Länderprofil Masambik

Mosambik

41
Weltverfolgungsindex
2022
Mosambik
Hauptreligion
Christlicher Glaube
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
45
Karte Mosambik
Christen
18,01
Bevölkerung
33.23
Islamische Unterdrückung
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Diktatorische paranoia
Privatleben: 9.300
Familienleben: 8.500
Gesellschaftliches Leben: 11.300
Leben im Staat: 7.900
Kirchliches Leben: 12.500
Auftreten von Gewalt: 15.600

Länderprofil Mosambik

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 41 / 65 Punkte (WVI 2021: Platz 45 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Verfolgung von Christen in Mosambik hat verschiedene Ursachen. Erstens haben Angriffe islamischer Extremisten viele Christen das Leben gekostet. Zweitens erschwert die Präsenz von Drogenkartellen in einigen Gebieten das Leben von Christen, insbesondere von kirchlichen Jugendarbeitern. Drittens schränkt die Regierung die Religionsfreiheit ein.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Mosambik wurde 1975 von Portugal unabhängig. 1992 konnte der Bürgerkrieg mit einem von den Vereinten Nationen ausgehandelten Friedensabkommen zwischen der damals einzigen Partei, der „Front für die Befreiung Mosambiks“ (FRELIMO), und den Rebellen des „Nationalen Widerstands Mosambiks“ (RENAMO) beendet werden. Es folgten stetige wirtschaftliche und politische Fortschritte, die durch das Wiederaufflammen von Spannungen und Gewalt zwischen FRELIMO und RENAMO seit 2012 allerdings wieder gefährdet wurden. Im Jahr 2019 brachen erneut Kämpfe aus, als die FRELIMO nach umstrittenen Wahlergebnissen an der Macht blieb. In der Zwischenzeit haben gewalttätige islamistische Kämpfer im Norden des Landes Angriffe auf die Zivilbevölkerung verübt. Christen sind aus ihren Wohnorten geflohen, um nicht ins Visier der Dschihadisten zu geraten. Die islamistische Gruppe „Ahl al-Sunnah wa-l-Jama’ah“ (ASWJ) hat dazu aufgerufen, christliche Symbole zu beseitigen. Sie hat in einigen Teilen der Provinz Cabo Delgado die Häuser von Christen angegriffen. Um die Dschihadisten zurückzudrängen, kämpfen seit Juli 2021 Truppen aus anderen Ländern, insbesondere aus Ruanda, an der Seite der Armee Mosambiks. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, und rund 45 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre.

Die südasiatische Einwandererbevölkerung ist überwiegend muslimisch. Ebenso muslimisch geprägt sind die nördlichen Provinzen, vor allem entlang der Küste, wohingegen dort einige Gebiete im Landesinneren eine höhere Konzentration von christlichen Gemeinschaften aufweisen. In den südlichen und zentralen Regionen sind Christen zahlreicher vertreten, aber auch Muslime leben in diesen Gebieten.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

18.012.000

54,2

Muslime

5.801.000

17,5

Hindus

48.000

0,1

Buddhisten

2.800

0,0

Anhänger ethnischer Religionen

9.217.000

27,7

Juden

200

0,0

Bahai

3.800

0,0

Atheisten

23.700

0,1

Agnostiker

115.000

0,3

Andere

5.900

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

In der nördlichen Provinz Cabo Delgado finden die schwersten Übergriffe auf Christen statt, da dort Kämpfer, die mit dem „Islamischen Staat“ (IS) verbündet sind, gewaltsame Angriffe verüben.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Seit 2017 kommt es immer wieder zu Angriffen auf Christen durch militante Islamisten, denen enge Verbindungen zu al-Shabaab in Somalia nachgesagt werden. Dies führte dazu, dass Tausende aus ihren Häusern fliehen mussten. Macht und Einflussbereich dieser Kämpfer nimmt stetig zu. Die Gruppierungen finanzieren sich durch die Zusammenarbeit mit Drogenkartellen und durch Korruption, an der einige Regierungsbeamte des Landes beteiligt sind.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

