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Malediven Länderprofil

Malediven

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen



Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

76 Punkte / Platz 13 (WVI 2016: 76 Punkte / Platz 13)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung auf den Malediven sind „Islamische Unterdrückung“ vermischt mit „Diktatorischer Paranoia“.

Aktuelle Einflüsse

Die Malediven gelten weltweit immer noch als paradiesisches Urlaubsziel, dabei folgt das Land einer strengen Form des Islam und hat mit Unruhen und vielfältigen politischen Herausforderungen zu kämpfen. Im September 2015 wurde der Verteidigungsminister entlassen, und Vize-Präsident Abdullah Adeeb wegen eines angeblichen Mordversuchs am Präsidenten des Hochverrats bezichtigt. Außerdem veranlasste Präsident Yameen im Oktober 2016 den Austritt aus dem Commonwealth. Politische Freiheiten werden weiter eingeschränkt, wie das neue Verleumdungsgesetz deutlich machte, das im August 2016 ratifiziert wurde. Die Religionsfreiheit ist stark beschränkt, da die Regelung zum „Schutz der Religion“ nur auf den Islam bezogen wird. Auch der angestrebte „Schutz der religiösen Einheit“ ist besorgniserregend, da diese Formulierung deutlich werden lässt, dass die Behörden gegen jede Abweichung von ihrer Auffassung des Islam vorgehen werden.

Betroffene Kategorien von Christen

Zwei der im Weltverfolgungsindex erfassten Kategorien von Christen existieren auf den Malediven und erfahren Verfolgung. Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten werden streng überwacht und können sich nur eingeschränkt treffen. Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung. Sie existieren offiziell nicht und können auch keinen Kontakt zu ausländischen Christen (meist aus Indien und Sri Lanka) haben.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Insgesamt bleibt der Druck auf Christen extrem hoch. Die Behörden machen keinerlei Anzeichen, religiösen Minderheiten oder abweichenden Auffassungen vom Islam Religionsfreiheit zu gewähren.
  • Der stärkste Druck existiert in den Bereichen „Leben im Staat“, „Kirchliches Leben“ und „Privatleben“, die alle eine extrem hohe Punktzahl aufweisen. Während der Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ charakteristisch für Länder ist, in denen Diktatorische Paranoia herrscht, deutet der Druck im „Privatleben“ und „Familienleben“ vor allem auf die Probleme von Christen muslimischer Herkunft hin.
  • Der Druck resultiert hauptsächlich aus der Triebkraft Islamische Unterdrückung, die sich auf alle Lebensbereiche auswirkt, und mit der Überzeugung verbunden ist, dass jeder Malediver Muslim sein muss.
  • Die Wertung für den Bereich „Gewalt“ war immer schon sehr niedrig. Der Druck ist so allumfassend, dass zusätzliche Gewalt einfach nicht vonnöten ist. Einige christliche Konvertiten entschieden sich, ins Ausland zu fliehen, um der Verfolgung zu entkommen.

Ausblick

Zwei besorgniserregende Trends sind zu beobachten: Erstens schränkt die Regierung die Meinungsfreiheit weiter ein und hat im März 2016 die renommierte Zeitung Haveeru verboten. Zweitens entwickeln sich die massiven sozialen Probleme (vor allem in Verbindung mit der Perspektivlosigkeit der jungen Generation) zu wachsendem islamischen Extremismus. Die Malediven haben im Verhältnis zur Einwohnerzahl die höchste Anzahl an Extremisten, die im Ausland kämpfen. Im Juni 2016 drohten maledivische Kämpfer der Regierung mit Anschlägen, da die führenden Politiker für sie „feindliche Mächte, mit denen sie im Krieg stehen“ sind.

