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Länderprofil Indonesien

Indonesien

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 55 Punkte / Platz 43
(WVI 2015: 50 Punkte / Platz 47)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft) und im geringerem Maß „Religiöser Nationalismus“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse: Indonesien ist auch weiterhin ein Land, das durch seine Vielfalt sowohl gesegnet als auch herausgefordert ist. Als weltgrößtes muslimisches Land ist der vorherrschende Zweig des Islam (Nusantara Islam) relativ tolerant und gewährt den Minderheiten etwas Raum. Indonesien ist eines der dezentralsten Länder der Welt und das nicht nur geographisch, sondern auch im Bereich der Religion. In manchen Regionen und Gebieten gilt eine Vielzahl islamischer Zusatz-Gesetze und in der Provinz Aceh wurde sogar die Scharia eingeführt, obwohl hier offiziell weiterhin die indonesische Verfassung gilt, welche Religionsfreiheit garantiert. Joko Widodo, der aus den Wahlen im Mai 2014 überraschend als Präsident hervorging, gilt als Freund von Menschenrechten, der für die Minderheiten ein offenes Ohr haben soll. Trotzdem fällt seine bisherige Erfolgsbilanz aus der Sicht nationaler und internationaler Beobachter enttäuschend aus. Religiöse Minderheiten leiden unverändert unter islamischen Extremisten und Christen haben weiterhin Schwierigkeiten, ihre Kirchengebäude registrieren zu lassen. Immer wieder kam es auch zu gewaltsamen Übergriffen gegen sie.

Betroffene Kategorien von Christen: Hauptsächlich Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten), und Mitglieder protestantischer Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Christliche Konvertiten islamischer Herkunft, die in streng muslimischen Gegenden leben, werden am stärksten durch Familie, Freunde und Nachbarn unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Es ist jedoch nicht gesetzlich verboten, zu einem anderen Glauben zu konvertieren. Christen werden sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben diskriminiert. Viele christliche Kinder müssen aus Mangel an christlichen Lehrern in der Schule am Islamunterricht teilnehmen, wo sie von Mitschülern und Lehrern oft diskriminiert und abfällig behandelt werden. Die Verfolgung nimmt bereits seit einigen Jahren immer wieder gewaltsame Formen an: Im Berichtszeitraum wurden in verschiedenen Provinzen mehr als 20 christliche Kirchen angegriffen oder geschlossen. Mitte Oktober wurden die Ereignisse von Aceh weltweit bekannt, als mindestens neun Kirchengemeinden gewaltsam geschlossen und abgerissen und zwei andere Kirchen niedergebrannt wurden. Während der daraus resultierenden Unruhen mussten über 8000 Christen aus ihren Häusern fliehen. Weiteren dreizehn Kirchen hat man eine Frist von sechs Monaten gesetzt, um eine Baugenehmigung oder Registrierung zu beantragen. Da für eine Genehmigung die Zustimmung von mindesten 60 nicht-christlichen Anwohnern vorliegen muss, was in Aceh undenkbar ist, wären derartige Anträge aussichtslos.

Ausblick: Die christliche Minderheit wird auch weiterhin dem Druck von Extremisten ausgesetzt sein, denn die Regierung wird in der Durchsetzung von Gesetzen weiterhin schwach bleiben.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 55 Punkten belegt Indonesien Platz 43 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Das entspricht einem Anstieg um fünf Punkte gegenüber dem Jahr 2015 (50) als Indonesien Platz 47 einnahm. Der Anstieg ist auf vermehrte Gewalt, aber auch einen Anstieg des Drucks im Privat-, Gemeinde- und Familienleben zurückzuführen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Haupttriebkraft der Verfolgung in Indonesien ist „Islamischer Extremismus“ und in etwas geringerem Ausmaß „Religiöser Nationalismus“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Islamischer Extremismus: Indonesien ist ein Land, das durch seine Vielfalt sowohl gesegnet als auch herausgefordert ist. Als weltgrößtes muslimisches Land ist der vorherrschende Zweig des Islam (Nusantara Islam) relativ tolerant und gewährt den Minderheiten etwas Raum. („Nusantara Islam“, übersetzt „Islam der Inseln“ – ein Bezug zur der einzigartigen Topographie des Landes mit mehr als 17.000 Inseln). Die Verfassung benennt keine Staatsreligion, bis Mai 2015 wurden aber nur sechs Religionen anerkannt (darunter der Katholizismus und der Protestantismus). Dieses Gesetz wurde im Berichtszeitraum abgeschafft, offiziell können die Menschen nun frei entscheiden, zu welcher Religion sie sich zählen möchten. Andererseits ist Indonesien eines der dezentralsten Länder der Welt und das nicht nur geographisch, sondern auch im Bereich der Religion. In manchen Regionen und Gebieten gilt eine Vielzahl islamischer Zusatz-Gesetze und in der Provinz Aceh wurde sogar die Scharia eingeführt, obwohl die Provinz weiterhin unter der Verfassung Indonesiens steht, welche Religionsfreiheit garantiert. Beispiele für extremistische Gruppen sind die Hizb-ut Tahrir Indonesia, die Islamische Verteidigungsfront (FPI) und die Islamische Front (FUI). Diese Organisationen haben aufgrund ihrer strikten und exklusiven Auslegung des Islam die Anwendung der Scharia und Rechtsverletzungen gegen religiöse Minderheiten gerechtfertigt. Angeblich kommen einige dieser Gruppen in den Genuss stillschweigender Unterstützung von Politikern und Parteien in Jakarta, eine Praxis, die wohl bestehen wird. Universitäten sind als Brutstätte islamischer Radikalisierung bekannt. Nicht nur Christen, sondern auch islamische Minderheiten wie die Ahmadis haben unter islamisch-extremistischen Gruppen zu leiden.

