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Länderprofil Indien

Indien

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 68 Punkte / Rang 17
(Weltverfolgungsindex 2015: 62 Punkte / Rang 21)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Christen in Indien haben vor allem unter „Religiösem Nationalismus“ und in geringerem Maß unter „Islamischem Extremismus“ sowie unter „Kommunistischer Unterdrückung“ zu leiden. Außerdem sind die Christen Tag für Tag mit „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ konfrontiert, die sich allerdings nicht speziell gegen sie richtet.

Aktuelle Einflüsse: Seit Mai 2014 wird Indien von der Bharatiya Janata Partei (BJP) regiert, angeführt von Ministerpräsident Narendra Modi. Im Ergebnis hat dies zu einem stetigen Anwachsen des extremistischen Hinduismus, der bereits unter der Vorgängerregierung vorhanden war, geführt. Obwohl Intoleranz immer mehr zunahm und Minderheiten ständig angegriffen wurden, sprach sich die Zentralregierung nicht gegen diese Übergriffe aus. Hindu-Extremisten sahen sich dadurch dazu ermutigt, ihre Taten zu intensivieren; es kam zu einer beachtlichen Steigerung ungestrafter Vergehen.

Betroffene Kategorien von Christen: In Indien sind alle Kategorien von Christen vertreten und sie alle sind von Verfolgung betroffen, aber Konvertiten und Protestantische Freikirchen werden am stärksten verfolgt.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Die Atmosphäre in Indien hat sich seit den Wahlen im Mai 2014 verändert. Der Druck auf die Christen verstärkte sich in allen Lebensbereichen und äußert sich zudem in einer Zunahme gewaltsamer Übergriffe (ein weiterer Anstieg verglichen zum letzten Jahr). Christen können sich nirgendwo sicher fühlen. Da die Zentralregierung unter Ministerpräsident Narendra Modi die Angriffe der Hindu-Extremisten ignoriert und somit das Ausmaß an ungeahndeten Vergehen wächst, fühlen diese sich darin bestätigt, ihre Angriffe fortzuführen.

Ausblick: Extremistische Hindus kommen vermehrt ungestraft davon, wenn sie Muslime oder Christen angreifen. Aus diesem Grund breitet sich unter den meisten Christen Angst und Unsicherheit immer weiter aus. Dieser gefährliche Trend der Untätigkeit der Regierung bei Angriffen auf Minderheiten wird die Zunahme von Gewalt in den kommenden Jahren weiter begünstigen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 68 Punkten belegt Indien Platz 17 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Das entspricht einem Anstieg um sechs Punkte gegenüber dem Jahr 2015 (62 Punkte), als Indien Rang 21 einnahm. Diese Zunahme erklärt sich durch das gewachsene Ausmaß von Verfolgung in allen Lebensbereichen, besonders jedoch im Bereich der Gewalt. Die stärkste Verfolgung geht mit Abstand von extremistischen Hindus aus, doch auch Maoisten und Muslime erhöhen den Druck auf die Christen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Christen in Indien haben vor allem unter „Religiösem Nationalismus“ und in einem geringeren Maß unter „Islamischem Extremismus“ sowie unter „Kommunistischer Unterdrückung“ zu leiden. Außerdem sind Christen Tag für Tag mit „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ konfrontiert, die sich allerdings nicht speziell gegen sie richtet.

Religiöser Nationalismus: Die Durchsetzungskraft der unterschiedlichen Hindu-Organisationen hat in den letzten Jahren zugenommen. Sie behaupten, Indien gehöre dem Hinduismus, und andere Religionen müssen aus dem Land vertrieben werden. Extremer Hinduismus ist mit Abstand die größte Triebkraft der Verfolgung in Indien. Er ist allgegenwärtig, lautstark und sehr gewalttätig. Aber auch von diversen anderen extremistischen Gruppen geht Verfolgung aus: Extremistische Buddhisten in Ladakh, Neo-Buddhisten in Maharashtra und Uttar Pradesh sowie extremistische Sikhs in Punjab.