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Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 76 Punkten belegen die Malediven Platz 13 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Vorjahr befand sich das Land mit derselben Punktzahl ebenfalls auf Platz 13. Insgesamt bleibt der Druck auf Christen extrem hoch, wohingegen die Gewalt, die immer schon sehr niedrig war, ein wenig zurückgegangen ist.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Die islamische Regierung betrachtet sich selbst weiterhin als Beschützerin des Islam und hat eine Reihe von Gesetzen erlassen, die es einem Malediver grundsätzlich verbieten, sich vom Islam abzuwenden und zu einer anderen Religion überzutreten. Ein Malediver zu sein bedeutet, ein Muslim zu sein – es gibt keinen Spielraum für irgendeine Abweichung. Wechselt jemand seinen Glauben, so muss er mit harten Konsequenzen bis hin zum Verlust der Staatsbürgerschaft rechnen. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, nur im Land wohnende ausländische Christen. Die wachsende Islamisierung wurde im Berichtszeitraum des WVI 2017 in einem durch die staatlichen Medien gestützten Bericht deutlich, der behauptete, christliche Missionare stünden hinter einer Verschwörung mit dem Ziel, muslimische Gelehrte zu töten und die Malediven zum Christentum zu konvertieren. Die Tatsache, dass das christliche Joshua Projekt (JP) namentlich in diesem Bericht erwähnt wurde, macht deutlich, wie gefährlich es für jede christliche Gruppe ist, die Malediven mit dem Evangelium erreichen zu wollen. Der Bericht behauptete, dass JP mit dem ehemaligen Präsidenten Mohammed Nasheed, der jetzt im Vereinigten Königreich im Exil lebt, zusammenarbeite. Dies spiegelt die gefährliche Lage wider, in der sich die christliche Minderheit auf den Malediven befindet.

Politische Freiheiten werden weiter eingeschränkt, wie das neue Verleumdungsgesetz deutlich machte, das im August 2016 ratifiziert wurde. Die Religionsfreiheit ist stark eingeschränkt, da die Regelung zum „Schutz der Religion“ nur auf den Islam bezogen wird. Auch der angestrebte „Schutz der religiösen Einheit“ ist besorgniserregend, da diese Formulierung deutlich werden lässt, dass die Behörden gegen jede Abweichung von ihrer Auffassung des Islam vorgehen werden. Dieses neue Gesetz zeigt nicht nur, dass der Islam um jeden Preis geschützt wird, sondern auch, dass die Triebkraft Islamische Unterdrückung mit Diktatorischer Paranoia vermischt ist, denn der Islam wird als Rechtfertigung verwendet, politische Freiheiten einzuschränken (für eine genauere Erklärung siehe den folgenden Abschnitt 3: Aktuelle Einflüsse).

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Malediven sind ein Land im Wandel. Sie gelten weltweit immer noch als paradiesisches Urlaubsziel, dabei folgt das Land einer strengen Form des Islam und hat mit Unruhen und vielfältigen politischen Herausforderungen zu kämpfen. Nicht einmal einen Monat nach seiner Festnahme im März 2015 wurde der ehemalige Präsident Mohammed Nasheed zu dreizehn Jahren Gefängnis verurteilt, ohne ein faires Gerichtsverfahren zu erhalten. Am 1. Mai 2015 fand einer der größten Proteste gegen die Regierung statt, die es je im Land gegeben hat, mit schätzungsweise 20.000 Teilnehmern. Zahlreiche weitere Menschen wollten kommen, wurden aber von staatlicher Seite daran gehindert, mit Booten in die Hauptstadt Malé zu reisen. Manche Teilnehmer wurden später von ihren Arbeitgebern entlassen, zudem wurden namhafte Persönlichkeiten aus den drei Oppositionsparteien festgenommen. Nach einer Explosion auf dem Boot des Präsidenten am 28. September 2015 wurde der Verteidigungsminister festgenommen und Vize-Präsident Abdullah Adeeb wegen Verdachts auf Mordversuch am Präsidenten des Hochverrats bezichtigt, festgenommen und am 9. Juni 2016 zu fünfzehn Jahren Gefängnisstrafe verurteilt.

Überraschenderweise wurde dem ehemaligen Präsidenten Nasheed gestattet, im Januar 2016 für eine ärztliche Behandlung nach London zu reisen. Am 23. Mai 2016 wurde ihm im Vereinigten Königreich Asyl gewährt, woraufhin er mit mehreren Politikern (die meisten von ihnen ebenfalls im Exil) eine Plattform mit dem Namen „United Maldives Opposition“ ins Leben rief. Ob es dieser politischen Plattform gelingt, Boden zu gewinnen, bleibt abzuwarten, da dieselben politischen Kräfte, die den Ex-Präsidenten Nasheed 2012 verdrängten und ins Gefängnis brachten, nun auf dieser Oppositionsplattform mit ihm zusammenarbeiten. In der Regierungspartei PPM (Progressive Party of Maldives) kam es zu ernsthaften Spaltungen und Präsident Yameen verlor seinen dritten Vize-Präsidenten in nur einem Jahr. Er hatte zuvor am Ende seiner Amtszeit, im Oktober 2016, den Austritt aus dem Commonwealth veranlasst.

