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Pakistan Länderprofil

Pakistan

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 87 Punkte / Platz 6
(WVI 2015: 79 Punkte / Platz 8)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft) und weniger stark „Organisiertes Verbrechen und Korruption“

Aktuelle Einflüsse: Pakistan hat im Berichtszeitraum wieder eine ereignisreiche Zeit erlebt. Am 16. Dezember 2014 griffen Taliban eine vom Militär betriebene Schule in Peschawar an, 144 Menschen starben, darunter 132 Schulkinder. Obwohl das Militär daraufhin islamischen Extremisten den Kampf ansagte, bleibt es doch bei seiner Sichtweise, zwischen „guten“ und „schlechten“ Dschihadisten zu unterscheiden. Es bekämpft die Letztgenannten, buhlt aber um die „Guten“ (z.B. Lashkar-e-Toiba, jetzt Jamaat-du-Dawah und das Haqqani-Netzwerk), um sie zur Durchsetzung eigener Ziele gegen die Nachbarländer Afghanistan und Indien stellvertretend ins Feld zu schicken. Der Angriff im Dezember 2014 führte zu einer hastigen Verfassungsänderung mit Wiedereinführung der Todesstrafe und der Einsetzung spezieller Militärgerichte für Straftaten mit terroristischem Hintergrund; so wurden zwei schon lange erhobene Forderungen des Militärs erfüllt. Beobachter meinen jedoch, dass die stärkste Auswirkung der Gesetze darin besteht, dass die Regierung ihre Macht verliert; zudem sei es zweifelhaft, ob die Gesetze zielführend sind. Nach Medienangaben wurden 49.000 Personen verhaftet, doch lediglich 129 von ihnen waren islamische Extremisten. Das Verhältnis der Zahlen bei Verhören ist noch schockierender: 292.000 Personen wurden aufgegriffen, nur 140 von ihnen waren Extremisten. Die Spannungen in Pakistan haben derart zugenommen, dass es schon als verdächtig gilt, wenn Leute sich nur treffen. Das betrifft auch die Christen. Sonntagsgottesdienste sind weiterhin möglich, doch von allen anderen Treffen darüber hinaus wird ihnen dringlich abgeraten.

Betroffene Kategorien von Christen: Christen aus traditionellen Kirchen müssen Überwachung, Schikane und Ausgrenzung ertragen. Christen muslimischer Herkunft sowie Christen aus protestantischen Freikirchen spüren die ganze Härte der Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Der Druck ist in allen Lebensbereichen hoch und Verfolgung geht oft nicht vom Staat aus, sondern von islamistischen Gruppen, wie auch von Familien, Freunden und Nachbarn. Womit alle religiösen Minderheiten – und damit auch die Christen – beständig zu kämpfen haben, sind die berüchtigten Blasphemiegesetze. Gleich zu Beginn des Berichtszeitraums wurde am 4. November 2014 ein christliches Ehepaar, das in einer Ziegelbrennerei arbeitete, von einem aufgebrachten Mob ermordet. Der schlimmste Vorfall war jedoch ein doppelter Bombenanschlag am 15. März 2015 auf zwei Kirchen in Lahore, der 25 Menschen in den Tod riss und Dutzende verwundete. Diese offensichtliche Gewalt lässt die tägliche Gewalt gegen christliche Mädchen und Frauen aus dem Blick geraten, die über das ganze Jahr hinweg entführt, vergewaltigt, zur Heirat mit einem Muslim und der Konversion zum Islam gezwungen werden. Damit erreicht nach Nigeria nun auch Pakistan als zweites Land auf dem Weltverfolgungsindex die maximale Punktzahl im Bereich Gewalt.

