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Irak Länderprofil

Irak

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 90 Punkte / Platz 2
(WVI 2015: 86 Punkte / Platz 3)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft) und weniger stark „Exklusives Stammesdenken“ (in Verbindung mit Islamischem Extremismus) sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ und auch „Konfessioneller Protektionismus“

Aktuelle Einflüsse: Christen sind traditionell schon lange in Städten wie Bagdad und Mossul zu Hause, seit 2.000 Jahren leben sie im Irak. Doch nun droht ihnen die Auslöschung. Der Irak leidet seit Jahren sowohl unter strukturellen Unruhen und Konflikten. Hinzu kommt eine Regierung, die nicht in der Lage ist, Recht und Ordnung zu gewährleisten und für ein Mindestmaß an Sicherheit zu sorgen. Der Irak ist zweigeteilt in das semi-autonome Kurdengebiet im Norden und den großen arabischen Teil. Jeder Teil hat seine eigene Sprache und Kultur. Die größten Erdölreserven finden sich nahe Kirkuk und Mossul, beide liegen in der Grenzregion zwischen den Landesteilen und gehören zu den am stärksten von Gewalt betroffenen Regionen des Landes. Die Christen sind hier zwischen die Fronten zweier unterschiedlicher Kriege geraten: der eine um ein unabhängiges Kurdistan und der andere in Form einer religiösen Säuberung durch islamistische Gruppierungen, die ein rein islamisches Land anstreben. Trotz all der Krisen gibt es jedoch auch Hoffnungszeichen: dort, wo Kirchengemeinden unter Flüchtlingen tätig sind.

Betroffene Kategorien von Christen: Christen historisch gewachsener Kirchen sowie Christen muslimischer Herkunft und auch Mitglieder protestantischer Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Die Punktzahl ist in allen Lebensbereichen ähnlich und sehr hoch. Insbesondere Christen muslimischer Herkunft leiden unter Schwierigkeiten in allen Bereichen. Sehr angespannt ist die Situation in vom IS besetzten Gebieten, wo das Recht der Christen auf Religionsfreiheit nicht gegeben ist. Die Bewertung im Bereich Gewalt ist sehr hoch, aber doch etwas niedriger als im vergangenen Jahr, da keine Berichte über Verhaftungen von Christen ohne Gerichtsverhandlung vorliegen. Viele Christen wurden im Land vertrieben, andere wurden ermordet, entführt oder körperlich attackiert, dazu zählen auch Vergewaltigungen und Zwangsheiraten. Kirchen und Klöster sowie kircheneigener Besitz wurden beschädigt, zerstört oder beschlagnahmt – das gilt besonders für Mossul und die Ninive-Ebene.

Ausblick: Große Gebiete im Irak werden von islamischen Extremisten kontrolliert. Eine schnelle Änderung ist nicht zu erwarten, viel mehr eine erneute Auswanderungswelle, der sich auch weitere Christen anschließen werden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 90 Punkten belegt der Irak Platz 2 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. 2015 nahm das Land mit 86 Punkten Rang 3 ein. Unter dem gegenwärtigen Einfluss islamischer Extremisten, insbesondere des Islamischen Staates (IS), radikalisiert sich die Gesellschaft weiter; dadurch wächst auch der Druck auf die Christen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte von Verfolgung sind im Irak: der „Islamische Extremismus“ (Haupttriebkraft) und weniger stark „Exklusives Stammesdenken“ (in Verbindung mit Islamischem Extremismus) sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ und „Konfessioneller Protektionismus“.

