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Usbekistan Länderprofile

Usbekistan

Stand des Länderprofils: Januar 2017

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016
Informationen zur gegenwärtigen Entwicklung des Landes entnehmen Sie unseren Aktuellen Meldungen.


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
Ausführliches Länderprofil
   1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
   2. Triebkräfte der Verfolgung
   3. Aktuelle Einflüsse
   4. Betroffene Kategorien von Christen
   5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
   6. Ausblick
   7. Gebetsanliegen



Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

71 Punkte / Platz 16 (WVI 2016: 70 Punkte / Platz 15)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung von Christen in Usbekistan sind vor allem „Diktatorische Paranoia“ (entstanden aus der „Kommunistischen Unterdrückung“) und in geringerem Ausmaß „Islamische Unterdrückung“.

Aktuelle Einflüsse

Usbekistan ist eine der strengsten Diktaturen in Zentralasien. Das Regime tut alles Erforderliche, um an der Macht zu bleiben – jegliche Form der Opposition und Abweichung von der Norm werden erbarmungslos attackiert. Den christlichen Glauben betrachtet man als fremd und als destabilisierenden Faktor. Außerdem erfahren Christen muslimischer Herkunft zusätzlichen Druck aus ihrem sozialen und kulturellen Umfeld.

Betroffene Kategorien von Christen

In Usbekistan gibt es alle vier im Weltverfolgungsindex (WVI) unterschiedenen Kategorien von Christen und alle erleben auf die eine oder andere Art Verfolgung. Gemeinschaften von ausländischen Christen oder Arbeitsmigranten und Christen aus traditionellen Kirchen erfahren dabei die wenigsten Schwierigkeiten seitens der Regierung, da sie normalerweise nicht aktiv evangelisieren. Gemeinschaften von christlichen Konvertiten (in diesem Fall Konvertiten mit muslimischem Hintergrund) tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staates als auch vonseiten der Familie, der Freunde und des sozialen Umfeldes. Christen aus protestantischen Freikirchen erleben Razzien, werden bedroht, eingesperrt oder erhalten Geldstrafen, besonders wenn ihre Kirchen nicht registriert sind.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Durchschnittlich ist der Druck auf Christen – auch wenn er sehr hoch ist – im Berichtszeitraum des WVI 2017 ganz leicht zurückgegangen.
  • In den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ist der Druck extrem hoch. Der Druck in den Bereichen „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ ist sehr hoch. Dies ist typisch für einen Staat, in dem Diktatorische Paranoia die Haupttriebkraft der Verfolgung darstellt.
  • Druck, der durch Islamische Unterdrückung entsteht, herrscht hauptsächlich im „Privatleben“, im „Familienleben“ und im „gesellschaftlichen Leben“ und wird zumeist vom sozialen Umfeld auf Christen muslimischer Herkunft ausgeübt.
  • Eine signifikante Zahl von Gewalttaten wurde verzeichnet, was dazu führte, dass die Punktzahl für den Bereich „Auftreten von Gewalt“ auf einen hohen Wert anstieg.
  • Im Großen und Ganzen geht die Verfolgung in Usbekistan hauptsächlich von einer paranoiden Regierung aus, die es darauf abgesehen hat, ihre Kontrolle über alle Lebensbereiche zu intensivieren.

Ausblick

Der usbekische Präsident Islam Karimov starb am 2. September 2016. Nach kurzer Zeit wurde Premierminister Shavkat Mirziyaev zu seinem Nachfolger bestimmt. Das heißt, dass sich für die Christen nur wenig (oder nichts) ändern wird. Weiterhin werden die staatlichen Behörden (Polizei, Geheimdienste, lokale „Mahalla“-Behörden) weiter religiöse Aktivitäten auf verschiedene Arten überwachen (Privathäuser verwanzen, Telefonate abhören, Gruppen infiltrieren etc.) und Gottesdienste aufsuchen. Razzien von Hausgemeinden, das Konfiszieren von religiösem Material, Verhöre und Inhaftierungen von Christen wird es auch weiterhin geben. Druck auf und Gewalt gegen Christen muslimischer Herkunft vonseiten der Familie, von Freunden und der Gesellschaft werden weitergehen, wenn nicht sogar zunehmen.

