Spenden Sie jetzt 
 
Länderprofil Indien

Indien

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen



Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

WVI 2017: 73 Punkte / Platz 15 (WVI 2016: 68 Punkte / Platz: 17)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Christen in Indien haben vor allem unter „Religiös motiviertem Nationalismus“ und in geringerem Maß unter „Islamischer Unterdrückung“ sowie unter „Kommunistischer Unterdrückung“ zu leiden. Außerdem sind die Christen Tag für Tag mit „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ konfrontiert, die sich allerdings nicht gezielt gegen sie richten.

Aktuelle Einflüsse

Seit Mai 2014 wird Indien von der Bharatiya Janata Partei (BJP) unter Ministerpräsident Narendra Modi regiert. Seitdem hat der extremistische Hinduismus, der bereits unter der Vorgängerregierung spürbar war, an Einfluss deutlich zugenommen. Trotz wachsender Intoleranz und häufiger Angriffe auf Angehörige religiöser Minderheiten, unternimmt die Zentralregierung gegen die Täter nichts. Die Hindu-Extremisten sehen sich dadurch dazu ermutigt, ihre Aktionen auszuweiten; der Mangel an Strafverfolgung ist größer als je zuvor.

Betroffene Kategorien von Christen

In Indien sind alle vier Kategorien von Christen vertreten; sie erleben Verfolgung in unterschiedlichem Maß. Gemeinschaften von ausländischen oder eingewanderten Christen beteiligen sich zumeist nicht aktiv an der Weitergabe des Evangeliums, so dass sie keinen Angriffen ausgesetzt sind. Christen aus traditionellen Kirchen erleben immer wieder Vandalismus vonseiten extremistischer Hindus. Christen mit hinduistischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung. Sie stehen kontinuierlich unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren und werden häufig tätlich angegriffen, teilweise sogar getötet. Christen aus protestantischen Freikirchen sind ebenfalls ein Hauptziel, da sie häufig aktiv das Evangelium verbreiten. Sie werden regelmäßig von extremistischen Hindus angegriffen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen hat sich im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2017 stark erhöht und liegt in allen Lebensbereichen auf einem sehr hohen Niveau. Dies ist typisch für eine Situation, in der mehrere Triebkräfte der Verfolgung zusammenwirken.
  • Der größte Druck herrscht im Bereich „Leben im Staat“.
  • Religiös motivierter Nationalismus ist die Hauptantriebskraft der Verfolgung und ist in allen Lebensbereichen präsent.
  • Islamische Unterdrückung wirkt sich in den Lebensbereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „gesellschaftliches Leben“ am stärksten aus und wird vom sozialen Umfeld der Christen muslimischer Herkunft ausgeübt.
  • Der Druck vonseiten naxalitischer Kommunisten (der alle Kategorien von Christen betrifft), wirkt sich am spürbarsten im „gesellschaftlichen Leben“ und im „kirchlichen Leben“ aus.
  • Das Ausmaß gewalttätiger Angriffe gegen Christen lag bereits im Vorjahr auf extrem hohem Niveau. Im aktuellen Berichtszeitraum ist die Bewertung noch weiter gestiegen. Indien verzeichnet einen der höchsten Werte im Bereich „Auftreten von Gewalt“ im Weltverfolgungsindex 2017.
  • Die Gesamtsituation der Christen hat sich in Indien seit dem Vorjahr erheblich verschlechtert.

Ausblick

Extremistische Hindus gehen vermehrt straffrei aus, wenn sie Muslime oder Christen angreifen. Das führt bei den meisten Christen zu verstärkter Angst und Unsicherheit. Dieser gefährliche Trend der Untätigkeit der Regierung bei Angriffen auf Minderheiten wird eine weitere Zunahme der Gewalt in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich weiter begünstigen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis



Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 73 Punkten belegt Indien den 15. Platz auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm Indien mit 68 Punkten Rang 17 ein. Dieser Punktanstieg weist auf ein erhöhtes Maß an Druck auf Christen in fast jedem Lebensbereich hin, verbunden mit einer Zunahme an Gewalt. Die Verfolgung geht hauptsächlich von extremistischen Hindus und Maoisten aus, extremistische Muslime verstärken den Druck zusätzlich.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Indien sind „Religiös motivierter Nationalismus“, in geringerem Ausmaß auch „Islamische Unterdrückung“ und „Kommunistische Unterdrückung“. Außerdem sind die Christen Tag für Tag mit „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ konfrontiert, die sich allerdings nicht gezielt gegen sie richten.