Islamischer Extremismus: In Jammu und Kashmir sowie in Assam sind mehrere islamische Extremistengruppen aktiv, auch Al Kaida hat sich vor kurzem zu Aktivitäten in Assam, Gujarat und anderen Orten bekannt. In mehrheitlich von Muslimen bewohnten Regionen (z.B. Jammu und Kashmir, Westbengalen) werden Christen von Muslimen verfolgt.

Kommunistische Unterdrückung: Die 1967 entstandene maoistischen Bewegung, auch als Naxaliten bekannt, wurde erst vor kurzem als ernsthaftes Problem für die indische Regierung eingestuft. Begünstigt wurde die Entstehung durch das starre Gesellschaftssystem, welches als Kasten-System bekannt ist. Die Naxaliten kontrollieren große Teile der ärmeren Bundesstaaten (Chhattisgarh, Jharkhand, Bihar etc., bekannt als der „Rote Korridor") und verüben unter anderem militärische Aktionen sowie Anschläge auf Regierungsgebäude und Eisenbahnstrecken. In den letzten Jahren wurden in dieser Region mehrere Tausend Christen aus ihren Dörfern vertrieben. Die Anzahl von Angriffen, die von dieser Gruppe gegen Christen ausging, ist noch relativ gering. Werden Christen jedoch von ihnen für Polizeispitzel gehalten, schrecken sie nicht vor Angriffen zurück.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: In Indien gehört Korruption zur Tagesordnung. Wer etwas erreichen möchte, muss Bestechungsgelder zahlen. Dies betrifft jeden, nicht nur die Christen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Indien ist eine Mischung aus Kulturen, Ethnien und Sprachen und es ist dicht besiedelt: Laut Vereinten Nationen leben in Indien im Jahr 2016 1.326.802.000 Menschen, die zweithöchste Bevölkerungszahl nach China.

Das jahrhundertealte Kastensystem ist so tief in der indischen Seele verwurzelt, dass seine Änderung nahezu unmöglich ist. Selbst Religionen, die das Kastensystem nicht anerkennen und eine Lehre der Gleichheit aller Menschen vertreten, sind von dem System geprägt, das sie eigentlich bekämpfen. Der Islam, die Sikh-Religion und auch das Christentum sind dafür Beispiele. Obwohl die Regierung das Kastensystem verboten hat, kommt die indische Nation nicht davon los; Übergriffe auf Menschen niederer Kasten und Unberührbare (Dalits und Tribals) finden weiter statt. Zahlreiche Beobachter sprechen sogar von einem „rassistischen" System.

Seit Mai 2014 wird Indien von der Bharatiya Janata Partei (BJP) regiert, angeführt von Ministerpräsident Narendra Modi. Im Ergebnis hat dies zu einem stetigen Anwachsen des extremistischen Hinduismus, der bereits unter der Vorgängerregierung vorhanden war, geführt. Obwohl Intoleranz immer mehr zunahm und Minderheiten ständig angegriffen wurden, sprach sich die Zentralregierung nicht gegen diese Übergriffe aus.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 starteten die Hindus die „Zurück-zu-den-Wurzeln-Kampagne“ („Ghar Vapsi“). Mit ihr sollen Muslime und Christen zurück zum Hinduismus gelockt werden. Es wurden bereits einige große Kampagnen veranstaltet, bei denen Hunderte zum Hinduismus zurückgekehrt sind.

Gleichzeitig gibt es Bemühungen von Seiten der BJP-Abgeordneten, ein landesweit geltendes Gesetz zu verabschieden, welches das Konvertieren zu einem anderen Glauben verbietet. (Bisher gibt es ein solches Gesetz nur in fünf Bundesstaaten). Dieses Gesetz verbietet einzig die Konversion weg vom Hinduismus – ein Anschluss an den Hinduismus wird als „zurück zu den Wurzeln“ eingestuft.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Indien sind alle Kategorien von Christen vertreten und sie alle sind von Verfolgung betroffen:

Ausländischer Christen und Arbeitsmigranten: Es gibt mehrere dieser Gemeinschaften im Land. Sie bestehen nicht nur aus Christen aus der westlichen Welt, die in Indien leben und ihre eigenen Kirchengemeinden haben, sondern auch Flüchtlinge zählen dazu. Ein Beispiel ist eine afghanische Gemeinschaft, die sich in Neu-Delhi versammelt. Diese Art von Gemeinschaften zieht nur selten den Zorn der extremistischen Hindus auf sich. Einerseits, weil ihre Mitglieder nur aus den eigenen Landsleuten bestehen, andererseits geschieht eine Missionierung unter den Indern durch sie nur äußerst selten.

