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Malediven Länderprofil

Malediven

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 76 Punkte / Platz 13
(WVI 2015: 78 Punkte / Platz 11)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ vermischt mit „Diktatorischer Paranoia“

Aktuelle Einflüsse: Die Malediven sind immer noch ein Land, das in zwei Welten lebt. Einerseits gelten sie weltweit als paradiesisches Urlaubsziel, andererseits folgt das Land einer strengen Form des Islam und hat mit Unruhen und vielfältigen politischen Herausforderungen zu kämpfen. Daraus resultiert eine Zweiteilung der Kulturen auf den Malediven: Eine ist stark westlich geprägt und vergnügungssüchtig und die andere ist zunehmend islamistisch und extremistisch. Letzteres wurde durch mehrere Vorfälle im vorliegenden Berichtszeitraum ersichtlich. Am 22. Februar 2015 wurde der ehemalige Präsident und Oppositionsführer Mohammed Nasheed verhaftet und terroristischer Umtriebe angeklagt. Daraus ist ersichtlich, dass die derzeitige, konservativ islamistische Regierung nicht zu sehr um ihr internationales Ansehen bemüht ist, sondern vielmehr darum, ihrer Auffassung vom Islam treu zu bleiben. Dementsprechend wurde Nasheed überraschenderweise nicht einmal einen Monat später, am 13. März 2015, zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, ohne dass er eine faire Gerichtsverhandlung bekommen hätte. Als Antwort darauf fand am 1. Mai 2015 einer der größten Proteste gegen die Regierung statt, die es je im Land gegeben hatte, mit schätzungsweise 20.000 Teilnehmern. Es wollten noch viel mehr kommen, aber sie wurden von staatlicher Seite daran gehindert, mit Booten in die Hauptstadt Malé zu reisen. Andere Teilnehmer wurden später von ihren Arbeitgebern entlassen, zudem wurden namhafte Persönlichkeiten aus den drei Oppositionsparteien festgenommen. Gegen Ende des Berichtzeitraums, am 28. September 2015, gab es eine Explosion auf dem Boot des Präsidenten, als er von der Hadsch (Pilgerreise nach Mekka) zurückkam. Seine Ehefrau und mehrere Berater erlitten Verletzungen. Während zuerst von einem Unfall oder einem technischen Fehler die Rede war, vermuten die Behörden nun einen geplanten Anschlag. Gemäß einer Meldung der BBC vom 24. Oktober 2015 wurde nach der Entlassung des Verteidigungsministers ein paar Tage zuvor der Vizepräsident, Abdullah Ahdeeb, ebenfalls verhaftet.

Betroffene Kategorien von Christen: Während dauerhaft im Land lebende ausländische Christen und christliche Gastarbeiter hauptsächlich in ihren Möglichkeiten zur Versammlung eingeschränkt und genau überwacht werden, tragen christliche Konvertiten die Hauptlast der Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Aufgrund der starken gesellschaftlichen Kontrolle sind Christen muslimischen Hintergrunds extremem Druck vonseiten ihrer Familie, ihrer Freunde und Nachbarn ausgesetzt, wenn sie entdeckt werden. In einigen Fällen war der Druck so unerträglich, dass Christen ins Ausland gehen mussten. Ausländische Christen können sich versammeln, solange bei diesen Treffen keine Einheimischen dabei sind. Sie werden genauestens überwacht. Die Verfolgung ist nicht ausgesprochen von Gewalt geprägt, doch einige Christen haben das Land verlassen, um ihren Glauben leben zu können.

Ausblick: Die christliche Minderheit wird im Untergrund bleiben, da die Regierung nicht nur weiterhin einer strengen Form des Islam folgt, sondern gleichzeitig zunehmend paranoid wird.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 76 Punkten stehen die Malediven auf Platz 13 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Im Jahr 2015 nahmen die Malediven mit 78 Punkten Rang 11 ein. Die niedrigere Punktzahl bedeutet jedoch keine Verbesserung der Situation der Christen. Vielmehr ist zu beobachten, dass sich der Druck auf einem hohen Level einpegelt. Dieser Druck herrscht gleichermaßen in allen Lebensbereichen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die wesentliche Triebkraft der Christenverfolgung auf den Malediven ist „Islamischer Extremismus“, vermischt mit „Diktatorischer Paranoia“.

