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Länderprofil Tadschikistan

Tadschikistan

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 58 Punkte / Platz 31
(WVI 2015: 50 Punkte / Platz 45)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Tadschikistan sind vor allem „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Ausmaß „Islamischer Extremismus“. Hierbei ist anzumerken, dass die Diktatorische Paranoia in Tadschikistan aus der kommunistischen Unterdrückung der Vergangenheit entstanden ist, auch wenn die Ideologie des Kommunismus in dem Land seit Jahren keine Rolle mehr spielt.

Aktuelle Einflüsse: Am 1. März 2015 fanden in Tadschikistan Parlamentswahlen statt. Schon bald nach den Wahlen, welche von Präsident Emomali Rahmon gewonnen wurden, traten Veränderungen im Land ein. Immer mehr restriktive Maßnahmen wurden eingeführt – auch im Bereich der Religion.

Betroffene Kategorien von Christen: In Tadschikistan existieren alle vier Kategorien von Christen; sie sind in unterschiedlichem Ausmaß von Verfolgung betroffen.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Der Verfolgungsdruck auf Christen ist deutlich höher als im letzten Jahr. Die Wertung für den Bereich „Auftreten von Gewalt“ liegt geringfügig über dem des letzten Jahres. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Regime seine Kontrolle mehr und mehr verschärft. Die Verfolgung ist in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ am stärksten. Das ist typisch für eine Verfolgungssituation, bei der Diktatorische Paranoia die Haupttriebkraft ist. Der Islamische Extremismus wirkt sich am stärksten im privaten, familiären und gesellschaftlichen Bereich aus und führt zu massivem Druck durch das soziale Umfeld, während Diktatorische Paranoia – der Druck vonseiten des Regimes – vor allem das Privatleben, das Leben im Staat und das kirchliche Leben beeinflusst.

Ausblick: Die Regierung übt starken Druck auf alle „von der Norm abweichenden“ Gruppen aus, Christen eingeschlossen. Indem die Regierung die bereits bestehenden Gesetze verschärft und diese strikt anwendet, übt sie zusätzlichen Druck auf die christliche Minderheit aus. Besonders das neue Jugendgesetz lässt Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was gegen das Gesetz verstößt. Das bedeutet, dass sich die Situation für Christen nicht verändern, sondern allenfalls in Zukunft sogar noch verschlimmern wird.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 58 Punkten belegt Tadschikistan Platz 31 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. 2015 belegte das Land mit 50 Punkten Rang 45. Die starke Zunahme der Punktzahl ist vor allem auf die politischen Veränderungen im Land seit März 2015 zurückzuführen, als sich die Regierung verstärkt in eine diktatorische Richtung zu entwickeln begann. Zuvor galt Tadschikistan als schwacher und korrupter Staat, doch nun wurde alle Opposition ausgelöscht (vor allem die „Partei der islamischen Wiedergeburt Tadschikistans“). Dies wirkte sich auch auf die Kirche aus.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Tadschikistan sind vor allem „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Ausmaß „Islamischer Extremismus“. Hierbei ist anzumerken, dass die Diktatorische Paranoia in Tadschikistan aus der kommunistischen Unterdrückung der Vergangenheit entstand, auch wenn die Ideologie des Kommunismus seit Jahren in Tadschikistan keine Rolle mehr spielt.

Diktatorische Paranoia: Außerhalb der vom Staat genehmigten und beaufsichtigten Einrichtungen ist keine religiöse Aktivität erlaubt. Sowohl Protestanten als auch Zeugen Jehovas werden häufig als „Extremisten“ abgestempelt, da sie Religion außerhalb der vom Staat vorgegebenen Strukturen ausüben. 2015 erhöhten die Behörden den Druck noch weiter. Es kommt sehr häufig vor, dass Mitglieder einer beliebigen protestantischen Kirche pauschal als Anhänger einer fremdartigen Sekte gelten, deren einziges Ziel es ist, die bestehende Regierungsform auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Perspektive müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern bei Bedarf ausgerottet werden. Um die „Extremisten“ ausfindig zu machen, haben die Sicherheitskräfte begonnen, verstärkt Telefonleitungen zu überwachen. Davon sind auch die Christen und die Kirchen betroffen. Eine andere Maßnahme betrifft den Religionsunterricht, unabhängig davon, um welche Religion es geht.

