwohl Eritrea weniger Punkte aufweist und auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017 einen niedrigeren Platz belegt (hauptsächlich aufgrund eines Rückgangs der Gewalt), hat sich die allgemeine Lage im Laufe des letzten Jahrzehnts verschlechtert. Das liegt an dem autoritären eritreischen Regime, das jede Form von nicht-registrierten Organisationen, Widerspruch und Meinungsfreiheit verbietet. Der Versuch der Regierung, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, wurde besonders deutlich, als der Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche im Jahr 2007 abgesetzt wurde und seitdem unter Hausarrest steht. Auch die Eritreisch-Orthodoxe Kirche übt großen Druck auf diejenigen Mitglieder aus, die sie verlassen und sich evangelikalen oder Pfingstgemeinden anschließen. Die Situation in Eritrea trägt zur weltweiten Flüchtlingskrise bei: Tausende haben das Land verlassen. Ein Untersuchungsausschuss der Vereinten Nationen (UN) untersuchte im Oktober 2016 die Menschenrechtskrise in Eritrea und empfahl, die eritreische Regierung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag untersuchen zu lassen.

Betroffene Kategorien von Christen

Alle im WVI aufgeführten Kategorien von Christen kommen in Eritrea vor und sind starker Verfolgung ausgesetzt: ausländische Christen und Arbeitsmigranten, Christen aus traditionellen Kirchen, Christen mit muslimischem oder orthodoxem Hintergrund und Christen aus protestantischen Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Allgemein hat der Druck auf Christen im Berichtszeitraum für den WVI 2017 deutlich nachgelassen, ist aber weiterhin sehr stark.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen extrem hoch, am stärksten sind die Bereiche „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“ betroffen. Dies ist typisch für eine Situation, in der die Haupttriebkraft Diktatorische Paranoia ist.
  • In muslimischen Regionen ist die Verfolgung in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ stark, wobei vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen sind. Grund dafür ist die Triebkraft Islamische Unterdrückung.
  • Die Punktzahl für „Gewalt“ ist im Vergleich zum WVI 2016 um mehr als 50 Prozent gesunken, bleibt aber trotzdem hoch. Im Laufe der letzten Jahre wurden Tausende Christen verhaftet, inhaftiert und viele starben in der Haft. Immer noch sind viele Christen allein aufgrund ihres Glaubens in Gefängnissen.

Ausblick

Trotz der Berichte von Menschenrechtsorganisationen gab es noch keine ernsthaften Konsequenzen für die furchtbaren Menschenrechtsverletzungen in Eritrea. Angesichts früherer Entwicklungen ist folgendes Szenario wahrscheinlich:

  • Die eritreische Regierung wird an ihrem autoritären Kurs festhalten; unterdrückte Eritreer werden weiterhin flüchten und Christen in protestantischen Freikirchen werden weiterhin als Agenten des Westens gesehen.
  • Die eritreische Regierung wird Christen weiterhin zwingen, der Armee beizutreten ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten.
  • Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche und extremistische Muslime werden weiterhin Konvertiten verfolgen.

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Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 82 Punkten belegt Eritrea Platz 10 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Das entspricht einem Rückgang um 7 Punkte gegenüber dem Jahr 2016 (89), als Eritrea Rang 3 einnahm. Im Berichtszeitraum nahm das Auftreten von Gewalt um mehr als 50 Prozent ab, bleibt jedoch hoch. Auch der Druck auf Christen bleibt extrem hoch und wird hauptsächlich von Präsident Isaias Afewerkis Regierung sowie gewöhnlichen Mitgliedern der Regierungspartei Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) ausgeübt. Der Rückgang um 7 Punkte deutet an, dass die Verfolgung im Vergleich zum Berichtszeitraum des Vorjahres nachgelassen hat, als viele Christen bei dem Versuch, das Land zu verlassen, getötet wurden.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Drei Triebkräfte der Verfolgung betreffen die Christen in Eritrea:

Diktatorische Paranoia: Seit dem Referendum von 1993 ist Eritrea eine unabhängige Nation und die PFDJ übt uneingeschränkte Macht unter der Leitung von Präsident Afewerki aus. Das Regime ist ein absolut autoritäres System, das alles tut, um seine Macht zu erhalten: Christen wurden verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie als Agenten des Westens und damit als Bedrohung für den Staat und die Regierung gesehen werden. Quellen im Land weisen darauf hin, dass der Präsident seinen Sohn darauf vorbereitet, seine Nachfolge anzutreten.