Die Opposition hingegen weist Zeichen wachsender Einheit auf und hielt am 21. Juli 2016 ihre erste gemeinsame Zusammenkunft auf den Malediven ab, für die es ihr – wenn auch nur ein einziges Mal – gelang, Tausende Menschen friedlich zu versammeln, was ein ermutigendes Zeichen ist. Allerdings werden Versammlungen der Opposition weiterhin angegriffen, wie ein Bericht vom August 2016 deutlich machte. Darüber hinaus werden politische Freiheiten weiter eingeschränkt, wie das neue Verleumdungsgesetz (siehe Abschnitt 2: Triebkräfte der Verfolgung) zeigt. Durch die Verwendung des Begriffes „Verleumdung“ können Behörden gegen jegliche Abweichung ihrer konservativen Auslegung des Islam vorgehen. In der nahen Zukunft sind politische Veränderungen unwahrscheinlich, da in der Opposition ebenfalls konservative islamische Parteien wirken.

Offiziellen Zahlen der Einwanderungsbehörde aus dem Juni 2015 zufolge leben 124.000 Gastarbeiter auf den Malediven, die meisten von ihnen sind im Tourismussektor angestellt. Im Vergleich zur Anzahl der maledivischen Einwohner, die für 2017 auf 376.000 geschätzt wird, ist die Zahl der Gastarbeiter überraschend hoch. Noch erstaunlicher ist die Schätzung der lokalen Nichtregierungsorganisation Transparency Maldives, die sogar von einer Zahl um die 200.000 Gastarbeiter ausgeht. Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass Menschenhandel (die illegale Einschleusung von Gastarbeitern) nach dem Tourismusgeschäft gemäß amtlichen Zahlen der Regierung von 2011 den zweitlukrativsten wirtschaftlichen Sektor darstellt. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass der Mangel an Religionsfreiheit im Land nicht nur die sehr geringe Zahl einheimischer Christen betrifft, sondern auch die Christen unter den Gastarbeitern. (Diese hohe Zahl an Gastarbeitern bringt auch soziale Probleme mit sich, welche in Abschnitt 6 genauer dargelegt werden.)

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Auf den Malediven leben zwei Kategorien von Christen, die Verfolgung erfahren.

Gemeinschaften ausländischer Christen und Arbeitsmigranten: Diese stammen häufig aus Indien und Sri Lanka. Die Gemeinden werden genauestens überwacht, aber die meisten unter ihnen können sich in Freiheit zum Gebet treffen, solange sie nur unter sich bleiben. Ausländische Christen haben keinen Kontakt zu maledivischen Christen muslimischer Herkunft.

Christen muslimischer Herkunft: Diese Gruppe ehemaliger Muslime erfährt bei Weitem die stärkste Verfolgung, zumal sie offiziell im Land gar nicht existiert. Allgemein gilt, dass jeder Malediver ein Muslim sein muss – wer davon abweicht, verliert seine Staatsbürgerschaft.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Malediven

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Malediven:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen blieb extrem hoch und stieg von 15,020 (WVI 2016) auf 15,144 an.
  • Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Leben im Staat“, „kirchliches Leben“ und „Familienleben“, dicht gefolgt von „Privatleben“. Während christliche Konvertiten extremen Druck in den Bereichen des „Familienlebens“ und des „Privatlebens“ erfahren, sind alle Christen von extremem Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „kirchliches Leben“ betroffen, welcher aus der beständigen Betonung des Islam und der wachsenden Paranoia der politischen Leiter resultiert. Diese Paranoia liegt teilweise an internen Spaltungen und teilweise daran, dass sich eine geeinte Opposition (allerdings im Exil) gebildet hat.
  • Die Wertung im Bereich „Gewalt“ fiel von 1,111 (WVI 2016) auf 0,741. Gewalt gegen Christen war auf den Malediven nie sehr groß, da der Druck so massiv ist, dass vor allem Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben sorgfältig verbergen. Einige christliche Konvertiten haben das Land verlassen, um im Ausland ihren Glauben freier leben zu können.