Religiös motivierter Nationalismus: Die unterschiedlichen Hindu-Organisationen sind in ihrem Auftreten seit Jahren zunehmend fordernd und aggressiv. Sie verkünden, Indien gehöre dem Hinduismus und andere Religionen müssten aus dem Land vertrieben werden. Extremistischer Hinduismus ist mit Abstand die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Indien. Er ist allgegenwärtig, lautstark und sehr gewalttätig. Aber auch von diversen anderen extremistischen Gruppen geht Verfolgung aus, wie etwa von extremistischen Buddhisten in Ladakh, Neo-Buddhisten in Maharashtra und Uttar Pradesh sowie extremistischen Sikhs in Punjab.

Islamische Unterdrückung: In Jammu und Kashmir sowie in Assam sind mehrere islamistische Gruppierungen aktiv. Auch Al Kaida hat vor kurzem Aktivitäten in Assam, Gujarat und anderen Orten aufgenommen. In mehrheitlich von Muslimen bewohnten Regionen (z.B. Jammu und Kashmir, Westbengalen) werden Christen von Muslimen verfolgt.

Kommunistische Unterdrückung: Die 1967 entstandene maoistischen Bewegung, auch als Naxaliten bekannt, wurde von der indischen Regierung erst vor kurzem als ernsthaftes Problem eingestuft. Die Naxaliten kontrollieren große Teile der ärmeren Bundesstaaten (Chhattisgarh, Jharkhand, Bihar etc., bekannt als der „Rote Korridor“) und verüben unter anderem militärische Aktionen sowie Anschläge auf Regierungsgebäude und Eisenbahnstrecken. In den letzten Jahren wurden in dieser Region mehrere Tausend Christen aus ihren Dörfern vertrieben. Die Anzahl von Angriffen, die von dieser Gruppe auf Christen verübt wurde, ist noch relativ gering. Werden Christen jedoch verdächtigt, Polizeispitzel zu sein, schrecken die Naxaliten nicht vor Angriffen zurück.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

3. Aktuelle Einflüsse

Indien ist eine Mischung aus Kulturen, Ethnien und Sprachen und ist äußerst bevölkerungsreich: Laut den Vereinten Nationen besitzt Indien die weltweit zweitgrößte Bevölkerung (nur in China leben mehr Menschen).

Das jahrhundertealte Kastensystem ist so tief in der indischen Seele verwurzelt, dass seine Abschaffung nahezu unmöglich ist. Selbst Religionen, die das Kastensystem nicht anerkennen und eine Lehre der Gleichheit aller Menschen vertreten, sind von dem System geprägt, das sie eigentlich bekämpfen. Der Islam, die Sikh-Religion und auch das Christentum sind dafür Beispiele. Obwohl die Regierung das Kastensystem verboten hat, kommt die indische Nation nicht davon los; Menschen niederer Kasten und Unberührbare (Dalits und Tribals) werden weiterhin schlecht behandelt und als nicht gleichwertig angesehen. Zahlreiche Beobachter sprechen sogar von einem „rassistischen“ System.

Seit Mai 2014 wird Indien von der Bharatiya Janata Partei (BJP) unter Ministerpräsident Narendra Modi regiert. Seitdem hat der extremistische Hinduismus, der bereits unter der Vorgängerregierung spürbar war, an Einfluss deutlich zugenommen. Trotz wachsender Intoleranz und häufiger Angriffe auf Angehörige religiöser Minderheiten, unternimmt die Zentralregierung gegen die Täter nichts. Die Hindu-Extremisten sehen sich dadurch dazu ermutigt, ihre Aktionen auszuweiten; der Mangel an Strafverfolgung ist größer als je zuvor.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 starteten extremistische Hindus die „Zurück-zu-den-Wurzeln-Kampagne“ („Ghar Vapsi“). Auf diesem Weg sollen Muslime und Christen zurück zum Hinduismus gelockt werden. Es wurden bereits einige große Veranstaltungen durchgeführt, bei denen Hunderte zum Hinduismus zurückgekehrt sind. Die Kampagne erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 2015 und Anfang 2016.

