Länderprofil Kolumbien

Kolumbien

30
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Kolumbien
Hauptreligion
Christlicher Glaube
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
30
Karte Kolumbien
Christen
48,01
Bevölkerung
50.58
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Säkulare Intoleranz
Privatleben: 11.500
Familienleben: 8.800
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 11.000
Kirchliches Leben: 9.900
Auftreten von Gewalt: 13.300

Länderprofil Kolumbien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 30 / 68 Punkte (WVI 2021: Platz 30 / 67 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Gemeindeleiter werden bedroht, erpresst und sogar ermordet – dies ist ein Resultat der Gewalt der Guerillas oder anderer krimineller Gruppen im Kampf um territoriale Kontrolle, besonders in den am meisten vernachlässigten Regionen des Landes. In den meisten Fällen ist diese Gewalt die unmittelbare Folge davon, dass Christen Korruption und Gewalt anprangern, sich für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzen, mit Jugendlichen arbeiten, sich im Friedensprozess engagieren, sich in ihren Predigten gegen die Kriminalität aussprechen oder anderweitig die De-facto-Autorität lokaler krimineller Gruppen herausfordern und so deren kriminelle Aktivitäten gefährden. In indigenen Gemeinschaften gibt es signifikanten Widerstand gegen christliche Missionare und Christen mit indigener Herkunft. Diese müssen mit Haft, körperlichem Missbrauch und Verweigerung von Grundrechten rechnen.

Die Zunahme eines extremen Säkularismus führt zu einer wachsenden Intoleranz gegenüber christlichen Standpunkten im öffentlichen Raum. Dies gilt besonders bei Themen, die den Lebensschutz, die Familie, Ehe und Religionsfreiheit betreffen. Erheben Christen öffentlich die Stimme, kann es vorkommen, dass ihnen vorgeworfen wird, andere zu diskriminieren und Hass zu verbreiten. Aus diesem Grund entscheiden sich einige von ihnen für eine Selbstzensur, um nicht zur Zielscheibe dieser Anschuldigungen zu werden.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Kolumbien hat schon jahrzehntelang mit einem korrupten und schwachen Rechtsapparat zu kämpfen. Dadurch konnte sich in weiten Teilen des Landes ein florierendes kriminelles Netz entwickeln, das sich hauptsächlich aus dem illegalen Drogen-, Waffen- und Menschenhandel finanziert. Dem Menschenrechtsbericht 2020 des US-Außenministeriums zu Kolumbien zufolge wurden die Sicherheitskräfte der Regierung von Menschenrechtsorganisationen und anderen beschuldigt, mit kriminellen Banden zusammenzuarbeiten oder deren Aktivitäten zu tolerieren. Ferner wurde festgestellt, dass das Justizsystem überlastet und ineffizient ist und dass die Korruption und Einschüchterung von Richtern, Staatsanwälten und Zeugen die Arbeit der Justiz behindern.

Präsident Iván Duque Márquez hat die Aufgabe, die zahlreichen Herausforderungen zu bewältigen, die sich aus der Umsetzung des 2016 unterzeichneten Abkommens zur endgültigen Beendigung des Konflikts zwischen dem kolumbianischen Staat und den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens” (FARC) ergeben. Der Friedensprozess wird nach wie vor durch Schwierigkeiten mit den Verfahren des JEP-Gerichtssystems (ein außergerichtliches Jurisdiktionssystem zur Befriedung der Gesellschaft und zur Beurteilung früherer FARC Guerillas) und durch Rebellen der FARC behindert, die angekündigt haben, den fünf Jahrzehnte andauernden bewaffneten Konflikt wieder aufzunehmen.