Islamischer Extremismus: Die islamische Regierung betrachtet sich selbst weiterhin als Beschützerin des Islam und hat eine Reihe von Gesetzen erlassen, die es einem Malediver grundsätzlich verbieten, sich vom Islam abzuwenden und zu einer anderen Religion überzutreten. Ein Malediver zu sein ist gleichbedeutend damit, ein Muslim zu sein – es gibt keinen Spielraum für irgendeine Abweichung. Ein Konvertit muss mit harten Konsequenzen bis hin zum Verlust der Staatsbürgerschaft rechnen. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, nur im Land wohnende ausländische Christen. Die wachsende Islamisierung zeigte sich im Berichtszeitraum in den Bestrebungen des Parlaments im März 2015, die auf der Scharia basierenden Strafgesetze zu verschärfen, und eine islamische Nichtregierungsorganisation sogar den Umstand verurteilte, dass der Abfall vom Islam (Apostasie) nicht mit Steinigung bestraft würde. Ein Bericht von Amnesty International, der am 23. April 2015 veröffentlicht wurde, beschreibt die zunehmende Einschränkung der Bürgerrechte und vermerkt gleichzeitig eine erhöhte Anzahl „religiöser Vigilanten“. Dieser Befund unterstreicht auch, weshalb Christen sich so sorgfältig verbergen müssen. Diese Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend, noch ist es die Reaktion der maledivischen Regierung. Sie beschuldigte Amnesty International sogleich einer Verschwörung mit der stärksten Oppositionspartei MDP mit dem Ziel, das Ansehen der Malediven zu schädigen. Am 16. Juni 2015 veröffentlichte das oberste Gericht der Malediven Richtlinien für die Menschenrechtskommission des Landes. Nach diesen Richtlinien verliert die Kommission ihre Unabhängigkeit und wird nach dem Wahlausschuss bereits die zweite Kommission sein, die ihre Bedeutung verliert. Der Präsident und der Vizepräsident des Wahlausschusses verloren ihre Arbeit, als sie eine weitere Richtlinie des obersten Gerichts zu den Präsidentschaftswahlen kritisierten. Das zeigt nicht nur, dass alles, was als „un-islamisch“ angesehen wird, verboten wird, sondern auch, wie diese Triebkraft der Verfolgung mit Diktatorischer Paranoia vermengt ist. Die Menschenrechtskommission wurde einzig und allein dafür bestraft, dass sie ihre Arbeit tat, indem sie einen Bericht bei den Menschenrechtsschutzgremien der Vereinten Nationen einreichte. Gerade die für einen solchen Bericht erforderliche Unabhängigkeit wurde vom obersten Gericht des Landes bekämpft und brachte die Kommission unter die Kontrolle des Außenministeriums und des Präsidialamts. In einem Bericht vom 18. Mai 2015 veröffentlichten die maledivische Nichtregierungsorganisation „Maledivische Demokratie-Netzwerk (MDN)“ eine Studie über maledivische Schulbücher, Predigten und andere veröffentlichte islamische Materialien. Diese würden „Hass und islamischen Extremismus verbreiten“. Der Bericht, welcher der erste seiner Art ist, untersuchte maledivische Lehrbücher für die Grundschule und die Sekundarstufe auf die Häufigkeit extremistischer Erzählungen im regulären akademischen Diskurs. Es wurde festgestellt, dass die Schulbücher Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit förderten und den Dschihad bzw. den Krieg gegen die Feinde des Islam verherrlichten. Alle maledivischen Schüler müssen von der ersten bis zur zwölften Klasse den Islamunterricht als eines der vier Pflichtfächer neben der Landessprache Dhivehi, Englisch und Mathematik besuchen. Lehrbücher für Islamwissenschaft werden von Spezialisten im Bildungsministerium erstellt und müssen vom Ministerium für islamische Angelegenheiten genehmigt werden. Die Regierung möchte verhindern, dass viele Malediver in den Nahen Osten gehen, um dort im Bürgerkrieg zu kämpfen. Im Januar 2015 berichtete die Polizei, dass über 50 Personen das Land verlassen hätten, während die Opposition von rund 200 Menschen sprach – in jedem Fall eine erstaunliche Anzahl, gemessen an der Größe des Landes.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Malediven sind immer noch ein Land, das in zwei Welten lebt. Einerseits gelten sie weltweit als paradiesisches Urlaubsziel, andererseits folgt das Land einer strengen Form des Islam und hat mit Unruhen und vielfältigen politischen Herausforderungen zu kämpfen. Letzteres wurde durch mehrere Vorfälle im vorliegenden Berichtszeitraum ersichtlich. Am 22. Februar 2015 wurde der ehemalige Präsident und Oppositionsführer Mohammed Nasheed verhaftet und terroristischer Umtriebe angeklagt. Darin zeigte sich, dass sich die derzeitige, konservativ islamistische Regierung nicht zu sehr um ihr internationales Ansehen sorgt, sondern vielmehr darum, ihrer Auffassung vom Islam treu zu bleiben. Dementsprechend wurde Nasheed überraschenderweise nicht einmal einen Monat später, am 13. März 2015, zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, ohne dass er eine faire Gerichtsverhandlung bekommen hätte. Als Antwort darauf fand am 1. Mai 2015 einer der größten Proteste gegen die Regierung statt, die es je im Land gegeben hatte, mit schätzungsweise 20.000 Teilnehmern. Es wollten noch viel mehr kommen, aber sie wurden von staatlicher Seite daran gehindert, mit Booten in die Hauptstadt Malé zu reisen. Andere Teilnehmer wurden später von ihren Arbeitgebern entlassen, zudem wurden namhafte Persönlichkeiten aus den drei Oppositionsparteien festgenommen. Gegen Ende des Berichtszeitraums, am 28. September 2015, gab es eine Explosion auf dem Boot des Präsidenten, als er von der Hadsch (Pilgerreise nach Mekka) zurückkam. Seine Ehefrau und mehrere Berater erlitten Verletzungen. Während zuerst von einem Unfall oder einem technischen Fehler die Rede war, vermuten die Behörden nun einen geplanten Anschlag. Gemäß einer Meldung der BBC vom 24. Oktober 2015 wurde nach der Entlassung des Verteidigungsministers ein paar Tage zuvor der Vizepräsident, Abdullah Ahdeeb, ebenfalls verhaftet.

