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Länderprofil Komoren

Komoren

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 56 Punkte / Platz 39
(WVI 2015: 56 Punkte / Platz 32)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen auf den Komoren ist „Islamischer Extremismus“. „Diktatorische Paranoia“ zeigt sich im Land ebenfalls, allerdings vermischt mit Islamischem Extremismus.

Aktuelle Einflüsse: Die Komoren sind seit 22 Jahren auf dem Weltverfolgungsindex gelistet. Laut Verfassung ist der (sunnitische) Islam Staatsreligion, doch hat offiziell jeder das Recht, seiner eigenen Religion anzugehören und diese auszuüben. In der Gesellschaft ist eine Zunahme islamistischer Tendenzen zu erkennen, trotz eines positiven Trends zur Förderung von mehr Demokratie. Der Vormarsch des Islamischen Extremismus ist mit der Situation in den benachbarten ostafrikanischen Ländern vergleichbar. Die Verfassung verstärkt dies mit der Vorgabe, dass alle politischen Entscheidungen auf der Basis des islamischen Glaubens getroffen werden müssen. Es existieren zwar einige gesetzliche Bestimmungen zur Religionsfreiheit, aber diese zielen mehr auf Ausländer als auf einheimische Christen ab. Die Verbreitung einer anderen Religion als des Islam ist rechtswidrig, Konvertiten können angeklagt werden, und Christen muslimischen Hintergrunds sind heftiger Diskriminierung vonseiten der muslimischen Mehrheit ausgesetzt. Sie werden so unter Druck gesetzt, dass ihnen praktisch nichts anderes übrig bleibt, als ihren Glauben heimlich zu leben. Extremistische Gelehrte, die vor Ort „Djaulas“ genannt werden und von denen viele aus Pakistan kommen, machen sich für eine strengere Durchsetzung der Scharia im Land stark.

Betroffene Kategorien von Christen: Unter der Verfolgung leiden ausländische Christen, Christen aus protestantischen Freikirchen sowie Christen muslimischen Hintergrunds; letztere sind allerdings am stärksten betroffen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Christen erleben die stärkste Verfolgung im Bereich des kirchlichen Lebens, gefolgt vom Privatleben. Konvertiten sind der stärksten Verfolgung ausgesetzt, sie wird von einem Zusammenspiel aus Familie, Lokalpolitikern und Regierungsbeamten ausgeübt. Während des Berichtszeitraums wurden keine gewalttätigen Vorfälle gemeldet.

Ausblick: Es ist anzunehmen, dass sich der extremistische Islam weiter im Land ausbreiten wird, was bedeutet, dass der Druck auf Christen bestehen bleiben wird.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 56 Punkten belegen die Komoren Platz 39 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Damit entspricht die Punktzahl der des Jahres 2015, als der Archipel – zu dem die Inseln Grande Comore, Anjouan und Mohéli gehören – auf Rang 32 eingestuft wurde. Trotz eines gewissen Fortschritts im Demokratisierungsprozess zeigt der diesjährige Bericht, dass sich die Situation der Christen im Land nicht verbessert. Zu erinnern ist daran, dass die Komoren in den 90er-Jahren bis 1998 auf einem der ersten zehn Plätze des WVI standen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen auf den Komoren ist „Islamischer Extremismus“. „Diktatorische Paranoia“ zeigt sich im Land ebenfalls, allerdings vermischt mit Islamischem Extremismus.

Islamischer Extremismus: Das Erstarken des Islamischen Extremismus begann mit der Einführung eines Rechtssystems, das Religionsbelange staatlich regelte. 2009 wurde ein Referendum abgehalten, welches die Regierung der Komoren im Rahmen einer Verfassungsänderung dazu ermächtigte, den Islam als Staatsreligion einzuführen. Dieser Schritt hat die Ausübung anderer Religionen stark eingeschränkt. Zeitgleich mit der Verfassungsänderung hat in der Bevölkerung die Unterstützung für extremistische islamische Positionen zugenommen, besonders auf den Inseln Anjouan und Mohéli. Die wachsende Sympathie für den extremistischen Islam in der breiten Bevölkerung, bei Regierungsbeamten, religiösen Führern und besonders unter muslimischen Jugendlichen löst Besorgnis bei der christlichen Minderheit aus.

