Länderprofil Nepal

Nepal

25
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Nepal
Hauptreligion
Hinduismus
Staatsform
Demokratische Bundesrepublik
ISO
NP
Karte Nepal
Karte Nepal
Christen
1,17
Bevölkerung
29.19
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.600
Familienleben: 11.900
Gesellschaftliches Leben: 10.700
Leben im Staat: 11.500
Kirchliches Leben: 12.400
Auftreten von Gewalt: 4.600
Länderprofil Nepal

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

64 Punkte / Platz 25 (WVI 2017: 53 Punkte / Platz: nicht auf dem WVI)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Christen werden in vielen Bereichen von Hindu-Extremisten verfolgt. Lokale und nationale Behörden erlegen ihnen gesetzliche und andere Einschränkungen auf. Örtliche Hindu-Priester und extremistische Hindu-Bewegungen greifen Christen körperlich an. Die örtliche Bevölkerung verbreitet ein feindseliges Klima in den Dörfern.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle Kategorien von Christen in Nepal sind von Verfolgung betroffen, jedoch ist das Ausmaß unterschiedlich stark. Römisch-katholische Kirchen und Kirchen, in denen sich Ausländer versammeln, haben die geringsten Probleme. Christen mit hinduistischem Hintergrund werden am stärksten unter Druck gesetzt, da man sie für Abtrünnige vom Glauben ihrer Ahnen hält. Christen hinduistischer Herkunft und protestantische Kirchen stehen ganz besonders unter Druck durch Familie, Freunde, Gesellschaft und lokale Behörden. Von Zeit zu Zeit nutzen Hindu-Extremisten die instabile politische Lage aus und greifen Christen an. Meistens kommen sie ungestraft davon.

Es gibt auf nationaler Ebene auch einige gesetzliche Einschränkungen. Die Verfassung von 2015 erklärt den Staat Nepal zum säkularen Staat. Doch sie bestimmt deutlich, dass die Konversion zu jeder anderen Religion als dem Hinduismus unzulässig ist und eine strafbare Handlung darstellt.

Beispiele

  • Christen in Nepal kämpfen weiterhin um die Genehmigung eines Friedhofs, auf dem sie ihre Toten legal beerdigen dürfen. Aus Mangel an offiziellen Grabstätten sehen sich Christen häufig dazu gezwungen, ihre Toten illegal in Wäldern zu begraben. Manchmal kommt es dazu, dass einheimische extremistische Hindus – von christlichen Beerdigungen erzürnt – die Leichen wieder ausgraben und zu den Häusern der christlichen Familien zurückbringen oder sie einfach auf der Straße liegen lassen. Wie gesagt: Christen bitten die Regierung, ihnen Land zuzuteilen, um ihre Toten offiziell beerdigen zu können, doch das Problem bleibt ungelöst.
  • Am 18. April 2017 versuchten „unbekannte Personen“, die katholische Kathedrale in Katmandu in Brand zu setzen. Das Feuer beschädigte das Wohnhaus des Priesters und den westlichen Flügel der Kathedrale. Außerdem verbrannten ein Auto und zwei Motorräder. Es gibt keine Berichte über Verletzte.
  • Sieben Menschen, darunter die Besitzer zweier Privatschulen, wurden am 9. Juni 2016 im Bezirk Dolakha, Nepal, unter dem Vorwurf verhaftet, andere zum christlichen Glauben bekehren zu wollen, da sie an die Kinder Bibel-Handbücher verteilt hatten. Wenige Tage später, am 14. Juni 2016, wurde auch Pastor Shakti Pakhrin aufgrund seiner Verbindungen zu den bereits im Fokus der Ermittlung stehenden Personen in Gewahrsam genommen. Alle wurden im Dezember 2016 wieder freigelassen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 64 Punkten steht Nepal auf Platz 25 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018, im Vergleich zum WVI 2017 entspricht dies einer Steigerung von 11 Punkten. Im WVI 2017 wurde Nepal nicht geführt. Die Verfolgung geht vor allem von extremistischen Hindus aus, doch im Hintergrund tragen auch ethnische Spannungen zum Druck bei. Die Situation für Christen in Nepal hat sich in allen Lebensbereichen merklich verschlechtert, weil es zu einem starken Anstieg von „Religiös motiviertem Nationalismus“ gekommen ist, durch den sich die Aktivitäten von Hindu-Extremisten sehr verstärkt haben. Regierungsbeamte, Hindu-Priester, Hindu-Parteien, Familie, Freunde sowie das soziale Umfeld haben ihren Druck verstärkt. In diesem Zusammenhang hat sich die Anzahl gewaltsamer Übergriffe ebenfalls erhöht. Es gibt Berichte über angegriffene Kirchen, zu Gefängnisstrafen verurteilte Christen, dutzende Christen, die zusammengeschlagen wurden, und Christen, die aufgrund von Drohungen aus ihren Häusern und Dörfern fliehen mussten.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Am stärksten geht die Verfolgung der Christen in Nepal von extremistischen Hindu-Gruppen aus, die Nepal wieder in einen Hindu-Staat verwandeln wollen. Diese extremistischen Hindu-Gruppen haben enge Verbindungen zu Hindutva-Gruppen im benachbarten Indien. Einst ging die Verfolgung nicht vom Staat aus, doch seit 2015 gibt es eine neue Verfassung, in der die Religionsfreiheit eingeschränkt wird. Am 8. August 2017 hat das nepalesische Parlament ein Anti-Konversions-Gesetz verabschiedet, das vom Präsidenten am 16. Oktober 2017 unterzeichnet wurde. Dies ist ein weiteres Zeichen der sich verschlechternden Situation für Christen.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Von Zeit zu Zeit kommt es zu Spannungen zwischen den zahlreichen ethnischen Gruppen in Nepal. In den meisten Fällen ist dies mit Religiös motiviertem Nationalismus verbunden.

