Länderprofil Kolumbien

Kolumbien

41
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Kolumbien
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
47
ISO
CO
Karte Kolumbien
Christen
47,24
Bevölkerung
49.85
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Säkulare Intoleranz
Privatleben: 8.900
Familienleben: 7.800
Gesellschaftliches Leben: 11.900
Leben im Staat: 9.800
Kirchliches Leben: 8.900
Auftreten von Gewalt: 15.000

Länderprofil Kolumbien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 41 / 62 Punkte (WVI 2019: Platz 47 / 58 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Guerillakämpfern und andere kriminelle Gruppen sind in Kolumbien für zahlreiche gewaltsame Übergriffe gegen Christen verantwortlich. Dadurch werden besonders Gemeindeleiter bedroht, belästigt, erpresst und sogar ermordet, gerade in den am meisten vernachlässigten Regionen des Landes. Diese Gewalt ist in den meisten Fällen eine unmittelbare Folge davon, dass Christen Korruption und Gewalt anprangern, sich für den Naturschutz und Menschenrechte einsetzen, in der Jugendarbeit aktiv sind oder in irgendeiner Weise an Aktivitäten beteiligt sind, die der Wiederherstellung des Friedens dienen sollen. Dadurch sehen sich die die kriminellen Gruppen bei ihren illegalen Aktivitäten bedroht. Auch innerhalb indigener Gemeinschaften gibt es erheblichen Widerstand gegen christliche Missionare und Christen aus den eigenen Reihen – mit der Konsequenz, dass diese mit Haft, körperlichem Missbrauch, Konfiszierung ihres Besitzes sowie anderen Formen der Strafe rechnen müssen. Zusätzlich führt die Radikalisierung des Säkularismus zu einer zunehmenden Intoleranz gegenüber christlich begründeten Standpunkten und religiösen Meinungen im öffentlichen Raum. Dies gilt besonders bei Themen die den Lebensschutz, Familie, Ehe und Religionsfreiheit betreffen. In diesem Zusammenhang wird Christen vorgeworfen, andere zu diskriminieren und beschuldigt, Hass zu verbreiten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • August 2019: Das Verfassungsgericht urteilte, dass die Wahrung des Respekts vor christlichen Personen des öffentlichen Lebens weniger schützenswert ist, als Personen, die diese Menschen auf Basis der Meinungsfreiheit kritisieren. Gemäß dem Urteil muss die Meinungsfreiheit geschützt werden, selbst wenn die veröffentlichten Meinungen die Reputation von Christen schädigen, nur weil sie öffentlich bekannt sind. Dieses Urteil betraf einen christlichen YouTuber und einen Pastor.
  • März 2019, Nordkolumbien: Gemäß Recherchen von Open Doors stellte eine indigene Gemeinschaft im Norden Kolumbiens eine junge Frau unter Arrest wegen ihres christlichen Glaubens. Die Stammesführer wollten sie zwingen, einen indigenen Mann zu heiraten, um die Ausbreitung des christlichen Glaubens in der Gemeinschaft zu verhindern.
  • Dezember 2018, Antioquia: Ein Priester der Diözese von Santa Rosa de Osos wurde in der ländlichen Stadt Cuturú mit dem Tode bedroht, weil er sich weigerte, einer bewaffneten Gruppe der Region Schutzgeld zu bezahlen. Der Priester musste zu seiner eigenen Sicherheit versetzt werden.

Meldungen und Beiträge zu Kolumbien

Persönliche Berichte
Christen aus Kolumbien
Kolumbien
Am Abend des 9. Februar wurde Pastor Leider Molina beim Verlassen der Kirche mit fünf Schüssen getötet. Der Vorfall ereignete sich in der Ortschaft Caucasia im nordwestlichen Teil Kolumbiens.
Nachrichten
Mercedes - Witwe von Hector Galarza - in ihrer Behelfsunterkunft
Kolumbien
Vor einigen Monaten wurde in Kolumbien Pastor Hector Galarza* am helllichten Tag ermordet. Er hinterlässt eine Frau sowie Kinder und Enkelkinder. In den vergangenen Jahren hatte er sich mutig dem Vordringen krimineller Kartelle entgegengestellt.
Persönliche Berichte
Junge indigene Christin aus Kolumbien
Kolumbien
Ana Ríos ist 23 Jahre alt. Sie gehört zu einer indigenen Volksgruppe in Kolumbien und hat trotz ihrer jungen Jahre bereits tiefe körperliche und seelische Traumata durchlebt, nachdem sie wegen ihres Glaubens verfolgt wurde.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 62 Punkten belegt Kolumbien Platz 41 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Damit stieg das Land um 4 Punkte im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2019. Es setzt somit seinen Trend der letzten drei Berichtszeiträume fort. Die bedeutsamsten Faktoren sind die Präsenz der „Nationalen Befreiungsarmee“ (spanisch ELN), der Neugruppierung der „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (spanisch FARC) und die Anwesenheit anderer krimineller Gruppen in einem instabilen soziopolitischen Umfeld. Diese Faktoren sorgten für eine Erhöhung sowohl des Drucks als auch der Gewalt. Ethnisch begründete Anfeindungen und säkulare Intoleranz spielten bei diesem Anstieg ebenfalls eine Rolle.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Der „Corruption Perception Index“ 2018 platziert Kolumbien auf dem 99. Rang von 180, mit einer Punktzahl von 36/100 (0 = maximal korrupt und 100 = absolut integer). Trotz eines gewissen Fortschritts bei der Umsetzung des Friedensabkommens mit der FARC, kämpfen abtrünnige FARC-Rebellen, Mitglieder der ELN und andere Guerillagruppen (auch als „organisierte bewaffnete Gruppen“ bezeichnet) um die Kontrolle ganzer Landesteile, um dort ihre illegalen Aktivitäten fortzuführen. Diese Umstände haben dazu geführt, dass christliche Leiter und Gruppen zu Opfern fortwährender Belästigungen, Entführungen, Drohungen, Erpressungen und Morden wurden; zudem werden christliche Gebäude angegriffen. Derartige Maßnahmen richten sich besonders gegen Personen, die aktiv den Praktiken der organisierten bewaffneten Gruppen widersprechen, die Menschenrechte einfordern, zu Kämpfern und Zivilisten predigen, Gebetstage in besonders gewalttätigen Regionen durchführen und Jugendliche davon abhalten, diesen Gruppen beitreten. Solche Gruppen rächen sich auch an früheren Mitgliedern, die sich aufgrund ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben entschieden haben, das kriminelle Leben hinter sich zu lassen. All das wird durch die herrschende Korruption und die Straffreiheit begünstigt, die aufgrund von Allianzen zwischen den Guerillaführern und Behörden entstehen.

Während indigene Gemeinschaften oft am meisten vom organisierten Verbrechen betroffen sind, weil Drogenschmuggler und Guerillakämpfer häufig deren Gebiete für ihre Aktivitäten nutzen, schließen sich manche indigenen Führer mit Gangmitgliedern zusammen, um Christen aus ihrer Gemeinschaft einzuschüchtern und dazu zu bringen, zu den synkretistischen Praktiken ihrer Gemeinschaft zurückkehren. Darüber hinaus ist das Ausmaß der Gewalt an solchen Orten sehr hoch, auch bedingt durch Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und kriminellen Gruppen oder aufgrund von Kämpfen krimineller Gruppen untereinander.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

In den indigenen Gemeinschaften ist Religion eine wichtige Komponente ihrer Kultur und ihrer Identität und bestimmt ihre Beziehungen zu anderen Menschen und selbst den Umgang mit natürlichen Ressourcen. Wie in den meisten indigenen Gemeinschaften Lateinamerikas besteht ihr Glauben zumeist aus einer Vermischung des katholischen Glaubens mit synkretistischen Elementen. Obwohl die Indigene Bevölkerung daher nicht als römisch-katholisch (im eigentlichen Sinne) bezeichnet werden kann, sind die Führer dieser indigenen Gemeinschaften gegenüber der Römisch-Katholischen Kirche toleranter als gegenüber Christen anderer Kirchen. Dennoch sind auch indigene Katholiken, die aufgrund ihres Glaubens synkretistische Praktiken aufgeben, Verfolgung und „Ethnisch begründeten Anfeindungen“ ausgesetzt.