Religiös motivierter Nationalismus: Indonesien ist zwar das weltgrößte islamische Land, aber es beherbergt eine Vielzahl verschiedener Religionen. So ist Bali vor allem hinduistisch geprägt. Wenn ein Hindu zum christlichen Glauben wechselt, wird er von Freunden, Nachbarn und Familie unter Druck gesetzt, wieder zum Glauben der Vorväter zurückzukehren.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Indonesien gilt als eines der korruptesten Länder der Welt, obwohl es auf dem Korruptionsindex von Transparency International in den letzten Jahren einige Plätze gutmachen konnte. Der neue Präsident setzte ein vielversprechendes Zeichen, als er alle Kandidaten für sein Kabinett vor ihrer Ernennung durch ein unabhängiges „Komitee zur Ausmerzung von Korruption“ prüfen ließ. Sein Ansehen nahm jedoch Schaden, als er den Vorsitzenden des Komitees seines Amtes enthob und gegen einen Mann zweifelhafter Reputation austauschte. Angeblich sind einige Polizeiangehörige und sogar einige Mitglieder islamisch-extremistischer Gruppen in das organisierte Verbrechen verwickelt. Selbst wenn dies nur Gerüchte wären, in jedem Fall werden die Minderheiten in Mitleidenschaft gezogen: Ohne den Schutz der mächtigen Netzwerke sind sie leichte Opfer. Dies trifft auch auf die christliche Minderheit zu, besonders dann, wenn sie diese Zustände anprangert.

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3. Aktuelle Einflüsse

2014 waren die Erwartungen an Präsident Joko Widodo extrem hoch, und das, obwohl er seine Regierungszeit mit einer großen Herausforderung begann: Im Parlament verfügte die Opposition über eine Zweidrittel-Mehrheit, so dass Widodo viele politische Probleme hatte und Enttäuschungen unausweichlich waren. Eine der größten Herausforderungen war und ist die kränkelnde Wirtschaft, die dringend einen Aufschwung braucht. Die Bevölkerung fürchtet, dass es dadurch erneut zu Rassenunruhen kommen könnte, wie schon Ende der 1990er Jahre. Aus diesem Grund ist Widodo gezwungen, nach Allianzen zu suchen, auch mit gemäßigten islamischen Parteien. Diese Konstellation ist in der indonesischen Politik nicht neu, könnte aber unter seinen Anhängern zu Unmut führen. Neben diesem politisch steinigen Weg muss er auch damit rechnen, dass sich islamische Gruppen nicht erfreut zeigen werden, die von ihm angekündigten Gesetze zur Inklusion von Minderheiten einzuführen. Nur wenige Bürger sind an Themen wie Menschenrechten und Schutz von Minderheiten interessiert; sie wollen schnelle wirtschaftliche Verbesserungen – eine nicht minder große Herausforderung.