Ausblick: Die christliche Minderheit wird weiter Leid ertragen müssen, umso mehr als der Kampf um die Vorherrschaft zwischen dem „Islamischen Staat“ (IS) und den Taliban hitziger wird.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 87 Punkten belegt Pakistan Platz 6 auf dem Weltverfolgungsindex 2016. 2015 nahm das Land mit 79 Punkten Rang 8 ein. Ursache für die Verschlechterung ist in erster Linie die zunehmende Gewalt, zum ersten Mal überhaupt mit der Höchstpunktzahl. Dazu kommt der zunehmende Druck in allen Lebensbereichen, besonders im kirchlichen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte von Verfolgung sind in Pakistan der „Islamische Extremismus“ (Haupttriebkraft) und weniger stark „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Islamischer Extremismus: Die Gesellschaft Pakistans wird zunehmend islamisiert, das Land von islamistischen Gruppen förmlich überschwemmt. Trotz Razzien durch das Militär blühen die islamistischen Gruppen regelrecht auf. Politische Gruppen benutzen sie gerne für ihre eigenen Zwecke, da es ihnen gelingt, hunderttausende, meist junge Menschen zu mobilisieren und auf die Straße zu bringen – ein starkes politisches Werkzeug, mit dem sich politische Ziele kraftvoll durchsetzen lassen. Diese Macht zur Mobilisierung von Mobs haben Christen bereits mehrfach schmerzhaft erlebt. Verbotene extremistische Gruppierungen lösen sich nicht in Luft auf. Meistens benennen sie sich einfach um, oft als Wohltätigkeitsorganisation getarnt, leisten für die Bevölkerung soziale Dienste und versprechen den Jugendlichen eine Perspektive, die sie so dringend brauchen. Der Großteil der Bevölkerung ist 24 Jahre oder jünger; da ein Drittel unter 14 Jahren alt ist, wird sich dieser Trend nicht so bald abschwächen und schafft riesige Herausforderungen. Mit 67,39 Jahren ist die Lebenserwartung nicht sehr hoch, wohl aber die Fruchtbarkeitsrate mit 2,75. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, wird Pakistan innerhalb der nächsten 15 Jahre das größte muslimische Land der Welt sein und damit Indonesien ablösen. Diese Strukturen führen dazu, dass große Mengen junger Menschen jedes Jahr die Schule verlassen, voll mit Träumen für ihre Zukunft. Das Land bietet jedoch nicht einmal allen Gebildeten und Akademikern der jungen Generation Perspektiven, soziale Unruhen sind also absehbar. Dies spielt wiederum den extremistischen islamischen Gruppen in die Hände, die den Jugendlichen ein Gefühl von Wertschätzung vermitteln, das sie so noch nie hatten.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Die Korruption zieht sich in Pakistan durch alle Ebenen der Behörden und der Armee. Die Armee ist so eng mit der Wirtschaft des Landes verflochten, dass sie vielfach als starker Wettbewerber auftritt. Sie genießt dabei unlautere Vorteile, wie ein populärer Scherz verdeutlicht: „Jedes Land hat eine Armee, aber hier hat eine Armee ein Land.“ Es ist schwer, an detaillierte Daten zu gelangen, doch Schätzungen zufolge verfügt das Militär über ein Vermögen von 10 Milliarden Dollar, dazu gehören 5 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche. Vom organisierten Verbrechen sind Christen auch deshalb betroffen, weil viele von ihnen arm und ohne Verteidigung sind. Der Mord an dem christlichen Ehepaar am 4. November 2014 wegen angeblicher Blasphemie machte dies deutlich. Sie arbeiteten in der dritten Generation in Schuldknechtschaft für den Ziegeleibesitzer. Arbeiter in dieser Lage sind völlig der Gnade des Arbeitgebers ausgeliefert. Da sie wegen horrender Zinsen ihre Schulden nie zurückzahlen können, gibt es auch keinen Ausweg. Sie können nicht gerichtlich dagegen vorgehen und bleiben so ohne Schutz und Perspektive.