Gegen Ende des Jahres 2019 fanden landesweite Demonstrationen statt, die von Studenten, indigenen Autoritätspersonen und Gewerkschaften angeführt wurden. Bei den Protesten ging es um politische, soziale, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen. Während der Demonstrationen, die auch im Jahr 2020 andauerten, schlossen sich den Demonstranten auch illegale Gruppen wie die „Nationale Befreiungsarmee” (ELN) an.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie wirkten sich negativ auf die Wirtschaft aus. Die landesweiten Demonstrationen wurden im April 2021 wieder aufgenommen, zunächst als Reaktion auf die Ablehnung eines Steuerreformvorschlags und dann als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen die Demonstranten. Es kam zwar zu einem Dialog zwischen der Regierung und dem „Nationalen Streikkomitee Kolumbiens” (CNP), das sich hauptsächlich aus Gewerkschaften zusammensetzt, die Gespräche wurden jedoch vom CNP abgebrochen, da keine konkreten Vereinbarungen erzielt werden konnten.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

48.011.000

94,9

Muslime

27.500

0,1

Hindus

12.300

0,0

Buddhisten

2.300

0,0

Anhänger ethnischer Religionen

314.000

0,6

Juden

5.000

0,0

Bahai

83.600

0,2

Atheisten

145.000

0,3

Agnostiker

1.439.000

2,8

Andere

536.500

1,1

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Christen erfahren ein hohes Maß an Druck und Gewalt durch das organisierte Verbrechen und illegale bewaffnete Gruppen in folgenden Departements: Antioquia, Arauca, Caquetá, Casanare, Cauca, Chocó, Córdoba, Guaviare, Meta, Nariño, Norte de Santander, Putumayo und Valle del Cauca.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Indigene Gemeinschaften haben viele religiöse Bräuche, und es herrscht wenig Akzeptant gegenüber anderen Glaubensvorstellungen, so dass diejenigen, die die religiösen Praktiken des Stammes aufgeben, verfolgt werden. In Kolumbien gibt es 115 indigene Gruppen. Diese leben in allen 32 Departements im Land.

Säkulare Intoleranz

Diese Triebkraft der Verfolgung hängt von den politischen Beschlüssen der nationalen Regierung und von sozialen Einstellungen in der Gesellschaft ab, die vor allem von intoleranten Gruppen mit Ideologien gegen Religion oder den christlichen Glauben gefördert werden. Säkulare Intoleranz ist überall im Land vorzufinden, besonders in den städtischen Departements wie Bogotá, Antioquia, Caldas, Risaralda, Quindío, Nariño, Valle del Cauca, Boyacá, Santander, Cundinamarca, Tolima und Huila.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Organisiertes Verbrechen und Korruption

FARC-Dissidenten, Mitglieder der ELN und andere Guerillagruppen kämpfen um die Kontrolle ganzer Regionen, um die Fortsetzung ihrer illegalen Aktivitäten zu gewährleisten. Dies hat dazu geführt, dass sowohl Gemeindeleiter als auch christliche Gruppen Opfer von systematischer Überwachung, Entführung, Bedrohung, Erpressung, Zwangsumsiedlung und Tötung sowie von Angriffen auf Gebäude von Christen geworden sind. Derartige Maßnahmen richten sich besonders gegen Personen, die sich gegen die Praktiken der organisierten bewaffneten Gruppen wenden, Menschenrechte einfordern, zu Kämpfern predigen, Gebetstage in besonders gewalttätigen Regionen durchführen und Jugendliche davon abhalten, diesen Gruppen beizutreten. Gemeindeleiter und andere Christen werden bedroht, wenn sie nicht bereit sind, nationale Streiks zu unterstützen. Sie werden von kriminellen Gruppen, die politische Interessen verfolgen, zur Teilnahme an Streiks gezwungen. Solche Gruppen rächen sich auch an früheren Mitgliedern, die aufgrund ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben das kriminelle Leben hinter sich gelassen haben.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Die Religion ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur und Identität indigener Gemeinschaften, und die Einführung von Ideen, die diesen alten Überzeugungen zuwiderlaufen, wird als Bedrohung angesehen. Zu den Strafen, die die örtlichen indigenen Behörden und Stammesführer gegen indigene christliche Konvertiten verhängen, zählen Gefängnisstrafen, Geldstrafen, physische und psychische Misshandlungen, die Verweigerung des Zugangs zu grundlegenden Ressourcen, die Beschlagnahme von Eigentum und Zwangsarbeit.

