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Katar Länderprofil

Katar

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 65 Punkte / Rang 21
(WVI 2015: 64 Punkte/ Rang 18)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft), in geringerem Ausmaß „Exklusives Stammesdenken“ (vermischt mit Islamischem Extremismus).

Aktuelle Einflüsse: 90 Prozent der über zwei Millionen im Land lebenden Menschen sind Arbeitsmigranten. Die übrigen zehn Prozent der Bevölkerung Katars haben das weltweit höchste Einkommen pro Kopf. Im Land lebende Ausländer (auch diejenigen aus dem Westen) und besonders Arbeitsmigranten (meistens aus Asien und Afrika) werden von den Katarern generell wie Sklaven betrachtet und dementsprechend behandelt. Zwangsarbeit und Menschenhandel sind wesentliche Probleme. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeitsmigranten sind mitunter unmenschlich und gefährlich; viele von ihnen werden unterbezahlt, leben in unzureichenden Behausungen (u.a. in unhygienischen und überfüllten Arbeitslagern) und sind häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einige am Arbeitsplatz ums Leben kommen.

Betroffene Kategorien von Christen: Gemeinschaften von ausländischen Christen oder Arbeitsmigranten; Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Die intensivste Verfolgung geschieht im privaten und im kirchlichen Leben. Die Abkehr vom Islam hin zu einer anderen Religion wird mit dem Tod bestraft; Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen leben. Jeder Hinweis auf ihre Bekehrung zum christlichen Glauben kann ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Ausländische christliche Fachkräfte haben etwas mehr Freiraum, ihren Glauben privat zu praktizieren, solange sie das Evangelium nicht an Muslime weitergeben. Ausländische Christen können sich nur privat oder an ausgewiesenen Orten versammeln. Äußere Zeichen des Glaubens, wie Kreuze an Kirchengebäuden, sind verboten. Es gibt in Katar einige Gemeinden, welche die große Gruppe der Arbeitsmigranten betreuen, Christen muslimischen Hintergrunds dürfen aber nicht teilnehmen. Die offizielle Registrierung einer Kirche scheitert häufig an der dafür vorgeschriebenen Mindestzahl von 1.500 registrierten Besuchern. Die meisten Kirchen befinden sich in den Außenbezirken der Hauptstadt Doha. Veröffentlichung, Import und Verteilung von religiösem Material wird reguliert. Die Kirchen dürfen selbst kein Material importieren, sondern sind auf eine säkulare Buchhandlung angewiesen. Ein positives Zeichen seitens der katarischen Behörden war die Erteilung von Baugenehmigungen für Kirchen der libanesischen maronitischen Gemeinde und der philippinischen evangelikalen Gemeinschaft. Von Zeit zu Zeit erhält Open Doors Berichte von Christen muslimischer Herkunft, die aufgrund ihres Glaubens Verfolgung durch Familienmitglieder oder Freunde erleiden. Doch meistens bleiben solche Vorfälle unbekannt. Wenn Christen missionarisch aktiv werden, laufen sie Gefahr, verhaftet oder ausgewiesen zu werden.

Ausblick: Die politische, soziale und wirtschaftliche Situation Katars scheint relativ stabil zu sein. Kurzfristig sind keine tiefgreifenden Veränderungen in der Religionsfreiheit für Christen zu erwarten.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 65 Punkten belegt Katar Platz 21 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Das entspricht einem Rückgang um einen Punkt gegenüber dem Jahr 2015, als Katar Rang 18 einnahm. Die Situation der Christen muslimischer Herkunft und christlicher Arbeitsmigranten hat sich kaum verändert und ist daher weiter schwierig.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Katar ist „Islamischer Extremismus“. Hinzu kommt in geringerem Ausmaß „Exklusives Stammesdenken“(vermischt mit Islamischem Extremismus).

Islamischer Extremismus: Die Staatsreligion Katars ist ein strenger wahhabitischer Islam. Während Muslime die Freiheit haben, ihren Glauben öffentlich auszuleben, müssen andere nichtmuslimische Gruppen wie Christen ihren Glauben in ihren Häusern oder dafür ausgewiesenen Örtlichkeiten ausüben. Missionierung ist gesetzlich verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Kritik am Islam wird bestraft. Die Hinwendung vom Islam zu einer anderen Religion wird als Abfall vom Islam verstanden, was als ein todeswürdiges Vergehen gilt. Das Familienrecht wird durch die Scharia, die islamische Gesetzgebung, kontrolliert. Nahezu alle Staatsbürger Katars sind entweder sunnitische oder schiitische Muslime.

