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Länderprofil Indonesien

Indonesien

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen



Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

55 Punkte / Platz 46 (WVI 2016: 55 Punkte / Platz 43)

Triebkräfte der Verfolgung

„Islamische Unterdrückung“ (Haupttriebkraft) und im geringerem Maß „Religiös motivierter Nationalismus“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse

Behauptungen, Indonesien bliebe vom „Islamischen Staat“ (IS) unbeeinflusst, da es einen moderaten und diversen Islam vertrete, wurden mit dem Anschlag am 14. Januar 2016 auf ein Café in Jakarta, der sieben Menschenleben kostete, zunichte gemacht. Radikal islamische Gruppen stellen weiterhin eine große Herausforderung dar, vor allem wenn sie in Verbindung mit internationalen Bewegungen stehen. Die meisten Bewohner sind weniger an Fragen der Religion oder Minderheiten interessiert (wie eine Umfrage vom Mai 2016 zeigt), sondern an kurzfristigen ökonomischen Verbesserungen. Die Regierung nimmt den Kampf gegen Extremisten sehr ernst: Im Juli 2016 hat sie den Leiter der Ostindonesischen Mudschahedin in Zentralsulawesi getötet.

Betroffene Kategorien von Christen

In Indonesien existieren alle im WVI aufgeführten Kategorien von Christen, jedoch ist das Maß der Verfolgung für jede Kategorie verschieden. Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten, die sich hauptsächlich in großen Städten treffen, sind am wenigsten betroffen. Traditionelle Kirchen sind oftmals mit bestimmten ethnischen Gruppen verbunden, was die Verbreitung des Evangeliums sehr auffällig macht und somit Verfolgung anzieht. Die stärkste Verfolgung erleben Konvertitengemeinden, bestehend aus Christen muslimischer Herkunft. Sie erleben Verfolgung seitens ihrer Familie oder islamischen Kämpfern. Christen aus protestantischen Freikirchen sind aufgrund ihrer evangelistischen Tätigkeiten unter starkem Druck seitens radikal islamischer Gruppen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Der Druck auf Christen ist im Allgemeinen hoch und ist im Vergleich zum Berichtszeitraum 2016 leicht angestiegen.
  • Am stärksten zeigt sich der Druck im „Gesellschaftlichen Leben“ (sehr hohes Maß) und im „Familienleben“ (hohes Maß), gefolgt vom „Privatleben“ (hohes Maß). Dieses Muster ist typisch für Länder, in denen Verfolgung vor allem auf islamischer Unterdrückung und religiös motiviertem Nationalismus gegründet ist. Hier wird meistens Druck vom sozialen Umfeld auf Konvertiten ausgeübt.
  • Das Maß an verzeichneten Gewalttaten gegenüber Christen bleibt weiterhin sehr hoch, wenn auch etwas niedriger als im Berichtszeitraum 2016.

Ausblick

Eine im August 2016 veröffentlichte Studie der Wahid-Stiftung fand heraus, dass 8,1% der erwachsenen Einwohner Indonesiens (ca. 12 Millionen Menschen) einer radikalen Ausprägung des Islam gegenüber aufgeschlossen sind. Dies zeigt, dass Christen in vielen Regionen anfällig gegenüber gesellschaftlicher Diskriminierung und sogar Gewalt sind, insbesondere in Brennpunktgebieten über Aceh hinaus. Eine große Ungewissheit besteht zurzeit in der Frage, wie stark die größten muslimischen Organisationen des Landes gegen diese radikalen Ansichten angehen werden. Der Massenprotest gegen den chinesischen und christlichen Gouverneur Purnama („Ahok“) auf Jakarta, wegen vermeintlicher Blasphemie, brachte über 200.000 Menschen auf die Straße. Die aktuellen Proteste in Jakarta sind ein klares Anzeichen dafür, dass die islamische Unterdrückung in Indonesien sehr viel stärker ist, als allgemein wahrgenommen. Dies stellt eine signifikante Gefahr für Christen und andere religiöse Minderheiten dar.