Die Religion ist in diesen Gemeinschaften sehr präsent, bedingt durch den Einfluss der indigenen Weltanschauung auf das tägliche Leben sowohl im privaten als auch im gesellschaftlichen Bereich. Deshalb wird die Einführung einer Idee oder eines Brauchs, der diesen althergebrachten Ansichten widerspricht, als Bedrohung der (kulturellen oder religiösen) Traditionen aufgefasst und folglich von den örtlichen Behörden und den meisten indigenen Führern verboten. Maßnahmen gegen Christen indigener Herkunft (wie auch gegen ihre Familien und gegen Missionare) reichen von der Inhaftierung, körperlichem Missbrauch oder dem Ausschluss von der Grundversorgung bis zur Beschlagnahmung von Besitz. Es ist für indigene Christen kaum möglich, die Regierung um Schutz zu bitten, da die indigenen Behörden – die nahezu immer gegen Christen eingestellt sind – die einzigen Behörden in den Stammesgebieten sind, welche das Recht durchsetzen können.

Säkulare Intoleranz

Der Faktor Religion wird als wichtiges unterstützendes Element bei der Umsetzung des Friedensabkommens mit der FARC gesehen. Trotzdem werden Christen wegen ihrer christlichen Überzeugungen und Handlungen verbal attackiert, etwa wenn es um Themen wie Abtreibung, homosexuelle Ehe oder Adoption, Gewissensfreiheit oder die Teilnahme von Christen am öffentlichen Leben geht. Attacken folgen besonders dann, wenn die Meinungen von Christen den Forderungen von Interessenverbänden wie die der LGBTI und radikaler feministischer Bewegungen widersprechen. Zudem bleibt religiöse Intoleranz in privaten Institutionen und bei gewöhnlichen Bürgern ein Problem: Jeder, der seinen christlichen Glauben zum Ausdruck bringt, steht in der Gefahr beschimpft, diskriminiert und der Intoleranz beschuldigt zu werden, besonders, wenn diese Person eine öffentliche Funktion innehat.

3. Verfolger

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Es gibt eine starke Verbindung zwischen kriminellen Kartellen und revolutionären bzw. paramilitärischen Gruppen: Sie agieren größtenteils in ländlichen Gegenden, wo der Staat kaum präsent ist, und ihre Gründe, Christen ins Visier zu nehmen, sind sehr ähnlich. Diese Gruppen greifen Christen und christliche Organisationen wegen ihrer friedensfördernden Aktivitäten an. Christen stellen eine Bedrohung dar für die Interessen krimineller Netzwerke wie den „Los Rastrojos“, „Los Paisas“, „Los Urabeños“, „Caparrapos“ oder dem „Golf Clan“.
  • Regierungsbeamte: Einige Behörden arbeiten mit kriminellen Kartellen zusammen und erlauben direkt oder indirekt kriminelle Aktivitäten gegen christliche Leiter und Kirchen in Gegenden unter der Kontrolle der Gangs. Sowohl die Behörden wie auch die Kriminellen können in diesen Fällen straffrei agieren.
  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Beispiele dafür sind abtrünnige Kämpfer der FARC, die ELN oder die „Vereinigten Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens“. Diese Gruppen bedrohen, vertreiben und greifen religiöse Leiter an weil sie das FARC-Friedensabkommen befürworten, sich für Menschenrechte einsetzen, Vertriebene und Landrückgabeansprüche unterstützen sowie den Kokaanbau zu verhindern suchen.
  • Politische Parteien: Die Vertuschung von Aktivitäten krimineller Gruppen wird durch Korruption in den Reihen der Politiker gefördert. Ihre Entscheidungen begünstigen die Straffreiheit, die es Kartellen des organisierten Verbrechens ermöglicht, mit ihren illegalen Aktivitäten fortzufahren und Gewalt gegen Christen in den am meisten vernachlässigten Gegenden des Landes auszuüben.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Diese Anführer bleiben meist dem Glauben ihrer Ahnen treu und verbieten jegliche Verbreitung des christlichen Glaubens in ihren Stämmen. Dabei kommt es zu Belästigungen, Drohungen, Gewalt oder zur Denunzierung von Christen bei den örtlichen Behörden. Manchmal stellen Anführer ethnischer Gruppen die Christen als beleidigend dar.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Schamanismus, ethnisch-religiöse und ähnliche Kulte sind zwar nicht strikt als Religionen zu verstehen, doch sind sie Ausdruck einer bestimmten Art von „Spiritualität“, welche den christlichen Glauben ablehnt. Ihre Anhänger versuchen in manchen Gegenden, christliche Aktivitäten zu verhindern.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Auch vonseiten der Familie wird erwartet, dass der Zugehörigkeit zur indigenen Gemeinschaft die höchste Priorität eingeräumt wird. Daher kann jede Person, die den christlichen Glauben annimmt und sich deshalb von den religiösen Praktiken der Gemeinschaft abwendet, als Verräter gebrandmarkt werden und der Ablehnung der Großfamilie gegenüberstehen.
  • Gewöhnliche Bürger: Mitglieder indigener Gemeinschaften müssen ihrem Stamm und den Gebräuchen treu sein. Daher sind sie verpflichtet, alle Praktiken abzulehnen, die die Stabilität der Gemeinschaft gefährden, einschließlich Praktiken und Aktivitäten christlicher Konvertiten.
  • Regierungsbeamte: Die Behörden haben Anteil an der Verfolgung, indem sie Diskriminierung und Gewalt gegen Christen, die sich weigern, den synkretistischen Praktiken ihrer Gemeinschaft zu folgen, erlauben oder ignorieren. Die Behörden betrachten Pastoren als Feinde der kulturellen Traditionen.
  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Guerillakämpfer haben sich mit indigenen Anführern zusammengeschlossen, um Christen indigener Herkunft zu bedrängen. Dieser Zusammenschluss hat das Ziel, die Interessen der Anführer ethnischen Gruppen zu verteidigen und Christen davon abzuhalten, ihren Glauben in der indigenen Gemeinschaft zu praktizieren.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Kartelle des organisierten Verbrechens handeln gelegentlich als Komplizen der indigenen Führer, um Christen in den Gemeinschaften einzuschüchtern. Ähnlich wie bei den Aktivitäten revolutionärer oder paramilitärischer Gruppen geht es hierbei um die Interessen der Anführer ethnischer Gruppen und den Versuch, die Christen an der Ausübung ihres Glaubens zu hindern.