In einigen abgelegenen Gebieten sehen es Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen als Bedrohung an, dass christliche evangelistische Aktivitäten zunehmen. Infolgedessen beschweren sich die Clanchefs oft über derartige kirchliche Aktivitäten.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung von Mosambik stellt keine wirkliche Demokratie dar. Sie ist nach wie vor repressiv und übt Druck auf einige Kirchen aus, die Regierungspolitik zu unterstützen. Die Verfassung verbietet jegliche religiöse Einflussnahme in öffentlichen Bildungseinrichtungen. Einige Behörden stellen außerdem komplizierte Anforderungen zur Registrierung religiöser Gruppen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Mosambik weist ein hohes Maß an organisierter Kriminalität auf; Drogen, Waffen und illegale Produkte aus Wildtieren, wie Elfenbein, werden in großem Umfang in den Häfen gehandelt. Die islamistische Gruppe ASWJ betreibt zur Finanzierung ihrer Aktivitäten illegalen Handel. Kirchen, die sich in der Arbeit unter Jugendlichen und kriminellen Banden engagieren, werden von Kartellen bedroht und gewaltsam angegriffen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu den traditionellen Kirchen gehören die Römisch-Katholische Kirche, die Anglikanische Kirche und orthodoxe Kirchen. Sie werden häufig von militanten ASWJ-Kämpfern angegriffen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

In diese Kategorie fallen Christen muslimischer Herkunft sowie Christen, die zuvor einer traditionellen afrikanischen Religion angehört haben. Ferner zählen auch Christen dazu, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind. Christen muslimischer Herkunft, die im muslimisch geprägten Norden leben, werden besonders schwer verfolgt; solche Konvertiten werden mit großer Wahrscheinlichkeit Opfer von Angriffen extremistischer Muslime.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu protestantischen Freikirchen gehören Baptisten- und Pfingstgemeinden; Christen aus diesen Kirchen werden regelmäßig bedroht und angegriffen, weil sie aktiv das Evangelium weitergeben.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.3
Familienleben 8.5
Gesellschaftliches Leben 11.3
Leben im Staat 7.9
Kirchliches Leben 12.5
Auftreten von Gewalt 15.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

In den nördlichen Gebieten, die unter dem Einfluss militanter Islamisten stehen, müssen Christen (insbesondere Christen muslimischer Herkunft) ihren Glauben verheimlichen. Andernfalls riskieren sie, angegriffen oder getötet zu werden.

Familienleben

Im Norden, wo sich die Dschihadisten ausbreiten, ist es gefährlich, Kinder im christlichen Glauben aufzuziehen. Dies gilt insbesondere für Gebiete, aus denen sich die Regierungstruppen zurückziehen mussten. Selbst in der Dorfgemeinschaft und in der Schule sind Christen Opfer von Schikanen und Diskriminierung. Darüber hinaus stehen Kinder von evangelikalen Christen in einigen Gebieten, in denen überwiegend Katholiken leben, vor ähnlichen Problemen.

Gesellschaftliches Leben

Im Norden des Landes sind christliche Frauen und Mädchen in Gefahr, von islamistischen Aufständischen entführt zu werden. Zu diesen Entführungen kommt es häufig, nachdem die Dörfer überfallen wurden. In Cabo Delgado wurden Christen schikaniert, weil sie nach Ansicht der islamistischen Aufständischen nicht den religiösen Anforderungen der Muslime entsprachen.

Leben im Staat

Im Norden wurden viele Kirchen und christliche Symbole mutwillig zerstört. Obwohl die Kirche in der postkolonialen Ära eine wichtige Rolle im Demokratisierungsprozess gespielt hat, unterdrückt die Regierung unliebsame Ansichten der Kirche zu Themen wie den Menschenrechten. Die Regierung strebt mit einem neuen Gesetzentwurf, über den derzeit beraten wird, eine strengere Form der Regulierung von Religionsausübung an.

Kirchliches Leben

Christliche Predigten werden von den Behörden häufig auf regierungskritische Äußerungen hin überwacht, und im Norden werden sämtliche kirchlichen Aktivitäten von Dschihadisten kontrolliert. Die Regierung hat die Erteilung von Kirchenlizenzen bewusst hinausgezögert und erörtert derzeit ein neues Gesetz zur Regelung religiöser Angelegenheiten. Ähnlich wie das Gesetz in Ruanda verlangt die Regierung offiziell ausgebildete Kirchenführer und versucht, die Ausbreitung kleinerer Kirchengruppen zu verhindern.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Am 14. Juli 2021 griffen Angehörige einer islamistischen Miliz Zivilisten in dem Dorf Mekombe in der Nähe von Palma (Provinz Cabo Delgado) an und ermordeten vier Christen.
  • Es wurden christliche Kinder enthauptet, wie zum Beispiel im März 2021, als ein elfjähriger Christ enthauptet wurde.
  • Christen, darunter auch Kirchenführer, wurden gezwungen, aus ihren Dörfern zu fliehen.
  • Christliche Frauen wurden verschleppt.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