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Ausführliches Länderprofil


1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 71 Punkten steht Usbekistan auf Platz 16 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm Usbekistan mit 70 Punkten Rang 15 ein. Christen in Usbekistan leiden weiterhin unter der enormen Kontrolle durch eine autoritäre Regierung. Dies betrifft besonders das Privatleben, das Leben im Staat und das kirchliche Leben. Es wurden mehr Gewalttaten verzeichnet als im Berichtszeitraum des WVI 2016.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung in Usbekistan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße auch „Islamische Unterdrückung“. Die Diktatorische Paranoia in Usbekistan ist ein Produkt der kommunistischen Vergangenheit und ist aus der „Kommunistischen Unterdrückung“ entstanden.

Diktatorische Paranoia: Neben den vom Staat geführten und staatlich kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Sowohl Mitglieder protestantischer Kirchen als auch Zeugen Jehovas werden häufig als „Extremisten“ gebrandmarkt, weil sie ihre Religion außerhalb staatlich legitimierter Strukturen ausüben. Häufig werden Mitglieder protestantischer Kirchen als Anhänger fremder Sekten betrachtet, die spionieren und das derzeitige politische System zerstören wollen. Daher müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern nötigenfalls auch ausgerottet werden. Sicherheitskräfte führen vermehrt Abhörungen durch, um „Extremisten“ zu entdecken. Dies beeinträchtigt auch die Christen und Kirchen.

Kommunistische Unterdrückung: Das historische Fundament, auf dem das derzeitige Regime aufbaut, ist der Kommunismus. Auch wenn er heute keinen ideologischen Beitrag mehr leistet, die Positionen des Regimes zu stützen, sind in Usbekistan immer noch viele Kontrollsysteme und -mechanismen des kommunistischen Systems vorhanden.

Islamische Unterdrückung: Druck auf Christen vonseiten islamischer Gruppen zielt vor allem auf Christen muslimischer Herkunft ab. Wenn sich Muslime dem christlichen Glauben zuwenden, erfahren sie meist Druck und in manchen Fällen auch physische Gewalt von ihren Familien, Freunden und ihrem sozialen Umfeld. Damit sollen sie zur Reue und zur Rückkehr zu ihrem alten Glauben gezwungen werden. Einige Christen muslimischer Herkunft werden über lange Zeit eingesperrt und auch geschlagen. Örtliche Mullahs predigen gegen sie, wodurch noch mehr Druck auf sie ausgeübt wird. Christen muslimischer Herkunft werden letztlich immer wieder aus ihrem sozialen Umfeld ausgeschlossen. Daher sind sie sehr bemüht, ihren Glauben geheim zu halten – und werden sogenannte „geheime Christen“.

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3. Aktuelle Einflüsse

Usbekistan ist eine der strengsten Diktaturen in Zentralasien. Das Regime tut alles Erforderliche, um an der Macht zu bleiben – jegliche Form der Opposition und Abweichung von der Norm werden erbarmungslos attackiert. Seit dem Tod des Präsidenten Islam Karimov am 2. September 2016 hat sich diese Situation nicht verändert. Den christlichen Glauben betrachtet man als fremd und als destabilisierenden Faktor. Außerdem erfahren Christen muslimischer Herkunft zusätzlichen Druck aus ihrem sozialen und kulturellen Umfeld.

Hunderte Freiwillige aus Usbekistan haben sich islamistischen Gruppen wie der „Hizb ut-Tahrir“, der „Islamischen Bewegung Usbekistans“ oder dem „Islamischen Staat“ (IS) angeschlossen. Die usbekische Regierung hat es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, solche Gruppen aus dem Land zu vertreiben. Die Unruhen im Mai 2005 in Andijan haben beispielhaft gezeigt, wie das Regime gegen muslimische Kämpfer vorgeht.

Die Regierung benutzt die Existenz von islamistischen Gruppierungen dazu, ihre totale Kontrolle über die Gesellschaft zu rechtfertigen, indem sie erklärt, dass diese eine ständige Bedrohung für das Land seien – eine Aussage, die stark übertrieben ist. Bisher sind nur wenige Dschihadisten – wenn überhaupt – aus den Kriegsgebieten in Syrien, im Irak und in Afghanistan nach Usbekistan zurückgekehrt.