Gemäß amtlichen Zahlen der Einwanderungsbehörde vom Juni 2015 leben auf den Malediven 124.000 Gastarbeiter, die meisten von ihnen im Tourismussektor. Im Vergleich zur Anzahl der maledivischen Einwohner, die aktuell auf 370.000 geschätzt wird, ist die Zahl der Gastarbeiter überraschend hoch. Noch erstaunlicher ist die Schätzung der lokalen Nichtregierungsorganisation Transparency Maldives, die sogar von einer Zahl um die 200.000 Gastarbeiter ausgeht. Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass Menschenhandel (die illegale Einschleusung von Gastarbeitern) nach dem Tourismusgeschäft den zweitlukrativsten wirtschaftlichen Sektor darstellt, laut amtlichen Zahlen der Regierung von 2011. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass der Mangel an Religionsfreiheit im Land nicht nur die sehr geringe Zahl einheimischer Christen betrifft, sondern auch für andere Christen gilt, und zwar für die Christen unter den Gastarbeitern. Des Weiteren verweisen die Zahlen auf gesellschaftliche Probleme, denen die Malediven gegenüberstehen (siehe 6. Ausblick).

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Auf den Malediven gibt es zwei Kategorien von Christen, die beide Verfolgung erleben:

Dauerhaft im Land lebende ausländische Christen oder christliche Gastarbeiter, oft aus Indien oder Sri Lanka. Den meisten von ihnen ist es erlaubt, Gottesdienste zu feiern; vorausgesetzt, sie bleiben nur unter sich. Diese Gemeinschaften werden genau beobachtet.