41

64,98

2021

45

63,28

2020

66

43,46

2019

65

43,24

2018

-

-

Der Anstieg um zwei Punkte ist auf den zunehmenden Druck auf die Christen zurückzuführen, insbesondere im nördlichen Teil des Landes, wo die Dschihadisten aktiv sind. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 konnten die Dschihadisten viele Städte unter ihre Kontrolle bringen, auch wenn sie schließlich von den Streitkräften Ruandas und der Staaten des südlichen Afrikas zurückgedrängt wurden. Die mit dem IS verbundene islamistische Gruppe ASWJ will in Mosambik ein islamisches Kalifat errichten. Sie haben Kirchen und Schulen niedergebrannt und Zehntausende Menschen sind aus dem Norden des Landes geflohen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 war eine Zunahme der Verfolgung zu verzeichnen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die häufigsten Übergriffe auf christliche Frauen und Mädchen sind sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und Zwangsverheiratung, wobei Mosambik eine der höchsten Raten von Kinderehen weltweit aufweist, was auf den Einmarsch militanter Islamisten zurückzuführen ist. Entführungen sind in allen Regionen üblich, in denen Dschihadisten und ihre Gruppierungen Einfluss ausüben. Mädchen werden zur Zwangsarbeit eingesetzt, Frauen werden zu Zwecken des sexuellen Missbrauchs und der Hausarbeit entführt. Christliche Konvertitinnen, die sich vom Islam oder traditionellen afrikanischen Religionen abgewandt haben, sind schutzlos dem Druck der Familie ausgesetzt, beispielsweise durch Zwangsheirat, Scheidung, Verweigerung des Erbes und Verlust des Sorgerechts für die Kinder.

Männer: Islamische Unterdrückung ist die häufigste Form der Verfolgung von Christen in Mosambik. Ein Experte für das Land teilte mit, dass „in der Provinz, in der die Dschihadisten aktiv sind, Anschläge sowohl gegen Regierungsgebäude als auch gegen christliche Gebäude inzwischen üblich“ sind. Es wird berichtet, dass christliche Männer und Jungen bei diesen Angriffen getötet wurden. Andere haben ihr Ackerland und ihren Besitz verloren, was ihre Familien in eine wirtschaftliche Zwangslage gebracht hat. Auch haben die Milizen Kinder zwangsrekrutiert. Anfang 2020 wurden Berichten zufolge mehr als 50 Jungen massakriert, weil sie sich den Rebellengruppen nicht anschließen wollten.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Minderheiten (z. B. Hindus, Buddhisten und Juden) sind nur in sehr geringer Zahl im Land vertreten; bei den meisten handelt es sich um Ausländer. Diese Gruppen sind von keiner besonderen Form der Verfolgung betroffen. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung folgt  traditionellen afrikanischen Religionen. Die meisten Anhänger dieser Religionen leben in abgelegenen Regionen des Landes. Berichte über Verfolgung liegen nicht vor.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mosambik:

  • Beten Sie mit den Gemeinden und ihren Ältesten, die Tausende von vertriebenen Familien aufgenommen haben. Beten Sie, dass sie voll Mitgefühl und Verständnis mit diesen Personen umgehen, insbesondere den Traumatisierten und Verletzlichen. Beten sie um Weisheit, wie diese Familien am besten erreicht und in ihrer Not unterstützt werden können.
  • Beten Sie für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Arbeitslosigkeit und mangelnde Grundversorgung haben die Jugend desillusioniert und Wut hervorgerufen. Infolgedessen haben sich viele von ihnen islamistischen Extremistengruppen angeschlossen. Beten Sie, dass die Regierung und die internationalen Partner sicherstellen, dass die Menschen von den Hilfsprogrammen profitieren.
  • Beten Sie für Weisheit für die Mitarbeiter und Partner von Open Doors bei den Überlegungen, wie verfolgten Christen in Mosambik am effektivsten geholfen werden kann. Beten Sie für Schutz für die Mitarbeiter, die in unsichere Regionen reisen.

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