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Usbekistan Länderprofile

Usbekistan

Stand des Länderprofils: Januar 2016

Berichtszeitraum: 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015

 

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung
1. Position auf dem Weltverfolgungsindex
2. Triebkräfte von Verfolgung
3. Aktuelle Einflüsse
4. Betroffene Kategorien von Christen
5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
6. Ausblick
7. Gebetsanliegen

 

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex: 70 Punkte/Rang 15
(WVI 2015: 69 Punkte/Rang 15)

Triebkräfte von Verfolgung: Die Triebkräfte der Christenverfolgung in Usbekistan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße auch „Islamischer Extremismus“. Anzumerken ist hierbei, dass die Diktatorische Paranoia in Usbekistan ein Produkt der kommunistischen Vergangenheit ist und daher aus der kommunistischen Unterdrückung entstand, auch wenn die Ideologie des Kommunismus seit Jahren in Usbekistan keine Rolle mehr spielt.

Aktuelle Einflüsse: Usbekistan ist eine der strengsten Diktaturen in Zentralasien. Das Regime unternimmt alles in seiner Macht stehende, um weiter zu regieren – jegliche Form der Opposition und Abweichung von der Norm wird erbarmungslos angegriffen. Den christlichen Glauben betrachtet man als fremd und als destabilisierenden Faktor. Außerdem erfahren Christen muslimischer Herkunft zusätzlichen Druck aus ihrem sozialen und kulturellen Umfeld.

Betroffene Kategorien von Christen: In Usbekistan gibt es alle Kategorien von Christen und alle erleben auf die eine oder andere Art Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt: Der stärkste Druck auf Christen herrscht in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Dies ist charakteristisch für eine Situation, in der Diktatorische Paranoia die vorherrschende Triebkraft von Verfolgung darstellt. Der Islamische Extremismus wirkt sich besonders in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ aus und wird von dem sozialen Umfeld ausgeübt. Diktatorische Paranoia – der Druck vonseiten des Regimes – wird hingegen besonders in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ spürbar. Der allgemein herrschende Druck wird angeheizt durch ein paranoides Regime, das immer mehr Kontrolle ausübt. Im Vergleich zu letztem Jahr wurden weniger Berichte über Gewalttaten registriert, was allerdings darauf zurückzuführen sein könnte, dass Christen Angst haben, von Vorfällen zu berichten.

Ausblick: Die Frage, wer der Nachfolger des betagten Präsidenten Islam Karimov sein wird, ist von großer Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass der Nachfolger Karimovs wieder aus den Reihen der kommunistischen Veteranen kommen wird. Das heißt, dass sich für die Christen wenig bis nichts ändern wird. Bis dahin werden die staatlichen Behörden (Polizei, Geheimdienste, Mahalla – eine Art Nachbarschaftswache in Form eines staatlich sanktionierten Komitees zur Selbstverwaltung von Stadtvierteln und Dörfern etc.) weiterhin religiöse Aktivitäten auf verschiedene Arten überwachen (Privathäuser verwanzen, Telefonate abhören, Gruppen infiltrieren etc.) und Gottesdienste aufsuchen. Razzien von Hausgemeinden, das Konfiszieren von religiösem Material, Verhöre und Inhaftierungen von Christen wird es auch weiterhin geben. Druck auf und Gewalt gegen Christen muslimischer Herkunft vonseiten der Familie, von Freunden und der Gesellschaft werden andauern, wenn nicht sogar sich häufen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 70 Punkten belegt Usbekistan Platz 15 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2016. Das entspricht einem Anstieg um einen Punkt gegenüber dem Jahr 2015 als Usbekistan mit 69 Punkten auf Rang 15 lag. Die Erhöhung um einen Punkt ist auf das erhöhte Maß an Kontrolle durch ein paranoides Regime zurückzuführen – besonders im staatlichen und kirchlichen Leben. Im Vergleich zum letzten Jahr gab es weniger Berichte über Gewalttaten.

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2. Triebkräfte von Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung in Usbekistan sind „Diktatorische Paranoia“ und in geringerem Maße auch „Islamischer Extremismus“. Anzumerken ist hierbei, dass die Diktatorische Paranoia in Usbekistan ein Produkt der kommunistischen Vergangenheit ist und daher aus der kommunistischen Unterdrückung entstand, auch wenn die Ideologie des Kommunismus seit Jahren in Usbekistan keine Rolle mehr spielt.

