Syrien: Die Kirche aufrichten

Fünf Berichte von Christen, deren Leben durch biblische Schulungen verändert wurde

Biblische Seminare für Pastoren, Leiter und Mitglieder von Gemeinden sind eine der Säulen der Arbeit von Open Doors in Syrien. Mit Ihrer Unterstützung und in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort konnten im Jahr 2017 insgesamt 21.589 Christen in Syrien an einem Seminar teilnehmen. Fünf von ihnen erzählen, wie dadurch ihr Leben verändert wurde:
 

Danny
Bild: Danny Maida

Name: Danny Maida
Alter: 26
Wohnort: Homs

Danny arbeitet in der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Homs mit Kindern. Vor dem Krieg studierte er Informatik, während des Krieges übernahm er in seiner Kirche die Verantwortung für die Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. „Ich habe an einem Kurs über Leiterschaft mit Fokus auf christliche Erziehung teilgenommen. Wir waren eine große Gruppe mit Menschen aus ganz Homs, in der alle Denominationen vertreten waren. Wir hatten eine Krise innerhalb der Gemeinde hier in Homs. Wegen des Kriegs haben viele Leiter der Kirchen das Land verlassen. Plötzlich waren wir Laien Leiter. Wir brauchten das Training wirklich.“

Als die Kämpfe in Homs vorbei waren, hatte die Kirche zwei Verantwortlichkeiten: „Natürlich mussten wir auch die Gebäude wiederaufbauen, aber unsere größte Verantwortung war es, die Menschen wieder aufzurichten.“

„Am besten hat mir gefallen, dass wir in dem Kurs gelernt haben, die Bibel, das Wort Gottes, in unseren Stunden mit den Kindern anzuwenden und es mit ihrem alltäglichen Leben zu verbinden. Das war für mich neu. Ich habe auch gelernt, wie ich interaktiver unterrichten kann. Nach dem Kurs haben wir das dann umgesetzt. Ich habe mein neues Wissen auch anderen Kindermitarbeitern und einer Gruppe von Studenten in unserer Kirche weitergegeben.“

„Das Training hat mein Leben verändert und die Art, wie ich mit den Kindern arbeite. Weil so viele unterschiedliche Konfessionen dort waren, habe ich jetzt Freunde in anderen Kirchen. Wir helfen einander jetzt und tauschen Ideen aus. Es hat sich auch die Art verändert, wie ich in meiner Kirche diene. Ich war immer sehr schüchtern, aber ich weiß mich jetzt besser auszudrücken. Auch die Kinder merken das.“

„Mit unserem neuen Ansatz ist die Gruppe der Kinder in der Kirche gewachsen. Früher hatten wir etwa 65 Kinder, jetzt kommen 100 Kinder!“ Danny hat außerdem auch Jugendliche in die Kinderarbeit einbezogen. Sie lernen nun schon früh, eine Gruppe zu leiten und verschiedene Aktivitäten zu organisieren. Mit einem breiten Grinsen sagt Danny: „Die Kinder sind sehr gut drauf. Sie haben mir schon gesagt: ‚Du machst die Dinge besser als vorher.‘“

 

Sandy Georges
Bild: Sandy Georges

Name: Sandy Georges
Alter: 20 Jahre
Wohnort: Aleppo

Diese junge Christin stammt aus al-Hasaka, ist aber für ihr Medizinstudium nach Aleppo gezogen. Sandy hat an einem Training teilgenommen, das Frauen dazu ermutigt, sich stärker und effektiver in ihre Gemeinden einzubringen. „Ich habe viele neue Dinge gelernt“, sagt die 20-Jährige, „aber am wichtigsten fand ich die Themen Kommunikation, Leiterschaft, die Situation und die Rolle der Frau in der Gesellschaft und wie man eine Bedarfsanalyse erstellt. Durch den Kurs bin ich viel selbstbewusster in meiner Rolle als Leiterin.“

Während des Seminars kam Sandy die Idee, Veranstaltungen für Frauen zu organisieren. Die erste Veranstaltung hat inzwischen bereits stattgefunden. Etwa 70 Frauen zwischen 16 und 70 Jahren haben teilgenommen. „Das war eine sehr wichtige Veranstaltung. Frauen brauchen einander. Viele sind auf sich allein gestellt und viele Mütter mussten mitansehen, wie ihre Kinder Syrien wegen des Krieges verlassen haben.“

Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Helfern plante Sandy das ganze Treffen. Den Frauen wurden Workshops angeboten, in denen sie lernen konnten, wie ein eigenes Einkommen etwa durch Stricken oder das Recyceln von Abfallprodukten generiert werden kann. „Einige von ihnen können jetzt ihre Familien versorgen“, erzählt Sandy. „Sie verdienen Geld mit dem, was sie an diesem Tag gelernt haben. Es war so großartig, die Freude in ihren Augen zu sehen, zu sehen, wie diese Veranstaltung ihr Leben verändert hat.“

„Es war auch großartig, zu sehen, wie Gott an diesem Tag gewirkt hat. Er hat uns gezeigt, wie er durch den Heiligen Geist im Leben eines jeden Menschen anders arbeitet. Das hat die Frauen und mich sehr ermutigt. Ich plane noch weitere Dinge. Auch andere Teilnehmer von meinem Seminar haben begonnen, in ihren Kirchen und ihrem Umfeld Aktivitäten zu starten.“

 

Aphrem Wazir
Bild: Aphrem Wazir

Name: Aphrem Wazir
Alter: 37
Wohnort: Aleppo

Aphrem ist Priester in der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Aleppo. Er hat an zwei Schulungen für Leiter in der Gemeinde teilgenommen. Der Fokus der Kurse lag auf dienender Leiterschaft. „Es war wundervoll, diese Kurse gemeinsam mit Leitern von verschiedenen Denominationen zu haben. Das war ein ganz wichtiger Schritt: uns alle zusammenzubringen. Soweit ich weiß, gab es das vorher noch nie!“

„Die Lektionen über dienendes Leiten waren sehr wichtig. Wir sollen Jesus Christus in unserer Kirche repräsentieren. Christus ist der Leiter der Kirche, er ist der gute Hirte. Wir als seine Jünger sollten von ihm und seinem Leben lernen. Für mich persönlich und auch für die ganze Gruppe war das Wichtigste, dass wir als Leiter aus unterschiedlichen Kirchen zusammengekommen sind. Ihr habt uns zusammengebracht – ein Beispiel für die Einheit, die die Kirche sein muss. Ich war beeindruckt davon, wie der Kursleiter uns mit Humor und Demut gedient hat.“

Zudem bot der Kurs den Priestern und Pastoren einen Augenblick der Erholung und Besinnung inmitten des Kriegs. „Mein Kurs fand im Libanon statt. So konnten wir den Krieg für kurze Zeit hinter uns lassen. Wir sind so müde von all der Arbeit. Der Krieg erschöpft uns.“

 

Emad
Bild: Emad Shakaz

Name: Emad Shakaz
Alter: 24
Wohnort: Aleppo

Da er mit Jugendlichen in der Gemeinde arbeitet, wurde Emad von seinem Priester eingeladen, eine mehrwöchige biblische Schulung zu besuchen. „Das erste Training war zur Vorbereitung auf Leiterschaft. Ich habe mich sehr darauf gefreut und war noch begeisterter, als ich entdeckt habe, dass die Teilnehmer aus den verschiedensten Denominationen kommen. Am meisten hat mich beeinflusst, über Emotionen zu reden und eine Vision für mein Leben zu formulieren. Das waren neue Dinge für mich. Ich konnte neue Leute aus anderen Kirchen und Regionen kennenlernen und habe entdeckt, dass einige von ihnen ein tieferes geistliches Leben hatten als ich. Als ich in meine Kirche zurückkehrte, fing ich an, meine Erfahrungen in die Praxis umzusetzen.“

Emad hat noch weitere Kurse über Leiterschaft und Jugendarbeit besucht. „Das hat mir sehr geholfen. Ich habe begonnen, darüber nachzudenken, wie ich der Jugend diene. Ich habe auch gelernt, besser passende Aktivitäten für die Jugend vorzubereiten. Ich kann nun besser auf die großen Fragen antworten, die Jugendliche haben. Als letztes durfte ich an einem Kurs teilnehmen, der gezeigt hat, wie man Leiter ausbildet. Ich hoffe, dass ich so einige unserer Jugendliche selbst zu Leitern ausbilden kann. Die Seminare waren alle sehr praktisch und haben mir Dinge gezeigt, die nicht nur für mich selbst wichtig sind, sondern die ich mit anderen teilen kann. Ich habe gelernt, über den Tellerrand hinauszuschauen. Auch für mein eigenes geistliches Leben haben die Kurse mir geholfen. Ich kann die Bibel nun besser verstehen und sie in meinem Leben anwenden.“

 

Mirna Achji
Bild: Mirna Achji

Name: Mirna Achji
Alter: 24
Wohnort: Aleppo

Mirna ist Architektin und arbeitet in ihrer Kirche in Aleppo mit Kindern. „Ich habe in den vergangenen Jahren an vier Seminaren teilnehmen dürfen. In den ersten beiden ging es um Leiterschaft, in dem dritten darum, andere zu Leitern auszubilden, und in dem letzten habe ich gelernt, Menschen geistlich zu unterstützen. Die ersten beiden Kurse haben meinen Blick auf das Leben verändert. Ich fing an, über Dinge nachzudenken, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte. Ich habe begonnen, über meine Ziele im Leben nachzudenken. Ich kenne mich jetzt selbst viel besser, ich weiß, warum ich geboren wurde und was meine Ziele sind.“

„An den Seminaren teilzunehmen, hat mich auch näher zu Gott gebracht. Ich habe über meine Beziehung mit ihm nachgedacht. Ich bin jetzt viel stärker mit Gott verbunden als früher. Ich konnte auch das, was ich gelernt habe, an meine Freunde in der Kirche weitergeben.“

„Ich will ganz ehrlich sein: Im Krieg habe ich mich oft gefragt, warum uns all das zustößt, warum Gott zulässt, dass Menschen sterben und wir so großen Schmerz fühlen. Aber nachdem ich viel geklagt hatte, glaube ich, dass Gott mir geantwortet hat. Als ich müde war und die Zeiten schwierig waren, hat er mit geantwortet. Ich glaube, dass der Schmerz, den wir erleben, auch eine Chance ist. Alles passiert aus einem Grund und ich glaube, dass Gott eine Botschaft für uns hat in allem, was geschieht. Darum liebe ich die Geschichte von Hiob sehr. Das Buch spricht von Geduld, vom Glauben an Gott ohne Bedingungen. Die Menschen in Syrien sind stark. Wir werden nicht aufgeben.“


Die biblischen Schulungen in Syrien werden durch unsere Hilfskampagne „Hoffnung für Christen in Irak & Syrien“ finanziert. Wir wollen den Menschen in den beiden Ländern die Möglichkeit geben, in ihrer Heimat zu bleiben und die Gemeinden darin stärken, Zentren der Hoffnung für ihre Umgebung zu sein. Bitte unterstützen auch Sie die Kirche in Syrien und im Irak durch Ihre Spende und Ihr Gebet!

 

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