Privatleben: Jeder Malediver, der nicht so lebt, wie es dem von der Regierung festgelegten islamischen Lebensstil entspricht, wird bestraft. Christen muslimischen Hintergrunds müssen stets äußerste Vorsicht walten lassen, um ihren Glauben möglichst gut zu verbergen. Bibeln und andere christliche Materialien müssen sorgfältig versteckt und können nur heimlich gelesen werden, weil die Familien der christlichen Konvertiten dies niemals akzeptieren würden und der Besitz christlicher Materialien mit Gefängnis bestraft werden kann. Selbst für eingewanderte Christen ist es gefährlich, christliches Material in ihrem Besitz zu haben – vor allem in der einheimischen Dhivehi-Sprache oder in größeren Mengen – da dies den Verdacht der Behörden weckt, die Schriften würden zur Evangelisation von Einheimischen verwendet. Tatsächlich werden Immigranten und Einreisende dazu verpflichtet, beim Betreten des Landes alle „nicht-muslimischen Materialien“ anzugeben. Das Gesetz verbietet ausländischen Christen ihren Glauben zu teilen. Dies ist sogar in ihren Arbeitsverträgen festgelegt. Unter diesen Umständen ist es eine besondere Herausforderung, sich mit anderen Christen zu treffen – sowohl die Christen selbst als auch die geheimen Zusammenkünfte werden dadurch gefährdet. Einem Bericht zufolge hielten zwei Freunde, die beide an Jesus glaubten, aus Angst ihren Glauben voreinander geheim. Es ist erlaubt, sich privat zu treffen, aber Christen müssen sehr vorsichtig sein, keinen Verdacht zu erregen.

Familienleben: Artikel 9(d) der Verfassung legt fest, dass ein Nicht-Muslim kein maledivischer Staatsbürger werden kann. Dementsprechend können Malediver, deren Übertritt zum christlichen Glauben bekannt wird, ihre Staatsbürgerschaft verlieren und nach den Gesetzen der Scharia bestraft werden. Da jeder Malediver Muslim sein muss, ist die Registrierung für Konvertiten gänzlich ausgeschlossen. Ausländischen Christen ist es verboten, religiöse Handlungen (wie christliche Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen, wobei letztere nur unter äußerster Geheimhaltung erfolgen können) in der Öffentlichkeit abzuhalten. Kinder von Christen muslimischer Herkunft sind gezwungen, dem islamischen Unterricht zu folgen, während Kinder ausländischer Christen von der Teilnahme am Islamunterricht befreit sind. Maldivian Democracy Network, eine lokale Menschenrechtsorganisation, beschrieb in einem Bericht aus dem Jahr 2015, dass islamische Schulbücher Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit schüren und den „Dschihad“ bzw. den Krieg gegen alle, die angeblich den Islam „behindern“, verherrlichen. Christen muslimischer Herkunft entscheiden sich häufig dafür, ihren neuen Glauben nicht mit ihren Kindern zu teilen, aus Angst, dass diese aus Unachtsamkeit anderen vom Glaubenswechsel der Eltern erzählen könnten. Wenn christliche Konvertiten entdeckt werden, werden sie gegebenenfalls unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen und verlieren sowohl das Sorgerecht für ihre Kinder als auch ihre Erbrechte. Darüber hinaus werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit von ihren Familien isoliert.

Gesellschaftliches Leben: Die gesellschaftliche Kontrolle ist auf den Malediven extrem stark, da die Bevölkerungsdichte, besonders in der Hauptstadt Malé, eine der höchsten in der Welt ist. Christlichen Einwanderern ist es nicht erlaubt, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren und Christen muslimischer Herkunft haben praktisch keine Privatsphäre. In ihrem Bemühen, ihren Glauben zu verstecken, versuchen sie, sich möglichst an die Menschen um sie herum anzupassen. Dies schließt sowohl ihre Kleidung ein als auch Besuche in der örtlichen Moschee. Jeder Einheimische, der die Moschee nicht besucht, wird zur Rede gestellt. Ausländische Christen haben mehr Freiheit, aber es gibt Zeiten, in denen sie sich ebenfalls der Masse anpassen müssen, zum Beispiel während des Ramadan, in welchem sie in der Öffentlichkeit nichts trinken und essen dürfen.

