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Nordkorea Länderprofil

Nordkorea

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 92 Punkte / Platz 1
(WVI 2015: 92 Punkte / Platz 1)

Triebkräfte von Verfolgung: „Kommunistische Unterdrückung“, vermischt mit „Diktatorischer Paranoia“

Aktuelle Einflüsse: Zum vierzehnten Mal in Folge führt Nordkorea den Weltverfolgungsindex an. Kim Jong Un hat seine Macht weiter gefestigt, sodass im Berichtszeitraum keine Veränderungen oder gar Verbesserungen zu erkennen waren. Im Gegenteil: Wie etwa bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der regierenden Arbeiterpartei im Oktober 2015 ersichtlich, sticht die Ideologie alles andere aus. Nordkorea bleibt ein undurchsichtiger Staat und die wenigen Nachrichten, die das Land verlassen, sind meist unklar. Dies betrifft vor allem Themen wie Menschenrechte oder die Situation der christlichen Minderheit. Der christliche Glaube wird nicht nur als „Opium für das Volk“ angesehen, wie in allen kommunistischen Staaten, sondern auch als zutiefst westlich und verabscheuungswürdig. Die Christen verstecken ihren Glauben, um nicht verhaftet und ins Arbeitslager gesteckt zu werden. Er ist ein wohlgehütetes Geheimnis, selbst innerhalb der Familie. Die meisten Eltern erzählen ihren Kindern nicht vom christlichen Glauben, damit sie sich im Falle einer Befragung nicht verraten.

Betroffene Kategorien von Christen: Alle Kategorien von Christen leiden in Nordkorea unter Verfolgung – ausländische oder eingewanderte Christen gibt es dort nicht.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: In den vier von der Regierung kontrollierten Kirchengebäuden in Pjöngjang trifft sich eine kleine Anzahl von Leuten. Das Regime will so internationalen Besuchern vorspielen, dass es in Nordkorea Religionsfreiheit gibt. Selbst wenn es unter ihnen echte Christen geben sollte, sind auch sie nicht frei, ihren Glauben an Jesus Christus zu leben. Alle tatsächlichen Christen erleben vonseiten der staatlichen Autoritäten, aber auch von nicht-christlichen Familienmitgliedern, Freunden und der Nachbarschaft einen kaum vorstellbaren Druck. Die soziale und staatliche Kontrolle ist sehr hoch und Christen müssen ihren Glauben sorgsam verstecken. Das ist auch der Grund dafür, dass das Maß an Gewalt vergleichsweise niedrig ist. Meistens gelingt es den Christen, unerkannt zu bleiben. Werden sie jedoch entdeckt, laufen nicht nur sie Gefahr, ins Arbeitslager zu kommen, sondern auch ihre gesamte Familie und alle Mitglieder der christlichen Netzwerke. Im Februar 2015 inhaftierte das Regime einen koreanisch-kanadischen Pastor, der schon über hundert Mal zuvor im Land gewesen war, um Nothilfe zu leisten. Er wurde nach Ende des Berichtszeitraums zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ausblick: Da sich die Führungsriege nach der Übergangszeit stabilisiert hat und alle Macht bei Kim Jong Un liegt, bleibt die Situation der Christen extrem gefährdet und unsicher.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 92 Punkten belegt Nordkorea auf Platz 1 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016, bereits das vierzehnte Jahr in Folge. Der Druck auf Christen bleibt in allen Lebensbereichen außergewöhnlich hoch und ist zusätzlich noch mit gewaltsamem Vorgehen gegen die christliche Minderheit verbunden.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte von Verfolgung in Nordkorea sind „Kommunistische Unterdrückung“ und „Diktatorische Paranoia“. Die Diktatorische Paranoia ist mit der Kommunistischen Unterdrückung vermischt.