Diktatorische Paranoia: Neben den vom Staat geführten und staatlich kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Sowohl Mitglieder traditioneller protestantischer Kirchen als auch Zeugen Jehovas werden häufig als „Extremisten" gebrandmarkt, weil sie ihre Religion außerhalb staatlich legitimierter Strukturen ausüben. Der Druck vonseiten der Behörden wird kaum nachlassen, da sich die politische Führung des Landes aufgrund des Alters und des Gesundheitszustandes des Präsidenten auf einen Wechsel vorbereitet. Häufig werden Mitglieder protestantischer Kirchen als Anhänger fremder Sekten betrachtet, die spionieren und das derzeitige politische System zerstören wollen. Daher müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern, falls nötig, auch ausgerottet werden. Sicherheitskräfte hören vermehrt Gruppierungen ab, um „Extremisten“ zu entdecken. Dies beeinträchtigt auch die Christen und Kirchen. Auch gegen den Religionsunterricht wird härter vorgegangen, gleichgültig, um welche Religion es sich handelt.

Kommunistische Unterdrückung: Das historische Fundament, auf dem das derzeitige Regime aufbaut, ist der Kommunismus. Heute leistet er jedoch keinen ideologischen Beitrag mehr, die Positionen des Regimes zu stützen. Trotzdem sind in Usbekistan immer noch viele Kontrollsysteme und –mechanismen aus dem kommunistischen System vorhanden.

Islamischer Extremismus: Druck auf Christen vonseiten islamischer Gruppen zielt vor allem auf Christen muslimischer Herkunft ab. Wenn sich Einheimische dem Christentum zuwenden, erfahren sie Druck und in manchen Fällen auch physische Gewalt von ihren Familien, Freunden und ihrem sozialen Umfeld. Damit sollen sie zur Reue und zur Rückkehr zu ihrem alten Glauben gezwungen werden. Einige werden über lange Zeit eingesperrt und auch geschlagen. Örtliche Mullahs predigen gegen sie, wodurch noch mehr Druck auf die Konvertiten ausgeübt wird. Christen muslimischer Herkunft werden letztlich meist aus ihrem sozialen Umfeld ausgeschlossen. Daher sind sie sehr bemüht, ihren Glauben geheim zu halten – und werden sogenannte „geheime Gläubige“.

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3. Aktuelle Einflüsse

Usbekistan ist eine der strengsten Diktaturen in Zentralasien. Das Regime unternimmt alles Erforderliche, um an der Macht zu bleiben – jegliche Form der Opposition und Abweichung von der Norm wird erbarmungslos attackiert. Den christlichen Glauben betrachtet man als fremd und als destabilisierenden Faktor. Außerdem erfahren Christen muslimischer Herkunft zusätzlichen Druck aus ihrem sozialen und kulturellen Umfeld.

Hunderte sind in Usbekistan freiwillig islamistischen Gruppen beigetreten wie z.B. Hizb-ut-Tahrir, Islamic Movement of Uzbekistan (Islamische Bewegung Usbekistans) oder dem Islamischen Staat (IS). Die usbekische Regierung hat es geschafft, diese Gruppen im Laufe der letzten Jahrzehnte aus dem Land zu vertreiben. Die Unruhen im Mai 2005 in Andijan haben beispielhaft gezeigt, wie das Regime gegen muslimische Kämpfer vorgeht.

Das Regime nutzt die Existenz extremer Muslime, um seine totale Kontrolle über die Gesellschaft zu rechtfertigen, indem es sie als ständige Bedrohung des Landes darstellt – was stark übertrieben ist. Bisher sind nur sehr wenige Dschihadisten von den Kämpfen in Syrien, Irak oder Afghanistan nach Usbekistan zurückgekehrt.

