Spenden Sie jetzt 
 
Somalia Länderprofil

Somalia

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen


Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

91 Punkte / Platz 2 (WVI 2016: 87 / Platz 7)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkräfte der Christenverfolgung in Somalia sind „Islamische Unterdrückung“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“. „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ sind ebenfalls im Land präsent.

Aktuelle Einflüsse

Somalia wird seit 1993 auf dem Weltverfolgungsindex geführt. Der Islam war in Somalia bereits vor der Verbreitung des christlichen Glaubens fest etabliert. Somalias Stammessystem – die informelle Regierungsform des Landes – widersteht modernen staatlichen Regierungsmodellen und ist zudem dauerhafter als jede formelle staatliche Struktur. Seit dem Sturz von Siad Barre 1991 wurde Somalia zu einem sicheren Hafen für gewaltbereite islamische Gruppierungen. Christen muslimischer Herkunft leiden unter massiven Problemen und werden häufig ermordet. Der bloße Verdacht einer Abkehr vom Islam hat meist eine rasche öffentliche Hinrichtung zur Folge. Angriffe, die Al Shabaab gegen Christen in Kenia durchführte, gingen von somalischem Staatsboden aus.

Betroffene Kategorien von Christen

Faktisch existiert in Somalia nur eine Kategorie von Christen, nämlich Christen muslimischer Herkunft. Um zu überleben, müssen sie ihren Glauben streng geheim halten. Sie sind von allen Triebkräften der Verfolgung betroffen. Die Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten sind auf Seelsorge unter Soldaten und Arbeitern in einer Kaserne in Mogadischu beschränkt und wurden daher nicht in die Analyse des Weltverfolgungsindex einbezogen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Christen erleben in Somalia extremen Druck in allen Lebensbereichen.
  • Am stärksten ist dieser Druck in den Lebensbereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „kirchliches Leben“, die alle den Maximalwert aufweisen.
  • Während Islamische Unterdrückung alle Lebensbereiche betrifft, wirkt sich die Triebkraft Ethnisch begründete Anfeindungen mit einer geringeren Punktzahl vor allem auf die Bereiche „gesellschaftliches Leben“ und „Familienleben“ aus.
  • Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ kam es zu einem Anstieg von mehr als sechs Punkten, womit der Bereich eine sehr hohe Punktzahl aufweist. Dieser Anstieg resultiert aus der Triebkraft Organisiertes Verbrechen und Korruption sowie dem allgemeinen Fehlen von Recht und Ordnung.
  • Insgesamt zeigt die Verfolgungssituation in Somalia ein starkes Bestreben in der Gesellschaft, die Christen im Land auszulöschen, was an ethnische Säuberung grenzt.

Ausblick

Für das Jahr 2017 sind Wahlen anberaumt. Doch unabhängig vom Wahlergebnis werden die Triebkräfte Islamische Unterdrückung, Ethnisch begründete Anfeindungen sowie Organisiertes Verbrechen und Korruption weiter im Land Einfluss ausüben. Außerdem sind in der nahen Zukunft folgende Entwicklungen zu erwarten:

  • Christen muslimischer Herkunft werden die Zielscheibe von Al Shabaab bleiben.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass zerstörte Kirchen wiedereröffnet werden.
  • Sollten die Truppen der Afrikanischen Union abziehen, würde Al Shabaab wieder erstarken, was zu einer zusätzlichen Gefahr für Christen in- und außerhalb des Landes führen dürfte.
  • Sollten die Wahlen 2017 massive Probleme aufwerfen, würde das die Situation des Landes noch weiter verschlimmern.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 91 Punkten belegt Somalia Platz 2 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Verstrickt in einen langjährigen Bürgerkrieg, gesellschaftliche Zersplitterung, Stammeskonflikte und Extremismus, befindet sich das Land einmal mehr unter den ersten zehn Ländern des WVI, ja sogar nur einen Punkt von Platz 1 entfernt. Die hohe Punktzahl für Somalia ergibt sich aus einem Anstieg von gewaltsamen Übergriffen, für den es zwei Ursachen gibt: Erstens werden in den ländlichen Gebieten Christen schnell Opfer von Übergriffen vonseiten der Dschihadisten und Stammesobrigkeiten, die dafür ungestraft bleiben. Zweitens werden Christen, vor allem jene mit muslimischem Hintergrund, im ganzen Land von Familie, Gemeinschaft und Behörden ins Visier genommen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Haupttriebkräfte der massiven Christenverfolgung in Somalia sind „Islamische Unterdrückung“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“. Auch „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ sind präsent und stark mit den Aktivitäten von Al Shabaab verknüpft.