Kommunistische Unterdrückung: Während Nordkorea theoretisch immer noch ein kommunistisches Land ist, überwiegt in Wirklichkeit der Personenkult. Dennoch wird das Land weiterhin gemäß der kommunistischen Tradition und ihrer administrativen Gewohnheiten geführt, und deshalb wird dies auch als die Haupttriebkraft von Verfolgung bezeichnet. Ein weiteres Merkmal von Ländern, die sich weiterhin als kommunistisch bezeichnen, ist die schrittweise Einführung einer privaten Marktwirtschaft. Nach Nordkoreas ‚Mühsamem Marsch‘ in den 1990ern, in denen Hunderttausende Menschen verhungert sind, hat die Privatwirtschaft langsam Eingang in das Land gefunden. Heutzutage finden sich in geringem Maße lokale Märkte und trotz Maßregelungen und Bemühungen, den Markt zu kontrollieren, wird diese Art der Wirtschaft toleriert und wächst sogar.

Diktatorische Paranoia: Nordkorea ist in vielerlei Hinsicht eine auffallende Ausnahme, auch was die Triebkraft der Verfolgung von Christen betrifft. Seit 1948 wird Nordkorea von einer einzigen Familie regiert, nun in der dritten Generation. Wie erwähnt ist die kommunistische Ideologie, der einst gefolgt wurde, in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten, obwohl der kommunistische Stil hinsichtlich Kontrolle des gesellschaftlichen Lebens weiterlebt. Inzwischen ist die Diktatorische Paranoia maßgeblich für die Verfolgungssituation in Nordkorea verantwortlich. Jeder muss die Führer verehren und aufgrund dieses ausgeprägten Personenkultes ist Kim Jong Un unersetzlich – nicht zuletzt, da er auch über die Arbeiterpartei, die Armee, die Verwaltung und alle Bereiche der Gesellschaft herrscht, auch wenn seine Macht nicht als so absolut gilt wie die seines Vaters oder Großvaters. Dennoch darf es niemand wagen oder wäre auch nur fähig, diese Herrschaft in Frage zu stellen. Der Personenkult um die Kim-Familie ist unvorstellbar. Ihre gottgleiche Verehrung lässt keinerlei Spielraum für eine andere Religion. Jeder, der es wagt, jemand oder etwas neben der Kim-Dynastie zu verehren, wird als gefährlich und staatsgefährdend eingestuft. Kim Jong Un wurde als der „Große Nachfolger" ausgerufen und als „Oberster Führer" und „Oberster Befehlshaber der bewaffneten Streitkräfte" eingeführt, als er die Nachfolge antrat. Darüber hinaus hält er als „Erster Staatssekretär der koreanischen Arbeiterpartei" die zentrale Position auf allen wichtigen Führungsebenen: Partei, Staat und Armee. Das politische System des Landes gründet sich auf zwei Ideologien. Die eine heißt „Juche" und besagt im Wesentlichen, dass der Mensch eigenverantwortlich ist. Die andere ist der „Kimilsungismus" (abgeleitet von dem Namen des Staatsgründers Kim Il Sung), also die Verehrung des jeweiligen Staatsoberhauptes. Diese Führer sind die allgewaltigen Instanzen, welche Nordkorea führen und leiten. Jeder Bürger muss an den wöchentlichen Sitzungen teilnehmen, bei denen alle Bürger jeder Altersklasse ideologisch geschult und indoktriniert werden. Es ist nahezu menschenunmöglich, geschweige denn erlaubt, von diesem Kult abweichende Ideen religiöser oder anderer Art zu entwickeln. Das strikte System sozialer Kontrolle führt zu einer starken Selbstzensur und Selbstkontrolle bezüglich dessen, was man und zu wem man es sagt, selbst in den privatesten und familiären Beziehungen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Als Kim Jong Un nach dem Tod seines Vaters im Dezember 2011 die Macht übernahm, bestand die Hoffnung, das Land würde sich öffnen und damit auf verbesserte wirtschaftliche, soziale und diplomatische Bedingungen. Unter der Führung von Kim Jong Un haben sich diese Hoffnungen jedoch nicht erfüllt. Auch wenn sich der Stil der Öffentlichkeitsarbeit verändert hat, der Führungsstil blieb gleich. Um mit einer positiveren Notiz zu beginnen: Der junge Machthaber versucht seinem Großvater Kim Il Sung in seinem öffentlichen Auftreten gleich zu sein, der dem Volk gegenüber offener war und für „die Goldenen Jahre“ Nordkoreas steht, als die Bevölkerung noch nicht unter Nahrungsmittelknappheit litt. Kim Jong Un erlaubt außerdem seiner Frau, in der Öffentlichkeit aufzutreten – ein Novum – und auch er tritt sehr viel öfter vor die Öffentlichkeit als sein Vater. Dies sollte dennoch nicht als eine Öffnung des Landes missverstanden werden. Kim Jong Un verfolgt weiterhin eine Politik unvorhersehbarer Säuberungsaktionen, um seine Macht zu untermauern. Die prominenteste dieser Säuberungsaktionen war die öffentliche Demütigung und Hinrichtung seines Onkels im Dezember 2013. Die jüngste Aktion geschah im August 2015 und betraf einen der sieben Vizepremiers des Landes. Dass dieser Bericht bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (November 2015) unbestätigt ist, belegt die Schwierigkeit, zuverlässige Nachrichten aus Nordkorea zu erhalten.