Angehörige von historisch gewachsenen Kirchen: Die Mitglieder dieser Kirchen sind schon seit vielen Jahrhunderten in Indien vertreten. Die ersten von ihnen kamen im dritten Jahrhundert ins Land. Zu diesem Zeitpunkt wurde die „Kerala Mar Thoma Kirche“ gegründet. Diese Kirchen wachsen nur sehr langsam, weil sie kaum Außenstehende ansprechen, sondern vor allem innerhalb ihrer Gemeinschaft dienen. Trotzdem wird diese Gruppe von extremistischen Hindus angegriffen, indem sie Kirchen und Grabstätten verwüsten sowie Jesus-Statuen und Kreuze zerstören.

Christliche Konvertiten mit hinduistischer Herkunft: Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Indien zu leiden. Diese Christen werden täglich drangsaliert und stehen konstant unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren. Sie werden oft krankenhausreif geschlagen und manchmal sogar getötet. Sie leben meist in ländlichen Gebieten, wo sie dem Druck von Familie und Freunden, ihres Umfelds und von lokalen Hindu-Geistlichen sowie Hindu-Extremisten ausgesetzt sind.

Mitglieder von protestantischen Freikirchen: (z.B. Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden) gelten als zweitwichtigstes Ziel der Hindu-Extremisten, da sie aktiv an der Ausbreitung des Evangeliums beteiligt sind. Nach den Konvertiten haben es die extremistischen Hindus besonders auf sie abgesehen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster gibt Auskunft über die Wertung für Religiösen Nationalismus, Islamischen Extremismus und Kommunistische Unterdrückung. Die ersten fünf Säulen stehen für den Druck auf Christen. Die durchschnittliche Wertung (10,856) ist mit der des Vorjahres vergleichbar (10,129). Jedoch hat sich die Punktzahl für Gewalt von 10,926 (WVI 2015) auf 13,334 gesteigert. Dieser Anstieg verdeutlicht die Tatsache, dass die radikalen Hindus ihre Übergriffe auf Christen in diesem Jahr noch verstärkt haben. Weil die Zentralregierung unter Ministerpräsident Narendra Modi nicht gegen diese Gewalttaten einschreitet, erhöht sich auch die Zahl derer, die ungestraft davonkommen. Die extremistischen Hindus fühlen sich dadurch bestätigt und berechtigt, ihre Übergriffe fortzuführen. Das unten aufgeführte Verfolgungsmuster zeigt, dass alle Lebensbereiche gleichmäßig von Verfolgung betroffen sind. Christen können sich in Indien nirgendwo sicher fühlen.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Ein Glaubenswechsel wird nicht nur sozial geächtet, sondern er ist auch in fünf Bundesstaaten ungesetzlich, in denen es ein Anti-Konversions-Gesetz gibt: Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Himachal Pradesh und Gujarat. In Arunachal Pradesh und in Rajasthan wurde das Gesetz verabschiedet, aber noch nicht umgesetzt. In Tamil Nadu wurde es beschlossen, später jedoch wieder aufgehoben. Die BJP macht kein Geheimnis aus ihrem Plan, ein landesweites Anti-Konversions-Gesetz zu verabschieden. Interessanterweise hat man selbst in Staaten ohne dieses Gesetz, wie z.B. Maharashtra, Jharkhand etc. den Eindruck, als würde es im täglichen Leben längst angewandt werden. Auch in Madhya Pradesh und Chhattisgarh, in denen es Bestrebungen gibt, das existierende Gesetz zu verschärfen, hat es den Anschein, als werde dies von der Bevölkerung vorweggenommen. Christen, die ihren Glauben aktiv weitergeben (Mitglieder protestantischer Freikirchen und Konvertiten) werden häufig überwacht. Sie werden oft während des Gottesdienstes grundlos angegriffen. Viele versammeln sich deshalb ausschließlich in ihren Wohnungen, doch wenn die falschen Menschen von diesen Treffen erfahren, können sie von nicht-staatlichen Akteuren überfallen werden. Wenn diese Christen unter den Verdacht geraten zu missionieren, werden ihre Häuser sowohl von nicht-staatlichen Akteuren als auch von der Polizei durchsucht. Die dabei entdeckte Literatur wird vernichtet oder beschlagnahmt. Für Dalits kann es gefährlich sein, wenn sie sich als Christen zu erkennen geben, Drohungen in sozialen Medien gehören zur Tagesordnung. Auf dem Land werden sichtbare Zeichen für einen anderen Glauben als den Hinduismus (oder den Islam) zu Aggressionen führen, da die Menschen dahinter automatisch eine Bekehrung oder Missionierung vermuten. Die Regierung zensiert keine christlichen Schriften, die im Internet verfügbar sind. Für Christen hinduistischer Herkunft ist es in ländlichen Gebieten jedoch nicht einfach, im Beisein anderer Menschen auf christliche Medien zuzugreifen, denn die Verfolgung geschieht meist schon durch die nächste Verwandtschaft. Aufgrund der Propaganda gegen Christen (z.B. sollen sie angeblich andere Menschen mittels Geld oder Zwang zur Umkehr bewegen) ist das Thema Glauben immer ein heikles. In den meisten Fällen wird dies zwar nicht automatisch zu Gewalt führen, doch in Gebieten, in denen der Einfluss extremistischer Hindus groß ist, ist die Gefahr entsprechend größer. Dies kann auch zum Kappen der Bindungen von Großfamilien führen. Private Versammlungen zum Gottesdienst sind nicht sicher und christliche Aktivitäten werden überall im Land überwacht. Obwohl nicht gesetzlich vorgeschrieben, müssen Versammlungen, die aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Besucher verzeichnen werden als erlaubt, der Polizei gemeldet werden. Es gibt auch Belege für die digitale Überwachung christlicher Leiter. In manchen Fällen werden ehemalige Hindus unter Hausarrest gestellt. Das passiert zwar meistens in ländlichen Gebieten, es gibt jedoch auch Berichte aus Metropolen wie Delhi oder Mumbai.

