Weltverfolgungsindex: Häufig gestellte Fragen

Weltverfolgungsindex: Häufig gestellte Fragen

Immer wieder gibt es Nachfragen zum Weltverfolgungsindex von Open Doors. Im Folgenden haben wir einige häufig gestellte Fragen mit den jeweiligen Antworten zusammengestellt.

1. Wie definiert Open Doors „Verfolgung“?

Der Begriff „Verfolgung“ wird international vor allem im Flüchtlingsrecht verwendet. Eine Legaldefinition existiert nicht. Es ist nicht möglich, die einzelnen Abstufungen von Verfolgung beziehungsweise Diskriminierung trennscharf zu definieren. Selbst im Handbuch des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR von 2011, an das sich Open Doors anlehnt, heißt es unter Abschnitt 51: „Es gibt keine allgemein anerkannte Definition von ,Verfolgung‘, und verschiedene Versuche, eine solche Definition zu formulieren, waren nicht erfolgreich.“ Das UNHCR verweist darauf, dass „eine Bedrohung des Lebens oder der Freiheit aufgrund von Ethnie, Religion, Nationalität [...] gemäß Artikel 33 der Flüchtlingskonvention in jedem Fall als Verfolgung zu werten ist“. Open Doors folgt deshalb einem weiten Verständnis des Begriffs „Verfolgung“, das verschiedene Formen von Diskriminierung einschließt. Für die Verwendung dieser Definition ist aus Sicht von Open Doors noch eine andere Fragestellung wesentlich: Wie empfinden verfolgte Christen das, was ihnen widerfährt? Wenn sie permanent ausgegrenzt werden, Morddrohungen erhalten oder befürchten müssen, getötet zu werden, sobald ihre Konversion zum christlichen Glauben bekannt wird? Wenn jemand wegen seines Glaubens keine Arbeit findet, keine Ausbildung erhält oder den Dorfbrunnen nicht benutzen darf: Sind das nur verschiedene Formen von schwerer Diskriminierung oder sogar schon leichte oder mittelschwere Verfolgung? Und welche Konsequenzen würden aus einer solchen Unterscheidung folgen?

Einigkeit herrscht darin, dass „Verfolgung“ nicht nur bei konkreter Gefahr für Leib und Leben gegeben ist. Definitionselemente sind etwa, dass Verfolgung 1) von Personen ausgehen muss; 2) diskriminierend ist; 3) einen gewissen Grad an Schwere aufweist und 4) einen gewissen Grad von Dauer aufweist. Die EU-Richtlinie 2004/83/EG beschreibt Verfolgung unter anderem als die „Anwendung physischer oder psychischer Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt, gesetzliche, administrative, polizeiliche und/oder justizielle Maßnahmen, die als solche diskriminierend sind oder in diskriminierender Weise angewandt werden“ und „unverhältnismäßige oder diskriminierende Strafverfolgung oder Bestrafung“ (Kapitel III, Art. 9).

2. Wozu dient der Weltverfolgungsindex?

Der Weltverfolgungsindex wird mit dem Ziel erstellt, die konkrete Situation verfolgter Christen bestmöglich zu erfassen und die Ursachen und Hintergründe der weltweiten Christenverfolgung zu identifizieren. Die Rangfolge der 50 Länder mit der stärksten Christenverfolgung diente Open Doors bei seiner ersten Erstellung im Jahr 1993 zunächst als internes Planungsinstrument für eine effektivere Priorisierung und Umsetzung der weltweiten Hilfsprojekte. Später wurde der Weltverfolgungsindex auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Damit sollen politischen und kirchlichen Entscheidungsträgern klare Anhaltspunkte für ihre Bemühungen zum Schutz verfolgter Christen und der Bewahrung der Religionsfreiheit geliefert werden. Und es soll auf solche Länder öffentlicher Druck ausgeübt werden, in denen Christen unter einem hohen Maß an Verfolgung leiden. Schließlich sollen mit den Informationen auch Christen, die ihren Glauben frei leben können, daran erinnert werden, für ihre verfolgten Glaubensgeschwister zu beten und ihnen helfend zur Seite zu stehen.

