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Länderprofil Mali

Mali

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 55 Punkte / Rang 44
(WVI 2015: 52 Punkte / Rang 40)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkraft der Verfolgung in Mali ist „Islamischer Extremismus“.

Aktuelle Einflüsse: Nach der Machtübernahme durch die Islamisten im nördlichen Mali Mitte 2012 kam es dort Anfang 2013 zu einer von Frankreich geführten Intervention mit dem Ziel, die Souveränität der malischen Regierung wiederherzustellen. Dennoch konnte das Land seine bürgerlichen Freiheiten und politischen Rechte bislang weder im Norden noch im Süden des Landes vollständig wiedererlangen. Laut einem BBC-Bericht vom 20. Juni 2015 haben die zur Azawad-Bewegung gehörenden Tuareg-Rebellen mittlerweile einem Friedensvertrag zugestimmt. Zuvor war die Regierung auf ihre Forderungen eingegangen, die sowohl größere politischen Kompetenzen als auch regionale Sicherheitsbehörden und eine Aufstockung der Investitionen in die Entwicklung der Region beinhalten. Angesichts der in der Vergangenheit fehlgeschlagenen Versuche bleibt die Frage, ob diese Friedensregelung funktionieren wird.

Betroffene Kategorien von Christen: In Mali leben Christen der folgenden Kategorien: Angehörige traditioneller Kirchen, Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten), und Angehörige protestantischer Freikirchen (ebenfalls durchweg mit muslimischem Hintergrund z.B. Baptisten und Pfingstler). Auch wenn die Mehrheit der Christen im Süden lebt, empfinden sie die islamischen Extremisten im Norden als Bedrohung. Allerdings hat die französische Intervention die Bedrohung durch militante Islamisten eingeschränkt, indem sie einen Teil von ihnen aus den nördlichen Städten und aus dem gesamten Land vertreiben konnte.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Verfolgung in Mali wird von Islamischem Extremismus geprägt. Der Druck auf Christen hat sich verringert (vor allem in den Bereichen Privatleben und Leben im Staat), jedoch ist das Ausmaß an Gewalt aufgrund von Terroranschlägen während des Berichtszeitraums erheblich gestiegen. Die Situation für Christen ist deswegen sehr unbeständig. Der Druck durch Verfolgung ist im Privatleben und Familienleben am höchsten, in den Bereichen Leben im Staat am niedrigsten, während die Bereiche Gesellschaftliches Leben und Kirchliches Leben durchschnittlich betroffen sind. Dies ist typisch für eine Situation, in der Verfolgung noch nicht durch die stärkste Form eines extremistischen Islam definiert werden kann, sondern eher durch eine gemäßigte, jedoch lässt dies immer noch wenig Freiraum für Christen. Der relativ hohe Wert für Gewalt zeigt, dass extremistische Kräfte die Situation der Christen und die der übrigen Gesellschaft stark treffen.

Ausblick: Mali hat hauptsächlich mit dem steigenden Einfluss eines militanten Islam und des Wahhabismus zu kämpfen. Es wird lange dauern, bis christliche Gemeinschaften im Norden Malis wieder werden Fuß fassen können. Extremistische Islamisten sind ungeachtet des unterzeichneten Friedensabkommens nach wie vor im Land und werden auch künftig eine Bedrohung darstellen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Dieses Jahr belegt Mali mit 55 Punkten Platz 44 des Weltverfolgungsindex (WVI). Diese Wertung bedeutet einen Anstieg gegenüber dem WVI 2015 (52 Punkte; Rang 40), liegt aber unter der des Jahres 2013, als Mali von der Invasion islamischer Gruppen betroffen war. Der anhaltende Druck auf die Christen erklärt die jetzige, immer noch relativ hohe Wertung. Nach dem französischen Militäreinsatz im Januar 2013 ist die Gefahr durch islamische Extremisten noch nicht gebannt; im Norden ist weiterhin kein normales Kirchenleben möglich. Die Existenz der Christen und die Infrastruktur sind weitestgehend zerstört und viele geflohene Christen fürchten sich, zurückzukehren.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkraft in Mali ist „Islamischer Extremismus.“