Familienleben: Nicht nur die neugeborenen Kinder ehemaliger Hindus, sondern auch Konvertiten selbst werden bei der Volkszählung als Hindus registriert. Werden sie darauf hingewiesen, dass es sich um Christen handelt, verlangen die Behörden Taufurkunden, obwohl es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt. Ehemalige Hindus und Mitglieder unabhängiger protestantischer Gemeinden haben es schwer, eine christliche Hochzeit abzuhalten, wenn dort extremistische Hindu-Gruppierungen aktiv sind. Zeremonien dieser Art werden als christliche Äußerungen verstanden und manchmal sogar als Missionierungsversuch interpretiert. Dies gilt besonders in Gebieten, in denen es nur Hauskirchen oder unabhängige protestantische Gemeinden gibt. In Dörfern und Kleinstädten und manchmal sogar in größeren Städten sind wiederholt Taufzeremonien verhindert worden, besonders bei religiösen Massenveranstaltungen und bei evangelistischen sowie Heilungsgottesdiensten. Es gibt Berichte von christlichen Beerdigungen, die in Nord- und Zentralindien von extremistischen Hindus gestört wurden. In manchen Fällen wurde trotz Vorlage einer Taufurkunde eine Einäscherung des Leichnams nach hinduistischer Sitte erzwungen. Es ist Christen gesetzlich verboten, Kinder zu adoptieren. Adoptionswillige Christen berufen sich auf das Gesetz zum Schutz von Jugendlichen, auch wenn dies mehr ein Schlupfloch und weniger Recht ist. Christliche Kinder müssen an den meisten großen Schulen Yoga und Surya Namaskar (Anbetung der Sonne) praktizieren. Es herrscht Anwesenheitspflicht und gilt für ganz Indien. Verfolgung durch Familienmitglieder ist weit verbreitet, besonders in Form von Hausarrest für Mädchen. Dies wird von den Massenmedien niemals berichtet. Es kam vor, dass ehemalige Hindus von ihren eigenen Eltern angegriffen und manche sogar getötet wurden. Im hinduistischen Personenstandsrecht ist die Hinwendung zu einem anderen Glauben ein anerkannter Scheidungsgrund. Das Erbschaftsgesetz von 1956 besagt, dass ein vom Hinduismus Abgefallener trotzdem erben darf. Direkte Nachkommen dieses Erben dürfen jedoch nur dann die Erbschaft eines Hindus antreten, wenn sie sich noch vor dem Tod des Verwandten zurück zum Hinduismus gewandt haben.

