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Sudan Länderprofil

Sudan

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 84 Punkte / Platz 8
(WVI 2015: 80 Punkte /Platz 6)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ und „Diktatorische Paranoia“ (einhergehend mit Islamischem Extremismus) sind die Haupttriebkräfte von Verfolgung im Sudan.

Aktuelle Einflüsse: Die systematische Verfolgung von Christen im Sudan erinnert an eine Politik der ethnischen Säuberung. Der Islam ist historisch tief in der Gesellschaft des Sudan verwurzelt. Er ist eines der wenigen afrikanischen Länder, die seit der Einführung des Weltverfolgungsindex für interne Forschungszwecke im Jahr 1993 konstant auf dem Index vertreten sind. Meist lag der Sudan innerhalb der ersten zwanzig Länder. Der Sudan wird vom US-Außenministerium seit 1999 als „besonders Besorgnis erregendes Land“ in Bezug auf die Lage der Religionsfreiheit geführt. Zudem gibt es seit Jahrzehnten keine Rechtsstaatlichkeit im Land; Presse- und Mediengesetze wurden verschärft und Meinungs- und Religionsfreiheit stark beschnitten. Die ethnisch-kulturelle Landschaft ist sehr vielschichtig und kompliziert: Araber gegen Afrikaner, Muslime gegen Christen. Die Abspaltung des Südsudan hat diese Probleme nicht gelöst. Dies betrifft besonders die schwarzen Afrikaner, von denen eine beachtliche Zahl Christen sind und noch immer in dem Land leben. Die Regierung verfolgt streng die Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur.

Betroffene Kategorien von Christen: Im Sudan sind alle Christen der Verfolgung ausgesetzt: ausländische Christen, Christen aus traditionellen Kirchen und protestantischen Freikirchen und Christen muslimischen Hintergrunds.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Der Druck auf Christen hat sich im Vergleich zu letztem Jahr stark erhöht. Die Wertung im Bereich Gewalt ist geringer; es ist jedoch nicht leicht, Daten zu Tötungen, Kirchenangriffen und anderen Formen von Gewalt gegen Christen zu sammeln, besonders in der Region Nuba. Die Daten lassen auf eine verschlechterte Verfolgungssituation schließen, die zudem sehr von Gewalt geprägt ist. Die Verfolgung ist im Bereich des kirchlichen Lebens am stärksten, gefolgt vom Privatleben; die Wertungen für andere Lebensbereiche fallen niedriger aus. Christen muslimischen Hintergrunds sind in allen Aspekten am stärksten von Verfolgung betroffen. Die „Bestrafung“ ehemaliger Muslime, die Zerstörung von Kirchengebäuden und die Inhaftierung christlicher Pastoren und Priester sind nur einige Aspekte der Christenverfolgung.

Ausblick: Die Regierung des Sudan wird auch weiterhin Christen festnehmen, schikanieren und vertreiben. Es bleibt schwierig, Kirchengebäude zu errichten oder die Genehmigung für eine Versammlung zu erhalten. Die Regierung wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch weiterhin wahllos Nuba-Christen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 84 Punkten belegt der Sudan Platz 8 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. 2015 war der Sudan mit 80 Punkten auf Platz 6. Der Anstieg der Punktzahl kann hauptsächlich durch zwei Faktoren erklärt werden: Die Anzahl der Salafisten ist gestiegen und die islamistische Regierung von Präsident al-Bashir hat die Verfolgung von Christen, besonders in der Region Nuba, ausgeweitet. Die Gerichtsverhandlung gegen zwei Pastoren hat den Sudan im Berichtszeitraum wieder in die Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit gerückt. Umgeben von Ägypten, Libyen, dem Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, Äthiopien, Eritrea und dem Roten Meer ist das Land aufgrund von Kriegen und Konflikten niemals zur Ruhe gekommen.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Haupttriebkräfte von Christenverfolgung im Sudan sind „Islamischer Extremismus“ und „Diktatorische Paranoia“ (im Zusammenhang mit Islamischem Extremismus).