Ausgehend von Säkularer Intoleranz

  • Ideologische Interessengruppen: LGBTI-Gruppen und radikale feministische Verbindungen streben unter dem Vorwand der Trennung von Staat und Kirche danach, Religion aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Sie belästigen, zensieren und verhöhnen Christen, wenn sie öffentlich christliche Standpunkte vertreten, die den Interessen dieser Gruppen widersprechen. Bei einigen Gelegenheiten haben sie mit den Medien zusammengearbeitet, um einseitige Informationen über Christen zu verbreiten. Einige dieser Gruppen versuchen, religiöse Gruppen und Kirchen zu infiltrieren, um eine theologische Öffnung gegenüber der LGBTI-Community zu fördern.
  • Regierungsbeamte: Generell unterstützen die staatlichen Behörden, einschließlich mancher Ministerien und des Verfassungsgerichts, die Interessen ideologischer Interessengruppen (wie LGBTI, radikale Feministengruppen und säkularistische Gruppen). Sie sind dafür bekannt, sich für die Verbreitung der Standpunkte dieser Gruppen einzusetzen und sich gegen die Ansichten von christlichen Leitern, Eltern und denjenigen zu wehren, die ihrer Meinung wiedersprechen. Christen sind im Nachteil, wenn sie ihre glaubensbedingten Ansichten zum Ausdruck bringen, da die Justizbehörden dazu tendieren, im Bereich der Meinungsfreiheit Christen weniger Schutz zu gewähren als anderen Gruppen.
  • Politische Parteien: Politische Parteien (wie die „Demokratische Alternative Achse“, die „Kolumbianische Liberale Partei“, das „Grüne Bündnis“ oder die „Progressive Partei“) behindern Initiativen von christlichen Politikern oder solchen, die durch christliche Gruppen unterstützt werden. Sie fördern Antidiskriminierung und Anti-Hass-Initiativen, was zu Konflikten mit der freien Meinungsäußerung aufseiten der Christen führen könnte.
  • Gewöhnliche Bürger: Viele Bürger sind intolerant und lehnen die Teilnahme von Christen am öffentlichen Leben ab; sie neigen oft dazu, Christen zu verhöhnen, zu beleidigen und zu diskreditieren.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Brennpunkte hinsichtlich Organisiertem Verbrechen und Korruption

Der „Stiftung für Frieden und Wiedergutmachung“ (Pares) zufolge können fünf Regionen definiert werden, in denen sich kriminelle Organisationen und illegale bewaffnete Gruppen aufhalten, wo sich ihr Einfluss konzentriert oder es Konflikte zwischen ihnen gibt (Stand: August 2019): Dies sind erstens die Bergregion Nudo de Paramillo, welche auch südliche Teile des Departamento de Córdoba, die Region Bajo Cauca sowie den Norden und Nordosten des Departamento de Antioquia einschließt; zweitens, die Region Catatumbo und Teile der Metropolregion von Cúcuta; drittens, die pazifischen Departamentos de Nariño und del Cauca; viertens, der Süden des Departamento del Meta, del Guaviare sowie Teile von Caquetá; fünftens, die Sierra Nevada de Santa Marta.

Brennpunkte hinsichtlich Ethnisch begründeter Anfeindungen

Christen, die den synkretistischen Praktiken ihres Stammes den Rücken kehren, werden besonders in den traditionellsten indigenen Gemeinschaften verfolgt; dort werden keine westliche Sitten, sondern nur Bräuche des eigenen Stamms akzeptiert. Dabei gibt es allerdings Unterschiede zwischen den Regionen: Die durchschnittlich jüngste indigene Bevölkerung ist überwiegend in Departamentos wie Arauca, Chocó, Magdalena, Vaupés, Vichada und Guainía anzutreffen. Während die älteste indigene Bevölkerung lebt in den Departamentos in der Andenregion: Bogotá, Cundinamarca, Caldas, Santander, Tolima and Nariño.

Brennpunkte der Säkularen Intoleranz

Diese Art der Verfolgung hängt mit der Umsetzung öffentlicher Vorschriften der Landesregierung und gesellschaftlichen Einstellungen zusammen. So ist sie überall im Land vorzufinden, besonders in den städtischen Departamentos wie Bogotá, Antioquia, Caldas, Risaralda, Quindío, Nariño, Valle del Cauca, Boyacá, Santander, Cundinamarca, Tolima und Huila. Stück für Stück betrifft diese Verfolgung auch die stärker indigenen Gebiete, abhängig davon, wieviel Akzeptanz jede einzelne ethnische Gruppe gegenüber westlichen Sitten zeigt.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Unter diese Kategorie fallen zumeist römisch-katholischen Kirchen und kleine orthodoxe sowie evangelische Gemeinschaften. In Regionen, die von Drogenkartellen und anderen organisierten Kriminellen kontrolliert werden, stehen sie in der Gefahr angegriffen zu werden. Sie haben außerdem mit dem wachsenden Säkularismus und der religiösen Intoleranz der Gesellschaft zu kämpfen. Hinzu kommen die Risiken und Hindernisse, die mit der Gemeindearbeit in indigenen Gemeinschaften einhergehen (von denen besonders evangelische Christen betroffen sind). In Einzelfällen erfahren evangelische Christen auch die Zurückweisung anderer traditioneller Kirchen, wie der Katholischen Kirche.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Dazu gehören Konvertiten, die sich von einer Denominationen ab- und einer anderen zuwenden (zum Beispiel solche, die so genannte „Megachurches“ verlassen, um kleineren christlichen Gemeinden beizutreten und umgekehrt). Außerdem sind Konvertiten in Kolumbien auch Christen, die einer indigenen Gemeinschaft entstammen oder früher einer Guerillagruppe oder kriminellen Organisation angehörten. Besonders im indigenen Kontext werden Konvertiten belästigt, vertrieben, erhalten Todesdrohungen und erleiden körperliche und seelische Formen von Gewalt, weil sie das Glaubenssystem der Mehrheit ihrer ursprünglichen Gemeinschaft verlassen haben. Die Aktivitäten krimineller Netzwerke betreffen sie ebenso wie die Christen aus den traditionellen Kirchen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Dazu gehören zumeist Christen aus evangelikalen, baptistischen und Pfingstgemeinden. Die Aktivitäten von Guerillakämpfern und kriminellen Netzwerken betreffen sie ebenso wie die Christen aus den traditionellen Kirchen. Obwohl die Regierung erkannt hat, dass sie in den am meisten benachteiligten Regionen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des Friedensabkommens spielen, gewährt die Regierung diesen Denominationen nicht die gleichen Vergünstigungen wie den traditionellen Kirchen des Landes und solchen, die einen Vertrag mit dem Staat geschlossen haben.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 8.9
Familienleben 7.8
Gesellschaftliches Leben 11.9
Leben im Staat 9.8
Kirchliches Leben 8.9
Auftreten von Gewalt 15

 

Grafik: Verfolgungsmuster Kolumbien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Kolumbien bleibt hoch und stieg von 9,0 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 auf 9,4 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020. Dieser Anstieg ist vor allem auf den erhöhten Druck vonseiten der kriminellen und ethnischen Gruppen zurückzuführen.
  • Die Wertung zeigt in allen Lebensbereichen ein hohes Niveau von Verfolgung. Sie liegt in jedem Bereich bei 7,8 Punkten oder mehr von maximal erreichbaren 16,7. Am stärksten ist der Druck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ (11,9 Punkte).
  • Der Wert für Gewalt liegt auf extremem Niveau. Er erhöhte sich von 12,5 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 auf 15,0 Punkte. Das liegt an den gestiegenen Zahlen getöteter Christen und Angriffe auf Kirchengebäude – eine Folge des gescheiterten Friedensabkommens mit der FARC.

