Wie wird der Index erstellt?

Methodik zum Weltverfolgungsindex

Wie wird der Index erstellt?

Menschen hinter den Zahlen

Das Leiden verfolgter Christen lässt sich nicht in einer Statistik erfassen. Hinter den Zahlen verbergen sich Millionen Menschen. Jeder Einzelne von ihnen hat seine eigene Geschichte. Dazu gehören oft tiefes Leid, aber auch Mut und Glaubensstärke. Diese persönliche Dimension der gegenwärtigen Christenverfolgung besser erfassbar zu machen, ist das Anliegen hinter der im Folgenden in Kurzform beschriebenen Methodik.

Die Zusammenfassung der Beschreibung zur Methodik können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen. Um einen noch detaillierteren Eindruck zu gewinnen, können Sie sich den Fragebogen zum Weltverfolgungsindex (auf Englisch) ansehen oder eine noch ausführlichere Beschreibung zur Methodik der Indexerstellung (ebenfalls auf Englisch) lesen.

Die Erstellung des Weltverfolgungsindex 2018 wurde vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit zertifiziert.

Nahe bei den Christen

Open Doors ist in rund 60 Ländern mit stark eingeschränkter Glaubensfreiheit tätig, um verfolgte, benachteiligte und Not leidende Christen geistlich und materiell zu unterstützen. Dies ist zumeist nur im Verborgenen möglich. Durch unsere einheimischen Mitarbeiter sind wir direkt an der Seite der Christen und Untergrundgemeinden. Das hilft uns, die örtlichen Gegebenheiten und die Situation der verfolgten Christen in ihrem soziokulturellen und religiösen Umfeld besser zu verstehen und die Projekte auf ihre Bedürfnisse abzustimmen.

Entstehung des WVI

Der WVI wird nach einer langjährig bewährten Methodik erstellt. Dazu gehört unter anderem ein differenzierter Fragenkatalog, der von Fachleuten aus drei Bereichen beantwortet wird: Forschern von Open Doors (in enger Abstimmung mit lokalen Kirchenleitern), Analysten des WVI-Teams sowie externen Experten. Die Aussagen aus diesen drei Quellen werden zusammengeführt, um die Position eines Landes im Weltverfolgungsindex zu bestimmen. Der Entstehungsprozess wird zusätzlich durch externe Wissenschaftler überprüft.

Transparenz schaffen – Ziele des WVI

Mit der Veröffentlichung des WVI verfolgt Open Doors das Ziel, die weltweit herrschende Christenverfolgung in ihrer ganzen Dynamik und ihrem erschreckenden Ausmaß jährlich zu dokumentieren. Dadurch wird Folgendes erreicht:

  1. Die Verfolgerländer und der Grad der Religionsfreiheit werden öffentlich gemacht.
  2. Politiker und Medien werden mobilisiert, sich zu engagieren.
  3. Es wird eine Basis geschaffen, für verfolgte Christen zu beten und zielgerichtet zu helfen.

Der WVI beschreibt die Notlage vieler Christen, wobei der Begriff „Verfolgung“ versucht, eine komplexe Realität abzubilden. Bei der Verwendung des Begriffes „Verfolgung“ lehnt sich Open Doors an die Vorgaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes an. Mehr Informationen dazu hier

Gewalt ist dabei das sichtbarste und am meisten beachtete, aber keineswegs einzige Merkmal von Verfolgung. In kaum einem Land wird dies so deutlich wie bei den Malediven. Obwohl von dort aktuell keine gewaltsamen Übergriffe gegen Christen bekannt werden, rangiert das Land auf Platz 13 des WVI. Die wenigen Christen im Land stehen wegen ihres Glaubens unter derartig massivem gesellschaftlichem Druck, dass ein Ausleben ihres Glaubens nahezu unmöglich ist. In vielen Ländern des WVI stehen die Christen vor ähnlichen Herausforderungen – oftmals zusätzlich zu der Bedrohung durch gewalttätige Übergriffe. Sie erleben über einen langen Zeitraum und in allen Lebensbereichen konstanten Druck. Dies kann langfristig sogar zermürbender sein als sporadische Gewalt.

Triebkräfte der Verfolgung identifizieren

Um die Situation der betroffenen Christen zu verstehen und ihnen bestmöglich helfen zu können, arbeiten wir intensiv daran, die Triebkräfte der Verfolgung zu identifizieren. „Islamische Unterdrückung“ ist die mit Abstand bedeutsamste, aber bei weitem nicht die einzige. Auch „Kommunistische Unterdrückung“, „Religiös motivierter Nationalismus“ und „Diktatorische Paranoia“ sind wesentliche Ursachen, um nur einige weitere zu nennen. In den meisten Ländern wirken zudem mehrere dieser Triebkräfte nebeneinander oder verstärken sich sogar gegenseitig.

