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Nigeria Länderprofil

Nigeria

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen und der Sonderseite "Massive Gewalt gegen Christen in Nordnigeria".

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 78 Punkte / Platz 12
(WWL 2015: 78 Punkte / Platz 10)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkräfte für die Verfolgung von Christen in Nigeria sind „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft), sowie in geringerem Ausmaß „Exklusives Stammesdenken“ und „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse: Am 29. Mai 2015 wurde Muhammadu Buhari als Präsident vereidigt. In seiner Rede zum Amtsantritt versprach er, dem Land zu wachsendem Wohlstand zu verhelfen und gegen Korruption und die islamistische Aufstandsbewegung Boko Haram vorzugehen. Er bezeichnete sie als „gottlose Gruppe ohne Verstand, die so weit weg vom Islam ist, wie man sich nur vorstellen kann“. Trotz Buharis Vorhaben, die in den vergangenen Jahren für den Großteil der Gewalt gegen Christen verantwortliche Boko Haram zu bekämpfen, bereitet die wachsende Gewalt gegen Christen im zentralen Gürtel Nigerias weiterhin sehr große Sorge.

Betroffene Kategorien von Christen: Alle Kategorien von Christen haben in den nördlichen Staaten unter Verfolgung zu leiden.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Das Ausmaß an Druck ist ähnlich hoch wie im letzten Jahr. Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ weist Nigeria erneut die maximale Punktzahl auf, ein deutlicher Hinweis auf die Intensität der Verfolgungssituation. Der Druck im Land insgesamt muss im Hinblick auf die sehr spezielle Situation Nigerias bewertet werden: Ein Teil des Landes ist sehr stark von Verfolgung betroffen (der Teil, der überwiegend von Muslimen bewohnt wird), wohingegen der andere, überwiegend von Christen bewohnte, Landesteil überhaupt nicht beeinträchtigt ist. Der Verfolgungsdruck in Nigeria wirkt sich auf alle Lebensbereiche gleichmäßig aus. Die Wertung für „Gesellschaftliches Leben“ liegt über den anderen Lebensbereichen, da Christen von grundlegender Sozialversorgung ausgeschlossen werden und auch in anderer Weise diskriminiert werden.

Ausblick: Präsident Buhari konnte im Kampf gegen Boko Haram bereits Teilerfolge erzielen, allerdings hat die Gruppe ihre Angriffe intensiviert und überfällt nun häufiger Nachbarländer wie Niger, den Tschad und Kamerun. Während er offensichtlich bemüht ist, die Bedrohung durch Boko Haram einzudämmen, dauert die Gewalt der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedler, die um die Kontrolle der zentralen Landesteile kämpfen, unverändert an. Es ist nicht zu erwarten, dass Buhari dieser Entwicklung etwas entgegensetzt, stammt er doch selbst von den Hausa-Fulani aus dem nördlichen Nigeria ab.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 78 Punkten belegt Nigeria Platz 12 auf dem Weltverfolgungsindex 2016. Damit entspricht die Punktzahl der des Jahres 2015, als Nigeria Rang 10 belegte. Die Trends, die sich bereits im letzten Jahr abzeichneten, haben sich im Berichtszeitraum fortgesetzt. So ist die Situation der Christen in den nördlichen Provinzen weiterhin sehr schwierig, denn das Ausmaß an Gewalt und Druck gegen Christen ist nach wie vor sehr hoch. Unter dem seit Juli 2015 amtierenden Präsidenten Buhari konnte die Armee etwas von dem Gebiet zurückgewinnen, das Boko Haram (eine islamisch-extremistische Gruppe, die der Global Terrorism Index als „tödlichste Terrorgruppe der Welt“ bezeichnet) eingenommen hatte. Dennoch führte die Gruppe ihre extrem gewalttätigen Angriffe unvermindert und in großem Umfang fort.