Islamische Unterdrückung: Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung ist muslimisch. Die Muslime leben hauptsächlich in der Tiefebene entlang der Küste des Roten Meeres und der Grenze zum Sudan und zeigen eine Tendenz zum Extremismus, was teilweise an der Situation in diesen Regionen liegt. Daher sind Christen in diesen Teilen des Landes in einer besonders prekären Lage, vor allem Christen muslimischer Herkunft. Eritreische Muslime verstehen sich zuerst als Muslime, dann als Eritreer. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat der Gemeinschaft, der Familie und des Islamischen Glaubens.

Konfessioneller Protektionismus: Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche hat eine lange Tradition und setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden manchmal unter Druck. Dahinter stehen zum einen theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen, zum anderen aber auch ganz pragmatische Überlegungen. Die gut organisierte Eritreisch-Orthodoxe Kirche mit ihrer langen Tradition und historischen Anerkennung betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge“. Orthodoxen Kirchenführern gilt Eritrea als Heimat der Orthodoxie, in der Eritreas christliche Tradition begründet ist und neben der andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz haben.

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3. Aktuelle Einflüsse

Auch das „Nordkorea Afrikas“ genannt, befindet sich Eritrea unter den schlimmsten Ländern, was Religions- und Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit und andere Menschenrechtsverletzungen angeht. Seit 2002 ist Eritrea auf dem Weltverfolgungsindex, seit 2004 unter den ersten 20 und auf dem Weltverfolgungsindex von 2016 nahm es sogar den dritten Platz ein. Das eritreische Regime ist absolut autoritär und duldet keine nicht-registrierten Organisationen, keine freie Meinungsäußerung, keinen Widerspruch. Kein Ort im ganzen Land kann als sicher bezeichnet werden, wovon die Zahl der Flüchtlinge nach Europa und weltweit zeugt. Der Umstand, dass die Unterdrückten das Land verlassen, kommt der Regierung sehr gelegen, da die Flüchtenden ansonsten diejenigen wären, die von der Regierung Veränderungen und Reformen einforderten.

Laut einem Artikel von ‚Reporter ohne Grenzen‘ vom April 2016 befinden sich eritreische Journalisten ohne Anhörung oder Prozess in Haft: „Eritrea missachtet systematisch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Information. Für Journalisten ist es das größte Gefängnis Afrikas.“ Der Präsident des Landes steht auf der Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ von ‚Reporter ohne Grenzen‘. Auf der Rangliste für Pressefreiheit liegt Eritrea seit acht Jahren auf dem letzten Platz – noch hinter Somalia, dem Sudan, China und dem Iran.

Die eritreische Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass im Land ausschließlich die offiziell anerkannten Religionsgruppen arbeiten dürfen: der sunnitische Islam, die Eritreisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische und die Lutherische Kirche. Für andere christliche Konfessionen ist es sehr schwer, im Land aktiv zu sein und daher tragen sie die Hauptlast der Verfolgung.

Die Feindseligkeit der Regierung gegenüber dem christlichen Glauben und Sekten begann, als mit dem Volksentscheid 1993 die Zeugen Jehovas zur Zielscheibe wurden, was zur Verfolgung aller Kategorien von Christen im Land führte. Die Einführung eines Registrierungssystems drängte eine große Zahl von christlichen Gemeinden in die Illegalität. Die Versuche der Regierung, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, gipfelten in der Amtsenthebung des Patriarchen der Eritreisch-Orthodoxen Kirche, der seit 2007 unter Hausarrest steht. Der Machtmissbrauch seitens der Regierung und die daraus resultierenden Härten führten zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung, was letztlich 2013 zu einem Staatsstreich und dem Versuch der Amtsenthebung von Präsident Isaias Afewerki führte. Dieser Versuch schlug jedoch fehl und Afewerki gab dem Westen und Äthiopien die Schuld für den Putschversuch. Dadurch nahm auch die Verfolgung der Christen stark zu, die von der Regierung als „Agenten des Westens“ bezeichnet werden. Dieser Vorfall ermöglichte den Muslimen, sich stärker mit der Regierung zu verbünden, frei nach dem Motto „deine Feinde sind auch meine Feinde“.