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3. Aktuelle Einflüsse

Pakistan wurde im Berichtszeitraum von zahlreichen Vorfällen überschattet. Am 16. Dezember 2014 griffen Taliban eine vom Militär betriebene Schule in Peschawar an, 144 Menschen starben, darunter 132 Schulkinder. Obwohl das Militär daraufhin islamischen Extremisten den Kampf ansagte und eine Kampagne startete, bleibt es doch bei seiner Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Dschihadisten. Es bekämpft die Letztgenannten, buhlt aber mit den „Guten“ (z.B. Lashkar-e-Toiba, jetzt Jamaat-du-Dawah und das Haqqani Netzwerk), um sie zur Durchsetzung eigener Ziele gegen die Nachbarländer Afghanistan und Indien stellvertretend ins Feld zu schicken. Offensichtlich plant das Militär nicht, diese Vorgehensweise der letzten Jahrzehnte aufzugeben oder anzupassen. Die jüngsten Angriffe im Dezember 2014 führten zu einer hastigen Verfassungsänderung mit Wiedereinführung der Todesstrafe und der Errichtung spezieller Militärgerichte für Straftaten mit terroristischem Hintergrund, so wurden zwei schon lange erhobene Forderungen des Militärs erfüllt. Beobachter meinen jedoch, dass die stärkste Auswirkung der Gesetze darin besteht, dass die gewählte Regierung weitere Macht verliert; auch sei es zweifelhaft, ob die Gesetze zum gewünschten Ziel führen. Nach Medienangaben wurden zwar 49.000 Personen verhaftet, doch lediglich 129 von ihnen waren islamische Extremisten. Das Verhältnis der Zahlen bei Verhören ist noch schockierender: 292.000 Personen wurden ergriffen, nur 140 von ihnen waren muslimische Extremisten. Die Anspannung in Pakistan hat derart zugenommen, dass es schon als verdächtig gilt, wenn Leute sich nur treffen.

Ein endloser Strom von Jugendlichen, die ihre Bildung in Koranschulen erhielten, strömt in die Gesellschaft. Wird jedoch die Lehre in den Medressen nicht kontrolliert, können extremistische Ideen in die Köpfe der Jugendlichen gepflanzt werden. Eines der wichtigsten Themen in Pakistan ist daher die zukünftige Kontrolle der Medressen, von denen es schätzungsweise 35.000 im Land gibt und von denen 11.000 dem konservativen Deobandi-Islam folgen. Kinder und Jugendliche sind extremistischen Lehren ausgesetzt, die Hass gegen Minderheiten schüren. Viele Medressen erhalten Gelder aus dem Mittleren Osten, etwa aus Katar, Kuwait oder Saudi-Arabien. Allein schon der Versuch, die Medressen im Land auf einer Karte und einer Liste zu verzeichnen, wird als Angriff auf den Islam gewertet, von Überwachung und Steuerung gar nicht zu sprechen. Die Behörden wissen meist nicht, was hinter den Mauern der Koranschulen geschieht, Hassreden werden unbemerkt verbreitet. Religiöse Minderheiten wie Hindus erleiden wegen dieser Radikalisierung ebenfalls Verfolgung. Außerdem betroffen sind muslimische Minderheiten wie die Ahmadi oder Schiiten, die – weil sie nicht als wahre Muslime gelten – auch gewaltsame Verfolgung erleben. Sie werden als abtrünnige Sekten angesehen, was zur Rechtfertigung jeder Gewalt gegen sie genutzt wird.

Die Zersplitterung der Gesellschaft, aber auch der Verwaltung des Landes, trägt außerdem zur schlechten Lage bei. So werden beispielsweise die Provinz Baluchistan und die Region Sindh traditionell als außerhalb der Reichweite staatlichen Einflusses gesehen. Im Stil eines Fürsten herrschende Landbesitzer befehligen in den ländlichen Regionen von Sindh und Punjab eigene Milizen, Gerichtshöfe und Gefängnisse. Korruption ist allerorts zu finden. All das hat auch Auswirkungen auf die schutzlose christliche Minderheit. Die Rechtsprechung in den national verwalteten Stammesgebieten (FATA) ist eingeschränkt und ungerecht. Diese an Afghanistan grenzende Spannungsregion wird noch immer nach dem aus der Kolonialzeit stammenden „Gesetz zu Verbrechen in Grenzgebieten“ von 1901 regiert, welches Polizei und Gerichte aushebelt und die Entfremdung der dort ansässigen Menschen verstärkt. Pakistans Verfassung scheint dort nicht zu gelten.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Alle drei Kategorien von Christen in Pakistan erleiden Verfolgung. Die vormals separat geführten ausländischen Christen und christlichen Einwanderer bilden keine eigenen Gemeinschaften und sind daher in andere Kategorien integriert.

