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Länderprofil Myanmar

Myanmar

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 62 Punkte / Platz 23
(WVI 2015: 60 Punkte / Platz 25)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Myanmar sind „Religiös motivierter Nationalismus“ und in geringerem Maße „Diktatorische Paranoia“ und „Islamischer Extremismus“.

Aktuelle Einflüsse: Der gesamte Berichtszeitraum wurde eingenommen von Vorbereitungen der ersten freien und gerechten Wahlen seit 25 Jahren, die am 8. November 2015 (einige Tage nach Ende des Berichtszeitraums) stattfanden. Die Opposition mit Aung San Suu Kyi an der Spitze konnte einen überwältigenden Sieg verbuchen. Die meisten Parteien, die ethnische Minderheiten vertreten, haben nur wenige Sitze im Parlament gewonnen. Demzufolge wird das neue Parlament vermutlich auch weniger christliche Mitglieder haben als das alte. Während des Wahlkampfs und der Wahlen setzte die myanmarische Armee ihre Angriffe gegen ethnische Minderheiten in den Staaten Kachin und Shan fort, obwohl am 15. Oktober 2015 ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen worden war. Christen sind von solchen Angriffen stark betroffen; es gibt sehr viel Gewalt. Außerdem hat eine Gruppe extremistischer buddhistischer Mönche („Ma Ba Tha“) ihre Kampagnen gegen religiöse Minderheiten verstärkt und erfolgreich dabei geholfen, im August 2015 vier Gesetze zum „Schutz von Rasse und Religion“ einzuführen. Durch diese Gesetze entstehen unüberwindliche Hürden für Konversionen und große Komplikationen für religiös gemischte Ehen. Davon sind auch Christen betroffen.

Betroffene Kategorien von Christen: Mitglieder traditioneller Kirchen, aber insbesondere christliche Konvertiten mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund sowie Mitglieder protestantischer Freikirchen sind von Verfolgung betroffen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Familien, Freunde und Nachbarn üben starken Druck auf christliche Konvertiten muslimischer oder buddhistischer Herkunft aus, ihren Glauben zu widerrufen. Mit den vor kurzem eingeführten Gesetzen wird eine Konversion zwar nicht gänzlich verboten, jedoch stark erschwert. Christliche Kinder erleben in der Schule Diskriminierungen durch Lehrer und Mitschüler. Es gibt Berichte darüber, dass einige Schüler gezwungen werden, am buddhistischen Unterricht teilzunehmen und dabei die religiöse Kleidung der Mönche und Nonnen zu tragen. Vor allem in den Staaten Kachin und Shan geht die Verfolgung von Christen mit sehr viel Gewalt einher. Im Januar 2015 wurden im Shan-Staat zwei Lehrerinnen vergewaltigt und getötet. Sie waren von der „Kachin Baptist Convention“ beauftragt worden, vertriebene Erwachsene und Kinder zu unterrichten und ihnen zu helfen. Weitere Menschen wurden getötet, als sie versuchten, Schutz in Kirchen zu suchen. Tausende Christen leben als Binnenvertriebene im Land oder mussten über die Grenze nach China fliehen. In der Ortschaft Marsihta begann ein Mönch damit, eine Pagode auf dem Gelände einer Kirche zu bauen, sodass christliche Gottesdienste dort nun praktisch unmöglich sind.

Ausblick: Obwohl es durch die freien Wahlen einen Hoffnungsschimmer gibt, bleibt abzuwarten, ob Christen und andere Minderheiten ein Mitspracherecht in der Gesellschaft erhalten werden. An der Machtstellung des myanmarischen Militärs scheint sich nicht zu ändern. Ein anderer Einfluss, mit dem man zu rechnen hat, ist die Umsetzung der Gesetze zum „Schutz von Rasse und Religion“.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 62 Punkten belegt Myanmar Platz 23 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Im Jahr 2015 nahm Myanmar mit 60 Punkten Rang 25 ein. Der Anstieg der Punkte lässt sich vor allem durch den wachsenden Verfolgungsdruck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ sowie einem weiteren Anstieg des bereits hohen Gewaltniveaus erklären.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Myanmar sind „Religiös motivierter Nationalismus“ und in geringerem Maße „Diktatorische Paranoia“ und „Islamischer Extremismus“.

