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Länderprofil Palästinenser-Gebiete

Palästinensergebiete

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen



Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

64 Punkte / Platz 23 (WVI 2016: 62 Punkte / Platz 24)

Bitte beachten Sie: 1.) Die Zunahme der Punktzahl ist hauptsächlich auf Anpassungen zurückzuführen, die aufgrund der Verfügbarkeit von mehr Informationen vorgenommen werden konnten. 2.) Christen muslimischer Herkunft werden stark unter Druck gesetzt und verfolgt. Jedoch betonen sowohl Christen aus traditionellen Kirchen als auch aus protestantischen Freikirchen im Westjordanland in Gesprächen mit Feldforschern von Open Doors, dass die israelische (militärische) Kontrolle des Westjordanlands der Faktor ist, der ihre Freizügigkeit am meisten einschränkt – inklusive des Besuchs heiliger Stätten in Israel. Diese Beschränkungen richten sich jedoch nicht spezifisch gegen Christen, sondern betreffen alle Palästinenser, sodass sie nicht in die Analyse zum Weltverfolgungsindex einbezogen wurden.

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in den Palästinensergebieten sind „Islamische Unterdrückung“ (Haupttriebkraft) und in geringerem Ausmaß „Ethnisch begründete Anfeindungen“ (vermischt mit Islamischer Unterdrückung).

Aktuelle Einflüsse

Der israelisch-palästinensische Konflikt stellt die einheimischen Christen vor viele Herausforderungen: Ihre ethnische Zugehörigkeit hat viele Einschränkungen vonseiten der Israelis zur Folge und ihr Glaube macht sie zu einer Minderheit in der mehrheitlich muslimischen palästinensischen Gesellschaft. Die einzelnen Gebiete werden von drei verschiedenen Regierungen beherrscht oder beeinflusst. Die im Westjordanland regierende Fatah-Partei gründet formell auf säkularen Prinzipien und Christen genießen einige Rechte. Einige können sogar in den höchsten Regierungsebenen politisch aktiv sein. Im Gazastreifen dagegen werden die Rechte der Christen weder aufrechterhalten noch geschützt, obwohl die islamistische Hamas die Christen in der Regel toleriert. In den vergangenen Jahren wurden Christen im Gazastreifen von islamistischen Bürgerwehren bedroht, 2016 wurde jedoch über keine derartigen Vorfälle berichtet. Das israelische Militärgesetz besitzt in Teilen des Westjordanlands Gültigkeit, was zu großen Einschränkungen für alle Palästinenser führt, auch für die Christen. Die Anzahl der Christen hat durch Auswanderung und sinkende Geburtenraten mit der Zeit abgenommen. Ein Hoffnungsschimmer ist die kleine, aber wachsende Zahl von Konvertiten, die sich vom Islam zum christlichen Glauben hinwenden.

Betroffene Kategorien von Christen

In den Palästinensergebieten gibt es drei Kategorien von Christen, die Druck in unterschiedlichen Ausprägungen erleben: Christen aus traditionellen Kirchen, Gemeinschaften von Christen mit muslimischem Hintergrund und Christen aus protestantischen Freikirchen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Insgesamt bleibt der Druck auf Christen muslimischer Herkunft sehr hoch.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen sehr hoch; am stärksten ist er in den Bereichen „Kirchliches Leben“, „Familienleben“ und „Privatleben“. Dies ist typisch für eine Situation, in der Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung ist und davon vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen sind.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2016 angestiegen, bleibt aber trotzdem niedrig.
  • Die Verfolgungssituation in den Palästinensergebieten ist gekennzeichnet von starker Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft; besonders in Gaza, aber auch im Westjordanland. In Gaza erleben alle anderen Kategorien von Christen ebenfalls Einschränkungen, insbesondere in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Im Westjordanland erfahren sie eher subtile Formen von Diskriminierung, die charakteristisch für die Situation von religiösen Minderheiten in einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft im Nahen Osten sind.

Ausblick

Die „Economist Intelligence Unit“ (EIU) erwartet, dass die Unruhen zwischen Israel und den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland in den nächsten Jahren andauern werden. Eine Staatenbildung und Reformen werden unter anderem durch die Uneinigkeiten zwischen Hamas und Fatah verhindert. Es ist zu erwarten, dass der Friedensprozess weiterhin stagniert, und die Wahrscheinlichkeit erneuter Ausbrüche von Gewalt ist hoch. Dies wird die Lebensqualität aller Palästinenser und damit auch der Christen negativ beeinflussen und weitere Auswanderungen zur Folge haben.

