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Eritrea Länderprofil

Eritrea

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 89 Punkte / Platz 3
(WVI 2015: 79 Punkte / Platz 9)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkräfte für die Verfolgung von Christen in Eritrea sind „Diktatorische Paranoia", „Islamischer Extremismus" und „Konfessioneller Protektionismus".

Aktuelle Einflüsse: Im Jahr 2002 wurde Eritrea erstmals auf dem Weltverfolgungsindex erfasst, 2004 war das Land bereits unter den ersten 20 Ländern. Das absolut autoritäre Regime duldet weder freie Meinungsäußerung noch jegliche Organisation, aus der sich Widerspruch regen könnte. Die Versuche der Regierung, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, gipfelten in der Amtsenthebung des Patriarchen der Eritreisch-Orthodoxen Kirche, der seit 2007 unter Hausarrest steht. Eritrea hat beständig den Aufstieg und die Verbreitung eines extremistischen Islam am Horn von Afrika unterstützt. Auf internationaler Ebene ist Eritrea deshalb eins der beiden afrikanischen Länder, die vom Außenministerium der Vereinigten Staaten wegen schwerer Verstöße gegen die Religionsfreiheit als „Country of particular concern“ (Land besonderer Besorgnis) eingestuft wurde. Die Situation in Eritrea trägt auch zur globalen Flüchtlingskrise bei. Ein Flüchtling erklärte: „Im Land gibt es fast keine jungen Leute mehr – manche von ihnen sind im SAWA, dem Zentrum der militärischen Grundausbildung, andere versuchen, dem Regime auf allen möglichen Wegen zu entfliehen. Das Land ist unbewohnbar geworden.“ Deshalb stellen Robert P. George und Thomas J. Reese von der USCIRF (US-Kommission für internationale Religionsfreiheit) die Frage: „Könnte Eritreas ‚Erfolgsgeschichte‘ in puncto Verbrechen gegen Menschenrechte und Religionsfreiheit einen Verweis an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag rechtfertigen?“

Betroffene Kategorien von Christen: In Eritrea erleben alle Kategorien von Christen (ausländische Christen, Christen traditioneller Kirchen und protestantischer Freikirchen sowie Christen muslimischer Herkunft und solche, die von der Eritreisch-Orthodoxen Kirche in protestantische Freikirchen wechseln (beide werden als Konvertiten bezeichnet) starke Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung in Eritrea geht von drei Triebkräften aus: Diktatorischer Paranoia, Islamischem Extremismus und Konfessionellem Protektionismus. Der Druck auf Christen ist höher als im vergangenen Jahr. Die Wertung im Bereich Gewalt ist deutlich höher. Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Lage für Christen in Eritrea innerhalb des Berichtszeitraums verschlechtert hat. Die Verfolgung ist in allen Lebensbereichen schwer, aber am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Geselllschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“. Die Maximalwerte in diesen Bereichen werden durch die Überlappung der drei einflussreichen Triebkräfte von Verfolgung in diesem Land verursacht. Über die Jahre wurden Tausende inhaftiert und viele sind in der Gefangenschaft gestorben. Viele sind außerdem bei dem Versuch, aus dem Land zu fliehen, von Sicherheitskräften getötet worden.