Der bestehende und staatlich anerkannte Islam (nachfolgend als offizieller Islam bezeichnet) wurde angepasst, und offizielle muslimische Geistliche sind faktisch Staatsangestellte. Muslime, die in Usbekistan Glaubenssachen ernster nehmen wollen, haben nur wenige Möglichkeiten: Im offiziellen Islam ist kein Platz für sie, also müssen sie entweder a) ihre Religion alleine ausleben (mit dem ständigen Risiko, verhaftet zu werden), oder b) sie treten einer illegalen islamischen Gruppe bei (mit dem gleichen Risiko) oder c) sie verlassen das Land (was bedeutet, dass sie ihre Familie verlassen müssen und trotzdem noch der Gefahr ausgeliefert sind, eingesperrt zu werden) oder d) sie konvertieren zum Christentum (was bedeutet, dass sie Druck vonseiten der Familie und des Staates erfahren).

Die Geheimpolizei überwacht sehr genau alle religiösen Aktivitäten im Land – Spione unterwandern alle religiösen Gruppen. Treffen von Hausgemeinden sind das Ziel von Razzien, wobei die Anwesenden schikaniert, interniert, verhört und mit Geldstrafen belegt werden, während religiöses Material, das im Gebäude gefunden wird, konfisziert und zerstört wird. Christen, die von der Polizei gefangen genommen werden, erhalten normalerweise kurze Haftstrafen von bis zu 15 Tagen Gefängnis. Nur selten bekommen Christen längerfristige Haftstrafen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Usbekistan gibt es alle vier im WVI erwähnten Kategorien von Christen und alle erleben auf die eine oder andere Art Verfolgung.

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Die meisten dieser ausländischen Gruppen bleiben strikt unter sich. Sie haben nur wenige Probleme mit den Behörden.

Christen aus traditionellen Kirchen: Die Russisch Orthodoxe Kirche hat sich mit den ihr von der Regierung auferlegten Einschränkungen arrangiert und kann deshalb weitgehend unbehelligt ihren Aktivitäten in russischer Sprache nachgehen. Gottesdienste werden möglicherweise überwacht, aber nicht gestört, und diese Christen genießen zumindest Versammlungsfreiheit. Der Druck und die Einfuhr christlicher Literatur hingegen sind eingeschränkt. 

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten): Christen muslimischer Herkunft sind in Usbekistan der stärksten Verfolgung ausgesetzt. Neben dem Leid, das sie durch die harte Hand des Staates erfahren, sind sie auch dem starken Druck von Familie, Freunden und sozialem Umfeld ausgesetzt. Wobei für sie letzteres schlimmer ist.

Christen aus protestantischen Freikirchen# (wie evangelikale und pfingstliche Gemeinden): Sie sind die am zweitstärksten verfolgte Gruppe – ganz besonders dann, wenn ihre Gemeinden nicht staatlich registriert sind. Sie erleben viele Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen.

Christen aus protestantischen Freikirchen (wie evangelikale und pfingstliche Gemeinden): Sie sind die am zweitstärksten verfolgte Gruppe – ganz besonders dann, wenn ihre Gemeinden nicht staatlich registriert sind. Sie erleben viele Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Grafik: Verfolgungsmuster Usbekistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Usbekistan:

  • Auch wenn die Wertung in den Bereichen „Privatleben“ und „Kirchliches Leben“ angestiegen ist, so hat der durchschnittliche Druck auf Christen ganz leicht abgenommen, von 13,413 (WVI 2016) auf 13,326, bleibt aber trotzdem auf einem hohen Niveau.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Dies ist ein typisches Merkmal für einen Staat, in dem Diktatorische Paranoia die Haupttriebkraft der Verfolgung ist.
  • Islamische Unterdrückung erzeugt derzeit hauptsächlich Druck im „Privatleben“, im „Familienleben“ und im „Gesellschaftlichen Leben“ und wird besonders auf Christen muslimischer Herkunft durch das soziale Umfeld ausgeübt.
  • Es gab eine signifikante Anzahl von Gewalttaten in Usbekistan; die Anzahl von Gewalttaten gegen Christen führt zu einem deutlichen Anstieg von 2,778 (WVI 2016) auf 4,259.
  • Generell geht die Verfolgungssituation in Usbekistan auf eine paranoide Regierung zurück, die es darauf abgesehen hat, alle Lebensbereiche unter ihre Kontrolle zu bringen.