Diktatorische Paranoia: Seit der Unabhängigkeit hat es auf den Komoren mindestens zwanzig Putsche und Putschversuche gegeben. Der Inselstaat ist eines der Länder, in dem eine gewaltbeladene Geschichte zu verbreiteter Armut geführt und das Land zuweilen an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat. Diese Vergangenheit hat in den Köpfen vieler Regierungsbeamter tiefe Spuren der Paranoia hinterlassen. Sie tolerieren keine abweichenden Meinungen oder Interessensverbände irgendeiner Art. Auch wenn es seit Mitte der 2000er Jahre nachweislich Verbesserungen gegeben hat und „Freedom House“ das Land als „teilweise frei“ einstuft, sind die Machthaber des Landes immer noch dafür bekannt, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken. Dies gilt gerade auch für die Freiheiten der Christen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Komoren waren in den letzten 22 Jahren ununterbrochen auf dem Weltverfolgungsindex vertreten und früher sogar unter den Ländern mit den höchsten Wertungen. Mehrere Faktoren sind wichtig, um die Hintergründe der Verfolgung auf den Komoren zu verstehen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen: Die Verfassung von 2009 erklärt den sunnitischen Islam zur Staatsreligion der Komoren. Allerdings hat jeder Bürger das Recht, seiner eigenen Religion anzugehören und diese auch öffentlich zu praktizieren. Nicht-Muslime dürfen aber nicht missionieren und Ausländer, die gegen dieses Verbot verstoßen, werden des Landes verwiesen. In der Vergangenheit litt die Inselgruppe unter politischer Instabilität, was sich unter anderem in einer negativen Menschenrechtsbilanz und mehreren Staatsstreichen niederschlug. Doch seit dem Jahr 2006 befinden sich die Komoren in einem Demokratisierungsprozess, der in wachsendem Maß im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist. Dadurch hat auch die Fähigkeit zugenommen, sich konstruktiv mit sozialen Konflikten auseinanderzusetzen. Ein Bericht der Organisation „Freedom House“ aus dem Jahre 2013 lobt diese Entwicklung, indem sie das Land offiziell als „auf Wahlen beruhende Demokratie“ anerkennt. Der Bericht stuft das Land als „teilweise frei“ ein. Aber es ist noch ein langer Weg zur institutionalisierten Demokratie und regelmäßigen Wahlen. So hat Präsident Ikililou Dhoinine schon im September 2014 die Parlamentswahlen von November 2014 auf Januar 2015 verschoben, mit der Begründung, die Regierung sei nicht vorbereitet.

Gesellschaftliche Faktoren: Trotz eindeutig positiver Entwicklungen hin zu mehr Demokratie nehmen auch islamistische Tendenzen auf den Inseln zu. Der Vormarsch des Islamischen Extremismus ist mit der Situation in den benachbarten ostafrikanischen Ländern vergleichbar. Die Verfassung verstärkt dies mit der Vorgabe, dass alle politischen Entscheidungen auf der Basis des islamischen Glaubens getroffen werden müssen. Es existieren zwar einige gesetzliche Bestimmungen zur Religionsfreiheit, aber diese zielen mehr auf Ausländer als auf einheimische Christen. Die Verbreitung einer anderen Religion als des Islam ist rechtswidrig, Konvertiten können angeklagt werden, und Christen muslimischen Hintergrunds sind heftiger Diskriminierung vonseiten der muslimischen Mehrheit ausgesetzt. Jegliche Missionierung, außer für den Islam, ist untersagt. Christen muslimischer Herkunft können strafrechtlich verfolgt werden und erleiden schwerwiegende Benachteiligungen vonseiten der muslimischen Mehrheit. Sie werden so unter Druck gesetzt, dass sie ihren Glauben nur heimlich praktizieren können. Die Komoren haben enge Verbindungen zu anderen islamischen Regierungen im Mittleren Osten und der Golfregion geknüpft. Als Gegenleistung haben viele Golfstaaten versprochen, die Entwicklung des Landes zu unterstützen. Beispielsweise wurde den Komoren 40 Millionen Dollar aus dem „Saudischen Fonds für Entwicklungshilfe“ zur Verbesserung von Infrastruktur und Gesundheitswesen zugesagt. Diese Faktoren machen die Radikalisierung und eine mögliche Bewegung hin zum militanten Islam nicht nur wahrscheinlich, sondern lassen sie real werden.

Hinzu kommt, dass der liberale und säkulare Lebensstil auf dem nahegelegenen Archipel Mayotte von konservativen Muslimen genutzt werden könnte, um eine strengere Durchsetzung des Islam zu rechtfertigen. Extremistische Gelehrte, die vor Ort „Djaulas“ genannt werden und von denen viele aus Pakistan kommen, machen sich für eine strengere Umsetzung der Scharia im Land stark und sprechen sich damit ganz klar gegen Christen aus.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Auf den Komoren gibt es drei Kategorien von Christen: Mitglieder ausländischer Gemeinden, Christen aus protestantischen Freikirchen und Christen muslimischen Hintergrunds.

Ausländische Christen: Die ausländischen Gemeinden werden hauptsächlich von extremistischen Muslimen und nicht-christlichen Leitern bedrängt und in geringerem Ausmaß auch von Leitern politischer Parteien und deren Anhängern.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Auch diese Christen (z. B. Baptisten oder Pfingstler) werden von der Regierung und von extremistischen Muslimen unter Druck gesetzt.