Säkulare Intoleranz

Der religiöse Sektor gilt als wichtiges Element zur Unterstützung der Umsetzung des FARC-Friedensabkommens und der sozialen und humanitären Hilfe während der Covid-19-Krise im Land. Nichtsdestotrotz sehen sich Christen in zunehmendem Maße verbalen Angriffen, sozialen Anfeindungen und Diskriminierung aufgrund von Intoleranz gegenüber christlichen Überzeugungen und Praktiken ausgesetzt. Eine strenge Auslegung des staatlichen Säkularismus bringt die Religionsfreiheit und das Recht auf Gewissensfreiheit häufig in Konflikt mit dem Recht auf Nichtdiskriminierung, weil jede auf Glaubensüberzeugungen fußende Meinungsäußerung als ein Verstoß gegen das Recht verstanden werden kann, nicht diskriminiert zu werden. Die Gesellschaft und öffentliche Institutionen lehnen es ab, dass christliche Berufstätige das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen geltend machen. Es gibt außerdem das Bestreben, alle Beamten, die offen für ihren Glauben oder ihre Zugehörigkeit zu einer Kirche einstehen, aus ihren Ämtern zu entfernen. Die Beteiligung der Christen im politischen Bereich hat infolgedessen abgenommen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Katholiken sind in Gebieten, die von Drogenkartellen und Gruppen des organisierten Verbrechens kontrolliert werden, von Anschlägen bedroht. Sie kämpfen auch mit der zunehmenden religiösen Intoleranz in der Gesellschaft und deren Ablehnung öffentlicher Glaubensbekundungen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Dazu gehören Konvertiten, die sich von einer christlichen Denomination ab- und einer anderen zuwenden, Christen indigener Herkunft oder Christen, die früher einer Guerillagruppe oder kriminellen Organisation angehörten. Vor allem in der indigenen Bevölkerung sind christliche Konvertiten Opfer von Schikanen, Ausweisung, Todesdrohungen und anderen Formen physischer und psychischer Gewalt, weil sie das Glaubenssystem der Mehrheit der Gemeinschaft verlassen haben.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Hierzu gehören hauptsächlich Christen aus Baptisten- und Pfingstgemeinden. Sie erfahren Druck und Gewalt von Gruppen des organisierten Verbrechens. Obwohl die Regierung ihre wichtige Rolle bei der Umsetzung des Friedensabkommens und bei der humanitären Hilfe in vernachlässigten Gebieten anerkennt, erhalten diese christlichen Gemeinschaften nicht die gleichen staatlichen Leistungen, die den traditionellen Kirchen gewährt werden. Darüber hinaus sehen sich diese Christen mit heftigem Widerstand extremistisch-feministischer und säkularistischer Gruppen konfrontiert, wenn sie versuchen, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Es steht ihnen nicht frei, in indigenen Gemeinschaften zu arbeiten, und sie sind Risiken ausgesetzt, wenn sie es doch tun.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.5
Familienleben 8.8
Gesellschaftliches Leben 13.1
Leben im Staat 11
Kirchliches Leben 9.9
Auftreten von Gewalt 13.3

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Christen sind bei der privaten Ausübung ihres Glaubens in unterschiedlichem Maße Gefahren wie Gewalt, Belästigung, Einschränkungen und Vertreibung ausgesetzt. Christen können von ideologischen Interessengruppen schikaniert werden, wenn sie ihre auf dem Glauben basierenden Ansichten verteidigen. Christen sind der Verfolgung ausgesetzt, wenn sie sich in indigenen Gemeinschaften oder in Gebieten, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden, mit anderen Christen treffen.