Privatleben: Bekehrungen lösen heftigste Reaktionen im sozialen Umfeld aus. Eine Bekehrung wird als Schande und Beleidigung der Familienehre betrachtet. Nachbarn gehen zur Polizei, wenn sie mitbekommen, dass jemand zu Hause christliche Treffen abhält. Da das Thema soziale Unruhe erzeugt, wird es auch vom Staat sehr ernstgenommen. In manchen Gegenden ist es illegal, eine Bibel zu besitzen, andernorts darf man nur eine einzige Bibel besitzen. Seine Zugehörigkeit zum christlichen Glauben zu zeigen (z.B. durch christliche Symbole) ist ebenso gefährlich. Allerdings ist es nicht nur für Konvertiten gefährlich, mit Familienmitgliedern über den neuen Glauben zu sprechen, sondern auch für Mitglieder traditioneller Kirchen, die in protestantische Freikirchen gehen, wenn es für diese auch weit weniger riskant ist. Immer wieder kommen Christen muslimischer Herkunft unter Hausarrest – was die Familie dann nutzt, um Druck auszuüben, damit die Abtrünnigen ihrem neuen Glauben abschwören.

Familienleben: Manchmal bekommen Christen muslimischer Herkunft Probleme, wenn sie bei ihrer örtlichen Behörde eine Geburt, einen Todesfall oder eine Heirat registrieren lassen wollen, da in diesen Büros oft Muslime aus ihrem Wohnort arbeiten. Es gibt Berichte, dass christliche Beerdigungen von lokalen Beamten verboten wurden. Der Druck auf die Christen, sich nicht taufen zu lassen, ist immens, da die Taufe oft als das endgültige Zeichen betrachtet wird, dass jemand den Islam verlassen hat. In usbekischen Familien können Verwandte (z.B. Großvater oder Großmutter) ein Kind zwingen, in die Moschee zu gehen, auch wenn die Eltern Christen sind. Durch häufige Propaganda gegen „Sekten“ in den Medien, in Schulen und an Universitäten sind junge Menschen oft feindlich eingestellt gegenüber den Kindern von evangelikalen Christen. In manchen Fällen mussten Ehepartner in einem anderen Land Zuflucht suchen, während der Partner gefangen genommen wurde. In diesen Fällen sind die Familien für lange Zeit getrennt. Es gibt auch Fälle, in denen die Ehepartner unter Druck gesetzt werden, sich scheiden zu lassen.

Gesellschaftliches Leben: Bedrohungen und Hindernisse können von verschiedenen Seiten kommen. Konvertiten erfahren vor allem Druck vonseiten ihrer Verwandten und der Gesellschaft, doch viele Christen (besonders solche, die evangelisieren) erfahren auch Bedrohungen durch ihr soziales Umfeld und die Behörden. Zwei Gruppen sind für die Überwachung von Christen verantwortlich: Die Verwandtschaft/das soziale Umfeld (also eine Form gesellschaftlicher Kontrolle), aber auch die Behörden in unterschiedlichen Bereichen. Wenn ein Arbeitgeber herausfindet, dass sein Angestellter ein aktiver Christ ist, kann letzterer auf der Stelle entlassen werden. Der NSS (der usbekische Geheimdienst) erpresst bekanntermaßen christliche Ladenbesitzer. Es gibt eine endlose Liste von Vergehen, für die Christen bestraft werden können – und oft auch wirklich bestraft werden: z.B. illegale Versammlungen, Besitz religiöser Literatur, christliche Musik auf ihren Smartphones etc. Wer als Christ bekannt ist, muss sich von Zeit zu Zeit bei der Polizei melden, wodurch Christen eingeschüchtert werden sollen.

Leben im Staat: Die Verfassung und einige Gesetze garantieren Religionsfreiheit, aber nicht ohne strikte Einschränkungen. Der Staat überwacht besonders aktive Pastoren. Wenn es bei Versammlungen oder in Privathäusern Razzien gibt, dann werden alle Anwesenden – oft auf sehr harte Art und Weise – verhört. Alle Bürger, die das Land verlassen wollen, brauchen eine Ausreiseerlaubnis, und immer wieder bekommen Christen, wenn sie als solche bekannt sind, diese Visa nicht. Menschen, die bekanntermaßen Christen sind, können derzeit nicht Beamte werden. Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören, können in der Öffentlichkeit keine christliche Meinung vertreten, weil sie sonst Repressalien sowohl von der Regierung als auch von der usbekischen Gesellschaft angedroht bekommen. Die staatlich kontrollierten Medien produzieren regelmäßig Sendungen, die evangelikale Christen verunglimpfen. Im Norden des Landes wurden im Berichtszeitraum Plakate, Broschüren und andere öffentliche Informationen über die Gefahren von „Sekten und Missionaren“ verbreitet. In Usbekistan gibt es keine fairen Prozesse. Die Richter sind nicht unabhängig und die internationale Überwachung von Gerichtsverhandlungen, in die Christen involviert sind, wird durch viele politische Hürden erschwert.