Eritrea hat beständig den Aufstieg und die Verbreitung eines extremistischen Islam am Horn von Afrika unterstützt. Die Sanktionen der UN gegen Eritrea wegen der Unterstützung islamistischer Kämpfer in der Region – besonders der Al-Shabaab – zeigen, dass die eritreische Regierung auch ein Komplize der Christenverfolger außerhalb Eritreas ist, indem sie Mittel und Methoden der Verfolgung an extremistische Muslime weitergibt. Zudem pflegt Eritrea starke Verbindungen zu der islamischen Regierung des Sudan, was zu einer negativen Einstellung gegenüber Christen in und außerhalb Eritreas führt. Neben dem Sudan gib es auch Beziehungen zu Staaten wie Katar, dem Iran oder Saudi-Arabien, in denen Christen verfolgt werden. Viele verlassen Eritrea über die Nachbarländer Sudan, Äthiopien und Ägypten und werden zu einer leichten Beute für Menschenhändler, vor allem in der Wüste Sinai. Einige von ihnen wurden gefangen genommen und in Libyen von Anhängern des Islamischen Staates (IS) enthauptet. Anderen gelang die gefährliche Reise per Boot über das Mittelmeer nach Europa. Die Situation in Eritrea trägt folglich zur globalen Flüchtlingskrise bei.

Auf internationaler Ebene ist Eritrea eines der beiden afrikanischen Länder, die vom Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika wegen starken Verstoßes gegen die Religionsfreiheit am 29. Februar 2016 als „Country of Particular Concern“ (Land besonderer Besorgnis) eingestuft wurden.

Deshalb stellten Robert P. George und Thomas J. Reese von der USCIRF (US-Kommission für internationale Religionsfreiheit) letztes Jahr die Frage: „Könnte Eritreas ‚Akte in puncto Verbrechen gegen die Menschenrechte und Religionsfreiheit‘ einen Verweis an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag rechtfertigen?“ Ein Untersuchungsausschuss des UN-Menschenrechtsausschusses regte zudem an, die eritreische Regierung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu verklagen. Die Regierung vermutet, dass der Bericht des Untersuchungsausschusses nur mit Hilfe von Informanten in Eritrea möglich war.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Alle vier im WVI unterschiedenen Kategorien von Christen sind in Eritrea vertreten. Die verschiedenen Kategorien sind unterschiedlichen Ausmaßen und Formen von Verfolgung betroffen.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten: Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und andere Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen: Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst die Eritreisch-Orthodoxe Kirche, die Anglikaner, die Evangelisch-Lutherische sowie die Römisch-Katholische Kirche. Ihre Anhänger leben hauptsächlich in den überwiegend von Christen bewohnten Gebieten in Zentral- und Süd-Eritrea. Sie erleiden Verfolgung durch die Regierung und durch islamische Extremisten.

Konvertiten: Dies sind Christen, die traditionelle Kirchen (vor allem die Eritreisch-Orthodoxe) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, sowie Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben. Der ersten Kategorie widerfährt Verfolgung durch die Eritreisch-Orthodoxe Kirche, der zweiten Kategorie durch ihre muslimischen Familien und die muslimische Gesellschaft.

Protestantische Freikirchen: Diese Gruppe – speziell die Pfingstkirche – erfährt massive Verfolgung, insbesondere durch Regierungsbeamte und durch die Eritreisch-Orthodoxe Kirche. Christen aus evangelikalen und Pfingstgemeinden werden als Agenten des Westens gesehen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Eritrea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Eritrea:

  • Der durchschnittliche Druck, dem Christen ausgesetzt sind, bleibt extrem hoch (15,349), hat sich aber verglichen mit dem Berichtszeitraum des WVI 2016 mit 15,808 Punkten verringert.
  • Alle Lebensbereiche zeigen einen extrem hohen Wert; die höchsten für „Leben im Staat“ (16,016) und „Gesellschaftliches Leben“ (15,705). Dies ist typisch für Diktatorische Paranoia als Haupttriebkraft.
  • In Gebieten, die hauptsächlich von Muslimen bewohnt werden, ist die Verfolgung in den Bereichen „Privat- und Familienleben“ schwer; besonders betroffen sind Konvertiten. Grund dafür ist die Triebkraft Islamische Unterdrückung.
  • Der Wert für „Gewalt“ ist gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent gesunken, bleibt aber weiterhin hoch. Er sank von 10,185 (WVI 2016) auf 5,000. In den letzten Jahren wurden Tausende Christen verhaftet, eingesperrt und viele starben im Gefängnis. Immer noch befinden sich viele Christen allein wegen ihres Glaubens in Haft.