Religiös motivierter Nationalismus: Der religiös motivierte Nationalismus wird im Allgemeinen von extremistischen Buddhisten aufrechterhalten und von der Regierung toleriert – und in gewissem Ausmaß sogar unterstützt. Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60%) ist ethnisch gesehen birmanisch, auch „bama“ genannt. Bama sein heißt buddhistisch sein. Jeder, der von diesem Erbe abweicht, wird als potentiell gefährlich eingestuft. Druck kommt von zwei Seiten: Zum einen von der Gesellschaft, einschließlich der vormals als „969“, jetzt als „Ma Ba Tha“ bezeichneten Bewegung extremistischer buddhistischer Mönche; zum anderen von der Regierung, die sich die Unterstützung solcher Bewegungen sichern will. Ein deutliches Zeichen dafür ist das im August 2015 vom scheidenden Parlament eingeführte Gesetz zum „Schutz von Rasse und Religion“. Die Bewegung „Ma Ba Tha“ feierte die von ihr erfolgreich eingeforderte Einführung des Gesetzes mit landesweiten Versammlungen und Prozessionen. Weitere Einzelheiten über diese Gesetze werden unter dem Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche“ erläutert.

Diktatorische Paranoia: Myanmar blickt auf eine lange Geschichte von Militärregierungen zurück. Auch die erst kürzlich demokratisch abgewählte Regierung hatte einen militärischen Hintergrund, einschließlich des scheidenden Präsidenten Thein Sein. Deshalb ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen nicht notwendigerweise die Regierung von Diktatorischer Paranoia betroffen ist, sondern das Militär. Gemäß der Verfassung des Landes, die von der „Tatmadaw“, der myanmarischen Armee, geschrieben wurde, erhält das Militär ein Viertel der Sitze im Parlament; diese werden nicht gewählt. Das Militär besetzt die wichtigsten Regierungsstellen, dazu gehören das Verteidigungsministerium, aber auch das Innenministerium und das Ministerium für Grenzangelegenheiten. Die Tatsache, dass die Armee trotz aller Hoffnungen hinsichtlich Demokratie und Teilnahme von Minderheiten an den Wahlen ihren Kampf gegen die ethnischen Minderheiten, einschließlich der Christen, fortgesetzt und sogar intensiviert hat, verdeutlicht, wo die wahre Macht liegt. Das Militär wird alles tun, um die Macht zu behalten, dazu gehört – falls notwendig – auch die Erfüllung von Forderungen im Hinblick auf buddhistischen Nationalismus oder exklusives Stammesdenken. Die Regierung schloss am 15. Oktober 2015 ein weiteres Waffenstillstandsabkommen ab, allerdings schlossen sich einerseits nicht alle militärischen Gruppen der ethnischen Minderheiten dieser Vereinbarung an, andererseits wurden manche Gruppen auch absichtlich ausgeschlossen. Zwei militärische Gruppen, die Unabhängigkeitsarmee von Kachin (KIA) und die Armee des Shan-Staates (SSA), die in Gebieten mit einem bedeutenden Bevölkerungsanteil von Christen aktiv sind, schlossen sich dem Abkommen ebenfalls nicht an. Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte Na-Ta-La-Schulen (Schulen in Grenzgebieten zur Entwicklung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen), die für Minderheiten der Bevölkerung attraktiv sind, da sie keine Gebühren erheben. In diesen Schulen werden den jungen Menschen intensiv die Lehren Buddhas vermittelt. Im vergangenen Jahr gab es Berichte darüber, dass das Militär versucht hätte, ethnische Aufstände zu schwächen, indem Jugendliche aus ethnischen Minderheiten drogenabhängig gemacht wurden. Diese Praxis betrifft auch die Christen in Kachin. Weite Teile der Region Kachin gehören zu einem der zwei größten Anbaugebiete für Opium in Asien (zusammen mit Vietnam, Laos und Thailand). Dieses Gebiet ist weithin bekannt als das „goldene Dreieck“. Auch dies trägt zu dem schweren Druck bei, den Christen ertragen müssen. Weite Teile des Landes sind in der Hand der Tatmadaw, also des Militärs. Da viele Rohstoffe, wie Erz, Jade und Edelholz, hauptsächlich in den von Christen bewohnten Territorien wie im Shan-Staat oder bei den Chin und Kachin vorkommen, erleben die Christen dort einen großen Verfolgungsdruck vonseiten des Militärs. Das liegt nicht nur daran, dass die Regierung versucht, das Land zusammenzuhalten, sondern auch am wirtschaftlichen Interesse an den Rohstoffen. Unternehmen werden oftmals vom Militär oder von hochrangigen Politikern geleitet; die Vetternwirtschaft boomt. Es gibt kein Interesse daran, die Reichtümer des Landes mit der Bevölkerung zu teilen.