Für jeden der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Dies ist der Fall, wenn einzelne Personen in indigenen Gruppen oder in Gegenden, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden, als Christen identifiziert werden. Solchen Christen wird schnell vorgeworfen, nicht den Normen der Gemeinschaft zu entsprechen, zum Beispiel aufgrund ihrer Abkehr von synkretistischen Praktiken oder der Nichteinhaltung von Ausgangssperren oder anderen Regeln der Gangs. Solche Einschränkungen verhindern Treffen und damit Gebet und Gemeinschaft mit anderen Christen, selbst wenn es sich nicht um ein gottesdienstliches Treffen handelt.
  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Im indigenen Gebieten verbieten die lokalen Behörden den Besitz von christlichem Material, das zur Verbreitung des Evangeliums eingesetzt werden könnte. Dennoch wird der wirtschaftliche Wert bestimmter christlicher Materialen als hoch eingeschätzt; kriminelle Gruppen führen Überfälle aus, um in den Besitz des Materials zu kommen und versuchen so, evangelistische Arbeit in der Gegend zu verhindern.
  • Es ist für Christen riskant, ihren christlichen Glauben im persönlichen Rahmen zu leben (z.B. Gebet, Bibellesen, etc.): In einem indigenen Umfeld stellt für Konvertiten jede Ausübung ihres christlichen Glaubens ein persönliches und körperliches Risiko dar. Der neue Glaube wird weder von der Gemeinschaft noch von den Stammesführern toleriert. Auch in Gegenden, wo kriminelle Gruppen operieren, bedeuten privates christliches Gebet und Bibellese ein Risiko. Alle Christen und insbesondere Christen indigener Herkunft, die als solche an ihrem Verhalten erkannt worden sind, geraten ins Visier der Verfolger. Sie stehen im Verdacht, die Gruppe zu verlassen oder Anzeige zu erstatten, was die illegalen Aktivitäten der Gruppen bedrohen könnte.
  • Es ist für Christen gefährlich, auf christliches Radio und Fernsehen oder christliches Material im Internet zuzugreifen: In indigenen Gemeinschaften ist es schwierig, Zugang zu christlichen Medien zu erhalten. Sollte dies doch möglich sein und ein Christ nutzt die Gelegenheit, um den christlichen Glauben weiterzugeben, folgen Strafen. In Gegenden, wo kriminelle Gruppen operieren, wird der Zugriff auf und die Benutzung von christlichem Material bestraft. Es wird befürchtet, dass dadurch die Interessen dieser Gruppen tangiert werden, sei es weil es zur Anprangerung ihrer illegalen Aktivitäten verwendet wird oder zur Bekehrung ihrer Gruppenmitglieder führt.

Allgemein erzeugt die Hinwendung zum christlichen Glauben in den indigenen Gemeinschaften (teils auch gewalttätigen) Widerstand von Stammesführern und der direkten Familie bzw. der Großfamilie. Christen dürfen keine religiösen Symbole tragen, da sie sich sonst der Gefahr von Drohungen, Belästigungen, körperlicher Folter, Verhaftung, Isolation und Verstoßung aussetzen. Christliche Konvertiten werden als „natürliche Feinde“ der kriminellen Gruppen angesehen; einige dieser Gruppen bieten den Stammesführern ihre Unterstützung dabei an, Christen indigener Herkunft zu unterdrücken. Obwohl dies mittlerweile seltener vorkommt, gibt es immer noch Widerstand oder Kritik aus den Reihen der Familie, wenn Mitglieder einer katholischen Gemeinde oder einer „Megachurch“ in eine kleinere Gemeinde wechseln. Hinzu kommt eine wachsenden Intoleranz der Gesellschaft gegenüber Religion. So gibt es eine Tendenz, dass Christen, die ihre christlichen Überzeugungen öffentlich zum Ausdruck bringen, kritisiert, beleidigt oder schikaniert werden. Diese Situation verleitet zur Selbstzensur.

Familienleben

  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Um jeglicher „Destabilisierung der indigenen Identität“ vorzubeugen, setzen Stammesführer christliche Eltern mit Drohungen unter Druck, ihren Glauben nicht an ihre Kinder weiterzugeben. Hin und wieder veranlassen lokale Behörden in den Stammesgebieten, dass Kinder christlicher Eltern von anderen Familienangehörigen oder Stammesmitgliedern aufgezogen werden, die die Bräuche des Stammes befolgen. In den Gegenden, die von kriminellen Netzwerken kontrolliert werden, können christliche Eltern kaum verhindern, dass ihre Kinder von der ELN und Abtrünnigen der FARC indoktriniert werden, da jedwede Gegenwehr zu ihrer Ermordung führen würde. Das Ziel dieser Gruppen ist, die Jugend zu beeinflussen, sodass eine kriminelle Einstellung fest in der Gesellschaft verankert wird. In anderen Gebieten Kolumbiens haben christliche Eltern Schwierigkeiten, ihre Kinder gemäß christlichen Überzeugungen aufzuziehen, selbst wenn sie eine christliche Schule für ihre Kinder auswählen; das gilt besonders bei Themen der Sexualerziehung in der Bildung.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Die Bildung in den indigenen Gemeinschaften zielt darauf ab, die kulturelle Identität der ethnischen Gruppe zu bewahren. In diesem Kontext wird der Glaube der Gemeinschaft unterrichtet, auch wenn dieser klar antichristlich ist und den religiösen Überzeugungen der christlichen Kinder und ihren Eltern widerspricht. Die einzige Möglichkeit für christliche Eltern ihre Kinder davor zu schützen, besteht darin, sie aus der Gemeinschaft heraus oder von der Schule zu nehmen. Das führt jedoch in den meisten Fällen zur Erhöhung der Analphabetenrate der Gemeinschaft. In anderen Teilen Kolumbiens steht der öffentliche Lehrplan unter beträchtlichem säkularistischem Einfluss und vermittelt Einstellungen, die religiöse Ansichten als diskriminierend und intolerant betrachten. Es wird Druck auf christliche Kinder und Eltern ausgeübt, Bildungsinhalte zur sexuellen Vielfalt etc. hinzunehmen, die ihrem christlichen Glauben und ihren Werten widersprechen. Staatliche Schulen bieten nicht immer alternativen Religionsunterricht für diejenigen Christen an, die nicht katholisch sind.
  • Kinder und Ehepartner von Christen sind langen Zeiten der Trennung von ihren Eltern oder Partnern ausgesetzt, wenn diese aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden: Christen, die aus indigenen Gemeinschaften ausgeschlossen wurden, werden zur Trennung von ihren Familien gezwungen (das heißt von ihren Frauen und Kinder). Dies ist eine Bestrafung dafür, dass sie sich geweigert haben ihren Glauben aufzugeben. Gleichzeitig nimmt insgesamt die Zahl der Binnenflüchtlinge zu, bedingt durch die Gewalt in den Gegenden, die von kriminellen Gruppen und Guerillakämpfern kontrolliert werden. Christen und besonders Gemeindeleiter werden zum Ziel krimineller Gruppen, da sie als eine Gefahr angesehen werden. Sie sehen sich gezwungen, ohne ihre Familien zu flüchten, damit sie keinen Verdacht erregen und die Zurückgebliebenen nicht unnötig gefährden.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Kinder von Christen indigener Herkunft werden unter Druck gesetzt, nicht dem Glauben ihrer Eltern zu folgen. Manchmal werden sie gezwungen, an indigenen Riten teilzunehmen, sie werden bestraft oder weggeschickt, um bei anderen (traditionellen) indigenen Familienmitgliedern zu leben, damit sie nicht von ihren christlichen Eltern großgezogen werden; bisweilen werden sie von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen, um zu verhindern, dass sie christlichen Einfluss ausüben. In Gegenden, in denen kriminelle Netzwerke agieren, ist es üblich, dass Kinder schon früh von den Guerillas rekrutiert werden, besonders Kinder christlicher Familien. Dies geschieht, um Christen dazu zu zwingen, ihre christlichen Aktivitäten und ihren Widerstand gegen die lokalen kriminellen „Autoritäten“ aufzugeben. Andernorts in Kolumbien (besonders in den städtischen Regionen) werden durch die wachsende Intoleranz der Gesellschaft gegenüber dem christlichen Glauben manche Kinder christlicher Eltern kritisiert oder verspottet. Der christliche Glaube gilt als radikal. Für Unverständnis sorgt auch, wenn christliche Kinder es ablehnen, an säkularen Feierlichkeiten oder an Aktivitäten zur Unterstützung von ideologischen Interessengruppen teilzunehmen. Manche Kinder aus christlichen Familien, die zu bestimmten Denominationen gehören, erfahren Mobbing wegen der Kleidung, die sie tragen.