Ausblick: Die eritreische Regierung wird weiterhin Christen dazu zwingen, der nationalen Armee beizutreten, ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten. Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche und extremistische Muslime werden weiterhin vor allem die Konvertiten verfolgen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 89 Punkten belegt Eritrea Platz 3 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Das entspricht einem Anstieg um zehn Punkte gegenüber dem Jahr 2015, als Eritrea Platz 9 einnahm. Im Berichtszeitraum hat die Verfolgung von Christen in Eritrea stark zugenommen. Dafür verantwortlich sind neben Präsident Isaias Afewerki und seiner Regierung auch Mitglieder der Einheitspartei „Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit" (PFDJ). Der Anstieg um zehn Punkte zeigt an, dass die Christenverfolgung in Eritrea eine Schwelle überschritten hat. Der Anstieg ist vor allem zwei Faktoren zuzuschreiben (zusätzlich zur generellen Verschlechterung der Situation der Christen seit letztem Jahr): dem Anstieg der Gewalt um sechs Punkte und dem spezifischen Druck der Regierung Afewerkis auf Protestanten. Dies geschieht aus dem Glauben heraus, dass diese sich mit der internationalen Gemeinschaft zusammenschließen, um die eritreische Regierung zu diskreditieren. In diesem Zusammenhang vermutet die Regierung, dass der detaillierte Bericht des UN-Untersuchungsausschusses von Juni 2015 nicht ohne Kooperation mit Leuten im Land möglich gewesen wäre. Ein Beobachter gibt an: „Eritreische Christen zögern nicht, das Land zu verlassen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie bei dem Versuch Menschenhändlern oder skrupellosen extremistischen Gruppen wie dem Islamischen Staat (IS) in die Hände fallen.“ Einem Bericht des Büros des UN-Flüchtlingshochkommissars in Italien vom November 2014 zufolge sind „22 Prozent der mit dem Boot kommenden Menschen Eritreer.“ Als „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet, reiht sich Eritrea unter die schlimmsten Länder in Bezug auf Achtung der Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit und anderer Menschenrechte ein. Dies verstärkt sich durch die Rolle der zwei Triebkräfte Islamischer Extremismus und Konfessioneller Protektionismus. In Eritrea gibt es keinen sicheren Lebensraum, was die Zahlen der Flüchtlinge nach Europa, wie auch die Zahlen der durch Terroristen oder Menschenhändler ermordeten Christen belegen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkräfte für die Verfolgung von Christen in Eritrea sind „Diktatorische Paranoia", „Islamischer Extremismus" und „Konfessioneller Protektionismus".

Diktatorische Paranoia: Die eritreische Regierung ist ein Synonym für absoluten Autoritarismus geworden. Seit 1993 übt die PFDJ unter der Führung von Präsident Afewerki die Macht aus. Eritrea leidet unter diesem autoritären Regime, das umfassenden Einfluss auf das Leben seiner Bürger ausübt. Gegenwärtig setzt das Regime alles daran, um an der Macht zu bleiben. Dabei verhaftet, bedrängt und tötet es Christen, die als Bedrohung für den Staat und die Regierung angesehen werden.

Islamischer Extremismus: Etwa die Hälfte der eritreischen Bevölkerung ist muslimisch. Die meisten von ihnen leben in der Tiefebene entlang der Küste des Roten Meeres sowie an der Grenze zum Sudan und zeigen eine Tendenz zum Extremismus, wie Vorfälle in dieser Region belegen. Dort lebende Christen sind in großer Gefahr, vor allem Konvertiten mit muslimischem Hintergrund. Eritreische Muslime verstehen sich in erster Linie als Muslime und an zweiter Stelle als Eritreer. Zudem zeigen Berichte, dass die eritreische Regierung Sympathien für den Islam und islamisch-militante Gruppen wie Rashaida und Al Shabaab hegt. Ein Bericht der UN-Beobachtergruppe für Somalia und Eritrea vom 13. Oktober 2014 weist darauf hin, dass Eritrea bei verschiedenen Gelegenheiten die islamistische Al Shabaab mit Waffen und Munition ausgestattet hat. Darüber hinaus ist Eritrea dem Bericht zufolge bestrebt, „eine Anzahl hochrangiger Kontakte in die somalische Regierung zu unterhalten, um strategischen Einfluss auf die neue Regierung zu haben." Außerdem stellen die Beobachter fest, dass „Eritrea weiterhin Beziehungen zu Warlords (Kriegerische Stammesführer) und Plünderern mit Verbindungen zur somalischen Regierung unterhält, die wiederum zum Teil Beziehungen zu Al Shabaab pflegt."