Islamischer Extremismus: Erstaunlicherweise spielt diese Triebkraft der Verfolgung weiterhin eine Rolle in diesem buddhistischen Staat. Muslime erleben selbst Verfolgung durch einen starken buddhistischen Widerstand, mit teils äußerst gewaltsamen Zusammenstößen. Weniger bekannt ist, dass es unter ihnen eine kleine Gruppe von Christen gibt, die zuerst wegen ihrer ethnischen Herkunft Verfolgung erleiden und dann noch zusätzlich vonseiten ihrer muslimischen Familien und Gemeinschaften, weil sie Christen geworden sind.

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3. Aktuelle Einflüsse

Der gesamte Berichtszeitraum wurde eingenommen von Vorbereitungen der ersten freien und gerechten Wahlen seit 25 Jahren. Diese Zeit war überfrachtet mit Hoffnungen auf Demokratie und ein inklusives Verständnis der Gesellschaft, wodurch ethnischen Minderheiten ein Mitspracherecht in der Entwicklung des Landes gegeben werden sollte. Viele der ethnischen Minderheiten, wie die Kachin, Chin und Karen, sind überwiegend Christen. Die Wahlen fanden am 8. November 2015 statt, also einige Tage außerhalb des Berichtszeitraums. Die Oppositionspartei „Nationalliga für Demokratie“ (NLD) mit Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi an der Spitze konnte einen überwältigenden Sieg verzeichnen. Ihre Partei hat die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament gewonnen. Dagegen haben nicht nur die Regierungspartei USDP, sondern auch die meisten ethnischen Parteien bei den Wahlen schlecht abgeschnitten und konnten kaum Sitze im Parlament für sich gewinnen. Somit wird das neue Parlament vermutlich weniger vereidigte christliche Parlamentsmitglieder haben als das alte. Während des Wahlkampfs und der Wahlen setzte die myanmarische Armee ihre Angriffe gegen ethnische Minderheiten in den Staaten Kachin und Shan fort und verstärkte sie sogar, obwohl am 15. Oktober 2015 ein Waffenstillstandsabkommen abgeschlossen worden war. Christen sind von solchen Angriffen stark betroffen; es gibt sehr viel Gewalt. Außerdem hat die Gruppierung „Ma Ba Tha“ ihre Kampagnen gegen religiöse Minderheiten ausgeweitet, insbesondere gegen die Rohingya-Muslime. Ihre Kampagne gipfelte erfolgreich darin, dass die von ihnen geforderten vier Gesetze zum „Schutz von Rasse und Religion“ im August 2015 eingeführt wurden. Durch diese Gesetze werden für einen Glaubenswechsel unüberwindliche Hürden aufgestellt und es entstehen große Komplikationen für Mischehen, bei denen die Ehepartner unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören. Davon sind auch Christen betroffen. Da sich Suu Kyi zu diesen Entwicklungen bisher nicht geäußert hat, hegen die ethnischen Minderheiten vorsichtige Hoffnungen. Allerdings sind ihre Erwartungen auch nicht allzu hoch, da Suu Kyi weithin als Vertreterin des myanmarischen Adels wahrgenommen wird.

Ein weiterer Ausdruck der Gewalt extremistischer Buddhisten gegen Rohingya-Muslime war zu beobachten, als tausende Rohingya in auf dem Andamanischen Meer treibenden Booten gefunden wurden, nachdem Schlepper sie auf ihrer Flucht im Stich gelassen hatten. Die internationale Gemeinschaft wurde durch dieses hohe Maß an Diskriminierung alarmiert und auf die Situation der Rohingya-Muslime aufmerksam. Da den Rohingya nicht erlaubt wird, ihre Dörfer im Bundesstaat Rakhine zu verlassen, können zum christlichen Glauben konvertierte Muslime, insbesondere Leiter, nicht an Schulungen oder theologischen Seminaren teilnehmen. Zusätzlich zur Diskriminierung aufgrund ihrer ethnischen und muslimischen Herkunft werden die Möglichkeiten der Gemeinschaft mit anderen Christen von ihrem muslimischen sozialen Umfeld stark eingeschränkt. Die Rohingya wurden vom Wahlprozess weitestgehend ausgeschlossen, ebenso wie mehrere zehntausend andere Menschen, die in Gebieten leben, die durch den seit sechzig Jahren wütenden Bürgerkrieg zerstört sind, unter ihnen auch viele Christen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Außer ausländischen Christen sind in Myanmar alle Kategorien von Christen von Verfolgung betroffen.