Konvertiten mit muslimischem Hintergrund erfahren bei Weitem die stärkste Verfolgung, während sie offiziell im Land gar nicht existieren: Jeder Malediver muss ein Muslim sein – und jeder, der davon abweicht, verliert seine Staatsbürgerschaft.

Die christliche Gemeinde der Malediven ist strikt getrennt, ausländische Christen und einheimische Konvertiten haben keine Berührungspunkte miteinander.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für die Malediven zeigt die Bewertungen für Islamischen Extremismus (vermischt mit Diktatorischer Paranoia). Die durchschnittliche Punktzahl der fünf Lebensbereiche (15,020), die den Druck auf die Christen zeigt, ist mit der Wertung im letzten Jahr vergleichbar (15,249). Die Wertung für den Bereich der „Gewalt“ ist geringfügig niedriger als zuvor: 1,111 zu 1,482 (WVI 2015). Dies weist darauf hin, dass sich der starke Druck auf Christen nicht durch vermehrte Gewalt äußert. Konvertiten sorgen sich am meisten darum und verwenden allergrößte Anstrengungen darauf, ihren Glauben geheim zu halten. Wie das untenstehende Verfolgungsmuster zeigt, ist die Verfolgung in den Bereichen des „Privat- und Familienlebens“, des „Lebens im Staat“ und des „Kirchlichen Lebens“ am stärksten. Auf Christen muslimischer Herkunft wird besonders im „privaten und familiären Bereich“ heftiger Druck vonseiten des sozialen Umfelds ausgeübt. Der Druck auf Christen in allen Lebensbereichen wird sowohl von der besonderen maledivischen Vorstellung, dass jeder Bürger ein Muslim sein muss, sowie von der wachsenden Paranoia der Regierung befeuert.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen muslimischen Hintergrunds müssen stets äußerste Vorsicht walten lassen, um ihren Glauben so gut es geht zu verbergen. Bibeln und andere christliche Materialien müssen sorgfältig versteckt werden und können von den Konvertiten nur heimlich gelesen werden, weil ihre Familien dies niemals akzeptieren würden und der Besitz christlicher Materialien mit Gefängnis bestraft werden kann. Selbst für eingewanderte Christen ist es gefährlich, christliches Material in ihrem Besitz zu haben – das ist besonders dann verdächtig, wenn das Material in der einheimischen Dhivehi-Sprache verfasst ist oder in großen Mengen vorliegt. Die Behörden könnten dann vermuten, die Schriften würden zur Evangelisation von Einheimischen verwendet. Tatsächlich werden Immigranten und Einreisende dazu verpflichtet, beim Betreten des Landes alle nicht-muslimischen Materialien anzugeben. Für die Malediver selbst ist es noch riskanter. Unter diesen Umständen ist es eine besondere Herausforderung, sich mit anderen Christen zu treffen – sowohl die Christen selbst als auch die geheimen Zusammenkünfte werden dadurch gefährdet. Es gibt sogar Berichte, nach denen zwei Freunde beide an Jesus glaubten, aber aus Angst ihren Glauben voreinander geheim hielten.

Familienleben: Artikel 9(d) der Verfassung legt fest, dass ein Nicht-Muslim kein maledivischer Staatsbürger werden kann. Dementsprechend können Malediver, deren Konversion zum christlichen Glauben bekannt wird, ihre Staatsbürgerschaft verlieren sowie nach den Gesetzen der Scharia bestraft werden. Da jeder Malediver Muslim sein muss, ist die Registrierung für Konvertiten gänzlich ausgeschlossen. Ausländischen Christen ist es verboten, religiöse Handlungen (wie christliche Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen) in der Öffentlichkeit abzuhalten. Kinder von Konvertiten sind gezwungen, nicht-christliche Lehren zu lernen, während Kinder ausländischer Christen von der Teilnahme am Islamunterricht befreit sind. Wenn Konvertiten entdeckt werden, werden sie gegebenenfalls unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen, und verlieren sowohl das Sorgerecht für ihre Kinder als auch ihre Erbrechte. Darüber hinaus werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit von ihren Familien isoliert.