Konfessioneller Protektionismus: Der eritreische Staat erkennt offiziell drei verschiedene Kirchen an: die Eritreisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische und die Evangelisch-Lutherische. Christen außerhalb der Eritreisch-Orthodoxen Kirche müssen zudem mit Druck aus den Reihen dieser größten Kirche des Landes rechnen. Dahinter stehen zum einen theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen, zum anderen aber auch ganz pragmatische Überlegungen. Die gut organisierte Eritreisch-Orthodoxe Kirche mit ihrer langen Tradition und historischen Anerkennung betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge". Orthodoxen Kirchenführern gilt Eritrea als Heimat der Orthodoxie, in der Eritreas christliche Tradition begründet ist und neben der andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz haben.

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3. Aktuelle Einflüsse

Im Jahr 2002 erschien Eritrea erstmals unter den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex, 2004 war das Land schon unter den ersten 20. Auch wenn es in Eritrea bereits in früheren Jahren Verfolgung gegeben hat, so erlebten die Christen im aktuellen Berichtszeitraum jedoch das höchste Maß an Verfolgung – bis über die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Das eritreische Regime ist absolut autoritär und duldet keine freie Meinungsäußerung oder irgendeine Art von Organisation, aus der sich Widerspruch regen könnte. Berichten von ‚Reporter Ohne Grenzen‘ zufolge missachtet „Eritrea systematisch die freie Meinungsäußerung und das Recht auf Information. Es ist Afrikas größtes Gefängnis für Journalisten.“ Der Präsident des Landes steht auf der Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ von ‚Reporter Ohne Grenzen‘. Auf der Rangliste für Pressefreiheit liegt Eritrea seit sieben Jahren auf dem letzten Platz – noch hinter Somalia, dem Sudan, China und dem Iran. Der US-Bürgerrechtsorganisation Freedom House zufolge ist Eritrea eines der zehn schlimmsten Länder in Bezug auf Freiheit. Die Unterdrückung von Christen, vor allem aus Pfingstkirchen, ist in keinem anderen Land mit einer namhaften Zahl von Christen vergleichbar. Die Feindseligkeit der Regierung gegenüber dem christlichen Glauben und Sekten begann, als mit dem Volksentscheid 1993 die Zeugen Jehovas zur Zielscheibe wurden, was zur Verfolgung aller Kategorien von Christen im Land führte. Die Einführung eines Registrierungssystems drängte eine große Zahl von christlichen Gemeinden in die Illegalität. Die Versuche der Regierung, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, gipfelten in der Amtsenthebung des Patriarchen der Eritreisch-Orthodoxen Kirche, der seit 2007 unter Hausarrest steht. Der Machtmissbrauch seitens der Regierung und die daraus resultierenden Härten führten zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung, was letztlich 2013 zu einem Staatsstreich und dem Versuch der Amtsenthebung von Präsident Isaias Afewerki führte. Dieser Versuch schlug jedoch fehl, und Afewerki gab dem Westen und Äthiopien die Schuld für den Putschversuch. Dadurch nahm auch die Verfolgung der Christen stark zu, die von der Regierung als „Agenten des Westens“ bezeichnet werden. Dieser Vorfall ermöglichte den Muslimen, sich stärker mit der Regierung zu verbünden, frei nach dem Motto „deine Feinde sind auch meine Feinde“.