Ausländische Christen: Die meisten Christen dieser Kategorie leben in Yangon. Einige Christen aus dem Ausland sind in registrierte oder traditionelle Kirchen in der Stadt integriert. Diese Christen leiden – wenn überhaupt – am wenigsten unter Verfolgung.

Mitglieder traditioneller Kirchen: Zu dieser Kategorie gehören hauptsächlich Baptisten und Katholiken.

Christliche Konvertiten: Dies sind Christen mit buddhistischem oder muslimischem Hintergrund, die meistens zu den Rohingya gehören.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Pfingstgemeinden, wie z.B. Assemblies of God (AOG)

Die meisten Christen sind Angehörige einer ethnischen Minderheit und schon allein deswegen Zielscheibe von Angriffen. Zunehmend kommen die Angriffe von der Armee, die jegliche Unabhängigkeits- oder Autonomiebewegung bekämpft. Doch selbst Christen birmanischer Herkunft („bama“) werden beobachtet, unter Druck gesetzt und als Verräter abgestempelt. Die wenigen Christen muslimischen Hintergrunds erleiden Anfeindungen von allen Seiten.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Myanmar zeigt die Summe der Wertungen für Religiös motivierten Nationalismus. Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche liegt bei 9,246 Punkten und zeigt eine Zunahme des Drucks auf Christen im Vergleich zum vergangenen Jahr (8,885 Punkte). Die Punktzahl im Bereich „Auftreten von Gewalt“ hatte mit 15,185 Punkten im vergangenen Jahr bereits einen außerordentlich hohen Wert und ist noch weiter auf 15,556 Punkte angestiegen. Besonders in den Regionen, in denen ethnische Minderheiten leben, ist der Druck auf die Christen stark. Sie leiden zudem unter sehr viel Gewalt, besonders vonseiten des Militärs. Das Verfolgungsmuster verdeutlicht, dass die Verfolgung in den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ am größten ist. Außer in diesen Bereichen ist die Verfolgung in allen anderen Lebensbereichen relativ gleichmäßig verteilt. Obwohl die bereits erwähnten Gesetze, die vor kurzem verabschiedet wurden, noch nicht umgesetzt werden, zeigen die begeisterten Feiern der extremistischen buddhistischen Gruppen, dass sie eine strikte Auslegung fordern werden. Die Verfolgung der Christen wird angetrieben vom Religiös motivierten Nationalismus der Buddhisten und dem starken Drang des Militärs, an der Macht zu bleiben und nicht bei seinen Geschäften gestört zu werden.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen buddhistischer Herkunft müssen immer sehr vorsichtig bei der Ausübung ihres Glaubens sein, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in ihrem familiären Umfeld sind und daher als „Schandfleck“ für die Familie angesehen werden. Versammlungen mit anderen Christen sind in der Regel nicht gefährlich, doch für Konvertiten können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Wessen Übertritt zum christlichen Glauben bekannt geworden ist, lebt unter ständiger Beobachtung und kann unter Hausarrest gestellt werden, um ihn daran zu hindern, sich mit anderen Christen zu treffen. Auch Christen muslimischen Hintergrunds erleben alle diese Probleme, allerdings in stärkerem Maße, denn sie weichen nicht nur vom Glauben ihrer Vorfahren ab, sondern gehören zusätzlich noch zu einer verachteten Minderheit.

Familienleben: Es ist nicht zwangsläufig so, dass Konvertiten die Scheidung, der Verlust des Sorgerechts oder Erbrechts droht, obwohl all dies gelegentlich vorkommt. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder Beerdigung zu organisieren ist oft nur schwer möglich, vor allem in buddhistisch dominierten Dörfern oder für Christen muslimischen Hintergrunds. Der muslimischen Minderheit wird außerdem die Staatsbürgerschaft verweigert. Muslimische Rohingya und Christen muslimischer Herkunft werden als Bengalen angesehen und nicht registriert. Christliche Eltern erleben es als Herausforderung, ihren Kindern christliche Werte beizubringen, denn sie sehen sich nicht nur dem Druck des buddhistischen Umfeldes in ihrer Nachbarschaft ausgesetzt, sondern häufig auch dem Zwang, ihre Kinder in den buddhistischen Unterricht zu schicken.