Islamischer Extremismus: Islamisch extremistische Gruppen betreiben eine regelrechte religiöse Säuberung; sie streben an, den Irak zu einem rein islamischen Land zu machen. Seit der US-geführten Invasion des Irak im Jahr 2003 verschlechtert sich die Situation kontinuierlich. Eine anti-westliche (und damit gegen Christen gerichtete) Stimmung seitens islamistischer Militanter und Aufständischer baut sich immer weiter auf und führt zu beträchtlicher Gewalt. Die Situation wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Regierung Straftaten ungeahndet lässt und so ein Klima der Gesetzlosigkeit begünstigt. Darüber hinaus wächst die Anzahl islamischer Terrorgruppen im Norden und Westen, angefeuert durch den Bürgerkrieg in Syrien. Im Juni 2014 hat der IS in dieser Region und Teilen Syriens ein Kalifat ausgerufen. Der IS fordert die Einhaltung streng islamischer Regeln und ist für die meiste Gewalt gegen Christen verantwortlich.
Im Zuge regionaler Entwicklungen räumen sowohl die irakische als auch die kurdische Regierung dem Islam eine immer größere Rolle ein. Einige schiitische Parteien pflegen gute Beziehungen zur Islamischen Republik Iran, deren Einfluss im Irak zunimmt. Christen, besonders Konvertiten aus dem Islam, berichten, dass sie in Regionen nahe der iranischen Grenze vom iranischen Geheimdienst beobachtet werden. Ganz allgemein ist im Irak eine Islamisierung der Gesellschaft (im Sinne einer stärkeren Hinwendung zu extremen Formen des Islam) festzustellen. Frauen werden stärker beobachtet und aufgefordert, ein Kopftuch zu tragen; auch die Einhaltung des Ramadan wird verlangt. Sogar christliche Frauen in Bagdad und Basra sehen sich zur Verschleierung außerhalb der eigenen Wohnung genötigt; aus Sorge um die eigene Sicherheit geben sie dem Druck häufig nach. In vom IS kontrollierten Gebieten ist die Vollverschleierung, inklusive des Gesichts, Pflicht für Frauen.

Exklusives Stammesdenken: Die Gesellschaft im Irak ist noch immer sehr vom Stammesdenken geprägt, wozu die Einhaltung uralter Normen und Werte gehört. Im Zusammenspiel mit dem Islam geraten dadurch besonders Christen muslimischer Herkunft häufig in unangenehme oder auch gefährliche Situationen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Korruption spielt bei der Verfolgung von Christen eine große Rolle. Das kommt bei Lösegeldforderungen für entführte Christen zum Tragen, aber auch bei der illegalen Vereinnahmung von deren Häusern und Grundbesitz. Angaben der Organisation „Bagdad Beituna“ (Unsere Heimat Bagdad) zufolge, gab es seit 2003 mehr als 7.000 Verstöße gegen Eigentumsrechte irakischer Christen in Bagdad. Ein Beamter aus Bagdad bestätigte, dass etwa 70 Prozent der Häuser von Christen illegal den Besitzer gewechselt haben. Besonders gefährdete Minderheiten wie Christen werden ausgebeutet. Korruption ist in der irakischen Gesellschaft tief verwurzelt, bis in die höchsten Kreise. Oft sind es Personen aus dem politischen Umfeld, die ihren Einfluss dazu missbrauchen, sich Häuser von Christen, aber auch Kirchen und ganze Klöster anzueignen.

Konfessioneller Protektionismus: Im Süden und im Zentrum des Irak werden Christen, die von traditionellen Kirchen zu protestantischen Freikirchen wechseln, zuweilen durch die Familie aber auch durch Stammesführer und das gesellschaftliche Umfeld eingeschüchtert. Ihnen wird der Verlust des Arbeitsplatzes, ihres Erbes oder auch der Ersparnisse für die Heirat angedroht. Mitgliedern traditioneller Kirchen, die Gottesdienste von Freikirchen besucht haben, wurde die Eheschließung seitens des Bischofs verweigert. Gesellschaftliche Ächtung seitens der eigenen Familie und Gemeinschaft sind üblich.

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3. Aktuelle Einflüsse

Christen haben im Irak eine lange Tradition. Die durch den IS eroberte Stadt Mossul, die zweitgrößte im Land, wurde zur Zeit des Propheten Jona Ninive genannt. Christen sind dort und in Bagdad schon lange zu Hause. Vor der Invasion durch die USA im Jahr 2003 gehörte die christliche Gemeinde im Irak zu den größten im Nahen Osten. Der fast 2.000 Jahre alten Kirche droht nun die Auslöschung.

Der Irak leidet seit Jahren sowohl unter strukturellen Unruhen und Konflikten. Hinzu kommt eine Regierung, die nicht in der Lage ist, Recht und Ordnung zu gewährleisten und für ein Mindestmaß an Sicherheit zu sorgen. Die Korruption blüht und religiös motivierte Gewalt scheint kein Ende zu finden.