Islamischer Extremismus: Der extremistische Islam ist nicht neu im Sudan. Historisch ist er in der sudanesischen Gesellschaft tief verwurzelt. Ein Beispiel dafür ist die Mahdi-Bewegung des 19. Jahrhunderts. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch, der Großteil sunnitisch. Die Scharia ist Grundlage des geltenden Rechtssystems. Die Elite des Sudan will offensichtlich ein islamisches Regime im Land etablieren. Apostasie (der Abfall vom Islam) wurde zum Verbrechen erklärt und mit der Todesstrafe belegt, jedoch wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Einige Quellen berichten: „Es hat einen üblen Beigeschmack, wenn harte Strafmaßnahmen überwiegend an nicht-arabischen Sudanesen und an Personen aus armen Verhältnissen durchgeführt werden.“ Die Anzahl und der Einfluss von Salafisten nehmen weiterhin zu. Die Blasphemie-Gesetze werden landesweit genutzt, um Christen auch strafrechtlich zu verfolgen.

Diktatorische Paranoia: Die Regierung des Sudan gehört zu einem der diktatorischsten Regime Afrikas. Einerseits hat sie einen starken Einfluss auf das private und öffentliche Leben, andererseits ist sie existenziell bedroht. Die Darfur-Krise dauert weiter an, ebenso der Konflikt mit der aufständischen Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung des Nordens (SPLM-N). Die Regierung kann sich die Subventionierung einzelner Dienste und Güter nicht länger leisten und es herrscht politischer Unmut über die Regierung von al-Bashir. Sobald jedoch größere sozio-ökonomische und politische Probleme auftreten, gelingt es al-Bashir durch Brandreden gegen den Westen bisher, die Unterstützung der Bevölkerung zurückzugewinnen. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf die Christen im Land, da diese generell als „Spione des Westens“ angesehen werden. Es scheint eine Symbiose zwischen Diktatorischer Paranoia und Islamischem Extremismus zu geben. Die führenden Köpfe des Regimes gelten durchweg als extremistische Muslime, die in der regierenden National Congress Party (NCP) ein Mittel sehen, ihre islamische Agenda voranzubringen. Daraus lässt sich schließen, dass die Regierung bei der Verfolgung von Christen nicht vornehmlich von totalitären Tendenzen, sondern primär von extremistisch-islamischen Sympathien angetrieben wird.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die systematische Verfolgung von Christen im Sudan erinnert an eine Politik der ethnischen Säuberung. Der Islam ist historisch tief in der Gesellschaft des Sudan verwurzelt und obwohl das Christentum dort schon Hunderte Jahre vor dem Islam Einzug gehalten hatte, ist es der sudanesischen Kultur fremd. Der Sudan ist eines der wenigen afrikanischen Länder, die seit der Einführung des Weltverfolgungsindex für interne Forschungszwecke im Jahr 1993 konstant auf dem Index vertreten sind. Meistens lag der Sudan zwischen den ersten 10 und den ersten 20 Ländern, was mit Bewertungen durch andere Regierungs- und Nichtregierungs-Organisationen im Bereich der Menschenrechte, insbesondere der Religionsfreiheit, übereinstimmt. So wird der Sudan z. B. vom US-Außenministerium seit 1999 als „besonders Besorgnis erregendes Land“ geführt. Zudem gibt es seit Jahrzehnten keine Rechtsstaatlichkeit im Sudan; Presse- und Mediengesetze wurden verschärft und Meinungs- und Religionsfreiheit stark beschnitten. Und doch bewies Präsident al-Bashir bei den Wahlen im April 2015 mit seiner Partei seine Macht, indem er angeblich über 90 Prozent der Wähler bei einem erdrutschartigen Sieg für sich gewinnen konnte. Und das, obwohl Teile der Bevölkerung mit der schwachen Wirtschaftslage unzufrieden sind, die darauf zurückzuführen ist, dass der Südsudan das Ölgeschäft nunmehr weitgehend beherrscht. Der wachsende Krieg zwischen dem Sudan, der SPLM-N und dem Südsudan eröffnet eine weitere Dimension von Problemen, mit denen die Minderheiten des Landes konfrontiert sind.

