Weltverfolgungsindex 2026

Kolumbien

Christenverfolgung in Kolumbien

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Einige Leiter von Kirchen und Gemeinden in Kolumbien werden bedroht, erpresst und sogar ermordet – dies ist das Ergebnis des zunehmenden Kampfes um territoriale Kontrolle und der wachsenden Gewalt, welche von Guerillas oder anderen kriminellen Gruppen ausgehen. Dies gilt besonders in den Landesteilen, die am meisten von der Regierung vernachlässigt werden. In den meisten Fällen ist die Gewalt gegen Christen die unmittelbare Folge davon, dass Christen die Korruption und Gewalt in Predigten anprangern, sich für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzen oder mit Jugendlichen arbeiten, einschließlich denen, die sich von den kriminellen Gruppen ab- und dem christlichen Glauben zugewandt haben. Die Gewalt betrifft auch Christen, die sich im Friedensprozess oder in der humanitären Hilfe engagieren oder sich anderweitig der De-facto-Autorität lokaler krimineller Gruppen widersetzen und so deren kriminelle Aktivitäten gefährden.

In etlichen indigenen Gemeinschaften gibt es signifikanten Widerstand gegen christliche Missionare und christliche Konvertiten indigener Herkunft. Diese müssen in Folge mit Inhaftierung, körperlichem Missbrauch, Drohungen, Schikane und Verweigerung von Grundrechten rechnen.

Die Zunahme des Säkularismus führt zu einer wachsenden Intoleranz gegenüber biblisch begründeten Standpunkten im öffentlichen Raum. Dies gilt besonders bei Themen, die den Lebensschutz, die Familie und Ehe sowie die Religionsfreiheit betreffen. Christen, die in der Öffentlichkeit ihre Überzeugungen und Glaubensansichten zum Ausdruck bringen, wird mitunter vorgeworfen, sie würden andere diskriminieren und Hass verbreiten. Aus diesem Grund entscheiden sich einige Christen für eine Selbstzensur.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Kolumbien hat schon jahrzehntelang mit einem korrupten und schwachen Rechtsapparat zu kämpfen. Dadurch konnte sich in weiten Teilen des Landes ein florierendes kriminelles Netzwerk entwickeln, das sich hauptsächlich aus dem illegalen Drogen-, Waffen- und Menschenhandel finanziert. In ländlichen Gebieten wie Nudo de Paramillo und Catatumbo verlangen bewaffnete Gruppen von den Bewohnern, einschließlich den Christen, dass sie die Informationen auf ihren Mobiltelefonen preisgeben, so etwa die Kontaktdaten und Nachrichten – dies ist eine Form der Überwachung, die Christen und andere in Gefahr bringen kann.

Die Regierungstruppen werden unter anderem von Menschenrechtsorganisationen beschuldigt, mit kriminellen Banden zusammenzuarbeiten oder deren Aktivitäten zu tolerieren, so stellt der Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums für das Jahr 2023 fest. Ferner wird in dem Bericht erklärt, dass das kolumbianische Justizsystem überlastet und ineffizient ist, und dass die Korruption und Einschüchterung von Richtern, Staatsanwälten und Zeugen die Arbeit der Justiz behindern.