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Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 55 Punkten belegt Indonesien Platz 46 auf dem Weltverfolgungsindex 2017. Damit entspricht die Punktzahl der des Jahres 2016, als Indonesien auf Rang 43 eingestuft wurde. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2017 gab es keine gravierenden Veränderungen, jedoch gab es beträchtliche Entwicklungen im November 2016, direkt nach dem Ende des Berichtszeitraums.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Indonesien ist ein Land, das durch seine Vielfalt sowohl gesegnet als auch herausgefordert ist. Als weltgrößtes muslimisches Land ist der vorherrschende Zweig des Islam relativ tolerant und gewährt den Minderheiten etwas Raum („Nusantara Islam“, übersetzt „Islam der Inseln“ – ein Bezug zur der einzigartigen Topographie des Landes mit mehr als 17.000 Inseln). Indonesien ist eines der dezentralisierten Länder der Welt. Und das nicht nur geographisch, sondern auch im Bereich der Religion. Obwohl die Verfassung Indonesiens offiziell Religionsfreiheit garantiert, gilt in einigen Regionen und Gebieten eine Vielzahl islamischer Zusatz-Gesetze. In der Provinz Aceh wurde sogar die Scharia eingeführt. Beispiele für extremistische Gruppen sind die Hizb-ut Tahrir Indonesia, die Islamische Verteidigungsfront (FPI) und die Islamische Front (FUI). Diese Organisationen haben aufgrund ihrer strikten und exklusiven Auslegung des Islam die Anwendung der Scharia und Rechtsverletzungen gegen religiöse Minderheiten gerechtfertigt. Angeblich werden einige dieser Gruppen stillschweigend durch Politiker und Parteien in Jakarta unterstützt. Die FPI organisierte eine Demonstration gegen den chinesischen christlichen Gouverneur von Jakarta wegen vermeintlicher Blasphemie, die 200.000 Menschen auf die Straßen brachte, was einen weniger moderaten indonesischen Islam widerspiegelt. Indonesiens Universitäten gelten als Brutstätte der islamischen Radikalisierung. Nicht nur Christen, sondern auch islamische Minderheiten wie die Ahmadis, haben unter islamisch-extremistischen Gruppen zu leiden.

Religiös motivierter Nationalismus: Indonesien ist zwar das weltgrößte islamische Land, aber es beherbergt eine Vielzahl verschiedener Religionen. So ist Bali vor allem hinduistisch geprägt. Wenn ein Hindu zum christlichen Glauben wechselt, wird er von Freunden, Nachbarn und Familie unter Druck gesetzt, wieder zum Glauben der Vorväter zurückzukehren.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Indonesien gilt als eines der korruptesten Länder der Welt. Berichten zufolge sind einige Polizeiangehörige und auch einige Mitglieder islamisch-extremistischer Gruppen in das organisierte Verbrechen verwickelt. Selbst wenn dies nur Gerüchte wären, werden in jedem Fall die Minderheiten in Mitleidenschaft gezogen. Dies trifft auch auf die christliche Minderheit zu, besonders dann, wenn sie diese Zustände anprangert.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Erwartungen an Präsident Joko Widodo nach seiner Wahl 2014 waren extrem hoch, nun hat die Begeisterung größtenteils abgenommen. Die Herausforderungen für die Regierung sind nicht weniger und auch nicht kleiner geworden. Die Wirtschaft stagniert weiterhin und Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer fordern Indonesien auch weiterhin heraus, wie der Disput mit China über die Natuna-Inseln vom März 2016 zeigt. Behauptungen, dass Indonesien wegen seiner Prägung durch den Islam immun gegenüber dem Islamischen Staat (IS) sei, wurden widerlegt, als ein Anschlag auf ein Café in Jakarta am 14. Januar 2016 sieben Menschenleben forderte. Radikal-islamische Gruppen stellen weiterhin eine ernstzunehmende Herausforderung dar, vor allem, wenn sie an internationale islamistische Gruppen oder Bewegungen angeschlossen sind. Die meisten Bewohner sind weniger an Fragen der Religion oder Minderheiten interessiert (wie eine Umfrage vom Mai 2016 zeigt), sondern an kurzfristigen ökonomischen Verbesserungen, was ebenfalls keine kleine Herausforderung darstellt. Die Kabinettsumbildung im Juli 2016, die zweite seit 2014, hat nicht dazu beigetragen, die Hoffnungen diesbezüglich zu stärken.

Ein weiteres Problem, das von islamisch-extremistischen Gruppen ausgeht, ist die Tatsache, dass viele Extremisten (einige mitsamt der ganzen Familie) nach Syrien und in den Irak gereist sind und sich den Dschihadisten des IS angeschlossen haben. Viele Indonesier fragen sich, was wohl geschehen wird, wenn diese aus den Kriegsgebieten zurückkehren werden. Eine ähnliche Situation in den 1990er Jahren, als ehemalige Kämpfer aus Afghanistan zurückkehrten, führte u. a. zu den Bombenanschlägen auf Bali, bei denen im Jahr 2002 über 200 Touristen getötet wurden. Es wird sich zeigen, ob islamisch-extremistische Gruppen durch diesen Rückfluss erstarken werden. Der Wille der indonesischen Regierung, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, zeigte sich im Juli 2016, als der Terrorist und Leiter der Ostindonesischen Mudschahedin, Santoso, auch bekannt als Abu Wardah, bei einem Feuergefecht mit der Polizei in Zentralsulawesi getötet wurde.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Indonesien sind alle vier Kategorien von Christen vertreten, die der Weltverfolgungsindex benennt, wenn auch das Maß der erlebten Verfolgung unterschiedlich ist.

