Spenden Sie jetzt 
 
Syrien Länderprofil

Syrien

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 87 Punkte / Platz 5
(WVI 2015: 83 Punkte / Platz 4)

Triebkräfte von Verfolgung: „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft), in geringerem Maß auch „Exklusives Stammesdenken“ (vermischt mit Islamischem Extremismus), „Diktatorische Paranoia“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse: Der syrische Bürgerkrieg begann im Jahr 2011 als ein Volksaufstand, bei dem es um stärkere politische Freiheiten und wirtschaftliche Reformen ging. Die Wurzeln dieses Konflikts liegen jedoch tiefer und sind komplexer. Dazu gehören Kämpfe verschiedener sozialer Klassen, Spannungen zwischen Stadt- und Landbevölkerung und Unterdrückungen der politischen Freiheit. Die syrische Opposition unterliegt einer stetigen „Islamisierung“ und der Bürgerkrieg gerät mehr und mehr zum „Dschihad“ gegen die syrische Regierung. Durch diesen Konflikt leiden alle Teile der syrischen Bevölkerung, allerdings sind einige verwundbarer als andere. Ein wesentliches Merkmal der syrischen Christenheit ist, dass ethnische und religiöse Identität eng miteinander verknüpft sind. Die geografische Konzentration der Christen auf einige strategische Gebiete des Landes, die von Regierungstruppen und der Opposition stark umkämpft sind, tragen maßgeblich zu ihrer erhöhten Verwundbarkeit bei; ihre angebliche Nähe zur Regierung ist ein weiterer Faktor.

Betroffene Kategorien von Christen: Historisch gewachsene christliche Gemeinschaften, Christen muslimischer Herkunft und Mitglieder protestantischer Freikirchen (wie evangelikale und pfingstliche Gemeinden) sind in gleichem Maß Verfolgung ausgesetzt.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Vor dem Hintergrund des Krieges und angesichts der Kontrolle weiter Teile des Landes durch den „Islamischen Staat” (IS) sowie dem wachsenden Einfluss islamischer Extremisten auf die Opposition sind die Christen zu einer sehr verwundbaren Gruppe geworden. Sie erleben aufgrund ihres Glaubens wachsenden Druck in allen Lebensbereichen. Das trifft verstärkt auf alle Christen in den vom IS kontrollierten Gebieten zu, sowie auf Christen muslimischer Herkunft in allen Landesteilen. Open Doors liegen zahlreiche Berichte von Christen vor, die entführt, körperlich angegriffen oder getötet wurden. Durch Kriegshandlungen wurden zahlreiche Kirchengebäude beschädigt oder zerstört, was in einigen Fällen sehr gezielt geschah.

Ausblick: Im Jahr 2015 kam es mit dem Eingreifen Russlands in den Bürgerkrieg zu einer neuen Entwicklung. Als Folge der Attentate von Paris im November bereiten auch Frankreich, Großbritannien und Deutschland ihr Engagement vor. Langfristig wird sich unabhängig davon das erschöpfte syrische Regime nicht an der Macht halten können, so dass mit einer fortgesetzten Flucht der Christen aus dem Land zu rechnen ist.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Syrien verbleibt weiterhin in der ersten Hälfte der zehn Staaten mit der stärksten Christenverfolgung auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Trotz einer erneut gestiegenen Wertung von 87 Punkten gegenüber 83 Punkten (WVI 2015) wird Syrien von Platz 4 auf Platz 5 des WVI 2016 verdrängt, da andere Länder noch höhere Wertungen aufweisen. Die Hauptgründe für den Punktzuwachs sind der gestiegene Einfluss und die Gebietsgewinne islamistischer Gruppierungen, die durch die Ausrufung eines islamischen Kalifats durch den IS ihren vorläufigen Höhepunkt erlebten. Daraus resultierte eine Zunahme religiöser Spannungen im Land (einschließlich in den von der Regierung kontrollierten Gebieten). Zum Vergleich: Vor dem Beginn des Bürgerkrieges rangierte Syrien auf Platz 38 des WVI.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

2. Triebkräfte von Verfolgung

In Syrien lassen sich vier Triebkräfte von Verfolgung beobachten: „Islamischer Extremismus“ (Haupttriebkraft), in geringerem Maß auch „Exklusives Stammesdenken“, „Diktatorische Paranoia“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“. Erst im Verlauf des Bürgerkrieges entwickelte sich Islamischer Extremismus zur Haupttriebkraft und löste Diktatorische Paranoia ab.