Der Irak ist zweigeteilt in das semi-autonome Kurdengebiet unter der Kurdischen Regionalen Regierung (KRG) mit Sitz in Erbil und den großen arabischen Teil unter der irakischen Regierung mit Sitz in Bagdad. Jeder Teil hat seine eigene Sprache und Kultur. Die größten Erdölreserven befinden sich nahe Kirkuk und Mossul, beide liegen in der Grenzregion der Landesteile und gehören zu den an meisten von Gewalt betroffenen Regionen des Landes. Die Christen sind hier zwischen die Fronten zweier unterschiedlicher Kriege geraten: der eine um ein unabhängiges Kurdistan und der andere in Form einer religiösen Säuberung durch islamistische Gruppierungen, die ein rein islamisches Land anstreben. Andererseits gibt es auch Hoffnungszeichen. Im Norden wächst mancherorts die Zusammenarbeit zwischen Pastoren von Gemeinden aus ehemaligen Muslimen. Außerdem sind eher traditionelle Kirchengemeinden und Organisationen unter Flüchtlingen tätig, die aus IS-Gebieten und aus Syrien kommen. Sie verteilen beispielsweise Decken und Spielsachen, Gemeinden in Erbil und Dohuk leisten sogar umfangreiche humanitäre Hilfe für etwa 15.000 Familien.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Alle drei Kategorien von Christen im Irak erleiden Verfolgung.

Christen aus traditionellen Kirchen: Die Assyrisch-Orthodoxe, die Chaldäisch-Katholische oder auch Syrisch-Katholische und die Armenische Kirche sind gleichermaßen stark von Verfolgung betroffen.

Christen muslimischer Herkunft: Christliche Konvertiten erleben ebenfalls sehr starke Verfolgung. Den härtesten Druck erfahren sie durch ihre (erweiterten) Familien.

Protestantische Freikirchen: Beispielsweise evangelikale Gemeinden in Bagdad und Basra sind schwerer Verfolgung ausgesetzt. In der Ninive-Ebene gibt es wegen der Aktivitäten des IS keine derartigen Gemeinden mehr. Christen vor Ort werden überwiegend durch islamisch-extremistische Gruppierungen, aber auch durch Behörden und nicht-christliche religiöse Leiter bedroht und bedrängt. In geringerem Umfang erleben evangelikale Christen Widerstand auch durch die eigene (erweiterte) Familie.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das untenstehende Diagramm zeigt die Wertung für Islamischen Extremismus (im Zusammenspiel mit Exklusivem Stammesdenken). Der Durchschnittswert der ersten 5 Balken (14,918), der den Druck auf Christen widerspiegelt, hat gegenüber dem Vorjahreswert (14,067) deutlich zugelegt. Der Wert für den Block „Gewalt“ hat mit 15,556 gegenüber dem Vorjahreswert (16,112) abgenommen. Die höhere Punktzahl für den Druck in allen Lebensbereichen ist auf die Reduzierung von vier Kategorien für Christen auf nur drei durch das WVI-Team zurückzuführen (ausländische Christen werden nicht länger als eigene Kategorie betrachtet, da sie sich mit den anderen Christen im Land mischen, also keine eigenen Gemeinden mehr bilden). Die bereits hohe Punktzahl für Druck in allen Lebensbereichen hat sich durch die Präsenz des IS im Land weiter erhöht. Der Bereich Gewalt weist eine sehr hohe Punktzahl auf, wenn auch etwas niedriger als im vergangenen Jahr, da für den aktuellen Berichtszeitraum keine Meldungen zu Haftstrafen für Christen ohne Gerichtsverhandlung vorliegen. Die Daten spiegeln eine sehr bedrohliche und unberechenbare Verfolgungssituation. Wie das Diagramm zeigt, sind die Werte für alle Lebensbereiche auf ähnlich hohem Niveau und zeigen den hohen Druck auf Christen allerorts. Dies gilt besonders für Christen muslimischer Herkunft. In IS-Gebieten, wo das Recht der Christen auf Religionsfreiheit schwer verletzt wird, ist die Lage sehr angespannt.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Der Druck hat sich besonders in IS-Gebieten stark erhöht. Alle Christen sind davon in ihrem persönlichen Glaubensleben betroffen: Singen oder Beten ist unmöglich. Für Christen muslimischer Herkunft gilt dies im gesamten Land; ihren Glauben zu zeigen ist gefährlich.