Der staatlich anerkannte Islam (nachfolgend als ‚offizieller Islam‘ bezeichnet) wurde angepasst und offizielle muslimische Geistliche sind faktisch Staatsangestellte. Muslime, die in Usbekistan ihren Glauben noch tiefgründiger ausleben wollen, haben nur wenige Möglichkeiten: Im offiziellen Islam ist kein Platz für sie, also müssen sie ihre Religion alleine ausleben (mit dem ständigen Risiko, gefangen genommen zu werden), oder sie treten einer illegalen islamischen Gruppe bei (mit dem gleichen Risiko), oder sie verlassen das Land (was bedeutet, dass sie ihre Familie verlassen müssen und trotzdem noch in der Gefahr stehen, eingesperrt zu werden) oder sie konvertieren zum Christentum (was bedeutet, dass sie Druck vonseiten der Familie und des Staates erfahren).

Die Geheimpolizei überwacht sehr genau alle religiösen Aktivitäten im Land – Spione unterwandern alle religiösen Gruppen. Die Russisch-Orthodoxe Kirche wird nicht als Bedrohung gesehen, da ihre Mitglieder ethnische Russen sind und sie nicht evangelistisch aktiv ist. Darüber hinaus ist sich das usbekische Regime bewusst, dass es extrem vorsichtig sein muss, wenn es sich auf irgendeine Art anti-russisch verhalten.

Alle anderen Kirchen stellen eine potentielle Bedrohung für die Stabilität des Landes und des Regimes dar, da sie – wovon ausgegangen wird – unter der ethnischen Mehrheit des Landes evangelisieren; somit werden sie erbarmungslos verfolgt. Treffen von Hausgemeinden sind das Ziel von Razzien, wobei die Anwesenden schikaniert, interniert und verhört werden und Geldstrafen bekommen, während alles aufgefundene religiöse Material konfisziert und zerstört wird. Die Christen bekommen gelegentlich kurze Haftstrafen von bis zu 15 Tagen Gefängnis. Nur selten bekommen sie längere Haftstrafen.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

In Usbekistan gibt es alle Kategorien von Christen und alle erleben auf die eine oder andere Art Verfolgung.

Gemeinschaften ausländischer Christen oder christlicher Gastarbeiter: Die meisten dieser Gruppen bleiben nur unter sich und wirken kaum evangelistisch.

Historische christliche Gemeinschaften: Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich mit den ihr von der Regierung auferlegten Einschränkungen arrangiert und kann deshalb weitgehend unbehelligt ihren Aktivitäten in russischer Sprache nachgehen. Gottesdienste werden möglicherweise überwacht, aber nicht gestört, und diese Christen genießen zumindest Versammlungsfreiheit. Der Druck und die Einfuhr christlicher Literatur hingegen sind ebenso eingeschränkt wie die Einbindung ausländischer Mitarbeiter.

Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft sind in Usbekistan hauptsächlich der Verfolgung ausgesetzt. Neben dem Leid, das sie durch die harte Hand des Staates erfahren, sind sie auch dem starken Druck der Familie, von Freunden und des sozialen Umfeldes ausgesetzt. Wobei für sie letzterer der schmerzlichste ist.

Mitglieder protestantischer Freikirchen zu denen Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden gehören sind die zweite Gruppe, die verfolgt wird, darunter vor allem die nichtregistrierten Gemeinden. Sie erleben viele Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Erläuterung zum Verfolgungsmuster: Das Verfolgungsmuster für Usbekistan basiert auf der Summe der Wertungen für Diktatorischen Paranoia und Islamischen Extremismus. Die durchschnittliche Wertung der fünf Lebensbereiche liegt bei 13.413 Punkten, was einen leichten Anstieg des auf Christen ausgeübten Drucks gegenüber dem Vorjahr (12.995) zeigt. Die Punktzahl im Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist rückläufig: von 4.074 (WVI 2015) auf 2.778. Das lässt darauf schließen, dass entweder die Zahl der Gewalttaten zurückgegangen ist (was eher unwahrscheinlich ist), oder dass die Gläubigen mehr Angst haben, von Vorfällen zu berichten. Wie das Verfolgungsmuster zeigt, ist die Verfolgung in den Bereichen „Privatleben“, „Staatliches Leben“ und „Kirchliches Leben“ am stärksten. Dies ist charakteristisch für eine Situation, in der Diktatorische Paranoia die vorherrschende Triebkraft von Verfolgung darstellt. Der Islamische Extremismus wirkt sich besonders in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ aus und wird von dem sozialen Umfeld ausgeübt. Diktatorische Paranoia – der Druck vonseiten des Regimes – wird hingegen besonders in den Bereichen „Privatleben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ spürbar.
Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft ist besonders im „Privatleben“ sehr hoch und betrifft auch den Bereich „Gesellschaftliches Leben“, während alle Christen vonseiten des Staates und im „Kirchlichen Leben“ mit Problemen konfrontiert werden. Dieser Druck wird angeheizt durch ein paranoides Regime, das immer mehr Kontrolle ausübt.