Im Juni 2022 wurde Gustavo Francisco Petro Urrego vom sogenannten „Pacto Histórico“ („Historischer Pakt“), einer Koalition aus linken Parteien, für die Legislaturperiode 2022–2026 zum Präsidenten von Kolumbien gewählt. Seitdem hat sich Kolumbien im Rahmen einer reformorientierten Agenda politisch neu aufgestellt. Obwohl einige Reformen, z. B. in den Bereichen Renten und Bildung, vorangekommen sind, sieht sich die Regierung mit Protesten, Korruptionsvorwürfen und abnehmender Zustimmung in der Bevölkerung konfrontiert. Rückschläge bei Regionalwahlen und eine zerbrechliche Mehrheit im Kongress haben ihre Position weiter geschwächt. Der US-amerikanischen Denkfabrik Atlantic Council zufolge ist die Umsetzung des Friedensabkommens von 2016 nach wie vor unzureichend: Bis Mai 2024 waren erst 33 % der Bestimmungen des Abkommens vollständig umgesetzt, 37 % minimal und 20 % befanden sich noch in einem „Zwischenstadium“. Die Waffengewalt eskaliert weiter, vor allem in Gegenden wie Cauca, Antioquia, Nariño, Valle del Cauca und Chocó. Zusammenstöße zwischen Guerillagruppen (ELN, AGC, FARC-Dissidenten), kriminellen Organisationen und staatlichen Kräften haben zu Massakern, Zwangsvertreibungen, Kinderrekrutierung und erhöhter Unsicherheit geführt. Ethnische Gemeinschaften – vor allem indigene und afrokolumbianische – sind unverhältnismäßig stark betroffen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 17. Januar 2025 berichtete, stellte Präsident Petro die Friedensgespräche mit der „Ejército de Liberación Nacional“ („Nationalen Befreiungsarmee“, ELN) im Januar 2025 ein, nachdem es in Catatumbo, nahe der venezolanischen Grenze, zu Angriffen gekommen war, bei denen die ELN die Feindseligkeiten mit dissidenten „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ („Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ FARC-Fraktion) wiederaufgenommen hatte. In einigen indigenen Gebieten ist die Religionsfreiheit durch die dort herrschenden kulturellen Normen eingeschränkt – zusätzlich begrenzt wurde die Religionsfreiheit außerdem durch das Urteil SU-510 des Verfassungsgerichts aus dem Jahr 1998. Dieses bestätigt, dass indigene Gemeinderäte „traditionelle“ Glaubensvorstellungen definieren und diejenigen bestrafen können, die sich weigern, ihnen zu folgen. Demzufolge werden „nicht-traditionelle“ Religionen in Reservaten effektiv verboten. Evangelikale und protestantische Christen, die traditionelle Rituale ablehnen, werden diskriminiert, bedroht oder vertrieben.

Die kolumbianische Verfassung von 1991 garantiert Religionsfreiheit und eine rechtliche Gleichstellung aller Glaubensrichtungen. Die größte christliche Konfession in Kolumbien ist die römisch-katholische Kirche. Nach Schätzungen der World Christian Database für das Jahr 2025 gehören 84,8 Prozent aller Christen in Kolumbien dieser Kirche an. Protestantische Kirchen und Gruppen erfahren aber kontinuierlichen Zuwachs. Sie sind insbesondere in vielen Großstädten gut sichtbar, wo sogenannte „Megachurches“ mit Tausenden von Gemeindemitgliedern entstanden sind. Der Erlass 354 gewährt einigen nicht-katholischen christlichen Gruppen die rechtliche Anerkennung, andere müssen sich jedoch beim Innenministerium registrieren lassen, um ähnlichen Schutz zu erhalten. Die Regierung fördert die Zusammenarbeit mit religiösen Einrichtungen für Sozialarbeit und setzt sich zudem dafür ein, dass diese als Opfer bewaffneter Konflikte anerkannt werden. Säkulare Gesellschaftsbereiche hingegen haben dieses Engagement kritisiert. Gleichzeitig haben Gerichte zunehmend die Neutralität des Staates betont, indem sie die Entfernung religiöser Symbole aus öffentlichen Einrichtungen anordneten und religiöse Äußerungen in offiziellen Bereichen einschränkten.