Familienleben: Meist müssen Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben vor dem Rest ihrer (islamischen) Familie verbergen, denn Abfall vom Islam gilt als schändlich. Sie werden schnell bedroht und ausgestoßen. Alle christlichen Familien erleben in IS-Gebieten drastische Einschränkungen, doch auch im restlichen Irak sind christliche Eltern vorsichtig, was sie ihren Kindern hinsichtlich ihres Glaubens weitergeben. Sollten die Kinder in der Schule über ihren Glauben sprechen – besonders im Islamunterricht – droht der Familie eine Anklage wegen Blasphemie.

Leben in der Gesellschaft: Auch in ihrem gesellschaftlichen Umfeld ist es für Christen muslimischer Herkunft zu riskant, über ihren Glauben zu sprechen. Wird ihr Glaube dennoch bekannt, erfahren sie zumindest Diskriminierung durch ihr gesellschaftliches Umfeld. In IS-kontrollierten Gebieten ist die Lage noch ernster. Kein Christ sollte dort über seinen Glauben sprechen. Wenn sich in solchen Gebieten ein Muslim dem christlichen Glauben zuwendet, droht ihm die Hinrichtung. Alle Frauen sind verpflichtet, sich völlig zu verschleiern. Selbst im Norden des Landes (Dohuk, Zakho und teilweise Erbil) wächst der gesellschaftliche Druck auf Frauen, das Kopftuch zu tragen.

Leben im Staat: Die Scharia ist Grundlage der Rechtsprechung im Land. Abfall vom Islam ist verboten. Christen muslimischer Herkunft erleben im gesamten Land Diskriminierung auf allen Ebenen, sobald ihr Glaube bekannt wird. Die Religionszugehörigkeit im Personalausweis kann nicht verändert werden, Kinder solcher Christen werden deshalb automatisch als Muslime registriert. Im Oktober 2015 hat das irakische Parlament das nationale Ausweisgesetz verabschiedet, welches fordert, dass nicht-muslimische Kinder als Muslime registriert werden, falls der männliche Ehepartner zum Islam konvertiert oder die Mutter einen muslimischen Mann heiratet. Das Gesetz wurde trotz Protesten religiöser Minderheiten verabschiedet. Selbst Säuglinge von Christen aus historischen sowie nicht-traditionellen Kirchen können als Muslime registriert werden, ohne dass die Eltern davon Kenntnis erhalten. Fordern Eltern anschließend eine Korrektur der Geburtsurkunde, wird diese in einer Weise vorgenommen, dass der Eindruck entsteht, die Person wäre zum Christentum konvertiert – mit den beschriebenen Folgen. Im nordirakischen Kurdengebiet ordnet die KRG-Regierung, den Verkauf von Bauland in einigen vorwiegend von Christen bewohnten Gebieten und Städten an Muslime oder Jesiden an. Dieser „demographische Umkehrprozess“ geschieht dort bereits seit einigen Jahren. Sollte der Prozess nicht gestoppt werden, wird er eine schrittweise Islamisierung der betroffenen Gebiete zur Folge haben.

Kirchliches Leben: In IS-kontrollierten Gebieten werden Kirchen oder Klöster entweder zerstört oder zweckentfremdet (als Gefängnis, Islamzentrum, Stall). Kirchliches Leben findet in diesen Gebieten praktisch nicht statt. Versammlungen, die nicht vom IS organisiert sind, sind verboten. Eine sehr beunruhigende Entwicklung ist im Süden und Zentrum des Irak zu beobachten: Wegen des Mangels an Priestern oder an Gottesdienstbesuchern – aufgrund von Auswanderung – müssen manche Kirchengebäude verkauft werden.

Auftreten von Gewalt: Seit der IS sein Kalifat ausgerufen hat, mussten Scharen von Christen, Jesiden, Schiiten, Schabak, Kakai und andere Minderheiten aus ihren Häusern fliehen. Viele Christen sind Flüchtlinge im eigenen Land, zumeist mit dem Ziel Kurdengebiet. Zahlreiche Christen wurden ermordet, entführt oder attackiert, außerdem kam es zu zahlreichen Vergewaltigungen und Fällen von Zwangsheirat. Viele Kirchen, Klöster oder Eigentum von Christen wurden beschädigt, zerstört oder konfisziert – besonders in Mossul und der Ninive-Ebene. Mindestens 18 solcher Vorfälle wurden im Berichtszeitraum dokumentiert. Im November 2014 wurde eine „Preisliste“ für vom IS entführte christliche und jesidische Frauen und Kinder gefunden. Kinder im Alter von 1 bis 9 Jahren erzielen demnach Höchstpreise. Einer Meldung von MEC (Midle East Concern) zufolge hat der IS im Januar 2015 eine Broschüre verteilt, wie mit gefangenen Frauen umzugehen ist: IS-Kämpfern ist deren Vergewaltigung erlaubt.