Christen aus traditionellen Kirchen: Die römisch-katholische und die anglikanische Kirche sind hier zu nennen. Sie erleben zunehmend Anfeindungen und es wird schwieriger, Genehmigungen für Versammlungen zu erhalten. Das Gemeindeleben funktioniert noch, Kontrolle und Überwachung haben jedoch zugenommen.

Christen muslimischer Herkunft: Christen muslimischer Herkunft spüren die ganze Wucht der Verfolgung. Einmal durch islamistische Gruppen, in deren Augen sie Verräter sind, und dann durch Familien, Freunde und Nachbarn, die eine Abwendung vom Islam mit Verlassen der Traditionen von Familie und Gesellschaft gleichsetzen.

Christen aus protestantische Freikirchen: Evangelikale und Pfingstgemeinden werden nun stärker überwacht und oft drangsaliert und attackiert, besonders wenn sie ihren Glauben öffentlich bekunden.

Die noch immer bedeutende Größe der christlichen Minderheit hat sich im Berichtszeitraum kaum geändert. Allerdings haben bessergestellte Christen das Land bereits verlassen oder planen, dies zu tun. Kleine Ansammlungen von gestrandeten Christen in Sri Lanka, Thailand und Malaysia und im gesamten südostasiatischen Raum belegen dies.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das untenstehende Verfolgungsmuster zeigt die Wertungen für Islamischen Extremismus. Der Durchschnittswert der ersten 5 Balken (14,011), der den Druck auf Christen widerspiegelt, hat gegenüber dem Vorjahreswert (12,714) deutlich zugenommen. Der Wert für den Block „Gewalt“ hat mit 16,667 sogar den Höchstwert erreicht, der Vorjahreswert betrug 15,186. Der Druck hat in allen Lebensbereichen zugenommen, am deutlichsten im Bereich „Kirchliches Leben“. Die Gewalt ist ebenfalls gestiegen. Das weist auf eine zunehmende Verfolgung der Christen und Kirchen hin. Die Bemühungen der Regierung, zumindest einige islamistische Gruppen zu stoppen, haben außerdem zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit für Christen geführt. Das Diagramm zeigt, dass die Verfolgung in den Bereichen des Privatlebens und des Lebens im Staat am stärksten ist, ähnlich stark auch im Familienleben und im Leben in der Gesellschaft, dicht darauf folgt „Kirchliches Leben“.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen muslimischer Herkunft müssen hinsichtlich ihres Glaubenslebens immer sehr auf der Hut sein, besonders wenn sie die Einzigen in der Familie sind, die Jesus nachfolgen. Ihre Bibel oder andere Materialien können ihnen leicht von der Familie, den Freunden oder Nachbarn weggenommen werden. Jedes Jahr werden hunderte christliche Studenten, die auf Universitätsgeländen leben, für das Abhalten christlicher Treffen bestraft. So wurde einer jungen Frau ihre Bibel entrissen, während andere Frauen sie an den Haaren festhielten und sie unter Androhung von Gewalt aufforderten, zum Islam zurückzukehren. Dies geschah mehrere Male, sie hatte zwischenzeitlich immer wieder eine neue Bibel gefunden. Einmal wurde ihr Vergewaltigung angedroht, sollte sie weiter in der Bibel lesen, was ihr nicht einmal in ihrem eigenen Zimmer gestattet wurde. Sie musste der anhaltenden Verfolgung weichen, sich ein neues Zimmer und eine neue Stelle suchen. Vergleichbare Fälle werden von mehreren Quellen in ganz Pakistan berichtet. Eine verschärfte Form der Bestrafung für die private Pflege des Glaubenslebens stellt Hausarrest dar, weniger schwer ist Überwachung. Sich mit anderen Christen zu treffen ist unter diesen Umständen besonders schwierig und auch gefährlich, denn so könnten Konvertiten entdeckt werden, oder eben Treffen von Christen.