Islamische Unterdrückung: Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Somalia sind Muslime und die Gesellschaft erwartet, dass jeder Somalier Muslim ist. Zudem bekräftigen islamische Geistliche in Moscheen und Koranschulen sowie Leiter der Al Shabaab öffentlich, dass in Somalia kein Platz für den christlichen Glauben, Christen oder Kirchen sei. Der Islam ist laut Verfassung Staatsreligion. Die Regierung verbietet Christen, Weihnachten zu feiern. Wer dies dennoch tun möchte, muss dabei sehr diskret vorgehen. Hinzu kommt als gewalttätiger, nicht-staatlicher Akteur die militant-islamistische Gruppe Al Shabaab, die einen wahhabitischen Islam propagiert und für die Anwendung der Scharia in allen Lebensbereichen in Somalia steht. Das beinhaltet auch die gezielte Hinrichtung von Somaliern, die verdächtigt werden, zum Christentum übergetreten zu sein. Es gibt auch ausländische Kämpfer im Land. Die Islamische Unterdrückung ist jedoch nicht allein auf die Milizen beschränkt. Christen muslimischer Herkunft erleiden starke Verfolgung ebenfalls durch ihre engere und erweiterte Familie sowie durch die gesamte Gesellschaft.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die somalische Gesellschaft wird von Stammesdenken und Clan-Strukturen beherrscht. Diese Prägung bestimmt auch die Art, in der das Land regiert wird. Al Shabaab basiert ebenfalls auf Stammesstrukturen und nutzt diese, um Informationen zu sammeln, Mitglieder zu rekrutieren und ihre Ideologien zu verbreiten. Diese Strukturen dienen der Miliz auch dazu, Scheiche und Imame zu zwingen, den Dschihad zu lehren; tun sie dies nicht, droht ihnen Vertreibung oder Tod. Da für die meisten Somalier und Stammesführer jeder Somalier Muslim sein muss, wird der Übertritt zum Christentum als Verrat an Familie und Stamm gesehen. Besteht der Verdacht eines solchen Übertritts, sind die Betroffenen Schikanen und Einschüchterungen von Familienmitgliedern und Stammesführern ausgesetzt oder werden sogar ermordet.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: In Somalia herrscht im Grunde Gesetzlosigkeit. Die Zentralregierung kontrolliert nur einige Städte, während sich die ländlichen Gebiete unter der Kontrolle von Al Shabaab befinden. Kämpfer nehmen Zoll und Steuern ein und finanzieren ihre Operationen durch illegalen Handel. Diese Situation bringt Christen in eine äußerst schwierige Lage, da sie keinerlei Schutz erfahren. 2015 wurde Somalia auf dem Korruptionsindex von Transparency International auf Platz 167 (von 168 erfassten Ländern) als das weltweit zweitkorrupteste Land aufgeführt.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

3. Aktuelle Einflüsse

Der extremistische Islam ist kein neues Phänomen in Somalia. 1899 richtete Mohammed Abdullah Hassan den Derwisch-Staat (ein islamischer Staat sunnitischer Prägung) auf. Er entschied, ein Kalifat aufzubauen, nachdem er somalischen Waisen begegnet war, die Katholiken geworden waren, was Hassan als Verrat an der somalischen Kultur und dem Glauben ansah.