Islamischer Extremismus: Mali galt lange Zeit als typisch westafrikanisches Land mit einem zumeist gemäßigten Islam und einer Verfassung, die politisch-religiöse Parteien verbot, obwohl ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung Muslime sind. Religion galt als Privatsache und wurde nicht mit Politik vermischt, so dass jeder seinen Glauben frei wählen konnte. Die Gesellschaft Malis ließ den Christen immer Raum zur Entfaltung, auch hinsichtlich der Arbeit ausländischer christlicher Missionare. Im Norden war die Situation zwar schwieriger, doch selbst dort konnten Missionare bis zur Machtergreifung durch Islamisten 2012 arbeiten. Christen mit muslimischem Hintergrund waren allerdings von jeher größeren Herausforderungen ausgesetzt als andere Christen; sowohl der allgemeine Druck als auch die Gewalt gegen sie haben in den vergangenen Jahren zugenommen.

Die Situation änderte sich, als im April 2012 im Norden von Mali der unabhängige Staat „Azawad“ ausgerufen wurde. Die islamischen Extremisten, ihrer Prägung nach zumeist Wahhabiten, errichteten dort einen islamischen ‚Staat‘ unter der Führung eines strengen Scharia-Regimes. Noch bevor die Islamisten die Macht völlig übernommen hatten, flohen die meisten Christen. Kirchen und andere Gebäude der Christen wurden zerstört. Seit Beginn der Kämpfe im März 2012 sind Zehn-, wenn nicht Hunderttausende Malier aus dem Norden in den Süden oder in benachbarte Länder geflohen, einschließlich einer kleinen Gruppe von Christen. Es wird lange dauern, bis christliche Gemeinschaften im Norden Malis wieder werden Fuß fassen können. Gleichzeitig ist die Kirche im Süden Malis ebenfalls negativ von der wachsenden öffentlichen Präsenz wahhabitischer Gruppen betroffen. Obwohl die Besetzung des Nordens weitgehend beendet wurde, könnten sich die Tendenzen hin zu einem extremistischen Islam in der malischen Gesellschaft weiter verbreiten, was stärkeren Druck oder gewaltsame Übergriffe gegen Christen und ihre Kirchen zur Folge haben würde.

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3. Aktuelle Einflüsse

Seit der Machtübernahme durch die Islamisten im nördlichen Mali Mitte 2012 und der anschließenden, von Frankreich geführten Intervention Anfang 2013, um die malische Autorität wiederherzustellen, konnte das Land seine bürgerlichen Freiheiten und politischen Rechte weder im Norden noch im Süden des Landes vollständig wiedererlangen.

Die Behörden Malis unterzeichneten am 18. Juni 2013 einen Vertrag mit den Tuareg-Rebellen, die nördlich gelegene Stadt Kidal wieder der malischen Verwaltung und Armee zu unterstellen; sie war bis dahin von aufständischen Freiheitskämpfern der „Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad“ (MNLA) kontrolliert worden. Allerdings war dies kein umfassender Friedensvertrag zur Beendigung der Rebellion. Seit Mai 2013 sind die Regionen im Norden wieder unter Kontrolle der Regierung, ausgenommen die Gegend nordöstlich von Kidal.

Der Konflikt zwischen der Regierung und den militanten Oppositionskräften ist nicht neu. Dabei stellt die MNLA seit je her die größte Bedrohung für Malis Regierung dar. Sie repräsentiert die seit 2011 für Unabhängigkeit kämpfenden Milizen der Tuareg, deren Kampf bereits 1916 begann. Seit damals gab es mindestens fünf Aufstände der Tuareg im Norden Malis, sowohl unter französischer Herrschaft als auch nach der Unabhängigkeit Malis 1960. Ziel der Rebellionen war immer ein von der Regierung in der Hauptstadt Bamako unabhängiger Staat namens „Azawad“.