Analysierte Lebensbereiche

Privatleben1. Privatleben: Jeder Mensch hat das Recht auf ein geschütztes Privatleben. Im Bereich der Menschenrechte spricht man hier von der Gedanken- und Gewissensfreiheit, im Bereich der Religionsfreiheit vom „forum internum“. Können Christen zu Hause ungestört beten oder Bibel lesen? Müssen sie unangemeldete Hausbesuche mit Konsequenzen fürchten?

 

 

Familienleben2. Familienleben: Jeder Mensch ist Teil einer Familie. Neben der individuellen Privatsphäre ist dieser Bereich der persönlichste von allen. Versuchen Staat oder Angehörige, einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung oder Weitergabe seines Glaubens zu hindern? Besonders für Christen muslimischer Herkunft, aber auch für andere Konvertiten, ist diese Form der Verfolgung oft extrem belastend.

 

 

Gesellschaftliches Leben3. Gesellschaftliches Leben: Jeder Mensch lebt innerhalb eines sozialen Umfeldes mit bestimmten Eigenarten. Besonders in Ländern, wo die Zugehörigkeit zu einem Stamm oder einer ethnischen Gruppe große Bedeutung hat, kann dies für Christen zu Problemen führen. Können sich Christen im täglichen Leben ungehindert bewegen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, z. B. den Dorfbrunnen nutzen? Nehmen lokale Behörden oder einflussreiche Persönlichkeiten – etwa lokale religiöse Führer – den Glauben der Christen zum Anlass, sie zu diskriminieren, zu bedrohen oder gar die übrige Gemeinschaft gegen sie aufzuhetzen?

 

Leben im Staat4. Leben im Staat: Jeder Mensch lebt in einem Staat. In diesem Bereich werden Fragen nach der Rolle der Zentralregierung und der Provinzregierungen untersucht: Kontrollieren sie das Leben ihrer Bürger? Sind Christen frei und können ungehindert an der Zivilgesellschaft und am öffentlichen Leben teilhaben? Werden Christen zu Bürgern zweiter Klasse degradiert? Kommt es im Bereich der Gesetzgebung oder der Rechtsprechung zu Einschränkungen der Glaubensfreiheit?

 

 

Kirchliches Leben5. Kirchliches Leben: Ein Christ ist normalerweise Teil einer Kirche oder einer Untergrundgemeinde. Haben die Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu praktizieren? Wie stark sind die Einschränkungen? In den Menschenrechtsdebatten hat gerade der gemeinschaftliche Aspekt einen hohen Stellenwert, wenn es um die Ausübung der Glaubensfreiheit geht.

 

 

Physische GewaltEin weiterer und bedeutender Abschnitt des Fragenkatalogs betrifft das Thema physische Gewalt“. Hier fließen Fragen aus allen der genannten fünf Lebensbereiche ein, bei denen es um gewaltsame Übergriffe gegen Christen aufgrund ihres Glaubens geht. Durch das gesonderte Betrachten dieses Bereiches und die gleiche Gewichtung wie die einzelnen Lebensbereiche (die höchstmögliche Wertung entspricht 1/6 der Maximalpunktzahl) wird vermieden, dass einzelne, mitunter spektakuläre Gewaltakte das Gesamtbild der herrschenden Verfolgung verzerren und dadurch der tatsächliche Grad der Verfolgung nicht richtig wiedergegeben wird.

Schlussfolgerung

Der Open Doors Weltverfolgungsindex soll keine Statistik sein, in der verfolgte Christen hinter nackten Zahlen verschwinden. Jeder Einzelne von ihnen soll in seinem Leid wahrgenommen werden und Trost und Ermutigung erfahren. Der WVI will Anstoß zum Gebet und zur weiteren Unterstützung für alle verfolgten Christen sein.

Mehr zum Weltverfolgungsindex

Immer wieder gibt es Nachfragen zum Weltverfolgungsindex von Open Doors, etwa zur Methodik oder zur Ausrichtung der Erhebung. Hier haben wir einige häufig gestellte Fragen mit den jeweiligen Antworten zusammengestellt.
Hinter den erschreckenden Zahlen des Weltverfolgungsindex verblasst allzu leicht der einzelne Mensch. Deshalb stellt Open Doors immer wieder Christen vor, die wegen ihres Glaubens an Jesus Christus verfolgt werden – die „Gesichter der Verfolgung“.
Viele Menschen wissen nur sehr wenig über die weltweite Christenverfolgung und haben Fragen zum Thema. Werden Sie ein Botschafter Ihrer verfolgten Geschwister und tragen Sie ihr Anliegen in die Welt!

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