Privatleben: Die Regierung hat es besonders auf den Einzelnen abgesehen und macht den Alltag für jeden sehr schwierig und kompliziert. Materialien zu besitzen, die nicht der registrierten Kirche zuzuordnen sind, ist sehr riskant. Viele wurden verhaftet, weil sie solche Materialien besaßen oder benutzten. Konfessioneller Protektionismus und Islamische Unterdrückung stellen in vielerlei Hinsicht Ursachen für die Schikanierung von Christen dar. Besonderen Druck erfahren Christen mit muslimischem Hintergrund. Beispielsweise werden diese aus ihrem Zuhause geworfen und ihnen wird der Zugang zu lebenswichtigen Gütern seitens der Nachbarschaft verwehrt.

Familienleben: Für Christen in Eritrea steht das Familienleben auf dem Spiel. Christliche Familien zerfallen, weil Familienmitglieder durch die Regierung verhaftet und verschleppt werden. Manche Familienmitglieder sind gezwungen, außer Landes zu fliehen und lassen schutzbedürftige Mitglieder zurück. Der Konfessionelle Protektionismus führt außerdem zu der Verweigerung von Erbschaften und familienbezogenen Rechten für Christen. Die Islamische Unterdrückung führt dazu, dass Christen in Regionen, die hauptsächlich von Muslimen dominiert werden, vielfältige Schwierigkeiten erleben. Beispielsweise können Christen muslimischer Herkunft keine öffentliche christliche Heirat durchführen und im Todesfall werden sie nach muslimischem Ritus begraben.

Gesellschaftliches Leben: Es ist bekannt, dass die Regierung Helfer in der Nachbarschaft anwirbt, um alle christlichen Aktivitäten im Ort auszuspionieren. Daraus ergeben sich zunehmend seltsame Allianzen, dass beispielsweise Muslime die Aktivitäten protestantischer freikirchlicher Christen in ihrer Region im Auftrag der Regierung überwachen, vor allem jedoch die Missionstätigkeit unter Muslimen. Um ein Geschäft betreiben zu können, müssen Christen einen Nachweis über ihren Militärdienst vorzeigen können. Außerdem haben Christen keinen Zugang zu weiterführenden Schulen und höherer Bildung, wenn sie nicht für den Militärdienst registriert sind.

Leben im Staat: Nicht ohne Grund gilt Eritrea als „Nordkorea Afrikas“ und wurde von den Vereinigten Staaten als „Country of Particular Concern“ („Land besonderer Besorgnis“) eingestuft. Dies geschah aufgrund der extrem eingeschränkten Religionsfreiheit. Aus diesem Grund erreicht der Bereich „Leben im Staat“ den höchsten Wert. Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur offiziell anerkannte Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen. Der Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche wird von der Regierung ernannt und jeder Widerspruch eines religiösen Oberhaupts kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Das Land ist dafür bekannt, dass es Christen zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Gemäß Artikel 6 der Bekanntmachung zum Wehrdienst Nr. 82/1995 vom Jahr 1995 ist jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet, am Wehrdienst teilzunehmen. Die Bekanntmachung lässt keine Ausnahme für Bürger zu, die sich aus religiösen Gründen nicht einschreiben wollen. Religiöse Gruppen erleben demnach große Schwierigkeiten, wenn sie den Dienst verweigern oder den Dienst abbrechen.

Kirchliches Leben: Religiöse Gruppen müssen sich in Eritrea entweder registrieren lassen oder ihre Tätigkeit einstellen. Eine offizielle Registrierung zu erlangen, ist jedoch äußerst kompliziert. Die Regierung mischt sich zudem in die Wahl religiöser Leiter ein. Beispielsweise steht der Eritreisch-Orthodoxe Patriarch, Abune Antonios, seit Mai 2007 unter Hausarrest. Darüber hinaus können religiöse Gruppen keine Dokumente/Materialien drucken oder verteilen, ohne vorher die Erlaubnis der Religionsbehörde erhalten zu haben.