3. Warum beschränkt sich der Weltverfolgungsindex auf die Christen? Was ist mit anderen religiösen Minderheiten?

Open Doors ist keine klassische Menschenrechtsorganisation, sondern ein christliches Hilfswerk, das satzungsgemäß verfolgten Christen als Glaubensgeschwistern zur Seite steht. Das ist ein zentraler Auftrag aller Christen. Verfolgte Christen, denen Open Doors in ihren Heimatländern hilft, können wiederum andere Notleidende unterstützen und das Evangelium weitergeben. Dadurch erhielten beispielsweise im Irak und Syrien auch viele notleidende Jesiden und Muslime durch lokale Partnerkirchen Hilfe. Darüber hinaus haben religiöse Minderheiten wie Jesiden und Bahai auch ihre eigenen Interessenvertretungen.

4. Warum stehen auch überwiegend christliche Länder wie Kolumbien und Mexiko auf dem Weltverfolgungsindex?

Mexiko und Kolumbien sind Länder mit überwiegend katholischer Bevölkerung, in denen viele Bewohner unabhängig von ihrer Religion von Gewalt und strukturellem Unrecht betroffen sind. Viele Christen schweigen jedoch nicht, sondern sprechen sich gegen die Ungerechtigkeit im Land und besonders gegen eine Rekrutierung durch Rebellen und Drogenkartelle aus. Darüber hinaus bieten Kirchengemeinden gerade den von Drogenbaronen hart umworbenen Jugendlichen berufliche Alternativen. Deshalb geraten Christen in die Schusslinie der Rebellen und Drogenkartelle. Gerade in Mexiko hat die gezielt gegen Christen gerichtete Gewalt stark zugenommen, während in Kolumbien die Friedensgespräche mit der FARC bereits erste positive Auswirkungen hatten. Zudem gehen Stammesführer und Behörden der indigenen Bevölkerung, die eine große Autonomie in beiden Staaten genießen, aktiv gegen protestantische Christen vor. Ein weiterer Faktor sind Zeremonien und Praktiken im Rahmen animistischer oder anderer Traditionen, bei denen Christen aus Gewissensgründen die Teilnahme verweigern. Diese Haltung wird in einigen Regionen nicht toleriert und führt teilweise zu heftigen Anfeindungen.

Weitere Einzelheiten können Sie den entsprechenden Länderprofilen entnehmen.

5. Wie entstehen die Zahlen des Weltverfolgungsindex?

Seit 2017 geht Open Doors nach einer Neueinschätzung von über 200 Millionen Christen aus, die unter einem hohen Maß von Verfolgung leiden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Open Doors nicht von einer genauen Zahl verfolgter Christen spricht, sondern von einer Schätzung. Damit soll die Dimension der Verfolgung aufgezeigt werden, die sich seit der letzten Schätzung 2008 dynamisch weiterentwickelt hat. Beispielhaft zu nennen sind etwa die Massenvertreibung von Christen aus dem Nahen Osten und in Afrika, die länderübergreifenden Aktivitäten von Boko Haram, Al Shabaab, dem „Islamischen Staat“ (IS) oder die Machtübernahme der Hindu-Nationalisten in Indien. Weitere Details zu diesen Entwicklungen enthält der Bericht zu Trends und Entwicklungen. In den Ländern des Weltverfolgungsindex leben nach aktuellen UN-Schätzungen insgesamt ca. 4,8 Milliarden Einwohner. Von ihnen sind nach Angaben der „World Christian Database“ sowie ergänzenden Einschätzungen von Open Doors über 600 Millionen Christen. Nicht alle diese Christen werden verfolgt. Deshalb wird auf Grundlage der für den Weltverfolgungsindex erfassten Informationen nochmals differenziert, in welchen Regionen des jeweiligen Landes Christen ein hohes Maß an Verfolgung erleiden und wie hoch die Zahl der Betroffenen dort schätzungsweise ist. Die so ermittelte Größenordnung bewegt sich allein für die 50 Länder des Weltverfolgungsindex bei rund 205 Millionen Christen, die einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt sind. Deshalb spricht Open Doors von weltweit mehr als 200 Millionen Christen, die unter einem hohen Maß an Verfolgung leiden.