Leben im Staat: Die Verfassung und andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit ein. Die Verfassung erklärt den sunnitischen Islam zur offiziellen Staatsreligion – mit Verweis darauf, dass das Land zu „100 Prozent“ muslimisch sei. Die Regierungsvorschriften basieren auf dem islamischen Recht. Eine der Vorschriften lautet: „Es ist illegal, eine andere Religion außer dem Islam zu verbreiten.“ Strafen für Verstöße dagegen bewegen sich von Hausarrest bis hin zu zwei bis fünf Jahren Gefängnis, abhängig von der Schwere des Vergehens. Ist der Schuldige ein Ausländer, wird er in der Regel abgeschoben. Jegliche Meinungen, die der gängigen Auffassung vom Islam widersprechen (sogar moderate islamische Stimmen) erfahren harsche Kritik und sogar Gewalt. Besonders jetzt, wo das Verleumdungsgesetz in Kraft getreten ist, das eine eigene Klausel gegen anti-islamische Äußerungen beinhaltet, ist die Redefreiheit der Christen noch stärker eingeschränkt. Vergehen gegen das neue Gesetz können zu einer sechsmonatigen Haftstrafe führen.Der Länderbericht des US-Außenministeriums über die Malediven aus dem Jahr 2013 führt aus: „Der Gebrauch von Religion in der politischen Rhetorik ist erheblich gestiegen, was zu abfälligen Aussagen über das Christentum und Judentum führte und zu Schikanen gegen alle Bürger, die sich für eine tolerante Auslegung des Islam aussprachen.“ Dies gilt heute umso mehr, nachdem die Regierung im März 2016 die renommierte Zeitung Haveeru schließen ließ. Demzufolge ist es kaum verwunderlich, dass die Berichterstattung über Christen verzerrt und durchweg negativ ist. (Dies gilt auch für die abwertende Darstellung in Schulbüchern, die bereits in Abschnitt 2 erwähnt wurde.)

Kirchliches Leben: Für Malediver ist es bereits illegal, Christ zu werden, ganz zu schweigen davon, sich als Gemeinde zu versammeln. Ausländische Christen haben etwas größere Freiheit, solange sie ihren Glauben nur im Privaten leben. Es ist schon vorgekommen, dass öffentliche Versammlungen von Christen rigoros aufgelöst wurden. Ausländische Gemeinden werden überwacht aus Angst davor, dass sie die Einheimischen evangelisieren könnten. Im Dezember 2015 erließ die Regierung ein Verbot, Weihnachtsfeiern in Pensionen der bewohnten Inseln abzuhalten mit der Begründung, dass dies gegen den Islam und die maledivische Kultur verstieße. Die lokale Regierungsbehörde unter dem Vorsitz von Innenminister Umar Naseer verfasste Briefe an die Präsidenten der Inseln und Atollräte sowie die Bürgermeister von Malé und Addu mit der Aufforderung an die lokale Verwaltung, sicherzustellen, dass Besitzer von Gaststätten keine Weihnachtsfeierlichkeiten für Touristen abhalten. In dem Brief hieß es, dass die Weihnachtszeit eine Hauptsaison für die Tourismusindustrie ist und der Behörde bekannt geworden sei, dass „Touristen zu Weihnachten Feierlichkeiten auf den Malediven durchführten“. Nicht-islamische Materialien werden als Schmuggelware angesehen und müssen bei der Einreise am Zoll angegeben werden. Demzufolge können christliche Materialien nicht eingeführt und auch nicht im Land produziert werden. Kurse für christliche Leiter anzubieten, ist unmöglich und christliche Gemeinden dürfen keine Unterstützung von Christen aus dem Ausland erhalten.