Der Islam war in Somalia bereits vor der Verbreitung des christlichen Glaubens fest etabliert. Die kolonialen Eingriffe Italiens und Großbritanniens hatten schweren Widerstand gegen den christlichen Glauben zur Folge. Außerdem beruht die Gesellschaftsstruktur auf Clanzugehörigkeit. Somalias Stammessystem – die informelle Regierungsform des Landes – widersteht modernen staatlichen Regierungsmodellen und ist zudem dauerhafter als jede formelle staatliche Struktur. In ihren Anstrengungen, die allgemeine Sicherheit und Staatsführung in größtmöglicher Harmonie mit den Clans zu gestalten, hat die offizielle Regierung die Themen bürgerliche Freiheiten und Rechtsstaatlichkeit ignoriert. Laut Freedom House beispielsweise sind Versammlungs- sowie Religions- und Glaubensfreiheit in Somalia stark eingeschränkt. Die Verbreitung christenfeindlicher Einstellungen innerhalb des Stammessystems wird von der Regierung toleriert. Diese Einstellungen spiegeln sich auch deutlich in der Verfassung von Somalia wider.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Aufkommen einer neuen gewaltsamen Form des extremistischen Islam. Seit dem Sturz von Siad Barre 1991 wurde Somalia zu einem sicheren Hafen für muslimische Dschihadisten, was zu erhöhter Gewalt und Intoleranz gegen Christen nicht nur innerhalb des Landes, sondern in der ganzen Region führte. Christen in Somalia bekommen keine Gerichtsverhandlung, noch nicht einmal die Chance, „nur“ in ein Arbeitslager zu kommen. Der bloße Verdacht einer Abkehr vom Islam führt zu ihrer raschen öffentlichen Hinrichtung. Auch die Angriffe, die Al Shabaab gegen Christen in Kenia durchführte, gingen von somalischem Staatsboden aus. Das Leben für Christen muslimischer Herkunft in Somalia ist wesentlich härter als in anderen Ländern, die für Christenverfolgung bekannt sind. Eine weitere militante Gruppe, die versucht, in Somalia Wurzeln zu schlagen, ist der sogenannte „Islamische Staat“ (IS). Der IS hofiert Al Shabaab, um diese dazu zu bewegen, sich von Al Kaida loszusagen und sich dem sogenannten Kalifat anzuschließen. Im April 2016 bekannte sich der IS zu Anschlägen auf Truppen der Afrikanischen Union.

Ein weiterer Faktor für Verfolgung ist, dass sich das jetzige Regime zu etablieren beginnt. Die somalische Regierung wurde im August 2012, nach Ende des Mandats der Übergangsregierung, eingesetzt. Gestärkt durch militärische Gewinne der Truppen der Afrikanischen Union gegen Al Shabaab begann die Regierung, sich zu festigen. Für die Freiheit von Christen gab es jedoch keine Verbesserung. Die provisorische Verfassung schränkt die Religionsfreiheit ein und zeigt einmal mehr, wie rückschrittlich die Situation in Somalia ist. Beispielsweise war unter der vorherigen Übergangscharta Apostasie (Abfall vom islamischen Glauben) keine Straftat, wohingegen die jetzige Übergangsverfassung Apostasie explizit verbietet. Außerdem hat die Regierung, um die Stämme zu besänftigen und deren Unterstützung zu gewinnen, immer wieder unmissverständliche Richtlinien herausgegeben, wie beispielsweise im Dezember 2015 das Verbot, Weihnachten zu feiern, denn ein christliches Fest habe „nichts mit dem Islam zu tun“.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

4. Betroffene Kategorien von Christen

Zurzeit gibt es zwei Kategorien von Christen in Somalia, wovon aber nur eine, wie im Folgenden erklärt, bei der Analyse der Verfolgung berücksichtigt wird.

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Der Druck und die Gewalt im Land haben zu einem beinahe vollständigen Rückzug ausländischer Christen geführt. Es gibt eine christliche Gemeinschaft von Offizieren der Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AMISOM). Dort wird den Soldaten und ausländischen Gastarbeitern auch ein Gottesdienst angeboten, jedoch werden diese Christen nicht in die Analyse der Verfolgungssituation miteinbezogen, da sie sich entweder nur kurzzeitig im Land aufhalten oder sich in diplomatischen bzw. militärischen Missionen befinden, was die Anwendung des allgemein verwendeten Fragebogens undurchführbar macht.

Christen muslimischer Herkunft: Christen muslimischer Herkunft sind in Somalia der schlimmsten Verfolgung ausgesetzt. Für Angehörige der Al Shabaab gelten sie als besonders hochwertiges Ziel. In der jüngsten Geschichte des Landes wurden Christen muslimischer Herkunft – oder solche, die des Übertritts auch nur bezichtigt wurden – oft umgehend ermordet, wenn sie entdeckt wurden. Im Berichtszeitraum des WVI 2017 hat sich die Lage sogar verschlechtert. Islamistische Kämpfer haben ihre Jagd auf Christen und dabei besonders auf christliche Leiter intensiviert. Mindestens 12 Christen wurden wegen des Verdachts auf Glaubenswechsel getötet. Entsprechend müssen Christen alles in ihrer Macht stehende tun, um ihren Glauben absolut geheim zu halten. Sie treffen sich in kleinen Gruppen und sind oft isoliert. Im südlichen Zentralsomalia haben die Milizen der Al Shabaab die Kontrolle über einige der wichtigsten Städte an die AMISOM-Truppen verloren. In einem taktischen Rückzug haben sie sich unter die einheimische Bevölkerung gemischt und angepasst. Al Shabaab hat in vielen ländlichen Regionen noch immer die Kontrolle, für Christen muslimischer Herkunft ist es dort besonders gefährlich.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Somalia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Somalia:

  • Christen erleben in Somalia extremen Druck in allen Lebensbereichen. Der Durchschnittswert aller Lebensbereiche weist einen extrem hohen Wert auf (16,154), liegt aber nicht mehr auf dem Maximalwert (16,667), der im Berichtszeitraum des WVI 2016 erreicht wurde.
  • Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „kirchliches Leben“, die alle den Maximalwert (16,667) aufweisen.
  • Während Druck von der Triebkraft Islamische Unterdrückung alle Lebensbereiche betrifft, zeigt sich die Triebkraft Ethnisch begründete Anfeindungen vor allem in den Bereichen „gesellschaftliches Leben“ und „Familienleben“, die mit je 15,385 Punkten einen etwas geringeren Wert aufweisen.
  • Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ kam es zu einem Anstieg von 3,333 (WVI 2016) auf 10,185 Punkte. Die Triebkraft Organisiertes Verbrechen und Korruption sowie das Fehlen von Recht und Ordnung hat in weiten Teilen des Landes zu diesem Anstieg der Gewalt geführt.
  • Insgesamt zeigt die Verfolgungssituation in Somalia ein starkes Bestreben in der Gesellschaft, den christlichen Glauben im Land auszulöschen, was an ethnische Säuberung grenzt.

Privatleben: Christen stehen in Somalia großen Schwierigkeiten gegenüber, wenn sie ihrem Glauben gemäß leben wollen. Sie müssen heimlich beten und besitzen keine christlichen Materialien oder Bilder oder tragen diese mit sich herum, da diese im Falle einer Gefangennahme als Beweismaterial gegen sie verwendet werden könnten. Ständig müssen sie den Ort des Gebets wechseln. Ihren Glaubenswechsel müssen sie nicht nur vor der Großfamilie und dem Stamm, sondern auch vor den engsten Familienmitgliedern geheim halten, da diese nicht nur dem christlichen Glauben feindselig gegenüber stehen, sondern auch fürchten müssen, selbst des Glaubenswechsels verdächtigt zu werden. Einem Open Doors-Feldforscher zufolge wagen Christen es kaum, ihren Glauben auch nur in irgendeiner Form zu zeigen: „Es gibt ein weltweites soziales Netzwerk somalischer Christen, doch bereits einen Post dort zu ‚liken‘ bringt in Somalia ernsthafte Gefahr mit sich.“

Familienleben: Christliche Hochzeiten oder christliche Feiertage in der Familie zu begehen, ist praktisch unmöglich. Somalische Kinder sind verpflichtet, am Unterricht in Koranschulen (Medressen) teilzunehmen und christliche Eltern halten es oft für zu gefährlich, den eigenen Kindern den christlichen Glauben zu vermitteln. Christliche Konvertiten oder jene, die des Glaubenswechsels verdächtigt werden, erfahren ein hohes Maß an Diskriminierung, was das Sorgerecht für ihre Kinder, das Erbrecht oder Scheidungsfälle betrifft. Um dem zu entkommen, halten christliche Familien ihren Glauben meist so geheim wie möglich.

Gesellschaftliches Leben: Christen muslimischer Herkunft werden von den Mitgliedern ihrer Gemeinschaft auf verschiedene Weise unter Druck gesetzt. Ein Open Doors-Feldforscher erklärt: „Mutmaßliche Konvertiten erhalten einschüchternde Textnachrichten (SMS), Anrufe von ‚besorgten‘ Mitgliedern der Gemeinschaft oder sogar von Mitgliedern von Al Shabaab, die ihnen sagen, sie hätten Gerüchte über ihren Glaubenswechsel gehört oder ‚widersprüchliches‘ (nicht dem Koran entsprechendes) Verhalten beobachtet. Sollten sie sich nicht ändern, drohe ihnen der Tod.“ Um solche und ähnliche Situationen zu überleben und nicht den Zugang zu sozialer Grundversorgung und Bildung zu verlieren, müssen somalische Christen ihren Glauben verstecken. Christinnen müssen sich zudem wie muslimische Frauen kleiden, um ihren Glauben zu verbergen.

Leben im Staat: Die somalische Verfassung macht unmissverständlich klar, dass der Islam die Staatsreligion und die Scharia die Grundlage für alle Gesetze ist. Es gibt keinerlei Regelungen, dass Nicht-Muslime von der Anwendung der Scharia ausgenommen wären. Beamte auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene setzten Gesetze durch, welche die Freiheit von Christen massiv einschränken, was den Christen keine andere Wahl lässt, als sich zu verstecken.