3. Verfolger

Hindu-Extremisten üben auf verschiedene Weise Druck auf Christen aus: Lokale und nationale Behörden erlegen ihnen gesetzliche und andere Einschränkungen auf; örtliche Hindu-Priester und extremistische Hindu-Bewegungen greifen Christen körperlich an; die örtliche Bevölkerung verbreitet ein feindseliges Klima in den Dörfern. Hinzu kommt, dass Nepal ethnisch gespalten ist. Die Leiter der ethnischen Gruppen setzen Christen hinduistischer Herkunft ebenfalls unter Druck, weil sie den Glauben ihrer Ahnen verlassen haben.

4. Hintergrund

Der christliche Glaube breitet sich in Nepal seit der Einführung einer säkularen Demokratie im Jahr 2008 immer weiter aus – ein Trend, der Berichten zufolge durch Naturkatastrophen und Veränderungen innerhalb der Gesellschaft in Bewegung gesetzt wurde. Bis zum Ende der absoluten Monarchie im Jahr 2008 war es christlichen Missionaren verboten, ins Land einzureisen. Heute gibt es in Nepal über 8.000 christliche Kirchen und mehr als eine Million gläubige Christen. Minderheitengruppen wie die Dalits und die Kirats sind vom Christentum angezogen worden, seit Nepal 2008 eine säkulare Regierungsform angenommen hat. Laut dem Verband Nationaler Christen in Nepal entstammen 60 Prozent der Christen der Gruppe der Dalits.

Die politische Landkarte Nepals ist für die christliche Minderheit recht hilfreich gewesen. Erste Befürchtungen, die im September 2015 verabschiedete Verfassung würde das Land wieder zu einem offiziellen Hindu-Staat machen, sind nicht eingetreten. Darüber hinaus haben viele politische Parteien das große Potential von Christen (eine schnellwachsende Gemeinschaft in Nepal) für ihre eigenen Positionen erkannt. Im Mai 2017 wurden Christen im ersten Wahlgang zu Repräsentanten einiger lokaler Einheiten bei den ersten in der Geschichte Nepals abgehaltenen Gemeindewahlen gewählt.

Ein Erbe der Tatsache, dass der Hinduismus einst Staatsreligion war, ist das Kastensystem – eine hierarchische Schichtung der Gesellschaft, die jahrhundertealt ist. Jeder Mensch wird in eine Kaste geboren, aus der es kein Entkommen gibt. Nach der „Varna” genannten Tradition gibt es vier Kasten: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras. Zusätzlich gibt es eine Anzahl von Gruppen, die heute als Dalits bekannt sind. Sie wurden schon immer von der „Varna“ ausgeschlossen und die in sie hineingeborenen Menschen werden auch heute noch als die „Unberührbaren“ geächtet. Viele Christen in Nepal kommen aus der Gruppe der Dalits, denn im christlichen Glauben werden sie von den anderen akzeptiert. Die meisten Christen gehören zur sozialen Unterschicht und haben ein geringes Einkommen.