Doch nicht allein die Gewalt von Boko Haram gegen Christen ist für die hohe Wertung Nigerias verantwortlich, sondern auch die Gewalt, die von muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten ausgeht, sowie der steigende Druck aufgrund der Wahlen 2015. Zudem wird das Leben vieler Christen durch die islamische Gesetzgebung, die in den zwölf nördlichen Scharia-Staaten gilt, beeinträchtigt. Das ganze Ausmaß an Gewalt führte dazu, dass einer sehr große Anzahl von Christen zu Flüchtlingen im eigenen Land wurde.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

„Islamischer Extremismus“ ist in Nigeria die wesentliche Triebkraft für Verfolgung, allerdings tragen auch „Exklusives Stammesdenken“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ zur Verfolgung bei.

Islamischer Extremismus: Die Verfolgung von Christen in Nordnigeria wird meistens mit Boko Haram in Verbindung gebracht. Das Verfolgungsmuster insgesamt ist jedoch viel komplexer und darf nicht auf gewaltsame Übergriffe und Ermordungen von Christen (und gemäßigten Muslimen) seitens militanter islamistischer Gruppen reduziert werden. Das trifft besonders auf die 12 nördlichen Scharia-Staaten zu, in denen lokale Behörden und die Gesellschaft den Christen kaum Raum zum Leben lassen.

Die 1980 während der gewaltsamen Unruhen in Maitatsine begonnene Entwicklung hat sich 2001 mit der Einführung der Scharia fortgesetzt. Die Christen wurden mehr und mehr Ziel gewalttätiger Übergriffe von Dschihadisten. Davon angetrieben hat Boko Haram in den letzten Jahren einen systematischen Kampf gegen den nigerianischen Staat geführt, Ideologie, Rhetorik und Handlungen waren dabei spezifisch gegen Christen gerichtet. Ihr Ziel war und ist, einen islamischen Staat zu errichten. Mit der für den extremistischen Islam typischen Rhetorik und unter brutaler Gewaltanwendung hat Boko Haram im August 2014 in Gwoza (Bundesstaat Borno) ein Kalifat ausgerufen. Die Ausweitung des Kalifats wurde zwar von Regierungstruppen gestoppt, doch haben noch immer Tausende (besonders Christen) unter der Gewalt von Boko Haram zu leiden. Dadurch wächst in der ganzen Region, wenn nicht sogar im ganzen Land, das gegenseitige Misstrauen zwischen Christen und Muslimen.

Andere islamische Angreifer, die übereinstimmend als Hausa-Fulani Viehhirten identifiziert wurden, verüben grausame Überfälle auf Dörfer, bei denen ebenfalls viele Unschuldige – auch Frauen und Kinder – misshandelt und getötet werden. Ein nigerianischer Feldforscher berichtet von Bestrebungen der Regierungen in Benue, Kaduna, Nasarawa und Taraba, Weideplätze für die Hausa-Fulani auszuweisen. Damit würden den einheimischen Christen beträchtliche Ländereien genommen, viele christliche Kommunen würden ihrer Häuser und Felder beraubt werden.

Exklusives Stammesdenken: Berichten zufolge erleiden Christen mit animistischem Hintergrund im Osten des Landes Verfolgung und damit auch die Gemeinden, denen sie angehören. Weitere Untersuchungen hierzu sind notwendig und für 2016 geplant.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Es gibt Belege, dass hinter Drohungen gegen die Kirchen Netzwerke des organisierten Verbrechens stehen, die Berichten zufolge überall im Land stark vertreten sind. Dieses Thema muss 2016 weiter erforscht werden.