(Bitte beachten Sie: Die oberen Zahlen zeigen drei Dezimalstellen an. Sie sind nicht als Tausende zu verstehen.)

Privatleben: Bekehrung ist der Punkt, der die heftigsten Reaktionen im sozialen und kulturellen Umfeld auslöst. Sie wird als Schande und Affront gegenüber der Familienehre betrachtet. Da sie soziale Unruhe erzeugt, ist sie auch unter genauester Beobachtung durch den Staat und seine Vertreter. Daher sind nicht nur Konvertiten in diesem Punkt unter Druck, sondern auch all jene Christen, die sich in der Evangelisation engagieren. Nachbarn gehen zur Polizei, wenn sie mitbekommen, dass jemand zu Hause christliche Treffen abhält. In manchen Gegenden ist es sogar illegal, eine Bibel zu besitzen, in anderen darf man nur eine einzige Bibel haben. Es gibt Christen, die wegen des Besitzes einer Bibel ins Gefängnis kamen. Nicht-anerkannte christliche Gruppen werden als illegal betrachtet. Mitglieder dieser Gruppen, die christliches Material besitzen, gehen ein enormes Risiko ein. Den christlichen Glauben zu zeigen (z.B. durch christliche Symbole) ist ebenso gefährlich. Zwei Facetten machen dies deutlich: Christen muslimischer Herkunft, die ihren neuen Glauben zeigen, ziehen sofort die Wut ihrer Familie, ihrer Freunde und ihres Umfeldes auf sich; andere Christen werden dadurch verdächtigt zu evangelisieren. Alle staatlichen Medien sind unter staatlicher Kontrolle – zu diesen haben Christen keinerlei Zugang. Der Zugang zum Internet ist nur über staatliche Internet-Anbieter (ISP) möglich und wird überwacht. Fernsehen via Satellit ist nicht verboten, Christen können z.B. CNL (einen russischen christlichen Sender) schauen. Es ist nicht nur für Konvertiten gefährlich, über ihren neuen Glauben mit Familienmitgliedern zu sprechen, sondern auch für Mitglieder traditioneller Kirchen, wenn sie sich unabhängigen protestantischen Gemeinden zuwenden, auch wenn dies weit weniger problematisch ist. In diesem Fall ist der Druck stärker, wenn man es mit Gästen außerhalb der Familie zu tun hat. Nicht-orthodoxe Christen sind immer dem Risiko der Bedrohung und Störung durch den Staat ausgesetzt, wenn sie sich mit anderen Christen treffen, da dies als illegale Aktivität gilt, die von der Regierung nicht genehmigt ist. Es ist bekannt, dass die Regierung bei Christen Razzien durchführt, Eigentum beschlagnahmt und auch Menschen schlägt, die sich „illegal“ versammeln. Faktisch alle Pastoren und auch Laien-Gemeindeleiter stehen unter Beobachtung. Das gleiche gilt für Konvertiten. Immer wieder stehen Christen muslimischer Herkunft unter Hausarrest – was die Familie dann nutzt, um Druck auszuüben und die Abtrünnigen zur Reue zu bringen.