Exklusives Stammesdenken: Charakteristisch für diese Triebkraft sind Bemühungen, die prägende Kraft traditioneller Werte und Normen zu erhalten, die in einer Stammeskultur entstanden sind. In Katar ist Exklusives Stammesdenken sehr stark mit dem Islam verflochten. Dies betrifft besonders Christen muslimischen Hintergrunds.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Bevölkerung Katars besteht zum Großteil aus Arbeitsmigranten: Sie machen 90 Prozent der über zwei Millionen Einwohner aus. Das ist die weltweit höchste Rate von Zuwanderern im Verhältnis zu Einheimischen und stellt gleichzeitig eine der weltweit höchsten Zuwachsraten an Einwohnern dar. Die übrigen zehn Prozent der Bevölkerung Katars haben das weltweit höchste Einkommen pro Kopf. Im Land lebende Ausländer (auch diejenigen aus dem Westen) und Arbeitsmigranten (meistens aus Asien und Afrika) werden von den Katarern generell wie Sklaven betrachtet und auch dementsprechend behandelt. Zwangsarbeit und Menschenhandel sind die größten Probleme. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeitsmigranten sind mitunter unmenschlich und gefährlich; viele von ihnen werden unterbezahlt, leben in unzureichenden Behausungen (u.a. in unhygienischen und überfüllten Arbeitslagern) und sind häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einige am Arbeitsplatz ums Leben kommen.

Ermittlungen von Amnesty International haben gezeigt, dass aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen etwa ein Arbeitsmigrant pro Tag stirbt. Laut Human Rights Watch herrschen in Katar die schlimmsten Arbeitsbedingungen für Ausländer weltweit. Momentan ist dies ein großes Thema, da eine große Anzahl von Arbeitern benötigt wird, um den Bau der Sportstätten für die geplante Fußballweltmeisterschaft 2022 voranzutreiben.

Katar gehört zu den größten Geldgebern für den islamischen Terrorismus: Das Land unterstützt Rebellen im Irak, Syrien und Mali. Zudem finanziert Katar den Bau von Moscheen, u.a. in Europa und Afrika, sowie Krankenhäuser und Schulen. Letztere werden als gute Möglichkeit betrachtet, den Islam zu verbreiten. Neben Saudi-Arabien ist Katar das einzige wahhabitische islamische Land der Welt.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen oder Arbeitsmigranten: Die Intensität der Verfolgung variiert unter den einzelnen Gruppen von Christen. So haben ungebildete Arbeitsmigranten aus Entwicklungsländern (z.B. Bauarbeiter) einen niedrigeren sozialen Status und werden meist schlechter behandelt als Ausländer aus dem Westen, die als Facharbeiter beschäftigt sind. Daher werden Migranten aus Asien und Afrika ungeachtet ihrer Religion generell schlecht behandelt. Ist ein Arbeitsmigranten obendrein noch Christ, muss er mitunter zusätzliche Diskriminierungen erdulden. Dazu gehört ein massiver Druck, zum Islam zu konvertieren.

Nicht-islamische Migranten dürfen ihren Glauben nicht öffentlich ausüben. Viele von ihnen haben keine Möglichkeit, einen Gottesdienst zu besuchen, der in einem speziellen Komplex in der Wüste außerhalb der Hauptstadt Doha stattfindet. Die christliche Gemeinschaft der Arbeitsmigranten wächst. Viele der Arbeiter, ob zuvor nur Christen aus familiärer Tradition oder Muslime, finden während ihres Aufenthalts zu einem persönlichen christlichen Glauben. Am Kirchenstandort herrschen bereits Verkehrsstaus und Parkplatznot. Viele Christen gehen davon aus, dass der Komplex bald zu klein sein wird, um alle Christen in Katar aufnehmen zu können, die sich zu den Gottesdiensten versammeln.

Christen muslimischer Herkunft: Am stärksten werden Christen muslimischer Herkunft verfolgt. Sie gelten als „Abtrünnige“ und müssen mit der Todesstrafe rechnen. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1971 wurden allerdings keine Exekutionen oder andere offizielle Strafen für die Abkehr vom (islamischen) Glauben registriert. Fast alle katarischen Christen, die sich vom Islam abgewendet haben, sind im Ausland zum christlichen Glauben gekommen. Die meisten kehren aus Furcht nicht in ihr Land zurück.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Katar zeigt die Auswirkung des Islamischen Extremismus (vermischt mit dem Exklusivem Stammesdenken) auf die einzelnen Lebensbereiche. Die durchschnittliche Wertung der fünf Bereiche liegt bei 12,895 Punkten und verdeutlicht, dass der Druck auf Christen gegenüber dem Vorjahr (12,715) leicht zugenommen hat. Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist keine Veränderung festzustellen (0,185). Dies deutet daraufhin, dass die Verfolgung in Katar sich stabilisiert hat. Darüber hinaus zeigt das Verfolgungsmuster, dass der Druck in den Lebensbereichen „Privatleben“ und „Kirchliches Leben“ am intensivsten ist. Die Gemeinschaften der einheimischen und auch ausländischen Christen muslimischer Herkunft haben am stärksten mit Verfolgung zu kämpfen, besonders wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie oder ihrem privaten Umfeld sind. Die Benachteiligung bei Behörden, auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft betrifft alle Christen im Land.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht öffentlich ausleben. Jeder Hinweis auf ihre Hinwendung zum christlichen Glauben kann schwerwiegende Konsequenzen für sie haben. Ausländische Christen haben mehr Freiheiten, ihren Glauben privat auszuleben, solange sie das Evangelium nicht an Muslime weitergeben. Arbeitsmigranten müssen ihren Glauben mit größter Vorsicht ausleben, denn ihre Sicherheit hängt von der Einstellung und Religion ihrer Arbeitskollegen ab, mit denen sie zusammen in den gleichen Unterkünften leben.