Christliche Gemeinden und Kirchen engagieren sich in vielen der ärmeren Gesellschaftsschichten, zum Beispiel im Bildungswesen und bei der Grundversorgung der bedürftigsten Familien. Ebenso machen christliche Netzwerke und Organisationen immer wieder auf die Gründe aufmerksam, die für soziale Krisen in den verschiedenen Teilen der Bevölkerung verantwortlich sind. Kirchenleiter, die sich für Frieden oder die Verteidigung von Rechten einsetzen, sind häufig Zielscheibe von Gewalt und Einschüchterung durch bewaffnete Gruppen. Trotzdem engagieren sich die Kirchen weiterhin aktiv in den Bereichen humanitäre Hilfe, Bildung und Versöhnung.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen, insbesondere sexualisierte Gewalt, ist ein weiteres Problem im Land. Durch Drohungen werden die Opfer daran gehindert, die Tat zu melden – mit der Folge, dass die Tragweite des Problems nicht klar erkennbar wird. In mehreren Gebieten des Landes stellt die Zwangsrekrutierung von hauptsächlich männlichen Jugendlichen eine ständige Bedrohung dar. Davon sind auch Christen betroffen. Auch gibt es immer mehr Berichte über den Einsatz sexualisierter Gewalt gegen Männer und Jungen, die von rivalisierenden Gruppen als Mittel der Folter, Einschüchterung und Nötigung genutzt wird. So soll die Kontrolle über bestimmte Bereiche in Konfliktgebieten sichergestellt und ausgeweitet werden.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

49.876.000

94,8

Muslime

29.200

< 0,1

Hindus

14.300

< 0,1

Buddhisten

2.400

< 0,1

Anhänger ethnischer Religionen

339.000

0,6

Juden

5.100

< 0,1

Bahai

90.100

0,2

Atheisten

141.000

0,3

Agnostiker

1.597.000

3,0

Andere

516.900

1,0

3. Gibt es regionale Unterschiede?

In einigen Gebieten wird die Religionsfreiheit durch weit verbreitete Gewalt und schwachen staatlichen Schutz eingeschränkt. Zu diesen Gegenden zählen: Antioquia, Bolívar, Cauca, Chocó, César, Córdoba, Guaviare, Meta, Nariño, Norte de Santander, Putumayo, Tolima und Valle del Cauca.

Indigene Gemeinschaften haben ihre eigenen traditionellen Bräuche, und es werden diejenigen verfolgt, die die religiösen Praktiken des Stammes aufgeben, einschließlich christlicher Konvertiten. Diese Art der Verfolgung findet sich vor allem in den Departamentos Cauca, Magdalena, Cesar, Huila, Chocó und Boyacá.

Säkulare Intoleranz gegenüber Christen ist bedingt durch die Politik der nationalen Regierung sowie durch gesellschaftliche Ansichten und Tendenzen, die vor allem durch Gruppen mit antireligiösen oder christenfeindlichen Ideologien gefördert werden. Sie ist überall im Land vorzufinden, besonders in den städtischen Gebieten der Departementos wie Bogotá, Antioquia, Caldas, Risaralda, Quindío, Valle und Cundinamarca.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Dissidenten der „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ („Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“, FARC), Mitglieder des „Ejército de Liberación Nacional“ („Nationalen Befreiungsarmee“, ELN), Drogenkartelle und andere organisierte bewaffnete Gruppen kämpfen um die Kontrolle ganzer Regionen und darum, dort ihre illegalen Aktivitäten fortsetzen zu können. Dies hat dazu geführt, dass Kirchen- und Gemeindeleiter sowie christliche Gruppen zum Opfer von systematischer Überwachung, Entführungen, Drohungen, Erpressung, Zwangsumsiedlungen und Tötungen geworden sind und ihre Gebäude angegriffen wurden. In Konfliktgebieten werden Kirchen manchmal von bewaffneten Gruppen gedrängt, ihren Einfluss auf die Gesellschaft zu nutzen, um diesen Gruppen Legitimität zu verschaffen oder ihre Kontrolle zu festigen. Diese Dynamik bedroht die religiöse Neutralität und fügt christlichen Gemeinschaften weiteren Schaden zu. Derartige Maßnahmen zielen besonders auf die Christen ab, die sich aktiv gegen die Praktiken der bewaffneten Gruppen wenden, die Menschenrechte verteidigen und sogar den Kämpfern dieser Gruppen das Evangelium verkünden. Kirchen- und Gemeindeleiter und andere Christen werden bedroht, wenn sie nicht bereit sind, nationale Streiks zu unterstützen; und sie werden von kriminellen Gruppen zur Teilnahme an solchen Streiks gezwungen, was deren korrupte Aktivitäten und illegalen Geschäfte begünstigt. Auch rächen sich kriminelle Gruppen an früheren Mitgliedern, die aufgrund ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben das kriminelle Leben hinter sich gelassen haben. In ganz Kolumbien – doch insbesondere in den Regionen, die von bewaffneten Konflikten am stärksten betroffen sind – führt die eskalierende Gewalt zu einem alarmierenden Ausmaß an Unsicherheit.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Die animistische Weltanschauung ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur und Identität indigener Gemeinschaften. Die Einführung von Ideen, die diesen alten, traditionellen Überzeugungen zuwiderlaufen, wird als Bedrohung angesehen. Zu den Strafen, die die örtlichen indigenen Behörden und Stammesführer gegen christliche Konvertiten verhängen, zählen Gefängnisstrafen, Geldstrafen, physische und psychische Misshandlungen, die Verweigerung des Zugangs zu grundlegenden Ressourcen sowie Zwangsarbeit.