6. Welche Rolle spielen andere Gründe als der christliche Glaube für die herrschende Verfolgung?

Open Doors dokumentiert Verfolgung, die aufgrund des Glaubens an Jesus Christus geschieht. Dabei wird differenziert zwischen Situationen, bei denen Christen eher zufällig in einem allgemeinen Konflikt zu Schaden kommen, und gezielten Angriffen oder anderen Formen der Verfolgung aufgrund ihres Glaubens. Manchmal werden religiöse Übergriffe als ausschließlich ethnisch oder wirtschaftlich begründete Konflikte dargestellt. Derartige Faktoren spielen durchaus eine Rolle und werden gemäß der Methodik hinter dem Weltverfolgungsindex gezielt untersucht. Ein Beispiel hierfür sind die Übergriffe muslimischer Hausa-Fulani-Nomaden im Norden Nigerias, deren Einordnung als „ethnisch und wirtschaftlich motiviert“ zu kurz greift. Die regelmäßigen Überfälle gelten Dörfern ortsansässiger christlicher Bauern, die einem anderen Stamm angehören. Sie geschehen häufig unter „Allahu Akbar“-Rufen, fordern viele Todesopfer und führen zur Zerstörung der Kirchen und der Vertreibung der Christen von ihrem Weideland. Hier sind eindeutig wirtschaftliche Interessen (Weideland) und Stammesrivalitäten im Spiel, bei der Identifikation und Motivation der Beteiligten spielt ihr Glaube jedoch eine zentrale Rolle.

In vielen Ländern außerhalb der westlichen Welt hat die Religion eine umfassende Prägekraft, die alle Lebensbereiche durchdringt und das Denken und Handeln der Menschen maßgeblich bestimmt.

7. Woher bezieht Open Doors die Informationen für den Weltverfolgungsindex?

Open Doors ist in ca. 60 Ländern mit stark eingeschränkter Glaubensfreiheit tätig. Dort sind entweder eigene Mitarbeiter im Einsatz oder es besteht eine enge Zusammenarbeit mit einheimischen Partnerorganisationen. Dadurch steht Open Doors seit über 60 Jahren in vertrauensvollem Kontakt zu Untergrundkirchennetzwerken, selbst in Nordkorea. Es liegt in der Natur derartiger Kontakte, dass die auf diesem Weg gewonnenen Informationen nicht von unabhängiger Seite überprüfbar sind. Würde etwa ein Ausländer nach Nordkorea reisen, um die dortigen Untergrundchristen persönlich zu befragen, so würde die allgegenwärtige Geheimpolizei wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit alle Beteiligten in ein Arbeitslager deportieren.

Dort, wo eine Offenlegung der Quellen im Sinne der Transparenz zu negativen Konsequenzen (häufig drohen Mord, Folter oder Gefängnis) für die betroffenen Christen führen würde, gibt Open Doors grundsätzlich dem Schutz der Christen Vorrang. Der unmittelbare Kontakt zu den Betroffenen, vor allem zu der wachsenden Zahl der hart verfolgten Konvertiten, ist eine Besonderheit des Weltverfolgungsindex, die in anderen Untersuchungen bislang leider noch keine Rolle spielt.

Darüber hinaus werden für die Erhebung Experten und Kirchenleiter befragt sowie alle öffentlich verfügbaren Daten und Meldungen zum Thema einbezogen. Nähere Informationen erhalten Sie bei der Erläuterung der Methodik des Weltverfolgungsindex.

8. Ist es wirklich möglich, das Maß von Religionsfreiheit in einem Land klar zu ermitteln?

Das Maß von Religionsfreiheit zu ermitteln, ist äußerst schwierig, da hierbei auch eine Reihe von subjektiven Faktoren zu berücksichtigen ist. Open Doors versucht, im Rahmen des Weltverfolgungsindex ein möglichst genaues Abbild der Verfolgungssituation von Christen in den Ländern des Index zu erfassen und dieses anhand nachvollziehbarer Kriterien zu erklären. Die besondere Herausforderung bei der Erhebung ist dabei weniger die Methodik als die häufig massive Gefährdungslage der Christen in ihren Heimatländern. Nicht selten handelt es sich dabei um Krisengebiete, in denen eine Erhebung für alle Beteiligten mit großen Risiken einhergeht.

Die Methodik (hier eine ausführliche Version in Englisch) ermöglicht die Abbildung aller verfolgungsrelevanten Faktoren, die wesentlichen Einfluss auf die Einschränkung der Religionsfreiheit für Christen haben. Das geschieht mit Hilfe eines Fragenkataloges, der von Analysten von Open Doors in enger Abstimmung mit lokalen Kirchenleitern sowie externen Experten entwickelt wurde.

Damit werden fünf Lebensbereiche hinsichtlich des Drucks, der auf Christen lastet, analysiert (Privatleben, Familienleben, Gesellschaftliches Leben, Kirchliches Leben und Leben im Staat). Zudem werden religiös motivierte Gewalttaten erfasst, wobei jedoch nur solche Taten aufgenommen werden, für die eine glaubhafte Bestätigung vorliegt. Die Auswertung aller Informationen ergibt für jeden Lebensbereich eine Indexpunktzahl für das Maß an Verfolgung sowie für die religiös motivierten Gewalttaten; aus der Summe dieser Punktzahlen ergibt sich dann die Platzierung des Landes im Weltverfolgungsindex.