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3. Aktuelle Einflüsse

Während der Präsidentschaft des Christen Goodluck Jonathan kam es zu schweren Unruhen in Nigeria. Als Jonathan, Kandidat der damals bereits regierenden Demokratischen Partei, im April 2011 die Präsidentschaftswahlen gewann, löste dies angesichts seiner christlichen Konfession und seiner Abstammung aus dem Süden eine intensive Debatte aus. Aufgrund einer – wenn auch ungeschriebenen – Übereinkunft zwischen Muslimen und Christen, hätte nach Meinung der Muslime der neue Präsident ein Muslim sein müssen. Islamische Anführer und Aufständische schworen, dem christlichen Präsidenten das Regieren unmöglich zu machen, wobei Boko Haram als Jonathans offensichtlichster Gegner auftrat.

Im April 2012 gab Jonathan öffentlich bekannt, er werde Boko Haram in sechs Monaten „erledigen", worauf die Erwiderung folgte, man werde ihn in drei Monaten vernichten und die Kontrolle übernehmen. Viele Christen befürchteten für das Jahr 2015 und die anstehenden Wahlen einen „Kampf der Titanen“ und die Lage war tatsächlich sehr angespannt.

Am 29. Mai 2015 wurde Muhammadu Buhari als Präsident vereidigt. In seiner Rede zum Amtsantritt versprach er, dem Land zu wachsendem Wohlstand zu verhelfen, sowie gegen Korruption und die Aufstandsbewegung Boko Haram vorzugehen, die er als „gottlose Gruppe ohne Verstand“ beschrieb, „die so weit weg vom Islam ist, wie man sich nur vorstellen kann“.

Trotz Buharis Vorhaben, die in den vergangen Jahren für den Großteil der Gewalt gegen Christen verantwortliche Boko Haram zu bekämpfen, bereitet die wachsende Gewalt gegen Christen im zentralen Gürtel Nigerias weiterhin sehr große Sorge. Wie von Forschern des Weltverfolgungsindex berichtet, hat sich im zentralen Gürtel Nigerias im Schatten von Boko Haram eine Gewaltspirale entwickelt: Angriffe der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedler haben mutmaßlich zum Tod tausender Christen und zur Zerstörung hunderter Kirchen und Gemeindegebäude geführt.

Nicht überall in Nigeria erleben Christen Verfolgung durch Islamischen Extremismus. Aus dem Blickpunkt „Gewalt gegen Christen“ kann Nigeria in verschiedene Gebiete eingeteilt werden:

  • Der Norden (19 Staaten und das erweiterte Gebiet der Hauptstadt Abuja) ist überwiegend muslimisch, wobei die Christen in den Staaten im zentralen Gürtel des Landes in der Mehrheit sind. Große Teile des zentralen Gürtels wurden mittlerweile Teil der sogenannten „Scharia-Staaten“ des Nordens. In Nord-Kaduna beispielsweise ist die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch, in Süd-Kaduna christlich. Die Verwaltung von Kaduna ist allerdings überwiegend muslimisch.
  • Der Süden (17 Staaten) ist überwiegend christlich, doch der Südwesten (Yoruba) hat eine große muslimische Bevölkerung.

Nigeria ist eines der komplexesten Länder des Kontinents. Die Verfolgung der Christen geht in einigen Staaten mit Kämpfen um Rohstoffe einher. Laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten untersucht die Regierung nur selten Morde und Misshandlungen von Christen durch islamische Extremisten-Organisationen oder durch Einzeltäter. Damit vernachlässigt die Regierung ihre unter der UNHDR und ICCPR festgelegten internationalen Verpflichtungen. Hinzu kommt, dass Boko Haram vielen Berichten zufolge alles daran setzt, einen offenen Krieg zwischen Muslimen und Christen auszulösen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Nigeria sind drei Kategorien von einheimischen Christen anzutreffen. (Ausländische oder zugewanderte Christen bleiben meist unter sich.) Die Verfolgung findet vor allem in vielen der nördlichen Staaten statt.