Christen sind nicht die einzigen Gläubigen, die in Nepal verfolgt werden, Muslime werden ebenfalls verfolgt.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Hierbei handelt es sich meist um Ausländer, die in Nepal isoliert von anderen Christen ihre eigenen Treffen abhalten. Sie evangelisieren kaum. Diese Kirchengemeinden sind in der Vergangenheit weniger vom Hindu-Nationalismus betroffen gewesen, aber sie werden Einschränkungen erfahren, zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit, wenn die neue Verfassung des Landes umgesetzt wird.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die mit Abstand größte und wichtigste ist die Römisch-Katholische Kirche sowie einige orthodoxe Gemeinschaften. Sie bleiben eher unter sich und haben keine evangelistischen Veranstaltungen. Daher erleben diese Kirchengemeinden kaum Anfeindungen durch extremistische Hindus.

Christen hinduistischer Herkunft (Konvertiten)

Diese Gruppe ist die größte unter den Christen in Nepal. Die Zahl von Christen hinduistischer Herkunft wächst seit Jahren erstaunlich schnell. Sie sind von allen Christen am stärksten von Verfolgung betroffen. Sie erleben starken Druck von örtlichen Regierungsbeamten, Hindu-Priestern, der Familie und dem sozialen Umfeld.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Christen hinduistischer Herkunft gehen in der Regel in die Kirchen, die dieser Kategorie angehören. Da diese Gemeinden am aktivsten evangelisieren, erleben sie ein hohes Maß an Verfolgung.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.600
Familienleben: 11.900
Gesellschaftliches Leben: 10.700
Leben im Staat: 11.500
Kirchliches Leben: 12.400
Auftreten von Gewalt: 4.600

Grafik: Verfolgungsmuster Nepal

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist von 9,9 Punkten beim WVI 2017 auf 11,8 Punkte gestiegen; dies zeigt eine extreme Verschlechterung der Situation für Christen.
  • Der Druck ist mit 12,6 Punkten am stärksten im Bereich „Privatleben“ (besonders für Christen hinduistischer Herkunft), gefolgt vom Bereich „Kirchliches Leben“ mit 12,4 Punkten. Religiös motivierter Nationalismus hat das Leben für Christen hinduistischer Herkunft erschwert und eine neue Gesetzgebung hat dem kirchlichen Leben weitere Einschränkungen beschert.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt stieg von 3,1 Punkten beim WVI 2017 auf 4,6 Punkte. Es wurde zwar niemand getötet, doch Christen wurden festgenommen und aufgrund zahlreicher Anschuldigungen bestraft.

Privatleben

Christen hinduistischer Herkunft müssen immer besonders aufpassen, in welcher Weise sie ihre Beziehung zu Jesus Christus ausleben, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in der Familie sind. Widerstand von Familie und Gemeinschaft macht es gefährlich, christliche Literatur zu besitzen, besonders in abgelegenen Gebieten. Wenn Christen hinduistischer Herkunft in strenggläubigen Hindu-Familien leben, müssen sie ihre Bibeln und andere christliche Literatur sorgfältig verstecken und können darin nur unter großen Vorsichtsmaßnahmen lesen. Es gibt heftigen Widerstand gegen Christen, die Familie und Freunden von ihrem Glauben erzählen wollen. Der christliche Glaube wird als fremde Religion angesehen, die besonders Menschen aus niedrigen Kasten anzieht.

Familienleben

Es ist viel riskanter geworden, eine Taufe zu organisieren, da Christen, die an ihr teilnehmen, laut neuer Verfassung des Abwerbens zu einer anderen Religion beschuldigt werden. Christliche Hochzeiten laufen Gefahr, abgebrochen zu werden; häufig werden Hochzeiten von Christen hinduistischer Herkunft von ihren Familien abgelehnt, da dies den neuen Glauben der Konvertiten stärken könnte. Christliche Beerdigungen sind unmöglich, da den Kirchen keine Grabstätten zur Verfügung stehen. Darum sind Christen gezwungen, ihre Verstorbenen heimlich zu begraben oder einzuäschern. Christen mit hinduistischem Hintergrund erleben Widerstand, wenn sie versuchen, ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen. Die Gegenwehr stammt häufig vom eigenen nichtchristlichen Ehepartner und von anderen Familienmitgliedern. Kinder von Christen, nicht nur von Christen hinduistischer Herkunft, sind gezwungen, nichtchristliche Lehren zu studieren, und sie werden von anderen Kindern verspottet. Christen mit hinduistischem Hintergrund können von ihren Familien isoliert werden und Berichte aus dem Westen Nepals zeigen, dass Konvertiten manchmal von ihren Familien vertrieben werden.