9. Warum rangieren auch Länder, in denen kaum gewaltsame Übergriffe gegen Christen auftreten, weit vorne auf dem Index?

Diese Frage lässt sich gut durch einen Vergleich der Malediven (2018: Platz 13) mit Nigeria (Platz 14) beantworten. Auf den Malediven leben nur sehr wenige Christen, da das Land offiziell zu 100% islamisch ist. Christliche Konvertiten werden dort von Freunden, Nachbarn, Angehörigen und der Regierung so massiv unter Druck gesetzt, dass sie ihren Glauben weder ausüben noch überhaupt darüber sprechen können. Sie werden geistlich regelrecht erstickt, während Übergriffe wie Misshandlungen, Gefängnis oder Deportation sehr selten vorkommen – sie sind schlicht unnötig. Auf der Inselgruppe existiert kein einziges Kirchengebäude. In Nigeria hingegen wurden im vergangenen Jahr hunderte von Christen gezielt ermordet und mehrere Kirchen zerstört. Doch zum einen geschieht dies nur in einem Teil des Landes, zum anderen ist die Regierung nicht aktiv an der Verfolgung von Christen beteiligt und die Verfassung des Landes garantiert Religionsfreiheit. Deswegen fließt die Anzahl der getöteten Christen nur bis zu einer Maximalzahl von zehn pro Jahr in die Wertung ein, da andernfalls das Gesamtbild zu stark verzerrt würde. Durch die gleiche Gewichtung der fünf getrennt betrachteten Lebensbereiche (vgl. Methodik) sowie des Bereichs Gewalt, die jeweils mit einen Sechstel der möglichen Gesamtpunktzahl in die Wertung einfließen, erhält der Faktor Gewalt weniger Gewicht im Blick auf die Positionierung des Landes auf dem Index.

10. Was unterscheidet den Weltverfolgungsindex von anderen Erhebungen?

Der Weltverfolgungsindex ist die einzige alljährlich durchgeführte systematische Untersuchung zur Religionsfreiheit von Christen. Das Thema Christenverfolgung und die Themen „Allgemeine Religionsfreiheit“ und „Menschenrechte“ weisen teils erhebliche Schnittmengen auf. Unter den Berichten zu diesem Themenkreis nimmt jedoch der Weltverfolgungsindex insofern eine besondere Rolle ein, als dass er sich bewusst auf die Lage verfolgter Christen konzentriert (vgl. FAQ 3.) und ihre eigene Perspektive stark einbezieht (vgl. FAQ 7.). Er beruht im Wesentlichen auf Informationen aus erster Hand (Primärquellen) und berücksichtigt die Situation von Christen aller Denominationen, einschließlich christlicher Konvertiten. Mit der christlichen Perspektive wird die Situation verfolgter Christen theologisch eingeordnet und Begrifflichkeiten werden entsprechend anders verwendet, als dies in einigen Berichten aus menschrechtlicher oder eher säkularer Perspektive geschieht. Dieser Ansatz liegt maßgeblich in der Tatsache begründet, dass Open Doors sich als christliches Hilfswerk in erster Linie dem Dienst an verfolgten Christen verpflichtet weiß. Diese berichten über ihre Situation nicht primär aus einer menschenrechtlichen Perspektive, sondern aus einer biblisch-christlichen und ordnen die Vorfälle dementsprechend ein.

Open Doors begrüßt, dass die Evangelische Kirche (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) durch eigene ökumenische Berichte zur Religionsfreiheit in den Jahren 2013 und 2017 auf die Situation verfolgter Christen aufmerksam gemacht haben. Professor Dr. Christof Sauer vom International Institute of Religious Freedom hat zum Bericht 2017 einen sehr hilfreichen Kommentar vorgelegt, in dem er auch auf die Unterschiede zum Weltverfolgungsindex eingeht (zum Kommentar).

Mehr zum Weltverfolgungsindex

Der Weltverfolgungsindex wird von Open Doors jedes Jahr neu veröffentlicht. Er entsteht durch die Zusammenarbeit mit Christen vor Ort und externen Experten sowie einem internationalen Team von Open Doors. Wie dabei vorgegangen wird und auf welcher Grundlage der Index erstellt wird, können Sie hier erfahren.
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