Gleichzeitig gibt es Bemühungen von Seiten der BJP-Abgeordneten, ein landesweites Anti-Bekehrungsgesetz zu verabschieden. Bisher existieren solche Gesetze in fünf Bundesstaaten. Sie untersagen allerdings lediglich die Abkehr vom Hinduismus – eine Bekehrung zum Hinduismus wird als „Rückkehr zu den Wurzeln“ eingestuft.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

4. Betroffene Kategorien von Christen

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Es gibt mehrere dieser Gemeinschaften im Land. Zu ihnen gehören nicht nur Christen aus der westlichen Welt, die in Indien leben und ihre eigenen Kirchengemeinden haben, sondern auch Flüchtlinge. Ein Beispiel ist eine afghanische Gemeinschaft, die sich in Neu-Delhi versammelt. Diese Art von Gemeinschaften zieht nur selten den Zorn der extremistischen Hindus auf sich. Einerseits, weil sie eine sehr homogene ethnische Zusammensetzung aufweisen, andererseits sind diese Gemeinschaften zumeist nicht sehr aktiv darin, das Evangelium an Inder weiterzugeben.

Christen aus traditionellen Kirchen: Die Mitglieder dieser Kirchen sind schon seit vielen Jahrhunderten in Indien vertreten. Die ersten von ihnen kamen im dritten Jahrhundert ins Land. Zu diesem Zeitpunkt wurde die „Kerala Mar Thoma Kirche“ gegründet. Diese Kirchen wachsen nur sehr langsam, weil sie kaum Außenstehende ansprechen, sondern vor allem innerhalb ihrer Gemeinschaft tätig sind. Trotzdem wird auch diese Gruppe manchmal von extremistischen Hindus angegriffen, indem Kirchen und Grabstätten verwüstet sowie Jesus-Statuen und Kreuze zerstört werden.

Christen hinduistischer Herkunft: Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Indien zu leiden. Diese Christen werden täglich drangsaliert und stehen konstant unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren. Sie werden oft massiv tätlich angegriffen und manchmal sogar getötet. Sie leben meist in ländlichen Gebieten, wo sie dem Druck von Familie und Freunden, ihrem Umfeld, von lokalen Hindu-Geistlichen sowie Hindu-Extremisten ausgesetzt sind.

Christen anderer religiöser Herkunft (ehemalige Muslime, Buddhisten oder Sikhs) erleben ebenfalls Druck aus ihrem sozialen Umfeld, ihre Zahl ist jedoch deutlich kleiner. Christen mit muslimischem Hintergrund erleben nur dort Verfolgung, wo Muslime einen großen Teil der Bevölkerung stellen.

Christen aus protestantischen Freikirchen (z.B. Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden): Nach Konvertiten gelten diese Christen als zweitwichtigstes Ziel der Hindu-Extremisten, da sie aktiv die Ausbreitung des Evangeliums betreiben. Sie sind regelmäßig Angriffen ausgesetzt.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Indien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Indien:

  • Der Durchschnittswert der ersten fünf Blöcke (11,895), welche den Druck auf Christen in den fünf Lebensbereichen darstellen, ist im Vergleich zum Vorjahr (10,856) angestiegen.
  • Der stärkste Druck herrscht im Bereich „Leben im Staat“ mit einem Wert von 13,737. In allen Bereichen bewegt sich der Wert auf einem sehr hohen Niveau. Dies ist typisch für eine Situation, in der mehrere Triebkräfte der Verfolgung zusammenwirken. Religiös motivierter Nationalismus ist die stärkste Triebkraft und beeinflusst alle Lebensbereiche.
  • Islamische Unterdrückung wirkt sich in den Lebensbereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „gesellschaftliches Leben“ am stärksten aus und entspringt hauptsächlich dem sozialen Umfeld der Christen muslimischer Herkunft. Der Druck vonseiten naxalitischer Kommunisten (der alle Kategorien von Christen betrifft), ist im „gesellschaftlichen Leben“ und dem „kirchlichen Leben“ am stärksten spürbar.
  • Indien verzeichnet eine der weltweit höchsten Wertungen im Bereich Auftreten von Gewalt. Mit 13,519 Punkten ist das Niveau gegenüber dem Vorjahr (13,334) sogar noch leicht angestiegen.
  • Insgesamt geht die Verfolgung von Christen in Indien hauptsächlich auf extremistische Hindus zurück.

