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Jemen Länderprofil

Jemen

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 78 Punkte / Platz 11
(WVI 2015: 73 Punkte / Platz 14)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ und „Exklusives Stammesdenken“ (vermischt mit Islamischem Extremismus) sind die Haupttriebkräfte der Verfolgung; in geringerem Ausmaß spielen auch „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ eine Rolle.

Aktuelle Einflüsse: Seit dem Jahr 2012, in welchem der frühere Präsident Ali Abdullah Saleh abgesetzt wurde, gab es im Jemen politische Unruhen und vereinzelt Gewalt. In dem nun bestehenden Machtvakuum kämpfen mehrere Gruppen – darunter Al Kaida und dem „Islamischen Staat“ (IS) nahestehende Gruppen – um die Herrschaft im Land. Im März 2015 zwangen Milizen der schiitischen Huthis Präsident Abd Rabbuh Mansour Hadi und seine Regierung ins Exil nach Saudi-Arabien. Der Einfluss von Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) und dem IS scheint weiter zu wachsen; erstere konnte kürzlich ihre Gebietsherrschaft im südlichen Jemen erweitern. Unterdessen kämpft der Jemen mit einer dramatischen humanitären Krise. 80 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und fast die Hälfte der Bevölkerung hat keine gesicherte Lebensmittelversorgung – damit ist die Hungerkrise im Jemen eine der schlimmsten auf der ganzen Welt.

Betroffene Kategorien von Christen: Ausländische oder eingewanderte Christen und Christen muslimischen Hintergrunds

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: In den Bereichen des Privatlebens und des kirchlichen Lebens sind die Wertungen besonders hoch. Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen leben. Wenn sie in ihrer Umgebung auch nur den kleinsten Verdacht erregen, Christen zu sein, kann dies ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Ausländische Christen haben – relativ gesehen – mehr Freiheit, ihren Glauben im Privaten zu leben; allerdings ist es mittlerweile auch im privaten Bereich riskant geworden, Gottesdienst zu feiern, wenn man in einem Gebiet lebt, das von extremistischen Muslimen kontrolliert wird. Große Teile des Landes werden von Al Kaida kontrolliert.
In der Stadt Aden gab es vier offizielle Kirchen für ausländische Christen und Flüchtlinge aus Äthiopien, doch wurden diese zu großen Teilen im Bürgerkrieg zerstört. Es gibt dort keine funktionsfähige Kirche mehr und ansonsten sind Kirchen im Jemen grundsätzlich verboten. Daher treffen sich eingewanderte Christen meist in Privatwohnungen zum Gottesdienst. Christen muslimischen Hintergrunds ist es nicht erlaubt, ihre eigenen Versammlungen abzuhalten, weshalb sie an geheimen Orten zusammenkommen.
Gezielte Gewalt gegen christliche Konvertiten ging von der Familie und sunnitischen sowie – zu einem geringen Anteil – schiitischen Extremisten aus.

Ausblick: Es sieht nicht so aus, als ob sich die Lage im Jemen bald stabilisieren würde. Wenn der Konflikt fortdauert, steht das Land in der Gefahr einer längerfristigen Zersplitterung, vergleichbar der Situation in Syrien oder Libyen. Diese Aussicht verheißt offenkundig nichts Gutes für die einheimischen und ausländischen Christen im Jemen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016 nimmt Jemen mit einer Wertung von 78 Punkten – das sind 5 Punkte mehr als im letzten Jahr – Platz 11 ein. Der Druck, den Christen im Jemen erleben, ist vergleichbar mit dem in Saudi-Arabien und ist besonders durch den Bürgerkrieg im Land und den wachsenden Einfluss extremistischer Muslime weiter angestiegen. In den Gebieten, in denen vom saudischen Bündnis geführte Truppen dominieren, werden die Christen vor Ort oft von extremistischen Sunniten angegriffen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Im Jemen sind mehrere Triebkräfte der Verfolgung wirksam: „Islamischer Extremismus“ und „Exklusives Stammesdenken“ (vermischt mit Islamischem Extremismus) sind die Haupttriebkräfte, in geringerem Maß kommt noch „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ dazu.