Christen muslimischen Hintergrunds: Christen muslimischen Hintergrunds erleben ständige Verfolgung durch Regierungsbeamte, nicht-christliche Anführer, Leiter von politischen Parteien und deren Anhänger, aber auch durch Mitglieder der eigenen Familie und islamistische Gruppierungen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für die Komoren zeigt die Wertungen für Islamischen Extremismus (vermischt mit Diktatorischer Paranoia). Der Durchschnittswert der ersten fünf Blöcke (11,181), der den Druck auf Christen in den fünf Lebensbereichen zeigt, ist vergleichbar mit dem des letzten Jahres (11,148). Der Wert für Gewalt ist von 0,556 auf null gesunken. Dies legt den Schluss nahe, dass sich die Verfolgung im Moment stabilisiert hat. Wie das Verfolgungsmuster zeigt, erleben die Christen auf den Komoren Verfolgung in allen Lebensbereichen, vor allem aber im „Kirchlichen Leben“.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Komorische Christen, vor allem Christen muslimischen Hintergrunds, stehen in ihrem Privatleben unter enormem Druck. Der Religionswechsel ist nicht erlaubt. Die Regierung hat den Islam zur Staatsreligion erklärt und die Gesellschaft verstößt diejenigen, die sich dem christlichen Glauben zuwenden. Darüber hinaus ist es sehr riskant, seine Religion in der Öffentlichkeit auszuüben.

Familienleben: In diesem Bereich sehen sich die Christen bedeutenden Herausforderungen gegenüber. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Für Christen muslimischen Hintergrunds ist es schwer, ihre Kinder nach christlichen Werten und Prinzipien zu erziehen, da Kinder zwischen drei und sechs Jahren zur Koranschule müssen; außerdem wird ein Christ muslimischer Herkunft, der im Land stirbt, als Muslim beerdigt.

Gesellschaftliches Leben: In diesem Bereich erleben alle Kategorien von Christen Verfolgung, wobei Christen muslimischen Hintergrunds verstärkt betroffen sind. Zusätzlich zum Druck im Bereich des Familienlebens werden sie auch im gesellschaftlichen Leben benachteiligt. Zum Beispiel haben sie nur einen begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung. Christen muslimischen Hintergrunds werden mit Unterstützung der Regierung stark unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben öffentlich zu widerrufen.

Leben im Staat: Zusätzlich zu allen anderen Problemen der Christen im Land erklärt die Verfassung den Islam zur Staatsreligion und andere Gesetze, die auf dieser Festlegung basieren, legen den Fokus auf die Durchsetzung der Scharia.

Kirchliches Leben: Es ist kein Zufall, dass dieser Bereich die höchste Wertung erreicht. Für Christen auf den Komoren ist es schwer, Versammlungsorte zu schaffen und sie können keine Bibeln und andere christliche Materialien verteilen. Hausgemeinden werden konstant von lokalen Gruppen beobachtet. Für ausländische Gemeinden ist es sehr gefährlich, einheimische Christen an den Gottesdiensten teilnehmen zu lassen. Wird dies entdeckt, droht den ausländischen Christen die Ausweisung.

Auftreten von Gewalt: Feldforscher und externe Experten berichten, dass es keine religiös motivierte Gewalt während des Berichtszeitraums gab.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Es ist wahrscheinlich, dass sich der extremistische Islam weiter im Land ausbreiten wird, was bedeutet, dass der Druck auf Christen bestehen bleiben wird. Trotz der relativen Stabilität und dem offensichtlichen Fortschritt der Demokratisierung wird das Leben für die Christen im Land nicht besser. In den letzten zwanzig Jahren wurde der Raum für Christen geringer, da Extremisten denken, dass auf den Komoren ausschließlich Platz für sunnitische Muslime ist. In der Verfassung von 2009 wurde der Islam zur Staatsreligion erklärt, bestätigt von einem Referendum. Diese Tatsache wird durch die offensichtliche Radikalisierung der komorischen Bevölkerung im Allgemeinen und der muslimischen Jugend im Besonderen noch verschlimmert. Das Erstarken des extremistischen sunnitischen Islam hat auch zu einer Verfolgung von schiitischen Muslimen geführt. Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit der Ausbreitung des extremistischen Islam in Ostafrika und anderen Teilen der Welt. Die engen Bande zwischen den Komoren und etlichen Staaten des Mittleren Ostens und der Golfregion beschleunigen den Radikalisierungsprozess auf dem Archipel. Im Mai 2014 führten die Komoren und Kuwait Verhandlungen darüber, wie man den sogenannten „bedoons“, staatenlosen Einwohnern Kuwaits, die Staatsbürgerschaft der Komoren geben könnte. Im Gegenzug erklärte sich die kuwaitische Regierung dazu bereit, den Komoren wirtschaftliche Hilfe zu gewähren. Eine vergleichbare Einigung wurde im Jahr 2011 zwischen den Komoren und den Vereinigten Arabischen Emiraten erzielt. 2014 wurden den Komoren 40 Millionen Dollar aus dem „Saudischen Fonds für Entwicklungshilfe“ zum Ausbau der Infrastruktur und des Gesundheitswesens zugesagt. Dies zeigt, dass die Regierung der Komoren extremistisch islamischen Staaten in der Golfregion und im Nahen Osten stark zugeneigt ist.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Komoren:

  • um mehr Möglichkeiten für geistliche Gemeinschaft für die Christen muslimischer Herkunft
  • dass suchende Muslime Kontakt mit Christen bekommen und zum Glauben an Jesus Christus finden

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