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten gibt es vor allem in größeren Städten. Diese Christen kommen meist aus dem Westen, oder auch aus Nachbarländern wie den Philippinen, Singapur oder Malaysia. Sie erleiden keine starke Verfolgung.

Christen aus traditionellen Kirchen, wie zum Beispiel der römisch-katholischen Kirche, aber auch von Kirchen, die verschiedenen Ethnien angehören (wie zum Beispiel die Protestantisch-Christliche Batak-Kirche und viele andere) werden überwacht und erleben Verfolgung, sobald diese Kirchen wachsen. Die traditionellen Kirchen in ärmeren Regionen wie Papua, Timor und Mentawi sind das Ziel aggressiver Islamisierungsversuche, besonders unter den Kindern.

Gemeinschaften von Konvertiten zum christlichen Glauben (vor allem mit muslimischem Hintergrund) erleben die härteste Verfolgung in Indonesien, vor allem in den Brennpunkt-Regionen. Sie werden streng überwacht und unter Druck gesetzt, sobald sie entdeckt werden. So versuchen sie nicht aufzufallen und sich unters Volk zu mischen. Der Druck kommt von Seiten der Familie, Freunde und der lokalen Autoritäten. Eine weitere Quelle sind radikal islamische Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen (wie Baptisten, Evangelikale oder Pfingstgemeinden) fallen durch ihre oftmals eifrige Weitergabe der christlichen Botschaft auf, und kommen so ins Visier der Gesellschaft als auch extremistischer Gruppen. Eine Kirche zu bauen oder zu renovieren, kann sehr schwierig und nervenaufreibend sein. Die Behörden müssen eine Genehmigung ausstellen und islamische Gruppen und Nachbarn versuchen oftmals den Bauprozess zu behindern.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Indonesien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Indonesien:

  • Die durchschnittliche Wertung der fünf Bereiche liegt bei 9,576 und verdeutlicht, dass der Druck auf Christen gegenüber dem Vorjahr (9,507) leicht zugenommen hat. Der Druck hat am meisten im Bereich „Familienleben“ zugenommen und im „Kirchlichen Leben“ abgenommen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2016 der Druck auf Kirchen sehr viel akuter war, besonders in Aceh.
  • Am stärksten ist der Druck im „Gesellschaftlichen Leben“ (10,978) und „Familienleben“ (9,856). Dieses Muster ist repräsentativ für Situationen, in denen vornehmlich christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund verfolgt werden.
  • Druck, der von den Triebkräften „Islamische Unterdrückung“ und „Religiös motivierter Nationalismus“ ausgeht, zeigt sich in den oben genannten Lebensbereichen. Der Druck wird vor allem vom sozialen Umfeld ausgeübt (Familie, Nachbarn und lokale Gemeinschaft), aber auch von radikal islamischen Gruppen.
  • Das Maß der verzeichneten Gewalttaten gegen Christen hat leicht abgenommen (7,778 auf 6,852). Dies darf nicht mit einer Verbesserung der Gesamtsituation gleichgesetzt werden. In trauriger Weise äußerte sich dies durch den Bombenanschlag gegen eine Kirche in Samarinda am 13. November 2016, bei der ein 2-jähriges Kleinkind knapp außerhalb des Berichtszeitraums des Wertverfolgungsindex 2017 ums Leben kam. In diesem Berichtszeitraum gab es mindestens 15 Meldungen über Kirchen, die attackiert, geschlossen oder zerstört wurden.

Privatleben: Während Christen aus traditionellen Kirchen ihren Glauben im Allgemeinen ungehindert ausleben können, erleben Konvertiten aus dem Islam eine andere Realität. Sie müssen stets größte Vorsicht walten lassen, wenn sie ihren Glauben praktizieren, vor allem, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Bibeln und andere christliche Schriften müssen gut versteckt werden. Sie können nur unter äußerster Vorsicht gelesen werden, um Konflikte zu vermeiden. Gemeinschaft mit anderen Christen kann zu Problemen führen, da es nicht nur für die Konvertiten selbst gefährlich werden kann, sondern auch andere Menschen in ihrem Umfeld gefährdet werden. In großen Städten oder christlichen Enklaven ist die Situation anders. Andererseits erleben andere Kategorien von Christen in den Brennpunkten ebenfalls Einschränkungen im Lobpreis oder Ausdruck ihres Glaubens. In diesen Regionen werden Christen und bekannte Konvertiten streng überwacht. Letztere stehen dort oftmals unter Hausarrest und in einigen Fällen kam es zu körperlichen oder seelischen Misshandlungen. Dies geschieht vor allem in den Brennpunkt-Regionen wie Aceh, Ost-Java, Banten, West-Java und West-Sumatra.