Gesellschaftliches Leben: Die gesellschaftliche Kontrolle ist auf den Malediven extrem stark ausgeprägt, da die Bevölkerungsdichte eine der höchsten in der Welt ist, speziell in der Hauptstadt Malé. Christen muslimischer Herkunft haben praktisch kein Privatleben und in ihrem Bemühen, ihren Glauben zu verstecken, versuchen sie, sich von den vielen Menschen um sie herum möglichst nicht abzuheben. Dies schließt sowohl ihre Kleidung ein als auch Besuche in der örtlichen Moschee. Jeder Einheimische, der die Moschee nicht besucht, wird ausgefragt. Ausländische Christen haben mehr Freiheit, aber es gibt Zeiten, in denen sie sich ebenfalls der breiten Masse anpassen müssen, zum Beispiel während des Ramadan, in welchem sie in der Öffentlichkeit nichts trinken und essen dürfen.

Leben im Staat: Die Verfassung und andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit ein. Die Verfassung bestimmt den sunnitischen Islam als die offizielle Staatsreligion – unter dem Verweis darauf, dass das Land zu „100 Prozent“ muslimisch sei. Die Regierungsbestimmungen basieren auf dem islamischen Recht. Eine der Vorschriften lautet: „Es ist illegal, irgendeine andere Religion außer dem Islam zu verbreiten.“ Strafen für Verstöße dagegen bewegen sich zwischen zwei und fünf Jahren Gefängnis oder Hausarrest, abhängig davon, wie schwerwiegend das Vergehen angesehen wird. Ist der Schuldige ein Ausländer, wird ihm seine Aufenthaltsgenehmigung entzogen oder er wird abgeschoben. Angesichts der Kontrolle, welche die Regierung seit April 2015 über die Medien im Land ausübt, ist es kein Wunder, dass die Berichterstattung über Christen verzerrt und immer negativ ist. Die Verzerrung in Schulbücher wurde bereits unter den Triebkräften von Verfolgung im obenstehenden Abschnitt erwähnt.

Kirchliches Leben: Für Malediver ist es bereits illegal, Christ zu werden, ganz zu schweigen davon, sich als Gemeinde zu versammeln. Ausländische Christen haben eine etwas größere Freiheit, solange sie ihren Glauben nur im Privaten leben. Es ist schon vorgekommen, dass öffentliche Versammlungen von Christen rigoros aufgelöst wurden. Ausländische Gemeinden werden überwacht aus Angst davor, dass sie die Einheimischen evangelisieren könnten. Nicht-islamische Materialien werden als Schmuggelware betrachtet und müssen laut Gesetz bei der Einreise ins Land am Zoll angegeben werden. Angesichts dessen ist es kein Wunder, dass christliches Material nicht importiert oder im Land selbst hergestellt werden kann. Die Schulung von Leitern ist ausgeschlossen und christliche Gemeinden dürfen keine Unterstützung von Christen aus dem Ausland erhalten.

Auftreten von Gewalt: Auf den Malediven ging die Verfolgung noch nie mit sehr viel Gewalt einher. Manchmal wurden Christen zu Gefängnisstrafen verurteilt, wenn sich herausstellte, dass sie die Gesetze zum Schutz des Islam verletzt hätten. Abgesehen davon haben einige Christen muslimischen Hintergrunds das Land verlassen, um der Verfolgung zu entgehen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Maledivische Jugendliche fühlen sich zunehmend „entrechtet und ausgeschlossen“ und „abgekoppelt vom gesellschaftlichen Gefüge“. Darauf weist ein Bericht der Weltbank hin, der im Februar 2015 herausgegeben wurde. Die zunehmende Globalisierung, Internetnutzung und wirtschaftliche Expansion haben „jungen Frauen und Männern die Welt draußen eröffnet und ihnen neue Ideen und Werte gegeben, wodurch ihnen stark bewusst geworden ist, wonach sie streben können“, heißt es in dem Bericht. „Bisher sehen sich beide, junge Frauen und Männer, den Fesseln einer begrenzten Insel-Wirtschaft sowie fehlenden Mitwirkungsmöglichkeiten und gemeinschaftlichem Engagement gegenüber und ringen mit starren Verhaltensnormen und zunehmend konservativen Werten sowie einem unzureichenden Bildungs- und Berufsbildungssystem, das sie nur schlecht auf die Situation am Arbeitsmarkt vorbereitet.“