Säkulare Intoleranz

Christen sehen sich in zunehmendem Maße verbalen Angriffen, sozialen Anfeindungen und Diskriminierung aufgrund von Intoleranz gegenüber christlichen Überzeugungen und Praktiken ausgesetzt. Eine strenge Auslegung des staatlichen Säkularismus bringt die Religionsfreiheit und das Recht auf Gewissensfreiheit häufig in Konflikt mit dem Recht auf Nichtdiskriminierung – nämlich dann, wenn Meinungsäußerungen, die auf Glaubensüberzeugungen basieren, als ein Verstoß gegen das Recht verstanden werden können, nicht diskriminiert zu werden. In der Öffentlichkeit können christliche Beamte, die ihren Glauben oder ihre Kirchenzugehörigkeit zum Ausdruck bringen, kritisiert oder unter Druck gesetzt werden, Neutralität zu wahren. Obwohl der Druck auf christliche Amtsträger zugenommen hat, engagieren sich viele Christen weiterhin in der Politik.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt zwar ausländische Christen in Kolumbien, aber sie werden nicht ausgegrenzt und verfolgt, weshalb ihre Situation beim Weltverfolgungsindex nicht bewertet wurde.

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu dieser Kategorie gehören vor allem die römisch-katholischen Kirchen und kleinere orthodoxe und protestantische Kirchen. In Gebieten, die von Drogenkartellen und Gruppen des organisierten Verbrechens kontrolliert werden, sind traditionelle Kirchen von Angriffen bedroht. Außerdem kämpfen traditionelle Kirchen mit der zunehmenden Intoleranz gegenüber Religion in der Gesellschaft und mit der Ablehnung öffentlicher Glaubensbekundungen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Zu dieser Gruppe gehören christliche Konvertiten, die sich von einer christlichen Denomination ab- und einer anderen zuwenden, Konvertiten indigener Herkunft oder Konvertiten, die früher einer Guerillagruppe oder kriminellen Organisation angehört haben. Vor allem in der indigenen Bevölkerung erfahren christliche Konvertiten Druck und Gewalt, weil sie das Glaubenssystem der Mehrheit verlassen haben. Sie erleiden Schikanen, Ausweisung aus der Gemeinschaft, Diskriminierung bei der Nutzung der kommunalen Grundversorgung und andere Formen physischer und psychischer Gewalt. Im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität erhalten christliche Konvertiten mitunter Morddrohungen, was dazu führen kann, dass sie ihre Heimat verlassen müssen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Hierzu gehören hauptsächlich Christen aus Baptisten- und Pfingstgemeinden. Sie erfahren Druck und Gewalt von Gruppen des organisierten Verbrechens. Obwohl von manchen die Bedeutung der humanitären Hilfe, die diese Freikirchen leisten, anerkannt wird, erhalten diese christlichen Gemeinden nicht die gleichen staatlichen Leistungen wie die traditionellen Kirchen. Wenn sie sich in der Politik engagieren, stoßen sie zudem auf den heftigen Widerstand säkularistischer Interessengruppen. Darüber hinaus können sie sich nicht frei in indigenen Gemeinschaften engagieren, und sie sind Risiken ausgesetzt, wenn sie es doch tun.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 11
Familienleben 7.7
Gesellschaftliches Leben 12.7
Leben im Staat 11.5
Kirchliches Leben 10.5
Auftreten von Gewalt 12.8