Gesellschaftliches Leben

Im Berichtszeitraum des WVI 2018 hat sich die Gesellschaft immer mehr gegen Christen gestellt. Christen werden verabscheut und deshalb bedroht und im Alltag eingeschränkt. Besonders in ländlichen Gegenden werden Christen hinduistischer Herkunft von Familie, Freunden und Nachbarn stark unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Dies geht häufig mit extremer sozialer Ausgrenzung einher, die sich nicht allein auf das Privat-, sondern auch auf das Geschäftsleben auswirkt. Kinder von Christen mit hinduistischem Hintergrund werden in der Schule häufig von Lehrern und Mitschülern diskriminiert. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sie nicht an der „Pooja“ teilnehmen, eine Huldigung von Göttern und Göttinnen.

Leben im Staat

Folgendes steht in der neuen Verfassung im dritten Teil über Grundrechte im Absatz über Religion: „5. Religion: Jeder Bürger darf unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Traditionen seine Religion praktizieren, wie sie seit dem Altertum überliefert wurde. Vorausgesetzt wird, dass niemand berechtigt ist, seine Religion zu ändern.“ Es gibt weiterhin Pläne, auf dem neuen Personalausweis die Religionszugehörigkeit zu vermerken, doch gibt es zurzeit andere Prioritäten. Die Medien stellen die Existenz und das stete Wachstum der christlichen Religion so dar, als gäbe es sie nur deshalb, weil sich ihre Anhänger von Ausländern bestechen ließen. Wenn jemand den christlichen Glauben annimmt, wird behauptet, die Konvertiten erhielten für diese Entscheidung Prämien. Christen sind regelmäßig Opfer von Hetzkampagnen und extremistische Hindu-Gruppen führen die Gesellschaft mit Falschinformationen in die Irre, was zu Misstrauen führt. Angreifer auf Christen kommen regelmäßig straffrei davon, wohingegen Christen, die falsch beschuldigt wurden, kein gerechtes Gerichtsverfahren erhielten.

Kirchliches Leben

Kirchen werden nicht staatlich anerkannt. Kirchen-Immobilien sind ausschließlich auf Privatpersonen registriert. Es gibt keine Möglichkeit, Kirchen offiziell anzumelden. Laut Berichten von verschiedenen Einheimischen hat die Regierung nach dem Erdbeben 2015 bekanntgegeben, den Wiederaufbau von Tempeln, Moscheen und buddhistischen Heiligtümern zu unterstützen. Kirchen wurden nicht mit einbezogen, was die Vorbehalte gegen den christlichen Glauben verdeutlicht. Kirchliche Versammlungen wurden ebenfalls unterbrochen, zum Beispiel im Bezirk Dhading. Kirchenaktivitäten werden – mit zunehmender Tendenz – überwacht, um zu sehen, ob die Gemeinden Menschen zu ihrem Glauben bekehren und ob die Behörden oder extremistische Gruppen deshalb gegen sie vorgehen können. Der Bericht eines kanadischen Satiremagazins, der Internationale Gideonbund würde nach dem Erdbeben von 2015 statt Nothilfe Bibeln nach Nepal schicken, wurde von extremistischen Hindu-Gruppen sowohl in Nepal als auch Indien wörtlich genommen. Daran wird sichtbar, dass es zunehmend riskant wird, Bibeln und andere christliche Literatur zu verteilen.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Nepal nimmt weiter zu, denn extremistische Hindus üben immer mehr Druck auf andere Religionen aus. Die Gewalt ist nicht so stark ausgeprägt wie in Indien, doch vergleicht man die Lage mit dem Berichtszeitraum des WVI 2017, ist eine Zunahme deutlich erkennbar. Es wurden keine Christen getötet, aber es wurde berichtet, dass 47 Christen schwer geschlagen wurden und das Haus eines Christen bei einem Angriff beschädigt wurde. 14 Christen mussten sich nach Drohungen versteckt halten. Nepalesische Christen berichteten außerdem, dass drei Kirchen bei Angriffen beschädigt wurden. Sieben Christen, die im Juli 2016 verhaftet wurden, waren im Oktober 2017 noch ohne Anklageschrift in Haft. Am 21. Juli 2017 wurden vier Christen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Während des Berichtszeitraums für den WVI 2018 wurden Christen weder entführt noch vergewaltigt, doch fünf Christinnen wurden zwangsverheiratet.