Islamischer Extremismus: Die Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. Für Ausländer herrscht ein gewisses Maß an Religionsfreiheit, die Weitergabe des Evangeliums ist jedoch verboten. Mehrere Gastarbeiter wurden wegen christlicher Aktivitäten des Landes verwiesen. Muslimen ist es verboten, zu einem anderen Glauben überzutreten; Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. Alle wichtigen religiösen Autoritäten im Land befürworten den Erhalt der islamischen Identität des Landes und sprechen sich gegen jeden Versuch aus, dies zu ändern. Die extremistischeren unter den Leitern regen sogar Gewalt gegen Christen an.

Exklusives Stammesdenken: Das Stammesdenken hat im Jemen weiterhin hohe Bedeutung; die Regierung spielt neben dem traditionellen System nur eine untergeordnete Rolle. Dementsprechend gibt es im Jemen viele Gebiete, in denen Stammesälteste auf der Grundlage ihrer islamischen Traditionen Gesetze erlassen und Recht sprechen – ungeachtet dessen, was die Verfassung des Landes oder die Regierung sagen. Die Regierung mischt sich nicht einmal dann in Konflikte zwischen den Stämmen ein, wenn Menschen dabei verletzt oder gefangen genommen werden. Stammesgesetze und -bräuche verbieten Stammesmitgliedern, den Stamm zu verlassen. Frauen dürfen nicht außerhalb des Stammes heiraten. Verstöße gegen diese Regeln können mit Tod oder Verbannung bestraft werden. Ein politischer Beobachter fasst die Situation folgendermaßen zusammen: „Der Islam ist die übergreifende Identität aller Stämme im Jemen und es ist der Stamm, der oft die ‚ausgleichende‘ Gerechtigkeit für diejenigen durchführt, die den Islam verlassen wollen.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Diese Triebkraft versucht, ein Klima der Straflosigkeit, der Anarchie und Korruption als Mittel zur Selbstbereicherung zu schaffen. Ausländische Christen im Jemen sind durch diese kriminellen Machenschaften gefährdet. Bei Entführungen mit Lösegeldforderungen spielt neben dem Glauben die vermutete Vermögenslage der betroffenen Christen eine Rolle. In dem derzeitigen Chaos und der Gesetzlosigkeit des Bürgerkrieges hat diese Triebkraft nun mehr Raum zur Entfaltung.

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3. Aktuelle Einflüsse

Der Jemen ist ein relativ junges Land: Der traditionelle Nord-Jemen und der kommunistische Süd-Jemen wurden 1990 nach Jahren der Kämpfe vereinigt. Jedoch ist die Unabhängigkeitsbewegung im Süden weiterhin stark. Seit der Absetzung des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh im Jahr 2012 gab es im Jemen politische Unruhen und vereinzelt Gewalt. In dem Machtvakuum kämpfen mehrere Gruppen – darunter Al Kaida nahestehende Gruppen – um die Herrschaft über einzelne Gebiete. Im September 2014 arteten Proteste der schiitischen Rebellengruppe der Huthis in Kämpfe mit rivalisierenden Kräften aus, unter anderem mit der bedeutendsten sunnitisch-islamistischen Partei Jemens. Letzten Endes besetzten die Huthis den Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sowie bedeutende Ministerien und erreichten die Vorherrschaft über den Norden des Landes. Im März 2015 zwangen sie Präsident Abd Rabbuh Mansour Hadi und seine Regierung ins Exil nach Saudi-Arabien. Im Juli 2015 gewannen regierungstreue Truppen und Milizen aus dem Süden die Kontrolle über Aden zurück, unterstützt von Truppen und Luftangriffen der saudisch-geführten Koalition, die bereits im März aktiv wurde. Inzwischen scheint der Einfluss von Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) weiter zu wachsen; erst kürzlich hat sie ihre Herrschaft über Gebiete im südlichen Jemen ausgebaut. Dem „Islamischen Staat“ (IS) nahestehende Gruppen sind ebenfalls in dem vom Krieg zerrissenen Land vertreten und haben im März damit begonnen, sowohl schiitische als auch mit der Regierung in Verbindung stehende Ziele anzugreifen. Laut Al Monitor wird der IS „inmitten des sich ausbreitenden Extremismus infolge des Konflikts zwischen den Huthis und der Zentralregierung der Hauptgegner sowohl der Huthis als auch von AQAP werden“. Unterdessen kämpft der Jemen mit einer schlimmen humanitären Krise. Ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung in diesem ärmsten Land auf der Arabischen Halbinsel sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Fast die Hälfte der Bevölkerung – ca. 13 Millionen Menschen – hat keine gesicherte Lebensmittelversorgung und 54 Prozent leben unter der offiziellen Armutsgrenze. Nach Zahlen von UNICEF leiden 1,2 Millionen Kinder im Jemen „unter akuter Mangelernährung und 500.000 sind ernstlich unterernährt, wodurch die Hungerkrise im Jemen eine der schlimmsten auf der ganzen Welt ist”.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Jemen gibt es zwei Kategorien von Christen, die beide von der Verfolgung betroffen sind:

Ausländische oder eingewanderte Christen: Die meisten Christen im Jemen sind ausländische Gastarbeiter (aus Nordafrika, dem Westen, Süd- und Ostasien und arabischen Ländern) oder Flüchtlinge (hauptsächlich Äthiopier). Fast alle Christen sind römisch-katholisch oder Anglikaner (einige der äthiopischen Flüchtlinge gehören zur orthodoxen Kirche). Eine große Anzahl vor allem westlicher Ausländer hat das Land aus Sicherheitsgründen verlassen – ein Ergebnis des Bürgerkrieges.

Christen muslimischen Hintergrunds: Christen muslimischen Hintergrunds erleiden schwere Verfolgung und müssen ihren Glauben im Grunde im Verborgenen leben. Die Verfolgung geht von Behörden (bis hin zur Inhaftierung), der Familie und extremistischen islamischen Gruppen aus, die „Abtrünnige“ mit dem Tod bedrohen, wenn sie nicht zum Islam zurückkehren. Die Zahl der einheimischen Christen muslimischen Hintergrunds wird auf nur einige Hundert geschätzt.

Alle Christen im Land erleben sehr starke Verfolgung durch den Islam. Da die meisten Christen Ausländer sind, sind sie der Verfolgung besonders ausgesetzt, weil sie nicht nur keine Muslime sind, sondern dazu oft noch als Eindringlinge in die Identität des Landes und der Stämme angesehen werden. AQAP ist im Jemen sehr aktiv und stellt eine existenzielle Bedrohung für jeden Christen dar, der im Land lebt. Vielfach hat die Gruppe Christen angegriffen, entführt und getötet.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Jemen zeigt die Bewertungen für Islamischen Extremismus (vermischt mit Exklusivem Stammesdenken). Die durchschnittliche Punktzahl der ersten fünf Bereiche (14,600), die den Druck auf die Christen aufzeigt, ist höher als im letzten Jahr (14,095). Die Wertung für das Auftreten von Gewalt ist erheblich höher, sie ist von 2,037 (WVI 2015) auf 5,371 gestiegen. Dieser Anstieg verweist auf eine unberechenbare Verfolgungssituation, entsprechend den aktuell chaotischen und anarchistischen Zuständen durch den Bürgerkrieg im Jemen. Wie das untenstehende Verfolgungsmuster zeigt, sind besonders die Punktzahlen für den Druck im „Privatleben“ und „kirchlichen Leben“ sehr hoch. Christen muslimischen Hintergrunds sind am stärksten betroffen, doch das Leben ist für alle Christen schwierig.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen muslimischen Hintergrunds können ihren Glauben nicht offen leben. Wenn sie in ihrer Umgebung auch nur den kleinsten Verdacht erregen, Christen zu sein, kann dies ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Ausländische Christen haben – relativ gesehen – mehr Freiheit, ihren Glauben im Privaten zu leben; allerdings ist es mittlerweile auch im privaten Bereich riskant geworden, Gottesdienst zu feiern, wenn man in einem Gebiet lebt, das von extremistischen Muslimen kontrolliert wird. Große Teile des Landes werden von Al Kaida kontrolliert.

Familienleben: Alle Jemeniten gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn eines der Familienmitglieder den Islam verlässt. Christen muslimischen Hintergrunds laufen Gefahr, einem sogenannten „Ehrenmord“ zum Opfer zu fallen und körperlich misshandelt zu werden, wenn ihre Familien oder Gemeinschaften ihren Glauben entdecken. Im Jemen können öffentlich keine christlichen Hochzeiten gefeiert werden und Christen muslimischen Hintergrunds müssen nach islamischen Bräuchen heiraten. Sie können ihre Kinder nicht als Christen registrieren lassen. In der Schule sind Kinder von diesen Christen dazu verpflichtet, am Islamunterricht teilzunehmen. Im Falle einer Scheidung wird Christen mit großer Wahrscheinlichkeit das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen, wenn andere Familienmitglieder Muslime sind.