Ein weiteres Problem, das von islamisch-extremistischen Gruppen ausgeht, ist die Tatsache, dass viele Extremisten (einige mitsamt der ganzen Familie) nach Syrien und in den Irak gereist sind und sich den Dschihadisten des „Islamischen Staates“ (IS) angeschlossen haben. Die meisten Indonesier fragen sich, was wohl geschehen wird, wenn sie aus den Kriegsgebieten zurückkehren werden. Eine ähnliche Situation in den 1990er Jahren, als ehemalige Kämpfer aus Afghanistan zurückkehrten, führte u.a. zu den Bombenanschlägen auf Bali, bei denen im Jahr 2002 über 200 Touristen getötet wurden. Es wird sich zeigen, ob islamisch-extremistische Gruppen durch diesen Rückfluss erstarken werden.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Indonesien sind vier Kategorien von Christen vertreten:

Gemeinschaften von ausländischen Arbeitsmigranten oder zugewanderten Christen erleiden keine Verfolgung.

Traditionelle Kirchen wie die Katholische Kirche erleben Anfeindungen und manchmal auch gewalttätige Übergriffe. Sie sind jedoch weniger stark betroffen als protestantische Kirchen und christliche Gemeinschaften von Konvertiten.

Christen muslimischer und hinduistischer Herkunft (letztere jedoch in weit geringerem Ausmaß) werden am stärksten verfolgt.

Protestantische Freikirchen wie Baptisten- oder Pfingstgemeinden sind sehr stark von Verfolgung betroffen, besonders in Brennpunkten.

Die Statistiken liefern zwar keine Hinweise auf eine wachsende Anzahl von Christen, aber viele lassen ihren neu gewonnenen Glauben an Jesus Christus und somit ihre Zugehörigkeit zum Christentum nicht amtlich registrieren. Schätzungen verschiedener Missionsorganisationen gehen von einer steigenden Tendenz aus. Die christliche Minderheit wächst also langsam und muss sich immer mehr Einschränkungen und Herausforderungen stellen, was u.a. damit zusammenhängt, dass die Zahl von Christen muslimischer Herkunft wächst. Christen sind überall im Land vertreten und in manchen Provinzen, wie in Papua oder Teilen von Sulawesi, machen sie sogar die Mehrheit aus. In anderen Gebieten müssen sie unter Zusatz-Gesetzen der Scharia leben oder die Scharia kommt sogar vollständig zur Anwendung, wie z.B. in Aceh. Die ständige Zuwanderung von Arbeitern – hauptsächlich javanische Muslime – vor allem in östliche Provinzen stellt alle Kategorien von Christen vor Herausforderungen. Die Christenverfolgung konzentriert sich auf Provinzen in Sumatra und Java, geht aber darüber hinaus. In diesen Gebieten leben gut 75 Prozent der indonesischen Bevölkerung. Aceh ist ein weiterer Brennpunkt, in dem es seit kurzem zu gewaltsamen Übergriffen auf Christen kommt.
Generell werden Christen, insbesondere Konvertiten aus dem Islam, hauptsächlich von Anhängern islamisch-extremistischer Organisationen verfolgt. Doch in Regionen mit starkem islamischen Einfluss und einer mehr oder weniger ausgeprägten Anwendung der Scharia nehmen örtliche Behörden eine immer aktivere Rolle ein, wenn es um Druck auf Minderheiten wie z.B. die Christen geht. So sind in den meisten Fällen von Kirchenschließungen die Regierungsvertreter (Bürgermeister oder Dorfvorsteher) die treibende Kraft der Verfolgung. Nach Angaben einheimischer Beobachter werden die Bemühungen zur Islamisierung Papuas weiterhin wesentlich von der Regierung gesteuert, wenn auch in geringerem Ausmaß als früher. „Papua ist die einzige Region im Land, in der muslimische Prediger vom Staat bezahlt werden“, so ein Experte. Das zugrundeliegende Motiv ist politischer Natur: Es soll sichergestellt werden, dass Papua ein integraler Bestandteil des Landes bleibt. Die Provinz hat eine andere ethnische und kulturelle Identität als der westliche und mittlere Teil Indonesiens, und so ist Religion das einzige Mittel der Regierung, eine gemeinsame Identität aufzubauen. (Die sehr rohstoffreiche Region kennt viele Separatistenbewegungen.) Das führt zu unterschiedlichen Ansichten über die Zukunft Papuas: Manchen streben ein freies, christliches Papua an, andere befürworten ein integriertes, muslimisches Papua.
Auch andere Minderheiten werden immer wieder zum Ziel gewalttätiger Übergriffe von islamisch-extremistischen Gruppierungen und werden von der Regierung im Stich gelassen, so etwa die Ahmadis oder die Schiiten. Die Ahmadis sind sogar die am stärksten verfolgte Gruppe Indonesiens. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass der Innenminister im Mai 2015 die Aufhebung eines Gesetzes verkündete, welches jeden indonesischen Bürger dazu verpflichtete, einer der sechs offiziell anerkannten Religionen anzugehören. Die Bürger können sich jetzt frei entscheiden, welcher Glaubensrichtung sie angehören möchten. Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Ende der Probleme für ehemalige Muslime.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Indonesien zeigt den Einfluss des Islamischen Extremismus auf die verschiedenen Lebensbereiche. Die durchschnittliche Wertung der fünf Bereiche liegt bei 9,507 und verdeutlicht, dass der Druck auf Christen gegenüber dem Vorjahr (8,656) beträchtlich zugenommen hat. Auch im Bereich „Gewalt“ ist mit 7,778 Punkten ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (6,482) zu beobachten. Daraus ist zu entnehmen, dass das allgemeine Ausmaß der Verfolgung wächst. Wie das unten stehende Verfolgungsmuster veranschaulicht, ist die Verfolgung am intensivsten in den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“. In diesen beiden Bereichen sind zum christlichen Glauben konvertierte Menschen besonders stark betroffen, vor allem dann, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie oder in ihrem sozialen Umfeld sind. Christen aller Kategorien erleiden Diskriminierung durch Behörden, im Beruf und in ihrem Lebensumfeld. Die relativ hohe Wertung im Bereich „Kirchliches Leben“ bezieht sich auf die diskriminierende Bürokratie, die unter dem Titel „Kirchliches Leben“ noch näher erläutert wird.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Während Christen ihren Glauben im Allgemeinen ungehindert ausleben können, erleben Konvertiten aus dem Islam oder dem Hinduismus eine andere Realität. Sie müssen stets größte Vorsicht walten lassen, wenn sie ihren Glauben praktizieren, vor allem, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Bibeln und andere christliche Schriften müssen gut versteckt werden und können nur unter äußerster Vorsicht gelesen werden. Eine Entdeckung kann sogar gewalttätige Reaktionen auslösen. Gemeinschaft mit anderen Christen kann problematisch werden, da es nicht nur für die Konvertiten selbst gefährlich werden kann, sondern das ganze christliche Treffen kann enttarnt und gefährdet werden. Das gilt auch für Christen aller Kategorien, die in Brennpunkten leben. Dort werden Christen und bekannte Konvertiten ohnehin streng überwacht; viele stehen dort unter Hausarrest und in einigen Fällen kam es zu körperlichem oder seelischem Missbrauch.