Besonders in indigenen Gemeinschaften wird jedwede religiöse Praxis und die Nutzung von öffentlichem Raum dafür verboten, wenn die Praktiken von den traditionellen Gebräuchen abweichen. Folglich wird es für christliche Familien und Christen indigener Herkunft schwierig, Taufen, christliche Hochzeiten und Beerdigungen durchzuführen. Manchmal können diese nur außerhalb des Stammesgebietes abgehalten werden und werden normalerweise durch die Gemeinschaft nicht anerkannt.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Von Christen wird erwartet, dass sie an gemeinschaftlichen Veranstaltungen und religiösen Zeremonien der indigenen Gemeinschaften teilnehmen, andernfalls werden sie bestraft. In ähnlicher Weise können Anführer krimineller Gruppen die Ortsgemeinschaft dazu aufrufen, Ankündigungen zu verbreiten oder „neue Regeln“ aufzustellen – und von Christen wird erwartet, dass sie daran teilnehmen; wenn sie sich weigern, werden sie rasch Opfer von Vergeltungsmaßnahmen. An anderen Orten in Kolumbien werden christliche Arbeitnehmer dazu gezwungen, an Aktivitäten ihrer Firmen teilzunehmen, die einen Bezug zu Geschlechts- und Diskriminierungsfragen haben, selbst wenn sie angeben, dass diese Aktivitäten ihrem Glauben widersprechen.
  • Christen wird wegen ihres Glaubens der Zugang zur öffentlichen Grundversorgung ihrer Gemeinschaft und gemeinsam genutzten Ressourcen erschwert: In einigen indigenen Gemeinschaften oder ländlichen Gegenden, in denen kriminelle Gruppen aktiv sind, werden Christen von der Grundversorgung wie der Gesundheitsfürsorge oder finanzieller Unterstützung ausgeschlossen. Dadurch soll Druck auf sie aufgebaut werden, ihre Aktivitäten einzustellen.
  • Christen wurden Geldstrafen wegen ihres Glaubens auferlegt beispielsweise die Zahlung von Gemeinschaftssteuern oder Schutzgeld: Indigene Gemeinschaften nutzen oft ein System von Strafzahlungen (entweder Geld oder Ernteprodukte), die sie Christen auferlegen, wenn diese sich wegen ihres Glaubens weigern, an Riten oder Festivitäten der Gemeinschaft mitzuwirken. Kriminelle Gruppen fordern Schutzgeld von Pastoren, Priestern und anderen Christen, damit sie im Gegenzug auf Gewalt gegen sie verzichten und es ihnen erlauben, einige ihrer religiösen Aktivitäten fortzusetzen.
  • Christen wurden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden: Behörden in den Stammesgebieten nutzen Kontrollmechanismen innerhalb der indigenen Gemeinschaften, um die Aktivitäten von Christen zu überwachen. Oft funktionieren kriminelle Gruppen als de facto Behörden in Gegenden, in denen der Staat kaum präsent ist. Sie zwingen die Christen, ihre Gruppen über christliche Aktivitäten zu informieren.

Im indigenen Umfeld werden Christen indigener Herkunft in der Regel überwacht, bedroht, von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen, durch Zwangsehe bestraft (besonders Mädchen) und von Geschäften mit anderen Teilen der Gemeinschaft ausgeschlossen. In Gegenden, in denen kriminelle Netzwerke operieren, überwachen und belästigen diese Netzwerke Christen. Sie entführen jeden, der in ihren Augen eine Gefahr darstellt, da sie die entsprechende Macht und Autorität besitzen. An anderen Orten in Kolumbien infiltrieren LGBTI-Gruppen und radikale feministische Verbände Treffen oder Veranstaltungen von Christen, mit dem Ziel, verzerrte Berichte von den Vorträgen zu geben, um Christen als intolerant erscheinen zu lassen.

Leben im Staat

  • Christen sind Opfer von Hetzkampagnen: Da der Staat den indigenen Gemeinschaften Autonomie und Selbstbestimmung verliehen hat, regeln die indigenen Volksgruppen ihr Zusammenlebens eigenverantwortlich. Daher versuchen die Stammesführer, die als Autorität in diesen Landesteilen agieren, einen Lebensstil zu etablieren, der durch die Bräuche ihrer Vorfahren bestimmt ist. Vor diesem Hintergrund fördern diese Stammesführer die Verstoßung aller Personen, die sich dem christlichen Glauben zugewandt und deshalb die Stammesbräuche aufgegeben haben. Christen werden außerdem für alles Negative verantwortlich gemacht, was in den Gemeinschaften passiert. Andernorts in Kolumbien kommt es immer wieder zu sozialer Stigmatisierung und Diffamierung von Christen durch die Medien oder die Zivilgesellschaft, besonders dann, wenn die Kirche es wagt, sich zu Fragen des Lebensschutzes, der Familie, der Wahlverfahren oder des Friedensabkommens zu äußern. Das Ziel ist, Spaltungen innerhalb der Kirche herbeizuführen, damit sie in den Augen der Gesellschaft an Glaubwürdigkeit verliert. Im jüngsten Wahlkampf kritisierten Bürger mit harschen Worten die Verbindungen einiger christlicher Gruppen zu politischen Kandidaten.
  • Christen werden durch das Gesetz und in der Praxis dazu gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, beispielsweise durch den Militärdienst oder andere Tätigkeiten: In indigenen Gemeinschaften sind die Bräuche der ethnischen Gruppe das „Gesetz“. Dieser Umstand wird dazu genutzt, Christen zu zwingen, gegen ihre religiösen Überzeugungen zu handeln. Wehrdienstverweigerungen aus religiösen Gründen werden nicht immer akzeptiert. Medizinisches Personal wird mitunter dazu gezwungen, in Bezug auf Abtreibungen und Euthanasie gegen das eigene Gewissen zu handeln; beides wurde durch das Verfassungsgericht erlaubt. Andere Berufsgruppen wie Lehrer und Anwälte werden im Rahmen ihres Dienstes mitunter dazu gezwungen, gegen ihre christliche Überzeugung zu handeln.
  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Gemäß indigener Bräuche hat niemand, dessen Glauben von dem der Gemeinschaft abweicht, das Recht, sich vor der Gemeinschaft zu äußern. Denn diese Menschen könnten andere Mitglieder der indigenen Gemeinschaft dazu ermutigen, ihren religiösen Überzeugungen zu folgen. Auch Christen in Gegenden, in denen kriminelle Gruppen oder Guerillakämpfer agieren, sind nicht frei, christliche Überzeugungen zu äußern, sofern diese der Philosophie der jeweiligen Gruppe widersprechen, die Umsetzung des Friedensabkommens betreffen oder Menschenrechte und Umweltschutz verteidigen. In den letzten regionalen Wahlen kam es zur Belästigung von Christen, die Kandidaten unterstützen, welche eine Gefahr für die Interessen der kriminellen Gruppen darstellten. Bei öffentlichen Debatten zu sensiblen Themen (wie zum Friedensabkommen mit der FARC, Wahlen, dem Lebensschutz und der Regulierung von Ehen und Adoption, etc.) werden bekannte Christen oder diejenigen, die christliche Kandidaten unterstützen, verhöhnt und beschuldigt, die Trennung von Staat und Kirche aufzuheben.
  • Personen, die Christen Schaden zufügen, werden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: In indigenen Gemeinschaften bleibt die Diskriminierung und Misshandlung von Christen ungestraft, da die Stammesführer und lokalen Behörden hinter solchen Taten stehen. Andernorts ist Straffreiheit ein weitverbreitetes Phänomen, weil kriminelle Anführer und korrupte Beamte miteinander vernetzt agieren. Falls eine Ermittlung eingeleitet wird, berücksichtigen die Behörden in der Regel nicht, dass Christen für kriminelle Angriffe viel anfälliger sind, da ihre religiösen Überzeugungen von den kriminellen Gruppen als eine Bedrohung angesehen werden. Im Zusammenhang des radikalen Säkularismus wird Hinweisen auf Intoleranz als Ursache für Angriffe gegen Christen und Kirchen nicht ernsthaft nachgegangen oder diese angemessen eingedämmt. Die Behörden verweigern Gemeindeleitern Schutz, weil sie diese als Personen des öffentlichen Lebens einstufen und daher meinen, das Recht eines Kritikers zur freien Meinungsäußerung sei maßgebend.