Gesellschaftliches Leben: Sobald Christen aufhören, Mönchen Almosen zu geben, sich weigern, zur Renovierung oder zum Bau von Tempeln beizutragen, und nicht mehr an buddhistischen Festen teilnehmen, werden sie schikaniert, zu Spenden gezwungen oder ihnen wird mit dem Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft gedroht. Besonders Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden beobachtet und unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu verleugnen; sie werden von gesellschaftlichen Beschlüssen oder Ressourcen ausgeschlossen und dürfen z. B. Brunnen nicht nutzen. Gebiete, in denen viele Christen leben, werden absichtlich in den Bereichen Infrastruktur und Gesundheitsfürsorge benachteiligt. Sowohl im Privatleben als auch im Beruf werden Christen diskriminiert. Kinder von konvertierten Christen werden von Lehrern und Mitschülern in der Schule diskriminiert. Kinder aller Christen müssen nicht-christlichen Unterricht besuchen und können gezwungen werden, an buddhistischen Gebeten oder Zeremonien teilzunehmen. Besonders, wenn die Familien arm sind und einer ethnischen Minderheit angehören, werden die Kinder auf die bereits erwähnten Na-Ta-La-Schulen geschickt. Hier ist das Diskriminieren bei der Benotung, das Schikanieren und Verspotten christlicher Kinder an der Tagesordnung.

Leben im Staat: Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt, dass „die Union anerkennt, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt“, während in Abschnitt 362 die Existenz des christlichen Glaubens, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt wird. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wurde von den extremistischen Buddhisten missbraucht und von der Regierung dazu genutzt, um daraus Vorteile zur Verwirklichung politischer Interessen zu ziehen. Um zusätzliche Unterstützung von diesen Gruppen und der Mehrheit der Bamar zu erlangen, hat die Regierung im August 2015 vier Gesetzesentwürfe gegen Konversionen verabschiedet. Diese Gesetze zielen darauf ab, den Buddhismus durch Einschränkung interreligiöser Ehen und Bekehrungen, Verbot der Polygamie und die Einführung einer Geburtenkontrolle zu schützen. Laut ihnen müssen buddhistische Frauen eine Erlaubnis von ihren Eltern und von der Behörde vorweisen, wenn sie einen Mann mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten wollen; möchte umgekehrt ein nicht-buddhistischer Mann eine buddhistische Frau heiraten, muss dieser zum Buddhismus konvertieren. Das Gesetz besagt auch, dass jeder, der die Religion wechseln will, von der „Konversions-Registrierungs-Behörde“ die Erlaubnis dazu einholen muss. Diese Behörde besteht aus örtlichen Religions- und Einwanderungsbeamten, einem örtlichen Verwaltungsbeamten, dem Vorsitzenden für Frauenangelegenheiten und einem örtlichen Verantwortlichen für Ausbildung. Auch wenn abzuwarten bleibt, wie dieses Gesetz praktisch umgesetzt wird, ist allein schon die Verabschiedung des Gesetzes besorgniserregend und trägt mit dazu bei, dass Myanmar auf dem Weltverfolgungsindex einen höheren Rang einnimmt.

Kirchliches Leben: Während man in verschiedenen Teilen Myanmars viele christliche Kirchen finden kann, bleibt es schwer, eine Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche zu erhalten, da es viele Einschränkungen gibt. Deshalb nutzen viele Christen Firmengebäude oder treffen sich in Hauskirchen, um an Sonntagen einen Ort für den gemeinsamen Gottesdienst zu haben. Besonders in Gegenden, wo der Buddhismus stark ist, stehen die Kirchen unter Beobachtung. Kirchenleiter und Pastoren werden von extremistischen Buddhisten ins Visier genommen, denn dies ist eine Methode, die Kirchen zu lähmen. Einige Kirchen haben angefangen, eigene Materialien zu drucken, aber der Besitz von Druckmaschinen oder Veröffentlichungen in Sprachen der ethnischen Minderheiten kommen nicht infrage. Kirchen dürfen keine Ausländer für religiöse Zwecke einladen. In Gegenden, wo vorrangig ethnische Minderheiten leben, haben die Kirchen noch größere Schwierigkeiten. Ihre Kirchen werden häufig als Versammlungsort für gegen die Regierung gerichtete Treffen oder als Kommunikationsorte für ethnische Minderheiten angesehen. In Gebieten, die vom Bürgerkrieg betroffen sind, wie z. B. Kachin und Shan, werden Kirchen oft angegriffen, da die Menschen dort Zuflucht vor den Kämpfen suchen.