Familienleben: Alle einheimischen Katarer gelten per Definition als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn eines ihrer Mitglieder den Islam verlässt. Christen muslimischer Herkunft stehen in erheblicher Gefahr, zur Wiederherstellung der Familienehre ermordet zu werden. Wenn ihre Familien oder ihr gesellschaftliches Umfeld ihren Glauben entdecken, drohen ihnen körperliche Gewalt oder die Verbannung. Daher bleiben viele Christen muslimischer Herkunft aus Angst vor Verrat oder Gerüchten anonym.

Gesellschaftliches Leben: Alle Christen stehen mehr oder minder unter Druck, ihrem Glauben abzuschwören. Konvertiten zum christlichen Glauben werden an ihrem Arbeitsplatz schikaniert und diskriminiert, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird.

Leben im Staat: Das Rechtssystem basiert auf der Scharia, und die Hinwendung zu einer anderen Religion als dem Islam kann mit dem Tode bestraft werden. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck von Seiten der Behörden, wenn ihr christlicher Glaube bekannt wird. Ertappen die Behörden Arbeitsmigranten und ausländische Christen dabei, wie sie das Evangelium mit Muslimen teilen, kann dies zu ihrer Verhaftung und Deportation führen.

Kirchliches Leben: Ausländische Christen können sich nur privat oder an ausgewiesenen Orten versammeln. Äußere Zeichen des Glaubens, wie Kreuze an Kirchengebäuden, sind verboten. Es gibt in Katar einige Gemeinden, welche die große Gruppe der Arbeitsmigranten betreuen. Christen muslimischen Hintergrunds dürfen Gottesdienste nicht besuchen. Die offizielle Registrierung einer Kirche scheitert häufig an der dafür vorgeschriebenen Mindestzahl von 1.500 registrierten Mitgliedern. Die meisten Kirchen befinden sich in den Außenbezirken der Hauptstadt Doha. Unter dem Vorwand, ihre Sicherheit gewährleisten zu wollen, werden sie streng überwacht. Das führt dazu, dass sie zumeist in Ghettos leben müssen. Die Veröffentlichung, der Import und die Verteilung von religiösem Material werden reguliert. Die Kirchen dürfen selbst kein Material importieren, sondern sind auf eine säkulare Buchhandlung angewiesen. Ein positives Signal für die Christen vonseiten der katarischen Behörden war die Erteilung von Baugenehmigungen für Kirchen der libanesischen maronitischen Gemeinde und der philippinischen evangelikalen Gemeinschaft.

Auftreten von Gewalt: Von Zeit zu Zeit erhält Open Doors Berichte von Christen muslimischer Herkunft, die aufgrund ihres Glaubens Verfolgung durch Familienmitglieder oder Freunde erleiden. Doch meistens bleiben solche Vorfälle unbekannt. Für den Berichtszeitraum des WVI 2016 liegen Open Doors keine Berichte über gewalttätige Angriffe auf Christen aufgrund ihres Glaubens vor.

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6. Ausblick

Die politische, soziale und wirtschaftliche Situation Katars scheint relativ stabil zu sein. Der neue Scheich Tamim bin Hamad al-Thani hat das Kabinett nach seinem Amtsantritt 2013 erneuert, Analysten erwarten von dem neuen Machthaber jedoch generell keine großen Veränderungen in der Innen- und Außenpolitik. Eine Prognose der „Economist Intelligence Unit“ für die kommenden Jahre geht von einer politisch stabilen Situation während der Amtszeit von Scheich Tamim bin Hamad al-Thani aus. Darin wird außerdem eine weitere Verbesserung der Beziehungen zu den Ländern in der Golfregion aufgrund von al-Thanis diplomatischen Bemühungen erwartet. Für die Christen und die Lage der Religionsfreiheit sind keine tiefgreifenden Veränderungen zu erwarten.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Katar:

  • um Gottes Führung im Umgang mit den auferlegten Einschränkungen des Gemeindelebens für ausländische Christen
  • um Mut in den Herzen der suchenden Katarer und ausländischer Muslime, um trotz aller Verbote mehr von Jesus Christus zu lernen
  • um Klarheit für alle Katarischen Christen im Exil, wie sie ihren Glauben mit anderen Katarern teilen können

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