Beispiele:

  • Christen in Nepal kämpfen weiterhin um die Genehmigung eines Friedhofs, auf dem sie ihre Toten legal beerdigen dürfen. Aus Mangel an offiziellen Grabstätten sehen sich Christen häufig dazu gezwungen, ihre Toten illegal in Wäldern zu begraben. Manchmal kommt es dazu, dass einheimische extremistische Hindus – von christlichen Beerdigungen erzürnt – die Leichen wieder ausgraben und zu den Häusern der christlichen Familien zurückbringen oder sie einfach auf der Straße liegen lassen. Wie gesagt: Christen bitten die Regierung, ihnen Land zuzuteilen, um ihre Toten offiziell beerdigen zu können, doch das Problem bleibt ungelöst.
  • Am 18. April 2017 versuchten „unbekannte Personen“, die katholische Kathedrale in Katmandu in Brand zu setzen. Das Feuer beschädigte das Wohnhaus des Priesters und den westlichen Flügel der Kathedrale. Außerdem verbrannten ein Auto und zwei Motorräder. Es gibt keine Berichte über Verletzte.
  • Sieben Menschen, darunter die Besitzer zweier Privatschulen, wurden am 9. Juni 2016 im Bezirk Dolakha, Nepal, unter dem Vorwurf verhaftet, andere zum christlichen Glauben bekehren zu wollen, da sie an die Kinder Bibel-Handbücher verteilt hatten. Wenige Tage später, am 14. Juni 2016, wurde auch Pastor Shakti Pakhrin aufgrund seiner Verbindungen zu den bereits im Fokus der Ermittlung stehenden Personen in Gewahrsam genommen. Alle wurden im Dezember 2016 wieder freigelassen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christliche Frauen und Mädchen werden auch Opfer von körperlicher Gewalt, die jedoch erst nach und nach auf seelische Folter folgt. In der Anfangsphase werden sie durch direkte Familienangehörige (Ehemänner, Eltern, Schwiegereltern) psychisch misshandelt. Allmählich wird daraus körperliche Gewalt, bis sie von der eigenen Familie und dem sozialen Umfeld ausgestoßen werden. Das macht sie angreifbar und zu Opfern sexueller Unterdrückung.

Nepal hat eine patriarchische Gesellschaft, in der Mädchen weniger Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Der Zugang zu Bildung und der erweiterten Gesellschaft ist minimal; sie sind auf ihre vier Wände mit einer großen Menge an Haushaltspflichten begrenzt. Die meisten von denen, die Christinnen werden, kommen dadurch zum Glauben an Jesus, dass sie persönlich oder in ihrer engsten Familie Heilungen oder andere Wunder erlebt haben.

Männer

Die meisten christlichen Männer und Jungen leiden körperlich, seelisch und auch auf der gesellschaftlichen Ebene, da sie meist von ihrer Familie und der Gesellschaft geächtet werden. Ihnen werden von der eigenen Familie und den Dorfvorstehern auch ihr Erbteil und sogar fundamentale Menschenrechte wie das Bürgerrecht verwehrt. Christliche Männer siedeln deshalb häufig in andere Städte oder Gebiete um und fangen mit einer neuen Identität ganz von vorn an, was dazu führt, dass sie in den ersten Phasen der Verfolgung wirtschaftlich benachteiligt sind.

In vielen Fällen sind christliche Männer und Jungen die Hauptversorger der Familie. Nachdem sie verfolgt wurden, leidet oft die ganze Familie unter Einkommenseinbußen, da die Männer und Jungen schwer zusammengeschlagen und sozial geächtet werden. Oft werden sie von der Ortspolizei abgeführt und lange verhört. Leiden also die Männer und Jungen, wird die ganze Familie wirtschaftlich in Mitleidenschaft gezogen und lebt in sozialer Unsicherheit.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Durch die Annahme der neuen Verfassung und des Anti-Konversions-Gesetzes wurde die Verfolgung von Christen legitimiert, die der Missionierung verdächtigt werden. Da die Verfassung säkular ist, fordert die Pro-Hindu-Lobby immer lautstärker und feindseliger, Nepal in einen Hindu-Staat zu verwandeln. Das verleitet die extremistischen Hindus zu immer mehr Feindseligkeit gegenüber Christen und andere Minderheiten. Eines scheint sicher: Die Christen werden als religiöse Minderheit am stärksten von der Umsetzung der Verfassung von 2015 betroffen sein, da sie am stärksten der hinduistischen Mehrheit ihren Glauben bezeugen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nepal

  • Beten Sie für die Christen hinduistischer Herkunft um Wachstum im Glauben und Standhaftigkeit. Gerade in ländlichen Gegenden werden sie oft von Familie, Freunden und Nachbarn stark unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen.
  • Beten Sie für christliche Frauen und Mädchen, die in der patriarchalischen Gesellschaft Nepals besonders verwundbar sind.
  • Kirchen werden nicht staatlich anerkannt und können nicht offiziell registriert werden. Die Gemeinden werden zunehmend überwacht. Beten Sie für die Leiter um Weisheit, mit den Einschränkungen umzugehen.

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