Kirchliches Leben: Versammlungen von Christen werden häufig gestört oder es werden Razzien durchgeführt. Es ist fast unmöglich, sich als neue Kirche registrieren zu lassen – in den letzten 16 Jahren wurde keine einzige Kirche registriert. Alle religiösen Aktivitäten werden genauestens überwacht. Es ist auch fast unmöglich, eine Erlaubnis für den Neubau einer Kirche zu bekommen, und Renovierungsarbeiten an bestehenden Gebäuden sind sehr schwierig (nur nicht für die Russisch-Orthodoxe Kirche). Nur die wenigen registrierten Kirchen können innerhalb ihres eigenen Gebäudes Aktivitäten organisieren; Aktivitäten außerhalb des Gebäudes sind verboten. Viele Gemeinden benutzen keine sichtbaren christlichen Symbole, um Konflikte zu vermeiden. Nach dem Religionsgesetz muss alles religiöse Material der Regierung zur Erlaubnis vorgelegt werden. Das heißt praktisch, dass der Import, das Drucken und Verteilen blockiert werden. Wohltätigkeitsarbeit unterliegt strengen Einschränkungen, nur die Russisch-Orthodoxe Kirche darf dies organisieren. Eine Verordnung aus dem Jahr 2003 vom Ministerkabinett, welche eine Veränderung der Registrierungsanforderungen für Nichtregierungsorganisationen behandelt, schränkt die Aktivitäten von religiösen Organisationen ein; und das Religionsgesetz von 1998 verbietet „Aktionen, die zum Ziel haben, dass Anhänger einer Religion sich zu einer anderen Religion hinwenden (Bekehrung), sowie jegliche missionarische Aktivitäten.“

Auftreten von Gewalt: Im Vergleich zum letzten Berichtszeitraum wurden mehr Gewalttaten gemeldet. Ein Christ starb, kurz nachdem er von der Polizei verhört worden war, und zwei Kirchen wurden bei einer Razzia durch die Polizei zerstört. Mindestens zehn Christen wurden festgenommen, während zwei andere eine Gefängnisstrafe absaßen. Open Doors weiß von mindestens zehn Christen, die entweder von der Polizei oder von ihren muslimischen Familien körperlich belästigt wurden. Mindestens zehn Grundstücke oder Geschäfte von Christen wurden zerstört. Mindestens zwei Christen muslimischer Herkunft mussten ihr Zuhause verlassen und sich verstecken aufgrund des Drucks, den ihre Familie auf sie ausübten.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Der usbekische Präsident Islam Karimov starb am 2. September 2016. Nach kurzer Zeit wurde Premierminister Shavkat Mirziyaev zu seinem Nachfolger bestimmt. Es ist unwahrscheinlich, dass dies irgendeine Veränderung für die Christen in Usbekistan bedeutet: Die staatlichen Behörden (Polizei, Geheimdienste, lokale Mahalla-Behörden) werden weiterhin religiöse Aktivitäten auf verschiedene Arten überwachen (Privathäuser verwanzen, Telefonate abhören, Gruppen infiltrieren, Gottesdienste aufsuchen etc.). Razzien von Hausgemeinden, das Konfiszieren von religiösem Material, Verhöre und Inhaftierungen von Christen wird es auch weiterhin geben. Druck auf und Gewalt gegen Christen muslimischer Herkunft vonseiten der Familie, von Freunden und der Gesellschaft werden ebenso weitergehen, wenn nicht sogar zunehmen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Usbekistan:

  • Usbekistan ist eine der striktesten Diktaturen Zentralasiens. Die Regierung tut alles, um an der Macht zu bleiben. Jede Form von Opposition und Abweichung von der Norm werden attackiert. Der christliche Glaube ist eine solche Abweichung. Bitte beten Sie für Veränderung in Usbekistan, damit der christliche Glaube akzeptiert wird.
  • Beten Sie für Christen aus protestantischen Freikirchen, wie Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden, die bedroht, drangsaliert, mit Bußgeldern belegt und verhaftet werden. Außerhalb der vom Staat betriebenen und kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt.
  • Beten Sie für die neuen Christen, die von ihren muslimischen Familien unter Hausarrest gestellt wurden, damit sie sich von ihrem neuen Glauben lossagen. Bitte beten Sie, dass christliche Frauen, die gegen ihren Willen zur Heirat gezwungen wurden, ganz auf Gottes Fürsorge vertrauen.

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