Islamischer Extremismus: Die Kämpfer des „Islamischen Staates” (IS) und in geringerem Maß auch die Anhänger von Jabhat al-Nusra sind gegenwärtig die brutalsten Verfolger der Christen in Syrien. Vor dem Bürgerkrieg genossen Christen in Syrien ein vergleichsweise hohes Maß an Freiheiten. Das änderte sich mit dem Auftreten der islamisch-extremistischen Gruppierungen. Ende Juni 2014 rief der IS sein Kalifat in weiten Teilen Syriens und des Irak aus und führte dort eine strikte Form der Scharia ein. Bereits im Februar 2014 waren Christen im syrischen Rakka gezwungen worden, einen „Dhimmi-Vertrag“ (Dhimmi = „Schutzbefohlener“ des Islam mit eingeschränkten Rechten; der Status verpflichtet zur Zahlung einer – oftmals extrem hohen – Kopfsteuer) zu unterzeichnen, eine deutliche Verletzung ihrer Glaubensfreiheit. Inzwischen sind die meisten Christen aus den vom IS kontrollierten Gebieten geflohen. Der gestiegene Einfluss islamisch-extremistischer Gruppierungen hat dazu geführt, dass sich die Gesellschaft besonders in den von ihnen beherrschten Gebieten zunehmend radikalisiert.

Exklusives Stammesdenken: Die in Syrien herrschende Stammeskultur strebt die Aufrechterhaltung traditioneller Werte und Normen an und ist dabei stark vom Islam beeinflusst. Davon sind besonders Christen muslimischer Herkunft betroffen.

Diktatorische Paranoia: Vor dem Bürgerkrieg waren die von Diktatorischer Paranoia motivierten Verfolger durchweg Regierungsbeamte. Der Staat überwachte damals Kirchen beispielsweise, um die Verkündigung auf politische Aussagen zu prüfen. Inzwischen findet diese Beobachtung kaum noch statt, da die Regierung sich ganz dem Kampf gegen die verschiedenen Oppositionsgruppen widmet. Aufgrund der Umstände des Krieges sind jegliche Anstrengungen, die Glaubensfreiheit der Christen zu schützen, zum Erliegen gekommen. Im heutigen Syrien ist diese Triebkraft hauptsächlich bei bewaffneten Gruppierungen zu beobachten, die Teile von Syrien unter ihre Kontrolle gebracht haben und nun entschlossen sind, mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: In Syrien gehören Organisiertes Verbrechen und Korruption zum Alltag des Bürgerkrieges, der keine behördliche Strafverfolgung kennt. Menschen nutzen die Gelegenheit, sich selbst zu bereichern, beispielsweise durch Entführungen und Lösegeldforderungen. Als Geiseln werden Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften genommen. Da Christen in dem Ruf stehen, wohlhabend und regimetreu zu sein, werden sie aus finanziellen, politischen und ideologischen Motiven zum Ziel von Entführungen. Hinzu kommt, dass sie Teil einer besonders verwundbaren religiösen Minderheit sind.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

3. Aktuelle Einflüsse

Der syrische Bürgerkrieg begann im Jahr 2011 als ein Volksaufstand, bei dem es um stärkere politische Freiheiten und wirtschaftliche Reformen ging – ähnlich wie in anderen arabischen Ländern zur selben Zeit. Die Wurzeln dieses Konflikts liegen jedoch tiefer und sind komplexer. Dazu gehören Kämpfe verschiedener sozialer Klassen, Spannungen zwischen Stadt- und Landbevölkerung und Unterdrückungen der politischen Freiheit. Darin liegt ein Teil der Erklärung, warum der Konflikt sich so schnell zu einem extrem gewalttätigen Konflikt religiöser Prägung entwickeln konnte, der mittlerweile fünf Jahre andauert. Der religiöse Aspekt besteht hauptsächlich in der Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten (einschließlich der Alewiten).

Die syrische Opposition unterliegt einer stetigen „Islamisierung“ und der Bürgerkrieg gerät mehr und mehr zum „Dschihad“ gegen die syrische Regierung. Durch diesen Konflikt leiden alle Teile der syrischen Bevölkerung, allerdings sind einige verwundbarer als andere. Ein wesentliches Merkmal der syrischen Christenheit ist, dass ethnische und religiöse Identität eng miteinander verknüpft sind.

