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Methodik zum Weltverfolgungsindex

Wie der Bericht entsteht

Menschen hinter den Zahlen

Das Leiden verfolgter Christen lässt sich nicht in einer Statistik erfassen. Hinter den Zahlen verbergen sich Millionen Menschen. Jeder Einzelne von ihnen hat seine eigene Geschichte von unfassbarem Leid, aber auch von ungeheurem Mut und Glaubensstärke. Diese persönliche Dimension der gegenwärtigen Christenverfolgung besser erfassbar zu machen, ist das Anliegen hinter der im Folgenden in Kurzform beschriebenen Methodik.

Die Zusammenfassung der Beschreibung zur Methodik können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen. Um einen noch detaillierteren Eindruck zu gewinnen, können Sie sich den Fragebogen zum Weltverfolgungsindex (auf Englisch) ansehen oder eine noch ausführlichere Beschreibung zur Methodik der Indexerstellung (ebenfalls auf Englisch) lesen.

Die Erstellung des Weltverfolgungsindex 2017 wurde vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit zertifiziert.

Nahe bei den Christen

Open Doors ist in rund 60 Ländern mit stark eingeschränkter Glaubensfreiheit tätig, um verfolgte, benachteiligte und Not leidende Christen geistlich und materiell zu unterstützen. Dies ist zumeist nur im Verborgenen möglich. Durch unsere einheimischen Mitarbeiter und Partner sind wir direkt an der Seite der Christen und Untergrundgemeinden. Das hilft uns, die örtlichen Gegebenheiten und die Situation der verfolgten Christen in ihrem soziokulturellen und religiösen Umfeld besser zu verstehen und die Projekte auf ihre Bedürfnisse abzustimmen.

Entstehung des Weltverfolgungsindex

Der Weltverfolgungsindex (WVI) wird nach einer langjährig bewährten Methodik erstellt. Dazu gehört unter anderem ein differenzierter Fragenkatalog, der von Fachleuten aus drei Bereichen beantwortet wird: Analysten des WVI-Teams, Forschern und Fachleuten von Open Doors (in enger Abstimmung mit lokalen Kirchenleitern) sowie externen Experten. Die Aussagen aus diesen drei Quellen werden zusammengeführt, um die Position eines Landes im Weltverfolgungsindex zu bestimmen. Der Entstehungsprozess wird zusätzlich durch externe Wissenschaftler überprüft.

Transparenz schaffen - Ziele des WVI

Mit der Veröffentlichung des WVI verfolgt Open Doors das Ziel, die weltweit herrschende Christenverfolgung in ihrer ganzen Dynamik und ihrem erschreckenden Ausmaß jährlich zu dokumentieren. Dadurch

  1. werden die Verfolgerländer und der Grad der Religionsfreiheit öffentlich gemacht;
  2. werden Politiker und Medien mobilisiert, sich zu engagieren;
  3. wird eine Basis geschaffen, für verfolgte Christen zu beten und zielgerichtet zu helfen.

Der WVI beschreibt die Notlage vieler Christen, wobei der Begriff "Verfolgung" versucht, eine komplexe Realität abzubilden. Bei der Verwendung des Begriffes "Verfolgung" lehnt sich Open Doors an die Vorgaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes an. Mehr Informationen hierzu: www.opendoors.de/was-ist-verfolgung.

Gewalt ist dabei das sichtbarste und am meisten berichtete, aber keineswegs einzige Merkmal von Verfolgung. In Pakistan geschieht beides: Am Ostersonntag 2016 feierten viele christliche Familien Ostern in einem öffentlichen Park, als dort eine Bombe explodierte und über 70 von ihnen in den Tod riss. Doch darüber hinaus existiert aufgrund der zunehmenden Islamisierung des Landes eine gesellschaftliche Grundstimmung, die Christen als minderwertig betrachtet und bei kleinsten Anlässen zu Ausschreitungen gegen sie führen kann. Vergleichbare Entwicklungen finden in vielen Ländern des WVI statt und haben zur Folge, dass zahlreiche Christen über einen langen Zeitraum und in allen Lebensbereichen konstanten Druck erleben. Langfristig kann dies viel zerstörerischer für die Kirche sein als sporadische Gewalt.

Haupttriebkräfte identifizieren

Um die Situation der betroffenen Christen zu verstehen und ihnen bestmöglich helfen zu können, arbeiten wir intensiv daran, die Haupttriebkräfte der Verfolgung zu identifizieren. "Islamische Unterdrückung" ist die mit Abstand bedeutsamste, aber bei weitem nicht die einzige. Auch "kommunistische Unterdrückung", "religiös motivierter Nationalismus" und "diktatorische Paranoia" sind wesentliche Ursachen, um nur einige weitere zu nennen. In den meisten Ländern wirken zudem mehrere dieser Triebkräfte nebeneinander oder verstärken sich sogar gegenseitig.

Betroffene Lebensbereiche

Methodik WVI 2016

Der Fragenkatalog folgt der Annahme, dass ein Christ sein Leben mit Gott in fünf sich überschneidenden Lebensbereichen lebt. Die Antworten zu den fünf Bereichen werden ausgewertet und in einer Ergebnisliste zusammengefasst. Durch die Analyse der Lebensbereiche versuchen wir, das Umfeld und die Lebenswirklichkeit verfolgter Christen in den verschiedenen Ländern besser zu verstehen.

Privatleben1. Privatleben: Jeder Mensch hat das Recht auf ein geschütztes Privatleben. Im Bereich der Menschenrechte spricht man hier von der Gedanken- und Gewissensfreiheit, im Bereich der Religionsfreiheit vom „forum internum”. Können Christen zu Hause ungestört beten oder in der Bibel lesen? Müssen sie unangemeldete Hausbesuche mit Konsequenzen fürchten?

Familienleben2. Familienleben: Jeder Mensch ist Teil einer Familie. Neben der individuellen Privatsphäre ist dieser Bereich der persönlichste von allen. Versuchen Staat oder Angehörige, einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung oder Weitergabe seines Glaubens zu hindern? Besonders für Christen muslimischer Herkunft, aber auch für andere Konvertiten ist diese Form der Verfolgung oft extrem belastend.

Soziales Leben3. Gesellschaftliches Leben: Jeder Mensch lebt innerhalb eines sozialen Umfeldes mit bestimmten Eigenarten. Besonders in Ländern, wo die Zugehörigkeit zu einem Stamm oder einer ethnischen Gruppe große Bedeutung hat, kann dies für Christen zu Problemen führen. Können sich Christen im täglichen Leben ungehindert bewegen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, z.B. den Dorfbrunnen nutzen? Nehmen lokale Behörden oder einflussreiche Persönlichkeiten – etwa lokale religiöse Führer – den Glauben der Christen zum Anlass, sie zu diskriminieren, zu bedrohen oder gar die übrige Gemeinschaft gegen sie aufzuhetzen?

Leben im Staat4. Leben im Staat: Jeder Mensch lebt in einem Staat. In diesem Bereich werden Fragen nach der Rolle der Zentralregierung und der Provinzregierungen untersucht: Kontrollieren sie das Leben ihrer Bürger? Sind Christen frei und können ungehindert an der Zivilgesellschaft und am öffentlichen Leben teilhaben? Werden Christen zu Bürgern zweiter Klasse degradiert? Kommt es im Bereich der Gesetzgebung oder der Rechtsprechung zu Einschränkungen der Glaubensfreiheit?

Kirchliches Leben5. Kirchliches Leben: Ein Christ ist normalerweise Teil einer Kirche oder einer Untergrundgemeinde. Haben die Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu praktizieren? Wie stark sind die Einschränkungen? In den Menschenrechtsdebatten hat gerade der gemeinschaftliche Aspekt einen hohen Stellenwert, wenn es um die Ausübung der Glaubensfreiheit geht.

Physische GewaltEin weiterer und entscheidender Abschnitt des Fragenkatalogs betrifft das Thema „physische Gewalt“. Hier fließen Fragen aus allen der genannten fünf Lebensbereiche ein, bei denen es um tatsächliche Übergriffe gegen Menschen und Gebäude mit Bezug zum christlichen Glauben geht. Durch das gesonderte Betrachten dieses Bereiches wird vermieden, dass einzelne, mitunter spektakuläre Gewaltakte das Gesamtbild verzerren und dadurch der tatsächliche Grad der Verfolgung nicht richtig wiedergegeben wird.

Schlussfolgerung

Der Weltverfolgungsindex von Open Doors stellt keine Statistik dar, in der verfolgte Christen hinter nackten Zahlen verschwinden. Jeder Einzelne von ihnen soll in seinem Leid wahrgenommen werden und Trost und Ermutigung erfahren. Der WVI will Anstoß zum Gebet und zur weiteren Unterstützung für alle verfolgten Christen sein.