Christen aus historisch gewachsenen Kirchen: Dazu gehören die Römisch-Katholische und die Protestantischen Kirchenmitglieder wie Anglikaner, Methodisten und Lutheraner. Aufgrund der Angriffe von Boko Haram war erwartet worden, dass die Anzahl der Christen abnimmt. Obwohl es zutrifft, dass die meisten der Getöteten, Vertriebenen und Geflohenen Christen sind, gibt es Anzeichen dafür, dass die christliche Bevölkerung dennoch gewachsen ist. So hat die Römisch-Katholische Kirche neue Diözesen gegründet und die Anzahl protestantischer Christen wächst nach Einschätzung eines externen Experten schneller als erwartet.

Christen muslimischer Herkunft: Besonders in den Scharia-Staaten ist eine Abkehr vom Islam hin zum christlichen Glauben gefährlich und kann viele Nöte nach sich ziehen.

Mitglieder von protestantischen Freikirchen: Die Anzahl evangelikaler und protestantischer Gemeinschaften wächst. Sie machen mittlerweile gut 20 % der nigerianischen Gemeinde aus, Tendenz steigend. In vielen der nördlichen Staaten erleben sie die gleichen Härten wie andere Christen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Nigeria illustriert die Auswirkung des Islamischen Extremismus auf die einzelnen Lebensbereiche. Die durchschnittliche Wertung der fünf Bereiche liegt bei 12,271 Punkten und liegt damit ähnlich hoch wie im Vorjahr (12,249 Punkte). Im Bereich Gewalt weist Nigeria unverändert wie bereits im letzten die höchste Punktzahl auf (16,667), ein deutlicher Hinweis auf die Intensität der Verfolgungssituation. Der Grund, warum die Wertung für den generell herrschenden Druck in Verbindung mit der extrem hohen Wertung für Gewalt nicht noch höher ist, liegt an der speziellen Situation Nigerias: Ein Teil des Landes ist sehr stark von Verfolgung betroffen (der Teil, der überwiegend von Muslimen bewohnt wird), wohingegen der andere, überwiegend von Christen bewohnte, Landesteil überhaupt nicht beeinträchtigt ist. Wie im Verfolgungsmuster ersichtlich, wirkt sich der Druck auf alle Lebensbereiche gleichermaßen stark aus. Die Wertung im „Gesellschaftlichen Leben“ ist höher als in den anderen Lebensbereichen, da Christen von der sozialen Grundversorgung ausgeschlossen und auch in anderer Weise diskriminiert werden.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Besonders in den Staaten Bauchi, Gombe, Yobe und Borno werden immer mehr Christen unter Druck gesetzt, äußerliche Symbole ihres Glaubens oder auch die Bibel nicht offen zu zeigen. Im Gebiet Ganye und Jada sowie weiten Teilen von Borno und Yobe kleiden sich Christen mittlerweile sogar wie Muslime und verbergen christliche Gegenstände oder Schriften, um nicht gelyncht zu werden.

Familienleben: Die Unterdrückung aus Glaubensgründen ist in den Scharia-Staaten besonders stark ausgeprägt, findet sich jedoch auch in den benachbarten Staaten. Sie beeinträchtigt das Familienleben und das gesellschaftliche Leben der Christen sehr stark. So dürfen sie ihre Verstorbenen nicht auf dem öffentlichen Friedhof beisetzen. Christliche Mädchen stehen ständig in Gefahr, entführt und zwangsverheiratet zu werden. Laut Open Doors Feldexperten haben einige der Scharia-Staaten sogar Organisationen gegründet, deren Auftrag in der Entführung und Zwangsbekehrung christlicher Mädchen besteht.