Um die Situation der Christen im Zusammenhang des gegenwärtigen Bürgerkrieges zu verstehen, muss man die geografische Konzentration der Christen auf einige strategische Gebiete des Landes berücksichtigen, die zwischen Regierungstruppen und der Opposition stark umkämpft sind. Dazu gehören etwa die Städte Aleppo und Damaskus mitsamt ihrer Umgebung sowie die südlichen Bereiche der Provinz Homs in der Nähe der libanesischen Grenze. Dieser Aspekt trägt maßgeblich zur erhöhten Verwundbarkeit der Christen bei; ihre angebliche Nähe zur Regierung ist ein weiterer Faktor.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

4. Betroffene Kategorien von Christen

Von der Verfolgung im Rahmen des Bürgerkrieges sind alle Kategorien von Christen in Syrien betroffen. Aus Sicht der islamistischen Gruppierungen ist unerheblich, welcher Konfession ein Christ angehört. Doch es gibt einige Faktoren, durch die besondere Gruppen von Christen noch stärker als andere gefährdet sind. Die folgenden drei Kategorien von Christen sind in Syrien von Verfolgung betroffen.

Christen aus traditionellen Kirchen (zumeist syrisch-orthodoxe und römisch-katholische Kirchen): Als größte christliche Gruppe im Land werden Angehörige der historisch gewachsenen christlichen Gemeinschaften gezielt angegriffen. Sie leben im ganzen Land verbreitet und damit auch in den Kampfgebieten. Aus dieser Gruppe stehen aufgrund ihrer öffentlichen Präsenz besonders die Leiter im Fadenkreuz der Islamisten. Geistliche der traditionellen Kirchen sind leicht an ihrer Kleidung erkennbar, was sie zu einem einfachen Angriffsziel machen kann. Angehörige dieser Konfessionen sind auch wegen der markanten Kirchengebäude oft leichter zu identifizieren als Christen anderer Kategorien; hinzukommt, dass viele von ihnen engere wirtschaftliche oder soziale Kontakte zu staatlichen Stellen pflegen. Die Intensität der Verfolgung oder Unterdrückung durch Regimegegner hängt zudem maßgeblich von der politischen Reputation einzelner Denominationen, Gemeinden oder Kirchenleiter ab. Entscheidend dafür ist, wie sich eine Gemeinde oder ein Christ in der Vergangenheit in politischer Hinsicht positioniert hat: wurde Präsident Assad offen unterstützt, war man um Neutralität bemüht, hat man sich distanziert oder gar gegen ihn opponiert?

Christen muslimischer Herkunft: Christliche Konvertiten aus dem Islam werden besonders durch ihre Familien unter Druck gesetzt, für die es eine große Schande bedeutet, wenn ein Familienmitglied den Islam verlässt. Das trifft besonders in mehrheitlich sunnitischen Gebieten zu, wo Christen muslimischer Herkunft die Verbannung durch ihre Familien oder Schlimmeres droht. Als Folge der wachsenden Radikalisierung des Islam ist die Intensität der Verfolgung von Konvertiten durch die eigene Familie und die Gesellschaft in Rebellengebieten spürbar gestiegen. In den Kurdengebieten war der Druck im Rahmen der Familie weniger intensiv, da die kurdischen Sunniten in der Regel weniger fundamentalistisch eingestellt sind. Da die Behörden gegenwärtig andere Prioritäten haben, wird von ihnen anders als in früheren Jahren kaum noch Druck auf Christen muslimischer Herkunft ausgeübt.

Protestantische Freikirchen sind zumeist die evangelikalen und pfingstlichen Gemeinschaften. Diese Gemeinden sind stark gefährdet, da sie für ihre Nähe zum Westen bekannt sind, oft nur über eine lose Organisation und keine starke Leiterschaft verfügen; ihnen fehlt ein prominenter Fürsprecher im Ausland (wie etwa einen Papst oder Bischof), der ihr Anliegen öffentlich vorbringen kann