Auftreten von Gewalt: Obwohl der Wert für Gewalt im Berichtszeitraum abgenommen hat, bleibt er immer noch hoch. Als Resultat staatlich verhängter Gewalt ziehen viele eritreische Christen die Auswanderung auf lebensgefährlichen Routen durch den Sudan und Libyen einem Bleiben in ihrem Land vor. Im Berichtszeitraum starben mindestens drei Christen für ihren Glauben: zwei Männer verhungerten und verdursteten am 23. Februar 2016 im Maitre-Gefängnis und eine 28-jährige Frau (ebenfalls im Maitre inhaftiert) starb an einer unbehandelten Infektion. Viele Christen werden von der Regierung unter erbärmlichen Bedingungen gefangen gehalten, manche in Schiffscontainern in der sengenden Sonne. Über die Jahre wurden Tausende von Christen verhaftet und inhaftiert, manche von ihnen sind nach elf Jahren immer noch in Haft. Einige der Gefängnisse sind die Asmara Polizeistation, Mai Sirwa, Adi Abieto (seit neuestem für verhaftete Christen), Keren (ebenfalls neu), Assab, Hashferai, Barentu, Mai Idaga und Alla (neu). Viele der Christen werden gezwungen, viele Stunden in den kommerziellen Blumenfeldern zu arbeiten. Einige namentlich bekannte Christen, die seit über zehn Jahren inhaftiert sind, heißen: Haile Naigzhi, Leiter der Eritrea Full Gospel Church (inhaftiert seit 2004); Kiflu Gebremeskel, Gründer und Pastor der Southwest Full Gospel Church (seit 2004); Million Gebreselasie, Dr. med. und Pastor der Massawa Rhema Church (seit 2004); Tekleab Menghisteab, Dr. med. und Priester (seit 2004); Gebremedhin Gebregiorsis, Priester (seit November 2004), Kidane Weldou, Pastor der Full Gospel Church (vermisst seit 2005, aber vermutlich inhaftiert) und Abune Antonios, Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche (unter Hausarrest seit 2007).

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Dem Protest internationaler Menschenrechtsorganisationen und dem Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Regierung Eritreas des UN-Menschenrechtsausschusses zum Trotz musste sich das Regime noch nicht für seinen schrecklichen Katalog an Menschenrechtsverletzungen verantworten, geschweige denn ernsthafte Konsequenzen auf sich nehmen. Angesichts früherer Entwicklungen ist folgendes Szenario wahrscheinlich:

  • Unterdrückte und verfolgte Eritreer werden weiterhin aus dem Land fliehen.
  • Die eritreische Regierung wird an ihrem autoritären Kurs festhalten und Christen aus protestantischen Freikirchen weiterhin als Agenten des Westens einstufen.
  • Die eritreische Regierung wird Christen weiterhin zwingen, der Armee beizutreten, ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten.
  • Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche und extremistische Muslime werden weiterhin Konvertiten verfolgen.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass die inhaftierten Christen freigelassen werden, wenn sie nicht eine Erklärung unterschreiben, in der sie ihren Glauben widerrufen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea:

  • Bitte beten Sie, dass der Heilige Geist die Flüchtlinge aus Eritrea tröstet, von denen viele aus wirtschaftlichen Gründen und vor dem erweiterten Militärdienst geflohen sind.
  • Großer Druck geht vom Präsidenten Isaias Afewerki und seiner Regierung aus. Bitte beten Sie, dass der Präsident das wahre Leben und seine Erfüllung in Christus findet. Beten Sie für Gottes Eingreifen in Eritrea. Die einheimische Kirche wünscht ihrer Regierung nichts Böses, sondern betet, dass die Herzen der Regierenden verändert werden.
  • Tausende von Christen wurden in den letzten Jahren verhaftet und inhaftiert; einige von ihnen sind selbst nach zehn oder elf Jahren noch in Haft. Bitte beten Sie für die inhaftierten Brüder und Schwestern, dass sie unter den furchtbaren Umständen trotzdem ein Licht für ihre Wärter und Mitgefangenen sein können.

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