Gesellschaftliches Leben: Drohungen und Behinderungen, die mit der Glaubenszugehörigkeit zu tun haben, sind durch zahlreiche landesweite Kampagnen und Wieder-Bekehrungs-Bewegungen intensiver geworden. Dies gehört für alle Kategorien von Christen mittlerweile zum Alltag. Wenn ehemalige Hindus sich von allgemein verbreiteten religiösen Praktiken fernhalten, ziehen sie den Zorn der Hindus auf sich. Die Sangh Parivar (eine extremistische Hindu-Organisation) ist für ihre Überwachung von Christen in allen Bereichen des Lebens bekannt. Zahlreiche Hindu-Gruppen nutzen ihre Ortsverbände zur Überwachung. In vielen Staaten ist es Christen aus den unberührbaren Kasten verwehrt, Gemeinschaftseinrichtungen wie z.B. Wasserquellen zu benutzen. Christen, die in einem hinduistischen Umfeld leben, können sich gewissen Verpflichtungen und allgemeinen Riten nicht entziehen, denn sie stehen unter dem dauernden Druck, daran teilzunehmen. Der Druck, ihrem christlichen Glauben zu entsagen, kommt von allen Seiten und ist systematisch aufgebaut: Extremistische Hindus drohen Christen physische Gewalt an, Hindupriester wollen die Christen mit lautem Singen und Beten indoktrinieren, das in den Dorfgemeinschaften abgehalten wird. Die Regierung kürzt Christen die Sozialleistungen, was sowohl in ländlichen als auch in städtischen Gebieten eine allgemein verbreitete Praxis geworden ist. Im vergangenen Jahr wurde eine konsequente Re-Konvertierungs-Kampagne ins Leben gerufen, durch die Hunderte mittelloser Christen überall im Land zum Anschluss an den Hinduismus gezwungen werden. Teils organisierte soziale Diskriminierung ist unter christlichen Angestellten in Behörden und in der Privatwirtschaft weit verbreitet. So wird ihnen z.B. aufgrund von Nichtigkeiten eine Beförderung verwehrt. Auch wenn Diskriminierung von Christen nicht gesetzlich verankert ist, erfahren sie in der Praxis u.a. bei Darlehenszuschüssen und Regierungsprogrammen Nachteile. In ländlichen Gebieten kann das Christsein dazu führen, von allen Hilfsprogrammen der Regierung ausgeschlossen zu werden. In Rajasthan und Madhya Pradesh erhalten Christen Namenszusätze mit der Endung „Isai“, um damit sicherzustellen, dass sie keine Hilfsmittel erhalten. Die systematische Korruption verschlimmert diesen Zustand noch. So wurden Christen vom Dorfrat (Panchayat) Geldstrafen auferlegt, die, wenn sie nicht bezahlt werden konnten, Vergewaltigungen zur Folge hatten. Das geschieht vor allem in ländlichen Gebieten und wird nur selten angezeigt. Pastoren und Missionare, die eine christliche Gemeinde besuchen, werden von der Polizei routinemäßig verhört (zusammen mit dem Gastgeber und den Teilnehmern). Dies passiert besonders in Dörfern und Gebieten, die von indigenen Volksgruppen und Ureinwohnern bewohnt sind.