Der Bericht folgert aus diesen Ergebnissen, dass vielen jungen Maledivern „der Eintritt ins Erwachsenendasein verweigert“ würde. Unter dem Titel „ Jugendliche auf den Malediven: Durch Engagement und Mitwirkung eine neue Zukunft für junge Frauen und Männer gestalten“ wurde der Bericht mithilfe von Gesprächsgruppen und Umfragen erstellt, um dem „Mangel an Daten“ über junge Leute im Land zu begegnen. Physische Isolation, durchkreuzte Erwartungen, familiäre Zerrüttung und Bandenmitgliedschaft wurden als die hauptsächlichen Herausforderungen der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren aufgezeigt, und damit auch neue Einblicke auf das Problem der großen Jugendarbeitslosigkeit im Land gegeben. Ein anderes großes Problem unter maledivischen Jugendlichen ist Drogenabhängigkeit, welcher viele durch die Perspektivlosigkeit und den hohen gesellschaftlichen Druck, den auch die Jugendlichen erleben, zum Opfer fallen. Unglücklicherweise sind davon ebenfalls einige Christen betroffen. Verbindet man dies mit der erstaunlich hohen Zahl an Gastarbeitern, resultiert dies in einer gefährlichen Mischung, die zunehmende soziale Probleme verursacht. Dies könnte zu sozialen Unruhen führen, die zusammen mit der Paranoia der Regierung wiederum einen negativen Einfluss auf die Christen haben könnten.

Eine zweite Tendenz, die sich abzeichnet, hat mit den Auslandsbeziehungen zu tun. Traditionell hat das Land enge Verbindungen zum benachbarten Indien, doch infolge jüngster politischer Entwicklungen ist die Beziehung rasch abgekühlt. Auf der Suche nach neuen Verbündeten machte das Land am 28. Juli 2015 einen überraschenden Schritt. Als winzige Nation im Indischen Ozean, die sich dessen rühmt, als einzige in der südasiatischen Nachbarschaft nicht unter der Kolonialherrschaft europäischer Mächte gestanden zu haben, haben die Malediven nun in einem Schnellverfahren eine Verfassungsänderung zur Übertragung von Landeigentum an große ausländische Investoren durchgeführt. Diese Verfassungsänderung zielt auf chinesische Investoren ab und unterstreicht die Abhängigkeit des Landes vom internationalen Tourismus. Für die kleine christliche Minderheit wird es keinen großen Unterschied machen, ob Indien oder China der große Nachbar ist. Obwohl indische Gastarbeiter – langfristig gesehen – möglicherweise zusätzliche Herausforderungen zu meistern haben werden, wenn sie auf den Malediven arbeiten, was auch Christen betreffen würde. Da China die Religionsfreiheit im eigenen Land ebenfalls stark unterdrückt, können Christen keinerlei Hilfe oder auch nur Aufmerksamkeit von dieser Seite erwarten.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Malediven:

  • um Gelegenheiten für die einheimischen Christen, Zeiten sicherer Gemeinschaft zu erleben
  • dass die Christen geschult werden können und im Glauben wachsen
  • um Weisheit und gute Zusammenarbeit unter den Missionsdiensten
  • für die Tausenden von Jugendlichen, die an Drogensucht (Heroin) leiden. Jesus will ihnen neues Leben schenken!
  • für die Arbeit an der Bibelübersetzung in die Dhivehi-Sprache

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