Laut einem BBC-Bericht vom 20. Juni 2015 haben die zur Azawad-Bewegung gehörenden Tuareg-Rebellen mittlerweile einem Friedensvertrag zugestimmt. Zuvor war die Regierung auf ihre Forderungen eingegangen, die sowohl größere politischen Kompetenzen als auch regionale Sicherheitsbehörden und eine Aufstockung der Investitionen in die Entwicklung der Region beinhalten. Angesichts der in der Vergangenheit fehlgeschlagenen Versuche bleibt die Frage, ob diese Friedensregelung funktionieren wird. Das Friedensabkommen an sich schafft keine Gerechtigkeit für Opfer von Gewalt und deren Familien. Wie der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge berichtete, leben immer noch rund 140.000 malische Flüchtlinge im Ausland, von denen ein kleiner Anteil Christen sind. Zudem bleibt weiterhin das Risiko bestehen, dass sich extremistische Tuareg den mit Al Kaida in Verbindung stehenden Gruppen anschließen. Im August 2015 belagerten bewaffnete Islamisten ein Hotel in der zentralmalischen Stadt Sevare und töteten 13 Menschen. Die Belagerung endete mit der Erstürmung des Gebäudes durch Regierungstruppen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Mali leben Christen der folgenden Kategorien:

Mitglieder traditioneller Kirchen wie z.B. der Römisch-Katholischen Kirche und einer bedeutenden Zahl verschiedener protestantischer Denominationen. Von den weniger als fünf Prozent Christen unter der einheimischen Bevölkerung gehören die meisten traditionellen christlichen Kirchen an.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten): Die kleinen Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft sind meistens unter den Stämmen der Bozo und der Dogon anzutreffen, es gibt sie aber auch in anderen Landesteilen.

Mitglieder protestantischer Freikirchen (wie z.B. Baptisten oder Pfingstler)

Auch wenn die Mehrheit der Christen im Süden lebt, empfinden sie die islamischen Extremisten im Norden als Bedrohung. Allerdings hat die französische Intervention die Bedrohung durch militante Islamisten eingeschränkt, indem sie einen Teil von ihnen aus den nördlichen Städten und aus dem gesamten Land vertreiben konnte.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Mali illustriert den Einfluss des Islamischen Extremismus auf das Leben der Christen. Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche (9,425) ist niedriger als im letzten Jahr (9,981). Der Wert für den Bereich „Gewalt“ hingegen ist von 2,593 (WVI 2015) auf jetzt 8,148 gestiegen. Der Druck hat sich vor allem in den Bereichen „Privatleben“ und „Leben im Staat“ verringert, jedoch ist das Ausmaß von Gewalt aufgrund der Terroranschläge während des Berichtszeitraums erheblich gestiegen. Die Situation für Christen ist deswegen sehr unbeständig. Wie das Verfolgungsmuster zeigt, ist der Druck in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ am höchsten und am geringsten im Bereich „Leben im Staat“. Der relativ hohe Wert für Gewalt zeigt, dass extremistische Kräfte die Situation der Christen und die der übrigen Gesellschaft erheblich beeinflussen. Dies ist typisch für eine Verfolgungssituation, die noch nicht von der extremsten Ausprägung des Islam bestimmt wird, sondern durch eine etwas gemäßigtere Form; auch diese lässt kaum Freiraum für Christen.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben und Familienleben: Für Christen muslimischer Herkunft ist es besonders schwer, ihren Glauben im Privat- und Familienleben zu leben, weil Familienkreise gewöhnlich sehr ablehnend auf einen solchen Glaubenswechsel reagieren. Ein gewisser Druck lag schon immer auf den Christen im Süden, besonders aber auf denen mit muslimischem Hintergrund.

Gesellschaftliches Leben: Aufgrund des Einflusses islamistischer Gruppen haben sich Christen aus Sorge um ihre Sicherheit deutlich weniger am öffentlichen Leben beteiligt als in der Vergangenheit. Obwohl die Islamisten vertrieben wurden, sind sie doch nicht vollständig besiegt, die Angst vor einem neuen Aufstand bleibt. Auch viele Muslime vor Ort sehen es nicht gerne, wenn Christen zurückkehren, da deren Häuser und Grundstücke zwischenzeitlich häufig von anderen besetzt wurden.