In einigen Landesteilen agieren kriminelle Gruppen als die einzige Autorität. Sie bedrängen christliche Organisationen, die Drogenrehabilitationszentren betreiben, wegen ihres Einsatzes für den Schutz der Menschenrechte oder für die Umsetzung des Friedensabkommens. In indigenen Gemeinschaften verbieten Stammesführer Christen, die Gegend zu verlassen; Missionare dürfen bestimmte Gebiete nicht betreten. Es ist für indigene Christen kaum möglich, die Regierung um Schutz zu bitten, da die indigenen lokalen Behörden – die nahezu immer gegen Christen eingestellt sind – die einzigen autorisierten Behörden in den Stammesgebieten sind. Zudem kann es in einigen Fällen für Christen in öffentlichen Ämtern schwierig werden, ihren Dienst entsprechend ihrem Glauben auszuüben: Sie stehen in der Gefahr zum Ziel von Kritik und Hetzkampagnen durch Bürger und Medien zu werden können, was ihre Beförderungsmöglichkeiten einschränken könnte. Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich bezüglich Themen von öffentlichem Interesse engagieren, wird vorgeworfen, gegen die säkularen Prinzipien des Staates zu verstoßen.

Kirchliches Leben

  • Pastoren und andere christliche Leiter (oder ihre Familienmitglieder) werden wegen ihres Glaubens schikaniert: Christliche Leiter und ihre Familien geraten besonders ins Fadenkreuz, wenn sie in indigenen Gemeinschaften oder Gebieten leben und arbeiten, wo gleichzeitig kriminelle Gruppen agieren. Niemand sonst wird so häufig mit Strafzahlungen und speziellen Steuern belangt. Dies gilt besonders dann, wenn ihre Aktivitäten in Bezug zu Menschenrechten, dem Umweltschutz und der Umsetzung des Friedensabkommens stehen und sie sich weigern, mit den kriminellen Gruppen zusammenzuarbeiten. Gemeindeleiter erleiden zudem öffentliche Beschimpfungen und manchmal körperliche Misshandlungen, insbesondere wenn es um Themen wie Ehe, Familie und den Lebensschutz geht.
  • Kirchen werden daran gehindert, Schulen, wohltätige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Organisationen, Einrichtungen oder Vereine zu gründen und zu führen: Aktivitäten christlicher Organisationen sind in indigenen Gemeinschaften nicht gestattet. Christliche indigene Schulen zu betreiben, ist sowohl von den indigenen Behörden als auch der kolumbianischen Regierung verboten; in den Gemeinschaften ist nur eine traditionelle indigene Bildung erlaubt. Organisationen, die christlichen Kirchen nahestehen und dabei helfen, junge Drogensüchtige wieder zu integrieren, werden regelmäßig von kriminellen Gruppen ins Visier genommen (da sie solche Jugendarbeit als „Angriff“ auf ihre wirtschaftlichen Interessen sehen). Außerdem können manche christliche Organisationen, bedingt durch die schlechte Sicherheitslage, in den Grenzregionen nicht aktiv sein. Andernorts werden kirchliche Bildungseinrichtungen und andere christliche Organisationen zuweilen unter Druck gesetzt, die Richtlinien des Bildungsministeriums hinsichtlich der Sexualerziehung umzusetzen, indem man ihnen mit Schließung oder Strafzahlungen droht.
  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren oder historische religiöse Stätten zu beanspruchen, die ihnen früher genommen wurden: Um eine Zunahme der Zahl von Christen in indigenen Gemeinschaften und den Regionen zu verhindern, die unter der Kontrolle von Gangs stehen, wird der Bau von Kirchen oder Versammlungsräumen untersagt. In Gegenden, in denen kriminelle Netzwerke aktiv sind, werden christliche Leiter dazu gezwungen, einen Kirchenbau oder -umbau als Tarnung zur Geldwäsche zu missbrauchen. Wer dies nicht hinnehmen will, wird schikaniert. Als Rechtsnorm fungiert der Behördliche Bebauungserlass, der häufig zur Einschränkung des Baus neuer Kirchen in städtischen Gebieten verwendet wird.
  • Kirchen, christliche Organisationen oder Einrichtungen werden daran gehindert, ihre Überzeugungen hinsichtlich Hochzeiten und Familienangelegenheiten auszudrücken oder umzusetzen: Christliche Organisationen haben regelmäßig mit Kritik, Zurückweisung und Stigmatisierung zu kämpfen. Mit dem Argument, man wolle den säkularen Staat schützen, wird Kirchen (oder Organisationen mit christlichem Ethos) das Recht abgesprochen, sich öffentlich zu sensiblen Themen zu äußern. Wenn christliche Organisationen sich zu Fragen der Unantastbarkeit des Lebens, der Sexualität oder der Familie äußern oder ihre Sichtweisen vertreten, werden ihre Meinungen und Handlungen bisweilen von ideologischen Interessengruppen verzerrt und gegenüber der Gesellschaft als diskriminierend dargestellt. Indigene Gemeinschaften verweigern christlichen Organisationen das Recht , sich für eheliche bzw. familiäre Ordnungen auszusprechen, die denen ihrer Bräuche widersprechen. Sie argumentieren, dass dies den Kindern und der Identität des Stammes schaden würde; sie befürchten eine Aushöhlung ihrer synkretistischen Glaubensvorstellungen durch die Ablehnung von Ehen zwischen Minderjährigen und das Bestreben nach Gleichwertigkeit von Mann und Frau innerhalb der Familie (entsprechend der christlichen Lehre).

Innerhalb indigener Gemeinschaften und in Landesteilen, die von kriminellen Netzwerken kontrolliert werden, wird die Interaktion mit ausländischen christlichen Besuchern oft als zu riskant eingestuft; kirchliche Predigten, Lehren und Aktivitäten werden sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gemeinden überwacht und eingeschränkt. Dies beinhaltet die Arbeit mit Jugend und Kindern, sowie den Verkauf und das Verteilen von christlichem Material. Kriminelle Anführer hindern Christen daran, lokale Radiostationen und andere Medien als Plattform zu nutzen, um eine Ausbreitung christlichen Einflusses zu verhindern. In allen Fällen stehen Christen, die diesen Einschränkungen zuwiderhandeln, in der Gefahr, Opfer von verbaler bzw. physischer Gewalt zu werden.