Familienleben: Es ist unmöglich, einen Wechsel zum christlichen Glauben behördlich eintragen zu lassen. Ein Kind wird automatisch als Muslim registriert, wenn dessen Vater ursprünglich als Muslim eingetragen ist, auch wenn der Vater den Glauben wechselt. Werden Christen muslimischen Hintergrunds entdeckt, drohen ihnen die (erzwungene) Scheidung und der Verlust aller Erbansprüche. Das Organisieren einer Taufe, christlichen Hochzeit oder Beerdigung ist schwierig, wenn auch nicht unmöglich. Sobald ein Konvertit seine Entscheidung zur Taufe bekannt gibt, erhöht sich der Druck, denn die Taufe wird als die äußerste Form der Abwendung vom Islam gesehen. Christen muslimischen Hintergrunds werden entweder körperlich attackiert oder die islamische Gesellschaft und die eigene Familie versuchen sie aufzuhalten, u. a. durch Tränke oder okkulte Praktiken. Pastoren, die bereit sind, Konvertiten zu taufen, wurden in vielen Fällen bedrängt und bedroht. In der Schule ist es christlichen Kindern oft nicht gestattet, die gleiche Wasserleitung wie die anderen Kinder zu nutzen, weil sie diese angeblich verunreinigen würden; Mobbing ist an der Tagesordnung. Um nur ein Beispiel zu nennen, der Bericht einer Mutter aus Punjab: „Mein Sohn Ruben kam jeden Tag mit zerrissenem Hemd von der Schule nach Hause. Ich kann nicht ständig neue Hemden kaufen. Er sei der Sohn von Straßenkehrern, hieß es, und er sollte die Schule putzen, nicht dort studieren. Dann haben sie ihn gnadenlos verprügelt.“

Leben in der Gesellschaft: Schätzungsweise 700 christliche Mädchen und Frauen werden jedes Jahr entführt, oft auch vergewaltigt und dann mit Muslimen zwangsverheiratet. Dazu gehört immer auch die Zwangsbekehrung zum Islam. Sollte eine christliche Familie so mutig sein, gegen die Entführung und Heirat anzugehen, hagelt es Anklagen gegen sie, sie würden das Mädchen, das sich „freiwillig dem Islam zugewendet hat“, und auch die Familie des Mannes belästigen. Jedes Jahr erhalten der Nationale Kirchenrat und weitere christliche Organisationen in Pakistan tausende Beschwerden darüber, dass Christen hinsichtlich der Gesundheitsfürsorge diskriminiert werden. Diese erhalten nur Personen, die islamische Steuern entrichten; Christen sind also ausgeschlossen. Sie stehen in der Regel am Ende der Schlange. Christliche Kinder werden in der Schule zur Teilnahme an religiösen islamischen Handlungen und Festen gezwungen. Sie werden beständig aufgefordert, Muslime zu werden, und Eltern werden oft besucht und dazu angehalten, ihre Kinder zu islamischen Veranstaltungen zu schicken und sie Arabisch lernen zu lassen. Dies wäre für ihre Noten besser. Das verunsichert und gefährdet die Kinder erheblich.