Familienleben: Sobald ein Konvertit mit muslimischen oder hinduistischen Wurzeln entdeckt wird, sind das Risiko einer Scheidung und der Verlust aller Erbansprüche groß. In Brennpunktgebieten des Landes sind christliche Zeremonien wie Hochzeiten, Taufen oder Begräbnisse schwer durchführbar, wenn nicht sogar unmöglich. Kinder von Christen müssen am Islamunterricht teilnehmen und werden darin auch geprüft, was manchmal auf den Mangel christlicher Lehrer zurückzuführen ist. Christliche Schüler und Studenten werden regelmäßig diskriminiert. Konvertiten können von ihren Familien isoliert oder sogar vertrieben werden.

Gesellschaftliches Leben: Christliche Konvertiten werden von Nachbarn, Freunden und Familie stark unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben, obwohl der Übertritt zu einem anderen Glauben gesetzlich nicht verboten ist. Besonders in Brennpunktgebieten wie Aceh erleben Christen sowohl im Privat- als auch im Berufsleben Diskriminierung. Kinder aus christlichen Familien berichten von Diskriminierungen und abfälliger Behandlung durch Lehrer und Mitschüler. Es gibt Berichte von Kindern aus armen christlichen Familien, die in entlegenen Gebieten leben, denen man für ihre Kinder den kostenlosen Besuch von islamischen Internaten angeboten hat. In muslimisch dominierten Gegenden bekommen christliche Schüler in den religiösen Fächern schlechte Noten, ungeachtet ihrer tatsächlichen Leistungen. Auf diese Weise ist es ihnen unmöglich, die Mindestanforderungen für Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst zu erreichen.