Die ethnisch-kulturelle Landschaft ist sehr vielschichtig und kompliziert: Araber gegen Afrikaner, Muslime gegen Christen. Die Abspaltung des Südsudan hat diese Probleme nicht gelöst. Dies betrifft besonders die schwarzen Afrikaner, von denen eine beachtliche Zahl Christen sind und noch immer im Land leben. Die Regierung verfolgt streng die Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur. Diese Politik wird bereits seit Jahren praktiziert und von Präsident al-Bashir 2010 wiederbelebt, als er sagte: „Die Scharia (islamische Gesetzgebung) und der Islam sind die Hauptquelle der Verfassung, der Islam wird Staatsreligion und Arabisch die offizielle Sprache des Sudans werden.“ Al-Bashir unterdrückt die im Sudan verbliebenen Christen weiterhin außerordentlich hart, besonders in den Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blauer Nil. Hier scheint die Regierung die Strategie aus den 1980er- und 90er-Jahren zu wiederholen: Damals entschied die Regierung, „die in den Nuba-Bergen lebenden Völker zu dezimieren, indem sie ihnen den Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und Wohnraum verwehrte.“ Die Situation verschlimmert sich noch durch den Konflikt mit der SPLM-N und den Bürgerkrieg im Südsudan, die sich in der Grenzregion beider Länder zu einem großen Konflikt zusammengebraut haben. Man könnte sagen, dass die Behandlung der Christen einer ethnischen Säuberung entspricht. Der Sudan hat vergeblich alles versucht, die Abspaltung des Südsudan zu verhindern. Und so macht sich al-Bashir nun den Konflikt zwischen den beiden größten Stämmen des Südsudan, den Nuer und den Dinka, zunutze und versorgt beide Seiten mit Waffen in der Hoffnung, dass sich das Land so selbst schwächen wird. Genauso bedeutend ist al-Bashirs Taktik, die Angriffe gegen Christen als Ablenkung eines auf ihn ausgestellten Haftbefehls vom Internationalen Strafgerichtshof zu benutzen. Der Sudan wurde vom US-Außenministerium in seinem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit zum 15. Mal in Folge als „besonders Besorgnis erregendes Land“ (CPC) aufgeführt, weil es schwere Verletzungen der Religionsfreiheit, wie sie im amerikanischen Gesetz zum Schutz der Religionsfreiheit (IRFA) beschrieben werden, toleriert hat oder sogar selbst daran beteiligt war. Zusammengefasst macht die zerstörerische Verbindung zwischen Islamischem Extremismus und Diktatorischer Paranoia den Christen das Leben unerträglich.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Im Sudan leben vier Kategorien von Christen. Das islamistische Regime von Präsident al-Bashir hat unmissverständlich erklärt, dass der Sudan ein muslimisches Land ist und eine auf der Scharia basierende Gesetzgebung benötigt. Dies wurde von der Regierung bei unterschiedlichen Veranstaltungen überall im Land immer wieder betont, um ihre Unabhängigkeit vom Westen zu zeigen. Unterstrichen wird diese Haltung durch heftigste Verfolgung von Christen aller Kategorien, aber besonders von Christen muslimischen Hintergrunds. Alle Kategorien von Christen werden verfolgt, wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität.

Ausländische Christen: Anfang 2013 wurden viele ausländische Christen angewiesen, den Sudan zu verlassen. Die wenigen, die im Land blieben, stehen unter immensem Druck. Sie sind der Verfolgung schutzlos ausgesetzt, ihre Kirchen werden zerstört und Registrierungen verweigert.

Christen aus traditionellen Kirchen: Christen aus der Koptisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche erleben Verfolgung aufgrund des Islamischen Extremismus und auch Diktatorischer Paranoia.

Konvertiten: Diese Gruppe von Christen besteht vor allem aus ehemaligen Muslimen und erlebt die stärkste Verfolgung, da sie nicht nur in den Bereichen des kirchlichen Lebens und des Lebens im Staat verfolgt wird, sondern auch in den Bereichen Gesellschaft, Familie und Privatleben.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Einheimische Christen dieser Kategorie erleben Verfolgung durch den Islamischen Extremismus und das autoritäre Regime.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für den Sudan basiert auf der Summe der Wertungen für Islamischen Extremismus und Diktatorische Paranoia (im Zusammenhang mit Islamischem Extremismus). Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche liegt bei 14,052 Punkten und verdeutlicht, dass der Druck auf Christen gegenüber dem Vorjahr (13,042) beträchtlich zugenommen hat. Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist die Wertung niedriger, von 15,186 Punkten (WVI 2015) gefallen auf 13,519 Punkte. Es ist nicht leicht, Daten zu Tötungen, Kirchenangriffen und anderen Formen von Gewalt gegen Christen zu sammeln, besonders in der Region Nuba. Der gestiegene Druck auf Christen betrifft vier der fünf Lebensbereiche, am höchsten ist er jedoch beim „Leben im Staat“ und im „kirchlichen Leben“. Die Daten lassen auf eine verschlechterte Verfolgungssituation schließen, die zudem sehr von Gewalt geprägt ist. Wie das Verfolgungsmuster zeigt, ist die Verfolgung im „kirchlichen Leben“ am stärksten, gefolgt vom „Privatleben“, die Wertung der anderen Lebensbereiche fällt leicht geringer aus. Christen muslimischen Hintergrunds sind in allen Aspekten am stärksten von Verfolgung betroffen.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Christen sind in ihrem Privatleben beständig Verfolgung ausgesetzt, die besonders heftig für ehemalige Muslime ausfällt. Das Gesetz bestraft die Abkehr vom Islam zu einer anderen Religion mit dem Tod; Christen muslimischen Hintergrunds können daher ihren Glauben in keiner Form ausleben. Christliche Symbole zu zeigen, ist höchst gefährlich und daher faktisch unmöglich. Sowohl die nahe als auch die entfernte Verwandtschaft ist an der Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft beteiligt.