Leben im Staat: In fünf Staaten gibt es ein Anti-Konversions-Gesetz: In Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Himachal Pradesh und Gujarat. In Arunachal Pradesh und in Rajasthan wurde das Gesetz verabschiedet, aber noch nicht umgesetzt. In Tamil Nadu wurde es beschlossen, später jedoch wieder aufgehoben. Diese Gesetze schränken die Religionsfreiheit ein. Derzeit wird über die Verabschiedung eines landesweiten Anti-Konversions-Gesetzes diskutiert. Vor allem in ländlichen Gebieten, wie in Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Jharkhand, Rajasthan und Arunachal Pradesh, ist es nur erschwert oder gar nicht möglich, eine Konversion zum christlichen Glauben registrieren zu lassen. Die Behörden in manchen Gebieten von Chhattisgarh, Jharkhand und Madhya Pradesh haben christlichen Predigern den Zutritt verboten. Das verstößt zwar gegen die indische Verfassung, es passiert aber trotzdem. Bei Behördengängen werden Christen oft diskriminiert; ein Zustand, der auf ganz Indien zutrifft. Auch Polizeibehörden, die untere Gerichtsbarkeit und Regierungsbehörden verhalten sich Christen gegenüber unterschwellig diskriminierend. Vereinzelt gibt es Christen, die öffentliche Ämter bekleiden, doch wenn diese Christen einen Vorgesetzten haben, der Hindu-Nationalist ist, werden sie bei Beförderungen vermutlich übergangen werden. Menschen, die für die Behörden arbeiten und sich dann zum christlichen Glauben bekehren, geht es weitaus schlechter, denn es ist gut möglich, dass sie ihre Arbeitsstelle verlieren. Solange Christen sich nicht öffentlich äußern und dadurch das Evangelium verkünden, können sie recht offen ihre Meinung sagen. Nachdem die BJP im Mai 2014 an die Macht kam, mussten alle Gruppen und Organisationen detailliert Fragen zu ihren Aktivitäten beantworten und ein Verzeichnis ihrer ehemaligen sowie gegenwärtigen Angestellten vorlegen. Einige Minderheitenschulen mussten alle Namen ihrer christlichen Schüler nennen. Die Medienwelt setzt sich zu über 90 Prozent aus Hindus der höheren Kaste zusammen und ist Christen gegenüber schon immer voreingenommen gewesen. Dies gilt besonders für lokale Medien, die in ihrer jeweils eigenen Sprache berichten. Sie verbreiten nicht nur Hassliteratur gegen Christen, sondern säen Hass durch die falsche Darstellung von Fakten und durch reißerische Berichterstattung. Nicht nur Christen, auch Muslime werden regelmäßig Opfer von Hassverbrechen und Hetzkampagnen. Die Situation ist deshalb so schlimm, weil die Taten durchweg ungesühnt bleiben, obwohl sie gegen das Gesetz verstoßen. Recht häufig kommt es zu Vandalismus und zur Entweihung und Zerstörung von christlichen Symbolen, vor allem in ländlichen und halb-städtischen Gebieten. In Haryana, Delhi, Zentralindien und Karnataka wurden Kirchen und Kruzifixe geschändet. Es ist für politisch-religiöse Hindu-Gruppen normal, unabhängige Pastoren und Kirchenaktivisten auf Grundlage des berüchtigten Blasphemie-Gesetzes im Visier zu haben. Die indische und pakistanische Blasphemie-Gesetzgebung stammt aus dem „Indischen Strafgesetzbuch“, das von der britischen Kolonialregierung im 19. Jahrhundert verabschiedet wurde. Die Polizei registriert diese Fälle und inhaftiert Pastoren, doch nur wenige wurden zu Haftstrafen verurteilt. Man setzt diese Methoden vor allem als Druckmittel ein. Fast nie wird jemand für Verbrechen gegen die christliche Gemeinschaft bestraft – Straffreiheit ist zur Norm geworden. Die Untätigkeit des Justiz- und Polizeisystems gibt Anlass zu großer Sorge.