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Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 64 Punkten belegen die Palästinensergebiete (Gaza und das Westjordanland) Platz 23 auf Weltverfolgungsindex 2017. Auf dem Weltverfolgungsindex 2016 nahmen die Palästinensergebiete mit einer Wertung von 62 Punkten Rang 24 ein. Der Punktanstieg ist auf einen leicht erhöhten Wert für das Auftreten von Gewalt und Anpassungen aufgrund der Verfügbarkeit von mehr Informationen zurückzuführen. Insgesamt bleibt der Druck auf Christen muslimischer Herkunft sehr hoch. Die Punktzahl für Gewalt ist zwar gestiegen, sie ist jedoch nach wie vor vergleichsweise niedrig.

Bitte beachten Sie: Christen muslimischer Herkunft werden stark unter Druck gesetzt und verfolgt. Jedoch betonen sowohl Christen aus traditionellen Kirchen als auch aus protestantischen Freikirchen im Westjordanland in Gesprächen mit Feldforschern von Open Doors, dass die israelische (militärische) Kontrolle des Westjordanlands der Faktor ist, der ihre Freizügigkeit am meisten einschränkt – inklusive des Besuchs heiliger Stätten in Israel. Diese Beschränkungen richten sich jedoch nicht spezifisch gegen Christen, sondern betreffen alle Palästinenser, sodass sie im Rahmen des Weltverfolgungsindex nicht als Christenverfolgung eingestuft werden.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Christen sind überall in den Palästinensergebieten von Verfolgung betroffen, obwohl der Druck in Gaza aufgrund der dort aktiven islamistischen Bewegungen deutlich stärker ist als im Westjordanland. In Gaza sind muslimische Kämpfer aktiv, die noch extremistischer sind als die Hamas und mittlerweile auch im Westjordanland Fuß fassen. Dies schließt Zellen des „Islamischen Staates“ (IS) ein, sowohl aktive als auch „schlafende“. Auch wenn diese salafistischen Gruppen bisher keine große Macht besitzen, so darf ihr Einfluss doch nicht unterschätzt werden.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Diese Triebkraft zielt darauf ab, den anhaltenden Einfluss jahrhundertealter Normen und Werte zu sichern. In den Palästinensergebieten ist dies sehr eng mit dem Islam verknüpft und wirkt sich vor allem auf Christen muslimischer Herkunft aus. So wie im gesamten Nahen Osten besteht zwischen der Religion und der Familienidentität eine enge Verbindung, weshalb es als Verrat an der Familie betrachtet wird, den Islam zu verlassen. Viele Familien üben starken Druck auf Angehörige aus, die Christen geworden sind, zum Islam zurückzukehren, die Region zu verlassen oder zumindest nicht über ihren neuen Glauben zu sprechen. In vielen Fällen werden Christen mit muslimischem Hintergrund wegen ihres Glaubens aus ihren Familien verstoßen.

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3. Aktuelle Einflüsse

Das Zusammenwirken einzelner Faktoren bei der Verfolgung von Christen in den Palästinensergebieten ist komplex. Der israelisch-palästinensische Konflikt stellt die einheimischen Christen vor viele Herausforderungen: Ihre ethnische Zugehörigkeit hat viele Einschränkungen vonseiten der Israelis zur Folge und ihr Glaube macht sie zu einer Minderheit in der mehrheitlich muslimischen palästinensischen Gesellschaft. Wie andere Palästinenser müssen auch die Christen tagtäglich mit den Einschränkungen von israelischer Seite leben, was ein starker Anreiz zur Auswanderung ist. Die einzelnen Gebiete werden von drei verschiedenen Regierungen beherrscht bzw. beeinflusst:

Die im Westjordanland regierende Fatah-Partei gründet formell auf säkularen (d. h. nicht dem politischen Islam folgenden) Prinzipien und Christen genießen einige Rechte. Einige können sogar in den höchsten Regierungsebenen politisch aktiv sein. Sechs Christen haben einen Sitz im Parlament und der Bürgermeister von Bethlehem ist traditionell ein Christ. Mindestens sechzig Prozent des Westjordanlands sind vollständig unter israelischer Kontrolle.