Die meisten Nordkoreaner leiden nicht mehr so an Hunger wie in den 90er Jahren, dennoch bleibt es schwierig, die eigene Versorgung sicherzustellen, vor allem wenn die Witterungsbedingungen so ungünstig sind wie 2015. So berichten Christen aus dem Untergrund, dass 2015 in verschiedenen Regionen Wellen von Hungersnot durchs Land gingen. Hunger ist ein Feind, der Tag für Tag bekämpft werden muss. Ein Großteil der Bevölkerung ist unterernährt und der Anteil unterentwickelter Kinder ist sehr hoch. Die Situation verschlimmert sich zusehends, da sich das Regime weigert, mit internationalen Organisationen zu kooperieren und ihnen Zugang zu den betreffenden Gebieten zu gewähren. Auf der anderen Seite hat sich die wirtschaftliche Situation des Landes leicht verbessert, da das Regime ein gewisses Maß an Privatwirtschaft zulässt. Natürlich ist dies noch lange keine freie Marktwirtschaft, aber es lässt den Menschen etwas mehr Handlungsspielraum. Die Regulierungen für die lokalen Märkte und kleinen Hausgärten nehmen ab.

Eine weitere ökonomische Herausforderung ist die Beschaffung von Devisen. Bislang war Nordkorea immer mit dem großen Nachbarn China verbunden. Neuere Berichte zeigen jedoch eine stärkere Ausrichtung auf den anderen großen Nachbarn, Russland. Dorthin haben sich im Berichtszeitraum die Beziehungen verstärkt, die Verbindungen nach China sind eher erkaltet, zumindest zeitweise. Kim Jong Un war noch nicht einmal zu seinem Antrittsbesuch dort. Sehr öffentlich und deutlich gezeigt wurde dies seitens Chinas, das im September 2015 das 70 jährige Ende des Zweiten Weltkriegs feierte. Am „Siegestag“ gab es eine der größten Militärparaden der letzten Jahrzehnte und neben Präsident Xi Jinping stand jemand aus Korea. Es war jedoch nicht Kim Jong Un, sondern die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye; für die nordkoreanische Delegation war ein Platz in 30 Meter Entfernung reserviert. Dieses klare Zeichen der Missbilligung schmälert jedoch nicht die strategisch wichtige Rolle Nordkoreas für China. Und China ist gegenwärtig noch immer Nordkoreas größter Handelspartner, auch wenn die Zahlen rückläufig sind. Ein weiteres Mittel, harte Währung zu verdienen, ist die Aussendung von Gastarbeitern in andere Länder. Es ist anzunehmen, dass auch die Christen von einer verbesserten ökonomischen Situation profitieren würden, so wie jeder andere Staatsbürger. Viele von ihnen haben Mühe, ihre eigene Versorgung zu sichern, sie gehören vornehmlich zu den ärmeren Gesellschaftsschichten. Ein weiteres Problem stellt für sie der allgegenwärtige Einsatz von Bestechungsgeldern dar, da dies gegen ihre christlichen Überzeugungen verstößt.