Kirchliches Leben: Christen werden regelmäßig behindert, sei es bei kirchlichen Gottesdiensten, privaten Versammlungen oder großen Veranstaltungen. Eine Kirche benötigt keine Registrierung. Schwieriger ist dies jedoch für christliche Verbände und Stiftungen, unter denen die Kirchen betrieben werden, denn die verantwortlichen Behörden sind mit Sympathisanten der Hindu-Extremisten besetzt. Hindu-Gruppen überwachen die Kirchen und stören Versammlungen fast täglich, es gibt zahlreiche Angriffe auf christliche Gemeinden. Der Bau neuer Kirchengebäude in ländlichen und sogar in städtischen Gebieten ist oft mit großem Widerstand verbunden, häufig kommt es zu gewaltsamen Reaktionen. Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass ältere Kirchengebäude durch Korruption und Bürokratie nicht renoviert werden können. Aktivitäten, die außerhalb der kirchlichen Räumlichkeiten stattfinden, versteht man sofort als Missionierungsversuch, und selbst wenn die Behörden eine Genehmigung erteilen, stellen sich Kommunen und Hindu-Extremisten dagegen. Eine Aufnahme ehemaliger Hindus sieht man als Bestätigung dafür, dass die Gemeinde missioniert. Oft kontrollieren Hindu-Extremisten und Behörden christliche Schriften auf den Hinweis nach Evangelisation und Bekehrungsaufrufen. Theologische Fachschulen und Bibelschulen wurden in der Vergangenheit oft angegriffen, allerdings nicht, um den Lehrinhalt zu kontrollieren, sondern den Angreifern geht es dabei darum, durch die schwere Misshandlung von Pastoren und Leitern ein Exempel zu statuieren. Das Verteilen von Schriften und Bibeln wird auf dem Land und sogar in der Stadt behindert, denn es wird direkt mit christlicher Missionierung verbunden. Wenn Kirchengottesdienste oder private Gebetstreffen von Hindu-Extremisten angegriffen werden, verfolgt und verhaftet die Polizei sehr häufig die Christen und nicht die Angreifer und konfisziert Bibeln und andere christliche Literatur als „Beweis für Missionierung“. In vielen Fällen werden Kabelfernsehsender von Hindu-Extremisten bedrängt, christliche Programme zu entfernen, auch wenn sich hinduistische Fernsehkanäle und deren Inhalte vermehren. Indien hat seit den späten 1960er Jahren keine Missionars-Visa mehr ausgestellt. Nicht nur Christen aus dem Ausland wird die Einreise ins Land verwehrt, selbst für NGO-Mitarbeiter und Journalisten wird es zunehmend schwieriger, Visa zu erhalten. Menschenrechtsverteidiger im Allgemeinen, nicht nur christliche Leiter, riskieren viel, wenn sie sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen. John Dayal, ein führender christlicher Aktivist, hat bereits viele Todesdrohungen erhalten und verlor aufgrund seiner Fürsprache seine Arbeit.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung gestaltet sich extrem brutal – und diese Brutalität wächst seit einigen Jahren. Die Zahl angezeigter Übergriffe ist extrem hoch, es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist, denn viele Übergriffe erscheinen nicht in den Medien oder werden von den Open Doors Feldforschern nicht registriert. Innerhalb dieses Berichtszeitraums wurden mindestens neun Christen wegen ihres Glaubens getötet und mindestens 23 (Haus-) Kirchen wurden angegriffen und beschädigt. Über 400 Christen wurden inhaftiert. Mindestens drei Christen wurden verschleppt und mindestens drei Christinnen wurden vergewaltigt. Mehr als 350 Christen wurden körperlich angegriffen. Mindestens 25 Häuser oder Grundstücke von Christen wurden angegriffen und beschädigt. Mindestens drei Christen mussten aus ihren Häusern fliehen. In allen Fällen ist die tatsächliche Anzahl viel höher.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Extremistische Hindus kommen vermehrt ungestraft davon, wenn sie Muslime oder Christen angreifen. Aus diesem Grund breitet sich unter den meisten Christen Angst und Unsicherheit immer weiter aus. Dieser gefährliche Trend der Untätigkeit der Regierung bei Übergriffen gegen Minderheiten wird die Zunahme von Gewalt in den kommenden Jahren weiter begünstigen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • um wachsende Einheit unter den verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinden in den unterschiedlichen Bundesländern Indiens
  • um Mut und Weisheit für die Christen in den Bundesländern, in denen die Maoisten großen Einfluss ausüben
  • um Gottes Schutz vor Aggressionen der Hindu-Nationalisten und der Dorfältesten bei der Arbeit unter "Unberührbaren" (Dalits) in ländlichen Gebieten
  • um Treue und Ausdauer für die bedrohten Christen muslimischer Herkunft in Assam, Kashmir und Kerala

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