Kirchliches Leben: Es gibt keine erkennbaren Kirchengebäude im Land. Viele Kirchen wurden in den letzten Jahrzehnten zerstört. Versuche, die katholische Kathedrale in Mogadischu wiederzueröffnen, schlugen fehl. Kurz gesagt, das kirchliche Leben ist sehr stark eingeschränkt und muss im Untergrund stattfinden. Im gesamten Land können sich Christen nur in kleinen Gruppen und heimlich treffen. Die Hauskirchen wechseln ständig ihren Standort, um der Überwachung durch Al Shabaab und den Stammesführern zu entgehen.

Auftreten von Gewalt: Somalische Christen erleben wegen ihres Glaubens gezielte Gewalt vonseiten ihrer Familie, des Stammes, der Behörden oder der Milizen. Al Shabaab hat bereits öffentlich erklärt, dass ein „christenfreies“ Somalia das Ziel ist. Im Berichtszeitraum des WVI 2017 wurden mindestens 12 Christen muslimischer Herkunft getötet. Ein Open Doors-Feldforscher wies darauf hin, wie schwierig es ist, Todesfälle von Christen zu dokumentieren, denn wenn Christen wegen ihres Glaubens ermordet werden, versuchen Familienangehörige dies zu verheimlichen: „Jedes Mal, wenn Christen angegriffen und umgebracht werden, besonders bei Terroranschlägen, wird abgestritten, dass die Betroffenen wegen ihres Glaubens ermordet wurden, damit die Überlebenden, die mit ihnen in Verbindung standen, nicht auch zur Zielscheibe von Gewalt werden“, so der Feldforscher. Im Berichtszeitraum wurden Geschäfte und Betriebe mutmaßlicher Konvertiten zerstört, mehr als 70 Christen muslimischer Herkunft mussten das Land verlassen und mehr als 50 innerhalb des Landes fliehen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Somalia ist seit 1993 auf dem Weltverfolgungsindex gelistet und wird ohne Zweifel weiterhin hoch eingestuft werden. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat einmal mehr entschieden, das Mandat der Truppen der Afrikanischen Union (AU) zu verlängern. Die USA fliegen weiterhin Luftangriffe gegen Al Shabaab und deren Anführer, was deren Leiter dezimiert. Der IS wirbt weiterhin um Al Shabaab, bisher jedoch ohne großen Erfolg.

Durch die Hilfe der Truppen der AU, welche wiederum vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Rückendeckung erhalten, hat die Regierung Somalias ein weiteres Jahr überlebt. Von ihr wird die Organisation von Wahlen für das Jahr 2017 erwartet. Doch unabhängig vom Wahlergebnis werden die Triebkräfte Islamische Unterdrückung, Ethnisch begründete Anfeindungen sowie Organisiertes Verbrechen und Korruption weiter Einfluss auf das Land nehmen. Außerdem sind in der nahen Zukunft folgende Entwicklungen zu erwarten:

  • Christen muslimischer Herkunft werden die Zielscheibe von Al Shabaab bleiben.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass zerstörte Kirchen wiederöffnet werden.
  • Sollten die Truppen der Afrikanischen Union abziehen, würde Al Shabaab wieder erstarken, was zu einer zusätzlichen Gefahr für Christen im Inland und außerhalb des Landes führen dürfte.
  • Sollten die Wahlen 2017 massive Probleme aufwerfen, würde das die Situation des Landes noch weiter verschlimmern.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Somalia:

  • Die hauptsächlichen Triebkräfte der Verfolgung in Somalia sind die Islamische Unterdrückung und Ethnisch begründete Anfeindungen, es gibt aber auch Organisierte Kriminalität und Korruption im Land. Bitte beten Sie, dass der Herr Sein Königreich inmitten der schwierigen Umstände baut.
  • Somalische Christen können nicht offen an Treffen teilnehmen und dürfen noch nicht einmal beim Bibellesen ertappt werden. Selbst sich über Jesus Christus im Internet zu informieren, ist gefährlich. Bitte beten Sie darum, dass er seine Kinder unter den Somaliern schützt, die Wege finden müssen, im Verborgenen im Glauben zu wachsen.
  • Danken Sie dem Herrn für sein Versprechen, die Kirche zu bauen und beten Sie, dass er weiterhin viele Muslime zu sich zieht. Viele sind auf der Suche. Beten Sie, dass er sich ihnen zu erkennen gibt.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis