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Länderprofil Turkmenistan

Turkmenistan

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 66 Punkte / Platz 19
(WVI 2015: 63 Punkte / Platz 20)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Haupttriebkräfte von Verfolgung in Turkmenistan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maß „Islamischer Extremismus“. Zu beachten ist, dass Diktatorische Paranoia in Turkmenistan ein Produkt der kommunistischen Vergangenheit und folglich aus „Kommunistischer Unterdrückung“ entstanden ist, obwohl die kommunistische Ideologie in Turkmenistan seit vielen Jahren keine Rolle mehr spielt.

Aktuelle Einflüsse: Turkmenistan gilt als eines der am wenigsten freien Länder der Welt. Es besteht keinerlei Informations- oder Pressefreiheit. Der Zugang zum Land wird Ausländern extrem erschwert. Um Präsident Berdimuhamedow gibt es einen Personenkult. Hinzu kommt ein hohes Maß an Überwachung aller gesellschaftlichen Gruppen (einschließlich Christen), sowie starke Zugangsbeschränkungen zu ausländischen Medien und anderen Informationsquellen. Folglich ist es auch schwierig, Informationen außer Landes zu bringen.

Betroffene Kategorien von Christen: In Turkmenistan existieren keine ausländischen christlichen Gemeinschaften. Alle anderen Kategorien von Christen erleben Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung ist in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ am stärksten. Das ist typisch für eine Situation, in der Diktatorische Paranoia die führende Triebkraft der Verfolgung ist. Druck durch Islamischen Extremismus schlägt sich am meisten in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ nieder und wird durch das soziale Umfeld ausgeübt, während Diktatorische Paranoia – der Druck vonseiten des Regimes – vor allem im „Privatleben“, im „Leben im Staat“ und im „Kirchlichen Leben“ spürbar wird. Der allumfassende Druck in Turkmenistan wird durch ein paranoides Regime angefacht, das seine Kontrolle immer weiter ausbaut. Die Gewaltrate ist etwas höher als im letzten Jahr. Es wurden mehr Razzien und verstärkter Druck auf die Christen gemeldet.

Ausblick: Nach Usbekistan ist Turkmenistan der für religiöse Minderheiten repressivste Staat in Zentralasien. Angesichts des wachsenden Nationalismus und der „geistlichen Führung“, die der neue Präsident dem Land geben soll, wird sich die Situation der Christen in Turkmenistan kaum verändern.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 66 Punkten belegt Turkmenistan Platz 19 auf dem Weltverfolgungsindex 2016. Das entspricht einem Anstieg um 3 Punkte gegenüber dem Jahr 2015 (63), als das Land Rang 20 einnahm. Der leichte Punktanstieg erklärt sich aus verstärkter „Diktatorischer Paranoia“ – besonders in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Es liegen weniger Berichte über Auftreten von Gewalt vor als im Vorjahr.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte von Verfolgung in Turkmenistan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße „Islamischer Extremismus“. Die Diktatorische Paranoia in Turkmenistan ist allerdings ein Produkt der kommunistischen Vergangenheit und aus „Kommunistischer Unterdrückung“ entstanden, obwohl die kommunistische Ideologie in Turkmenistan seit vielen Jahren keine Rolle mehr spielt.

Diktatorische Paranoia: Außerhalb der staatlich betriebenen und kontrollierten Einrichtungen sind keine religiösen Aktivitäten, gleich welcher Art, erlaubt. Protestanten und Zeugen Jehovas werden häufig als „Extremisten“ bezeichnet, weil sie ihre Religion außerhalb der genehmigten staatlichen Strukturen ausüben. Mitglieder protestantischer Kirchen gelten als Anhänger einer fremden Sekte, die Spionage und die Vernichtung des gegenwärtigen politischen Systems zum Ziel hat. Daher müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern, wenn nötig, sogar beseitigt werden. Sicherheitskräfte haben Abhörmaßnahmen verstärkt, um „Extremisten“ aufzuspüren. Dies betraf auch Christen und Kirchen. Weitere Maßregelungen beziehen sich auf die religiöse Bildung, unabhängig von der Religionszugehörigkeit.

Kommunistische Unterdrückung: Auf diesem historischem Fundament ist das gegenwärtige Regime gegründet, doch die kommunistische Ideologie trägt zur heutigen Positionierung des Regimes nichts mehr bei. Allerdings sind viele der gegenwärtigen Kontrollsysteme und Mechanismen Überbleibsel des kommunistischen Systems.

Islamischer Extremismus: Der Druck vonseiten der muslimischen Bevölkerung auf Christen gilt besonders Christen muslimischer Herkunft. Wenden sich Einheimische dem christlichen Glauben zu, erleben sie Druck und gelegentlich sogar körperliche Gewalt von ihren Familien, Freunden und der Gesellschaft, um sie zur Umkehr und Rückkehr zu ihrem alten Glauben zu zwingen. Einige von ihnen werden für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Zusätzlichen Druck erzeugen lokale Mullahs, die gegen die Konvertiten predigen. Letztendlich kann es zu einer Verstoßung aus der Gemeinschaft kommen. Infolgedessen versuchen diese Christen, ihren Glauben zu verheimlichen und werden zu sogenannten „Christen im Untergrund“. Ein speziell turkmenisches Phänomen ist, dass der lokale Religionsrat von einem einheimischen Imam geleitet wird, der Druck auf alle Christen ausübt, besonders mit muslimischer Herkunft.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Entwicklung Turkmenistans wird besonders nach der Entdeckung enormer Öl- und Gasvorkommen rasch vorangetrieben. Dieser Vorstoß hat allerdings zwei Seiten: Einerseits stehen plötzlich große Geldsummen für Investitionen zur Verfügung. Beispielhaft dafür sind Berichte von Planungen, die Hauptstadt Aschgabat zu einer „Marmorstadt“ auszubauen. Die Kehrseite dieser neuen Perspektive besteht jedoch darin, dass sich das Land in eine wachsende Abhängigkeit von den Exportgütern Öl und Gas begibt. Hinzu kommt, dass angesichts des hohen Maßes an Heimlichtuerei und Korruption mutmaßlich nur eine kleine Gruppe von Menschen davon profitieren wird.

Turkmenen leben in vielen verschiedenen Ländern, angefangen von Turkmenistan, Afghanistan, Iran, dem Norden Pakistans, Syrien und Irak bis in den Nordkaukasus („Stavropol Krai“). Zwischen den einzelnen Gruppen gibt es Verbindungen. Zudem sind Turkmenen in die Kämpfe islamistischer Dschihadisten im Nahen Osten (Islamischer Staat) und auf dem indischen Subkontinent (Al Kaida) verstrickt. Das Regime in Aschgabat fürchtet den Einfluss heimkehrender Dschihadisten und überwacht daher alle Religionen genauestens.

Turkmenistan gilt als eines der am wenigsten freien Länder der Welt. Es besteht keinerlei Informations- oder Pressefreiheit. Der Zugang zum Land wird Ausländern extrem erschwert. Um Präsident Berdimuhamedow gibt es einen Personenkult. Hinzu kommen ein hohes Maß an Überwachung aller gesellschaftlichen Gruppen (einschließlich Christen) sowie starke Zugangsbeschränkungen zu ausländischen Medien und anderen Informationsquellen. Folglich ist es auch schwierig, Informationen außer Landes zu bringen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Aufgrund des von staatlicher Seite für Ausländer sehr erschwerten Aufenthaltes im Land gibt es keine christlichen Gemeinschaften von Ausländern. Jedoch existieren alle anderen Kategorien von Christen im Land und erleben Verfolgung.

Christen aus traditionellen Kirchen: Die russisch-orthodoxe Kirche hat sich an die Restriktionen seitens der Regierung gewöhnt und wird in der Ausübung ihres Glaubens daher kaum gestört. Gottesdienste mögen überwacht, können jedoch ungehindert durchgeführt werden und die Gemeindemitglieder dürfen sich treffen. Das Drucken und Importieren christlicher Materialien sowie ausländische Mitarbeiter sind verboten.

Christen muslimischer Herkunft: In Turkmenistan bekommen Konvertiten die volle Wucht der Verfolgung zu spüren. Neben dem Staat werden sie zusätzlich noch von der eigenen Familie, Freunden und der Gesellschaft unter Druck gesetzt. Letzteres ist hierbei das Wirkungsvollste, da dies ihr alltägliches Leben dominiert.

Christen aus protestantischen Freikirchen (wie Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden): Sie sind die zweite unter Verfolgung leidende Gruppe in Turkmenistan, vor allem, wenn sie nicht registriert sind. Sie sind Razzien, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen ausgesetzt.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Turkmenistan zeigt die Wertungen für „Diktatorische Paranoia“ und „Islamischen Extremismus“. Der Durchschnittswert der ersten fünf Blöcke (13,028), die den Druck auf Christen in fünf Lebensbereichen zeigen, ist leicht höher als im Vorjahr (12,599). Die Punktzahl für den Bereich „Auftreten von Gewalt“ (0,926) ist ebenfalls höher als im Vorjahr (0,185). Zusätzliche Berichte von Razzien und ein leicht erhöhter Druck auf Christen seitens des Regimes sind hierfür verantwortlich. Wie das unten stehende Verfolgungsmuster zeigt, ist die Verfolgung in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ am stärksten. Das ist typisch für eine Situation, in der Diktatorische Paranoia die führende Triebkraft der Verfolgung ist. Druck durch Islamischen Extremismus schlägt sich am meisten in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ nieder und wird durch das soziale Umfeld ausgeübt, während Diktatorische Paranoia – der Druck vonseiten des Regimes – vor allem im „Privatleben“, im „Leben im Staat“ und im „Kirchlichen Leben“ spürbar wird.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Ein Glaubenswechsel löst die heftigsten Reaktionen innerhalb des sozialen und kulturellen Umfeldes aus. Er wird als Beleidigung der Familienehre betrachtet. Der Staat und seine Agenten beobachten dies sehr streng, da Glaubenswechsel soziale Unruhen erzeugen. Infolgedessen erleiden nicht nur Neubekehrte Druck, sondern auch Christen, die in der Evangelisation aktiv sind. Nachbarn verraten christliche Hausgottesdienste an die Polizei und werden von der Regierung für diese Information bezahlt. Alle Christen wissen, dass der Besitz christlichen Materials eine Strafe nach sich zieht (es muss eine Genehmigung vorliegen, welche aber fast nie erteilt wird). Für Konvertiten besteht zusätzlich die Gefahr der Entdeckung durch ihre Verwandten. Aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen werden Christen ständig beobachtet, unterdrückt und bedroht. Für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr riskant, christliche Symbole zu zeigen, da dies als Verrat gilt und Christen daraufhin gezwungen wurden, ihren Glauben öffentlich zu widerrufen. Alle staatlichen Medien sind unter staatlicher Kontrolle – und daher für die Christen unzugänglich. Der Internet-Zugang wird streng überwacht und der Internetanbieter gehört dem Staat. Manche Internetseiten sind gesperrt und in ländlichen Gebieten ist es schwierig, überhaupt Zugang zu bekommen. Christen muslimsicher Herkunft können kaum mit Mitgliedern der Familie über ihren neuen Glauben sprechen. Dies wird sofort mit Scham und Fragen der Ehre in Verbindung gebracht und die Familie wird alles daran setzen, den Konvertiten zur Umkehr zum alten Glauben zu zwingen. Für Christen besteht auch ein hohes Risiko, mit nicht-christlichen Personen über ihren Glauben zu sprechen. Berichten zufolge werden Protestanten und andere christliche Gruppen, auch die Zeugen Jehovas, ständig vom staatlichen Geheimdienst überwacht. Die Intensität der Überwachung ist in Turkmenistan sehr hoch, sogar private Treffen zwischen Christen werden überwacht.

Familienleben: Religiöse Aktivitäten (einschließlich christliche Feiern wie Hochzeiten) werden streng kontrolliert. Nur angemeldete Organisationen können solche Aktivitäten durchführen und selbst registrierte Gruppen ziehen es vor, die Behörden im Voraus über ihre Aktivitäten zu informieren, um die Belästigung durch die Geheimpolizei und andere zu vermeiden. Nichtregistrierte Gruppen dürfen keine religiösen Aktivitäten wie etwa Taufen durchführen. Nur die russisch-orthodoxe Kirche erfährt keine engen Einschränkungen. Das Begräbnis von Konvertiten hat bereits zu Problemen geführt. Mullahs in Turkmenabat und Mary erklärten, dass Christen muslimischer Herkunft nicht auf islamischen Friedhöfen begraben werden dürfen. Weder an öffentlichen noch an privaten Schulen gibt es eine offizielle religiöse Bildung, da dies von der Regierung untersagt ist. Vielmehr gibt es in Schulen gegen Christen gerichtete Unterrichtstunden, die mit Imamen arrangiert werden, und alle Schüler sind gezwungen, die islamischen Feiertage einzuhalten. Kinder aus christlichen Familien werden oft aus der Gemeinschaft mit nicht-christlichen Kindern ausgeschlossen. Sie werden häufig in der Schule vor allen Kindern gedemütigt und erleben üble Nachrede. Christen muslimischer Herkunft können von ihren eigenen Familienmitgliedern unter Hausarrest gestellt werden. Wird ein Familienmitglied Christ, üben Familie, Freunde und Gemeinschaft Druck auf den Ehepartner aus, sich scheiden zu lassen. Besonders Christen muslimischer Herkunft riskieren den Verlust ihres Erbes.

Gesellschaftliches Leben: Berichten zufolge werden Christen Opfer von Bedrohung, Belästigung, sexuellen Übergriffen, Gefängnis, geheimen Polizeirazzien und willkürlicher Verhaftung. Turkmenistan ist eines der am meist verschlossenen Regimes der ehemaligen Sowjetunion und stützt sich auf repressive Kontrolle und unterdrückende Gesetze. Christen werden von unterschiedlichen Organisationen des Staates einschließlich der Geheimpolizei dauerhaft beobachtet. Weibliche Konvertiten, die in konservativ geprägten Regionen leben, laufen Gefahr, entführt und mit einem Muslim zwangsverheiratet zu werden. Konvertiten werden unter hohen Druck gesetzt, an nicht-christlichen religiösen Veranstaltungen teilzunehmen. Es gab auch Vorfälle, dass Christen gezwungen wurden, in Moscheen ihren Glauben zu widerrufen. Christen ist es nicht erlaubt, an kommunalen Foren oder Veranstaltungen teilzunehmen. Veranstaltungen, die von christlichen Gruppen organisiert werden, werden so stark vom Staat überwacht, dass sich einige Gruppen entscheiden, den Behörden all ihre Aktivitäten und Versammlungen im Voraus zu melden, um unnötige Schikanen und Untersuchungen zu vermeiden. Im Berichtszeitraum wurden viele von Christen bewohnte Häuser Ziel von Razzien. Christen mussten eine Geldstrafe wegen einer angeblich religiösen Versammlung zahlen, obwohl dies gar nicht der Fall war. Nicht-orthodoxen Christen werden Bildungschancen verweigert. Christen werden lächerlich gemacht und manchmal von der Hochschulbildung ausgeschlossen. Aktive Christen gehen das hohe Risiko ein, ihre Arbeitsstelle zu verlieren. Christliche Geschäftsbesitzer verschweigen oftmals ihren Glauben, da dies negative Folgen für ihre Firma bedeuten kann. Nicht russisch-orthodoxe Christen bekommen regelmäßig hohe Geldstrafen auferlegt. Werden Versammlungen in Turkmenistan gestürmt, was auch bei angemeldeten Gruppen vorkommt, werden alle Anwesenden befragt, viele werden festgehalten, vielen werden Bußgelder erteilt und alle gefundenen Materialien werden beschlagnahmt. Wenn festgestellt wird, dass eine Person sich dem christlichen Glauben zugewandt hat, erfährt diese Person sehr viel Druck. Christen werden verprügelt, unter Hausarrest gestellt oder ausgegrenzt.

Leben im Staat: Um Präsident Berdimuhamedow entwickelt sich ein Personenkult. Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, ist dies in der Praxis nicht der Fall. Turkmenistan ist einer der weltweit größten Verletzer von Religionsfreiheit und wird vom Außenministerium der USA als „besonders besorgniserregendes Land“ eingestuft. Die Landesgesetze verstoßen gegen die international garantierten Menschenrechte und die Christen des Landes berichten von Festnahmen, Gefängnis, Drohungen und verbalen Beleidigungen, Schlägen, Beschlagnahmungen und sexuellen Übergriffen. Es besteht Wehrpflicht in Turkmenistan, das turkmenische Gesetz ermöglicht jedoch keine Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. Wer den Militärdienst verweigert, kann bis zu zwei Jahren ins Gefängnis gesperrt werden. Die Inhaftierung von Kriegsdienstverweigerern aus Gewissensgründen ist in Turkmenistan ein wichtiges Thema, welches auch die Kritik der internationalen Gemeinschaft hervorgerufen hat. Der Staat überwacht aktive Pastoren. Sie werden an im Land verteilten Kontrollpunkten angehalten. In der Vergangenheit wurde bekannten Christen eine Ausreise am Flughafen verweigert. Es ist unmöglich für Christen, einen staatlichen Arbeitsplatz zu erhalten. Christen werden aktiv daran gehindert, ihre Ansichten und Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern. Turkmenistan ist das am stärksten verschlossene Land der ehemaligen Sowjetunion und alle Aktivitäten religiöser Gruppen stehen unter strenger Kontrolle. Viele Gruppen und Einzelpersonen wurden schon wegen religiöser Aktivitäten bestraft. Nach Regierungsangaben gibt es 13 russisch-orthodoxe Organisationen und 11 Organisationen, die weitere christliche Gruppen sowie auch Bahai und Hare Krishna vertreten. Viele christliche Gruppen können sich wegen des beschwerlichen Prozesses nicht registrieren lassen und selbst registrierte Gruppen stehen unter andauerndem Druck und ihre Mitglieder riskieren Strafverfolgung. Die staatlich kontrollierten Medien bezeichnen die christlichen Kirchen als „Sekten“ und verzerren die Fakten. Informationen, dass Christen Kinder stehlen und opfern, werden immer noch im ganzen Land verbreitet. Es gab einige öffentliche christenfeindliche Versammlungen unter direkter Beteiligung verschiedener Imame, in denen Drohungen gegen turkmenische Christen gerichtet wurden. Nur registrierte Kirchen dürfen christliche Symbole zeigen, aufgrund des hohen Drucks werden Symbole aber meist nur innerhalb der Kirche gezeigt. Agenten des Staates und Mitglieder der lokalen Kommunen können Christen ungestraft angreifen. Vor Gericht werden Christen unfair behandelt. Das repressive Regime Turkmenistans lässt die internationale Beobachtung von Gerichtsverhandlungen generell nicht zu und ganz sicher nicht bei Christen.

Kirchliches Leben: Die Gesetze des Landes erlauben religiöse Aktivitäten nur an dafür genehmigten Plätzen. Das 2003 erlassene Religionsgesetz untersagt jegliche Hausgottesdienste und verbietet religiöse Aktivitäten von nichtregistrierten Organisationen. Strafmaßnahmen beinhalten Festnahme und Inhaftierung. Eine Registrierung zu erlangen, ist schwierig. Doch ist diese notwendig, um als Kirche tätig zu sein. Es werden kaum Registrierungen erteilt, obwohl sich einzelne Gemeinden schon länger als ein Jahrzehnt darum bemühen. Alle religiösen Aktivitäten werden aufmerksam vom Staat überwacht. Es ist nahezu unmöglich, die Baugenehmigung für eine neue Kirche zu erhalten, und die Instandhaltung bestehender Kirchen wird sehr erschwert. In der Vergangenheit wurden Gottesdienste unterbrochen und Razzien durchgeführt, dies geschieht auch heute noch. Es ist unmöglich, christliche Aktivitäten außerhalb des Kirchengeländes zu organisieren. Die Arbeit unter bzw. mit Jugendlichen ist verboten und Jugendlager wurden durchsucht. Religionsunterricht jeglicher Art ist an staatlichen Schulen nicht gestattet. Nicht-orthodoxe Christen sind Ziel diskriminierender Benachteiligungen. Die Veröffentlichung christlich-religiöser Materialien in Turkmenistan ist strengstens verboten. Das Importieren solcher Materialien ist nur für einige angemeldete Gruppen gestattet, steht aber unter strengster staatlicher Beobachtung. Der Verkauf von christlichen Materialien in der Öffentlichkeit ist verboten. Materialien werden bei Razzien in Kirchen und Wohnhäusern routinemäßig beschlagnahmt. Es gibt keine christlichen Seminare oder Schulungszentren im Land. Kirchenleiter und Pastoren gelten als Hauptverantwortliche für Evangelisation und Mission und werden deshalb besonders angegriffen. Der Staat gestattet keine christlichen Organisationen, Institutionen oder Schulen noch erlaubt er christliche gemeinnützige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Vereinigungen. Christliche Mitarbeiter aus dem Ausland dürfen nur in Turkmenistan aktiv sein, wenn eine registrierte Kirche eine Erlaubnis von den Behörden erhalten hat, was fast unmöglich ist. Da die Behörden die größten Verfolger im Lande sind, ist es sehr gefährlich (und nutzlos), sich gegen sie zu äußern, dies verschlimmert nur die Bestrafung.

Auftreten von Gewalt: Oberflächlich betrachtet scheint Verfolgung in Turkmenistan nicht sehr gewaltsam zu sein, aber dies kommt daher, dass Christen aus Furcht vor drohenden Konsequenzen solche Vorfälle nicht melden. Mindestens 10 Christen wurden festgenommen, während der inhaftierte Christ Umid Gajayev im Februar 2015 freigelassen wurde. Mindestens ein Auto eines Christen wurde beschlagnahmt.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Nach Usbekistan ist Turkmenistan der für religiöse Minderheiten repressivste Staat in Zentralasien. Angesichts des wachsenden Nationalismus und der „geistlichen Führung“, die der neue Präsident dem Land geben soll, wird sich die Situation der Christen in Turkmenistan kaum verändern.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Turkmenistan:

  • um Gottes schützende Hand über die vielen protestantischen Gemeinden und Hauskirchen, für die eine Registrierung nicht möglich ist
  • um Weisheit für die Planung und Durchführung von Trainingsseminaren und Jugendarbeit
  • um übernatürlichen Frieden in den Herzen der Gemeindeleiter bei den weitverbreiteten Gottesdienstrazzien durch die Geheimpolizei

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