Privatleben: Ein Glaubenswechsel wird nicht nur sozial geächtet, sondern er ist auch in fünf Bundesstaaten per Gesetz verboten: Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Himachal Pradesh und Gujarat. Wenn Christen in Verdacht geraten, ihren Glauben aktiv weiterzugeben, werden ihre Häuser sowohl von nicht-staatlichen Akteuren als auch von der Polizei durchsucht. Die dabei entdeckte Literatur wird vernichtet oder beschlagnahmt. Es kann gefährlich sein, sich als Christ zu erkennen zu geben. Drohungen in sozialen Medien sind an der Tagesordnung. Auf dem Land lösen sichtbare Zeichen für einen anderen Glauben als den Hinduismus (oder den Islam) schnell Aggressionen aus, da die Menschen damit automatisch Bekehrungs- oder Missionierungsversuche verbinden. Private Versammlungen zum Gottesdienst stellen ein Risiko dar. Überall im Land werden christliche Aktivitäten überwacht. Es gibt Beweise für die digitale Überwachung christlicher Leiter durch extremistische Hindus. Der Druck auf Christen ist zwar in ländlichen Gebieten am stärksten sichtbar, es gibt jedoch auch entsprechende Berichte aus Metropolen wie Delhi oder Mumbai.

Familienleben: Nicht nur die Kinder ehemaliger Hindus, sondern auch die Konvertiten selbst wurden bei der Volkszählung 2011 als Hindus registriert. Ehemalige Hindus und Mitglieder unabhängiger protestantischer Gemeinden haben es schwer, eine christliche Hochzeit abzuhalten, wenn in ihren Orten extremistische Hindu-Gruppierungen aktiv sind. In Dörfern und Kleinstädten und manchmal sogar in größeren Städten sind wiederholt Taufen behindert worden, besonders bei Großveranstaltungen wie evangelistischen Gottesdiensten und Heilungsabenden. Aus Nord- und Zentralindien liegen Berichte von christlichen Beerdigungen vor, die durch extremistische Hindus gestört wurden. In manchen Fällen wurden die Familien dazu gezwungen, ihre Angehörigen durch Einäscherung des Leichnams nach hinduistischer Sitte zu beerdigen. Es ist Christen gesetzlich verboten, Kinder zu adoptieren. Christliche Kinder müssen an den meisten großen Schulen Yoga und Surya Namaskar (Anbetung der Sonne) praktizieren. Dabei herrscht Anwesenheitspflicht. Einige Christen mit hinduistischem Hintergrund haben Verfolgung durch Familienmitglieder erlebt. Einige ehemalige Hindus wurden Berichten zufolge sogar von ihren eigenen Eltern angegriffen und getötet. Über diese Vorfälle wird in den Massenmedien nicht berichtet.

Gesellschaftliches Leben: Drohungen und Behinderungen, die mit der Glaubenszugehörigkeit zu tun haben, sind durch zahlreiche landesweite Kampagnen und „Rückbekehrungs“-Bewegungen intensiver geworden. Dies gehört für Christen aller Kategorien mittlerweile zum Alltag. Christen, die in einem hinduistischen Umfeld leben, können sich bestimmten Verpflichtungen oder religiösen Ritualen nicht vollständig entziehen. Der Druck, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, kommt von allen Seiten und ist systematisch aufgebaut: Extremistische Hindus drohen Christen physische Gewalt an; Hindupriester versuchen, die Christen mit lautem Singen und Beten in den Dorfgemeinschaften zu indoktrinieren. Teils organisierte soziale Diskriminierung von christlichen Angestellten in Behörden und in der Privatwirtschaft ist weit verbreitet. So wird ihnen beispielsweise aufgrund von vorgeschobenen Gründen eine Beförderung verwehrt. Die Korruption verschlimmert die Situation.

Leben im Staat: Derzeit wird über die Verabschiedung eines landesweiten Anti-Bekehrungsgesetzes diskutiert. In den meisten ländlichen Gebieten ist es nur schwer möglich, eine Hinwendung zum christlichen Glauben registrieren zu lassen. Im Umgang mit den Behörden werden Christen oft diskriminiert. Unter den Behördenmitarbeitern gibt es zwar einige Christen, doch falls ihr Vorgesetzter zu den Hindu-Nationalisten zählt, werden sie bei Beförderungen häufig übergangen. Bekehrt sich ein Behördenmitarbeiter zum christlichen Glauben, muss er mit dem Verlust seiner Arbeitsstelle rechnen. Die Medienwelt setzt sich zu über 90 Prozent aus Hindus der höheren Kasten zusammen und ist Christen gegenüber schon immer voreingenommen gewesen. Es ist für politisch-religiöse Hindu-Gruppen normal, unabhängige Pastoren und Kirchenaktivisten auf Grundlage der berüchtigten Blasphemie-Gesetze zu schikanieren. Verbrechen gegen die christliche Gemeinschaft werden nur selten bestraft – Straffreiheit ist zur Regel geworden.