Im August 2015 gab es Berichte darüber, dass die Regierung Treffen von mehr als drei Personen verboten hatte, um die Stabilität zu sichern und zu verhindern, dass sich Kritiker zusammentun. Auch wenn diese Regel kaum Auswirkungen auf die Christen im Land hat, da sie sich ohnehin nicht gemeinsam treffen, geschweige denn Gottesdienste feiern können, zeigt dies doch eine Zunahme der sozialen Kontrolle, die in den meisten anderen Ländern der Welt unvorstellbar wäre. Der jüngste Konflikt mit Südkorea im August 2015, ausgelöst durch die Explosion von Landminen in der entmilitarisierten Zone, bei der zwei südkoreanische Soldaten schwer verletzt wurden, machte zwei wichtige Fakten deutlich: Erstens hat der Süden sein Versprechen gehalten, auf jeden zukünftigen Angriff hart zu reagieren; dieses Versprechen wurde 2010 gegeben, nachdem der Norden die Fregatte „Cheonan“ versenkt hatte. Dementsprechend reagierte der Süden auf die Provokation mit Landminen im August 2015 mit dem Beschuss von nördlichem Territorium mit schwerer Artillerie.

Zweitens ist keine der beiden Seiten wirklich an einer Eskalation interessiert. Dies zeigt sich darin, dass Südkoreas militärische Antwort mehr als eine Stunde nach dem Vorfall erfolgte, was den nordkoreanischen Soldaten die Möglichkeit zum Rückzug ließ. Als der Norden ultimativ forderte, grenzüberschreitende Propaganda einzustellen, reagierte der Süden Berichten zufolge mit der Nachfrage, welcher Zeitzone gefolgt werden sollte. Gemünzt war dies auf die Entscheidung Nordkoreas, die eigene Uhrzeit um 30 Minuten zu verschieben, um keine gemeinsame Zeitzone mit Japan zu haben. Der stärkste Hinweis auf Deeskalation zeigt sich jedoch in den Gesprächs- und Verhandlungsrunden in Panmunjom, auch wenn dies die nordkoreanischen Staatsmedien nicht davon abhält, Südkoreas Präsidentin als ‚aggressive Irre‘ zu beschimpfen. Es kam relativ schnell zu einer Einigung, bei der sich der Norden gewissermaßen entschuldigte, ohne jedoch konkret die Verwundung der zwei Soldaten zu nennen, während der Süden seine Propaganda-Lautsprecher wieder ausschaltete. Auch wenn Nordkorea nach dieser Einigung nicht die ganze Armee mobilisierte und sogar den Kriegszustand wieder aussetzte, sind solche Zeiten der starken Spannungen mit dem Süden immer auch Zeiten von erhöhter Propaganda und stärkeren ideologischen Kontrollen. Dies führt immer auch zu erhöhtem Druck auf Christen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Es gibt zwei Kategorien von Christen bzw. Kirchen in Nordkorea und beide erleben Verfolgung.

Traditionelle Kirchen, die es bereits vor dem Koreanischen Krieg von 1950 - 1953 gab. Während viele Christen im Krieg gestorben oder aber in den Süden geflohen waren, sind andere geblieben. Sie und ihre Nachkommen bilden diese Gemeinden. Jeder Bürger ist in ein soziales bzw. Klassensystem namens Songbun eingeordnet. Christen gehören demnach zur feindlichen Klasse und selbst unter ihnen gibt es noch zwei Unterklassen, die 37 für protestantische Christen und die 39 für katholische Christen. Diesen Klassen gehören Christen an, deren Eltern oder Großeltern Christen waren. Sozusagen als Strafe für das falsche Songbun wurden sie in abgelegene Dörfer verbannt. Nur wenigen dieser historisch gewachsenen christlichen Gemeinden ist es gelungen, ihren Glauben geheim zu halten und Untergrundkirchen zu gründen.