Familienleben: Manchmal bekommen Christen muslimischer Herkunft Probleme, wenn sie bei der Ortsbehörde eine Geburt, einen Todesfall oder eine Heirat registrieren lassen wollen, da in diesen Büros oft Muslime aus ihrem Wohnort arbeiten. Offiziell sind Taufen nicht verboten. Aber lokale Behörden stören jegliche Versammlungen nicht-registrierter Gruppen. Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft nach einer Taufe ist immens, da sie als endgültiges Zeichen, dass jemand den Islam verlassen hat, gilt. Es gibt Berichte, dass christliche Beerdigungen von lokalen Beamten verboten wurden. In usbekischen Familien können Verwandte (z.B. Großvater oder Großmutter) einen solchen Christen zwingen, in die Moschee zu gehen, auch wenn die Eltern Christen sind. Wie auch schon in der Sowjetunion müssen Schüler aller Altersstufen Unterricht besuchen, in dem sie über die „Gefahren religiöser Sekten“ aufgeklärt werden, also über die Gefahren von evangelikalen Christen und anderen religiösen Minderheiten. Solche Stunden gibt es etwa alle zwei Monate in den Schulen. Durch die ständige Propaganda gegen „Sekten“ in den Medien, in Schulen und Universitäten sind junge Menschen gegenüber den Kindern von evangelikalen Christen oft feindlich eingestellt. Es ist nicht selten, dass sie aufgrund religiösen Hasses beleidigt oder geschlagen werden. In manchen Fällen mussten Ehepartner in einem anderen Land Zuflucht suchen, was eine lange Trennungszeit für betroffene Familien bedeutet. Häufig werden Christen muslimischer Herkunft unter Hausarrest gestellt und von anderen isoliert. Damit sollen sie unter Druck gesetzt werden, ihren neuen Glauben zu widerrufen und zum Islam zurückzukehren. Es kommt auch vor, dass Ehefrauen oder -männer unter Druck gesetzt wurden, sich scheiden zu lassen.

Gesellschaftliches Leben: Im Leben von Christen kommen Bedrohungen und Hindernisse aus mehr als einer Quelle. Allen voran stehen Konvertiten unter dem Druck ihrer Verwandten und der Gesellschaft; aber auch andere Christen (besonders, wenn sie evangelisieren) erfahren Bedrohungen vonseiten ihres sozialen Umfeldes und von Behörden und ihnen drohen Gefängnisstrafen. Zwei Gruppen sind für die Überwachung von Christen verantwortlich: die Verwandtschaft/das soziale Umfeld als eine Form gesellschaftlicher Kontrolle, aber auch die Behörden in unterschiedlichen Bereichen. Im Allgemeinen ist es in der usbekischen Kultur nicht gebräuchlich, eine Braut nach ihrem Willen zur Heirat zu fragen. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass Christen in eine Ehe gezwungen werden. Offizielle Feierlichkeiten und Versammlungen in Schulen, Einrichtungen und an Arbeitsplätzen sind für alle Arbeiter/Schüler/Studenten verpflichtend, auch für Christen. Es gibt Berichte, dass Christen, besonders Christen muslimischer Herkunft, gezwungen wurden, an islamischen Ritualen teilzunehmen. Eine Bekehrung gilt sowohl als religiöser als auch ethnischer Verrat und wird daher hart verfolgt. Kinder von Christen werden verlacht und manchmal von höherer Schulbildung ausgeschlossen. Wenn ein Arbeitgeber herausfindet, dass sein Angestellter ein aktiver Christ ist, kann er ihn auf der Stelle entlassen. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für nicht-orthodoxe Christen sind eingeschränkt. Besonders Christen mit muslimischem Hintergrund erfahren gravierende wirtschaftliche Konsequenzen. Der NSS (der usbekische Geheimdienst) erpresst bekanntermaßen christliche Ladenbesitzer. Aus diesem Grund verschweigen Ladenbesitzer ihr Christsein. Christen werden häufig für eine endlose Liste von Vergehen bestraft: illegale Versammlungen, Besitz religiöser Literatur, christliche Musik auf ihren Smartphones etc. Auch generell legale Gruppen wie die Baptisten erleben diese Art von Verfolgung. Wenn Razzien bei Versammlungen in Häusern stattfinden, werden alle Anwesenden verhört – oft sehr brutal. Wer als Christ bekannt ist, muss sich von Zeit zu Zeit bei der Polizei melden, damit sollen Christen eingeschüchtert werden. Wenn sich herausstellt, dass jemand zum christlichen Glauben gekommen ist, wird auf ihn/sie großer Druck ausgeübt. Der neue Gläubige wird geschlagen, unter Hausarrest gestellt und manchmal auch verbannt.

Leben im Staat: Offiziell ist der Staat säkular und geht gegen die Kirchen vor, die den sozialen Frieden bedrohen. Die Verfassung und einige Gesetze garantieren Religionsfreiheit, aber nicht ohne strikte Einschränkungen. Der Militärdienst ist verpflichtend: Alle Bürger im Alter von 18 Jahren (männlich und weiblich) müssen ihren Wehrdienst beim Militär leisten – für zwölf Monate – ohne Alternative. Der Staat überwacht praktizierende Pastoren. Da es überall im Land Kontrollstellen gibt, werden manche Pastoren angehalten und am Reisen gehindert. Alle Bürger, die das Land verlassen wollen, brauchen eine Ausreiseerlaubnis, und immer wieder bekommen Christen solche Visa nicht. Menschen, die bekanntermaßen Christen sind, können niemals Beamte werden. Ihnen kann sogar gekündigt werden, wenn herauskommt, dass sie Christen sind. Da dies unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zieht, passen Geschäftsleute gut auf, dass ihr Christ sein nicht herauskommt. In der Öffentlichkeit eine christliche Meinung zu vertreten, ist für nicht-orthodoxe Christen sehr gefährlich, weil sie Repressalien sowohl von der Regierung als auch von der usbekischen Gesellschaft befürchten müssen. Die Verfolgung ist so intensiv, dass Konvertiten und nicht-orthodoxe Christen ihren Glauben geheim halten müssen, weil jegliche Ausdrucksform ihres Glaubenslebens vor der Regierung als Missionierung gilt. Es ist in Usbekistan absolut unmöglich, christliche Zivilgesellschaftsorganisationen oder Parteien zu gründen – das Regime wird dies keineswegs tolerieren. Die staatlich kontrollierten und staatlich beeinflussten Medien schüren Vorurteile gegen bestimmte religiöse Minderheiten, bisweilen werden Missionare beschuldigt, eine Gefahr für die Gesellschaft darzustellen und zivilen Unfrieden zu säen. Die staatlich kontrollierten Medien produzieren regelmäßig Berichte, die davon handeln, wie evangelikale Christen beschimpft und attackiert werden. Im Norden des Landes erschienen Plakatwände, Broschüren und andere öffentliche Informationen über die Gefahren von Sekten und Missionaren. Manche Kirchen vermeiden es, christliche Symbole zu verwenden, um Konflikte zu vermeiden. Da Christen die direkte Zielscheibe der Behörden sind (so wie es Christen muslimischer Herkunft für die usbekische Bevölkerung sind), ist es äußerst gefährlich, den Glauben öffentlich zu zeigen. Für die vielen Kirchen, die als illegal/nicht-registriert gelten ist es gleichermaßen äußerst gefährlich, religiöse Symbole zu verwenden. In Usbekistan gibt es keine fairen Gerichtsprozesse. Die Richter sind nicht unabhängig und die internationale Überwachung von Gerichtsverhandlungen, in die Christen involviert sind, steht vor hohen politischen Hürden.

Kirchliches Leben: Versammlungen von Gläubigen werden häufig gestört oder es werden Razzien durchgeführt. Es ist fast unmöglich, sich als Kirche registrieren zu lassen – in den letzten 15 Jahren wurde keine einzige Kirche registriert. Alle religiösen Aktivitäten werden genauestens überwacht und Spione haben fast alle Gruppierungen infiltriert. Es ist fast unmöglich, die Erlaubnis für den Neubau einer Kirche zu bekommen, und Renovierungsarbeiten an bestehenden Gebäuden sind sehr schwierig (nur nicht für die Russisch-Orthodoxe Kirche). Nur die wenigen registrierten Kirchen können innerhalb ihres eigenen Gebäudes Aktivitäten organisieren; Aktivitäten außerhalb des Gebäudes sind verboten. Artikel 240 im Gesetz über Ordnungswidrigkeiten mit dem Titel „Verstoß gegen das Religionsgesetz“ aus dem Jahr 1998 verbietet in seinem Absatz 1: „das Ausführen von unerlaubten religiösen Aktivitäten, das Umgehen durch Leiter religiöser Organisationen von der Registrierung nach dem Gesetz über Organisationen, die unerlaubte Organisation und Durchführung von Gottesdiensten durch Geistliche und die Organisation und Durchführung von besonderen Kinder- und Jugendtreffen, sowie die Ausbildung, Literatur und sonstige Studiengruppen, die nicht direkt im Zusammenhang mit dem Gottesdienst stehen“. Eine Verordnung aus dem Jahr 2003 schränkt die Aktivitäten von christlichen Nicht-Regierungs-Organisationen ein, und das Gesetz verbietet „Aktionen, die zum Ziel haben, dass Angehörige einer Religion sich zu einer anderen Religion hinwenden (Bekehrung), sowie jegliche missionarische Aktivitäten.“ Nach dem Religionsgesetz muss alles religiöse Material der Regierung zur Erlaubnis vorgelegt werden. Religiöse Ausbildung ist in Usbekistan verboten. Es gab bestätigte Fälle, in denen Pastoren wegen Leitung illegaler/nicht registrierter Kirchen ins Visier genommen wurden. Pastoren und Laien-Gemeindeleiter wurden an ihrem Arbeits- oder Studienplatz beleidigt, geschlagen und gedemütigt. Alles christliche Material muss von dem Komitee für Religionsangelegenheiten freigegeben werden. In der Praxis heißt dies die Blockade des Imports, des Drucks und des Verteilens. Auch ist es in Usbekistan verboten, ohne staatliche Erlaubnis öffentlich religiöses Material zu verkaufen. Alle Medien sind staatlich kontrolliert und unzugänglich für christliche Gruppen. Es ist unmöglich, christliche Organisationen, Einrichtungen und Schulen zu gründen und zu führen. Wohltätigkeitsarbeit ist sehr eingeschränkt, nur die Russisch-Orthodoxe Kirche darf dies organisieren. Aktivitäten durch ausländische Missionen sind verboten. Christen können ihre Meinung gegen ihre Verfolger nicht kundtun, wenn diese Staatsvertreter sind.

Auftreten von Gewalt: Die Verfolgung in Usbekistan erscheint als nicht sehr gewalttätig, was aber hauptsächlich daran liegt, dass Christen Angst vor den Folgen haben, wenn sie von Vorfällen berichten. Mindestens eine Hausgemeinde wurde zerstört, als die Polizei eine Razzia vornahm. Mindestens fünf Christen wurden festgenommen, während drei andere eine Gefängnisstrafe absaßen. Wir wissen von mindestens zwölf Christen, die entweder von der Polizei oder von ihren muslimischen Familien körperlich angegriffen wurden. Mindestens zwei Grundstücke von Christen wurden zerstört. Mindestens zwei Christen muslimischer Herkunft mussten ihr Zuhause verlassen und sich verstecken aufgrund des Drucks, den ihre Familie auf sie ausübten.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche:

Die Frage, wer dem betagten Präsidenten Islam Karimov nachfolgen wird, wird bald beantwortet werden müssen, aber im Moment wird dieses Thema als Tabu behandelt. Experten gehen davon aus, dass der Nachfolger Karimovs wieder ein kommunistischer Veteran sein wird. Das heißt, dass sich für die Christen nur wenig oder nichts ändern wird.

Die staatlichen Behörden (Polizei, Geheimdienste, Mahalla etc.) werden weiterhin religiöse Aktivitäten auf verschiedene Arten überwachen (Privathäuser verwanzen, Telefonate abhören, Gruppen infiltrieren etc.) und Gottesdienste aufsuchen. Razzien von Hausgemeinden, das Konfiszieren religiösen Materials, Verhöre und Inhaftierungen von Christen wird es auch weiterhin geben.

Druck auf und Gewalt gegen Christen muslimischer Herkunft vonseiten der Familie, von Freunden und der Gesellschaft werden andauern, wenn nicht sogar sich häufen. Die Gefahr, dass islamistische Gruppen, wie die Islamische Bewegung Usbekistans und die Islamische Dschihad Union in Usbekistan aktiv werden, ist ständig vorhanden. Im Ferghanatal besteht die Möglichkeit, dass extreme Muslime erneut gewalttätig werden. Viele in Usbekistan glauben, dass dies direkt nach dem Abtreten Karimovs geschehen wird.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Usbekistan:

  • dass die Regierung aufhört, die christlichen Kreise außerhalb der wenigen registrierten Gemeinden als Bedrohung der Stabilität des Staates zu betrachten
  • dass Gesetzesänderungen gemacht werden, die die Verbreitung christlicher Literatur in usbekischer Sprache erlauben
  • dass Gott ein Ende der Korruption in allen Ebenen des Regierungsbeamtentums bewirkt

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