Leben im Staat: Der Druck in diesem Bereich lag im vergangenen Jahr unter dem der beiden Jahre zuvor. Trotzdem fühlen sich Christen im Norden durch den anhaltenden Einfluss der islamistischen Gruppen bedroht und fürchten sich etwa, christliche Symbole öffentlich zu zeigen.

Kirchliches Leben: Im Süden akzeptiert die Gesellschaft christliche Versammlungen, jedoch fühlen sich einige Christen durch die weiter bestehenden islamistischen Bewegungen bedroht. Ein normales Kirchenleben ist im Norden noch nicht möglich.

Auftreten von Gewalt: Die meisten Morde gehen von extremistischen Islamisten aus. Unter den Opfern befinden sich Angehörige von Friedenstruppen, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie Zivilisten. Ein Beispiel: Im September 2015 wurden drei NGO-Mitarbeiter im Dorf Ouro Aly Tem, in der Mopti-Region im Norden Malis, umgebracht. Dr. Mohamed Ibrahim Yattra, Präsident der Baptistengemeinde in Mali, bestätigte, dass mehr als 15 Gemeinden in ländlichen Gebieten zerstört wurden. Einige dieser Gemeinden befinden sich in Orten wie Ouonkoro in der Mopti-Region, Toulé in der Ségou-Region, Gouma-Rharous in der Timbuktu-Region und Sevare. Eine Kirche wurde angegriffen, weil extremistische Islamisten den Pastor entführen wollten. Es ist gut möglich, dass nicht alle Vorfälle gemeldet wurden. Viele Christen, die vor den islamistischen Angriffen in 2012/2013 geflohen sind, sind in ihre Häuser und Kirchen (von denen viele während ihrer Abwesenheit zerstört wurden) im Norden Malis zurückgekehrt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Christen starker Verfolgung ausgesetzt sind (einschließlich Angriffen auf ihre Versammlungsräume), da die Lage im Norden durch diverse islamistische Splittergruppen instabil bleibt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

  1. Mali hat hauptsächlich mit dem wachsenden Einfluss des militanten Islam und des Wahhabismus zu kämpfen. Diese Entwicklung ist im Norden weiter verbreitet als im Süden. Doch sogar dort hatten sich während des Bürgerkriegs 2012 Mitglieder südlicher Stämme den Islamisten angeschlossen. Besonders zu nennen ist hier die Bewegung für Einheit und den Dschihad in Westafrika (MUJWA), die von Al Kaida im Maghreb (AQIM) gegründet worden war, gerade um Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara einzubinden. Die Propaganda von MUJWA zielt stark auf die Verehrung „schwarzer“, westafrikanischer Dschihad-Führer des 19. Jahrhunderts wie Usman dan Fodio ab, im Gegensatz zu arabischen oder nordafrikanischen Leitern, von denen sich die Mitglieder von AQIM angesprochen fühlen. Die Christen haben unter diesem Konflikt stark gelitten.
  2. Extremistische Islamisten sind immer noch aktiv in Mali, ungeachtet des unterzeichneten Friedensabkommens und werden auch künftig eine Bedrohung darstellen. Eine neue Entwicklung ist, dass extremistische Islamisten, die vorher nur im Norden aktiv waren, nun auch im Süden und in zentral gelegenen Gebieten Anschläge verüben. Kirchliche Aktivitäten standen in der Vergangenheit vor allem im Norden unter Bedrohung, doch nun weitet sich diese Situation auch auf andere Landesteile aus.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mali:

  • um Kraft und Stärke für die Christen im Norden, die mit großen Ängsten vor islamistischen Einflüssen zu kämpfen haben
  • um Gottes Hilfe beim Wiederaufbau des christlichen Gemeindelebens im Norden
  • um Klarheit im christlichen Zeugnis und Gottes Schutz vor einer Vermischung des christlichen Glaubens mit animistischen Dorfreligionen

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