Kommunistische Unterdrückung: Sie ist das historische Fundament, auf dem das jetzige Regime basiert. Der Kommunismus hat zwar keine Bedeutung mehr für die ideologische Ausrichtung des Regimes, doch zahlreiche Kontrollsysteme und Mechanismen entstammen noch dem kommunistischen System.

Islamischer Extremismus: Der Druck aus islamischen Kreisen richtet sich vor allem gegen Christen muslimischer Herkunft. Wenn Einheimische zum christlichen Glauben übertreten, sind sie starkem Druck bis hin zu physischer Gewalt von ihren Familien, Bekannten und der örtlichen Gemeinschaft ausgesetzt, die sie dazu zwingen wollen, wieder ihren alten Glauben anzunehmen. Einige Christen muslimischer Herkunft werden für lange Zeit eingesperrt und geschlagen. Örtliche Mullahs sprechen sich offen gegen die Christen aus, was zur Folge haben kann, dass diese aus der Gesellschaft verstoßen werden. Viele Christen muslimischer Herkunft halten deshalb ihren Glauben geheim.

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3. Aktuelle Einflüsse

Tadschikistan ist das einzige zentralasiatische Land, dessen Landessprache persischen Ursprungs ist. Kulturell gesehen hat das Land größere Ähnlichkeit mit dem Iran und Afghanistan als andere zentralasiatische Länder. Tadschikistan ist eines der ärmsten Länder dieser Region. Es lebt sehr stark von den Geldüberweisungen der Arbeitsmigranten aus dem Ausland. Man geht davon aus, dass bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung in Russland oder Kasachstan arbeiten. Dies hat sowohl positive als auch negative Folgen. Auf der einen Seite stellen die Überweisungen der Arbeitsmigranten sicher, dass etwa sechzig Prozent der Bevölkerung mit diesem Geld ihren Alltag bewältigen können. Auf der anderen Seite stehen jedoch die enormen sozialen Auswirkungen. Familien werden auseinandergerissen und viele Kinder wachsen ohne männliche Verwandte auf.

Tadschikistans Grenze zu Afghanistan ist 1.200 km lang. Dies hat mehrere Auswirkungen: a) es gibt einen ausgedehnten Drogenhandel von Afghanistan über Tadschikistan in den Westen; b) Tadschiken (die auch in Afghanistan leben) sind in islamistische Kämpfe verwickelt; c) was auf der anderen Seite der Grenze passiert, hat große Auswirkungen auf Tadschikistan. Da die westlichen Truppen Afghanistan zunehmend verlassen, suchte Tadschikistan Hilfe bei Russland. Dafür hat das Land Militärstützpunkte als Gegenleistung für Grenzkontrollen durch russische Soldaten angeboten.

Am 1. März 2015 fanden in Tadschikistan Parlamentswahlen statt. Bis zu diesem Zeitpunkt war Tadschikistan das einzige Land in der Region, welches eine anerkannte Oppositionspartei hatte – eine religiös fundierte: die „Partei der islamischen Wiedergeburt Tadschikistans“. Schon bald nach den Wahlen, welche von Präsident Emomali Rahmon gewonnen wurden, traten Veränderungen im Land ein. Innerhalb weniger Monate wurde die Oppositionspartei verboten. Ihre Vorsitzenden wurden inhaftiert; am 27. November 2015 wurde einer der Vorsitzenden, Hasan Rahimov, zu 9 Jahren Haft verurteilt. Weitere restriktive Maßnahmen folgten – einschließlich des Bereiches der Religion.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Tadschikistan existieren alle vier Kategorien von Christen; sie sind in unterschiedlichem Ausmaß von Verfolgung betroffen.

Ausländische Christen: Da die meisten dieser Gruppen nach innen ausgerichtet ist und sie sich folglich kaum an evangelistischen Aktivitäten beteiligen, erleben sie vonseiten der Behörden fast keine Schwierigkeiten.