Familienleben

In Gebieten, die von kriminellen Netzwerken kontrolliert werden, riskieren christliche Eltern, dass ihre Kinder von der ELN, FARC-Guerillas und anderen illegalen Gruppen indoktriniert oder rekrutiert werden. Widerstand führt in der Regel zu Gewalt oder zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. In indigenen Gemeinschaften zielt die Schulbildung darauf ab, die kulturelle Identität der ethnischen Gruppe zu erhalten, auf Kosten der Christen, die als Außenseiter betrachtet werden. Sowohl in indigenen Schulen als auch in staatlichen Schulen wird das Recht der Eltern, ihre Kinder nach ihren religiösen Überzeugungen erziehen zu dürfen, häufig durch den Pflichtunterricht verletzt. Die Schikane von Christen in indigenen Gemeinschaften kann so weit gehen, dass Kinder von ihren christlichen Eltern getrennt werden.

Gesellschaftliches Leben

Die indigenen Behörden und Stammesführer bestrafen Christen mit Abgaben (in der Regel in Form von Geld oder Ernteprodukten), wenn sie sich an Glaubenspraktiken beteiligen, die dem lokalen Stammesglauben widersprechen. Außerdem werden Christen vom Zugang zu grundlegenden Ressourcen wie sauberem Wasser und medizinischer Versorgung ausgeschlossen. Sie können auch von der Gesellschaft und ihren Familien ausgegrenzt werden. Christliche Kinder sind gefährdet, als Strafe für die Abkehr von den Stammesbräuchen mit einem Ältesten zwangsverheiratet zu werden. Kriminelle Gruppen verlangen oft Schutzgeld von Gemeindeleitern als Gegenleistung dafür, dass sie keine Gewalt gegen sie ausüben. Gelegentlich beinhalten die „Gebühren“, die die kriminellen Gruppen verlangen, auch die Rekrutierung der Kinder von Pastoren. Kriminelle Gruppen sind auch dafür bekannt, dass sie dringend benötigte staatliche und humanitäre Hilfe abfangen, um Christen zu zwingen, ihre Herrschaft zu akzeptieren.

Leben im Staat

In indigenen Gemeinschaften bleiben Übergriffe gegen Christen oft ungestraft, weil die indigenen Bräuche verfassungsrechtlich geschützt sind und Stammesführer (häufig gleichzeitig die religiöse Autorität im Stamm) sowohl Anstifter von Gewalt gegen Christen als auch diejenigen sind, denen die Rechtsprechung in ihrem Stamm unterstellt ist. Da die indigenen Gemeinschaften weitgehend Anspruch auf ihre eigene Gerichtsbarkeit haben, können Stammesführer mit großer Autonomie gegen Christen vorgehen, und betroffene Christen können sich nicht an staatliche Gerichte wenden. In anderen Gebieten sind Christen Angriffen von illegalen bewaffneten Gruppen ausgesetzt, weil ihre religiösen Überzeugungen von den Gruppen als Bedrohung angesehen werden. Hinzu kommt, dass die Gesellschaft zunehmend intolerant gegenüber öffentlichen Äußerungen des christlichen Glaubens ist.

Kirchliches Leben

Christliche Leiter und ihre Familien werden in indigenen Gemeinschaften besonders schikaniert, und alle christlichen Aktivitäten sind verboten. In Gebieten, die von kriminellen Gruppen kontrolliert werden, sind ebenfalls gerade christliche Leiter und ihre Familien oft die häufigsten Opfer von Gewalt, Überwachung und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Dies gilt insbesondere, wenn sie sich für Menschenrechte, Umweltschutz, die Umsetzung des Friedensabkommens oder die Eindämmung des Kokaanbaus einsetzen oder unter Jugendlichen arbeiten. Die Kinder von Pastoren sind in besonderem Maße Ziel von Menschenhandel, Zwangsrekrutierung oder Vergewaltigung. So sollen Pastoren von der Fortsetzung ihres Dienstes abgehalten werden. Außerdem ist die Gesellschaft zunehmend intolerant gegenüber den Glaubensbekundungen der Kirche und ihrer Beteiligung am öffentlichen Leben.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  •  Im März 2021 erhielt Bischof Jaramillo Morddrohungen. Ein Priester war darüber informiert worden, dass Geld für Jaramillos Ermordung geboten wurde. In den sozialen Medien kursierte auch die Nachricht, dass der Bischof mit einer Bombe angegriffen werden sollte.
  • Am Internationalen Frauentag, dem 8. März 2021, brach eine extremistische Gruppe von Feministinnen die Türen der römisch-katholischen Kathedrale in Tolima auf, während sich Gemeindemitglieder darin aufhielten, und beschmierte die Wände des Gebäudes mit Graffiti.
  • Im Juli 2021 wurden 23 Christen von indigenen Anführern im Gebiet Seynwra eingesperrt, nachdem sie ihren Stamm verlassen hatten, um sich mit anderen Christen in der Nähe zum Gebet zu treffen.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