Familienleben: Auch in diesem Bereich haben Christen muslimischen Hintergrunds am stärksten zu leiden. Die Anmeldung oder Feier einer christlichen Hochzeit ist generell nahezu unmöglich, doch ist ein ehemaliger Muslim daran beteiligt, wird es lebensgefährlich. Nach der Auslegung des islamischen Rechts durch die Regierung darf ein muslimischer Mann eine christliche oder jüdische Frau heiraten, eine muslimische Frau darf jedoch keinen nicht-muslimischen Mann heiraten, es sei denn, er konvertiert zum Islam. Für Christen muslimischer Herkunft hören die Probleme auch mit dem Tod nicht auf. Konvertiten werden oft nach islamischem Ritus auf muslimischen Friedhöfen beerdigt, obwohl christliche und muslimische Friedhöfe getrennt sind.

Gesellschaftliches Leben: Die Gesetze zur öffentlichen Ordnung beruhen weitgehend auf der strengen Auslegung des islamischen Rechts vonseiten der Regierung. Sie gelten beispielsweise im Bundesstaat Khartum und verbieten das Tragen „unpassender“ Kleidung sowie „Verletzungen des Ehrgefühls, des Ansehens und der öffentlichen Moral“. Außerdem werden Christen, besonders ehemalige Muslime, durch Behörden und muslimische Leiter überwacht. Christen sind kaum in der Lage, ein normales Leben zu führen.

Leben im Staat: Christen werden als Bürger zweiter Klasse angesehen. Die Gesetze und Richtlinien von der Regierung und der herrschenden National Congress Party (NCP) bevorzugen den Islam. Präsident al-Bashir und andere wichtige Politiker treten für eine islamische Verfassung ein, welche die Scharia (islamisches Recht) stärkt. Andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit durch sogenannte Rückabwicklungsbestimmungen („clawback clauses“) zusätzlich ein. Das Regime wurde durch die gewonnenen Wahlen im Jahr 2015 in seiner Macht bestätigt, als es mehr als 93 Prozent der Stimmen holte.

Kirchliches Leben: Die hohe Punktzahl in diesem Lebensbereich rührt daher, dass die Gesetzgebung zu Religionsthemen durch eine antichristliche Haltung der Regierung bestimmt wird. Das kirchliche Leben ist stark eingeschränkt. Laut Bericht eines einheimischen Experten mischt sich die Regierung zunehmend in die internen Abläufe religiöser Institutionen ein. Aufgrund von Regierungsvorschriften sahen sich Pastoren zur Selbstzensur und Einschränkung ihrer Aktivitäten genötigt. Weiter berichtet der Experte, dass die Regierung Ausländern, die evangelistisch tätig sein wollen, die Einreise erschwert. Außerdem können Sicherheitskräfte jede christliche Versammlung auflösen und Bibeln, Dokumente sowie Computer konfiszieren.

Auftreten von Gewalt: Gewalt gegen Christen tritt meist in zwei Formen auf. Entweder werden einzelne Personen angegriffen oder ganze Gruppen. Die Gruppenvariante sieht so aus, dass christliche Gruppen in unterschiedlichen Teilen des Landes wahllos angegriffen werden. Kirchen, Schulen und Krankenhäuser, insbesondere in Süd-Kordofan und der Provinz Blauer Nil, werden beständig angegriffen, Todesopfer sind die Folge. Seit 2012 wurden über 4.000 Bomben auf zivile Ziele in Nuba abgeworfen. 2015 erfolgte eine Regierungsoffensive namens „Entscheidender Sommer II“, um effektiver gegen die SPLM-N vorzugehen.