Leben im Staat: Pakistan ist eine Islamische Republik. Die jüngere Entwicklung der Islamisierung der Gesellschaft begann bereits in den 80er-Jahren, als General Zia 1986 die berüchtigten Blasphemiegesetze einführte. Bald wurde das zur schlimmsten Bedrohung für die christliche Minderheit. Einem Pressebericht von 2010 zufolge waren 801 der 1.031 wegen Blasphemie inhaftierten Personen Muslime (der Großteil dürfte zu muslimischen Minderheiten gehören). Von den weiteren 230 Inhaftierten waren 162 Christen, 15 Sikh, 28 Buddhisten und 25 gehörten anderen Religionen an. In Prozentzahlen sind das anteilsmäßig 70,4% Christen, 6,5% Sikh und 12,5% Buddhisten. Die Blasphemiegesetze werden – wie allgemein bekannt – gerne missbraucht, um persönliche Streitigkeiten auszutragen, sich zu bereichern oder dem Nachbarn etwas heimzuzahlen. Der internationalen Gemeinschaft wurden die Gesetze schmerzlich durch das Todesurteil gegen die Christin Asia Bibi im Jahr 2010 in Erinnerung gerufen. Zum ersten Mal traf das Urteil zum Tod durch den Strang eine Frau. Die Blasphemiegesetze finden zunehmend Unterstützer; für die Gerichte und die Regierung wird es immer schwieriger, die richtige Handhabung zu finden, denn die Gesetze werden politisch instrumentalisiert und haben große symbolische Bedeutung für extremistische islamische Gruppierungen im Land. Besonders deutlich wird dies, wenn Politiker oder Bürger gegen die Blasphemiegesetze aufstehen (oder nach einer Reform rufen) und dann bedroht oder sogar ermordet werden. Der Blasphemie Angeklagte, die freigesprochen werden, müssen mit Gewalt durch Mobs rechnen oder sogar mit ihrem Tod. In den meisten Fällen ist die Polizei entweder hilflos oder Zuschauer, oft weigert sie sich schon, überhaupt eine Anzeige (FIR = First Information Report) aufzunehmen, die jedoch Grundlage für alle weiteren Schritte ist, wenn religiöse Minderheiten betroffen sind. Im Berichtszeitraum wurde der Mörder von Gouverneur Salman Taseer zum Tode verurteilt. Taseer war 2011 ermordet worden, weil er die Blasphemiegesetze „schändlich“ genannt und sich für Asia Bibi eingesetzt hatte. Sollte das Urteil tatsächlich vollstreckt werden, so wird die Reaktion der islamistischen Gruppen ein Indikator dafür sein, wie mächtig diese wirklich sind.

Kirchliches Leben: Die Punktewertung hat sich in diesem Lebensbereich aus folgenden Gründen am stärksten erhöht: Als Folge des Vorgehens der Regierung gegen islamische Extremisten unterliegen alle Versammlungen – also auch die der Christen –stärkeren Einschränkungen. Die Christen dürfen wohl am Sonntag Gottesdienst feiern, doch Treffen darüber hinaus sollten sie laut Regierung unterlassen, um „terroristische Akte“ zu vermeiden. Diese Formulierung wird inzwischen dankbar von lokalen Behörden aufgegriffen, um christliche Aktivitäten insgesamt zu verhindern. Kirchengebäude ähneln mit ihren hohen Mauern und schmalen Türen schon seit einigen Jahren immer mehr Festungen. Gleichwohl die Regierung den Schutz der Kirchen durch Wachpersonal versprochen hatte, gab es etliche Angriffe mit Dutzenden von Toten. Die meisten Kirchen haben ihr eigenes Wachpersonal, oft sind das die Gemeinde-Jugend oder Freiwillige. Für die Registrierung einer Kirche muss diese einen langen Prozess durchlaufen. Bestechungsgelder werden erwartet und alles verzögert sich, wenn sie ausbleiben. Nicht-registrierte Gemeinden erhalten oft „Besuch“ von Regierungsangestellten, werden von extremistischen Muslimen belästigt und von den lokalen Behörden mit Schließung bedroht. Im Berichtszeitraum wurde ein neuer Registrierungsprozess vorgestellt, wonach sich Kirchen als Nichtregierungsorganisationen eintragen lassen sollen, nicht als religiöse Gemeinschaft. Für die Kirchen ist das riskant, denn laut Gesetz können NGOs de-registriert und sogar des Landes verwiesen werden. Das gefährdet die gesamte Gemeinde. Abgesehen von der pakistanischen Bibelgesellschaft ist es anderen christlichen Organisationen nicht gestattet, eine Druckerpresse zu besitzen. Die der Bibelgesellschaft wird streng überwacht: Jede Bibel hat eine Seriennummer, die nachverfolgt werden kann.