Auftreten von Gewalt: Auf den Malediven ging die Verfolgung noch nie mit sehr viel Gewalt einher. Der Druck im Land ist so allumfassend, dass Gewalt schlicht und einfach nicht nötig ist. Einige christliche Konvertiten haben das Land verlassen, um der Verfolgung zu entkommen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Zwei besorgniserregende Trends sind ersichtlich: Erstens schränkt die Regierung die Meinungsfreiheit weiter ein und hat im März 2016 die renommierte Zeitung Haveeru geschlossen. Obwohl die Gerichtsverhandlung vorgeblich einen Eigentumskonflikt zum Gegenstand hatte, ist klar ersichtlich, dass die Regierung davon profitieren wird, die älteste Zeitung des Landes (die auch den größten Leserkreis genoss) zu verbieten, vor allem da sie immer unabhängiger geworden war. Das Erscheinungsverbot betrifft allerdings nicht nur die Print- sondern auch die Onlineausgabe. Dem Eigentümer der Zeitung wurde bei einem zweiten Gerichtsverfahren drei Tage später verboten, den Markennamen Haveeru weiter zu verwenden. Diese Entscheidung ist nur eine weitere in einer Reihe von staatlichen Handlungen gegen jegliche Form von Opposition – sei es in Politik oder Gesellschaft – und macht die wachsende Paranoia der Regierung deutlich. Da sich das Ziel der Regierung, den Islam zu schützen, nicht verändert hat, wird die Situation religiöser Minderheiten, besonders die der Christen, schwieriger werden.

Zweitens lässt sich der Trend beobachten, dass Jugendliche sich zunehmend „entrechtet und ausgeschlossen“ und „abgekoppelt vom gesellschaftlichen Gefüge“ fühlen. Darauf weist ein Bericht der Weltbank hin, der im Oktober 2014 herausgegeben wurde. Die zunehmende Globalisierung, Internetnutzung und wirtschaftliche Expansion habe „jungen Frauen und Männern die Welt draußen eröffnet und ihnen neue Ideen und Werte gegeben, was ein neues Bewusstsein geschaffen hat, wonach sie streben können“, heißt es in dem Bericht. „Bisher spüren junge Frauen und Männer die Fesseln der begrenzten Insel-Wirtschaft sowie den Mangel an Mitwirkungsmöglichkeiten und gemeinschaftlichem Engagement und ringen mit starren Verhaltensnormen und zunehmend konservativen Werten sowie einem unzureichenden Bildungs- und Berufsbildungssystem, das sie nicht ausreichend auf die Situation am Arbeitsmarkt vorbereitet.“ Der Bericht folgert aus diesen Ergebnissen, dass vielen jungen Maledivern „der Eintritt ins Erwachsenendasein verweigert“ würde.

Diese sozialen Probleme entwickeln sich zu einer zunehmenden Radikalisierung der Gesellschaft, wie die Zahl der Malediver belegt, die sich dem Krieg im Irak und in Syrien anschließen. Ein Beobachter beschrieb die Entwicklung auf den Malediven sogar mit den Worten „ein Paradies fällt dem Terror zum Opfer“. Dies mag eine Übertreibung sein, jedoch haben die Malediven im Verhältnis zur Einwohnerzahl die höchste Anzahl an Extremisten, die im Ausland kämpfen. Im Juni 2016 drohten maledivische Kämpfer der Regierung mit Anschlägen, da die führenden Politiker für sie „feindliche Mächte, mit denen sie im Krieg stehen“ sind. Der Regierung sind diese Gefahren sehr wohl bewusst und sie wies im Dezember 2015 in einem Versuch, ihr internationales Image zu wahren, einen deutschen Journalisten aus, der maledivische Unterstützer militanter Islamisten interviewt hatte.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Malediven:

  • Dass Gott die Christen, die ihren Glauben im verborgenen Leben müssen, Wege zeigt, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Beten Sie, dass sie Zugang zu einer Bibel haben können, die unter maledivischem Recht als illegale Ware gilt.
  • Malediver zu sein, bedeutet Muslim zu sein. Beten Sie für jeden Malediver, dass er oder sie einen Traum oder eine Vision von Jesus hat und sie zu Christen geführt werden, die mutig genug sind, das Evangelium mit ihnen zu teilen.
  • Viele Malediver wollen das Land wegen der Einschränkungen der Freiheit verlassen. Oft suchen sie Trost im Rauchen oder in Drogen. Einheimische Medien berichten, dass der Drogenmissbrauch das größte soziale Problem des Landes geworden ist. Bitte beten Sie, dass sich die Malediver zu Jesus wenden, um wahre Freiheit zu erleben.
  • Beten Sie für die Jüngerschaft der im Verborgenen lebenden Christen. Dies ist wegen Sicherheitsproblemen und fehlender Einheit eine große Herausforderung. Bitten Sie, dass Gott Antworten und Lösungen schenkt, wie diese Hindernisse überwunden werden können und Christen geistlich gestärkt und Christus immer ähnlicher werden.

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