Privatleben

Christen, besonders Konvertiten, sind bei der privaten Ausübung ihres Glaubens in unterschiedlichem Maße Gefahren wie Ablehnung, Belästigung, Drohungen, Einschränkungen und Ausgrenzung ausgesetzt. Sie werden mitunter von ideologischen Interessengruppen angefeindet, wenn sie ihre auf dem christlichen Glauben basierenden Ansichten verteidigen. Zudem sind Christen Verfolgung ausgesetzt, wenn sie sich in indigenen Gemeinschaften oder in Gebieten, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden, mit anderen Christen treffen. In einigen Regionen unterliegen christliche Materialien außerdem Einschränkungen oder sind verboten.

Familienleben

In Gebieten, die von kriminellen Netzwerken kontrolliert werden, stehen Kinder christlicher Eltern in der Gefahr, von der ELN, FARC oder anderen illegalen Gruppen indoktriniert oder rekrutiert zu werden. Widerstand führt in der Regel zu Schikanen, Gewalt, dauerhafter Trennung von Familienmitgliedern oder Vertreibung aus der Gemeinschaft. In indigenen Gemeinschaften zielt die Schulbildung darauf ab, die kulturelle Identität der ethnischen Gruppe zu bewahren, und christliche Schüler werden gezwungen, an animistischen Handlungen teilzunehmen. Sowohl in indigenen als auch in staatlichen Schulen wird das Recht der Eltern, ihre Kinder nach ihren religiösen Überzeugungen zu erziehen, mitunter durch den Pflichtunterricht verletzt, der genau diesen Überzeugungen zuwiderläuft.

Gesellschaftliches Leben

In einigen indigenen Gemeinschaften werden Christen vom Zugang zu grundlegenden Ressourcen wie Trinkwasser, Bildung und medizinischer Versorgung ausgeschlossen; oder sie werden ganz aus der Gemeinschaft und ihren Familien verbannt. Sie werden von der Gemeinschaft auch dazu gedrängt, Beiträge (in der Regel Geld oder landwirtschaftliche Erzeugnisse) für religiöse Praktiken zu leisten, die in Verbindung zur Ahnenverehrung und zum Animismus stehen. Kriminelle Gruppen erpressen von Christen oft Geldzahlungen, wobei Leiter von Kirchen und Gemeinden besonders davon betroffen sind. Wenn sie sich weigern zu zahlen, kann dies zu Gewalt führen oder das Risiko erhöhen, dass sie vertrieben oder ihre Kinder zwangsrekrutiert werden. In Regionen mit begrenzter staatlicher Präsenz agieren diese Gruppen als inoffizielle Behörden, die Verhöre und Drohungen einsetzen – mit dem Ziel, Christen einzuschüchtern, Informationen zu erlangen und ihre Aktivitäten zu unterdrücken.