30

67,69

2021

30

67,22

2020

41

62,18

2019

47

57,76

2018

49

56,40

Eine Zunahme der Unterdrückung auf lokaler Ebene während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2022 hat zu einer leicht höheren Gesamtpunktzahl geführt. Kriminelle Gruppen kämpfen weiterhin um die territoriale Kontrolle, insbesondere in Gebieten, in denen es erst kürzlich Wahlen gegeben hatte. Feindseligkeiten gegenüber Christen indigener Herkunft nahmen ebenso zu wie die Intoleranz gegenüber Glaubensbekundungen im öffentlichen Raum.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: In Kolumbien kommt es nach wie vor zu konfliktbedingter sexueller Gewalt durch bewaffnete Gruppen, wobei ethnische Gruppen mit indigenem und afrokolumbianischem Hintergrund besonders gefährdet sind. Innerhalb indigener Gemeinschaften können Christinnen, die sich weigern, an indigenen Riten und Bräuchen teilzunehmen, zur Heirat gezwungen, von ihren Ehemännern verlassen, von ihren Kindern getrennt und von den Gemeinschaften geächtet werden. Dadurch sind sie Vertreibung sowie der Gefahr von Menschenhandel und der sexuellen Ausbeutung ausgesetzt. In Gebieten, die von Gruppen des organisierten Verbrechens kontrolliert werden, laufen Mädchen Gefahr, vergewaltigt und sexuell belästigt zu werden. Christliche Mädchen, die ins Visier genommen werden, weil sie als rein und gehorsam gelten, können ihren Eltern unter Morddrohungen „abgekauft“ werden.

Männer: Christliche Männer sind einem hohen Maß an Drohungen und Gewalt ausgesetzt, insbesondere in Regionen, die von Gruppen des organisierten Verbrechens kontrolliert werden. Als Haushaltsvorstände können sie erpresst oder getötet werden. Illegale bewaffnete Gruppen stellen eine der größten Bedrohungen für christliche Männer und Jungen dar. Sie werden von ihnen entführt, zwangsrekrutiert und gewaltsam angegriffen. Sie werden indoktriniert und zur Teilnahme an den Aktivitäten dieser Gruppen gezwungen. Gemeindeleiter sind aufgrund ihrer Tätigkeit besonders gefährdet, vor allem wenn sie sich gegen kriminelle Gruppen aussprechen. In einigen indigenen Gemeinschaften sind christliche Konvertiten extremem Druck wie Schlägen, Schikane, Drohungen und Zwangsarbeit ausgesetzt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2020 (erstellt im Auftrag des US-Außenministeriums) meldete die jüdische Gemeinschaft, dass in den sozialen Medien auf gewissen Seiten weiterhin antisemitische Äußerungen zu finden seien, die auch ihr Existenzrecht betreffen. Das Denkmal des Staates Israel in Bogotá wurde mit einem Hakenkreuz beschmiert und das Wort „Israel“ durchgestrichen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kolumbien:

  • Für den Schutz der Pastoren und Gemeinden, die von kriminellen Gruppen angegriffen werden.
  • Für Weisheit und die Gegenwart des Heiligen Geistes, damit indigene kolumbianische Christen standhaft im Evangelium bleiben können.
  • Dass Gott die lokalen Partner von Open Doors ausrüstet, um der verfolgten Kirche in Kolumbien zur Seite zu stehen und ihr zu dienen.