Im Gazastreifen dagegen werden die Rechte der Christen weder aufrechterhalten noch geschützt, obwohl die islamistische Hamas die Christen in der Regel toleriert. In vergangenen Jahren wurden Christen im Gazastreifen von islamistischen Bürgerwehren bedroht, 2016 wurde jedoch über keine derartigen Vorfälle berichtet.

Das israelische Militärgesetz besitzt in Teilen des Westjordanlands Gültigkeit, was zu großen Einschränkungen für alle Palästinenser führt, auch für die Christen.

Die Anzahl der Christen hat durch Auswanderung und sinkende Geburtenraten mit der Zeit abgenommen. Ein Hoffnungsschimmer ist die kleine, aber wachsende Zahl von Konvertiten, die sich vom Islam zum christlichen Glauben hinwenden.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen (z. B. aus der römisch-katholischen, der altorientalischen oder der orthodoxen Kirche des Ostens): All diese Kirchengemeinden sind registriert; im Westjordanland gibt es mehrere, in Gaza lediglich zwei, eine orthodoxe und eine römisch-katholische Gemeinde. Manche Mitglieder der orthodoxen und der katholischen Kirche in Gaza stehen in der Gefahr, zum Islam zu konvertieren – entweder weil sie sich gefangen fühlen oder weil sie den Drohungen nicht standhalten können oder auch, weil ihnen Häuser, Ehefrauen, Arbeitsstellen oder Studienabschlüsse versprochen werden, wenn sie zum Islam konvertieren. Viele bereuen diese Entscheidung später. Die Verbundenheit mit ihrer christlichen Identität erweist sich meist als stärker, als sie angenommen hatten. Jedoch ist es im Islam äußerst schwierig für einen Konvertiten, zu der ursprünglichen Religion zurückzukehren.

Christen muslimischer Herkunft und Christen, die zu einer anderen Kirche wechseln: Von allen Christen in den Palästinensergebieten erleben Christen muslimischer Herkunft die stärkste Verfolgung. Im Westjordanland werden sie bedroht und unter Druck gesetzt, in Gaza ist ihre Situation so gefährlich, dass sie ihren Glauben unter höchster Geheimhaltung leben müssen. Nichtsdestoweniger wächst die Zahl der Christen muslimischer Herkunft langsam. Wenn Christen aus einer traditionellen Kirche in eine protestantische Freikirche wechseln, führt dies oft zu Problemen mit ihren Familien.

Christen aus protestantischen Freikirchen (beispielsweise Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden): Es gibt einige Baptistengemeinden im Westjordanland und eine in Gaza. Leiter der traditionellen Kirchen empfinden die evangelikalen Kirchen oft als Bedrohung für ihre Gemeinden. Protestantische Gemeinden sind dafür bekannt, dass sie einen Schwerpunkt auf Evangelisation legen, was ihnen oft Druck vonseiten der Gesellschaft einbringt.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Palästinensergebiete

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Palästinensergebiete:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen (mit muslimischem Hintergrund) ist sehr hoch, die Punktzahl erhöhte sich von 11,945 (Weltverfolgungsindex 2016) auf 12,376. Dieser Anstieg ist größtenteils auf die Verfügbarkeit von mehr Informationen zurückzuführen.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen sehr hoch; am stärksten ist er in den Bereichen „Kirchliches Leben“ (13,334), „Familienleben“ (12,821) und „Privatleben“ (12,292). Dies ist typisch für eine Situation, in der Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung ist und davon vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen sind.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt (2,222) ist im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2016 (1,852) angestiegen, bleibt aber trotzdem niedrig.
  • Die Verfolgungssituation in den Palästinensergebieten ist gekennzeichnet von starker Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft; besonders in Gaza, aber auch im Westjordanland. In Gaza erleben alle anderen Kategorien von Christen ebenfalls Einschränkungen, insbesondere in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Im Westjordanland erfahren sie eher subtile Formen von Diskriminierung, die charakteristisch für die Situation von religiösen Minderheiten in einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft im Nahen Osten sind.