Es ist unmöglich, alle Übergriffe gegen Christen im Irak vollständig aufzulisten. Die oben genannten sind nur einige der größeren Vorfälle im Berichtszeitraum.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Trotz einiger Vorstöße der irakischen und kurdischen Armee im Norden des Landes, unterstützt durch den Iran und die US-geführten Koalition, bleiben große Teile des bewohnten Gebietes im Irak unter der Kontrolle islamischer Extremisten. Die KRG nutzen die instabile Situation, um ihre Forderungen nach Unabhängigkeit – idealerweise einem eigenen Staat – voranzutreiben. Der EIU (Economic Intelligence Unit) der Zeitschrift „The Economist“ zufolge ist „die Macht der schiitischen Milizen beängstigend und es gibt wenig Fortschritt, das Vertrauen der aufgebrachten Sunniten wiederzugewinnen“. Für die Zukunft sind einige Szenarien denkbar.

Szenario 1: Der IS gewinnt weiter an Macht mit weitreichenden regionalen Folgen. Der Iran würde dies verhindern und seinen Einfluss im Irak verstärken, wodurch die regionale Machtbalance in Schieflage geriete. Der Iran ist im Irak bereits stark aufgestellt; dennoch ist es wahrscheinlich, dass der Irak ihn um Hilfe bei der Eindämmung des IS bitten wird. Zusätzlich zur Bedrohung für Christen durch ein weiteres Erstarken des IS käme dann auch der wachsende Einfluss des Iran hinzu, was besonders für Christen muslimischer Herkunft gefährlich wäre. Des Weiteren wird der sich vertiefende Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Kombination mit zunehmender Gewalt und der Unfähigkeit der Regierung, für Recht und Ordnung zu sorgen, dazu führen, dass sich jeder noch mehr in seine jeweilige religiöse Gruppierung zurückzieht. Wachsendes Misstrauen wäre die Folge. Die ohnehin niedrige Toleranzschwelle im Allgemeinen in Verbindung mit der Präsenz des IS wird sich für religiöse Minderheiten – auch für Christen – nachteilig auswirken. Eine lokale Quelle erwartet eine weitere Auswanderungswelle – auch von Christen, sollte die Ninive-Ebene nicht bald vom IS befreit werden.

Szenario 2: Al Kaida erstarkt weiter und verstärkt sein Bemühen, alle „Abtrünnigen“ zu bekämpfen. Gleichzeitig arbeitet die Organisation an ihrem Image, dem „reinen Islam“ genauer als andere Gruppierungen zu folgen. Der IS ging aus einer Abspaltung von Al Kaida hervor, das als zu moderat galt. Die Folgen für die Christen wären erhöhte Gefahr und Bedrohung. Weitere Christen würden den Irak verlassen, voraussichtlich in oder durch das relativ sichere Kurdengebiet.

Szenario 3: Verschiedene religiöse und ethnische Gruppierungen vereinigen sich im Kampf gegen den gemeinsamen dschihadistischen Gegner. Mehr Stabilität im Land wäre die Folge. Auf der persönlichen Ebene könnten sich mehr und eher moderate Muslime wegen der Grausamkeiten des IS von ihrer Religion abwenden. Andere Religionen – auch die Christen – würden bei ihnen offene Türen und vielleicht auch offene Herzen finden.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Irak:

  • um Frieden und gute politische Lösungen
  • um Gottes Schutz vor Angriffen auf Gottesdienste und Kirchen
  • um ein Aufhören der Entführungen und Ermordungen
  • um Gottes Kraft und Stärke für die Flüchtlingsfamilien in den Kurdengebieten: Alphabetisierungskurse, Hilfe zur Selbsthilfe-Projekte usw.

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