Die Gesamtzahl der Christen in Syrien liegt derzeit schätzungsweise zwischen 600.000 und 900.000, verglichen mit 1,8 Millionen vor dem Bürgerkrieg. Open Doors schließt sich der Einschätzung der „World Christian Database“ an, die von 772.000 Christen ausgeht. Das bedeutet, dass über eine Million Christen seit Beginn des Bürgerkrieges aus dem Land geflohen sind.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Syrien basiert auf der Summe der Wertungen für Islamischen Extremismus (in Kombination mit Exklusivem Stammesdenken). Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche (14,287) verdeutlicht, dass der Druck auf Christen gegenüber dem Vorjahr beträchtlich zugenommen hat (13,326). Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist das Niveau unverändert hoch (15,556), auch wenn es gegenüber dem WVI 2015 (16,112) leicht gesunken ist. Der Grund hierfür liegt darin, dass es – anders als im Vorjahr – keine Berichte über Haftstrafen für Christen ohne Gerichtsverhandlung gab. Aufgrund des Bürgerkrieges ist das Land derartig weit von jeder Form staatlicher Ordnung entfernt, dass alle Einwohner Syriens unter massivem Druck stehen. Der Krieg ist nur ein Grund für die besondere Verwundbarkeit der Christen; erschwerend kommt hinzu, dass der IS weite Teile des Landes kontrolliert und islamische Extremisten auch innerhalb der Oppositionsgruppen wachsenden Einfluss nehmen. Aufgrund ihres Glaubens erleben die Christen in allen Lebensbereichen immer größere Bedrängnis: im Privat- wie im Familienleben, im gesellschaftlichen Leben, als Gemeinden und auf staatlicher Ebene. Besonders betroffen sind Christen, die in den IS-kontrollierten Gebieten leben sowie Christen muslimischer Herkunft im ganzen Land. Diese erleben geringfügig weniger Verfolgung in den Kurdengebieten. Wie das unten stehende Verfolgungsmuster veranschaulicht, ist die Verfolgung in allen Lebensbereichen etwa gleich intensiv, wobei der Bereich „kirchliches Leben“ den höchsten und der Bereich „Leben im Staat“ den niedrigsten Wert aufweist.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Der gestiegene Druck ist in erster Linie auf die Kontrolle des IS über weite Teile des Landes zurückzuführen. Dies führt für Christen aller Kategorien zu Einschränkungen hinsichtlich der Möglichkeiten, ihren Glauben zu praktizieren. So dürfen sie in einigen von Islamisten kontrollierten Gebieten nicht mehr laut singen. Unter dem Einfluss eines radikalisierten Islam erleben Christen muslimischer Herkunft ein gestiegenes Maß an Druck im Bereich ihrer persönlichen Glaubenspraxis. Das gilt besonders in den islamistisch kontrollierten Gebieten und in geringerem Maß in den kurdisch kontrollierten Gebieten.

Familienleben: Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben intensive Verfolgung in diesem Lebensbereich, sobald ihr neuer Glauben bekannt wird. Dies ist in den Kurdengebieten etwas weniger ausgeprägt. Solche ehemaligen Muslime haben keine Möglichkeit, ihre Religionszugehörigkeit in ihren Ausweispapieren ändern zu lassen, so dass sie sich auch weder taufen noch christlich trauen lassen können. In IS-kontrollierten Gebieten sind solche Themen für alle Kategorien von Christen problematisch.

Gesellschaftliches Leben: In islamisch dominierten Gebieten ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Christen mit größten Schwierigkeiten verbunden. Dort gelten die islamischen Kleidervorschriften auch für Christen. Schutzgeldzahlungen, die Beachtung besonderer Vorschriften für das Handeltreiben, Ernährungsvorschriften und ein striktes Alkoholverbot sind weitere Bedingungen, denen Christen sich fügen müssen.

Leben im Staat: Aufgrund der aktuellen Zersplitterung des Landes haben die herrschende Ungerechtigkeit und der Mangel an Strafverfolgung weiter zugenommen. In von der Regierung kontrollierten Gebieten erleben Christen im öffentlichen Leben generell keine unmittelbare Diskriminierung durch die Behörden. Sie müssen jedoch jederzeit damit rechnen, auf unsichtbare Grenzen zu stoßen. Besonders Christen muslimischer Herkunft werden häufig benachteiligt, sobald ihr neuer Glaube bekannt wird. Die Weitergabe des Evangeliums und die Abkehr vom Islam sind verboten. In islamistisch kontrollierten Gebieten, gelten alle Nicht-Muslime einschließlich der Christen als Bürger zweiter Klasse.

Kirchliches Leben: In islamistisch kontrollierten Gebieten sind die meisten Kirchen entweder zerstört oder zu islamischen Zentren umfunktioniert worden. Öffentliche Ausdrucksformen des christlichen Glaubens sind verboten und weder Kirchengebäude noch Klöster dürfen repariert werden. Letzteres gilt unabhängig davon, ob die Beschädigung dem Gebäude absichtlich oder aus Versehen zugefügt wurde. In von der Regierung kontrollierten Gebieten werden Christen wegen des Krieges weniger als früher überwacht. Eheschließungen von Christen muslimischer Herkunft sind jedoch nicht vorgesehen und deshalb illegal.