Christen mit kommunistischem oder Kim Il Sung/Kim Jong Il Hintergrund. Viele Menschen kamen in den 90er Jahren zum Glauben, als im Zuge der großen Hungernot unzählige Menschen die Grenze zu China überquerten und Hilfe in Kirchen fanden. Nachdem sie nach Nordkorea zurückgekehrt waren, blieben sie ihrem neugefundenen Glauben treu.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das untenstehende Verfolgungsmuster zeigt die Wertungen für Kommunistische Unterdrückung (vermischt mit Diktatorischer Paranoia). Der Durchschnittswert der ersten 5 Balken (16,368), der den Druck auf Christen widerspiegelt, ist mit dem Vorjahreswert vergleichbar (16,390) und einer der höchsten Werte auf dem Weltverfolgungsindex. Der Wert für den Block „Gewalt“ (9,815) ist ebenfalls mit dem Vorjahreswert vergleichbar (10,000). Er ist niedriger als man vielleicht annehmen würde, aber dies belegt die Schwierigkeit der Dokumentation von Gewalttaten gegen Christen in Gefängnissen und Arbeitslagern. Wie das Verfolgungsmuster zeigt, erreicht Verfolgung in nahezu allen Lebensbereichen den Höchstwert. Der christliche Glaube wird als Widerstand gegen die Kim-Dynastie und deren Verehrung gewertet und wird deshalb unnachgiebig verfolgt.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Den vorherigen Erklärungen zur Situation in Nordkorea folgend, verwundert es nicht, dass die Verfolgung im Privatleben den Höchstwert erreicht. Es ist äußerst gefährlich, die Bibel zu lesen oder seinen christlichen Glauben auf welche Art auch immer zu zeigen. Bibeln und andere Materialien werden sorgfältig versteckt und nur dann hervorgeholt, wenn man sich absolut sicher sein kann, dass man alleine ist. Sich mit anderen Christen zu treffen ist höchst gefährlich, mit nicht-christlichen Familienmitgliedern oder anderen über den Glauben zu sprechen, ist nahezu unmöglich. Eltern wagen noch nicht einmal, ihren Kindern von ihrem Glauben zu erzählen, da manchmal Kinder sogar ihre Eltern verraten haben.

Familienleben: Wenn Christen entdeckt werden, verlieren sie alles. Sie werden verhört, um ihre Netzwerke aufzuspüren. Sie und auch ihre gesamte Familie werden jahrelang Elend in den Arbeitslagern erleiden. Sich unter diesen Umständen mit anderen Christen zu treffen, ist nahezu unmöglich. Jeder, der in verborgene religiöse Aktivitäten verwickelt ist und entdeckt wird, erlebt Diskriminierung, Inhaftierung, Willkür, Verschleppung, Folter und/oder öffentliche Hinrichtung. Christlichen Eltern ist es schier unmöglich, ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen. Nicht nur, dass sie kaum wagen, dies zu tun, sie müssten zudem gegen die wöchentliche Indoktrinierung ankämpfen, die bereits im Kleinkindalter beginnt. Christliche Hochzeiten, Beerdigungen oder Abendmahl öffentlich zu feiern, steht außer Frage, ebenso wie christliche Taufen.

Gesellschaftliches Leben: Jeder in Nordkorea ist unter strikter sozialer Kontrolle, da sich Nordkorea der alten kommunistischen Methode der Nachbarschaftswache, hier „Inminban“ genannt, bedient. Alles, was in einem Häuserblock geschieht, wird von speziell ausgebildeten Nachbarn berichtet, sodass tatsächlich keine Aktivität, kein Besuch, keine Abweichung vom Normalen unbemerkt bleibt. Kindern von Christen ist der Glaube ihrer Eltern meist gar nicht bewusst, da die meisten Eltern ihre Kindern allenfalls einweihen, wenn sie älter sind. Wenn sie aber dann doch davon erfahren, müssen sie sehr vorsichtig sein, den Glauben nicht zu zeigen, da dies schnell zu einer Anzeige führt, nicht nur für sie selbst, sondern der ganzen Familie. Ähnliche Vorsicht ist am Arbeitsplatz, dem Zuhause und vor allem in allen Kursen der Selbstkritik geboten.

Leben im Staat: Wie bereits erwähnt, folgt Nordkorea der Juche-Ideologie und dem Kimilsungismus/Kimjongilismus und alles steht in Zusammenhang mit diesen Ideologien. Medienberichte gegen Christen sind verzerrt und nicht repräsentativ, wenn es denn überhaupt Berichte gibt. Christen können niemals eine faire Gerichtsverhandlung erwarten. Dementsprechend ist die Punktzahl in diesem Lebensbereich ebenfalls nahezu am Maximum. Nordkoreanische Polizeibeamte machen regelrecht Jagd auf Grenzgänger, die sich während ihres Aufenthalts in China zum Christentum bekehrt haben oder christliche Literatur, vor allem Bibelteile, nach Nordkorea einführen wollen. Jeder ertappte und zurück nach Nordkorea gebrachte Flüchtling wird ausführlichen Verhören unterzogen. Allen vorliegenden Berichten zufolge gehören dazu auch die Fragen: „Hast du in China Christen getroffen?" und: „Hast du in China eine Kirche besucht?" Der unverändert hohe Druck zeigt sich auch daran, dass die Zahl der Deserteure nach Südkorea weiter abnimmt. Das Regime hat seine Grenzkontrollen enorm verstärkt, sodass Übertritte immer gefährlicher und teurer werden.