Privatleben: Christen muslimischer Herkunft erleben Druck in diesem Lebensbereich, besonders gefährlich ist ihre Lage in Gaza. Doch auch im Westjordanland können diese Christen ihren Glauben nicht öffentlich leben. Wenn sie in ihrer Umgebung auch nur den Eindruck erwecken, dass sie sich dem christlichen Glauben zugewandt haben könnten, kann dies ernste Konsequenzen für sie haben. Alle anderen Kategorien von Christen haben mehr Freiheit, ihren Glauben privat auszuleben, solange sie diesen nicht an Muslime weitergeben. In Gaza ist es grundsätzlich nicht zulässig, christliche Symbole (z.B. Kreuze) in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Familienleben: Wenn ihr Glaube entdeckt wird, werden Christen muslimischer Herkunft von ihren Familien unter Druck gesetzt. Dies geschieht besonders in Gaza, in geringerem Ausmaß jedoch auch im Westjordanland. Wenn bekannt ist, dass ihre Eltern Christen sind, werden die Kinder dieser Konvertiten sehr wahrscheinlich schikaniert oder diskriminiert, vor allem in Gaza. Kinder von Christen anderer Kategorien erleben in Schulen in Gaza zum Teil ebenfalls Diskriminierung. Die meisten Christen dieser anderen Kategorien haben jedoch die Freiheit, ihre christlichen Überzeugungen im Familienkreis zu leben. Wenn jedoch ein christlicher Ehemann und Familienvater zum Islam konvertiert und sich von seiner christlichen Ehefrau scheiden lässt, werden ihre Kinder (wenn sie jünger als 18 Jahre sind) automatisch Muslime. Auch Christen, die mit einem Muslim verheiratet sind und dann geschieden werden, wird das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil des Familienrechts auf der Scharia beruht, die Christen nicht die gleichen Rechte zugesteht wie Muslimen.

Gesellschaftliches Leben: In Gaza und den mehrheitlich von Muslimen bewohnten Gebieten des Westjordanlands steht die gesamte lokale christliche Bevölkerung unter Druck. Hinzu kommt, dass der Nahe Osten generell von politischen Unruhen und dem wachsenden Einfluss eines extremistischen Islam geprägt ist, was sich besonders auch in Gaza zeigt. Viele Moscheen drehen ihre Lautsprecher lauter auf und mehr Frauen tragen einen Schleier. Christliche Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt, sich mehr zu bedecken oder sogar zu verschleiern. An der staatlichen Universität von Gaza sind Studentinnen verpflichtet, muslimische Kleidung zu tragen. Kommen sie dem nicht nach, riskieren sie, belästigt zu werden. Die Zahl der Christen nimmt ab, während der Einfluss eines extremistischen Islam zunimmt. Christen berichten, dass sie gesellschaftlich und wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden, zum Islam zu konvertieren, vor allem während des Ramadan und insbesondere in Gaza, aber auch im Westjordanland. Aus Sicherheitsgründen müssen die meisten Christen mit muslimischem Hintergrund ihren neuen Glauben vor der Gesellschaft geheim halten.

Leben im Staat: Im Westjordanland ist die Religionsfreiheit grundsätzlich gesetzlich geschützt, wogegen die Gesetze in Gaza die Religionsfreiheit eher einschränken. Das palästinensische Grundgesetz – das zurzeit als vorläufige Verfassung fungiert – erklärt den Islam zur offiziellen Religion und die Scharia (die islamische Gesetzgebung) zur Hauptquelle der Rechtsprechung. Die Behörden versagen darin, die Rechte der Christen zu gewährleisten und zu schützen, und in einigen Fällen sind Christen, vor allem Christen muslimischer Herkunft, gezwungen zu fliehen, um anderswo in Sicherheit leben zu können. In den gesamten Palästinensergebieten werden Christen im Einvernehmen mit den Behörden zumindest subtil diskriminiert, vor allem in Gaza und weniger verbreitet auch in Gebieten mit einer größeren christlichen Bevölkerung wie Bethlehem, Beit Jalal und Ramallah. In staatlichen Unternehmen stoßen Christen oftmals an „gläserne Decken“, da ihnen Beförderungen und Berufungen in bestimmte Positionen verwehrt werden. Als religiöse Minderheit, die in der mehrheitlich muslimischen Gesellschaft häufig mit dem (christlichen) Westen assoziiert wird, sind Christen besonders vorsichtig darin, ihre Meinung zu äußern, und neigen zur Selbstzensur. Christen muslimischer Herkunft können mit den Behörden nicht offen als Christen interagieren.