Zur Form der Angriffe gegen Individuen: Die Regierung richtet sich auf der Grundlage der Gesetze zu Blasphemie und Abfall vom muslimischen Glauben gezielt gegen Christen. Sie überwacht Christen allein deswegen, weil sie eben Christen sind. Zwei Pastoren, Pastor Michael und Pastor Peter Reith, wurden wegen sieben verschiedener Verbrechen (u.a. Verschwörung und Spionage) verhaftet und angeklagt. Sie wurden später jedoch auf Druck der internationalen Gemeinschaft hin freigesprochen. Die Kleidungsordnung wird sehr gezielt umgesetzt. So verhaftete und verklagte die Moral-Polizei im Juni und Juli 2015 zwölf junge christliche Studentinnen, die ursprünglich aus der Region Nuba stammen, um die Kleidungsordnung der Scharia einzufordern. Die Regierung verwüstet auch Kirchen im Land. So wurden z. B. im Oktober 2015 zwei Kirchen mit fadenscheinigen Begründungen zerstört. Die Behörden zerstörten eine Kirche, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche des Sudan (LCS) gehörte, unter Berufung auf Umbau-Vorschriften, die den Leitern zuvor mit einer Frist von nur 72 Stunden ausgehändigt worden waren.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Die islamistische Regierung unter Präsident al-Bashir ist für ihren schlechten Umgang mit Menschenrechten bekannt und verletzt weiterhin die Rechte der Christen im Sudan. Wie bereits erwähnt, befindet sich das Land schon seit 23 Jahren in den oberen 20 Rängen des Weltverfolgungsindex. Es ist außerdem seit 1999 in der Liste der „besonders Besorgnis erregende Länder“ des US-Außenministeriums verzeichnet. Der Aufschrei der internationalen Gemeinschaft konnte das islamistische Regime zwar dazu bewegen, einige Christen vor Verurteilungen aufgrund ihres christlichen Glaubens zu verschonen, doch lag darin keine veränderte Grundhaltung des Regimes gegenüber Christen. Die Plünderung und Zerstörung von Kirchen, Krankenhäusern und Schulen, besonders in der Bergregion von Nuba, ist trauriger Alltag geworden. Obwohl gegen Präsident al-Bashir zwei internationale Haftbefehle ausgestellt sind, wurde die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft von den Problemen des neu gegründeten Staates Südsudan und dem Ausbruch des Bürgerkrieges zwischen den beiden größten rivalisierenden Stämmen des Landes abgelenkt. Dabei gerät aus dem Blick, dass der Islamische Extremismus, der sich teilweise durch Diktatorische Paranoia ausdrückt, unter der Regierung al-Bashirs mit der Belagerungsmentalität „wir oder sie“ weiter fortschreitet.

Die Zukunft der Christen im Sudan wird durch viele Faktoren bestimmt. Präsident al-Bashir und seine Regierung kontrollieren noch immer den Sudan, trotz der Unzufriedenheit bei Teilen der Bevölkerung. Diese resultiert unter anderem aus der wirtschaftlichen Schwächung des Landes durch den Rückgang der Öleinkünfte infolge der Abspaltung des Südsudan. Die Lage der Kirche im Sudan verschlechtert sich. Unter Christen wächst die Angst. Die Misshandlung von Christen, besonders der aus dem Südsudan stammenden, hält an.

Nach den Entwicklungen in der Vergangenheit und der aktuellen Situation wird wahrscheinlich Folgendes passieren: 1. Die Regierung des Sudan wird weiterhin Christen verhaften, unterdrücken und ausweisen. 2. Der Bau oder die Renovierung von Kirchen und die Genehmigung für Gottesdienste werden weiterhin sehr schwierig sein. 3. Die Regierung wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch weiterhin alle Nuba-Christen angreifen. 4. Der extremistische Islam wird weiter zunehmen und die Christen werden unter den Folgen weiterhin zu leiden haben. 5. Die auch strafrechtliche Verfolgung von Christen muslimischen Hintergrunds wird weiter andauern.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Sudan:

  • dass Gott in den Herzen der Politiker wirkt, damit die islamistischen Einflüsse in der Regierung und der Gebrauch der Blasphemie-Gesetze zurückgedrängt werden
  • um besondere Standhaftigkeit für die Christen muslimischer Herkunft, die mit großen Schwierigkeiten in ihren Familien zu kämpfen haben
  • um eine barmherzige Gesellschaft, die die Christen im Land nicht automatisch mit feindlichen westlichen Werten gleichgesetzt

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