Mitglieder traditioneller Kirchen (von denen die Russisch-Orthodoxe Kirche mit Abstand die größte ist): Sie verbreiten das Evangelium nicht unter Tadschiken, weshalb sie von der Regierung nicht als Gefahr betrachtet werden und in dieser Form weiter bestehen dürfen. Darüber hinaus hat die tadschikische Regierung kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie die Russisch-Orthodoxe Kirche angreift.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten): Christen muslimischer Herkunft bekommen die volle Wucht der Verfolgung in Tadschikistan zu spüren. Neben staatlichen Restriktionen stehen sie zusätzlich unter enormen Druck vonseiten der Familie, Freunden und der Gesellschaft. Dies ist sehr viel wirkungsvoller als staatliche Interventionen. Übertritte zum christlichen Glauben werden als Verrat am Volk, am Staat und an der Religion der Väter angesehen und gelten zudem als Schande für die Familie.

Mitglieder protestantischer Freikirchen (z. B. Baptisten- oder Pfingstgemeinden u.a.): Wegen ihrer evangelistischen Tätigkeit sind sie die zweite verfolgte Hauptgruppe. Sie werden von der Regierung angegriffen, bedroht, verhaftet und mit Geldstrafen belegt.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Tadschikistan basiert auf der Summe der Wertungen für Diktatorische Paranoia und Islamischen Extremismus und zeigt deren Auswirkungen auf die einzelnen Lebensbereiche. Die durchschnittliche Wertung der fünf Bereiche liegt bei 11,337 Punkten und ist damit deutlich höher als im letzten Jahr (9,847). Die Punktzahl für Gewalt hat sich leicht erhöht (0,926) im Vergleich zum Vorjahr (0,741). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Regime seine Kontrolle mehr und mehr verschärft. Die Verfolgung ist in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ am stärksten. Das ist typisch für eine Verfolgungssituation, bei der Diktatorische Paranoia die Haupttriebkraft ist. Der Islamische Extremismus wirkt sich am stärksten im privaten, familiären und gesellschaftlichen Bereich aus und führt zu massivem Druck durch das soziale Umfeld, während Diktatorische Paranoia – der Druck vonseiten des Regimes – vor allem das Privatleben, das Leben im Staat und das kirchliche Leben beeinflusst.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Offiziell werden Konversionen nicht behindert, doch der gesellschaftliche Druck auf Konvertiten kann sehr hoch sein. Eine Bestrafung für Konvertiten ist unausweichlich, besonders durch Familienmitglieder. Für Christen muslimischer Herkunft ist es äußerst riskant, Gottesdienste zu feiern. Selbst im privaten Bereich kann dies sehr ernste Konsequenzen haben. Sowohl in der Vergangenheit als auch im Berichtszeitraum gab es Berichte über Konvertiten, die von ihren Familien stark verfolgt wurden und unter anderem physische Gewalt erlitten, um sie zur Aufgabe ihres christlichen Glaubens zu bewegen. Der Besitz christlicher Literatur und das Tragen christlicher Symbole sind vor allem für Christen muslimischer Herkunft riskant, die diese Dinge aus Angst vor Strafmaßnahmen ihrer Familien üblicherweise verstecken. Doch auch andere Christen bringen sich dadurch in Gefahr, wenn sie keine staatliche Genehmigung haben: Der Besitz christlicher Literatur und das Zeigen christlicher Symbole könnte als Form der Evangelisation angesehen werden. Konvertiten müssen auch bei der Nutzung von christlichem Radio, Fernsehen oder Webseiten große Vorsicht walten lassen, um nicht von ihren Familien, ihren Freunden oder ihrem sozialen Umfeld entdeckt zu werden. Konvertiten, die mit Familienmitgliedern über ihren neuen Glauben sprechen, müssen befürchten dass dies als eine Frage von Schande und Ehre betrachtet wird und die Familie alles daran setzen wird (manchmal in Form von Hausarrest), den Konvertiten zum alten Glauben zurückzubringen. Ähnliche Gefahr droht allen Christen, die mit nicht-christlichen Gästen über ihren Glauben sprechen. Berichte weisen darauf hin, dass der Geheimdienst des Landes die Christen ständig überwacht. In Tadschikistan ist das Ausmaß der Überwachung von Religion enorm hoch, sowohl vonseiten der Regierung als auch durch das soziale Umfeld. Dies hat bei Christen ein hohes Maß an Angst ausgelöst, so dass viele auch zögern, Übergriffe zu melden.