Gesellschaftliches Leben: In staatlichen Schulen, besonders den Grund- und Mittelschulen, werden Kinder von Christen gezwungen, am Islamunterricht teilzunehmen. Christlichen Jugendlichen wird der Zugang zu weiterführenden Schulen oder Hochschuleinrichtungen verweigert, besonders wenn diese Einrichtungen einen hohen akademischen Standard haben, gut ausgestattet sind und über ausreichend Geldmittel verfügen. Christen werden in den Ausbildungseinrichtungen oft als Bürger zweiter Klasse betrachtet und dementsprechend behandelt. Christliche Kommunen werden von der Regierung meist links liegen gelassen. Häufig gibt es dort keinen Zugang zu Trinkwasser, keine guten Straßen und keine medizinische Versorgung. Christliche Dörfer in ländlichen Gebieten werden nur sehr selten für Modernisierungsprojekte in Betracht gezogen.

Leben im Staat: Auf dem Arbeitsmarkt wird Christen trotz nachgewiesener Qualifikationen die Einstellung verweigert; anderen werden Arbeitsstellen unter der Bedingung angeboten, dass sie ihren christlichen Glauben verleugnen. In den zwölf Scharia-Staaten leben die Christen in ständiger Angst angesichts eines unberechenbaren Umfelds: Vertreter der örtlichen Behörden setzen sie immer wieder unter Druck, manchmal mit Hilfe der „Hisba“ (Scharia-Polizei) und Da’awa (islamische Missionare). In den sieben weiteren Nordstaaten ist der Druck etwas weniger ausgeprägt, doch in manchen herrscht eine stärkere Aktivität islamistischer Terrorgruppen. Führende Islamisten haben im Rahmen ihrer (politisch islamischen) Agenda für Nigeria das Ziel ausgegeben, das ganz Land im „Haus des Islam“ zusammenzuführen.

Kirchliches Leben: Gemeinden haben erhebliche Schwierigkeiten, Christen muslimischer Herkunft offen zu integrieren. Es besteht immer die Gefahr, dadurch die Aufmerksamkeit der islamischen Kommune zu erregen, was zu Gewaltausbrüchen gegen alle Kirchen im gesamten Umkreis führen könnte. Open Doors Feldexperten berichten von vermehrten Übergriffen islamischer Extremisten auf Pastoren, um das Wachstum der Kirchen zu stoppen.

Auftreten von Gewalt: Das Maß an Gewalt ist in Nigeria weiter sehr hoch. Zwei Beispiele: Am 2. Juli 2015 wurden 150 Zivilisten im nordöstlich gelegenen Staat Borno getötet. Zudem häufen sich die Berichte, dass einige der im April 2014 entführten christlichen Mädchen aus der Stadt Chibok jetzt von Boko Haram zu Gräueltaten gezwungen werden. So wurden am 24. Juni 2015 etwa 40 Menschen in Maiduguri durch zwei weibliche Selbstmordattentäterinnen getötet, von denen eine gerade 12 Jahre alt war.

Der von der Open Doors Forschergruppe des Weltverfolgungsindex im April 2015 veröffentlichte Bericht „Abwanderung und gewaltsame Konflikte in geteilten Gesellschaften: Gewalt gegen Christen im zentralen Gürtel Nigerias abseits von Boko Haram“, weist u.a. auf Erkenntnisse hin, dass die akribisch geplanten und systematischen Angriffe auf Christen im zentralen Gürtel ein Muster der ethnischen Säuberung vermuten lassen. Die Gewalt hat viele tausend Zivilisten vertrieben, vor allem einheimische christliche Bauern, tausende Menschen mussten dabei ihr Leben lassen. Hunderte christliche Gemeinden wurden angegriffen und zerstört. Ein weiterer Bericht der Forschergruppe vom November 2015 mit dem Titel „Fallstudie der gewaltsamen Auseinandersetzungen im Staat Taraba (2013 – 2015)“, beschäftigt sich speziell mit dem Konflikt im Staat Taraba. Darin wird ein massiver Feldzug zur Vertreibung indigener christlicher Farmer beschrieben (sie gehören Volkgruppen wie den Tiv, Juku, Kuteb, Chamba, Panso, Kaambu und Bandawa an), die in Städten und Dörfern des zentralen, nördlichen und südlichen Teils von Taraba leben. Der Bericht erwähnt auch, dass dieser gewaltsame Konflikt zeitgleich mit der Gewalt von Boko Haram stattfindet und deshalb weder lokal noch international Beachtung erhalten hat.