Auftreten von Gewalt

  • 16 Christen, unter ihnen Pastoren und christliche Leiter mit indigener Herkunft, wurden durch kriminelle Gruppen an Orten wie Cauca, Meta, Antioquia, Valle del Cauca, und Chocó getötet. Diese Christen waren für ihren Widerstand gegen die kriminellen Aktivitäten dieser Gruppen bekannt.
  • Viele Angriffe auf Christen wurden genutzt, um Druck auf die Kirche aufzubauen. Derartige Vorfälle ereigneten sich in Antioquia, Huila, Bogotá, Cármen de Bolívar, Arauca, und Nariño. In Gegenden mit geringer oder gar keiner staatlichen Präsenz stehen Christen in der Gefahr, eingeschüchtert oder mit dem Tode bedroht zu werden, wenn sie ihre Stimme gegen Menschenrechtsverletzungen oder umweltgefährdende Aktivitäten erheben oder auf Korruption und kriminelle Gruppen hinweisen.
  • Aus den Stammesgebieten Kolumbiens wurden sechs Fälle bekannt, bei denen indigene Behörden Christen indigener Herkunft bestraften, weil sie den Riten des Stammes den Rücken gekehrt hatten. Solche Berichte kamen zumeist aus der ethnischen Gruppe der Ika.
  • Ungefähr 40 Kirchen und christliche Gebäude wurden angegriffen. Diese Vorfälle ereigneten sich in Bundesstaaten wie Bogotá, Arauca, Antioquía, Tumaco, Nariño und Chocó. Mit derlei Angriffen versucht man, Christen davon abzubringen, sich in Gegenden mit geringer oder gar keiner staatlichen Präsenz für den Schutz der Menschenrechte oder für Gewaltprävention einzusetzen. In ähnlicher Weise wurden einige zum Ziel von Vandalismus, ein weiterer Beleg für die herrschende säkularer Intoleranz gegenüber dem christlichen Glauben.
  • Sechs gewaltsame Übergriffe gegen Christen wurden gemeldet, die hauptsächlich auf die Handlungen organisierter krimineller Gruppen zurückzuführen sind. Diese Vorfälle passierten im Norden Kolumbiens.
  • In etwa 295 Fälle wurden Christen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen oder sich im In- und Ausland zu verstecken. Dies geschah im Zusammenhang mit Ethnisch begründeten Anfeindungen sowie Organisiertem Verbrechen und Kriminalität. Vertreibungen gab es in Matapiña, Rio Molino, Antioquía, Uraba, San Sebastian, Guaviare, Córdoba und Chocó. Es ist wichtig zu bedenken, dass Kolumbien die größte Anzahl von Binnenvertriebenen in der Region hat; allerdings sind keine separaten Daten über die Anzahl christlicher Binnenvertriebener verfügbar und es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Zwangsverheiratung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Menschenhandel
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Christliche Frauen und Mädchen werden zwar durch keinerlei spezielle Gesetze besonders in Gefahr gebracht, dennoch kommt es in der Praxis immer wieder zu herausfordernden Situationen für Christinnen, die es ihnen erschweren, ihren Glauben ohne Angst zu leben. So ist es zum Beispiel in indigenen Gemeinschaften üblich, dass die Stammesführer den christlichen Glauben nicht akzeptieren. Deshalb werden Christinnen indigener Herkunft entweder zur Ehe mit einem nichtchristlichen indigenen Mann gezwungen oder von ihren Männern verlassen. Das hat die Trennung von ihren Kindern und die Ausgrenzung aus der Gemeinschaft zur Folge.

In einer solchen Situation sind Christinnen indigener Herkunft sehr verletzlich, da sie möglicherweise zum Umzug gezwungen sind und der Willkür krimineller Gruppen zum Opfer fallen, die in Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung involviert sind. In Fällen, wo diese Christinnen in der Gemeinschaft bleiben können, sind sie gezwungen, trotz ihres Glaubens an den Praktiken der Gemeinschaft teilnehmen.

In Gegenden unter Kontrolle krimineller Gruppen sind alle Kinder von der Indoktrinierung durch Guerillas betroffen, einschließlich Mädchen. Diese müssen nicht nur die gewaltsamen Ideologien akzeptieren, die ihrem Glauben widersprechen, sondern sie werden auch sehr wahrscheinlich Opfer von Vergewaltigung und sexueller Belästigung. Ein weiterer Aspekt sind von multilateralen Organisationen gesponserte Regierungsprogramme, die in den vernachlässigten Regionen des Landes durchgeführt werden. Häufig beinhalten sie die Verpflichtung, Methoden zur „Familienplanung“ zu nutzen, was auch Verhütungsmittel und Abtreibungen umfasst. Besonders beunruhigend ist dabei, dass mancherorts Hilfsleistungen der Regierung und der volle Zugang zu medizinischer Versorgung nur unter der Bedingung gewährt werden, dass diese Methoden angewendet werden. Besonders aggressiv wird dieser Druck in den Schulen in ländlichen Gegenden ausgeübt. Hier werden Schüler dazu gezwungen, trotz fehlender Zustimmung ihrer Eltern Empfängnisverhütungsmittel zu benutzen. Dies beeinträchtigt das Recht der Eltern, ihre Kinder gemäß ihren Prinzipien und ihrem Glauben zu erziehen. Der einfache Zugang zu Verhütungsmethoden und deren weitverbreitete Nutzung erhöhen besonders in Gegenden, wo kriminelle Netzwerke agieren, für Frauen die Gefahr, Opfer von Vergewaltigungen zu werden. Das liegt daran, dass dadurch eine Vergewaltigung seltener zu einer Schwangerschaft führt, was sowohl die Hemmschwelle senkt als auch eine Straffreiheit des Täters begünstigt.

Mit Blick auf die Situation der Frauen im Land, herrscht in Kolumbien ein sehr niedriges Maß an Diskriminierung. Zu diesem Schluss kommt der „Social Institutions and Gender Index 2019 Global Report“, der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erarbeitet wird. Diese Studie konzentriert sich größtenteils auf juristische Rahmenbedingungen und soziale Normen in Bezug auf Gesundheit, Bildung und wirtschaftlicher Teilhabe. In ähnlicher Weise stellt der „SDG Gender Index“ fest, dass Kolumbien 67,9 Punkte im globalen Ranking erzielt (eine Punktewertung von 100 spiegelt das Erreichen von völliger Gleichberechtigung wieder) – damit ist die Situation der Frauen vergleichsweise weniger ungleich als in der Demokratischen Republik Kongo, dem Jemen oder Tschad. Auf der anderen Seite zeigen die Abschlussworte des UN-Reports von 2019 des „Committee on the Elimination of Discrimination against Women“ (CEDAW) viele Herausforderungen auf, denen Frauen in Kolumbien gegenüber stehen. Beispiele sind: Rekrutierung junger Frauen in Konfliktgebieten; Angriffe gegen weibliche Leiter, die an der Umsetzung des Friedensvertrags mit der FARC auf lokaler Ebene arbeiten; mangelnde Inklusion von Frauen in Politik, Bildung bzw. am Arbeitsplatz; weibliche Genitalverstümmelung in manchen indigenen Gemeinschaften, Feminizide (gezielte Abtreibung weiblicher Föten) und Gewalt gegen Frauen sowie Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Christliche Männer waren schon immer stärker gefährdet und von Verfolgung betroffen – zum Teil, wegen ihrer Rolle als Oberhaupt der Familie (oder der Kirche, im Fall von Pastoren oder Priestern). Dies gilt besonders für Männer und Jungen in Regionen mit bewaffneten Konflikten: Als Familienoberhäupter werden sie erpresst, bewaffnete Gruppen zu finanzieren; als Leiter im nichtkirchlichen Kontext stehen sie in der Gefahr, getötet zu werden; und als Pastoren und Priester werden sie möglicherweise angegriffen oder aus ihren Regionen vertrieben.

Kinder und Jugendliche sind der Rekrutierung und Gewalt von bewaffneten Gruppen ausgesetzt. In den Landesteilen, die von kriminellen Gruppen und Drogenkartellen kontrolliert werden, sind junge Männer das Hauptziel für deren Rekrutierungen. Sie werden indoktriniert und zur Teilnahme an Aktivitäten dieser Gruppen verpflichtet, was Entführungen, sexuellen Missbrauch, Schmuggel, etc. bedeuten kann. Die Organisation „Special Jurisdiction for Peace“ untersuchte Rekrutierungsversuche und sexuelle Gewalt gegen Jungen und Mädchen im Kontext bewaffneter Konflikte und kam zu dem Ergebnis: Von 8839 Opfern im Kindesalter (von 1971 bis heute gezählt), waren 32 Prozent weiblich und 67 Prozent männlich. Bedingt durch den ökonomischen und sozialen Kontext, geben einige der jungen Männer dem Druck nach und schließen sich den Gruppen an. Andere weigern sich jedoch, entweder wegen ihres Glaubens oder aus anderen Gründen. Sie werden häufig bedroht, verfolgt und zusammen mit ihren Familien entführt.