Familienleben: Manchmal verhindern muslimische Familien und Behörden Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen von Christen muslimischer Herkunft. Seit August 2011 ist jede religiöse Aktivität für Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Christliche Jugendarbeit kann nur noch im Geheimen stattfinden. Kinder und Teenager dürfen nicht zur Sonntagsschule kommen oder am Religionsunterricht teilnehmen. Islamische Themen hingegen sind Teil des Lehrplans und alle Kinder sind verpflichtet, diesen Unterricht zu besuchen. Oft werden die Kinder von Christen in der Schule vor den anderen Kindern gedemütigt und verlästert. Ehepartner von Konvertiten werden durch Drohungen zur Trennung gezwungen und Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr ihre Erbrechte verlieren.

Gesellschaftliches Leben: Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien bedroht, nicht-registrierte Christen von staatlichen Vertretern. Männliche Konvertiten bekommen Probleme, wenn sie weiterhin die traditionelle Kleidung tragen, sich aber zum christlichen Glauben bekennen. Christen, die man mit evangelistischen Aktivitäten und Bekehrungen in Verbindung bringt, werden von der Gesellschaft überwacht. Auch für Christen muslimischer Herkunft werden Hochzeiten von den Eltern arrangiert und sie stehen unter Druck, an islamischen Zeremonien und Festen teilzunehmen. Christen, deren Glaube allgemein bekannt ist, dürfen keine Gemeinschaftseinrichtungen nutzen, an Foren oder Veranstaltungen teilnehmen und haben schlechtere Karriereaussichten. Vereinzelt bekommen Konvertiten und protestantische Christen auch Probleme, wenn sie ein Geschäft betreiben.

Leben im Staat: Der Staat behauptet von sich selbst, ein säkularer Staat zu sein. Dennoch unterscheidet er zwischen traditionellen und nicht-traditionellen Religionen. Die Hanafiten (eine der vier Rechtsschulen des sunnitischen Islam) und orthodoxe Christen werden klar bevorzugt, wohingegen andere Richtungen diskriminiert werden. Die Verfassung schützt zwar die Religionsfreiheit, doch in Wirklichkeit schränkt die Regierung mit ihrer Politik die Religionsfreiheit ein. Einige lokale und regionale Führungskräfte schaffen bürokratische Barrieren, welche die Registrierung von Kirchen beeinträchtigen können. Es gibt keine Alternative zum obligatorischen Militärdienst – wer ihn verweigert, wird inhaftiert. Ein im Juli 2012 erlassenes Gesetz verbietet es tadschikischen Bürgern, ins Ausland zu gehen, um dort eine religiöse Ausbildung zu erhalten, selbst zu unterrichten oder Beziehungen zu ausländischen religiösen Organisationen aufzubauen. Allein der Russisch-Orthodoxen Kirche begegnet die tadschikische Regierung mit Respekt, alle anderen christlichen Kirchen werden diskriminiert. Protestantischen Christen werden Posten im öffentlichen Dienst verweigert, da sie als „ausländischer Einfluss“ angesehen werden, welcher die tadschikische Gesellschaft bedroht und dem man nicht trauen darf. Seit März 2015 wurden Restriktionsmaßnahmen gegen alle nichtstaatlichen Organisationen vorgenommen. Alle Tätigkeiten der Kirche in Bezug auf ihren Auftrag, einschließlich von Jugendarbeit und der Veröffentlichung christlicher Literatur, wurden eingeschränkt und von der Regierung zensiert. Regierungsangestellte und alle Mitglieder der Gesellschaft können Christen angreifen, ohne dafür strafrechtlich belangt zu werden. Christen werden vor Gericht ungleich behandelt.

