ZAR: Die Traumatisierten aufrichten

Nach ihrer Gründung Ende des Jahres 2012 eroberten die rebellierenden Seleka-Milizen große Gebiete der Zentralafrikanischen Republik. Sie töteten Zivilisten, plünderten und brannten Häuser nieder. Ihre Angriffe richteten sich oftmals gezielt gegen Christen. Im März 2013 erreichten sie auch die Stadt Bossangoa. Als Véronique*, ihr Ehemann und ihre vier Kinder vor den Kämpfern davonrannten, wurden sie von muslimischen Soldaten der Multinationalen Streitkräfte Zentralafrikas** festgehalten. Statt die Familie zu schützen, fesselten diese Véroniques Ehemann, schlugen und traten auf ihn ein und töteten ihn schließlich vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder.
 

Véronique
Bild: Véronique

 

Véronique und ihre Kinder kamen in einem Flüchtlingslager unter. Dort wurden sie und tausende andere mit Nahrungsmitteln versorgt, aber niemand kümmerte sich um ihre seelischen Wunden. Viele standen nach den schrecklichen Erlebnissen unter Schock, litten unter Depressionen und kämpften mit Gefühlen der Angst und der Wut. Deshalb begann Open Doors 2014 mit der Ausbildung von Traumabegleitern, durch die schließlich auch Véronique Hilfe erhielt. Zwei Pastoren und eine Frau aus der Nachbarschaft besuchten sie abwechselnd jeden Sonntag, um mit ihr zu reden und sie dabei zu unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten. „Am Anfang weinte ich immer, wenn sie mich besuchten, weil es mich daran erinnerte, was passiert war. Aber dann berührte das Wort Gottes mein Herz“, erzählt sie. „Ihnen zuzuhören, wie sie Gottes Wort erklärten, half mir, mit meinen Fragen umzugehen, und veränderte mein Denken.“

„Wir wussten nicht, was wir tun oder sagen sollten“

Pastor Danway* ist einer der drei Traumaseelsorger, die Véronique regelmäßig besuchen. „Bevor Open Doors uns geschult hat, wussten wir nicht, wie wir traumatisierten Menschen helfen könnten. Wir haben sie gesehen, viele von ihnen, aber wir wussten nicht, was wir tun oder sagen sollten“, berichtet er. Er betont, wie wichtig es zunächst sei, den Betroffenen einfach zuzuhören. Später helfen die Mitarbeiter ihnen dabei, neuen Mut zu fassen und ihr Leben wieder aktiv zu gestalten – zum Beispiel durch die Eröffnung eines eigenen kleinen Geschäfts. So war es auch bei Véronique. Mit dem Geld, das sie verdient, kann sie ihre Familie ernähren und Baumaterial kaufen, um ein eigenes kleines Haus zu errichten. Traditionell ist dies in ihrer Kultur die Aufgabe des Mannes, doch da ihr Ehemann tot ist und ihr Vater zu alt, um zu arbeiten, bleibt ihr keine Wahl.
 

Weil Véroniques Ehemann getötet wurde, muss sie nun allein für ihre Familie sorgen
Bild: Weil Véroniques Ehemann getötet wurde, muss sie nun allein für ihre Familie sorgen

Hoffnungsvoll in die Zukunft schauen

Véronique erzählt, wie sie durch die Traumabegleitung sowohl seelische als auch körperliche Heilung erfahren hat. „Vorher schien mein Leben sinnlos zu sein. Ich war schwach und abgemagert, hatte ständig Kopfschmerzen und Herzbeschwerden“, berichtet sie. Noch vor ein paar Monaten hätten sie laute Geräusche jedes Mal in Angst und Schrecken versetzt, doch inzwischen gehe es ihr viel besser. „Ich sehe gesünder aus und schaue hoffnungsvoll in die Zukunft. Dass ich überhaupt an meine Zukunft denken kann, ist ein Wunder.“

*Name geändert

**zum Schutz der Zivilbevölkerung eingesetzte militärische Einheit, bestehend aus Truppen aus umliegenden Staaten

 

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