Auftreten von Gewalt: Die gezielte Gewalt gegen Christen hielt während des Berichtszeitraums weiter an. Die religiöse Dimension des Konfliktes hat Christen als religiöse und ethnische Minderheit in besonderem Maße verwundbar gemacht. Extremistische Muslime spielen in der gegen Christen gerichteten Gewalt eine herausgehobene Rolle. In einer kürzlich veröffentlichten Zeitschrift wurde erklärt, IS-Kämpfer seien berechtigt, versklavte Nicht-Muslimas zu vergewaltigen. Open Doors liegen zahlreiche Bericht von Christen vor, die entführt, körperlich misshandelt und getötet wurden. Durch Kriegshandlungen wurden zahlreiche Kirchengebäude beschädigt oder zerstört, was in einigen Fällen sehr gezielt geschah. Es ist unmöglich, eine vollständige Auflistung aller gewaltsamen Übergriffe gegen Christen in Syrien zu erstellen. Deshalb sind an dieser Stelle nur einige schwerwiegende Vorfälle aus dem Berichtszeitraum des aktuellen WVI aufgelistet:

Am 23. Februar 2015 griff der IS 35 assyrische Dörfer entlang des Flusses Khabur in der Provinz Hassaka im Nordosten Syriens an. Nach Angaben des Internationalen Assyrischen Nachrichtendienstes (AINA) nahmen sie über 250 Menschen als Geiseln und „vertrieben 3.000 Assyrer aus ihren Dörfern“. Bislang konnte nur eine kleine Zahl von ihnen zurückkehren. Alle Kirchengebäude in diesen Dörfern wurden entweder konfisziert oder zerstört. Drei Geiseln wurden am 23. September hingerichtet. Andere wurden zwischenzeitlich freigelassen, doch über 300 assyrische Christen befanden sich im Dezember 2015 noch in der Gewalt des IS.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Im Jahr 2015 kam es mit dem Eingreifen Russlands in den Bürgerkrieg zu einer neuen Entwicklung. Nach Einschätzung der Economist Intelligence Unit (EIU) der Zeitschrift „The Economist“ wird das Ausmaß des russischen Engagements „kaum ausreichen, um das erschöpfte syrische Regime an der Macht zu halten. Allerdings ist aufgrund des wachsenden Interesses von Drittstaaten an der Eindämmung des IS mit zusätzlicher Unterstützung zu rechnen, besonders nach den Attentaten von Paris.“ Ähnlich wie im Vorjahr äußert die EIU die Erwartung, dass „während der Krieg sich zu einem Konflikt ‚jeder gegen jeden‘ entwickelt, sich die humanitäre Krise weiter verschärfen wird. Deshalb ist mit einer fortgesetzten Flucht der Syrer aus ihrem Land zu rechnen, was das Land noch stärker in die Abhängigkeit von fremder Hilfe drängen wird.“

Die Folgen des Bürgerkrieges und besonders der gezielten Angriffe gegen Christen sind für sie extrem traumatisch und zwingen auch aus ihren Reihen immer mehr zur Flucht aus dem Land. Die Präsenz von Christen als neutralem Element in Gesellschaften mit vielen verschiedenen Facetten des Islam ist von großer Wichtigkeit. Mit dem Rückgang der christlichen Bevölkerungsanteile werden die Instabilität und die Schärfe der Konflikte mutmaßlich weiter zunehmen. Inmitten der Gewalt und Verfolgung gibt es dennoch kleine Hoffnungszeichen. Obwohl viele Christen das Land verlassen haben oder als Flüchtlinge im Land leben und diese Bewegung anhält, gibt es weiterhin viele, die sich bewusst für ein Verbleiben in Syrien entschlossen haben. Sie wollen gerade in dieser unerträglichen Zeit ihrem Land dienen. Außerdem wächst die Anzahl derer, die sich ungeachtet der Schrecken des Bürgerkrieges zum christlichen Glauben hingewendet haben.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Syrien:

  • für die ganze syrische Bevölkerung und ein schnelles Ende des Bürgerkrieges
  • für den Schutz der christlichen Familien und Gemeindeleiter, vor allem wo Ängste vor Entführungen und ähnlichem herrschen
  • für eine freundliche Aufnahme der Flüchtlinge innerhalb Syriens und in den Nachbarländern
  • für eine wachsende Einheit unter den Christen und Gemeinden

Zurück zum Inhaltsverzeichnis