Familienleben: Konvertiten müssen manchmal ihre Kinder mit der Hauptreligion registrieren lassen. Die Religion zu wechseln bringt oftmals viele Fragen, Argwohn und gesellschaftlichen Druck mit sich, manchmal auch Druck der örtlichen Behörden. Sobald ein Konvertit mit muslimischen oder hinduistischen Wurzeln entdeckt wird, sind das Risiko einer Scheidung und der Verlust aller Erbansprüche groß. In den Brennpunkten des Landes sind christliche Zeremonien wie Hochzeiten, Taufen oder Begräbnisse schwer durchführbar, wenn nicht sogar unmöglich. Christen, die in Enklaven oder großen Städten wie Jakarta oder Surabaya leben, haben die Möglichkeit, ihren Kindern eine christliche Ausbildung zu geben. In Provinzen jedoch, in denen Christen die Minderheit darstellen, gibt es größere Schwierigkeiten. Im Allgemeinen müssen Kinder von Christen am Islamunterricht teilnehmen und werden darin auch geprüft, was manchmal auf den Mangel christlicher Lehrer zurückzuführen ist. Christliche Schüler und Studenten werden regelmäßig diskriminiert. Viele muslimische Familien verbieten ihren Kindern, mit christlichen Kindern zu spielen. Konvertiten können von ihren Familien isoliert oder sogar vertrieben werden.

Gesellschaftliches Leben: Christliche Konvertiten werden von Familie, Nachbarn und Freunden stark unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben, obwohl der Übertritt zu einem anderen Glauben gesetzlich nicht verboten ist. Besonders in Brennpunkten wie Aceh erleben Christen sowohl im Privat-, als auch im Berufsleben Diskriminierung und werden dazu gedrängt, die Scharia zu befolgen. In diesen Gebieten werden christliche Aktivitäten genauestens von Nachbarn und radikalen Gruppen überwacht. Kinder aus christlichen Familien berichten von Diskriminierungen und abfälliger Behandlung durch Lehrer und Mitschüler. Ihnen werden sogar Stipendien untersagt und sie erhalten schlechtere Noten in religiösen Fächern. Auf diese Weise ist es ihnen beinahe unmöglich, den Mindestanforderungen für Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst zu genügen. Dementsprechend schaffen es nur wenige Christen in den öffentlichen Dienst und viele erleben Diskriminierung im Berufsleben. Viele Kirchen in Indonesien sind gezwungen „uang keamanan“ (Schutzgeld) an radikale Gruppen zu zahlen, um überhaupt ihren Sonntagsgottesdienst abhalten zu können.

Leben im Staat: Offiziell schränkt die Verfassung die Freiheit der Christen nicht ein. Jedoch erkennt sie überhaupt nur sechs Religionen an: Islam, Katholizismus, Protestantismus, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Auf lokaler Ebene schränkt die Gesetzgebung die Religionsfreiheit noch weiter ein. Die Einstellung gegenüber Christen ist oftmals negativ und selbst in toleranteren Städten wie Jakarta, werden Angestellte des öffentlichen Dienstes oftmals wegen ihres Glaubens diskriminiert. Christliche Nichtregierungsorganisationen können frei gegründet werden, werden jedoch durch einige islamische Organisationen öffentlich verleumdet. Ein Beispiel hierfür sind die „Zehn Motive der Christianisierung von Muslimen in Indonesien“. Obwohl das Land eine freie und vielfältige Presse hat, führen einige islamische Medien Verleumdungskampagnen gegen Christen durch. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Kampagne gegen den chinesischen christlichen Gouverneur von Jakarta, die öffentliche Unruhen und große Demonstrationen verursachte.