Kirchliches Leben: Christen muslimischer Herkunft können sich nicht offiziell als Gemeinde versammeln oder einer bestehenden Kirche anschließen, sowohl in Gaza als auch im Westjordanland. Für nicht-registrierte protestantische Gemeinden ist es im Westjordanland schwierig, eine Baugenehmigung für ein Kirchengebäude zu erhalten. In Gaza ist dies für alle Kategorien von Christen praktisch unmöglich. Christliche Literatur oder Bibeln in das Westjordanland einzuführen, kann Probleme mit sich bringen; in Gaza ist es nahezu unmöglich. Im Westjordanland ist die Sicherheit von Christen, die sich öffentlich versammeln, bedroht. Christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden sind nicht erlaubt, besonders dann, wenn sie die Weitergabe des Evangeliums zum Ziel haben. Eine seltene Ausnahme sind die Weihnachtsfeiern in Bethlehem, da diese nicht explizit Evangelisation zum Ziel haben.

Auftreten von Gewalt: Die Opfer von anti-christlicher Gewalt sind meist Christen muslimischer Herkunft, wenn auch nicht ausschließlich. Die Gewalt geht von der Familie, der Gesellschaft oder vereinzelt auch von den Behörden aus. Es wurden zwei Angriffe auf christliches Eigentum registriert; der eine Vorfall betraf ein Mönchskloster, der andere Gräber in einem Nonnenkloster. Im Dezember 2015 wurden Kreuze auf Gräbern im Nonnenkloster der Silesianer in Beit Jimal beschädigt. Die Täter und ihre Motive sind nicht bekannt. Im Juni 2016 griff ein muslimischer Mob das griechisch-orthodoxe Männerkloster am Jakobsbrunnen in Nablus an. Sie bedrohten den Leiter des Klosters, indem sie eine Klinge an seinen Hals hielten. Berichten zufolge warfen palästinensische Aufrührer am 25. Dezember 2015 Steine auf das Auto des lateinischen Patriarchen Fouad Twal. Christen muslimischer Herkunft können auch Todesdrohungen von ihren Familien erhalten, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird. Im Berichtszeitraum wurde ein solcher Vorfall bekannt. Es wurde zudem ein Fall gemeldet, in dem ein Christ muslimischer Herkunft gezwungen wurde, sein Haus zu verlassen, und ein anderer musste wegen seines Glaubenswechsels ins Ausland fliehen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Die „Economist Intelligence Unit“ (EIU) erwartet, dass die Unruhen zwischen Israel und den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland in den nächsten Jahren andauern werden. Eine Staatenbildung und Reformen werden unter anderem durch die Uneinigkeiten zwischen Hamas und Fatah verhindert. Es ist zu erwarten, dass der Friedensprozess weiterhin stagniert, und die Wahrscheinlichkeit erneuter Ausbrüche von Gewalt ist hoch. Das Forschungsunternehmen „BMI group“ weist in seiner Gefährdungsbeurteilung darauf hin, dass die Welle der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern zwar in den letzten Monaten abgeebbt ist, dass es jedoch jeder Zeit neue Ausbrüche von Gewalt geben könnte. Diese könnten „zu einem Konflikt zwischen Israel und der Hamas oder einem großen bewaffneten Aufstand (ähnlich der ersten und zweiten Intifada, führen könnten“. Dies wird die Lebensqualität aller Palästinenser und damit auch der Christen negativ beeinflussen und weitere Auswanderungen zur Folge haben.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Palästinensergebiete:

  • Bitte beten Sie für die Christen im Westjordanland und in Gaza, die unter den Einschränkungen durch die muslimische Mehrheit oder die israelische Kontrolle leiden. Bitten Sie Gott, dass er sie zu Friedensstiftern macht und sie befähigt, die Liebe Jesu unabhängig von den Umständen weiterzugeben.
  • Danken Sie Jesus, dass er trotz der täglichen Herausforderungen in den Herzen der Menschen wirkt, seien es Kinder oder Erwachsene, egal mit welchem Hintergrund.
  • Bitte beten Sie für sichtbare Einheit unter den Christen, damit die christliche Gemeinde zum Zeugnis für die Menschen in ihrer Umgebung wird.

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