Als wichtig bleibt zu erwähnen, dass die zahlreichen Binnenvertreibungen häufig als Teil „ethnischer Säuberungen“ anzusehen sind (siehe auch Open Doors Bericht „Ethnische Säuberungen im zentralen Gürtel Nigerias“, veröffentlicht 2015), die definiert werden als „Vertreibung einer ‚unerwünschten‘ Bevölkerung eines unbestimmten Gebietes aufgrund religiöser oder ethnischer Diskriminierung, politischer, strategischer oder ideologischer Erwägungen oder als Kombination von beiden.“ Diese ethnischen Säuberungen kommen bisweilen einem Genozid bedenklich nahe.

Der Open Doors Bericht „Boko Haram und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und Kinder im Nordosten Nigerias seit 1999“, der 2015 neu aufgelegt wurde, untersucht diese Form der Gewalt in Bezug auf das Aufkommen von Boko Haram seit 1999. Der Bericht beschreibt das Ausmaß der Gewalt, die Boko Haram gegen Frauen und Mädchen ausübt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

  1. Die gegenwärtige Situation in Nigeria wirft dunkle Schatten auf die Zukunft des Landes. Der Namenswechsel von „Boko Haram“ zu „Islamischer Staat Westafrika“ (ISWA) wird deren Einfluss in der Region noch verstärken, womit die Kirche voraussichtlich unter noch gewaltsamerer Verfolgung zu leiden haben wird – in Nigeria und darüber hinaus. Präsident Buhari konnte im Kampf gegen Boko Haram bereits Teilerfolge erzielen, allerdings hat die Gruppe ihre Angriffe intensiviert und überfällt nun häufiger Nachbarländer wie Niger, den Tschad und Kamerun.
  2. Im Norden Nigerias lebt eine hohe Anzahl von Binnenflüchtlingen, unter ihnen viele Christen, die entweder durch die Schreckensherrschaft von Boko Haram oder durch die brutalen Attacken der Hausa-Fulani Viehhirten (die von örtlichen Behörden gedeckt werden) vertrieben wurden. Viele erhalten keinerlei Unterstützung durch nationale oder internationale Hilfsorganisationen. Ihre Lage ist Ausdruck der Übermacht der Verfolger sowie der Schutzlosigkeit der Verfolgten in dieser Region und lädt wegen ausbleibender Strafverfolgung zu weiteren Übergriffen ein. Die Furcht der verfolgten Christen nimmt beständig zu. Diese Spirale der Gewalt kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Weltgemeinschaft mit Nothilfe und anderen Maßnahmen eingreift.
  3. Während Präsident Buhari offensichtlich bemüht ist, die Bedrohung durch Boko Haram einzudämmen, dauert die Gewalt der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedler, die um die Kontrolle der zentralen Landesteile kämpfen, unverändert an. Es ist nicht zu erwarten, dass Buhari dieser Entwicklung etwas entgegensetzt, stammt er doch selbst von den Hausa-Fulani aus dem nördlichen Nigeria ab. So trägt beispielsweise die Aufnahme islamischer Literatur in den Lehrplan der nigerianischen Schulen unter der Führung Buharis sehr effektiv zur Islamisierung des Landes bei. Diese Entwicklung verringert die Hoffnung, dass Buhari etwas hinsichtlich der Gewalt gegen Christen im zentralen Gürtel unternehmen wird.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nigeria:

  • um Standhaftigkeit im Glauben
  • um gute Arbeitsstellen für junge Christen
  • um Innere und äußere Heilung für Opfer der Gewalt
  • um Mut für Christen, Jesus weiter zu bekennen
  • um Gottes Weisheit für die Regierung und Sicherheitskräfte

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