Kirchliches Leben: Nach wie vor haben die Kirchen massive Probleme, Gemeinden registrieren zu lassen und neue Kirchenräumlichkeiten zu bauen. Ein Regierungsdekret aus dem Jahr 2006 legt folgende Auflagen für den Betrieb einer Kirche fest: Sie muss a) mindestens 90 Mitglieder haben, b) die Zustimmung von mindestens 60 andersgläubigen Anwohnern vorweisen und c) die Genehmigung von dem Bezirksvorsteher und dem Forum für interreligiöse Einheit erhalten. Selbst wenn sie alle Bedingungen erfüllen konnten, bleibt es für Kirchengemeinden sehr schwer, die Genehmigung zu erhalten. Doch auch mit einer Genehmigung haben die Kirchen nur sehr wenig Schutz, für den eigentlich die Regierung und die örtliche Polizei zuständig sind. Ein Beispiel: Im Dezember 2014 demonstrierten etwa fünftausend Menschen der muslimischen Bekasi-Gesellschaft (Masyarakat Muslim Bekasi) vor dem Amt für religiöse Angelegenheiten des Bekasi-Distrikts. Sie protestierten gegen die Baugenehmigung für eine katholische Kirche in Lippo, Cikarang, die sie für nicht rechtmäßig hielten. Laut einer Erhebung der „Nationalen Kommission für Menschenrechte“ (Komnas HAM) haben 85 Prozent aller religiösen Anbetungsstätten in Indonesien besonders in ländlichen Gebieten keine ausreichende Genehmigung. Dazu zählen Moscheen, Kultstätten anderer Religionen, aber auch christliche Kirchen. Im Allgemeinen ist der Druck und Vertrieb von religiösen Schriften und Bibeln kein Problem, aber in Brennpunktgebieten gibt es Ausnahmen.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung ist in Indonesien nicht sonderlich gewalttätig. Dennoch kommt es gelegentlich zu Gewaltausbrüchen gegen Christen. Die Ermordung von Christen ist zwar eine Ausnahme, aber es kommt regelmäßig zu Schließungen und/oder Zerstörungen von Kirchengebäuden. Innerhalb des Berichtszeitraums kam es in den unterschiedlichsten Gebieten zu Angriffen und Schließungen oder Zerstörungen von über 20 Kirchengemeinden. Mitte Oktober 2015 wurden die Ereignisse von Aceh weltweit bekannt, als mindestens neun Kirchengemeinden gewaltsam geschlossen und abgerissen und zwei andere Kirchen niedergebrannt wurden. Während der daraus resultierenden Unruhen mussten über 8.000 Christen aus ihren Häusern fliehen. Weiteren dreizehn Kirchen, die sich auf einer behördlichen Beobachtungsliste befinden, wurde eine Frist von sechs Monaten gesetzt, um eine Baugenehmigung oder Registrierung zu beantragen. Ein weiteres beachtenswertes und trauriges Jubiläum war der einhundertste Gottesdienst, der im September 2015 vor dem Präsidentenpalast abgehalten wurde. Der Antrag auf Registrierung der GKI Yasmin Kirche in Bogor, 60 km vor Jakarta, wurde von den Behörden abgelehnt. Schließlich urteilte das indonesische höchste Gericht, dass die Kirche alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt habe und ihnen deshalb auch die Erlaubnis erteilt werden müsse, den Gottesdienstbetrieb in ihrem zwischenzeitlich durch die Behörden versiegelten Gebäude wieder aufzunehmen. Dennoch verweigern der Bürgermeister von Bogor und sein Nachfolger weiterhin bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieses Profils die Umsetzung des Gerichtsurteils.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Nach wie vor sind Christen gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt, zeitweise kommt es in Brennpunktgebieten zu Tätlichkeiten gegen Christen. Die bestehenden Gesetze werden auch künftig nur lückenhaft angewendet werden und es ist bislang völlig unklar, wie die Regierung mit der wachsenden Stärke islamisch-extremistischer Gruppen zurechtkommen wird, ganz zu schweigen von der Rückkehr erfahrener Kämpfer aus syrischen und irakischen Kriegsgebieten. Noch ist nicht sicher, ob die größten muslimischen Organisationen des Landes – Nadhlatul Ulama (NU) und Muhammadiyah – einem liberalen Ansatz folgen werden oder nicht. Die NU selbst äußerte sich besorgt über den steten Einfluss von salafistischen und extremistischen Gruppen. In ihren Reihen gibt es beständige Anstrengungen, den Pluralismus zu fördern. Die wachsende Enttäuschung über die Regierung Joko Widodos (viele Erwartungen haben sich als unrealistisch herausgestellt), und die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden die brisante Situation noch verstärken und immer wieder zu Gewaltausbrüchen führen. Es ist zu befürchten, dass dabei religiöse Minderheiten wie die Christen schnell als Sündenböcke werden herhalten müssen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indonesien:

  • um Einheit der Gemeinden und um Mut zur Verkündigung
  • um Bewahrung der Christen vor Anschlägen
  • um mehr Ausbildungsmöglichkeiten insbesondere für Leiter mit muslimischem Hintergrund

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