Kirchliches Leben: Versammlungen von Christen muslimischer Herkunft können von Familienmitgliedern, Freunden oder anderen Personen des gesellschaftlichen Umfelds gestört werden. Nichtregistrierte Treffen von Christen aus allen Kategorien sind grundsätzlich illegal. Die vorgeschriebene Registrierungsprozedur ist so kompliziert geworden, dass in den letzten 10 Jahren keine neuen Gemeinden mehr registriert worden sind. Alle religiösen Aktivitäten werden überwacht, und wenn nichtregistrierte Gruppen entdeckt werden, wird die Regierung sofort aktiv. Nur registrierte Gruppen dürfen eigene Gemeindehäuser bauen (andere müssen Räumlichkeiten anmieten), weswegen kaum neue Kirchengebäude entstehen. Von Zeit zu Zeit unterbricht die Polizei Gottesdienste und führt Razzien durch, vor allem bei nichtregistrierten Gruppen. Nur registrierte Gruppen können auf legalem Wege Veranstaltungen durchführen und um die Erlaubnis bitten, Aktionen außerhalb ihrer Räumlichkeiten organisieren zu dürfen – auch wenn dies fast nie genehmigt wird. Die Gesetze vom August 2011 verbieten jegliche Art von Jugendarbeit. Da ca. 50% aller Christen in Tadschikistan Jugendliche sind, hat dies weitreichende Konsequenzen. Der „Rat für religiöse Angelegenheiten“ muss alle Predigten sowie christliches Material genehmigen. Schulungen für religiöse Leiter können ebenfalls nur von registrierten Gruppen (von denen es nur sehr wenige gibt) durchgeführt werden. Die Medien in Tadschikistan werden vom Staat kontrolliert und sind somit für Christen unzugänglich. Ab und zu blockiert die Regierung YouTube und Facebook oder andere Internetseiten. Die Regierung erlaubt es Christen nicht, ihre eigenen Schulen, Organisationen oder Einrichtungen zu gründen noch gemeinnützige, humanitäre, medizinische Vereine oder Kulturverbände zu eröffnen. Als Teil der von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen gegen die radikale Ausübung von Religion ist jeglicher Kontakt zu religiösen Gruppen im Ausland verboten.

Auftreten von Gewalt: Auf den ersten Blick scheint die Verfolgung in Tadschikistan nicht besonders gewalttätig zu sein, doch dies ist auf die geringe Größe der Kirche und die Angst der Christen zurückzuführen, Vorfälle zu melden. Folglich können wir nur die Spitze des Eisbergs erkennen; fest steht, dass die Zahl der Vorfälle viel höher ist. Im Berichtszeitraum wurden mindestens zwei Christen während eines Polizeiverhörs körperlich angegriffen und mindestens ein Christ muslimischer Herkunft wurde von seiner Familie verletzt. Das Haus eines Christen wurde beschädigt, als die Polizei versuchte, im Juli 2015 dort einzudringen. Im Juli 2015 wurden zwei Zeugen Jehovas inhaftiert.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Die Regierung übt starken Druck auf alle „von der Norm abweichenden“ Gruppen aus, Christen eingeschlossen. Indem die Regierung die bereits bestehenden Gesetze verschärft und diese strikt anwendet, übt sie zusätzlichen Druck auf die christliche Minderheit aus. Besonders das neue Jugendgesetz lässt Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in Unklarheit darüber, was erlaubt ist und was gegen das Gesetz verstößt. Das bedeutet, dass sich die Situation für Christen nicht verändern, sondern allenfalls in Zukunft sogar noch verschlimmern wird.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan:

  • Um Weisheit bei aller Jugendarbeit, die wegen der Jugendgesetze auch bei registrierten Gemeinden im Untergrund geschehen muss
  • Um Gottes Einwirken auf die Regierung, damit mehr Schulungen und mehr Verbreitung christlicher Literatur erlaubt werden
  • Um besondere Kraft und Stärkung für die Hausgruppen der Christen muslimischer Herkunft

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