Leben im Staat

In indigenen Gemeinschaften bleiben Übergriffe gegen Christen oft ungestraft. Dies ist der Fall, weil die indigenen Bräuche verfassungsrechtlich geschützt sind; außerdem sind die Stammesführer (häufig gleichzeitig die religiösen Autoritätspersonen im Stamm) sowohl Anstifter von Gewalt gegen Christen als auch diejenigen, denen die Rechtsprechung in ihrem Stamm unterstellt ist. Da die indigenen Gemeinschaften weitgehend ihre Gerichtsbarkeit selbst organisieren dürfen, können Stammesführer mit großer Autonomie gegen Christen vorgehen, und betroffene Christen können sich nicht an staatliche Gerichte wenden. In vielen Gebieten haben kriminelle Gruppen de facto die Macht inne. Auch dort können Christen ihre Rechte, einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung und auf Bewegungsfreiheit, nicht in vollem Umfang wahrnehmen; sie sind diesen illegalen Gruppen ausgeliefert, die häufig straffrei handeln. Hinzu kommt, dass sich die Gesellschaft zunehmend intolerant gegenüber öffentlichen Äußerungen des christlichen Glaubens verhält. Christen werden so in ihrer freien Meinungsäußerung und ihrem Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes eingeschränkt. Außerdem werden Christen beschuldigt, „Diskriminierer“ und „menschenrechtsfeindlich“ zu sein. All dies hat viele Christen dazu veranlasst, Äußerungen über ihren Glauben selbst zu zensieren, um Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden.

Kirchliches Leben

Kirchen und Gemeinden werden häufig zum Ziel von Bedrohungen durch kriminelle Gruppen, indigene Anführer und ideologische Interessengruppen. Christliche Leiter und ihre Familien werden in indigenen Gemeinschaften besonders schikaniert, und christliche Aktivitäten sind in der Regel verboten. In einigen indigenen Gebieten wird das Predigen, das von den anerkannten Traditionen abweicht, bestraft – denn der christliche Glaube wird häufig als Bedrohung der kulturellen Identität angesehen. In Gebieten, die von kriminellen Gruppen kontrolliert werden, sind ebenfalls gerade christliche Leiter und ihre Familien die häufigsten Opfer von Gewalt, Überwachung und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie sich für die Menschenrechte, die Umwelt, die Umsetzung des Friedensabkommens oder die Eindämmung des Kokaanbaus einsetzen oder unter Jugendlichen arbeiten. Gewalt anzuzeigen, erhöht allerdings das Risiko von Vergeltungsmaßnahmen gegen christliche Gemeinschaften und macht sie somit noch verwundbarer. In einigen der von kriminellen Gruppen kontrollierten Gebiete sind die Kinder von Pastoren in besonderem Maße Ziel von Menschenhandel, Zwangsrekrutierung oder Vergewaltigung. So sollen Pastoren eingeschüchtert und von der Fortsetzung ihres Dienstes abgehalten werden. Teile der Gesellschaft betrachten zunehmend kritisch die christliche Lehre in Bezug auf den Schutz von Ehe und Familie sowie die Art und Weise, wie sich die Kirchen in der Öffentlichkeit engagieren.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Am 4. April 2025 wurden sieben Christen von FARC-Dissidenten entführt und über die angebliche Präsenz einer rivalisierenden bewaffneten Gruppe verhört. Am 1. Juli 2025 wurden die Christen der Nachrichtenorganisation Religion Unplugged zufolge hingerichtet. Ihre Leichname wurden aus einem Massengrab geborgen. Am 29. März 2025 wurde ein Kirchengebäude in Boyacá von ethnischen Stammesführern verwüstet, um ihrer Ablehnung gegenüber dem Evangelium zum Ausdruck zu bringen. In diesem Zuge wurden Wasserleitungen durchtrennt, Schlüssel gestohlen und Kücheneinrichtungen beschädigt. Nach Angaben des Pastors waren dem Angriff mehrere Drohungen vorausgegangen. Der verwüstete Raum wird von Christen genutzt, die aus abgelegenen Gebieten zum Gottesdienst kommen.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

