Markus Rode zum Umgang mit Flüchtlingen

Zur aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland

Zur aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland

Stellungnahme von Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland

Gegenwärtig erlebt die Welt die größte Flüchtlingswelle seit Jahrzehnten. Millionen von Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und afrikanischen Staaten haben ihr Land verlassen. Hunderttausende, hauptsächlich Muslime, sind inzwischen in Deutschland eingetroffen. Open Doors erreichen in letzter Zeit verstärkt Fragen zum Umgang mit der Flüchtlingssituation. Vor einigen Tagen haben wir den Brief eines besorgten Pastors aus dem Nahen Osten erhalten, der mit seiner Gemeinde tausende Flüchtlinge betreut und an die Pastoren in Deutschland einen Appell richtet. Sein Schreiben – zusammen mit ähnlichen Äußerungen anderer Leiter aus der Region – hat uns zu dieser Stellungnahme veranlasst.

Die Christen in Syrien, Irak und den Nachbarländern stehen unter großem Druck. Dennoch nehmen sie seit Jahren Flüchtlinge auf, was nur durch ihren enormen persönlichen Einsatz und die Unterstützung vieler Christen aus dem Westen möglich ist. Der Fokus der christlichen Netzwerke vor Ort liegt dabei zunächst auf der Versorgung notleidender christlicher Familien, die in den Flüchtlingslagern der UN keinen Platz haben, weil sie dort als Minderheit unter Muslimen unter Druck gesetzt und diskriminiert werden. Darüber hinaus werden jedoch auch hilfesuchende Muslime und Jesiden bereitwillig aufgenommen und unterstützt.

Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen verfolgen unsere Geschwister im Nahen Osten die jüngsten Entwicklungen in Europa mit Sorge und wollen uns Christen dazu ermutigen, den Herausforderungen durch die Flüchtlingswelle im Geiste Jesu zu begegnen.

Lesen Sie zunächst den Appell eines besorgten Pastors aus dem Nahen Osten (Auszüge).

Liebe Pastoren in Europa,
ich grüße Euch in Christus,

wir befinden uns in einem bedeutenden Zeitabschnitt. Ich meine dies in Bezug auf die Flüchtlinge, die eure Länder überfluten. Gegenwärtig bietet sich euch eine vielleicht einmalige Möglichkeit. Ihr könnt sie entweder ergreifen oder verpassen und Europa für immer verlieren.

Die [muslimischen] Familien, die in eure Länder kommen, sind gebrochen, verletzt und notleidend. Ein warmherziges Willkommen kann ihre Perspektive und ihren Glauben rasch verändern. Viele fliehen vor dem massiven Druck des Islam und sind hinsichtlich ihres Glaubens sehr verunsichert. Sie sind aufgewachsen mit der Überzeugung, zur besten Nation und Religion zu gehören, die je auf Erden existierte, und in ihr Denken hat sich die Überzeugung eingebrannt, dass alle anderen Menschen verloren sind. Ihnen wurde nicht erlaubt, zu hinterfragen oder zu zweifeln. Alles galt als von Gott gewollt.

Liebe Pastoren, jetzt ist die Zeit, zu handeln. Jetzt ist die Zeit, aufzuwachen. Setzt Gebet, Glauben, Evangelisation, praktische Hilfe und viel Liebe ein. Muslime sind Opfer ihrer Religion, des Islam. Sie brauchen jemanden, der ihnen die Augen öffnet und sie befreit. Ihr braucht keine Missionare mehr zu ihnen zu senden. Sie stehen vor euren Türen. Baut Beziehungen zu ihnen, zu einzelnen Familien, nicht zu großen Gruppen.

Lasst sie das wahre Gesicht des Christentums sehen (denn sie bringen die Vorstellungen vom Christentum mit, die man ihnen beigebracht hat): ein lebendiges Christsein, das Gott im Geist anbetet, nicht religiöse Götzen; ein Christsein mit Gott hingegebenen Familien, nicht das mit Unmoral vermischte Christentum; ein Christsein der offenbarten Kraft des Heiligen Geistes, nicht das Christentum der lauwarmen Kirchen; ein Christsein des alten erweckten Europas, nicht das Europa des Atheismus. Unser Herr sitzt auf dem Thron.

[…]

Muslime sind nicht unsere Feinde. Sie sind als Menschen Gottes geliebte Geschöpfe wie wir auch, mit vielen wunderbaren Traditionen des Orients. Sie sind großzügige Gastgeber, barmherzig zu den Armen, und sie sind emotional eng mit ihren Familien und Gemeinschaften verbunden. Beeilt euch und kümmert euch um sie, bevor sie sich (wieder) dem Islam zuwenden.

Die Geschichte wird eines Tages bezeugen, dass Gott in seiner Weisheit euch den Hungrigen geschickt hat, damit ihr ihm Essen gebt, den Durstigen, damit ihr ihm zu trinken gebt, den Fremden, um ihn aufzunehmen, und den Nackten, um ihn anzuziehen. Wie werdet ihr reagieren? Einige werden euch ausnutzen - das ist zu erwarten; andere aber werden sich in euren Gott verlieben.

Durchbrecht die Sprachbarriere und nutzt hingegebene, Arabisch sprechende Christen in euren Ländern. Durchbrecht kulturelle Barrieren und versucht, die Denkweise der Muslime zu verstehen. Durchbrecht die Entfernungsbarrieren und bittet Missionsteams aus der arabischen Welt um Hilfe durch Kurzzeiteinsätze. Ihr habt eine großartige Gelegenheit. Ich bitte euch, eure Augen dafür zu öffnen, bevor es zu spät ist.

Ein besorgter Pastor im Nahen Osten

Weitere geistliche Leiter aus dem Nahen Osten, die unter Flüchtlingen tätig sind, haben sich ähnlich zur Situation geäußert. Hier ihre Mut machenden Kommentare:

Ich möchte die Gemeinde Jesu dringend ermutigen, ihre Augen zu öffnen und aufzuwachen. Findet Möglichkeiten, euch der Flüchtlinge anzunehmen. Sie sehen, dass die christlichen Länder ihnen helfen, während Saudi-Arabien, Kuwait und Katar es nicht tun. Sie haben genug vom Islam. Jetzt ist die Zeit, sich um sie zu kümmern und ihnen zu zeigen, was wahres Christsein bedeutet.

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Dies ist eine großartige Gelegenheit, die die Kirche nicht ignorieren darf. Die Gemeinde in Europa muss bereit sein. Bildet eure Leute aus, macht euch mit der Kultur vertraut und lehrt sie, mit Muslimen richtig umzugehen. Liebt sie - helft ihnen auf eure Weise. Dies ist eine segensreiche Herausforderung für die Gemeinde. Aber ich will auch deutlich sagen: Es kann manchmal sehr schwierig sein, mit Muslimen zu arbeiten.

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Wir sind nur eine kleine Gemeinde. Als wir begannen, [uns um die Flüchtlinge zu kümmern,] waren viele dagegen - der Bürgermeister, die Kommunalbehörden. Aber sie konnten uns nicht aufhalten. Die Gemeinde im Westen hat viel mehr Möglichkeiten. Wenn ihr ihnen wahre Liebe zeigt, könnt ihr sie erreichen. Aber wenn die Gemeinde jetzt nicht aufsteht, können die Flüchtlinge in Zukunft zu einem echten Problem werden.

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Es ist großartig, wie Deutschland die Flüchtlinge im Moment willkommen heißt. Aber gleichzeitig habe ich Sorgen, denn mit ihnen kommen auch fanatische Muslime nach Europa. Heißt die Flüchtlinge willkommen, denn sie sind in großer Not. Mit Gottes Hilfe kann daraus großer Segen erwachsen.

Umgang mit Flüchtlingen – von verfolgten Christen lernen

Unsere Kontaktpersonen in Syrien und dem Libanon, mit denen wir durch unsere Hilfsprojekte für verfolgte Christen in enger Verbindung stehen, haben bereits viel Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen, vor allem auch mit muslimischen. Als Christen in Europa werden wir unsere eigenen Erfahrungen sammeln müssen, gerade angesichts der kulturellen und religiösen Unterschiede. Unsere Geschwister aus dem Nahen Osten ermutigen uns dazu, Ängste und Bedenken gegenüber den muslimischen Flüchtlingen zu überwinden und auf sie zuzugehen.

Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt sind darauf angewiesen, dass wir ihnen in ihren vielfältigen Nöten zur Seite stehen. Deshalb sind gerade wir als Gemeinde Jesu aufgefordert, sie praktisch zu unterstützen und ihnen das Evangelium weiterzugeben. Das birgt auch Risiken und wird einen Preis kosten. Die Frage ist: Sind wir bereit, uns von der Liebe Jesu bewegen zu lassen und uns vor allem deutlich zu unserem Glauben an Jesus zu bekennen?

Wenn Muslime dadurch zu Christus finden, werden sie auch anderen davon erzählen. Genau das geschieht gerade tausendfach im Nahen Osten. Das Evangelium des Friedens kann sich so wie ein Lauffeuer ausbreiten. Das ist der einzige Ausweg aus Krieg und Hass.

Ein Pastor aus dem Libanon erlebt Gottes Eingreifen

Vor einiger Zeit traf ich den Pastor, von dem der erste Brief stammt. Er berichtete mir, dass er viele Jahre für Muslime gebetet, aber bei seiner mühsamen Arbeit kaum Ergebnisse erlebt hätte: „Ich hatte geplant, meinen Dienst aufzugeben, bis etwas geschah, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Über Nacht strömten tausende, meist muslimische Syrer in den Libanon, um sich vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen, und baten auch bei meiner kleinen Gemeinde um Hilfe. Sie hatten gehört, dass Christen die Hilfesuchenden nicht abweisen würden.“ Das sei für ihn ein Schock gewesen, da die Syrer als Feinde und Unterdrücker der Libanesen gelten. Doch der Pastor ging auf die Knie und begann für die notleidenden Muslime zu beten. Da spürte er, wie Jesus ihm Erbarmen für sie schenkte. Seine kleine Gemeinde betreut heute über tausend Flüchtlinge, Christen und Muslime. Sie werden mit Nothilfe versorgt und zu den Gottesdiensten eingeladen. Die Predigten hat der Pastor bewusst auf die Situation der Flüchtlinge zugeschnitten. Dass ausgerechnet die Christen, die in islamischen Ländern seit Jahrhunderten Unterdrückung und Benachteiligung erleben, ihnen jetzt helfen, bringt viele Muslime ins Nachdenken. Die Folge ist eine einzigartige Offenheit für das Evangelium. Derzeit kommen durch die wenigen Christen im Nahen Osten so viele Muslime zum Glauben an Jesus wie nie zuvor.

Praktische Anregungen und Ressourcen

Viele Christen beten seit Langem für Erweckung in Deutschland. Nun bietet sich eine Gelegenheit, aktiv zu werden. Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Anregungen – bitte prüfen Sie selbst, was sich bei Ihnen am besten in die Tat umsetzen lässt.

  1. Machen Sie es wie der libanesische Pastor: Gehen Sie zuerst auf die Knie, bitten Sie um Gottes Leitung und lassen Sie sich von Jesus Erbarmen schenken. Begleiten Sie alle weiteren Schritte im Gebet.
  2. Finden Sie heraus, welche Sprachen die Flüchtlinge in Ihrem Umfeld sprechen, und suchen Sie Kontakt zu Christen und Gemeinden, die bei der Übersetzung behilflich sein und ggf. sogar besondere Gottesdienste für Flüchtlinge in Ihrer Gemeinde mitgestalten können.
  3. Bilden Sie Kooperationen mit ausländischen Gemeinden, die sie praktisch darin unterstützen können, Flüchtlinge aufzunehmen.
  4. Sprechen Sie mit Ihren lokalen und kommunalen Behörden. Dort erhalten Sie wertvolle Tipps zur Arbeit unter Flüchtlingen sowie zu den notwendigen behördlichen Schritten. Außerdem können Sie Ihre Bemühungen verstärken, indem Sie gemeinsam mit anderen Hilfe leisten. Nicht zuletzt senden wir als Christen ein positives Signal aus, wenn wir uns für Flüchtlinge engagieren.
  5. Laden Sie Flüchtlingskinder ein, malen Sie mit Ihnen auf der Basis biblischer Geschichten Bilder und singen Sie mit ihnen.
  6. Verteilen Sie Neue Testamente in den Sprachen der Flüchtlinge. Sie erhalten diese u.a. vom Evangelischen Ausländerdienst unter www.ead-direkt.de. Sie können diese in Flüchtlingsunterkünften zusammen mit kleinen Willkommenspaketen verteilen. Weitere Medienangebote in vielen Sprachen bietet www.globalrecordings.net/de.
    Packen Sie kleine Schuhkartons mit Spielsachen für Flüchtlingskinder und einer Kinderbibel in deren Sprache.
  7. Versuchen Sie, die Kultur der Flüchtlinge besser zu verstehen. Hierzu gibt es gutes Material unter www.orientdienst.de, www.reachacross.de oder www.amin-deutschland.de.
    Wo dies möglich ist, empfiehlt sich ein Besuch in der Flüchtlingsunterkunft. Dadurch ist die Schwelle für die Flüchtlinge niedriger und es ist leichter, Vertrauen aufzubauen. Fragen Sie die Menschen nach ihrem Befinden und ihrer Familie.
    Gestalten Sie – als christliche Frauen – Frauennachmittage gemeinsam mit einer Übersetzerin und kommen sie so mit muslimischen Frauen ins Gespräch über ihren Glauben an Jesus.
  8. Verzichten Sie bitte nicht darauf, den Flüchtlingen von Jesus Christus zu erzählen, selbst wenn es dagegen Widerstand geben sollte. Viele Flüchtlinge sind dafür sehr offen. Das Evangelium ist das Kostbarste, was wir ihnen anzubieten haben.

Diese Hinweise basieren auf den Erfahrungen von Christen in islamischen Ländern. Wir können von ihnen lernen. Sehr dankbar sind wir auch für Dienste in Deutschland, die sich hierzulande auf der Basis ihres christlichen Glaubens der Nöte von Flüchtlingen und Migranten annehmen. Der Dienst von Open Doors konzentriert sich auf die Unterstützung von Christen in Ländern, wo sie wegen ihres Glaubens Verfolgung erleiden und häufig keine Hilfe erfahren.

Leider hören wir, dass auch christliche Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingslagen vermehrt von muslimischen Flüchtlingen unter Druck gesetzt werden. Hier appellieren wir an die Politiker aller Parteien, diesen Übergriffen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.

Bitte auf keinen Fall vergessen – verfolgte Christen unterstützen

Bei aller Aufmerksamkeit für unsere Herausforderungen in Deutschland: Unsere Geschwister in den Verfolgungsländern sind besonders auf uns Christen angewiesen. Ohne unsere gemeinsame Hilfe können sie nicht überleben, geschweige denn vor Ort bleiben und ihren Auftrag ausführen. Aufgrund der aktuellen Konflikte liegt ein Schwerpunkt der gegenwärtigen Arbeit von Open Doors im Nahen Osten, wo wir die christlichen Netzwerke unterstützen, die sich aufopfernd um die verfolgte Minderheit der christlichen Flüchtlinge kümmern. Da sie kaum Unterstützung von westlichen Regierungen oder der UN erhalten und ihre Mittel aufgebraucht sind, haben sie uns aktuell mit einem dringenden Appell um Nothilfe gebeten. Viele unserer Glaubensgeschwister in Syrien und dem Irak fühlen sich nicht ohne Grund von den westlichen, „christlichen“ Regierungen vergessen, nicht zuletzt auch, wenn es darum geht, sie in westliche Länder in Sicherheit zu bringen. Trotz all ihrer Not helfen sie mit Hingabe nicht nur hunderttausenden christlichen Flüchtlingen, sondern auch hilfesuchenden Muslimen und Jesiden. Sie brauchen gerade jetzt unsere kontinuierliche Unterstützung und Gebete.

„Lasst also nicht nach in eurem Bemühen, Gutes zu tun. Es kommt eine Zeit, in der ihr eine reiche Ernte einbringen werdet. Gebt nur nicht vorher auf! Solange uns noch Zeit bleibt, wollen wir allen Menschen Gutes tun; vor allem aber denen, die mit uns an Jesus Christus glauben.“

Galater 6,9-10

Im Namen unserer verfolgten Geschwister im Nahen Osten danken wir Ihnen für alle Gebete und Hilfe in dieser extrem herausfordernden Zeit. Wir wissen, dass Jesus auch in diesem Sturm mit im Boot ist.

Ihr Markus Rode
Leiter von Open Doors Deutschland

 

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir den Kommentar von Markus Rode „Wie verfolgte Christen den Islam erleben“.

 

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