Eritrea hat beständig den Aufstieg und die Verbreitung eines extremistischen Islam am Horn von Afrika unterstützt. Die Sanktionen der UN gegen Eritrea wegen der Unterstützung islamistischer Kämpfer in der Region – besonders der Al-Shabaab – zeigen, dass die eritreische Regierung auch ein Komplize der Christenverfolger außerhalb Eritreas ist, indem sie Mittel und Methoden der Verfolgung an extremistische Muslime weitergeben. Zudem pflegt Eritrea starke Verbindungen zu der islamischen Regierung des Sudan, was zu einer negativen Einstellung gegenüber Christen in und außerhalb Eritreas führt. Neben dem Sudan gib es auch Beziehungen zu Staaten wie Katar, dem Iran oder Saudi-Arabien, in denen Christen verfolgt werden. Viele verlassen Eritrea über die Nachbarländer Sudan, Äthiopien und Ägypten und werden zu einer leichten Beute für Menschenhändler, vor allem in der Wüste Sinai. Einige von ihnen wurden gefangen genommen und in Libyen von Anhängern des IS enthauptet. Anderen gelang die gefährliche Reise per Boot über das Mittelmeer nach Europa. Die Situation in Eritrea trägt folglich zur globalen Flüchtlingskrise bei. Auf internationaler Ebene ist Eritrea eines der beiden afrikanischen Länder, die vom Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika wegen starken Verstoßes gegen die Religionsfreiheit als „Country of Particular Concern“ (Land besonderer Besorgnis) eingestuft wurden. Ein Flüchtling erklärte: „Im Land gibt es fast keine jungen Leute mehr – manche von ihnen sind im SAWA, dem Zentrum der militärischen Grundausbildung, andere versuchen, dem Regime auf allen möglichen Wegen zu entfliehen. Das Land ist unbewohnbar geworden.“ Deshalb stellen Robert P. George und Thomas J. Reese von der USCIRF (US-Kommission für internationale Religionsfreiheit) die Frage: „Könnte Eritreas ‚Erfolgsgeschichte‘ in puncto Verbrechen gegen die Menschenrechte und Religionsfreiheit einen Verweis an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag rechtfertigen?“

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Ungefähr 50 Prozent der eritreischen Bevölkerung haben einen christlichen Hintergrund. Es gibt vier Kategorien von Christen in Eritrea:

Ausländische Christen: Die hauptsächliche Bedrohung dieser Christen geht von der Regierung aus. Aufgrund des Drucks der Regierung nimmt die Anzahl der Ausländer massiv ab.

Christen aus traditionellen Kirchen: Zu dieser Gruppe gehören die Eritreisch-Orthodoxe Kirche, die Anglikaner, die Evangelisch-Lutherische sowie die Römisch-Katholische Kirche. Ihre Anhänger leben hauptsächlich in den überwiegend von Christen bewohnten Gebieten in Zentral- und Süd-Eritrea. Sie erleiden Verfolgung durch die Regierung und durch islamische Extremisten.

Konvertiten: Dies sind Christen, die traditionelle Kirchen verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, sowie Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben. Der ersten Kategorie widerfährt Verfolgung durch die Eritreisch-Orthodoxe Kirche, der zweiten Kategorie durch ihre muslimischen Familien und der muslimischen Gesellschaft.

Protestantische Freikirchen: Diese Gruppe – speziell die Pfingstkirche – erfährt massive Verfolgung, insbesondere durch Regierungsbeamte und durch die Eritreisch-Orthodoxe Kirche.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Eritreische Christen erleiden massiven Druck und sind verschiedentlich Gewalt verursacht von drei Triebkräften und vielen Akteuren ausgesetzt.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Eritrea zeigt die Werte für Diktatorische Paranoia, Islamischen Extremismus und Konfessionellen Protektionismus. Der Durchschnittswert der ersten fünf Balken (15,808), die den Druck auf Christen zeigen, ist höher als im vergangenen Jahr (15,100). Der Balken für Gewalt ist deutlich höher: Auf dem WVI 2015 mit 3,889 Punkten angegeben, zeigt er nun 10,185 Punkte. Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Lage für Christen in Eritrea innerhalb des Berichtszeitraums verschlechtert hat. Die Verfolgung ist in allen Lebensbereichen schwer, aber am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Geselllschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“. Die Maximalwerte in diesen Bereichen werden durch die Überlappung der drei einflussreichen Triebkräfte von Verfolgung in diesem Land verursacht.