Kirchliches Leben: Nach wie vor haben die Kirchen massive Probleme, Gemeinden registrieren zu lassen und neue Kirchenräumlichkeiten zu bauen. Ein Regierungsdekret aus dem Jahr 2006 legt folgende Auflagen für den Betrieb einer Kirche fest: Sie muss a) mindestens 90 Mitglieder haben, b) die Zustimmung von mindestens 60 andersgläubigen Anwohnern vorweisen und c) die Genehmigung vom Bezirksvorsteher und dem Forum für interreligiöse Einheit erhalten. Selbst wenn sie alle Bedingungen erfüllen können, bleibt es für Kirchengemeinden sehr schwer, die Genehmigung zu erhalten. Und auch mit einer Genehmigung haben die Kirchen nur sehr wenig Schutz, für den eigentlich die Regierung und die örtliche Polizei zuständig sind. In einem Fall hat eine Gemeinde einen Antrag eingereicht und über fünf Jahre hinweg nie wieder etwas von den Behörden gehört. In anderen Fällen haben radikale Gruppen schlichtweg den Eingang der Kirche blockiert und so den Zugang verhindert. Laut einer Erhebung der „Nationalen Kommission für Menschenrechte“ (Komnas HAM) haben 85% aller religiösen Anbetungsstätten in Indonesien, besonders in ländlichen Gebieten, keine ausreichende Genehmigung. Dazu zählen Moscheen, Kultstätten anderer Religionen, aber auch christliche Kirchen. Im Allgemeinen ist der Druck und Vertrieb von religiösen Schriften und Bibeln kein Problem, aber in Brennpunktgebieten kann beispielsweise das Verteilen von Bibeln an Nicht-Christen als Missionierung angesehen werden.

Auftreten von Gewalt: Das Maß an dokumentierter Gewalt gegen Christen hat leicht abgenommen. Dies darf jedoch nicht als eine Verbesserung der Gesamtsituation verstanden werden. Traurigerweise ereignete sich am 13. November 2016, knapp außerhalb des Berichtszeitraums des WVI 2017, ein Bombenanschlag auf eine Kirche in Samarinda, bei dem ein 2-jähriges Kleinkind ums Leben kam. Zusätzlich zu diesem Anschlag, wurden viele weitere Kirchen attackiert, Christen wurden verletzt und andere in Haft genommen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Eine im August 2016 veröffentlichte Studie der Wahid-Stiftung fand heraus, dass 8,1% der erwachsenen Einwohner Indonesiens (ca. 12 Millionen Menschen) einer radikalen Ausprägung des Islam gegenüber aufgeschlossen sind, darin eingeschlossen die Bereitschaft extreme Handlungen zu verüben. Dementsprechend sind Christen gesellschaftlicher Diskriminierung oder auch Gewalt ausgesetzt; wie es in vielen der sogenannten Brennpunktgebiete über Aceh hinaus geschieht. Eine große Ungewissheit besteht zurzeit in der Frage ob und wie stark die größten muslimischen Organisationen des Landes - die Nahdlatul Ulama und die Muhammadiyah - gegen diese radikalen Ansichten angehen werden. Der Massenprotest gegen den chinesischen und christlichen Gouverneur Basuki Tjahaja Purnama, bekannt als Ahok, auf Jakarta wegen vermeintlicher Blasphemie, brachte über 200.000 Menschen auf die Straße. Die Demonstranten forderten demnach die Inhaftierung Purnamas. Dies würde zwangsläufig die Hoffnung seiner Wiederwahl im Februar 2017 zunichtemachen. Die aktuellen Proteste in Jakarta sowie der Prozess sind ein klares Anzeichen dafür, dass die islamische Unterdrückung in Indonesien sehr viel stärker ist als allgemein wahrgenommen. Dies stellt eine signifikante Gefahr für Christen und andere religiöse Minderheiten dar. Eine weitere Unbekannte, der sich Indonesien gegenübersieht, ist die Frage, wie die zurückkehrenden kampferprobten Islamisten aus Syrien und dem Irak die radikal islamischen Gruppen im eigenen Land beeinflussen werden.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indonesien:

  • Bitte beten Sie für christliche Kinder in den öffentlichen Schulen von stark muslimischen Regionen, die oft Diskriminierung bei der Vergabe von Noten erfahren. Dies verwehrt ihnen eine Zukunft in der Regierung. Beten Sie für Ermutigung, Trost und Hoffnung für die Schüler und dass sie in ihrem Glauben stark bleiben.
  • Beten Sie für die Christen muslimischer Herkunft, die unter hohem Druck stehen ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Beten Sie, dass sie Zugang zu Bibeln und Gemeinschaft mit anderen Christen haben. Bitte beten Sie für die christlichen Versammlungen, die ihre Kirchengebäude nicht schützen können.
  • Indonesien ist das größte muslimische Land der Erde. Bitte beten Sie dafür, dass viele Indonesier Jesus Christus kennenlernen.

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