Kirchliches Leben: Hindu-Gruppen überwachen die Kirchen und stören regelmäßig Versammlungen. Der Bau neuer Kirchengebäude ist in ländlichen und sogar in städtischen Gebieten oft mit großem Widerstand verbunden. Viele ältere Kirchengebäude werden aufgrund bürokratischer Hürden und wegen der herrschenden Korruption nicht renoviert. Aktivitäten außerhalb der kirchlichen Räumlichkeiten werden fast immer als Missionierungsversuche verstanden. Werden Christen angegriffen, konzentrieren sich die Täter häufig auf die Pastoren und Leiter. Dabei kommt es nicht selten zu schweren Misshandlungen, um ein Exempel zu statuieren. Das Verteilen von Schriften und Bibeln wird auf dem Land und sogar in der Stadt von extremistischen Hindus behindert, da es direkt mit christlicher Missionierung verbunden wird. Indien hat seit den späten 1960er Jahren keine Missionars-Visa mehr ausgestellt. Nicht nur christlichen Missionaren aus dem Ausland wird die Einreise ins Land verwehrt, selbst für Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und Journalisten wird es zunehmend schwieriger, Visa zu erhalten. Vandalismus, Schändung und Zerstörung von christlichen Symbolen sind ein häufig auftretendes Problem, insbesondere in ländlichen Regionen und Vorstadtgebieten. Missionare und Pastoren, die andere Kirchen besuchen, werden regelmäßig von der Polizei befragt, ebenso wie die Gastgeber und Teilnehmer der Veranstaltungen.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung gestaltet sich in Indien extrem gewalttätig. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Ausmaß von Gewalt erneut angestiegen. Trotz der hohen Anzahl berichteter Vorfälle muss davon ausgegangen werden, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Über viele Vorfälle wird weder in den Medien berichtet noch werden sie anderweitig erfasst. Im Berichtszeitraum wurden mindestens acht Christen wegen ihres Glaubens ermordet. Mindestens 21 Kirchen oder kirchliche Gebäude wurden angegriffen und beschädigt. Mehr als 100 Christen wurden in Indien inhaftiert. Über zehn Christen wurden entführt und wenigstens zehn christliche Frauen vergewaltigt. Mehr als 800 Christen wurden tätlich angegriffen. In mindestens zwölf Fällen wurden Häuser oder das Eigentum von Christen angegriffen und beschädigt. Mindestens 164 Christen wurden aus ihren Häusern verjagt. Die tatsächliche Anzahl dürfte in den genannten Bereichen deutlich höher liegen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Extremistische Hindus gehen vermehrt straffrei aus, wenn sie Muslime oder Christen angreifen. Das führt bei den meisten Christen zu verstärkter Angst und Unsicherheit. Dieser gefährliche Trend der Untätigkeit der Regierung bei Übergriffen gegen Minderheiten wird die Zunahme von Gewalt in den kommenden Jahren weiter begünstigen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • Das Durchsetzungsvermögen aller Arten von hinduistischen Organisationen hat sich in den letzten Jahren erhöht. Sie beanspruchen Indien für den Hinduismus. Bitte beten Sie für Christen hinduistischer Herkunft, die mit Gewalt gezwungen werden sollen, zum Hinduismus zurückzukehren.
  • Beten Sie für Gottes Versorgung und Schutz für die Christen, die mutig das Evangelium in den Bundesstaaten mit Anti-Konversionsgesetzen verkündigen. Beten Sie, dass sie in ihren Bemühungen das Evangelium zu verbreiten, weise sind.
  • Beten Sie bitte für die christlichen Mädchen, die von ihren Eltern wegen ihres Glaubens unter Hausarrest gestellt wurden. Bitte beten Sie, um eine Ermutigung ihres Glaubens und dass ihre Eltern Jesus Christus kennenlernen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis