Interview interview

Interview: Wie ein Pastor aus Vietnam über Gebet denkt

„Die Kirche ist nur so stark wie ihr Gebetsleben“

Pastor Barnabas* hat sowohl die Freuden als auch das Leid eines Dienstes in Vietnam erlebt. Er gab ein gut laufendes Geschäft auf, um eine Kirche zu gründen, musste deswegen Verfolgung erleiden und lebte viele Jahre im Exil in Thailand. Für Pastor Barnabas ist ein diszipliniertes Gebetsleben ein Schlüssel für ein fruchtbares Leben sowohl im persönlichen Bereich als auch im Dienst. Wir haben mit ihm über seine Gedanken zum Gebet und sein persönliches Gebetsleben gesprochen.

Pastor Barnabas, was bedeutet Gebet für dich?

Gebet ist das Lebenselixier eines Christen. Wenn ein Pastor betet, bekommt er Mut und Zuversicht, um schwierige Aufgaben anzugehen. Gebet lässt dich den Unterschied verstehen zwischen schwierig und unmöglich. Gott gibt uns die Fähigkeit, das Schwierige zu tun – er wird uns führen und befähigen. Und er wird übernehmen, wenn es an das Unmögliche geht.

Wie wichtig ist Gebet für einen Pastor?

Gebet sollte die höchste Priorität haben. Seit ich Christ geworden bin, versuche ich, jeden Tag mit Gebet zu beginnen. Wenn ich auf die Knie gehe und Gott mein Lob und meine Bitten bringe, dann findet mein unruhiges Gemüt Antworten. Gott zeigt mir den Weg, wenn ich im Gebet zu ihm komme.
 

Christ aus Vietnam beim Gebet
Bild: Christ aus Vietnam beim Gebet

Gibt es auch Zeiten, in denen dir Gebet schwerfällt?

Wenn ich zu viel arbeite, wird Gebet nur noch zu einer Gewohnheit. Ich bete, aber bin nicht mit dem Herzen dabei. Ich bete nur noch aus Pflichtgefühl. Ich möchte alle Christen herausfordern, besonders, wenn sie in einem Dienst stehen, dass sie wirklich Zeit ins Gebet investieren!

Du musstest aus Vietnam fliehen und drei Jahre im Exil leben, um nicht verhaftet zu werden. Wie sah dein Gebetsleben in dieser schwierigen Zeit aus?
Mir sind in dieser Zeit eine Menge Fragen durch den Kopf gegangen. Aber die Zeit im Exil bot mir auch viel Gelegenheit zum Gebet. Drei Jahre lang habe ich nur gebetet. Ich habe Disziplin entwickelt und dann ist mir das Beten immer leichter gefallen.

Wofür hast du gebetet?

Als Erstes habe ich für meine Familie gebetet, dass sie stark bleibt und ihren Glauben nicht aufgibt. Ich habe immer an meine Frau und meine Kinder gedacht. Ich habe drei Kinder. Zu der Zeit war mein Sohn 18 Jahre alt und meine Töchter 15 und 12. Ich habe gebetet: „Herr, bitte zeige meiner Familie, warum ich nicht bei ihnen sein kann.“

Mein Sohn hat mir einen Brief geschrieben, einen Monat, nachdem ich geflohen bin. Er sagte, dass er mich sehr liebt und stolz auf mich ist und auf das Opfer, das ich bringe. Aber der Lehrer meiner jüngsten Tochter hat ihr erzählt, dass ihr Vater weggelaufen ist, weil er sein Land verraten hat. Das hat mir das Herz gebrochen. Es hat sie sehr getroffen. Meine andere Tochter hat mich sehr ermutigt. Sie hat mir häufig Bilder von sich geschickt und geschrieben, dass ich mich nicht sorgen soll.

Ich habe außerdem für die Kirche gebetet. Ich hatte ein Netzwerk von unabhängigen Hauskirchen in Vietnam mitgegründet. Der Dienst konnte weitergehen und aufblühen, obwohl ich fort war.
 

Christ aus Vietnam beim Gebet
Bild: Christ aus Vietnam beim Gebet

Wie sollten Christen Gebet behandeln?

Wir sollten uns daran erinnern, dass Gebet nicht eine Pflicht ist, die wir in der Kirche erledigen, sondern eine Grundlage unseres Glaubens. Wir gewinnen unsere Kämpfe auf den Knien! Wir sollten uns Zeit nehmen, zu beten. Wir beten, weil es wichtig ist. Wenn ich Kirchen in anderen Ländern besuche, fällt mir häufig auf, dass in ihren Abläufen etwas steht wie: Gebet – 1 Minute. Ich denke, wir sollten Gebet nicht zeitlich begrenzen. Es ist kein Programmpunkt.
Ich durfte in meiner Gemeinde die Macht des Gebets erleben. Wir haben eine 24-Stunden-Gebetskette gestartet. Einzelne Personen können sich für eine bestimmte Zeit eintragen und das Gebet läuft jeden Tag 24 Stunden lang. Wir erleben, wie die Gemeinde geistlich und in Zahlen wächst. Ich habe Folgendes entdeckt: Die Kirche ist nur so stark wie ihr Gebetsleben.

Wie lehrst du in deiner Gemeinde, wie wichtig Gebet ist?

Wenn jemand in unserer Gemeinde Jesus als seinen Retter annimmt, zeigen wir ihm als Erstes, wie er beten kann. Ich versuche außerdem, mindestens einmal im Monat über Gebet zu predigen.

Du stehst als Pastor in der verfolgten Kirche an vorderster Front. Wie wichtig ist das Gebet anderer Christen für euch?

Wenn du für jemanden betest, bleibt diese Person in deinem Herzen. Deine Liebe für sie wächst, wenn du für sie betest. Ich bin sehr froh, dass viele Mitglieder meiner Gemeinde für mich beten. Denkt einmal über diese Frage nach: Wie kannst du zu jemandem sagen, dass du ihn liebst, wenn du nicht für ihn betest? Wie sehr du es zu deiner Gewohnheit machst, für jemanden zu beten, bestimmt, wie sehr du ihn liebst.
 

Christen aus Vietnam beim Gebet
Bild: Christen aus Vietnam beim Gebet

Was rätst du Menschen, die sehr beschäftigt sind und wenig Zeit haben, um zu beten?

Wenn harte Zeiten kommen, tendiere ich dazu, mehr zu handeln und weniger zu beten. Ich habe gelernt, eine Haltung des Gebets in allen Bereichen meines Lebens zu entwickeln. Ich glaube, was Paulus meinte, als er uns aufforderte, „ohne Unterlass zu beten“, ist, dass wir regelmäßig eine Pause machen, uns einen ruhigen Ort suchen und beten. Aber ich glaube auch, dass es bedeutet, in einer Haltung des Gebets zu bleiben, egal, was wir tun. Es bedeutet, dass wir uns immer mehr Gottes Gegenwart in unserem Alltag bewusst werden. Wenn ich Brot backe, bete ich. Wenn ich Auto fahre, bete ich.

Ist es eine Sünde, nicht zu beten?

Ich würde nicht sagen, dass man es kategorisch als Sünde bezeichnen kann, wenn man nicht betet. Aber die Person wird sehr viel verpassen, wenn sie kein gebetserfülltes Leben führt. Wenn du nicht betest, wirst du nicht geistlich wachsen. Das Fehlen von Gebet macht uns schwach. Es ist deine Entscheidung, ob du betest oder nicht. Ein Leben ohne Gebet ist keine Sünde, aber es kann uns leicht in Sünde führen, denn wenn du nicht betest, bist du Gott fern, und wenn du fern von Gott bist, wirst du leichter sündigen.

*Name geändert

 

Gebet ist ein Kernanliegen des Dienstes von Open Doors für verfolgte Christen. Stehen auch Sie mit uns für Christen wie Pastor Barnabas ein und seien Sie beim Gebetsabend für Nordkorea und die islamische Welt dabei – am Freitag, den 11. Mai 2018, in Heilbronn. Alle Informationen finden Sie hier:

Gebetsabend

 

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.