Auftreten von Gewalt: Gewalt gegen Christen ist allgegenwärtig und hat im Berichtszeitraum zugenommen. Gleich zu Beginn wurde am 4. November 2014 das christliche Ehepaar Shahzad und Shama Masih, das in einer Ziegelbrennerei in Kot Radha Kishan arbeitete, von einem aufgebrachten Mob ermordet. Der schlimmste Vorfall war jedoch ein Bombenanschlag am 15. März 2015 auf je eine katholische und eine protestantische Kirche in Lahore, im Stadtteil Youhanabad, der 25 Menschen in den Tod riss und Dutzende verwundete. Darüber hinaus wurden elf weitere Morde gemeldet. Es gab mindestens 17 Angriffe auf und Zerstörungen von Kirchen sowie christlichen Schulen. Drei Angriffe auf christliche Siedlungen sind bekannt, wobei im Dezember 2014 in Samundri 13 Häuser, im Januar 2015 in Rao Khan Wala/Kasur 7 Häuser zerstört und im Mai 2015 in der Siedlung Dhoop Sari in Lahore ein Großteil der dort lebenden 200 Familien aus ihren Häusern vertrieben wurden. Diese offensichtlichen Ausbrüche von Gewalt überschatten die tägliche Gewalt gegen christliche Mädchen und Frauen, die über das ganze Jahr hinweg entführt, vergewaltigt und zur Heirat mit Muslimen und der Konversion zum Islam gezwungen werden. Damit erreicht nach Nigeria nun auch Pakistan als zweites Land auf dem Weltverfolgungsindex die maximale Punktzahl im Bereich Gewalt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Eines der hartnäckigsten Probleme in Pakistan ist der Umgang mit und die Bekämpfung von islamistischen Gruppierungen. Die anfängliche Hoffnung, dass nach dem Angriff auf die Armee-Schule von Peschawar der Schutz seitens der Armee für einige dieser Gruppierungen schwinden würde, hat sich nicht erfüllt. Noch immer wird unterschieden zwischen „guten“ und „bösen“ Dschihadisten, und religiöse Minderheiten – so auch die Christen – zahlen dafür weiter einen hohen Preis.

Ein weiteres Problem, mit dem das Land schon lange ringt, ist die Eindämmung der unrühmlichen Blasphemiegesetze. Dies wird kaum geschehen können, ohne die Aggression von islamistischen Gruppen zu provozieren.

Und schließlich wird der Machtkampf zwischen den Taliban und dem „Islamischen Staat“ (IS) den Druck auf beide Gruppen erhöhen, mehr Anhänger zu generieren. Dies bedeutet ihrer Rekrutierungsstrategie gemäß, sie müssen sich als „islamischer“ erweisen als die andere Gruppe und einen noch „echteren“ Islam vertreten. Dazu gehören Attacken auf „Dhimmis“ (islamisch: Schutzbefohlene, die als Ungläubige Kopfsteuer zahlen), die als die Schwächsten in der „rein islamischen“ Lehre gelten. Noch radikaler aufzutreten heißt auch, die Christen stärker zu verfolgen und ihre Rechte und ihren Bewegungsspielraum noch weiter einzuschränken. Dies schürt den Hass und Argwohn weiter Teile der Gesellschaft gegen die Kirche – vorhanden sind beide schon lange.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Pakistan:

  • um Gottes Schutz vor Angriffen auf Gottesdienste und Kirchen
  • für die Regierung, damit eine völlige Revision der Blasphemie-Gesetze durchgeführt werden kann
  • um Gottes Schutz und Durchhaltevermögen für ehemalige Muslime, die jetzt Jesus Christus nachfolgen

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