Gesellschaftliches Leben: Uneingeschränkt alle Christen sind von der islamischen Gesellschaft des Jemen bedroht, besonders durch AQAP. Dies hält die Christen natürlich davon ab, ihren Glauben in irgendeiner Weise öffentlich bekannt zu machen. Da Konversion offiziell als illegal angesehen wird, werden Christen muslimischen Hintergrunds von der lokalen islamischen Gemeinschaft dazu gezwungen, ihren Glaubenswechsel bei den Behörden zu melden. Christinnen muslimischer Herkunft werden weiterhin als Muslimas angesehen und von ihnen wird erwartet, dass sie den Schleier tragen. Sie stehen außerdem in Gefahr, zwangsverheiratet oder unter Hausarrest gestellt zu werden, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Auch für ausländische Frauen kann es negative Konsequenzen haben, wenn sie nicht verschleiert sind; besonders in kleineren Städten kann dies zu Belästigungen führen.

Leben im Staat: Der Islam und die staatliche Gesetzgebung verbieten den Übertritt vom muslimischen zum christlichen Glauben. Christen muslimischer Herkunft droht sogar die Todesstrafe (auch wenn sie im Allgemeinen nicht vollstreckt wird), wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges hatten ausländische und eingewanderte Christen Problemen im staatlichen Bereich, wenn sie aktiv daran beteiligt waren, Muslimen das Evangelium weiterzugeben. Dies konnte zu Verhaftung und Ausweisung führen. Da die Behörden ihre Aufmerksamkeit während des vergangenen Jahres jedoch vor allem den politischen Ereignissen gewidmet haben, ging die Unterdrückung vor allem von islamischen Extremisten aus, die in größerer Freiheit agieren konnten. Diese islamistischen Bewegungen haben die Lage im Land unsicher und instabil gemacht. Es wird angenommen, dass Christen (auch ausländische) unter Überwachung durch extremistische Muslime stehen und zu einem besonderen Ziel für die islamistischen Gruppierungen werden können. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Gegenwärtig leiden Christen vor allem unter der Gesetzlosigkeit im Land und unter schiitischen Kämpfern oder Al Kaida angehörenden Gruppen, die große Teile des Landes beherrschen.

Kirchliches Leben: In der Stadt Aden gab es vier offizielle Kirchen für ausländische Christen und äthiopische Flüchtlinge, doch diese wurden zu großen Teilen im Bürgerkrieg zerstört. Es gibt dort keine funktionsfähige Kirche mehr und ansonsten sind Kirchen im Jemen grundsätzlich verboten. Daher treffen sich eingewanderte Christen meist in Privatwohnungen zum Gottesdienst. Christen muslimischen Hintergrunds ist es nicht erlaubt, ihre eigenen Versammlungen abzuhalten, weshalb sie an geheimen Orten zusammenkommen. Muslime zu evangelisieren, ist illegal; biblische Schulungen, die Publikation und der Import von Bibeln und anderer christlicher Literatur in arabischer Sprache sind nahezu unmöglich.