Privatleben: Die Regierung hat es besonders auf den Einzelnen in seinem Privatleben abgesehen und macht den Alltag für jeden sehr schwierig und kompliziert. Open Doors Feldforscher haben beispielsweise festgestellt: „Materialien zu besitzen, die nicht der registrierten Kirche zuzuordnen sind, ist sehr riskant. Viele wurden verhaftet, weil sie solche Materialien besaßen oder benutzten. Selbst die registrierten Kirchen dürfen Verteilmaterialien weder drucken noch importieren, ohne genaue Prüfung seitens der Regierung.“ Konfessioneller Protektionismus und Islamischer Extremismus stellen in vielerlei Hinsicht Ursachen für die Schikanierung von Christen dar. Besonderen Druck erfahren Christen mit muslimischem Hintergrund. Beispielsweise werden diese aus ihrem Zuhause geworfen und ihnen wird der Zugang zu lebenswichtigen Gütern seitens der Nachbarschaft verwehrt.

Familienleben: Christliche Familien lösen sich langsam auf, weil Familienmitglieder durch die Regierung verhaftet und verschleppt werden. Der Konfessionelle Protektionismus führt außerdem zu der Verweigerung von Erbschaften und familienbezogenen Rechten für Christen. Der Islamische Extremismus führt dazu, dass Christen in Regionen, die hauptsächlich von Muslimen dominiert werden, vielfältige Schwierigkeiten erleben. Beispielsweise können Christen muslimischer Herkunft keine öffentliche christliche Heirat durchführen und im Todesfall werden sie nach muslimischem Ritus begraben.

Gesellschaftliches Leben: Nach Aussagen eines Open Doors Feldforschers wirbt die Regierung Helfer in der Nachbarschaft an, um alle christlichen Aktivitäten im Ort auszuspionieren. Daraus ergeben sich zunehmend so seltsame Allianzen, dass beispielsweise Muslime die Aktivitäten protestantischer freikirchlicher Christen in ihrer Region im Auftrag der Regierung überwachen, vor allem jedoch die Missionstätigkeit unter Muslimen.

Leben im Staat: Das Leben im Staat scheint sich für Christen mit jedem Tag zu verschlechtern. Die hohe Punktzahl dieser Kategorie weist auf die Einstellung und das Verhalten der eritreischen Regierung gegenüber Christen hin. Gleichzeitig muss gesagt werden, dass im Vergleich zu Christen anderer Kirchen die Mitglieder der Eritreisch-Orthodoxen Kirche relative Freiheit genießen. Diese werden von der Regierung als weniger westlich und damit als patriotischer und kontrollierbarer eingestuft. Das Land ist dafür bekannt, dass es Christen zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Gemäß Artikel 6 der Bekanntmachung zum Wehrdienst Nr. 82/1995 vom Jahr 1995 ist jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet, am Wehrdienst teilzunehmen. Die Bekanntmachung lässt keine Ausnahme für Bürger zu, die sich aus religiösen Gründen nicht einschreiben wollen. Religiöse Gruppen erleben demnach große Schwierigkeiten, wenn sie den Dienst verweigern oder den Dienst abbrechen.

Kirchliches Leben: Die eritreische Regierung setzt die Kirche massiv unter Druck. Religiöse Gruppen müssen sich in Eritrea entweder registrieren lassen oder ihre Tätigkeit einstellen. Eine offizielle Registrierung zu erlangen, ist jedoch äußerst kompliziert. Die Regierung mischt sich zudem in die Wahl religiöser Leiter ein. Beispielsweise steht der Eritreisch-Orthodoxe Patriarch, Abune Antonios, seit Mai 2007 unter Hausarrest. Darüber hinaus können religiöse Gruppen keine Dokumente/Materialien drucken oder verteilen, ohne vorher die Erlaubnis der Religionsbehörde erhalten zu haben.