47

66

2025

46

66

2024

34

68

2023

22

71

2022

30

68

Die Gesamtpunktzahl auf dem Weltverfolgungsindex 2026 ist mit 66 Punkten dieselbe wie im Vorjahr. Der Wert für Gewalt stieg geringfügig auf 12,8 Punkte an. Dies wurde durch einen leichten Rückgang des Drucks im Bereich des Familienlebens ausgeglichen. Dem zugrunde liegt, dass es in bestimmten indigenen Gebieten weniger Hindernisse für die Eintragung von christlich geprägten Zivilereignissen (wie Geburten oder Eheschließungen) gibt. Dennoch gibt es in einigen indigenen Gemeinschaften nach wie vor Anfeindungen gegen Christen, insbesondere gegen Konvertiten. Es wird immer wieder von sozialer Ausgrenzung, Drohungen und anderen Formen der Einschüchterung berichtet. Kriminelle Gruppen kontrollieren nach wie vor große Teile des Staatsgebiets, was sich im Anstieg der Gewalt widerspiegelt. Die offiziell registrierten Morde an christlichen Leitern haben die Öffentlichkeit schockiert und zeigen, dass die organisiertes Verbrechen und Korruption die größte Bedrohung für die Kirche im Land bleibt. Darüber hinaus herrscht in der Gesellschaft eine zunehmende Intoleranz gegenüber religiösen Äußerungen im öffentlichen Raum. Auch Christen sind hiervon betroffen, die ihre Überzeugungen in sozialen, ethischen oder politischen Fragen zum Ausdruck bringen wollen.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

In Kolumbien kommt es im Rahmen des bestehenden Konfliktes nach wie vor zu sexualisierter Gewalt durch bewaffnete Gruppen. Dabei sind Frauen mit indigenem und afrokolumbianischem Hintergrund besonders gefährdet. Indigene Christinnen, die sich weigern, an den Riten und Bräuchen ihrer indigenen Gemeinschaft teilzunehmen, werden unter Druck gesetzt, von der Gemeinschaft geächtet und beim Zugang zum Gesundheits- und Bildungswesen diskriminiert. In den Gebieten, die von Banden kontrolliert werden, werden manche Mädchen mit teuren Geschenken verführt oder unter Androhung des Todes von ihren Eltern oder Brüdern „gekauft“ – denn manche kriminellen Anführer haben es auf sexuell reine Mädchen abgesehen, weshalb christliche Mädchen und deren Familien ins Visier der Banden und unter Druck geraten.

Männer

Christliche Männer sind einem hohen Maß an Drohungen und Gewalt ausgesetzt, insbesondere in Regionen, die von Gruppen des organisierten Verbrechens kontrolliert werden. Als Haushaltsvorstände müssen sie mit Erpressung und Tod rechnen. Für christliche Männer und Jungen stellen illegale bewaffnete Gruppen eine der größten Bedrohungen dar. Sie werden von ihnen entführt, zwangsrekrutiert und gewaltsam angegriffen; sie werden indoktriniert und zur Teilnahme an den Aktivitäten dieser Gruppen gezwungen. Leiter von Kirchen und Gemeinden sind aufgrund ihrer Tätigkeit besonders gefährdet, vor allem, wenn sie sich gegen kriminelle Gruppen aussprechen. Mehrere Kirchenleiter sind im vergangenen Berichtsjahr verschwunden und/oder wurden getötet. Infolgedessen sind viele geflohen. In einigen indigenen Gemeinschaften werden männliche Konvertiten unter Druck gesetzt und erleiden körperliche Bestrafung, Ächtung, Drohungen und Zwangsarbeit.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Im September 2024 warnte die amerikanische US-Botschaft – in Übereinstimmung mit der Sonderbeauftragten Deborah Lipstadt –, dass die wiederholten Vergleiche von Präsident Gustavo Petro zwischen Israels Aktionen im Gazastreifen und den Gräueltaten der Nazis den Antisemitismus zu fördern drohen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kolumbien:

  • Beten Sie für den Schutz der Pastoren und Gemeinden, die im Visier von kriminellen Gruppen stehen.
  • Bitten Sie um Weisheit und die Gegenwart des Heiligen Geistes, damit indigene kolumbianische Christen standhaft im Evangelium bleiben können.
  • Beten Sie, dass zwangsrekrutierte christliche Jungen und Mädchen freikommen und dass Kinder und Jugendliche vor Indoktrination, Zwangsrekrutierung und sexualisierter Gewalt beschützt werden.
  • Beten Sie, dass Jesus unter den Guerillas und Drogenbanden wirkt und Menschen dort zum Glauben an ihn kommen.

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