Auftreten von Gewalt: Gezielte Gewalt gegen christliche Konvertiten ging von der Familie und sunnitischen sowie – zu einem geringen Anteil – schiitischen Extremisten aus. Zwei einheimische Christen wurden aus Glaubensgründen getötet. Einige Christen muslimischen Hintergrunds mussten sich verstecken oder sogar aus dem Land fliehen. Mindestens drei Kirchen wurden durch Bomben oder anderweitig im Bürgerkrieg beschädigt. Es ist schwer zu unterscheiden, in welchem Ausmaß die Zerstörungen Kollateralschäden des Bürgerkrieges oder tatsächlich religiös motiviert sind. Jedenfalls ist bekannt, dass Kirchen auf der Arabischen Halbinsel, der Wiege des Islam, von vielen Menschen nicht gern gesehen sind. Verschiedene islamische Geistliche vor Ort haben zur Zerstörung der Kirchen in der Region aufgerufen. Im September legten maskierte Kämpfer in der römisch-katholischen St.-Joseph-Kirche in Aden Feuer, woraufhin die Kirche vollständig ausbrannte. Einem Sicherheitsbeamten zufolge könnten die Täter Al-Kaida-Dschihadisten sein. Die Kirche war trotz des Bürgerkrieges offen geblieben. Im Dezember 2015 (außerhalb des Berichtszeitraums) wurde eine katholische Kirche in Aden schwer beschädigt, nachdem Kämpfer im Innenraum Sprengstoff gezündet hatten, was vermutlich vorsätzlich geschah. Die Kirche war bereits beschädigt gewesen und nicht mehr in Betrieb, nachdem sie bei einem Luftangriff von der saudisch-geführten Koalition im Mai 2015 getroffen worden war.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Der Bürgerkrieg im Jemen hat zu einem erhöhten Maß an Gewalt und Gesetzlosigkeit geführt, wodurch wiederum die Unterdrückung von Minderheiten, zu denen die Christen gehören, zugenommen hat. Nach Aussage des Leiters einer Nichtregierungsorganisation, die im Land tätig ist, werden in den Gebieten, in denen saudisch-geführte Bündnistruppen dominieren, die Christen vor Ort oft von extremistischen Sunniten angegriffen. Ebenso werden bekannte christliche Gebäude zur Zielscheibe, unter ihnen Einrichtungen, in denen Christen oder Ausländer aus christlich geprägten Staaten arbeiten – d. h. Gebäude, die von Christen erbaut oder unterhalten werden. Dies weist in die gleiche Richtung wie der Hinweis, den Beobachter in einem Artikel der Economist Intelligence Unit (EIU) der Zeitschrift „The Independent“ gegeben haben: „dass Saudi-Arabien zugunsten von AQAP zumindest ein Auge zudrückt, was den Handel vom Golf nach Mukalla betrifft“. AQAP, die von den Vereinigten Staaten als gefährlichster Ableger von Al Kaida bezeichnet wird, unterminiert die nationale Sicherheit und die Wirtschaft. Unlängst hat sie ihre Gebietsherrschaft im südlichen Jemen ausgeweitet. Dem IS nahestehende Gruppen sind ebenfalls in dem vom Krieg zerrissenen Land vertreten und haben im März damit begonnen, sowohl schiitische als auch mit der Regierung in Verbindung stehende Ziele anzugreifen. Laut Al Monitor „stärkt die wachsende Gewalt den IS und bringt ihn auf einen direkten Kollisionskurs, um AQAP als Fahnenträger des ‚Heiligen Krieges‘ zu verdrängen. Beide Gruppen wollen die politische und religiöse Instabilität für ihre Zwecke nutzen.“

Da sich der IS noch in einer Vorbereitungs- und Mobilisierungsphase befindet, sind bewaffnete Zusammenstöße zwischen den beiden islamistischen Gruppen zurzeit noch nicht wahrscheinlich. Dennoch schmälert ihr wachsender Einfluss die Friedenschancen und lässt ein Andauern der Instabilität vermuten – sogar wenn der Streit mit den Huthis gelöst würde. Die EIU gibt folgende Einschätzung: „Je länger sich dieser zentrale Konflikt hinzieht und dem Konflikt mit AQAP und anderen Dschihadisten keine Priorität eingeräumt wird, desto größer wird das Risiko, dass der Jemen in eine längerfristige Phase der Zersplitterung eintritt, ähnlich wie in Syrien oder Libyen.“

Dass Islamisten die Verfolgung im Jemen stark vorantreiben, verheißt nichts Gutes für die Situation der einheimischen und ausländischen Christen und die Religionsfreiheit im Jemen. Die Situation ist besonders heikel für die kleine einheimische Gemeinde, die hauptsächlich aus Christen muslimischen Hintergrunds besteht und durch den Weggang ausländischer Christen noch geschwächt wird. Andererseits wird berichtet, dass sich mehr Muslime als je zuvor Jesus Christus zuwenden.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Jemen:

  • dass die einheimischen Christen immer mehr Möglichkeiten finden, um sich zu treffen und gegenseitig zu ermutigen
  • um Weisheit und Tatkraft für die Regierung unter Präsident Hadi, angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, Gewalt, Korruption und Analphabetismus (besonders unter Frauen)
  • um Schutz und Weisheit für die ausländischen Christen, die vielfach in humanitären Projekten arbeiten

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