Es gibt einen starken Mangel an Traumatherapie und Resozialisierungsprogrammen für Männer. Geschlechterspezifische Politik, wie sie von der Regierung unterstützt wird, gibt Männern nicht dieselben Möglichkeiten wie Frauen, sich fortzubilden oder an Programmen teilzunehmen, die ihnen helfen, mit ihrer eigenen Verwundbarkeit umzugehen oder zunächst einmal heil zu werden. Statistisch gesehen richtet sich die Mehrheit der Resozialisierungs- und Vorsorgeprogramme an Frauen.

Weil die Hinwendung zum christlichen Glauben grundsätzlich abgelehnt wird, werden Kinder konvertierter Christen indigener Herkunft von Mitgliedern ihrer indigenen Gemeinschaften gezwungen, ältere Frauen derselben Ethnie zu heiraten, um die Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Mitgliedern der Gemeinschaft zu verhindern.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Dem „International Religious Freedom Report“ des US-Außenministeriums zufolge, berichtet die jüdische Gemeinschaft von einem Aufleben des Antisemitismus in den sozialen Medien; dazu gehört auch das aggressive Vorgehen der BDS-Bewegung, einer antiisraelischen Protestbewegung, die antisemitische Slogans wie „Juden kontrollieren die Medien“ benutzt.

Der „Kolumbianische Jüdische Gemeindeverband“ (CJCC) berichtete außerdem von Demonstrationen vor der israelischen Botschaft, die manchmal von antisemitischen Kommentaren in den sozialen Medien begleitet wurden. Insbesondere äußerte sich der CJCC besorgt über die aggressive Förderung des Boykotts israelischer Produkte, Künstler, Kultur und Reisen durch die BDS-Bewegung.

9. Der Ausblick für Christen

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Der erneute Griff zu den Waffen zweier früherer FARC-Kommandeure ist ein Rückschritt, der sicherlich Einfluss auf die Sicherheitslage des Landes haben wird und die Schwierigkeit erhöht, das Friedensabkommen mit der FARC umzusetzen. Diese besorgniserregende Entwicklung wird es noch schwerer machen, die Macht bewaffneter Gruppen einzuschränken, die diese de facto in vielen Landesteilen ausüben. Das gilt besonders dann, wenn man das hohe Maß an Korruption und Straffreiheit mitberücksichtigt. Für Christen bedeutet dies, dass der Einsatz für Frieden und die Wahrung der Menschenrechte sie auch künftig in erhöhte Gefahr bringen wird, Opfer von Angriffen zu werden. Diese Situation könnte sich noch weiter verschlechtern, wenn die Proteste gegen die aktuelle politische Situation in Gewalt umschlagen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Derzeit bietet der Staat keine wirksame Lösung zum Schutz der Religionsfreiheit des Einzelnen in Bezug auf Mitglieder indigener Gemeinschaften, die Christen werden und nicht mehr den traditionellen ethnischen Riten folgen wollen. Wenn sich dies nicht ändert, wird die Verfolgung dieser Christen noch weiter zunehmen. Dies ist besonders dort der Fall, wo kriminelle Gruppen bereits Allianzen mit Stammesführern eingegangen sind, um Übertritte zum christlichen Glauben zu verhindern.

Säkulare Intoleranz

Nichts deutet darauf hin, dass die Intoleranz gegenüber der politischen Teilhabe von Christen und gegenüber öffentlichen Glaubensbekundungen in naher Zukunft abzunehmen könnten. Obwohl der religiöse Bereich als ein wichtiges Element der Gesellschaft anerkannt wird, werden christliche Leiter weiterhin von der Regierung und von Interessensgruppen ignoriert werden – gerade dann, wenn es um Entscheidungen bezüglich des Lebensschutzes, der Ehe und der Familie geht. Die jüngste Wahl lokaler Beamter, deren politische Agenda sich an ideologischen Gruppen orientiert, wird wahrscheinlich den Schutz der Religionsfreiheit der Bürger negativ beeinflussen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kolumbien:

  • Durch die Ankündigung der Neubelebung der Guerillagruppe FARC-EP wächst die Angst. Nach der Umsetzung des 2016 unterzeichneten Friedensabkommens tauchte 2019 ein 32-minütiges Video auf, in dem Guerillaführer den Friedensprozess ablehnen. In diesem Video erklären sie einen neuen Krieg gegen die kolumbianische Regierung. Diese öffentliche Erklärung der Guerillaführer hat in Gebieten mit hoher Präsenz der Guerillas (wie Catatumbo, Arauca, Cauca und Guaviare) für tiefe Erschütterung in den christlichen Gemeinden gesorgt, da es dort in den letzten zehn Jahren zahlreiche Fälle religiöser Verfolgung gegeben hat. Bitte beten Sie, dass die Kirche angesichts dieser wahrscheinlich von Gewalt geprägten Zukunftsszenarien stark bleibt, dass die Predigt des Wortes nicht aufhört und dass Gewalttäter zur Umkehr geführt werden.
  • In Kolumbien werden derzeit gut tausend gesellschaftliche Leiter mit dem Tod bedroht, 317 wurden in den letzten 15 Monaten getötet. Es gibt mehrere Pastoren und religiöse Leiter, die auch als gesellschaftliche Leiter in ihren Ortsgemeinschaften fungieren. Also solche repräsentieren sie die Opfer des Konflikts, setzen sich für Menschenrechte ein oder kümmern sich um die Bewässerung der Ländereien der indigenen Gemeinschaften. Damit machen sie sich selbst und ihre Familien für Todesdrohungen angreifbar. Beten sie für ein Ende dieser Welle des Todes und Zerfalls, welche Kolumbien trifft, und beten Sie auch für die Pastoren, die Führungsrollen in ihren Gemeinschaften übernehmen.
  • Im Zusammenhang mit den Wahlkämpfen im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen im Oktober 2019 hat Kolumbien eine Zunahme von Gefechten, Morden und Drohungen erlebt, sogar gegen christliche Leiter. Im Juni gab die Landesregierung durch das Büro des Ombudsmannes eine Warnung vor steigender Gewalt in den ländlichen Gebieten Kolumbiens heraus. Bitte beten Sie um Schutz der Pastoren und ihrer Familien angesichts dieser Welle von Gewalt, Mord und Korruption.
  • Gemäß Recherchen von Open Doors sind mehr als die Hälfte aller Christen in den ländlichen Gebieten der Konfliktgebiete von Tod, Erpressung und Missionsverboten bedroht und müssen ständig wachsam sein. Möge Gott all diejenigen stärken, die dem Evangelium folgen, selbst in den feindlichsten Umständen.
  • Buenaventura ist eine Küstenstadt, die in den letzten Jahren vermehrt Schauplatz von bewaffneten Konflikten wurde. Die bewaffneten Gruppen überziehen die örtlichen Kirchen mit Drohungen und Verboten, angefangen von dem Verbot Gottesdienste zu feiern bis zu Morddrohungen, weil die Kirche sich für die Armen engagiert. Ein Pastor sagte, Mitglieder der bewaffneten Gruppen hätten alle Arten von Gebet für Frieden und ein Ende des Konfliktes verboten; Pastoren und Leiter mit dem Tod bedrohen, die sich den Anordnungen widersetzten, riskierten dadurch ihre Ermordung. Möge Gott den Glauben dieser Pastoren und Gemeindemitglieder in Buenaventura stärken und ihnen Mut geben, die Wahrheit zu predigen.
  • Im Nordosten Kolumbiens bedrohen bewaffnete Gruppen die regionalen Kirchen, verbunden mit der Warnung, ihr Ziel für die nächsten Jahre sei es, dass alle christliche Kirchen und Pastoren verschwinden. Die Angreifer behaupten, die christliche Kirche sei nur ein Instrument der Regierung, um die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Bitte beten Sie, dass Christen und ihre Leiter in diesen Gebieten in ihrem Glauben gestärkt werden und dass die Pläne der Verfolger für ihre Auslöschung keine Früchte tragen.
  • Bitte beten sie um Weisheit für die Leiter von indigenen Kirchen, die jeden Tag von Verfolgung, Folter, Verhaftung und Gewalt bedroht sind.

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