Auftreten der Gewalt: Die Verfolgung in Myanmar ist nach wie vor äußerst gewalttätig und hat sich innerhalb des Berichtszeitraums sogar leicht verstärkt. Wieder gab es viele Berichte von Christen, die aufgrund ihres Glaubens getötet wurden. Ein sehr klares Beispiel ist ein Vorfall, der sich am 20. Januar 2015 ereignete. An diesem Tag wurden die schwer misshandelten Körper zweier junger Frauen in der Gemeinde Kutkai nahe der Grenzstadt Muse im nördlichen Shan-Staat gefunden. Beide Frauen hatten als ehrenamtliche Lehrer für die „Kachin Baptist Convention“ gearbeitet. Sie wurden brutal vergewaltigt und anschließend getötet. Schnell verbreiteten sich Gerüchte darüber, dass Soldaten der Tatmadaw, die in der Nähe stationiert waren, dieses Verbrechen begangen hätten. Indizienbeweise wiesen in die gleiche Richtung, jedoch lag zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Berichts noch kein konkretes Ergebnis für diesen Fall vor. Das Militär verübt weiterhin Angriffe auf die Gebiete der ethnischen Minderheiten, in denen auch Christen leben, und hat diese sogar noch verstärkt. Auch die Luftangriffe haben zugenommen und so wurden mehrere Kirchen durch Bombenangriffe zerstört. Am 21. August 2015 führte der oberste buddhistische Mönch des Dorfes Marsihta im Staat Karen eine Gruppe buddhistischer Dorfbewohner beim Bau einer Pagode auf dem Gelände der Baptistenkirche an. Sie planten auch, eine Buddha-Statue auf das Gelände zu bauen, was die Christen effektiv davon abgehalten hätte, ihre Kirche nutzen zu können.

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6. Ausblick

Sichtbare Tendenzen und ihre Bedeutung für die Kirche:

Im Berichtszeitraum sorgte Myanmar hauptsächlich mit positiven Nachrichten für weltweite Schlagzeilen. Dass die Wahlen größtenteils frei gewesen sind, ist ein ermutigendes Zeichen und weckt Hoffnungen, dass sich das Land nun auf dem richtigen Weg befindet. Andererseits führten die Nachrichten über die Rohingya-Flüchtlingskrise im südöstlichen Asien zu negativen Schlagzeilen. Die Situation dieser Flüchtlinge hebt die Herausforderungen hervor: Wie werden sich die extremistischen buddhistischen Gruppierungen nun verhalten, da das von ihnen unterstütze Regime abgewählt wurde? In einem ersten Interview gab einer der leitenden Mönche der Ma Ba Tha bekannt, dass sie die NLD ebenso unterstützen würden, vorausgesetzt, die Gesetze zum „Schutz von Rasse und Religion“ würden beibehalten und umgesetzt. Religiös motivierter Nationalismus wird auch in der kommenden Zeit die christlichen ethnischen Minderheiten betreffen und zu Problemen führen.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Militär. So lange es ein solch starker politischer Faktor bleibt und so tief in legalen und illegalen Handel in hauptsächlich von Christen bewohnten Gebieten wie dem Staat Kachin verstrickt ist, sind keine wesentlichen Veränderungen zu erwarten. Trotz aller Fortschritte bei der Demokratisierung und den Waffenstillstandsabkommen geht das hohe Maß an Gewalt offenbar nicht zurück.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • um eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse, um ein Klima der Versöhnung und Wahrhaftigkeit
  • dass die restriktiven Gesetze im Bereich der Religionsfreiheit nicht zur Anwendung kommen und bald abgemildert werden
  • um Schutz der Christen vor gewaltsamen Übergriffen durch die Armee und Extremisten
  • für Möglichkeiten, dass Kinder und Erwachsene im christlichen Glauben unterrichtet werden können und geistlich stark werden

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