Kirchliches Leben: In Nordkorea kann es schlichtweg keine Kirchen geben. Es gibt wohl vier von der Regierung kontrollierte Kirchen in Pjöngjang, die internationalen Gästen Religionsfreiheit vorspielen sollen. Sie können nicht als eigentliche Gemeindeversammlungen funktionieren, da sie keinen Spielraum haben und sich nur innerhalb der von der Regierung gesteckten Grenzen bewegen dürfen. Abgesehen davon ist es nicht möglich, auf legalem Weg christliche Materialien zu produzieren oder zu importieren oder christliche Organisationen ins Leben zu rufen. Eine legale Ausbildung von Leitern und Jugendleitern ist unmöglich.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung in Nordkorea bleibt sehr gewalttätig, auch wenn die Dokumentation von gewaltsamen Übergriffen nicht so umfangreich ist, wie man vermuten würde. Das liegt jedoch daran, dass nicht alle Gewalttaten berichtet werden und Berichte aus den Strafgefangenenlagern schwer zu beschaffen sind. Im Februar 2015 inhaftierte Nordkorea den koreanisch-kanadischen Pastor Hyeon Soo Lim, der im Land Nothilfe leistete, wie er das bereits über hundert Mal zuvor getan hatte. Da Nordkorea von Zeit zu Zeit ausländische Bürger – auch Christen – festnimmt, war dies allein noch nicht überraschend. Ungewöhnlich jedoch war, dass die Behörden ihn dazu gebracht hatten, öffentlich zu gestehen, das nordkoreanische Regime stürzen wollen. Dies kann darauf verweisen, dass einheimische Christen mit zunehmender Härte behandelt werden; vor allem aber zeigt es die Wahrnehmung der Christen seitens des Regimes.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Am bedeutsamsten für das Regime ist die Beziehung zu China, von dem es wirtschaftlich stark abhängig ist. Es kann sich nicht leisten, von China aufgegeben zu werden. Auch wenn es im Berichtszeitraum Anzeichen dafür gab, dass China mit dem Verhalten Nordkoreas zunehmend unzufrieden ist, gibt es doch Gründe dafür, die Beziehung zu Nordkorea zu pflegen. Kim Jong Un hat noch keine Auslandsreisen unternommen, obwohl er das Land bereits seit drei Jahren regiert. Will er der Tradition folgen und ein Zeichen der Höflichkeit setzen, sollte er China als erstes besuchen. Tut er dies, so ließe das auf eine sich verbessernde Beziehung zu China schließen, was für die Christen sehr nachteilig wäre. Dies deshalb, weil China jeden aus Nordkorea Flüchtenden zurückschickt, obwohl China das Flüchtlingsabkommen der Vereinten Nationen unterzeichnet hat und obwohl China ohne Kosten und Mühen die Überläufer weiter nach Südkorea schicken könnte.

Im Jahr 2016 muss besonders der 7. Kongress der Arbeiterpartei beobachtet werden Dieser wurde am 30. Oktober 2015 bekanntgegeben und wird Anfang Mai 2016 stattfinden. Dieser Kongress findet zum ersten Mal wieder seit 35 Jahren statt und kann Hinweise darauf geben, in welche Richtung das Land steuert. Auf früheren Kongressen wurden beispielsweise Änderungen in der Führung bekanntgegeben, sowie neue Richtlinien oder deren Änderungen. Für Christen wird sich aller Voraussicht nach jedoch nichts ändern, da sie weiterhin als Gegner des Regimes gesehen werden.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nordkorea:

  • um Stärkung der Christen in Arbeitslagern
  • um Kontakt zu Christen für Flüchtlinge in China
  • um Bewahrung der geheimen Hausgemeinden
  • um bessere Versorgung der Bevölkerung
  • um Gottes Führung für Kim Jong Un und seine Regierung

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