Auftreten von Gewalt: Als Resultat staatlich verhängter Gewalt ziehen viele eritreische Christen die Auswanderung auf lebensgefährlichen Routen durch den Sudan und Libyen einem Bleiben in ihrem Land vor. Häuser von Christen wurden geplündert, attackiert und beschädigt. Zudem wurde bekannt, dass Mitarbeiter des eritreischen Sicherheitsdienstes in die systematische Folter und Prügel von Christen involviert waren. Es wurden über 30 Christen getötet, unter ihnen drei Schwestern, die versuchten, das Land zu verlassen. (Feldberichten zufolge wurden über 30 – um die 38 – Christen bei dem Versuch, aus Eritrea zu fliehen, getötet. Einige starben während des Berichtszeitraums im Gefängnis. Allerdings wurden nur 11 Fälle bestätigt. Für die Wertung macht es aber keinen Unterschied, ob 11 oder 30 Christen getötet wurden.) Andere Christen werden von der Regierung unter miserablen Bedingungen gefangen gehalten, beispielsweise in Schiffscontainern, die sengender Hitze ausgesetzt sind. Über die Jahre hinweg wurden Tausende Christen inhaftiert, einige von ihnen sind seit über 11 Jahren im Gefängnis. Ebenso wurden zwei Ärzte aufgrund ihres Glaubens inhaftiert. Einige dieser Gefängnisse sind den Polizeistationen in Asmara zugeordnet, Mai Sirwa, Adi Abieto (hier werden neuerdings auch Christen inhaftiert), Keren (neu), Assab, Hashferai, Barentu, Mai Idaga oder Alla (neu). Viele Gefangene werden gezwungen, viele Stunden in gewerblich betriebenen Blumenfeldern zu arbeiten.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Der bereits erwähnte Bericht des UN-Untersuchungsausschusses sagt: „Das Land wird von der Angst regiert, nicht vom Gesetz.“ Es steht unter der starken Kontrolle eines absoluten Diktators, die Folge ist eine weitverbreitete Unzufriedenheit mit dem eritreischen Regime. Den Aufzeichnungen des Weltverfolgungsindex zufolge hat sich die Situation für Christen in Eritrea seit 2003 verschlechtert und Berichte lassen vermuten, dass Furcht weiterhin die Atmosphäre in der eritreischen Gesellschaft prägen wird. Dies zeigt sich unter anderem an der steigenden Zahl von eritreischen Flüchtlingen, die das Land durch den Sudan, Ägypten und dann Israel verlassen. Während die Regierung alles unternimmt, um an der Macht zu bleiben, ist die Zunahme des Islamischen Extremismus ein besorgniserregender Trend, da ein Bevölkerungsanteil von etwa 50 Prozent muslimisch ist, und dieser gefährdet ist, radikalisiert zu werden. Zudem setzt die Eritreisch-Orthodoxe Kirche Christen in protestantischen Freikirchen massiv unter Druck, vergleichbar der Situation in Äthiopien.

Bei Betrachtung dessen, was in den vergangenen Jahren geschehen ist und der gegenwärtigen Situation, könnte die Zukunft wie folgt aussehen: Die Not der eritreischen Christen wird andauern, genauso wie ihr Leiden in den Händen von Menschenhändlern in benachbarten Länder. Die eritreische Regierung wird weiterhin Christen dazu zwingen, der nationalen Armee beizutreten, ohne deren Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten. Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche und die extremistisch ausgerichteten Muslime werden weiterhin Christen, die sich protestantischen Freikirchen anschließen sowie Christen muslimischer Herkunft verfolgen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea:

  • um Kraft, Trost, Ausdauer und Mut für die rund 1000 inhaftierten Christen
  • um ein Aufhören aller Folter und Brutalität
  • für die Regierung, damit die Gesetze gegen die Religionsfreiheit aufgehoben werden

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